Tag 4036 und 4037 – Steht kein Pilz im Wald.

Heute war das Wetter kacke, gestern aber nicht. Und während Pippi auf einem Kindergeburtstag war, der draußen direkt am Wald stattfand, ging ich deshalb mit meinem Körbchen und meinem Messerchen bewaffnet in den Wald. Es ist ja Herbst, also Pilzzeit.

Denkste. Nichts hab ich gefunden. Zwei Stunden im Wald rumgestapft (an Orten, wo ich noch nie war, weil man normalerweise Gummistiefel braucht, um da hin zu kommen) für ein paar angefressene Fliegenpilze, einige Reizker (die lasse ich stehen, es sei denn, ich komme noch an einer Pilzkontrolle vorbei, Lamellenpilze finde ich tendenziell gruselig), eine knappe Handvoll falsche Pfifferlinge und einen einzigen halb aufgefressenen Steinpilz. Letzteren habe ich aus reinem Trotz mitgenommen.

Falsche Pfifferlinge sind eigentlich recht einfach zu erkennen, die haben nämlich keine Adern, sondern Lamellen. Auf dem oberen Bild bin ich nicht so ganz sicher, ob das eine nicht vielleicht ein echter Pfifferling ist, aber was soll ich mit einem einzelnen Winzpilz?

Falsche Pfifferlinge sind das, was Leute, die keine Pilze sammeln, mir gegenüber immer als Gefahr angeben. Dabei sind die nicht giftig und noch nicht mal nicht genießbar, die schmecken einfach nach nichts. Und mit ein bisschen (wirklich minimaler) Übung sind sie relativ leicht zu erkennen.

Ich vermute, dass der Klimawandel schuld an der Abwesenheit von Pilzen ist. Normal ist das jedenfalls nicht.

Tag 749 – Naja, immerhin Pilze gefunden. 

Komplett beschissener Tag (schlechte Nachrichten vom Tausend-Replikate-Versuch, das heißt jetzt, ganz kurz, damit ich nicht wieder heule, drei Möglichkeiten: 1) ein richtig schlimm Bad Science Paper schreiben, in dem ich nur drei von sieben Replikaten betrachte, das als Manuskript in die Thesis hauen und danach sehr schnell verdrängen, was ich da tat; 2) Mithilfe des Chefs* versuchen, mit einem Siebtautor-Paper und einem (hoffentlich bis dahin immerhin eingereichten) Manuskript, das aber ENORM aufwändig und auch gut ist, zu verteidigen, verstößt halt eigentlich gegen die Regeln, aber wozu gibt’s denn sonst die Ausnahmenklausel?; 3) Aufgeben. Und glauben Sie mir, das ist grad echt eine Option, ich bin so fertig, ich möchte nur noch heulen.) aber schauen Sie mal, was wir heute schönes fürs heutige und auch morgige Mittagessen gefunden haben:




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*auf den bin ich langsam echt sauer. Heute ich in langer Mail: „Wir könnten also den Antikörper oder den oder den kaufen, hier sind die Vor- und Nachteile von jeder Option, überleg dir was und bestell dann.“ Er, nach tausend Stunden und dem… Eklat mit dem tausend-Replikate-Versuch: „Bestell, was du brauchst.“ Orr. Was ich bisher im PhD gelernt hab: 1. vertrau niemandem; 2. Verlass dich auf niemanden;  3. Undank ist der Welten Lohn; 4. Machs lieber gleich alleine, wegen 1. und 2. und 3..

Tag 402 – Pilzrausch. 

Wir waren heute auf der anderen Seite vom Fjord, bei unserem Schaf-Freund. Allerdings diesmal nicht wegen der Schafe, sondern wegen der Pilze. Drei Stunden Pilztour später ist die Ausbeute: 

Das sind: ein Wiesenchampignon, viele Pfifferlinge, ein paar Brocken eines Steinpilzes, viele Birkenröhrlinge in verschiedenen Farben, einige Heiderotkappen und ein Hainbuchenröhrling. Ein Pilz, den unser Freund (der sehr viel bewanderter auf dem Gebiet ist, als wir) nur neidisch blickend mit „Oh, der ist gut!“ betitelte, ist irgendwie undefinierbar, sieht aus wie ein weißer Birkenröhrling, ist aber definitiv kein Gallenröhrling und auch nix giftiges. Also wanderte der zusammen mit allen anderen (außer den Pfifferlingen) in die Pfanne, morgen wird dann der Essensplan geändert zu „Ein Haufen Pilze mit kleinen* Kartoffeln“ und überhaupt war das ein ganz feiner Ausflug an einem ganz tollen Tag. 

Nachtrag: den Reizker hab ich vergessen in der Auflistung.

*die Kartoffeln sind so klein, dass sie im Supermarkt bei meiner Arbeit zum Sonderpreis angeboten werden. Norweger mögen keine Minikartoffeln. Ich hab jetzt für 1400 g sage und schreibe 9 Kronen bezahlt und musste dabei an meine Großeltern denken, die ihre Kartoffeln noch direkt beim Bauern holten und da immer auch „Kinderkartoffeln“ kauften: kleine Kartoffeln, die, glaube ich, teurer waren als die anderen. 

Tag 395 – Dieser Titel ist im Nebel verschwunden. 

Die einzige Möglichkeit, mir den Herbst hier schön zu machen, ist Pilze sammeln im Wald. Also zogen wir heute los, fanden nach ziemlich viel Sucherei genug Pfifferlinge fürs Abendessen, fanden sogar drei Steinpilze (die aber schon so schneckenzerfressen waren, dass wir sie einfach da ließen), stapften durchs Moos und prökelten mit Stöckern an merkwürdig aussehenden Pilzen herum. Sogar Michel fand es gut, bis auf die letzten zehn Minuten, da hatte er keinen Bock mehr.

Andererseits: es ist Herbst und bald wird es hier wieder dauernd dunkel und kalt und grau sein. Das nimmt mich grade mehr mit, als es sollte. Ich glaube, ich sollte wieder mit den Vitamin-D-Tabletten anfangen. Und Feuerholz bestellen.