Tag 1399 – Kinder zu verleihen.

Ich fühle mich ja immer echt schlecht, wenn ich das mache, aber heute Mittag ging mir Michel so auf den Senkel mit seiner zur Schau getragenen Langeweile, dass ich I. schrieb, ob Michel nicht B. besuchen könne, der ginge zu Hause die Wände hoch. Kein Problem, schrieb I., es ist eigentlich nie ein Problem außer sie sind nicht da oder krank, außerdem haben sie das riesige Haus und den noch viel riesigeren Garten umgeben von Äckern weil sie halt einen großen Bauernhof bewirtschaften. Das Haus ist jetzt im Sommer noch viel schöner als im Winter, am liebsten hätte ich mich gleich mit eingeladen, aber ich wollte ja auch nähen und so lieferte ich Michel ab und fuhr… tanken. „Nur“ 15,55 kr/L, zwei Kronen weniger als irgendwann letzte Woche, aber immer noch 2 Kronen mehr als ich zu bezahlen wünsche, also tankte ich nur halb voll.

Zu Hause nähte ich dann den Rock fertig, er hat jetzt ein Bündchen und einen Geradband-eingefassten Saum im Ex-Lieblingshosenstoff, sehr hübsch sieht das aus. Morgen besorge ich einen Reißverschluss und ein bis zwei Knöpfe. Zwischenfall: ich kam in den Rock zwar durch über den Kopf ziehen trotz zugenähter Reißverschluss-Öffnung rein, aber dann nicht wieder raus. Keine Ahnung, wie ich das geschafft habe, aber es war mir nicht möglich, meine Schultern wieder aus dem Ding rauszuwurschteln. Sehr seltsam. Am Ende musste ich, den Rock über den Brüsten hängend wie ein groteskes, trägerloses Zelttop, die Reißverschlussöffnung (die ja dann quasi direkt unter meinem Kinn war) ein Stück auftrennen um mich zu befreien.

Irgendwie ging so der Tag recht fix rum. Pippi ging zwischen hier und den Nachbarn ein und aus, die Nachbarn waren auch immer mal wieder hier, Herr Rabe kämpfte gegen den Löwenzahn und überhaupt kann man ja jetzt eigentlich jede Woche Rasen mähen. Alle zusammen fuhren wir dann Michel wieder abholen, bewunderten die Terrasse, Pippi durfte auch noch Trampolin hüpfen und Herr Rabe das Musikzimmer besichtigen. Sehr schön und sehr entspannt das alles. Michel war nach dem Besuch auch deutlich umgänglicher, Pippi leider nicht, die war danach eigentlich müde, sah das aber nicht ein. Sie musste auch noch baden, denn sie hat sich gestern so einen Kinder-Lippenpflegestift mit (ca.) Marshmallow-Einhornpups-Sugarcookie-Geruch in die Haare geschmiert. Dreimal haben wir seither ihre Haare gewaschen, es riecht nun nicht mehr ganz so streng aber die Haare sehen auch nach dem (mit dem Bad heute Abend) vierten Mal waschen und Spülung einfach total strähnig-fettig aus. Tjanun. Mir fällt dazu nix mehr ein, das muss nun die Zeit regeln. Jedenfalls war Pippi ins Bett bringen eher Kampf als Entspannung, aber es glückte dann doch noch und ich konnte noch Pizzaschnecken für das Sommerfest der Schule (der 1. Klassen) morgen backen. Wer denkt sich denn aus, dass man gemeinsam Picknicken soll, aber Grillen ist verboten? Die Info kam darüber hinaus am Freitag, man hatte also einen ganzen Dreiviertel Tag, sich irgendwas Picknickmäßiges als Grillalternative auszudenken. Mir kam die Idee dann auch erst heute, aber wir haben ja gewisse Dinge immer da: Mehl, Hefe, Zwiebeln, Knoblauch, gehackte Tomaten aus der Dose, dann war noch eine halbe Tüte Veggie-Hack da und eine kleine Dose Mais (von der ich den Rest löffelte und dabei an Twittermenschen dachte) und Käse muss man halt im Zweifel vom Stück runterhobeln, ist aber auch immer da. Morgen also Pizzaschnecken zum vermutlich unorganisierten Picknick. Schade, dass Bier auf solche Events mitbringen hier total verpönt ist.

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Über Twitter wurde mir ein Text von graslutscher.de angespült, der eine „Doku“ auseinandernimmt, die die ARD zum Thema Elektromobilität ausgestrahlt hat. [Disclaimer: ich habe die Doku nicht gesehen wegen des drecksver… Geoblockings.] Da sind eigentlich alle Argumente, die gegen E-Autos von so „besonders gut“ informierten Mitmenschen kommen, ganz gut aufgegriffen und dagegen argumentiert. Etwas länger zu lesen, aber wirklich ein guter Text zum Thema.

„Und jetzt das Schrillste: Selbst wenn es 100.000 km wären, die ein E-Auto fahren müsste, bis es klimafreundlicher ist als die Benzinversion, wäre das immer noch ein großer Schritt in die richtige Richtung, denn die Technik ist sehr robust: Es gibt bereits Teslas mit über 600.000 km Fahrleistung, im Durchschnitt verfügen die Batterien nach 300.000 km noch über 90 Prozent ihrer Leistung und nach 800.000 über 80 Prozent. Es wäre selbst mit diesen sehr pessimistischen Rechnung die deutlich klimaschonendere Technologie. Ich halte kurz mal fest:

  1. Deutsche Elektro-SUV sind ein kleines Nischenprodukt auf dem Markt, die Doku tut jedoch so, als seien sie die Regel

  2. Die zitierte, veraltete Studie setzt zu hohe CO2-Emissionen an und spricht selbst an keiner Stelle von 17 Tonnen CO2 pro Akku

  3. Nur wenige E-Autos haben 100-kWh-Akkus

  4. Diese großen Modelle aus dem Luxussegment vergleicht die Doku mit kleinen, sparsamen 6-Liter-Autos

  5. Selbst mit dem behaupteten 17-Tonnen-CO2-Rucksack wären die Elektroautos insgesamt die klimaschonendere Variante

Übrigens: Das meistverkaufte Elektroauto weltweit, das Tesla Model 3, verfügt im Standard über nur 50 kWh und wird bis Ende 2019 voraussichtlich komplett klimaneutral hergestellt. Vor dem Hintergrund gerät der komplette Abschnitt beginnend mit „Doch die Rechnung geht so nicht auf“ zu peinlichem Fake-News-Mumpitz.“

Im Artikel wird auch genannt, was ich auch gerne anführe: ein heute gebautes Elektroauto kann in 15 Jahren vielleicht komplett mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden, auch in Deutschland, wenn da endlich dieser Blödsinn mit dem Kohleabbau sein gelassen wird. Ein Benziner verbrennt auch dann noch Benzin, unweigerlich, genau so viel wie heute. Und wie wird eigentlich so ein SUV recycelt, in der Boardelektronik stecken doch sicher auch da ganz viele seltene Erden.

Tag 1398 – Wiedersehen mit Nähmaschine.

Leider keine Bilder. Mein und Michels fehlgeschlagener Ausflug gestern hatte ja zum Ziel, Stoff zu kaufen, nämlich für ein Taillenband und Halsausschnitt/ eventuell Ärmelbündchen an einem Kleid. Ich hab da nämlich diesen groß gemusterten, sehr bunten Stoff und ich glaube, wenn man das nicht optisch unterbricht, wird man von dem Muster vermutlich total wuschig. Jedenfalls gibt es eben noch keinen Unterbrechungsstoff. Ich hab zwar heute Ober- und Unterteil fertig genäht, aber mehr halt noch nicht und ja, ich hab die Einzelteile anprobiert aber so bauchfrei sieht das schon reichlich bescheuert aus, muss ich sagen. Generell finde ich ja die Rückkehr von „bauchfrei aber extra weit“ eine optische Zumutung und zwar völlig egal, wie der drin steckende Körper geformt ist. Hochwasserhosen ebenso, das sieht immer alles aus wie „ach komm, der Konfirmationsanzug, der geht noch!“. So.

Dann noch spontan einen Rock zugeschnitten, aus einem Leinenreist und einer alten Hose, die ich sehr liebte und die deshalb nach Riss im morschen Stoff nicht in den Müll wanderte, sondern in die Stoffkiste. Morgen muss ich mir ein Bündchen dazu improvisieren und Dienstag einen Reißverschluss besorgen. Und Unterbrechungsstoff, siehe oben.

Dann habe ich noch diverse Stoffe und keinen Plan dazu, unter anderem einen hellgrünen, dünnen Jersey mit weißen Punkten, aber in hell- also pastellig-grün sehe ich echt nicht gut aus, da muss ebenfalls eine Unterbrechung her, mindestens ein farblich abgesetztes Halsbündchen. Hmmhmm. Der Stoff würde für ein Kleid reichen, aber ich weiß nicht was ich da will, ein weites, luftiges Sommerkleid, bequem, aber figurbetont, vielleicht denke ich mir einfach selbst was aus. Mit Unterbrechungen. Türkis geht vielleicht, oder hellblau. Wir werden sehen. Und Sie auch, wenn’s nicht bauchfrei ist.

Tag 1397 – Samstag mit Irrwegen.

Alles in allem ein schöner Tag, trotz seltsamen Abstecher mittendrin. Ich lasse mir das nicht kaputt machen. So.

Chronologisch gesehen hab ich erst gründlich geduscht und dann Kraut aus dem Blumenbeet entfernt, das ich da nicht unbedingt haben will. An anderen Stellen im Garten darf das gern wachsen, aber meinen Blümchen müssen auch ein paar Nährstoffe bleiben. Dabei viele Walderdbeeren freigelegt und mich sehr gefreut. Die dürfen da ruhig wachsen, auch im Blumenbeet. Vor allem weil die Hummeln da voll drauf (haha) fliegen.

Herr Rabe hatte heute eine gute Idee: in das Hofladen-Restaurant gehen, das immer nur von Juni bis August auf hat. Das war einfach unheimlich lecker. Die Kinder benahmen sich so lala, ich glaube, wir müssen mit denen mehr in Restaurants gehen, um das zu üben.

Mit Blumen.

Die Kinder hatten Kindermenü – der Hühnchenburger wurde nach der Bestellung zu Pai (Quiche) geändert und ich war zugegebenermaßen skeptisch, aber die Kinder hungrig und auch nix anderes auf der Karte, was vielleicht besser gepasst hätte, also Augen zu und den Kindern Pai vorgesetzt, mit reichlich Salat und lila (Johannisbeer?-)Soße. Und dann geschah ein Wunder: Michel aß alles ratzeputz auf. Nur die Kirschtomaten aus dem Salat, die gab er Herr Rabe aber er hat ernsthaft gefragt, warum wir nicht nach dem Rezept für die Pai und die Soße fragen, denn das sei ja sooooo lecker. Ich traute meinen Augen und Ohren kaum.

Wir nahmen dann von da noch Kuchen mit, wie gesagt, die Kinder waren so mittel vorzeigbar, aber halleloo, was für Kuchen.

Passionsfrucht mit Glitzer.

Alter, was war das lecker. !!!

Das war zwar teuer, aber ich bin sicher, da waren wir nicht zum letzten Mal.

Tjoa, und dann hatte ich die brilliante Idee, nach Oslo zum Stoffladen zu fahren, um Bündchenstoff oder festen Jersey zu kaufen für ein Projekt, das ich morgen angehen möchte. Michel wollte gern mit und weil der sonst nur mault, dass ihm langweilig ist, fand ich das eine durchaus gute Idee. Also fuhr Herr Rabe uns zum Zug und wir dann weiter nach Oslo. Um dann vor einem verschlossenen Stoffladen zu stehen, weil Pfingsten, da kann man ja schon mal am Tag vorher in der Hauptstadt nachmittags um vier die Bürgersteige hochklappen. (Meine Fresse.)

Es war ohne Witz sogar nicht möglich, ein Eis woanders als bei 7Eleven zu bekommen. In OSLO. (Meine Fresse.)

Nunja, mit Eis in der Hand fuhren wir also einfach wieder zurück. Nur das nichts daran einfach war, weil wieder an den Gleisen gewerkelt wird und wir beim Flughafen aussteigen und mit dem Bus weiter fahren mussten. Michel machte das noch nervöser als mich, der Bus fuhr dann auch erst nach zwanzig Minuten warten überhaupt mal los und das war alles sehr chaotisch, das Kind hibbelig wie 10 Sack Flöhe und generell alles überaus nervig. Der ganze Heimweg dauerte dann auch einfach mal statt 36 Minuten Zugfahrt 25 Minuten Zugfahrt, 20 Minuten Warten und 25 Minuten Busfahrt. (Meine Fresse.)

Kinder ins Bett bekommen war recht schwierig, gelang dann aber doch irgendwann und dann guckten Herr Rabe und ich noch das Finale der 11. Staffel RuPauls Drag Race. Nun ist eine neue Queen gekrönt und yeeeesssssss das war Hammer! Hach!

Tag 1396 – Noch drei Tage drei.

Gestörtes Verhältnis zu ungeraden Zahlen, man kennt das. Ich leide seit 97 Tagen.

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Heute so: Kinder weggebracht, einziger Tag diese Woche, Montag bis Donnerstag habe ich immer abgeholt und dafür halt super früh den Bus genommen, damit ich vor acht bei der Arbeit bin. Schlaucht. Morgens Die Kinder wegbringen schlaucht allerdings auch. Michel macht ja einigermaßen mit, der trödelt nur, aber Prinzessin Sturkopf ist halt morgens schlecht drauf UND hat ihre ganz eigenen Ideen von allem und das strengt an. Heute zum Beispiel wollte sie den Werkzeugkoffer samt Inhalt mit in den Kindergarten nehmen. Ich sagte, sie könne eine Sache aus dem Koffer mitnehmen, „aber nicht den ganzen Koffer!“, woraufhin sie den Koffer in ihren Rucksack ausleerte und alles mitnahm, außer dem Koffer selbst. Widerstand durch Eltern zwecklos, es sei denn man will weitere 20 Minuten vergeuden, weil das Kind schreulend auf dem Boden liegt.

Bei der Arbeit: guter Tag. Dinge getan, die sich erwachsen und kompetent und ernst genommen anfühlten. Außerdem weiter ausgebildet worden zur Behandlung von (internationalen) Qualitätsfehlern, weil ich Ende Juli da „Vikar“ sein werde, also katholischer Geistlicher Vertretung für die Frau, die das bei uns hauptamtlich macht. Das ist Teil meiner Jobbeschreibung als Inspektørin und ich glaube, ich werde da Spaß dran haben, jedenfalls hatte ich an der Einarbeitung schon viel Spaß. Ich kann ja inzwischen auch sehr gut damit leben, überall Streberin und flink pike zu sein, habe ich heute gemerkt, weil natürlich hatte ich die Hausaufgabe gemacht und natürlich hatte ich die SOP frisch ausgedruckt dabei. Wenn sowas anderen aus der Gruppe nicht gefällt sagt das ja mehr über sie aus als über mich, ne? Jedenfalls freue ich mich darauf, da Geistliche Vertreterin zu sein. (Trotzdem bitte nicht in den Reaktor spucken, falls Sie bei einem Pharmaunternehmen arbeiten. Danke.)

Die Verabschiedung der Kollegin war einigermaßen traurig für mich. Für die meisten anderen war sie wohl eher heiter. Die meisten anderen sind auch schon lange da und machen sich nicht so viele Gedanken drum, dass nun innerhalb von 6 Monaten 3 Inspektørinnen gekündigt haben und ob das wohl möglicherweise irgendwas bedeuten soll. Ich mag den Job aber weiterhin.

Außerdem heute Geld ausgegeben. Ich hoffe auf Enthüllung am Dienstag, dann sollte was in der Post sein, das dann hoffentlich was erklärt, das mich ein gutes Stück voranbringen sollte, mit dem letzten Jahr abzuschließen. Aber Geld ausgeben geht schon mal und ich brauche wirklich neue Sommerschuhe – meine Chucks fallen auseinander und die letztes Jahr reduziert gekauften haben mir in den letzten Tagen in kürzester Zeit furchtbare Blasen beschert. Für sowas ist das Leben zu kurz. Im Vorbeigehen heute außerdem Birkenstock’s hübsch gefunden. Es geht vielleicht auch einfach zu Ende mit mir.

Nun Bett. Noch ist kein Kind hier, das muss genutzt werden.

Tag 1395 – Routine.

Heute alles wie immer, keine speziellen Vorkommnisse. Ich bekam am Bahnhof ein Brötchen geschenkt, denn es ist Wahlkampf, Kommunalwahlen stehen an. Das Brötchen kam von der Høyre („Rechts“, aber das klingt schlimmer als es ist, die sind halt schon sehr konservativ, aber nicht rechts wie man im deutschen Sinne denkt), nicht dass ich die wählen würde aber immerhin hat es mich dazu bewegt, zu googeln, ob wir bei den Kommunalwahlen wahlberechtigt sind. Ja, sind wir! Zum ersten Mal, denn bei den letzten Kommunalwahlen vor 4 Jahren waren wir noch nicht lange genug in Norwegen als Einwohner registriert. Wir könnten sogar gewählt werden, also auf kommunaler Ebene.

Arbeitstag: unspannend. Arschkarte verschickt und damit abgehakt. Ein Zusatz-Aushilfs-Jöbchen im Nachbarteam (Zulassungen und Zertifikate) gewonnen, bis zu den Ferien.

Abends doch kein so schlimmes Gewitter wie erwartet. Ich bin nicht traurig drum, ein paar der Pflanzen erholen sich noch vom Hagel.

Tag 1394 – Feste feiern.

Die Zeit der Sommerfeste ist angebrochen. Montag schickte mir Herr Rabe eine SMS, es sei Sommerfest im Kindergarten, am 5. Ich schrieb reflexhaft zurück „OK!“, drei Sekunden später hatten meine Synapsen dann etwas mehr gefunkt und ich schrieb noch „Das ist ja übermorgen!“ zurück. Tjanun. Also bin ich heute wirklich pünktlich gegangen, habe meinen Kaffeedurst (bei der Arbeit ist die Kaffeemaschine auf meiner Etage kaputt) ignoriert, habe meine heraufziehenden Kopfschmerzen ignoriert und bin zum Sommerfest gegangen. Pippi war schon ganz verzweifelt, weil ich erst um 16:12 kam und nicht um Punkt 16:00 Uhr. Dann hatte sie nur mäßig Lust auf Singen mit ihrer Gruppe, weil sie Hunger hatte und eigentlich schlafen wollte und überhaupt alles doof war, wir hatten auch keine Stühle dabei, sitzen war also auch nicht und als Michel kam benahm er sich sehr wenig respektvoll und ich musste ihn kurz zur Seite nehmen und sehr deutlich sagen, dass man „DAS IST EIN WEIHNACHTSLIED!!!“ für sich behalten kann, wenn sich grad so kleine Kinder so viel Mühe geben. Auch wenn es ein Weihnachtslied ist. Jedenfalls – Sommerfest im Kindergarten wird nicht meine Lieblingsbeschäftigung und ich war dann echt froh, als Pippi recht bald nach Würstchen und Kuchen nach Hause wollte. (Dort nahm ich dann zwei Ibuprofen und schlief 2 Stunden komatös auf dem Sofa, danach fühlten sich meine Augen nicht mehr an als müsste ich sie mal dehnen (!) und auch der Rest vom Kopf schien sich nicht mehr über der Nasenwurzel zusammenzuziehen. Ein Hoch auf die Pharmaindustrie.)

Nächste Woche ist dann Sommerfest von der Schule, da haben wir zwar schon vor Weihnachten ein Safe-the-Date bekommen, aber seither keine weitere Information, vielleicht packen wir einfach unseren kleinen Grill ein und schauen was passiert.

Und dann ist in drei Wochen ein kleines Sommerfest des Inspektorats bei unserer Chefin. Die wohnt leider von uns aus auf der anderen Seite von Oslo und ich muss mal fragen, ob sie ein Gästezimmer hat oder so, weil ich fürchte, von ihr zu mir abends nach Hause könnte gut zwei Stunden dauern…

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Morgen wird es super warm (also 29 Grad) und soeben kam eine Mail der Hausverwaltung des Werks, es sei zu erwarten, dass die Klimaanlage das nicht schafft, weil die zuerst die Feuchtigkeit beseitigt, dann erst die Luft kühlt. Gut, dass ich eben Sommersachen gebügelt habe. Ich denke jetzt einfach nicht weiter drüber nach, was das für ein Sche*ß ist, dass ein 2017 bezogenes und davor kernsaniertes Gebäude über eine derart schlechte Klimaanlage verfügt. Ist ja nur ein Tag, Freitag schon wieder nur 22 Grad, am Wochenende 17.

Tag 1393 – Mir geht’s gut.

Heute fragte jemand auf Twitter in die Runde, ob’s uns gut ginge. Ich dachte darüber sehr lange nach. Im ersten Moment dachte ich „klar!“, dann „naja…“, dann „alter, sei doch ein mal zufrieden, du olle Pessimistin“. Warum muss ich da so lange drüber nachdenken? Ich hab es doch gut. Ich habe

  • Zwei wunderbare und gesunde Kinder
  • Einen tollen Mann, der sich mit mir nicht nur die Bettdecke teilt sondern auch alles was nicht so schön ist
  • Einen normschönen und einigermaßen* gesunden Körper
  • Vorfahren, die machen, dass mir in unserer Gesellschaft keine rassistischen Nachteile widerfahren
  • Vorfahren, die machen, dass mir in unserer Gesellschaft keine klassistischen Nachteile wiederfuhren
  • Eine gute Bildung (hängt maßgeblich mit den beiden Punkten drüber zusammen)
  • Einen echt guten Job mit einem komfortablen Einkommen,…
  • … der mir darüber hinaus auch noch Spaß macht und mich intellektuell fordert
  • Ein Haus
  • Ein Auto
  • Einen Garten und Stockrosen die sehr gut auf verbotene Pflanzenschutzmittel Gebete ansprechen
  • Langsam sowas wie Freundschaften hier
  • Langsam lauwarmen Kontakt zu Menschen bei der Arbeit
  • Private Altersvorsorge weit überm norwegischen Durchschnitt

Ich lebe außerdem in Norwegen, wo es nicht dramatisch viel, aber schon spürbar gerechter zugeht als in Deutschland, was meinem gerechtigkeitsfanatischen Wesen sehr entgegen kommt.

Warum denke ich darüber also so lange nach? Habe ich „bist du glücklich?“ Gelesen, ohne dass es da stand? Gut möglich. Aber dann wieder die Folgefrage: warum mache ich das? Warum kann ich diese Frage noch viel weniger beantworten?

Ich weiß es nicht, ich habe eine Vermutung, die ist auch kein Geheimnis: das letzte Jahr war einfach zu krass, hat mich zu sehr aus der Bahn geworfen und, ja, auch beschädigt. Ich berapple mich weiterhin und klebe bunte Pflaster auf die hässlichen Risse in meinem Selbstwertgefühl, aber ganz verheilt sind die noch nicht. Ich bin deshalb immer in einer Habacht-Stellung, denke immer mit einem Teil meines Gehirns, dass das alles so schnell weg sein kann, vielleicht werd ich morgen gekündigt, wer weiß ob es Herr Rabe noch mal mit einer arbeitslosen und die Wände hochgehenden Frau aushalten würde? Jedenfalls ist es anstrengend so zu leben. Es wird langsam besser. Langsam. Ich kann ja mal was mit Ihnen und mir abmachen, als Versicherung, dass es selbst in dem Fall nicht der Weltuntergang wäre und ich auch damit klarkäme und es nicht erst wieder so werden muss wie letztes Jahr, ja? Wenn ich noch mal arbeitslos werden sollte, suche ich mir sofort, auf der Stelle und ohne Umwege eine*n Therapeuten*In. Ich weiß ja nun, dass das für mich so belastend ist, dass ich damit kaum selbst zurechtkomme, es hat keinen Sinn, es allein zu versuchen, wenn es doch Profis gibt, die das begleiten können.

So, das ist tatsächlich schon viel besser. Jetzt steht es da, jetzt muss ich es auch machen.

Also: Geht es mir gut? Ja, ausgesprochen.

Bin ich glücklich? Ja, auch das. Und wenn über alles ein dicker Teppich aus Mikroalgen gewachsen ist, muss ich auch über die Frage nicht mehr ewig nachdenken.

Und Ihnen? Geht es Ihnen gut?

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*ok, die Schilddrüse. Die vergesse ich immer, wenn ich grad gut eingestellt bin.

Tag 1392 – Autsch.

Ich bin ja eigentlich sehr vorhersehbar. Zum Beispiel ist die Kombination wenig Schlaf und überraschende, sehr gute Nachricht* ein Garant für Migräne. Und deshalb schleiche ich nun auch einfach ins Bett, möge es morgen besser sein.

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*Ich warte noch auf Bestätigung, aber es würde sich etwas auflösen, das wäre sehr schön. (Die Migräne nickt wissend.)

Tag 1391 – Bereit?

Eine Woche zur Probe 5 Tage arbeiten steht uns bevor, dann ist Pfingsten und dann keine Feiertage mehr bis Weihnachten. Das schockt mich jedes Jahr aufs Neue.

Ich bin nicht bereit für diese nächste Woche, zu viel hat mich dieses Wochenende beschäftigt und lässt mich nicht los.

Über Dead to me jedoch am Ende nach einiger Aufregung herzlich gelacht.

Die Stockrosen und der Malvenrost werden eine längere Geschichte, ich habe erstmal alle kranken Blätter abgeschnitten, aber der Pilz ist sogar im Stamm. Die Chemiekeule ist in Norwegen, wie mir im Gartencenter mitgeteilt wurde, verboten, ich habe noch ein bisschen Chemiekeule aus Prä-Norwegen-Beständen, aber das würde ich natürlich nie tun, verbotene Dinge, niemals. Ich sprühe also die Stockrosen nun täglich mit einer milchigen Flüssigkeit, die nichts außer Hoffnung und Sud aus Ackerschachtelhalm (was ist das überhaupt?) enthält, ein und hoffe auf das beste. Und bei Gelegenheit werde ich das Geld für die Stockrosen im Gartencenter, wo ich sie gekauft habe, zurückfordern.

Michel ist, wenn er nachts verschlafen angetapst kommt, sein IT-Konferenz-Goodie-Chamäleon fest im Griff, so niedlich, dass ich ihn fressen könnte. Das macht den Winkezahn (zweiter oberer Schneidezahn, der so locker ist, dass er eigentlich bei scharfem Einatmen durch den Mund schon ausfallen müsste) allemal wett. Was nicht ganz so niedlich ist, sind Michels Füße, die inzwischen, wenn er am Fußende liegt, ungefähr auf meiner Brusthöhe liegen. Ich kuschle also nachts mit Füßen, das ist nicht das, was mir die Familienbett-Kuschel-Werbemafia damals vorgegaukelt hat. Überhaupt finde ich, Kinder, die lesen, schreiben und selbständig MarioCart spielen können, könnten dann langsam mal in ihren Betten durchschlafen. (Aber das bin nur ich. Jedem Tierchen sein Plaisierchen, nicht wahr, wenn wer gern noch mit seinen pubertierenden Kindern das Bett teilt, bitte. Ich finde es langsam zu eng und hätte das Ehebett auch gern mal wieder nur für das Ehepaar des Hauses.)

Spät schlafen hilft nicht beim ausgeruhten Aufstehen morgen. Irgendwann lerne ich das.

Nun kam auch noch Pippi an, während ich tippte. In der Hand ihre halb gegessene Zuckerperlenkette, die sie nur durch unsere geballte pädagogische Kraft* zum Schlafen auf das Regal neben dem Bett zu legen bereit war. Es wird also eng heute Nacht.

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*nach viel Argumentation (gefährlich wegen Schnur, Zucker könnte alles vollschmieren, eh schon Zähne geputzt, könnte verloren gehen…) war die Ansage „Das kommt nicht mit ins Bett, fertig, ich zähle jetzt bis drei, wenn du die Kette bis dahin nicht Papa gegeben hast, nehme ich sie! Eins…“ und weiter muss man nie zählen. Ich möchte das eigentlich nicht, aber es funktioniert, im Gegensatz zum Argumentieren „auf Augenhöhe“**, sehr gut. Sie murrt dann auch nicht mehr. Ein Schelm wer „manche Kinder brauchen klare Ansagen“ dabei denkt.

**Augenhöhe wäre für mich aber auch, wenn mehr zurückkäme als „Nein!“ und „ICH WILL ABER!“, da kann ich genauso gut versuchen mit der nächstbesten Betonmauer auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Tag 1390 – Melancholie.

Während ich heute mit Pippi bei der Nachbarin war, wo Pippi spielte und Samstags-Süßigkeiten futterte und wieder spielte und dann noch einen Film guckte* und insgesamt eine gute Zeit hatte, wurden im Internet Graben abgesteckt. Wie so oft bei Diskussionen, bei denen irgendwie erwartet wird, dass man sich voll auf eine Seite schlägt und da dann bereit ist, bis aufs Blut zu kämpfen, fühle ich mich nirgends richtig zugehörig. Am ehesten möchte ich die Fahnen „Verständnis für die Gegenseite!“ und „Achtet bitte auf einen freundlichen Umgangston!“ schwenken. Aber diese Fahnen werden, das habe ich schon öfter so erlebt, gerne als irgendeiner Seite zugehörig (absichtlich?) missverstanden und deshalb sage ich in der aktuellen Grabensache nichts. Hoffentlich sind die Kämpfe bald vorbei, ohne dass sich wer über den eh schon entstandenen Schaden heraus was tut.

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Vielleicht bin ich zu empathisch. Ich. Wer hätte das für möglich gehalten.

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So macht das jedenfalls alles keinen Spaß in diesem Internet. Lieber weiter Dead To Me gucken. (Schauen Sie diese Serie. Sie ist sehr gut.)

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*Coco. Ich hab nur mit einem halben Auge hin geguckt und mit einem halben Ohr hingehört, aber am Ende trotzdem Rotz und Wasser geheult, vor der Nachbarin die ich doch kaum kenne. Naja. Vielleicht nicht das schlimmste, recht fix das „kalte, harte Deutsche“-Image aus dem Weg zu räumen.