Tag 247 – Die Piraten! Korfu Tag 17

Heute, auf dem Weg durch ein ziemlich runtergerocktes weil halb verlassenes Dorf.

Ich: „Boah, hier is aber auch ganz schön viel kaputt…“

Michel: „Kuful [Warum, Anm.d.Red.] Häuser schön kaputt is?“

Ich: „Naja, weil eben keiner drin wohnt und das dann keiner repariert, wenn was kaputt ist.“

Michel: „Kuful keiner drin wohnt?“

Ich: „Die Leute sind bestimmt weggezogen, vielleicht in die Stadt, wo es mehr Jobs gibt…“

Michel: „Ja, oder velleicht in Urlaub efahrn!“

Ich: „Ja, vielleicht sind die Leute auch im Urlaub.“

Michel: „Ja, in Urlaub nach Trondheim efahrn.“

Herr Rabe und Ich: *verkneifen uns das Lachen*

Michel: „Oder Kaptain Sabeltann* komme ist, alles kaputteschossen hat. Das war egentlich so.“

Herr Rabe und Ich: *Lachen verkneifen klappt nicht mehr*

Etwas später. Ich versuche, auf der Karte die Orte zu finden, die in Griechischer Schrift auf den Schildern stehen. 

Michel: „Mama, du mir Reiseführer gibst, ich gucke.“

Ich: „Hier, du kannst das Reiseführerbuch haben, das brauche ich grade nicht.“

Michel: „Nein, kleine Reiseführer!“

Ich: „???“

Michel: „Da, so kleine Reiseführer, du da hast! *Ton wird schon weinerlich*“

Ich: „Meinst du die Karte?“

Michel: „Ja! Ich will auch Karte gucken!“

Ich: „Aber die brauche ich doch…“

Michel: *fängt an zu nölweinen*

Ich: „Ok, aber gleich brauche ich die wieder!“

Michel: *nimmt Karte* „Da muss ich erstmal so groß basteln…“ *faltet umständlich Karte auseinander* „Da hier so rekks, links fahren, hier so links schwiu, schwiu, hier! Da sind wir, Mama! *zeigt auf Punkt ganz im Süden von Korfu*

Ich, zu Herrn Rabe: „Oh, wir sind aus Versehen ganz in den Süden gefahren.“

Michel, zu sich selbst: „Musse hier wieder so klein basteln… So basteln und so und so… Klarte det! [Geschafft!, Anm.d.Red.]“ *“liest“ singend von der zusammengefalteten Karte ab* Eeeeeeesseeeeeellll, Mama Bustabe, Papa Bustabeeeee, Pipi Bustageeeeeee, Michel Bustage!!! Lalalalaaaaaninaaaaaniiiinaaa, Kindergartenkumpelbustageeeeeeneeeeeneeeeneeee…“

Es. Ist. So. Niedlich! Dieses Kind. HACHZ. 

*Käptn Säbelzahn. Norwegische Kinderserie über den Piratenkapitän Säbelzahn, Schrecken der Meere und so. Hat Michel nie gesehen, aber er weiß trotzdem alles darüber. Und singt die Titelmelodie, tagaus, tagein. Also, wenn er nicht Geburtstagslieder singt. 

Tag 246 – Berg. Korfu Tag 16

Falls Sie mal nach Korfu fahren: der Pantokrator lohnt sich nicht. Ne halbe Stunde nervenzerfetzendes Gegurke mit schreiender Pippi und nöligem Michel und Serpentinen und ANGST über schmalste Bergstraßenserpentinen und dann biste oben und: toll. Ganz viele Strommasten, Sendemasten, ein geschlossener Kiosk (da wohnt wohl eigentlich ein Mönch) und ein bisschen Aussicht.  

(Hier sollte ein Beweisfoto von mir auf dem Gipfel sein. Aber das Internet ist mal wieder zu schlecht.)
 Der Rest des Tages war gemütlich und eigentlich nicht besonders spannend. Vielleicht noch, dass ich Gehalt bekommen habe, das hat also scheinbar geklappt mit dem Übergang Elternzeit–>Urlaub. (Meine Elternzeit ist vorbei. Ach du Schreck!!!) Und Pippi hat das erste Mal Kuchen gegessen. Die Kinderfreundlichen Griechen halt… Orange fand sie aber besser. Erdbeeren auch. 

(Update: jetzt ist da doch ein Bild??? Spinne ich jetzt komplett? Sehen Sie auch ein Bild?)

Tag 245 – #12von12 April ’16 Urlaubs Spezial. Korfu Tag 15

Bergfest! Bergfest war immer das Beste früher auf den Ferienfreizeiten. (Schade, Zitrone da, aber kein Mützenmann. Wir sind echt voll die Eltern geworden…)

Egal, heute ist auch der 12., das heißt ich bekomme Gehalt. Und es ist 12von12, also alle die Bock haben machen 12 Fotos von ihrem Tag und verlinken den Spaß dann beim Kännchen-Blog. Hier also unsere 12 Fotos.

Der Tag startete mit aus diversen Gründen schlechter Laune meinerseits.

Komm, Kaffee, mach gute Laune. Bitte.

Frühstück. Die Familie lässt auf sich warten.

Es wurde minimal besser, nachdem ich Pippi hübsch angezogen hatte. Und sie eben einfach so niedlich aussieht in der Buchse.

Käferhosenliebe.

Hier einer der Gründe für meine unterirdische Laune:

Allesanzündinternethasssymbolbild.

Dann hab ich durch duschen und mich schminken und Ohrringe reinmachen Fröhlichkeit gefaked, bis sie echt war.

Auf gehts, Esel angucken!

Und bei Eseln kann wohl keiner schlechte Laune haben.


Bei den Eseln war es wirklich ganz toll. Das ist ein gemeinnütziger Verein, die alte, kranke und sonstwie „nutzlose“ Esel aufnehmen und Ihnen einen schönen Lebensabend bieten. Manche von den Eseln sahen echt sehr schlimm aus. Die meisten aber eigentlich nicht. Außerdem gab es Hunde und Katzen. Jede Menge. Ich kam aus dem Streicheln kaum wieder raus. Hachz.

Dann ging es weiter nach Paleokastritsa. Da gab es pornöse Strände und Buchten, da müssen wir noch mal mit Badezeug hinfahren. Ansonsten gab es da nicht so wirklich viel. Ja doch, ein Kloster.

Das Kloster roch übrigens stellenweise ziemlich stark nach Katzenpipi. Könnte an den Topfkatzen liegen.


Nach dem Klosterbesuch hatten wir alle Hunger. Herr Rabe hatte da einen Tipp im Reiseführer gelesen, also fuhren wir ins nächste Dorf zum Speisen (in Paleokastritsa hatte eh nix auf).


Das Essen war unheimlich gut und die Leute super toll. Echt. Pippi und Michel wurden direkt mit Spielzeug versorgt, uns wurde ganz lieb geraten, Michel nix extra zu bestellen, weil „sein“ Essen eh Bestandteil unserer Vorspeise sei, Pippi wurde bespaßt und Michel durfte am Ende sogar Kinderfernsehen gucken. Auf Griechisch, aber das juckte ihn nicht im mindesten. (Dafür hat die Inhaberin ihre Telenovela ausgemacht! Michel weiß gar nicht, was das für ne Ehre ist!)


Und jetzt so? Jeder wird hier von einem Kind angeschnauft, hachz.


So schön. Und jetzt ab ins Bett.

Tag 244 – Wirren. Korfu Tag 14

  
Eigentlich wollten wir heute auf den höchsten Berg Korfus, den Pantokrator.  Der ist neunhundertnochwas Meter hoch. Die Wolken hingen allerdings an den Bergen fest auf ca. 900 m Höhe. Also entschieden wir uns um. Und fuhren zum Kap Drastis (da, wo wir schonmal gewesen waren, aber dann nicht runtergingen, wegen müder Kinder, Sie erinnern sich?).

  
Babääääm. Schick, ne? Dann gingen wir weiter. 

  
Tja. Was man jetzt nicht sieht, ist das komische Tipizelt aus Schilf und Palmenblättern hinter dem Tor, in dem scheinbar eine hutzelige und möglicherweise geistig nicht ganz fitte ältere Dame haust. Die uns auch freundlich auf Griechisch vollaberte, aber mitnichten das Tor öffnete. 

 
Dafür fanden Michel und ich zwei Schnecken. Die eine kam auch nochmal aus ihrem Haus, fiel dann aber um und nachdem ich sie zurückgedreht hatte, mochte sie nicht mehr rauskommen. Schade. Ich finde Schnecken ganz toll und habe fast Herrn Rabe soweit, dass ich Riesenschnecken haben darf, wenn wir wieder in Norwegen sind. Die Schnecken haben wir dann vorsichtig ins Gras gesetzt, wo Schatten und Feuchtigkeit ist. Und dann sind wir zum Auto zurückgegangen. Michel quetschte mich derweil aus, wieso manche Schnecken „tot geworden“ sind und „die Augen zu gemacht“ haben. Ich erklärte ihm den Kreislauf des Lebens und dass alles und alle mal geboren werden und mal sterben. Ich hoffe, er hat es verstanden. Schwieriges Thema. Aber besser anhand eines leeren Schneckenhauses zuerst damit konfrontiert werden, als weil Oma nicht mehr da ist. Oder so. 
Auf dem Rückweg waren wir in Acharavi in einem Olivenholzschnitzwerkstattshopdings. Der hatte eigentlich noch gar nicht auf, aber wir durften uns trotzdem umsehen. Da gab es alles und nichts aus Olivenholz. Leider keine schönen Ohrringe für mich. Dafür einen großen blauen Ara, der hoffentlich einfach nur sehr sehr alt war und sich nicht aus Frust komplett selbst zerfleddert und fast nackt gerupft hat. Der Ara sah aus wie ein kümmerliches, zitterndes Brathühnchen. Konnte aber sehr unvermittelt sehr laut schreien, was Michel etwas verstörte. Ohne was zu kaufen verließen wir den Laden, mir war zu warm da drin und der Vogel stresste mich total. 

Dann waren wir in Acharavi noch Essen für die nächsten Tage einkaufen, mit Horror-Meltdown von Michel. Hysterisches Schreien und auf den Boden werfen und um sich schlagen und uns hauen. Ziemlich schnell schleifte Herr Rabe das Zeter und Mordio brüllende Kind aus dem Laden, ich kaufte alleine fertig ein. Der Grund für den Anfall ist leider völlig egal: er sucht im Moment gerne mal Reibungspunkte mit uns. Und dann wird gerieben, was das Zeug hält, bis zur totalen Eskalation. Gerne sind die „vorgeschobenen“ Auslöser Dinge der Unmöglichkeit, so wie im Laden plötzlich Sendung mit der Maus gucken wollen. Machste also nix, fällt aber auch schwer auszuhalten und wegen des Hauens waren auch sowohl Herr Rabe als auch ich noch ganz schön lange sauer. Und weil wir auch Wasser einkaufen mussten und ich ja noch Pippi auf dem Arm hatte, war ich sehr dankbar, dass mir ein älterer griechischer Herr die Wasser-Einkäufe zum Auto trug. Und peinlich wars mir auch ein bisschen. 

Auf dem Sofa dann noch ein paar Blogs gelesen, gegessen (Herr Rabe hat gekocht), Michel ins Bett gebracht. Jetzt müde und ausgelaugt vom zornigen Kind. Noch eine Handvoll Erdbeeren und ab ins Bett. 

Tag 243 – Regensonntag. Korfu Tag 13

Es hat den ganzen Tag geschüttet. Nachts noch richtig mit Gewitter und allem drum und dran, dann irgendwann ab Morgengrauen nur noch Regen. Dementsprechend haben wir ungefähr nix gemacht heute. Nach der Maus haben wir noch Märchen geguckt, dann rumgerödelt, dann hat Herr Rabe die Kinder zu einem Regenspaziergang mitgenommen, weil Michel sonst vermutlich die Bude abgerissen hätte, in der Zeit habe ich Sport gemacht mit meinem Theraband und ohne, dann habe ich Gemüsesuppe zum Abendbrot gekocht, wir aßen sie, kurzer Abstecher zur Eisdiele (Mokkaeis! Das MOKKAEIS!!!), Tag fertig.

Jetzt bringt Herr Rabe Michel ins Bett, Pippi ist auch eingeschlafen und wir werden es uns gleich mit Bier/Zitronenwasser und Tatort auf unserem winzigen Sofa gemütlich machen. 

Schöner Tag. 

Tag 242 – Spielplatzbegegnungen. Korfu Tag 12

Ich würde so gerne schlafen. Aber beide Kinder waren bzw. sind total drüber. Gnääähhh…

Von vorne: wir waren in Kassiopi heute. Das ist eine sehr hübsche sehr kleine Stadt ein paar Kilometer östlich von hier. Mit einem Reiseführer-Lieblingsmotiv-Hafen mit ganz klarem Wasser und Fischerbooten, einer lustigen kleinen Kirche und einer alten verfallenen Festung. Wirklich sehr hübsch und idyllisch alles.

Nach der Besichtigungsrunde holten wir etwas Gebäck und setzten uns auf eine. Spielplatz, wo wir innerhalb einer halben Stunde drei völlig unterschiedliche Elterntypen beobachten durften (alles Briten):

– Mann mit „Don’t remove from the bar“-T-Shirt in pink, Frau mit Bikini und Strickjacke  drüber (es waren vielleicht 18 Grad), die Beine blaugefroren. Ließen ihren ca. vierjährigen Sohn (Muskelshirt und Plastiksandalen) einfach machen, Sohn machte auch. Mutti ging zum Rauchen ans hinterste Ende des Spielplatzes. Ich hörte das Gespräch mit „What’s in that bag?“ – „It’s the trash, honey. Not the presents.“ – „Did we really just dump the presents?“ – „Yapp.“ Waren aufmerksam, wenn nötig, aber eben etwas prollig. Verzogen sich als die nächsten kamen:

– Adrette Kinder (das Mädchen hieß Poppy, das finde ich einen sehr schönen Namen für eine ca. Vierjährige, aber ob ich mit 40 so heißen wollen würde?), sauber und hübsch gekleidet, Mädel (ca. 4) mit Blümchenkleid und weißen Socken in Lackschuhen, Junge (ca. 7) in gelber Regenjacke und Stoffhose, beide sehr ordentlich gekämmt. Eltern: müde, aber sehr aufmerksam, beide Mitte/Ende 40. Mutti helikopterte ziemlich um die kleine Poppy herum, Vati schaukelte mit dem Sohn und summte dabei mit ihm „In der Halle des Bergkönigs“ aus der Per-Gynt-Suite. Bildungsbürgertum at it’s best. Als die gingen kamen dann noch

– Alfie (ca. 8) und seine Mutti, sowie ein Kind (ca. 7), das exakt aussah wie Rupert Grint im ersten Harry-Potter-Film. Alfie war zugegebenermaßen etwas wild, nahm aber recht gut Rücksicht auf Michel. Alfies Mutter hingegen brüllte dem armen Kind am laufenden Band Ermahnungen hinterher, „not so fast!“, „be careful!“, „don’t spin him! He doesn’t like it!“. „He“ war Michel, dem es nie schnell und wild genug gehen kann. Aber obwohl wir ihr das sagten, hörte sie nicht auf, Alfie anzuranzen. Als Michel dann auch noch vom Karussell fiel weil er zu viel darauf herumgehampelt hatte, fühlte Mutti sich natürlich bestätigt. Ich möchte nicht Alfie sein.

Nach Kaffeestop und Meltdown von Michel auf offener Straße, weil wir ihm keine Schokoostereier kaufen wollten (Ostern ist hier erst in drei Wochen), inklusive Schreien und auf den Boden schmeißen ging es nach Hause. Michel sang Pippi „Bæ, Bæ, lille lamm“ vor, damit sie einschlafen konnte, was sie dann auch tat. Damit sie im Sitz einfach noch ein bisschen weiter schlafen konnte, ging ich mit Michel Orangen und Zitronen pflücken. Mit dabei: die riesigste Zitrone der Welt.

Das ganz rechts und ganz links sind Zitronen.

Weil Pippi dann immer noch schlief, fuhren wir zum Supermarkt. Ich fuhr das erste Mal unseren Mietwagen, das ging ganz gut. Der Rest vom Ausflug war Käse: wir verloren Michels Rennauto und Pippi brüllte auf der Rückfahrt wieder wie am Spieß.

Zum Abendessen in der Taverne, ganz um die Ecke die hat jetzt auf. Da kocht die 1,50 große Mamma mit weißem Häubchen auf, Schwiegertochter richtet an, Sohn serviert, Enkeltochter war auch da, aber es war nicht so viel los, als dass ich ihre Rolle hätte ausmachen können. Das Essen war sehr lecker, der Hausgemachte Feta besonders, mjammijammi. Herr Rabe probierte dann noch hausgemachten Kumquatschnaps, ich nippte auch mal: kann man trinken. Sehr gut sogar. Pippi schmierte derweil alles mit Kartoffel voll (und schmiss gekochte Kartoffel auf den Teppichfußboden) und Michel guckte Mausclips, während er seine Kartoffeln aß. Damit wir in Frieden essen konnten. Ja, so Eltern sind wir nämlich manchmal. Gut, dass die Griechen so super Kinderfreundlich sind, sonst wär mir das alles sehr peinlich gewesen. Als Tipp erhielten wir vom Wirt noch zum Abschied, beim nächsten mal einfach morgens anzurufen, wenn wir was spezielles abends essen wollen, dann machen die das. Kein Problem. Ich mag die Griechen.

Wieder zu Hause rief Herr Rabe seine Mutter an, um zum Geburtstag zu gratulieren. Dann ging das Internet wieder nicht und Mausclips eben auch nicht. Meltdown 2 vom völlig übermüdeten Michel. Mich überrascht es ja nach wie vor, wie lange übermüdete Kinder zum Einschlafen brauchen. Ich musste (nach quasi-hysterischem Anfall, weil das Rennauto ja weg ist) drei Geschichten erfinden (vom kleinen Bär, der in den Wald ging und fast nicht wieder zurück fand, vom kleinen Tyrannosaurus Rex, der Vegetarier wurde, und vom Pferd, das keine Freunde hatte) und dann noch Singen. Unterbrochen vom Schluchzen den Kindes, dem Stellen wie da wo das Pferd und das Auto sich gegenseitig klagen, keine Freunde zu haben, zu spannend waren. (Wenn Ihnen das jetzt auch zu spannend ist: das Pferd und das Auto sind dann sofort ganz dicke Freunde geworden und hatten sich furchtbar doll lieb.)

Dann brüllte Pippi noch eine Weile rum. Warum auch immer. Fieber hat sie keines mehr. Stillen wollte sie nicht. War müde, wollte aber auf keine der althergebrachten Arten einschlafen. Am Ende schlief sie im Bett liegend meine Hand festhaltend beim Weinen ein. Komische Sache. Mal sehen, was das so gibt.

Ach ja: sie hat heute an zwei Händen festgehalten eineinhalb Schritte gemacht. Vielleicht ist es das. Neuer Entwicklungsschub. Meh. Ich dachte, ich könnte vorher vielleicht wenigstens eine Nacht einigermaßen schlafen.

Tag 241 – Achillion. Korfu Tag 11

Wir waren im Achillion heute. Das war sehr sehr schön, trotz doofen Wetters mit Regen und so. Habe auch gelernt, dass Kaiserin Sissi erstochen wurde, das wusste ich wirklich nicht, also Bildungslücke geschlossen. Kaiser Wilhelm der II. wird mir hingegen mit jedem Fitzel Information den ich über ihn erhalte, unsympathischer. 

Sonst: Pippi hat tatsächlich etwas Fieber und piepst den ganzen Tag, also sie brabbelt mit ganz ganz hoher Stimme, das ist irgendwie niedlich und irgendwie auch nervig. Michel ist auf der Rückfahrt eingepennt und turnt dementsprechend hier immer noch rum (hier ist es nach halb zehn). Der Erwerb von Still-BHs gestaltet sich extrem zäh. Hautfarben, ohne Bügel oder Polster, wegen der Körbchengröße mit extra breiten Trägern. Ich bin doch nicht hundert, verdammt! Und dann nen Zweierpack für 40€. Nee, danke. 

Herr Rabe und ich haben beide so dolle Augenringe und nen Limoncello intus, wir werden heute nicht alt. Deshalb jetzt schon mal missmutiger Grummelblogpost. 

Morgen wieder mit besserer Laune. Hoffentlich. 

Tag 240 – Kuckuck! Korfu Tag 10

Pippi und Michel sehen sich so unheimlich ähnlich, dass ich es spooky finde, wenn Pippi Sachen anhat, die Michel schon als Baby hatte. Es ist dann nämlich, als würde Michel neben Baby-Michel sitzen. 

Dafür sind sie vom Charakter her (soweit man das bei einem Baby von 8,5 Monaten sagen kann) sehr unterschiedlich und vor allem entwickeln sie sich in ganz unterschiedlichem Tempo. Bei Michel zum Beispiel fand ich das „Oje, ich wachse“-Buch total doof, weil er einfach immer relativ spät mit allem dran war und eher kontinuierlich Sachen lernte, statt klar erkennbare Schübe zu haben. Und dann standen da halt so Sachen wie „8 Monate: versucht zu krabbeln“ und Michel robbte und robbte und versuchte gar nix, weil er beim Robben wunderbar voran kam. Am Ende krabbelte er vielleicht zwei Monate „so richtig“ und fing dann an zu Laufen. Aber egal, jedenfalls machte Michel nie das was im Buch stand und deshalb fand ich das Buch auch doof. 

Und bei Pippi so? „8 Monate: versucht zu krabbeln“. Hmm. Nee, krabbelt schon seit nem Monat recht erfolgreich. Zieht sich überall hoch. Sitzt sicher. Kniet. Zieht die Füße unter den Körper, um aufrechter zu stehen und die Füße unter dem Schwerpunkt zu haben. Dreht sich im Stehen vom Couchtisch zum Sofa. Versteht ein paar Wörter, zum Beispiel „Nein“*. Macht High Five (das haben Michel und Herr Rabe ihr beigebracht). Macht deutlich, was sie haben will, heute morgen zum Beispiel Banane. Schmatzte und reckte sich nach den Bananen. Alter, sie weiß, dass in der Banane das leckere Zeug drin ist! Sie weiß auch, dass in meinem Shirt meine Brüste sind, das ist weniger schön, weil sie recht hemmungslos grabbelt und versucht, ihr Gesicht in meinen Ausschnitt zu stecken. Wenn man Sachen vor ihr versteckt und sie sieht, wo man sie hingetan hat, findet sie sie wieder. (Michel konnte man noch mit einem Jahr glaubhaft versichern, die Kekse, die man gerade in den Schrank gelegt hatte, seien „weg“.)

Heute hat Pippi mich dann mit einem anderen Ding sehr überrascht, auf das ich bei Michel damals vergeblich gewartet habe**: sie spielt Kuckuck! Und das, ohne dass ich das überhaupt jemals mit ihr gespielt hätte! Aber heute am Strand, es war wirklich zu niedlich, zog sie sich dauernd das Handtuch vors Gesicht, wartete (nach den ersten Malen), bis ich „Kuckuck“ sagte und zog es dann wieder runter und grinste beim „Böööhhh!“. Und von vorn. Gefühlte hundert mal. Es war so niedlich. Jetzt kann man langsam richtig mit ihr spielen. Hachja. Das Buch ist also nur noch zu 50% blöd. Wäre schön, darüber mal ne Massenstatistik zu haben (statt der dämlichen Anekdoten „Mein Finn brachte mich in dem Alter ständig auf die Palme mit seinem Gequengel aber als der Schub vorbei war war er wieder das Engelchen von vorher!“). 

* hält sich aber nicht dran. Da sind sie dann wieder gleich, die Rübennasen.

** nicht, dass er nie Kuckuck gespielt hätte. Sogar mit großer Begeisterung. Aber es ging nicht von ihm aus, er hat sich nicht selbst versteckt. 

Tag 239 – Faul. Korfu Tag 9

Heute irgendwie fast nix gemacht, war wohl auch besser so, ich hab nämlich Kopfschmerzen und verdächtige Pippi, leichtes Fieber zu haben. Also Aufstehen, Frühstück, Gammeln mit schlafender Pippi auf dem Bauch, Strand, Strand, Strand, Abendessen, Michel vorlesen, fast in Michels Bett einschlafen, selbst ins Bett gehen. Tag aus. 

Herr Rabe guckt jetzt noch Champions League. Nichts könnte mich weniger interessieren. Ski vielleicht. Langlauf. Schnarch. 

Tag 238 – WMDEDGT Urlaubs Special April ’16. Korfu Tag 8

Frau Brüllen will wie an jedem 05. des Monats von uns wissen, was wir den ganzen Tag machen. So sei es denn. 

Um sieben klingelte mein Wecker. Ich stellte ihn auf acht. Sieben schien mir nach einer Nacht, in der ich mehrmals von Michels Gliedmaßen bzw. deren hartem Aufprall in meinem Gesicht geweckt wurde, doch etwas zu ambitioniert. 

Um acht klingelte mein Wecker. Hätte ich gar nicht gebraucht, weil um 07:56 Uhr (ca.) Pippi Hunger hatte. Ich stillte, las meinen Feedreader leer und stand dann auf. Katzenwäsche und rein in die Laufklamotten. 

Laufen. Es gibt Leute, die finden das richtig gut. Ich konzentriere mich vorerst noch aufs nicht verrecken. Heute lief ich dieselbe Runde wie beim letzten Mal und dann noch ein Stückchen weiter bis zum am weitesten entfernten Zitronenbaum. Da sprang ich frisch und dynamisch *hust* an einen Ast, zog ihn runter und pflückte die Zitrone des Tages. Dann lief ich zurück zum Ferienhaus, öffnete die Tür und erschreckte mich fast zu Tode vor Herrn Rabe, der mitten in der Wohnung stand. Offenbar war Pippi direkt als ich weg war wachgeworden und hatte erstmal gekackt. Tjanun. 

Ich atmete etwas vor mich hin und hoffte, nicht allzu Dampflockmäßig rüberzukommen. Setzte mich aufs Sofa und wartete auf Frühstück. Irgendwann stand auch Michel in der Tür und dann musste ich mit ihm erstmal die neu gekauften Trinkflaschen mit der neu gekauften Flaschenbürste spülen. Danach gab es Frühstück. Pippi wollte nichts essen, Michel auch nicht, stattdessen meckerte Pippi und Michel auch. Herr Rabe und ich versuchten zu essen. Es klappte mäßig. 

Dann Tisch abräumen, spülen, etc. Stillen und dann endlich duschen. Mit ausgiebiger Körperpflege und allem. Und Spinne über dem Spiegel. Mich gruselte es ein bisschen, ich setzte aber einfach meine Brille nicht auf und ignorierte den verschwommenen schwarzen Fleck nach Kräften. Dann wollte Herr Rabe duschen. Während er sich rasierte, kackte Pippi nochmal, strengte sich aber dabei so sehr an, dass Ihre Birne komplett rot anlief und dann weinte sie bitterlich. Offensichtlich ist Sand essen der Verdauung nicht gerade förderlich. Also massierte ich ihren dicken Bauch ein bisschen im Kreis, was sie zuerst hinnahm und dann genoss. Ich zog sie an und wartete dann mit Michel darauf, dass Herr Rabe fertig werden würde mit seiner Rasur, damit Michel mit ihm duschen könnte. 

Stattdessen kam die Vermieterin und brachte uns frische Handtücher und Bettwäsche. 

Als Herr Rabe und Michel und überhaupt alle frisch geduscht waren kackte Pippi tatsächlich noch mal – und weinte wieder. Kein Wunder, wenn man sich fünf Tage Zeit lässt, drückts irgendwann. Aber die arme Maus kennt das ja noch nicht und brüllte deshalb einfach los, als sie merkte, dass es wieder etwas schwerer gehen würde. Wir müssen diese Sandesserei unterbinden. Aber wenigstens hatte sie danach etwas Appetit und wir teilten uns einen griechischen Joghurt mit frisch gepresster Orange und Bananenscheiben drin. 

Dann zog ich die Betten ab und sammelte die gebrauchten Handtücher ein. Das wanderte nach draußen. Herr Rabe und ich machten einen Einkaufszettel. Noch schnell eine Maschine Wäsche gestartet und dann gings mit alle Mann los zum Einkaufen. 

Pippi schlief, von der Verdauung erschöpft, im Auto direkt ein, wachte aber am Supermarkt wieder auf. Zuerst kauften wir zwei Doraden, die wir später grillen wollten, dann den Rest in zwei verschiedenen Supermärkten, begleitet vom ständigen „Ich will dies, ich will das…“-Gebrüll von Michel. Pädagogisch wertvoll und auch total uneigennützig versprachen wir ihm, nach dem Einkaufen zur Eisdiele zu fahren, wenn er etwas weniger Terror schieben würde

Auf dem Weg räumte ich noch schnell die Einkäufe in den Kühlschrank, Pippi schlief schon wieder und so blieb die Familie im Auto sitzen. Dann Eisdiele. Moahhhhh, so leckeres Eis! Ich liebe ja Joghurteis, die hatten alleine vier (oder fünf?) Sorten Joghurteis. Plus drölfzig andere. Und geeisten Cappuccino. Leider vergaßen sie den für Herrn Rabe und das war seiner heute eh schlechten Laune nicht gerade zuträglich. Ich hatte die schlafende Pippi auf dem Arm, war also auch etwas eingeschränkt in der Michel-Betreuung und dann landete noch ein Glas Wasser auf Herr Rabes Schoß und die Laune war ganz hin. Als Pippi aufwachte, ging ich mit ihr zu Michel auf den kleinen Spielplatz neben der Eisdiele und sie schaukelte das erste Mal in ihren Leben. Sie war schwer begeistert. Schaukelte und schaukelte und sah Michel beim Rutschen zu und schaukelte. Und lachte eigentlich die ganze Zeit. Das war sehr schön. Ich weiß jetzt auch, dass Spiderman total cool ist, weil er seitwärts rutschen kann. Also so wie Michel. Voll cool. Herr Rabe reagierte sich an seinem Handy etwas ab. 

Wieder zu Hause begab ich mich in die Küche, um Reissalat zum Abendessen zu machen. Und dann um den ganzen Grillkram vorzubereiten. Herr Rabe und Michel machten Feuer am Grill auf der Poolterasse an. Pippi ölte zwischen meinen Füßen rum, wollte dann auf den Arm und ich brachte sie auch zu Herrn Rabe, weil ich einarmig nicht schnippeln kann. Am Pool war sie dann total zufrieden, zog sich an den Liegen hoch und haute darauf herum, krabbelte rum und versuchte Ameisen zu fangen. Ich machte derweil Reissalat für eine zwölfköpfige Familie (Hupsi) und schleppte Geschirr und Essen und Getränke und Gedöns nach oben. 

Das mit dem Grill dauerte ewig und Michel wollte unbedingt Baden. Im Pool. Um sieben. Herr Rabe ging tapfer mit ihm rein. Es war ein Bild für die Götter. Zu gerne *hust* wäre ich ja auch reingegangen, aber ich bin *hust, hust* weiblich verhindert.  Zu schade. 

Irgendwann gab es endlich essen. War ok. Aber Fisch machen wir das nächste Mal doch lieber wieder im Ofen oder der Pfanne. Und Reissalat gibt es morgen zum Frühstück, Mittag- und Abendessen. Eigentlich war es auch schon zu kalt zum draußen essen, als dann auch noch Mücken kamen, gingen wir mit den letzten Happen rein. Da Pippi schon wieder auf meinem Arm schlief, las ich Michel was auf dem Sofa vor, dann kam Herr Rabe und putzte ihm die Zähne und steckte ihn ins Bett. Ich schrieb währenddessen schon mal den Tag auf, döste kurz ein, wachte wieder auf, machte mich bettfertig und liege jetzt tippend im Bett. Gleich werde ich noch ein bisschen in meinem Jo Nesbø-Buch lesen („Schneemann“, ich lese die Harry Hole Bücher nicht der Reihe nach, das hat sich so ergeben, ist aber auch besser so weil ich sonst wohl die Spannung nicht ertragen könnte) und dann schlafen. Ohne Wecker.