Tag 1515 – Herbstblumen.

Ich habe auch heute nicht viel zu erzählen, bei der Arbeit ist so ne Mischung aus „alle irre“ und „alle im Urlaub“, deshalb und wegen des Überstundenkontos habe ich heute auch einfach mal von 9 bis 15 Uhr gearbeitet und dabei noch eineinhalb Stunden Mittagspause gemacht. (Ok. Und im Zug auf dem Weg hin hab ich auch gearbeitet, bleibt eine Stunde Mittagspause und ich muss am Wochenende noch ein bisschen Sachen archivieren und da ist sie hin, die abgebaute Zeit, Tjanun.)

Im Garten ist es weiterhin schön, die Astern blühen jetzt bald und eine sehr verspätete Gladiole, wenn sie noch aufgeht, dann wohl nur um direkt kaputtzufrieren.

Apropos. Ich habe aus Versehen herausgefunden, dass Pileas nicht frosthart sind. Ich kommuniziere das hier als Service an Sie.

Hier drinnen blühen bald meine Orchideen wieder! Es ist ein Wunder! Warum jetzt, ich habe keine Ahnung, vielleicht gefällt es ihnen am Küchenfenster so gut, da habe ich sie nach einem Wochenendlichen Gießvorgang vergessen und jetzt bekommen sie Blütentriebe.

Und auch der Schneckenmango geht es gut.

Kleine Pflanze mit großen Blättern.

(Die Pilea kriege ich auch wieder hin. Die sind ja eigentlich unkaputtbar. Und wenn nicht habe ich etwa 12 Ableger.)

Tag 1514 – Hallo, Bett!

Nach Hause kommen, Hallo Mann, Reisekostenabrechnung machen, Hallo Dusche, Hallo Bett. Eigentlich muss ich rein vom Stundensaldo diese Woche her morgen* gar nicht arbeiten, aber mach ich natürlich trotzdem. Falls die Kopfschmerzen bis morgen weg sind jedenfalls.

(Achtung, Ironie: Irgendwas wollen mir die Kopfschmerzen bestimmt sagen, aber ich komme einfach nicht drauf, was es sein könnte.)

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*und den halben Montag auch nicht

Tag 1512 – Grüße aus den 90ern.

Heute flog ich, nach einem halben Arbeitstag, der direkt aus der Hölle zu stammen schien (zu wenig Zeit für zu viele zu komplizierte Dinge, die GAR NICHT im Bereich meiner Kernkompetenz liegen, also wirklich Ü-BER-HAUPT NICHT) dahin, wo viele Deutsche gern mal Urlaub machen und jetzt bin ich hier im Plastik-Paradies. Ich mache Ihnen morgen im Tageslicht mal ein Foto von der Wal-Statue draußen vorm Hotel.

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Anekdote: ich bin mit meiner Kollegin hier, mit der ich bei bisher allen Inspektionen war, mit der ich außerdem ca. 60% meines Arbeitsalltages aus verschiedenen Gründen zusammenhänge und die ja auch meine Patin im Werk ist. Als der Mann bei der Autovermietung ihr ihren Führerschein zurückgab und grinsend gratulierte (wohlgemerkt um 18 Uhr nach einem halben Arbeitstag, Zugfahrt, Flugzeug immer alles nebeneinander sitzend), schnallte ich es dann auch mal. Dass am Flughafen ihr Bruder angerufen hat habe ich zwar mitbekommen, aber die Gratulation ist wohl an mir vorbeigegangen. Jaja, man muss schon eine Blitzmerkerin sein, so als Inspektør. Herzlichen Glückwunsch, liebe Kollegin!

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Abends dann das weggeschafft, was wegen Reise an Zeit verloren ging. Fühle mich ein wenig schlecht, dass ich die nächste Vertreterin für die Qualitätsabweichungs-Behandlung jetzt mit lauter kleinen Feuerchen zurücklasse, die lustig herumbrennen, aber ich glaube wenn ich nachts um viertel nach elf irgendwelche hochoffiziell mündigen Entscheidungen treffe ist das genauso kacke.

Tag 1511 – Keine Zeit, keine Zeit, keine Zeit.

Ich sag es mal so: ich hoffe, unsere neue Teamchefin hat verstanden, worauf wir als „Inspektorat“ heute drei Stunden unserer aller Arbeitszeit verschwendet haben. Weil sonst würd ich mich echt noch viel mehr als eh ärgern, dass ich heute 3,5 Überstunden gemacht habe (und wenn meine Kollegin nicht einen ihrer Urlaubstage hätte sausen lassen, wäre es noch mehr geworden) um alles wegzuschaffen, was nun mal heute Anstand, wofür ich aber keine Zeit hatte, weil ich in Meetings herumsaß, unter anderem um zu erklären, dass wir alle bei aller Liebe die Hände genug mit dem zu tun haben, was unsere (gesetzlich verankerte!!1!elf!) Pflicht ist, und dass da Jobbe på tvers („quer arbeiten“ ich kann das jetzt nicht mehr erklären, ich bin wirklich gar) und all diese hübschen Konzepte von Kommunikation und Teilen von Kompetenz und blablabla hinten rüber fallen MÜSSEN.

Anderenfalls arbeiten wir uns alle kaputt. Das ist ja auch keine Lösung. Es darf eh schon keiner länger krank werden.

Ich jedenfalls habe mein Hirn heute so leer gearbeitet, dass ich am Ende die einfachsten Sätze von norwegisch nach englisch mit Google Translate übersetzen musste. Ich möchte bei der Gelegenheit auch kurz anmerken, dass ich diese Überstunden-gleich-Karriere-Kultur für völligen Bullshit erkläre. Selbst wer, der doppelt so „gut“ ist wie ich läuft nach 10 Stunden Arbeit doch nur noch auf 30% Hirnkapazität, kriegt aber unter Umständen auch noch wegen Zuschlägen mehr Geld dafür als wenn einfach sinnvoll geplant würde und die Arbeit sich in normaler Arbeitszeit erledigen ließe. Und dann wird das auch noch als Beförderungsargument herangezogen?

Pfft.

Echt mal.

Tag 1508 – Scheitern mit Ansage.

Wenig überraschend war meine To-Do-Liste zu lang für einen Arbeitstag, selbst bei einer extra Stunde. Ich werde also wohl am Wochenende irgendwann noch Dokumente lesen müssen (weil ich das Mäppchen bis Montag früh um neun halt bearbeitet haben muss) und nächste Woche im Flugzeug irgendwelches Zeug zum Brexit lesen, weil aus Gründen und hoffentlich breche ich nicht weinend in den Armen meiner Kollegin zusammen, weil ich doch auch keine Ahnung habe wie die das da alles lösen können, herrje, da schlagen sich seit Jahren ganze Gremien mit rum!

Den Rest hab ich aber weggearbeitet, ganz nach Plan.

Abends dann mit der Babysittermama telefoniert, das eskalierte ein bisschen (ich hätte einfach hinfahren sollen) und jetzt stehen hier Fragen im Raum herum, keine schlimmen, keine Sorge, aber halt Fragen, die man sich stellen muss (?) wenn man so Superkinder hat wie wir. Die halt einfach die supersten sind, eh, alle beide. Aber immerhin sind die nächsten Babysittertermine geklärt und ich muss keine Kinder mit zum Schulelternabend schleppen, während der Mann in Kopenhagen weilt, puh. Wir alten Businesskasper, wir.

Tag 1506 – Licht aus. Aus. AHAUS!

Irgendwas stimmt mit unseren Lampen nicht, überall geht dauernd das Licht einfach wieder an. Das ist ein bisschen störend, wenn man schlafen möchte.

Apropos schlafen: Herr Rabe und ich liegen beide schon im Bett. Herr Rabe ist verschnupft und ich fühle mich irgendwie auch nicht so ganz auf dem Damm. Ob nun, weil knapp 10 Überstunden in 3 Tagen wirklich schlauchen, oder weil im Flugzeug sitzen wirklich schlaucht, oder weil der Fischtrailer, der den ganzen Tag im Hafen, nicht weit entfernt vom Hersteller, vor sich hinbrannte und alles draußen in schwarzen Qualm hüllte, der natürlich über die Lüftungsanlage auch rein kam, irgendwas tödliches ungesundes abgegeben hat – ist ja eigentlich egal. Ich hab mich vom Zwang des Fitnesstrackers für heute losgesagt und hoffe, nach einer Nacht im eigenen Bett geht es besser. Morgen geht der normale Bürobetrieb wieder los und es stehen jetzt schon allerlei Termine an, von Fischfutter bis Steriltests ist da alles bei, damit bloß keine Ruhe einkehrt Langeweile aufkommt.

Tag 1505 – DOC-KF.04.ME.58-Version 1.03.

Für mehr sinnvolle Dokumentnamen!

Heute war wirklich anstrengend. Ich fühle mich wie ne ausgepresste Zitrone, in der zwei Elektroden stecken und ab und an macht’s bzzz bzzzz und dann kommt ein Gedanke vorbeigeflogen aber so richtig zu packen kriege ich ihn nicht.

Aber sehr leckere Fischsuppe zum Abendessen gegessen, in einem ganz kleinen Restaurant. TripAdvisor hat ja schon oft recht mit den Bewertungen.

Heute Mittag, falls Sie das interessiert, gab es, weil ich mir für mich vegetarisches Essen gewünscht habe, dann Chili Sin Carne für alle. Das war zwar, wie auch bei uns im Werk, eher so eine würzige Tomaten-Bohnen-Suppe, aber mit extra Jalapeños, die die QA-Dame noch holte, dann doch Chili und sehr lecker. Kam ganz ohne Fleischersatz aus und es hat sich am Tisch niemand beschwert. Ha! Ein Punkt für den Vegetarismus. (Ok. Ich fühle mich jetzt sehr aufgepustet, aber ich glaube fast, ich vertrage Kidneybohnen in so rauen Mengen eher schlecht.)

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Die Nordlichtvorhersage sagt, es geht hier grad total ab mit den Nordlichtern. Ich seh aber nix. Ich prangere das an.

Tag 1504 – Grüße aus dem hohen Norden.

Absolut bescheiden geschlafen. Warum möchten Kinder immer ihre Beine auf eine*n drauflegen?

Dafür hab ich mich heute wahrlich wacker geschlagen. Ich war fast pünktlich aus dem Haus und mit einem kleinen Rollkoffer-Hochhackige-Stiefeletten-Sprint habe ich noch den Bus erwischt. Der Zug von Lillehammer nach Oslo war 3 Minuten zu spät, den habe ich also auch noch bekommen. Dann stand ich überraschend lange am Bag-Drop-Off-Label-Print-Automaten, dann überraschend lange in der Sicherheitskontrollenschlange, dann überraschend lange in der Kaffeebarschlange und dann war das Gate in Terminal B und da muss man ein Stückchen weiter hinlaufen als zu A und als ich dann am Gate ankam, hatte das Boarding grad begonnen und meine Kollegin sah sich schon leicht hektisch nach mir um. Ich war aber weiterhin hundemüde tiefenentspannt und boardete so vor mich hin, als ich plötzlich einen Krümel im Mund hatte, der sich anfühlte wie ein Sandkorn und der eine Miniecke meines rechten oberen Schneidezahns war. Super. Aber nicht zu ändern. Ich inspizierte mit meiner Handykamera den Zahn auf weitere Schäden, fand aber keine und beschloss dann, dass es nicht so schlimm ist. Passiert.

Im Flugzeug dann auch entspannt und gegen die Müdigkeit zum Zeitvertreib die Präsentation so weit überarbeitet, dass jetzt alle Schriften einheitlich groß sind und Überschrift und Fußzeile immer an der selben Stelle. Eigentlich PowerPoint 101 aber die Präsentation ist ja quasi geerbt und vorher „natürlich gewachsen“, sprich, etwa 5 verschiedene Leute haben hier und da dran rumgepfuscht gearbeitet. Aber jetzt ist alles hübsch und wenn meine Kollegen lieb bitte sagen, leg ich meine Version sogar auf den Server, da bin ich ja nicht so.

Dann Inspektion. So ein schöner Dialekt hier. Love it. Ansonsten – neuer Hersteller, neue Seltsamkeiten. Love that one too.

Abends dann unverantwortlich viel Knoblauch gegessen, sorry Mitmenschen morgen. Aber lecker war’s und voll im Tagessatz. Hotel auch sehr schön, alles ganz neu, das ist schon cool, und ich hab mega viele und dicke Kissen, zu viele sogar, dass ich das noch mal sage. Dabei hab ich sogar meinen Teddy vergessen.

Leider Nacken-Schulterschmerzen aus der Hölle. Deshalb abends erst 35 Minuten bei kurz-vor-laufen-Geschwindigkeit (und mit mitgebrachten Sportschuhen) auf dem Laufband gegangen, dann noch 15 Minuten Krafttraining für Schultern, Arme und Bauch. Seither schmerzfrei, aber ich kann jetzt echt nicht täglich eine Stunde Sport einschieben damit mein Schmerzlevel unter Ich-beiß-gleich-wen kommt. Das kann’s echt alles nicht sein.

Aber echt ein guter Tag, so insgesamt. Trotz müde und aua.

Tag 1501 – Trekkteori.

Ganz entspannten Abend mit Herrn Rabe auf dem Sofa verbracht, das war wirklich mal nötig. Wir werden jetzt so etwa zwei Tage lang nach Knoblauch riechen, aber was soll’s.

Heute bei der Arbeit nichts spezielles erlebt. Fast wäre meine Kollegin bei einem Lachanfall erstickt, aber das wäre ja nicht zulässig während der Stillarbeitszeit. Dabei hatte ich nur einen trockenen Kommentar zu einer Mail gemacht, die ganz ernsthaft mit YO! begann.

Außerdem war ich recht spontan bei einem Infomeeting über den neuen Rekrutierungsprozess und zu was da welche Tests eingesetzt werden. Ich bin jetzt guten Arbeitspsychologischen Tests gegenüber nicht mehr ganz so negativ eingestellt. Die HR-Dame, die vorher schon sehr viel mit solchen Tests gearbeitet und auch daran geforscht hat, hat das überzeugend genug verkauft und da reine Vorstellungsgespräche wohl wirklich nicht das Gelbe vom Ei sind (ein paar Stichpunkte, die ich nach einem Bier noch im Kopf habe: – extrovertierte Menschen wirken sympathischer als introvertierte – man mag, wer einer ähnlich ist – Diskriminierung auf allen vorstellbaren Ebenen) ist so ein halbwegs objektives Tool vernünftig angewendet sicher ganz nützlich. Die schlechte Nachricht, falls Ihnen solche Tests bevorstehen: die guten kann man nicht wirklich üben und (bis auf wen anders den Test machen lassen, was dämlich ist, weil das ganz fix auffliegt, wenn Test und Arbeitsverhalten dann nicht zusammen passen) auch kaum bescheißen. Die gute Nachricht: wenn der Test sagt, dass man gut zu dem Job passen könnte, passt der Job auch eher zu einer. (All das lässt natürlich das ANY WILL DO, GIB MIR EINFACH IRGENDEINE ARBEIT, BIIIITTEEEEEE!!!-Gefühl das längere Zeit Arbeitssuchende befällt völlig außer acht. Aber zumindest der HR-Dame heute war das sehr bewusst.) Fun fact: ich war eine der ersten, die im Werk überhaupt getestet wurde, weil sich „meine“ zuständige HR-Frau schon früher zertifiziert hatte als der Rest von HR.

Man lernt nie aus.