Tag 816 – Gettin’ there.

Ergebnis einer fünfstündigen Mikroskopsession:

  • Fünf wunderschöne Bilder
  • Eine angepasste Hypothese
  • Kopfschmerzen
  • Ich weiß jetzt, dass der schöne Mikroskopmann einen putzigen Welpen hat

Ergebnis davon, dass der Mikroskopmann sich ein bisschen (30 Minuten) verspätet hat, weil er in einem Meeting saß, mir aber per SMS Bescheid gab:

  • zwei weitere abgeschickte Bewerbungen
  • Erst um sechs zu Hause
  • Furchtbarer Hunger (vermutlich daher auch die Kopfschmerzen)

Da der Mikroskopmann die Bearbeitung der Bilder machen wird bin ich damit fertig mit meinem Teil für das unendliche Manuskript. Noch ein bisschen auf Daten warten, den Chef seine Hypothesen umformulieren lassen und dann: ab dafür.

Oh, und: das Nature-Paper kommt am 16. raus! Hurra!

(Ich bin’s so leid, das Bewerbungen schreiben. Es kommt mir unheimlich sinnlos vor.)

Tag 0815 – A. is the nicest guy ever.

Also, he is incredibly smart AND handsome. Welcome, Mr. Computerinder!

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Mein Kollege hat meinen Blog gefunden. Tjanun*, ich hab es ja nicht aktiv verheimlicht, aber ich bin tatsächlich ein bisschen nervös, dass das jetzt hier Kreise zieht und demnächst mein Chef** besser weiß als mir lieb ist, wie wenig ich mit der norwegischen Art, Konflikte zu hantieren*** zurechtkomme. Aber egal, mich hemmt das ja nicht (muhahaha).

Leider ist ansonsten heut wenig passiert. Ich saß laaaaaaange am Mikroskop, ich habe ein (in Worten: ein) Stress granules gesehen, ich habe auch herbes Photobleaching gesehen (und die Pi-Elektronen sind schuld, wie an allem) und konnte deshalb nicht gerade schöne 3D-Bilder von dem Stress granule machen. Zwei Bewerbungen geschrieben, eine davon ohne zu wissen, worauf genau, weil außer der Überschrift und dem Standort keine Information abrufbar war. TJANUN. Daten ausgewertet und Unterschiede gesehen. Hurra! Wir mögen Unterschiede. Unterschiede lassen sich viel besser diskutieren, als keine Unterschiede.

Sonst war nix. Aber hier ein „Video“ von meinen schnaufi-schnarch-fiependen Kindern. Ich geh tot, so niedlich sind die. Wenn sie schlafen.

Fehler
Dieses Video existiert nicht

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* Was macht Google Translate eigentlich aus Tjanun? Hmm?

** Who, by the way, is the best supervisor ever. Of course. Very supportive.

*** Ich überlege grade: das sagt man auf deutsch nicht so, oder? Oje, was ist nur aus mir geworden.

Tag 812 – Auf in den Endspurt.

Diese Aktion von gestern ist… whoahhh! Was für ein toller Ort das Internet ist, mit was für tollen Menschen darin. Ich bin komplett beseelt und wie auf Wolken und weiß gar nicht, wie ich mich jemals angemessen dafür bedanken soll. Sie alle sind ganz wunderbare Menschen! So viel Unterstützung und gute Gedanken und einfach Anteilnahme an unserem Leben hier… Ich wünschte, jedem Mensch würde so etwas zuteil werden.

Die Erfahrung, nicht ganz allein und verloren hier zu stehen und an allen Fronten zu kämpfen, hat jedenfalls dazu geführt, dass ich grad alles für machbar halte. Für gut machbar sogar. Es ist nicht mehr so lang, und das meiste Praktische ist getan, es fehlt nur noch Mikroskopie, eventuell Auswertung der Bilder (also zum Beispiel Bubbles in Zellen zählen, damit man dann hinterher so Zeug schreiben kann wie „Das eine Protein ist in der einen Zelle in x % der Bubbles, wenn man aber ein anderes Protein ausknockt, ist es nur noch in z %.“, ich veranschlage für die Auswertung, wenn mein Chef die will, einen Tag), Auswertung der Western Blots (per Scannersoftware bestimmen, wie dick die Banden für die 5 Proteine in meinen 8 Zelltypen sind, das dauert ca. ne Stunde) und von einem Experiment muss ich die Daten noch in einem anderen Programm statistisch auswerten und dann so darstellen, wie ich das vor Monaten schon mal gemacht hab. Leider hab ich keine Lizenz für das Programm und muss deshalb dafür an den Rechner meiner Kollegin, die aber ab Donnerstag eh einen Monat in Afrika weilt. Und dann muss ich das nur noch in ein Paper schreiben. Das ist alles total gut machbar.

Da ist es tatsächlich auch gar nicht so ein riesiges Drama, dass Pippi morgen um 13 Uhr einen Termin beim Kinderarzt* hat, Herr Rabe mit einer Konferenz sehr busy ist (er organisiert die Teilnahme und die Standpräsenz seiner Firma auf der Konferenz) und ich deshalb vermutlich morgen eher gestückelt und eventuell auch mit Kind auf dem Schoß arbeiten werde. Es wird schon klappen. Es ist nicht mehr viel.

Und ab morgen dann ja auch Pippi-Karri-Gewöhnung, wir werden das alle schon schaukeln.

Es tut sehr gut, mal wieder etwas zuversichtlicher zu sein.

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*der lang ersehnte Termin, damit auch ein Spezialist mal drauf schaut, wieso dieses Kind so oft krank ist. In Norwegen macht man Termine ja auch nicht selbst aus, sondern bekommt einen nach Überweisung durch den Hausarzt zugeteilt. Den kann man zwar verschieben, aber wer weiß, wann sie den nächsten hätten? Wir nehmen da, was wir kriegen können.

Tag 810 – Berappelungstag.

Erstmal: vielen lieben Dank für all Ihre netten Worte. Und dann zur Erklärung:

– nein, ich glaube nicht, dass das in allen norwegischen Kindergärten so läuft. Meine Kolleginnen guckten auch alle etwas sparsam, als ich die Geschichte erzählte.

– leider weiß ich nicht, ob das bei anderen Kindern auch vorkommt, aber ich habe vor, das herauszufinden.

– ich glaube schon, dass sie 38,2 gemessen haben. Ich glaube nicht, dass sie dreimal gemessen haben, das halte ich für eine Notlüge, weil ich auf unsere Absprachen (s.u.) hingewiesen hab. Laut der Erzählung lief es so: sie waren draußen (also in wirklich viele Schichten Wolle verpackt), Pippi war erst nölig und brüllte dann irgendwann (sie ist nicht gern draußen wenn’s regnet und kalt ist, das gute Kind, Mama ist sehr stolz). Sie gingen rein, pellten ihr die Schichten vom Leib und maßen dann. Direkt nach dem Brüllen, direkt nachdem sie sehr warm angezogen war und gegen jede Absprache, die wir extra diesbezüglich mal getroffen hatten. Die nämlich besagte: nicht vorm Essen messen (Pippi wird schnell hangry, auch da: ganz die Mama…), nicht direkt nach dem Brüllen, nicht direkt nach dem Schlafen.

– nein, ich glaube nicht, dass Pippi eine höhere Betriebstemperatur hat. Ich glaube eher, dass ihre Körpertemperatur schnell auf alles mögliche reagiert und sie regelrecht heiß läuft. Deshalb hatten wir ja auch eine Absprache: wenn irgendwas gemessen wurde und Kind sonst normal (also nicht schlapp rumhängend) ist, nach 10 Brüllfreien Minuten noch mal messen.

– Ich stehe jetzt mit einer potentiellen Kinderfrau in Kontakt.

– Zur Geldproblematik: ich bekomme kein Arbeitslosengeld, wenn ich den PhD nicht eingereicht oder schriftlich erklärt habe, dass ich diesen nicht mehr weiter verfolgen werde. Letzteres geht aber auch nur mit Bestätigung der Uni, ich muss dann alles abgeben und komme buchstäblich nicht mehr rein. Die sind da hier sehr streng, wenn man halt PhD student ist, dann ist man das zu 100%, selbst wenn man kein Geld mehr bekommt und/oder seinen PhD abends und nachts erledigt. Alles egal. Nicht eingereicht —> keine Kohle. Deshalb muss ich spätestens am 31.12. einreichen. Es sieht ja auch alles machbar aus, käme nicht ständig so ein Scheiß dazwischen

– dass Herr Rabe die Hauptansprechperson sein könnte, habe ich auch schon überlegt. Aber vermutlich hat sich das durch meinen Ausraster am Telefon gestern eh erledigt, Norweger*Innen können ja nicht so mit Konflikten und die gehen mir jetzt wohl erstmal soweit möglich aus dem Weg.

Ansonsten lief der Tag extrem zäh an, der Tag gestern und das Arbeiten bis fast Mitternacht steckte mir noch in den Knochen und in der Psyche. Das ist wirklich so ne Sache, wenn man eh kurz vorm Durchdrehen ist, braucht’s eben nur nen kleinen Piekser und aus mir entweicht alle Luft mit einem lauten Quietscher. Und nie weiß ich, ob’s diesmal drei Wochen oder drei Stunden dauern wird, mich zu berappeln. Und unglaublich viel Kraft kostet es wirklich jedes Mal und die fehlt mir dann logischerweise an anderer Stelle. Aber heute ging es relativ fix, nach einem sehr späten Kaffee nach dem Kinder wegbringen, dann einer ausgedehnten Badrunde mit Glitzer aufmalen und ausgiebiger Beautyblender-Massage meiner geschwollenen Augenlider und dann noch lunch mit der Lieblingskollegin saß ich danach fünf Stunden lang fast ohne was anzünden zu wollen am

Mikroskop.

Abends dann Discovery mit Herrn Rabe. Viel Liebe dafür.

Tag 809 – Schon wieder.

Schon wieder bin ich an dem Punkt, von dem aus mich wieder aufzurappeln übermenschliche Kraft kostet. Was ist passiert? Der Kindergarten rief an, dass Pippi Fieber hätte. Ich fuhr sie abholen, sie war überaus fröhlich, zuhause maß ich nochmal ihre Temperatur: 37,43. Mittagsschlaf fand sie auch blöd. Ich schrieb dem Kindergarten eine SMS, dass ich sie wieder hinbringen würde, weil sie nicht krank sei und unsere Kindkrank-Tage aufgebraucht seien. Wir müssten sie also jetzt krankschreiben lassen. Das gesunde Kind. Dann rief die KiTa an und erzählte mir was von wegen „sie war schon die ganze Woche nicht in Form“ und „gestern und Montag* haben wir ja nicht Fieber gemessen“** und ich müsse das doch verstehen, sie müssten auch auf die anderen Kinder Rücksicht nehmen und wenn dann eins nölig sei und einen Erwachsenen für sich beanspruche, das ginge so eben nicht. Tja und an dieser Stelle reagierte ich dann mal wieder sehr erwachsen und konfliktfähig, brach in schluchzendes Heulen aus und kotzte alles ins Telefon. Dass es ja nicht das erste Mal*** gewesen sei, dass sie sie gesund nach Hause geschickt hätten, dass eben diese Aktionen Anfang des Jahres die Kindkrank-Tage gefressen haben, dass es jetzt eben nicht mehr so ohne Weiteres möglich ist, sie abzuholen. Dass ich unter enormem Druck stehe, weil ich bis Ende diesen Jahres diesen PhD eingereicht haben muss, weil ich sonst ab 1.1. kein Geld mehr bekomme****. Dass ich deshalb zu unmöglichen Zeiten arbeite, wenn ich tagsüber kranke Kinder betreuen muss. Dass ich erwarte, dass ein Kind, was nicht krank ist, von Ihnen betreut wird. Und dass ich VERDAMMT NOCH MAL EINFACH NICHT MEHR KANN. Dann legte ich einfach auf und rollte mich auf dem Fußboden zusammen***** und wollte am liebsten aufhören zu existieren.

Als Herr Rabe kam wollte ich eigentlich wieder zur Arbeit, stattdessen hing ich erst apathisch rum und ging dann schlafen.

Drei Tage war sie in der KiTa. Davor zwei Tage krank, drei Tage KiTa, drei Tage krank, zwei Tage KiTa… What the actual fuck.

Alles kein Zustand mehr.

Und nein, es kann keiner mal eben kommen. Wir können uns auch keinen Babysitter/Kindermädchen/AuPair leisten. Wir müssen da halt irgendwie durch. Aber vom Kindergarten ist da wohl wenig Verständnis zu erwarten.

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*Dienstag also schon.

**Vorwurfsvollen Unterton „aber wir hätten gerne“ bitte nach Gusto hinzufügen, ich habe den sehr deutlich wahrgenommen.

***Eher so das 6.

****Auch kein Arbeitslosengeld, GAR NICHTS.

*****“Mama lei sei?“ („Mama traurig?“) —> direkt nochmal 100€ in die Therapiekasse werfen

******Ich überlege wirklich, sämtliche Altersvorsorge zu streichen. Es kann nicht angehen, dass wir als Haushalt zu den Top-Verdienern gehören und am unteren Durchschnitt rumkrebsen, weil wir uns dumm und dämlich zahlen, um irgendwann mal eventuell (also, falls die Versicherungsfirmen dann noch existieren und nicht irgendeinen Weg finden, nicht zu zahlen) ein bisschen mehr Rente zu bekommen.

Tag 808 – Würdest du auch nach [random Ort einfügen] ziehen?

Ja.

(Das war ja einfach.)

Längere Antwort: Nein, ganz random nicht. Ich möchte in Europa bleiben, ich möchte irgendwo hin, wo wir auch die nächsten Jahre bleiben können, ich möchte aus Gründen nicht unbedingt nach England (sollen die erstmal klären, welche Ausländer sie mit ihrem Ausländer Raus meinen, und sich dann was für die anderen überlegen), ich kann kein Französisch, Italienisch oder Griechisch und mein Spanisch ist unterirdisch schlecht. 

Am liebsten würde ich in Skandinavien bleiben, am allerliebsten in Norwegen, aber so langsam sitze ich auf heißen Kohlen und die Verzweiflung setzt ein und besser, ich kämpfe mit der Vereinbarkeit in Deutschland, als dass ich arbeitslos in einem der teuersten Länder der Welt bin.

Soviel dazu. Dann: was würde ich denn gerne machen? Nun ja, erstmal weg aus der akademischen Welt. Ich könnte mir unter Umständen Forschung in einer Firma vorstellen, aber dann muss das ganze Drumrum auch passen und das Thema muss was sein, was ich kann und mag, also: irgendwas mit Proteinen (ich bin echt gut in Proteinanalytik und Downstream Prozessentwicklung) oder mRNA base modifications, was aber in der Industrie frühestens in 10 Jahren überhaupt wen interessieren dürfte. Am liebsten möchte ich aber nen normalen Job haben ganz raus aus der Forschung. Ich könnte mir sehr gut Qualitätsmanagement oder Regulatory Affairs für mich vorstellen, oder Medical Writing. Nur habe ich in den Bereichen keine Erfahrung vorzuweisen (QM noch am ehesten, weil die Firma, bei der ich gearbeitet habe, so miniklein war, dass alle alles machen mussten und ich dementsprechend auch SOPs und Validierungspläne und Abweichungsberichte und Risk Assessments und so Zeug eben erstellt hab), aber ich bin ja ein exceptionally fast learner, nicht wahr? 

Am allerliebsten würde ich übrigens für die gute Seite der Macht arbeiten, zum Beispiel für die EMA oder das PEI oder eben das norwegische legemiddelverket. Aber auch da ist reinkommen schwer, wenn man nur einen grotting schlechten Grundkurs in Forschungsethik hat und einen alles in einem Semester erschlagenden Kurs in Drug development, der sehr an der Oberfläche herumkratzte, was rechtliche Grundlagen für Medikamentenzulassungen betrifft.

Tja. Also wenn wer wen kennt, der wen kennt, ne? Ich kann ab Januar.

Tag 807 – Back to business.

42 mal poly(A)-RNA isoliert. Zum letzten Mal.

Eine Bewerbung geschrieben. Immerhin, nachdem ich heute morgen so müde war, dass ich die Augen kaum aufbekam, finde ich das eine Leistung.

Elterngespräch im Kindergarten. War. Ich war sehr müde und sehr gestresst und sehr dankbar, dass einer der männlichen Betreuer das Gespräch mit mir hatte. Das hat nämlich nur halb so lange gedauert, wie die zwei anderen Elterngespräche, die wir bisher da mit Frauen hatten. Kann aber genauso gut auch an meiner Wortkargheit gelegen haben. Fazit jedenfalls: Kinder sind super, ein paar Minibaustellen gibt es schon (unter anderem findet der Kindergarten, dass Pippi undeutlich spricht), aber nix, was ich dramatisch finde.

Jede Menge alte Proben, die niemand mehr braucht aufgeräumt. Aufgeräumt = weggeworfen. Ich finde das ja sehr befreiend. Auch ein paar -80er-Leichen gefunden, zum Beispiel eine ganze Box voll aufgereinigtem Bitch-Protein, mit Mutationen, ohne Mutationen, hinten trunkiert, vorne trunkiert, mit His-Tag, ohne His-Tag, Maus und Human. 

Schönen Nachmittag mit Pippi allein gehabt. Dabei ist mir aufgefallen, wie „groß“ die geworden ist. Auch ihr Gesicht hat sich verändert. Übers Wochenende, quasi (und nein, das liegt nicht nur dran, dass die Bläschenkrusten kamen und jetzt langsam wieder abklingen). Vermutlich erklärt das, wieso sie im Moment gerne mal rumpelstilzt. Nachts. 

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Pippi: „Laser Puppen?“

Ich: „?“

Pippi: „Laser Puzzeln?“

Ich: „Laser…?“

Pippi: „Mama Pippi Laser puzzeln? *zeigt auf Schnoddernase*“

Ich: „Ahh, du willst Nase putzen?“

Pippi: „Ja.“

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Über dem ganzen Hand-Mund-Fuß-Mist ist mir entgangen, dass bei Pippi eine Ecke des 5. Backenzahns durchgebrochen ist.

Viel über Freundschaft nachgedacht. Muss ich mal zu bloggen. Aber dazu jetzt zu müde.

Tag 806 – Puh.

Seltsamer Tag. Ging damit los, dass Michel ein dickes Auge hatte, das sehr ähnlich aussah, wie das, was ich in Bergen hatte. Also Vereinbarkeitsspagat mit Einbindung des Besuchs, der nach dem Arzt- und Apothekenbesuch Michel dahin brachte, wo der Kindergarten auf Ausflug war. Herr Rabe brachte Pippi mitsamt ihrer Hand-Mund-Fuß-Krusten in den Kindergarten, während wir beim Arzt waren. Dann Arbeitarbeitarbeit, zum letzten Mal Zellen mit krebserregendem Zeug behandelt, zum letzten Mal Zellen fixiert. Die Fischleute angerufen und… eine Abfuhr kassiert. “Es liegt nicht an Dir, es hatte nur jemand anders einen stärkeren Hintergrund.” Joa. Geatmet, nicht geheult, geatmet, zum letzten Mal RNA isoliert. Aus 42 Proben, für die ich versehentlich die DNAse für 50 Proben verbrauchte, so ganz konzentriert war ich also wohl nicht. 

Dann super gute Nachrichten von Frau Brüllen. Hurra! 

Während der RNA-Isoliererei schleichende Erkenntnis: Ich bin irgendwie erleichtert, dass das mit den Fischleuten nicht geklappt hat. Vermutlich hätte ich mich tatsächlich nach ein paar Jährchen da gelangweilt. Und dann wäre ich in einem Job, von dem aus ein Wechsel auch recht schwierig wäre. Insofern: kein Mitleid nötig, es ist ok. Was nicht so schön ist, ist dass ich jetzt wieder voll drinstecke in der Zukunftsangst. Aber es ist auch da ein Entschluss gereift: Wenn mich Norwegen ganz offensichtlich nicht will (ich meine, mehr als mich auf alle in Frage kommenden Stellen bewerben kann ich halt auch nicht machen), weite ich mein mögliches Gebiet ab sofort aus. Ja, auf Deutschland und die Schweiz. Ich hab auch schon von Freundinnen Stellenanzeigen geschickt bekommen, das gehe ich morgen alles mal an. Nachdem ich zum letzten Mal poly(A)-RNA angereichert habe.

Dann nach Hause, lecker gegessen, unlecker Pippi ins Bett gebracht. Brüllpippi muss derzeit mal wieder Terror machen, bevor sie dann einschlafen kann – um nach zwei Stunden wieder loszubrüllen. So schön.

Simpsons geguckt, mit Besuch und Smash und Chips, dabei Fingernägel mal wieder überaus scheiße lackiert. 

Jetzt Bett und nicht grübeln. Bekymring ist nicht. 

Tag 804 – Das Alter.

Manche werden im Alter grau, manche kahl, dick oder faltig. Ich werde gefühlt nur immer müder.

Was heut gut war: Pippi hat kein Fieber mehr, nur Bläschen en Masse um den Mund, das scheint sie aber zumindest tagsüber nicht sehr zu belasten. Wir haben Besuch bekommen, der bis Die stag bleiben wird. Wir haben Michels Pupsspiel* ausprobiert u d eine Menge (infantilen) Spaß gehabt. Ich habe den blöden Versuch ganz smooth fertig gemacht und bin damit fertig im Zelllabor, Hurra.

Trotzdem: so müde, dass mir grad das Handy aus der Hand fiel.

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*ein Spiel mit einer Art elektrischem Pups-Generator. Mann muss Karten ablegen und dem Wert entsprechend auf das Dings drücken. Irgendwann pupst es, derjenige hat dann verloren. Das Spiel macht echt sehr viel Spaß!

Tag 803 – Erste und letzte Male. (Bjuti-Content)

War ja klar, dass das heute irgendwie schwierig werden würde, mit krankem Kind* und dem fiesen Versuch. Entsprechend sitze ich jetzt gerade bei der Arbeit und mache Sachen zum letzten Mal. Was ja auch irgendwie super ist. Zum Beispiel habe ich heute zum letzten Mal Zellen transfektiert und ich habe, weil ich keine „lebenden“ (also welche, die ich noch weiter führen muss) Zellen mehr habe eben jede Menge Medienreste weggeworfen. Und gestern um diese Zeit habe ich zum letzten Mal die große Ethanolflasche aufgefüllt. Jippie!

Und weil ich ja Zeit hatte heute, hab ich aus Jux und Dollerei die Serum-Foundation von The Ordinary ausprobiert. Es war… interessant (hier der Link—>). Und jetzt, nachdem das alles seit sieben Stunden drauf ist, ist mein Fazit: naja. Die trockenen Stellen sind immernoch trocken, dafür hat sich meine Nase und Stirn astrein durch die Foundation (und das Puder) gefettet. Gut, dass die nicht so teuer war. (Aber ich hab ja noch ne Farbe und nen anderen (feuchteren, vielleicht hilft das ja) Primer zum Probieren.

Jetzt noch 5 Minuten arbeiten und dann Feierabend. Bis Mitternacht, dann wieder hier. Und dann um halb neun morgen früh wieder. Und DANN, morgen Abend um halb neun, werde ich zum letzten Mal Zellen ernten.

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*es ist Hand-Mund-Fuß-Krankheit. Badumm-Tsss.