Tag 909 – Auto-Lobhudelei Deluxe.

Nun, es ist ja so:

Ich bin krank. Es ist nicht meine Schuld, es ist auch nicht der Ärztin schuld, aber im Moment geht es mir körperlich nicht gut. Und das jetzt einfach mal so sein zu lassen, und mich so sein zu lassen, das ist mein fester Entschluss und gleichzeitig meine Challenge. Ich bin da nicht gut drin, meine Schwächen anzunehmen. Ich finde mich in gertenschlank schöner als nicht und kann absolut nicht fassen, wie man innerhalb einer einzigen Woche so zulegen kann. Ich hoffe noch auf Wasser oder Verstopfung oder irgendwas, was auch genauso schnell wieder verschwindet. Aber ich versuche, nicht zu hadern. Ich versuche, nicht damit zu hadern, dass ich extremst müde und antriebslos herumhänge und klopfe mir für die Kleinigkeiten, die ich schaffe, auf die Schultern. (Ein dicker Schulterklopfer fürs Schulterklopfen!) Heute habe ich 50 Minuten Sport gemacht, davon 20 Minuten HIIT und 30 Minuten „alle Muskeln fallen ab“-Pilates. Ich habe ein Brot gebacken und ein Kleid genäht. Ich könnte jetzt auch alles aufzählen, was ich machen wollte, aber dann nicht geschafft hab, weil mir beim Öffnen der CV-Datei schon die Tränen kommen und ich einfach so hundemüde bin, ich niemanden anrufen mag, eigentlich möchte ich mit niemandem reden – aber das bringt ja nix. Die Selbstdisziplin lässt mich eben noch Dinge tun, es ist nicht so viel und manch einer, inklusive mir selbst, mag es lächerlich wenig vorkommen, aber: ich bin krank. Es wird weggehen. Bis dahin ist es eben so und alles was noch geht ist gut. Das muss ich jetzt nur noch selbst glauben, aber vielleicht hilft es ja, das aufzuschreiben.

(Und die optischen 5 Kilo Bauchspeck, die gehen sicher wieder weg. Und auch die Defense-Präsentation werde ich irgendwann machen können, ohne dass die Diss mich so anpiekt, das nichts mehr geht. Es wird irgendwie werden.)

Tag 906 – Stoffkaufeskalation.

Heute war ich beim Meeting unserer engeren Arbeitsgruppe (Proteomics and genome dynamics, falls Sie das immer schon mal wissen wollten) und es passierten die beiden folgenden sehr unangenehmen Dinge:

  1. Mein Chef sagte, welche Opponenten ich haben werde und meine eine Kollegin platzte heraus, wie schrecklich sie die Opponentin findet. Dann ignorierte sie geschickt, dass ich immer röter wurde und immer mehr Übersprungshandlungen die anfänglichen Witzchen ersetzten und zog geschlagene 10 Minuten darüber her, was für eine schreckliche Person und vor allem was für eine grottenschlechte Wissenschaftlerin diese Frau sei. Herrje. Meine Defense wird ein Heidenspaß, eventuell muss vermieden werden, dass sich diese beiden Damen vor dem „Bestanden“ begegnen.
  2. Mein Chef sagte vor versammelter Mannschaft „… Frau Rabe, have you been working on the presentation?“ und ich so… „Well, I have been preparing…“ Was stimmt, denn ich weiß, was ich anziehen werde und mein Make-Up steht.

Sie dürfen darüber gerne lachen. Ich lache auch. Aber es ist bei mir so: Ich prokrastiniere jetzt gerade das Vortrag erstellen mit diesen anderen Dingen, die ja auch sein müssen. Da ich kein Kostüm oder gar einen Hosenanzug kaufen möchte, den ich nie wieder anziehen werde, möchte ich selbst was nähen. Ich schwanke noch ein bisschen zwischen einer Rock-Bluse-Kombi und einem recht schlichten Kleid, werde aber in jedem Fall beides nähen, denn ich werde ja auch voraussichtlich irgendwann mal Vorstellungsgespräche haben, vielleicht über mehrere Runden, da ist es nicht schlecht, mehr als ein Outfit zu haben. Da ich aber ja eher selten elegante Dinge nähe, erforderte die Wahl der Schnitte einiges an Recherche und Herumfragen. Aber jetzt bin ich soweit, dass ich sowohl für die Verteidigung an sich als auch für die Party danach Schnittmuster ausgesucht/vorgeschlagen bekommen habe und heute habe ich die, die nicht auf anderem Wege zu mir kommen, bestellt. Hurra. Für den Abend werde ich das nähen, was zuerst hier ankommt (die Muster gab es nicht als Download), da habe ich aber, ebenfalls heute, den Stoff gekauft, den ich schon lange dafür im Kopf hatte. Für die Defense habe ich den Schnitt für das Kleid schon als Download da und eben habe ich ziemlich viel Geld für einen Merinowollstoff (200 g/m^2, also nicht so Unterwäsche-Qualität) ausgegeben, der hoffentlich so schön ist, wie er auf den Bildern aussah. Für eine Bluse habe ich einen Stoff im Kopf, den ich gern mit einem blauen Rock kombinieren möchte, aber da ist mir noch kein passender Stoff ins Auge gesprungen. Egal, das kommt noch. Grau ginge auch, oder auch rot. Oh, ein roter Rock! Ohhhh! (Sie sehen, ich habe tausend Ideen. Nicht alle sind 100% seriös, aber mei, meine Opponentin ist die schlechteste Wissenschaftlerin der Welt, who cares.)

Und falls Sie irgendwo petrolfarbene oder flaschengrüne Spitze sehen, dann schreien Sie bitte ganz laut, ja?

Hoppla, da fällt mir ein: wo sind denn meine Brautschuhe wohl? Die würden sehr gut zu dem Partykleid passen. Hmm. (Ich hab doch nicht meine Brautschuhe weggeworfen, oder? Nein. Sicher nicht.)

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Auto-Lobhudelei: Aus dem Warenkorb mit dem Merinowollstoff doch ganz viel wieder rausgeräumt. Entscheidungen getroffen. Dem Chef vom gestrigen Meeting berichtet und mich nicht wieder total in Rage geredet. Nahezu souverän den Ausbruch meiner Kollegin überstanden und sie hinterher gefragt „but why didn’t you say anything???“ und das mit ihr geklärt.

Tag 905 – Engagiert euch!

Gestern noch war ich total sicher, dass heute so ein Doktorand*Innen-Seminar unseres Institutes sein würde. Ich suchte etwa 10 Minuten lang nach der entsprechenden mail, fand aber keine und beschloss dann, das wohl mit einem anderen Seminar verwechselt zu haben, das in zwei Wochen ist. Was merkwürdig ist, hatte ich doch schon einen detaillierten Plan geschmiedet, der Institutsleitung all meinen geballten Frust um die Ohren zu hauen.

Nunja, das Ganze klärte sich dann heute Mittag auf, als mein Kalender mir eine Erinnerung schickte, in drei Stunden finge das Seminar an. Es gab keine mail, weil iPhones und iPads diese Nachrichten mit Eintragung in den Kalender irgendwie umdutzeln – dann sind sie aber Kalendereinträge. Wie auch immer, ich machte also schnell mein heutiges Sportprogramm, aß was, duschte und fuhr zur Arbeit. Bei dem Meeting sollte es um das Life-circle Management eines PhD-Studenten gehen, also vorher – mittendrin – nachher. Und ein bisschen metooacademia. Ich hatte mit meiner Panikattacken-geplagten Kollegin schon mal grob besprochen, was wir mitteilen wollen und das uns das Problem mit der Mentalen Gesundheit unter PhD-Studierenden am Herzen liegt, aber auch die Finanzierungsproblematik und Alternativen zur Akademischen Karriere (die quasi nie erwähnt werden. Nie. Und das ist doch in Anbetracht der Tatsache, dass ungefähr alle PhDs und Post-docs, die ich kenne, aus der Uni raus wollen und ein Leben haben, recht vermessen.).

Was dann geschah, sollte uns vom Hocker hauen!

PhDs machen an unserem Institut die größte Gruppe der Angestellten aus. Insgesamt sind wir etwa 120, davon werden 85 auch bezahlt (finde den Fehler). Wir haben einen (!!!) Repräsentanten in der Leitungsgruppe, also quasi der Institutsleitung, der darf bei manchen Entscheidungen in der Nähe vom am Tisch sitzen. Erstmal ging es um Neuaufnahmen. Menschen brachten an, dass es schwierig sei, sich zu Anfang zurechtzufinden, in Norwegen generell, an der Uni ebenfalls, der Medizinischen Fakultät noch mal mehr und an unserem Institut ganz besonders. Ein wiki für frische PhDs wäre doch schon. Worauf der Institutsleiter meinte, das gäbe es doch schon und dann drei aus der Leitungsgruppe geschlagene fünf Minuten brauchten, um die richtigen Schlagwörter für die Suche in unserem Intranet zu erraten. Da konnte ich mir ein „See? That is what we are trying to say.“ nicht verkneifen. Dann ging es noch kurz um die regelmäßigen Evaluierungen und ich erfuhr endlich, weshalb ich eigentlich keine Halbzeit-Evaluierung gehabt habe: Weil das Institut unterbesetzt ist. Tadaa. Ich sagte, das sei zwar nachzuvollziehen, aber für mich eben blöd, eventuell hätte man da ja mal draufgucken und früher erkennen können, dass das ursprüngliche Projekt nicht gut genug voran kommt. Ja, man wird daran arbeiten, dass wieder jede Studierende nach etwa einem Jahr so eine Bestandsaufnahme des Projekts bekommt. Und dann sprachen wir das Thema Druck an. Meine Kollegin fing an. Dann ich. Dann noch drei weitere Studierende. In diesem Raum mit vielleicht 40 Personen fanden 5 sehr deutliche und sehr offene Worte für ihre psychischen Probleme.

„I have Zoloft at home.“ „My anxiety has come back.“ „I have been on sick leave for almost eight weeks until I could get back to work.“ „I am in therapy.“

Und das waren nur die von uns, die das eben offen ansprechen und sich nicht dafür schämen.

Wir sprachen auch die (unserer Meinung nach) Gründe dafür an, dass so viele von uns die selbe Geschichte in unterschiedlichen Farben erzählen. Zu. Viel. Druck. Zu viele Artikel*, in zu kurzer Zeit, keine Unterstützung, niemand nimmt dich ernst (es wurde vom Institutsleiter wieder diese schreckliche Artikel** zitiert, der auch auf dieser „hahahaha, jaja, crazy times und am Ende arbeitet man eben ohne Geld, heult die ganze Zeit und schläft nicht mehr, voll lustig“-Welle reitet), das Geld und die Zeit rinnt dir aus den Fingern, Supervisor finden kein Ende und wollen, dass du noch mehr Experimente machst, noch mehr Artikel schreibst und das bitte alles im letzten halben Jahr, die zweieinhalb davor haste ja auf Kurse verwendet und darauf, die dämlichen Fehler anderer PhDs zu reproduzieren, weil es keine vernünftige Methodendokumentation auch über missglückte Experimente gibt***. Mehr Geld kannste dir abschminken. Es ist ja jetzt sogar das Abschlussstipendium abgeschafft worden, warum eigentlich, lieber Institutsleiter?

„Die Fakultät möchte keine Anreize schaffen, dass Projekte verzögert werden.“ (Dschiezes, und das ist den PhD-Studierenden ihre Schuld oder wie? Aaaarrrrrgh!) Und wieviele Studenten haben das mitentschieden? „Das kam von der Fakultätsleitung direkt, äh, da sind, äh, keine Studenten vertreten.“

Gut. Also nicht gut, es wird sich finanzierungsmäßig für die nachfolgenden Studierenden überhaupt nichts ändern, aber wenigstens sind mal ein paar deutliche Worte gefallen, nämlich „Ihr seid so wichtig, ihr macht die ganze Forschung und publiziert die Artikel!“ – „Ja, und es scheint euch ganz egal zu sein, wie wir das schaffen.“ Da herrschte dann betretenes Schweigen.

Und was ist die Lösung für die Misere mit dem Geld und den drei Artikeln in drei Jahren (Post-docs haben übrigens für einen Artikel zwei Jahre und haben normalerweise auch noch eigene Studenten, die, wenns gut läuft, den Großteil der Laborarbeit erledigen) und des Supervisors, die erwarten, dass man 30 Stunden am Tag an 8 Tagen die Woche bis zum Tag der Abgabe im Labor steht? „Engagiert euch in der Hochschulpolitik.“

Ähhja. Wann genau? Definitiv nicht im letzten Jahr, im ersten auch nicht (die Kurse!). Und dann? Ich erinnerte an die abgeschafften Stipendien, zu denen man auch keine Studierenden befragt hatte, auch keine in Organisationen. Ja, äh, hmm, ja, das stimme natürlich, aber wenn man Einfluss nehmen könnte, dann durch so Gremien.

Meine Kollegin brachte auch nochmal das Thema „Unterstützung bei psychischen Problemen“ auf, ich erzählte die total unlustige Geschichte, wie ich versuchte, über die Uni Hilfe zu bekommen und die einzige Anlaufstelle die ich fand, die „Karriereberatung“ (bei Cecilie <3) war, die dann keine war sondern eine Therapiesession im Schnelldurchlauf, mit Taschentuchverbrauch wie bei ner Fernsehhochzeit. Meine Kollegin beharrte darauf, dass es niederschwellige Angebote geben müsse, vor allem auch vorbeugend, dass man den neuen Studierenden gleich sagt: pass auf, im Winter musst du Vitamin D nehmen, du kannst über den Studenten- oder den Angestelltensport zum Beispiel Yoga machen (oder Kickboxen oder was auch immer dich entspannt) und wenn es dir dreckig geht und du das Gefühl hast, du stehst vor der Wand, diese Person hört dir zu und der kann man auch einfach mal ne mail schreiben. Und mach am Anfang deines PhDs ein Projektmanagement-Seminar und schreib ein Review-Paper. Bei den praktischen, konstruktiven Vorschlägen schrieben die Fakultätsmenschen alle ganz eifrig mit, ich gebe also die Hoffnung noch nicht auf, dass da vielleicht was zum Guten hin geändert wird. Wenn schon weder die drei Artikel-Regel fallen wird (aber der Institutsleiter hat gesagt, er schaut nochmal, ob der Punkt „Teile der Arbeit dürfen nicht schon in anderen Arbeiten verwendet worden sein.“, bei kumulativen Dissertationen so viel Sinn macht) noch die Geldproblematik sich ändern wird.

Dann war es fünf vor drei, der Institutsleiter sagte noch schnell, zu wem wir gehen müssen, falls wir mal das Gefühl haben, irgendwer verhalte sich in irgendeiner Form übergriffig und dass das selbstverständlich dann ernst genommen würde und dann war die Zeit leider um, bevor wir den Punkt „nach dem PhD“ überhaupt angerissen hatten. Beim nächsten Mal dann.

Und dann bekam ich Migräne, aber das ist ein anderes Thema. Oder auch nicht.

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*Für viele von uns das zentrale Problem. Niemand von uns erwartet, die drei Jahre auf einer Arschbacke abzusitzen und mit Management-Posten belohnt zu werden. Aber ein publizierter und zwei Erstautor-Artikel in drei Jahren, auf echten Experimenten**** fußend, das ist der helle Wahnsinn und nur mit tierisch viel Glück und support zusätzlich zur vielen Arbeit zu schaffen.

**den ich hier nicht verlinken kann, warum auch immer, aber wenn Sie norwegisch können und das hier in ihren Browser kopieren, müsste es trotzdem gehen: http://www.universitetsavisa.no/ytring/2017/09/27/Å-fullføre-en-doktorgrad-69177.ece

***Bei mir schon und das ist auch ein Grund, weshalb ich, wenn ich Studenten was erkläre, immer lang und breit ausführe, welche dummen und nicht so dummen Fehler ich schon gemacht hab.

****Kein Affront, aber ich habe gesehen, mit was für Artikeln MDs promovieren und unsere Artikel sind eben ein bisschen anders als „Ich teste Medikament X (Standardtherapie) gegen Medikament A plus Massage an 50 Leuten, mach ne Statistik dazu und fertig“.

Tag 899 – Fünfundzwanzig Wege, eine Bewerbung zu verkacken.

Ich habe heute die vierte Bewerbung an ein großes Unternehmen geschickt. Wie so viele Unternehmen hat dieses ein Bewerbungsportal. Man kann sich nur darüber bewerben und lädt dann da einerseits sein Profil hoch, andererseits aber für jede Bewerbung noch mal die speziellen Unterlagen, also Anschreiben und gegebenenfalls Jobspezifische Zeugnisse oder Zertifikate oder wasweißich. Jedenfalls muss man dann anhaken, welche Dokumente aus dem hochgeladenen Dokumentpool für die einzelne Bewerbung relevant sind, und – das weiß ich natürlich nicht, aber nehme es an, die Recruiter können sich dann da aus diesem Pool je nach Stelle nur die Dinge runterladen, die für sie eben als relevant gekennzeichnet wurden. Vielleicht haben sie auch Zugriff auf alles und müssen sich dann das relevante selbst zusammensuchen, das fände ich umständlich, aber hey, diese Portale sind eh umständlich (und zwar alle, die unterscheiden sich nur in Abstufungen von Grausamkeit), also ja vielleicht auch von der anderen Seite aus. Man kann insgesamt 25 Dokumente hochladen und pro Bewerbung maximal 7 als relevant anhaken, wichtig ist, dass man alle Dokumente für noch laufende Bewerbungsverfahren in diesem Dokumentpool lässt.

Das verstand ich heute Mittag. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen, als ich schon total genervt war, weil das System permanent abstürzte und dann dachte, ach, egal, dann lad erstmal die neuen Sachen hoch und dann kannste danach ja die alten löschen, wie immer. Und dann fiel der Groschen.

Genau. Ich hatte beim Bewerben auf die 2. und 3. Stelle jeweils die Abschreiben der 1. und 2. Stelle gelöscht, weil ich mir irgendwie eine Ordnerähnliche Unterorganisation vorgestellt hatte und mich wunderte, wieso mir immer die alten Abschreiben in neuen Bewerbungen angezeigt werden. Und weil die da ja auch nichts zu suchen haben, dachte ich eben, ich lösche die. Sicherheitshalber. Und ja, ich hatte mich auch immer über diese „Relevanzfrage“ gewundert, ich lade doch kein irrelevantes Zeug da hoch, hä?

Jedenfalls merkte ich meinen fatalen Fehler halt heute. Mir wurde schlagartig sehr warm, dann sehr kalt, ich hyperventilierte ein bisschen und dann nutzte ich die bugs des Portals, um die alten Bewerbungen durch gezieltes aus- und wieder einloggen bearbeiten (und die Häkchen richtig setzen) zu können. Quasi Zeitgleich versuchte ich nicht nur ein bisschen hektisch die Recruiter für Stelle 1 und 2 zu erreichen, bekam aber trotz Anrufen im 20-Minuten-Takt zwischen halb zwei und halb fünf niemanden ans Telefon. Nie-Man-Den. Auch keinen Anrufbeantworter oder eine Stellvertreterin oder irgendwas. In meinem Kopf liefen Szenarien ab, wie die Bewerbungen wegen Unvollständigkeit allesamt in der Tonne landen, ich mich zur Lachnummer des Unternehmens gemacht habe und überhaupt – welche Irre mit norwegischer Nummer versucht denn 8 mal in zwei Stunden anzurufen?!?

Ehrlich gesagt läuft das Kopfkino immernoch. Die Stellen wären jede für sich ein Traum. Ich wäre dafür qualifiziert. Ich habe sehr! sehr! viel Arbeit in die Anschreiben gesteckt und auch nochmal den CV überarbeitet und überhaupt: scheitert es jetzt echt an meiner Doofheit? Oder eigentlich nicht mal das, das Portal mit diesem System ist ja gut, ich bin nur noch viel blödere Portale gewohnt, bei denen man für jede Bewerbung alles Identische trotzdem neu hochladen muss und offenbar hatte ich mein Hirn da schon wieder aus, als ich dieses neue Portal öffnete. Zweieinhalb mal. Gnaaahhh.

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Auto-Lobhudelei: immerhin nicht geheult deswegen.

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Was auch scheiße ist: die WordPress-Handy-App. Orr. Vor allem bei 4% Restakku. Da will ich keine 5 Minuten damit zubringen, an eine Textstelle zu springen, während der Text ständig unkontrolliert wegrutscht.

Tag 893 – Schon wieder.

Genervt von mir selbst. Ich bin weinerlich und reizbar und das einzige gute heute war die viertel Stunde die ich spontan an der Nähmaschine verbracht habe.

Gebacken habe ich auch, aber heute ist so ein Tag, da denke ich nur: das interessiert doch keine Sau. Und die Brötchen sind eh hässlich geworden. Der eine Brot-Teigling war schon verhautet und ist nicht so schön aufgegangen, den anderen hatte ich falschrum zur Gare gestellt und der ist deshalb nicht schön aufgerissen. Ich bin schon echt ne Heldin.

Ich wär so gern positiver. Echt. Aber: nee. Jedes Mal wenn ich gezwungen werde, über meine Situation* zu sprechen (weil es Leute halt interessiert, wie es hier so weitergeht), erzähle ich so und höre mich reden und denke: scheiße. Das ist echt alles bescheiden hoch drei. Und da locker-flockiges schreiben, fällt mir schwer.

Ich versuche es. Versprochen.

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Auto-Lobhudelei: ach…

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Ok, nochmal: Auto-Lobhudelei: Das Back-Soll ganz und das Näh-Soll fast erfüllt. Wocheneinkauf in 40 Minuten in 2 Läden erledigt. Leckere Bolognese-Sauce gekocht.

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*arbeitslos. Fucking arbeitslos. Das Amt kann mich theoretisch zwingen, ne Ferienvertretung im Kliniklabor Namsos anzunehmen, wenn ich sie angeboten bekäme. Das fühlt sich schon nach drei Wochen echt furchtbar an und wird wohl noch ne Weile so weitergehen. Hilfe? Nö. „Sie können selbst in Arbeit kommen.“ Ja. Falls ich darüber nicht die Nerven verliere.

Tag 889 – Zäh und ätzend.

Ist es ein Kopfschmerz?

Ist es eine schlechte Laune?

Nein! Es ist PMS!

(Vermutlich.)

Es ist früh dran, wir werden sehen, wie lange es bleibt und wie dringend da der Handlungsbedarf ist. In jedem Fall besteht welcher. Ist ja auch ne Einsicht.

Jedenfalls machte es mir den Tag heute schwer. Haben Sie mal versucht, alles hassend, allen voran sich selbst!, Bewerbungen zu schreiben? Wenn’s nur irgendeine gewesen wär, aber diese hier war mir wichtig und die werde ich modifiziert auch noch mehrmals an das gleiche Unternehmen schicken, denn da sind mehrere sehr ähnliche Post doc-Stellen ausgeschrieben. Und die heute, die erste, das ist die beste von denen und das Unternehmen ist jetzt aber auch nicht grad bekannt dadurch, Underachiever einzustellen, also: hui. Huiuiui. Ich habe schlussendlich nach Mittagessen, Dusche, drei Kaffee und einer Kopfschmerztablette doch noch etwas geschafft, mit dem ich zufrieden bin. Ich würde mich einstellen – und das sage ich nicht oft. Aber der Weg war steinig heute.

Dazu kam:

  • Mahnung über die längst bezahlte Miete.
  • Nervige Korrespondenz mit der Mietmakleragentur, über die die Wohnung hier gemietet ist. Fazit: Verlängerung nur um zwei Monate (bis Ende April) möglich, danach muss ein neuer Vertrag her, mit dem wir uns dann wieder eine ewig lange Kündigungsfrist ans Bein binden.
  • SAS stellt sich quer, mich für die gecancelten Flüge zu entschädigen.
  • Nachricht, wann meine Defense sein wird: am 22. *grobe Flüche einfügen* JUNI. Aus Gründen, aber: ALTER!!! Das sind noch mehr als 5 Monate, what the actual eff. 5 Monate, um wirklich sicher zu gehen, dass ich verrückt werde. Ich hasse es. In Kombination mit dem zweiten Punkt besonders prickelnd.

Darf ich in meiner pessimistischen, misanthropischen Grundhaltung mal kurz was prophezeien? Nein? Mir egal: die Versicherung wird nicht für die gestohlenen Sachen aufkommen, die Firma mit dem vergeigten Vorstellungsgespräch nicht für die Reisekosten aufkommen, SAS wird einfach weiter behaupten, das Wetter war schuld und das Restaurant wird am 22.06. nicht können, weil die Cousine des Schwagers des Inhabers da heiratet. Und Job kriegen/Umziehen/KiTa-Plätze besorgen wird die Hölle auf Erden.

So, dann wäre ich jetzt bereit, mich positiv überraschen zu lassender wenigstens sagen zu können: tja, hab ich ja gesagt, dass es so kommen wird.

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Auto-Lobhudelei: Bewerbung geschrieben, nur kurz wegen des Datums für die Verteidigung geheult, nichts angezündet.

Tag 864 – Es ist vollbracht.

Und ich kann’s immernoch nicht so ganz fassen. Aber es ist echt so. Chef, Prüfungsamtsfrau, alle haben heute für mich länger gearbeitet, als geplant. Und um… 15:57 Uhr laut Foto-Uhrzeit war Dobby dann frei.

Frei.

FREI!

(Übrigens echt irgendwie ein Anti-Klimax, so nen zusammengehefteten Kram abzugeben und den Rest per Mail zu schicken. Andererseits besteht ja noch die Möglichkeit, dass die Thesis nicht zum Verteidigen ausreicht, und wenn man dann 50 Ausgaben Altpapier hat, ist das ja auch blöd.)

Und übrigens, was ich gestern Nacht um drei, als ich nicht schlafen konnte schrieb.

Für Sie.

Und ja, das steht da jetzt so drin. Das bleibt auch so.

Ach ja, falls die Opponenten da Zeit haben, wird die Defense am 22.03.18 sein.

*Kreisch*

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Auto-Lobhudelei: entfällt. I made it. I fucking made it.

Tag 863 – Piiiiiiiiiieeeeeeep!

Lessons learned:

  • Mit 4,5 Stunden Schlaf steht es sich unfröhlich auf
  • Ohne durchgeknallte Schilddrüse wäre das hier alles gar nicht machbar, dann müsste ich ja ernsthaft schlafen
  • Die Kolleginnen haben viel Schokolade im Büro, in der Schublade hinter M.s Platz
  • Der Chef ist ein Arsch. So, jetzt ist’s raus.
  • 2 Tage für 1 Paper und 1 Thesis-Diskussion ist nicht wirklich genug
  • Man muss eine beglaubigte Kopie seines Masterzeugnisses abgeben, wenn man die Thesis einreicht
  • Wenn irgendeine Thesis wegen mangelnder Substanz zurückgewiesen wird, dann meine, aber die schiere Masse sollte es eigentlich richten, es ist… naja, viel.
  • Die Diskussion ist aber zu 90% aus den Paper-Diskussionen zusammen-ge-copy-pastet
  • Morgen ist noch gut was zu tun
  • Gleich auch
  • Der letzte Bus nach Hause fährt um 23:56

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Auto-Dings: alter, ich stehe noch, ich arbeite noch, ich blogge sogar noch (ok, im Bus, aber egal). Ich will schon seit geraumer Zeit nicht mehr und habe das Gefühl, das ist alles große Scheiße, aber: ich mache noch weiter.

Tag 862 – Piep!

Kurze Pause, ich muss ja auch mal was essen.

Paper 3 hat jetzt 21 Seiten und ich muss nur noch zweieinhalb Abbildungen beschwafeln, bis auf eine alle Bildunterschriften schreiben und dann ein Abstract verfassen. Zwei mal, weil eins ja auch für die Thesis. Jöss.

Es hat sechs Abbildungen (mit 3 bis 7 Unterabbildungen) und ich habe alle drei Tabellen ins Supplementary geschoben, weil sie hässlich und doof sind. Und eine Abbildung auch, eigentlich müssten noch mehr Abbildungen ins Supplementary, aber, Ahhhhhh, wer soll das denn machen und wann??? Heute habe ich aus Frust, weil alle Abbildungen gleich aussehen und ich einfach echt keine Balken in Graustufen mehr sehen kann noch Mikroskopbilder mit reingenommen, der Chef so „OHHHHH! So hübsch!“, aber das ist auch echt das höchste der Gefühle.

Jetzt essen und dann weiter.

Ich tippe auf nach Mitternacht.

T minus 1 Tag.

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Auto-Lobhudelei: totes Hirnstreik-Loch überwunden, Panik-Loch überwunden, diverse Prokrastinationslöchlein überwunden. Ich überwinde echt viel grad. Es fühlt sich absolut grauenvoll an, um ehrlich zu sein, aber, hey, getting shit done. (Also, showing everyone who thought I was crazy that I’m actually crazy but still getting shit done.)