Tag 843 – Der Normale Wahnsinn.

Ich muss echt mal langsam mein Review über den The Ordinary-Kram, den ich ja inzwischen schon ein paar Wochen benutze, schreiben, es brennt mir auf der Haut unter den Nägeln.

Aber nicht heute, ich bin müde. Müde sein ist momentan eine gute Sache, die genutzt werden muss. Ich schlafe sensationell schlecht und komme morgens deshalb überhaupt nicht aus dem Quark und wenn ich so weiter mache, wiege ich bis Weihnachten noch 45 kg.

Deshalb und wegen überhaupt war ich heute morgen ziemlich spontan beim Hausarzt, um Blut abzuliefern um die Schilddrüsenwerte checken zu lassen. Mich würde nicht mal wundern, wenn da wieder was im Busch wäre. Mein Erwachsenen-Konto füllte ich auch noch gleich auf, indem ich drauf bestand, dass auch die Antikörper bestimmt werden. Das ist ja einerseits praktisch, wenn man einfach hingehen kann und sagt: Einmal Routinecheck Schilddrüse, Autoimmun! Und muss nicht jedes mal erst mit dem Arzt sprechen, andererseits überhören die Sprechstundenhilfen den Hinweis „Autoimmun“ halt wirklich jedes mal und dann darf man mit denen rumdiskutieren, dass es doch geschickt wär, gleich ein extra Röhrchen Blut abzunehmen, statt erst mit dem Arzt zu sprechen und mir dann ein weiteres Loch in meine einstmals wunderschöne Vene zu bohren.

Die Idee von Frau Brüllen der ihrer Firma der ihr Achtsamkeits- Selfbranding-Dings* finde ich übrigens, entgegen möglicher Vermutungen, total gut und übernehme das mal direkt, ich hab das Gefühl, ich kann’s brauchen, mich täglich selbst Lobzuhudeln. Grade jetzt wo ich mir oft richtig dumm vorkomme und vermutlich ein Bilderbuch-Beispiel von Impostor-Syndrom habe. Heutiges Auto-Schulterklopfen: Ich habe das mit der Antikörperprobe durchgesetzt, eine (die letzte für dieses Jahr!!!) Bewerbung abgeschickt, die sehr unbescheiden formuliert und trotzdem ehrlich ist und die ich wirklich gut finde und meinen inneren Impostor mit Kaffee ersäuft und angefangen, die Einleitung für das Manuskript zu schreiben.

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*Ich bin Westfale.

Tag 842 – Ok.

Schöne Zahl.

Bin auf dem Sofa eingeschlafen und erst wieder wach geworden, als sich meine Brille fies in meine Nase und mein iPad, das auf der Sofalehne lag, in meinen Hinterkopf bohrte. Wegen Abschminkenzähneputzen bin ich jetzt wieder unangenehm wach und kann ihnen wenigstens erzählen, dass heute ein Okay-er Tag war, ich habe zwar keine Resultate bekommen und das macht mich wahnsinnig, aber die Methods-section des Artikels kann ich ja trotzdem schreiben und die hab ich heute runtergetippert, die ist soweit fertig. Morgen werde ich die Einleitung anfangen. Des Weiteren hab ich heute in der Gegend rumtelefoniert: einmal, weil uns irgendein A*schloch den Außenspiegel am Auto angefahren hat und ich diese unbekannte Person gerne pro Forma anzeigen möchte, für die Statistik und damit meine Wut einen Kanal hat; und nach dem Mittagessen hab ich bei der Stelle aus Schweden mal nachgehakt, das macht mich ja dezent fertig, dass die sich nicht melden, das war ja beim letzten Mal nicht so ein gutes Zeichen. Diesmal ist aber alles gut, der Personalmensch rechnet mir sehr gute Chancen aus, es waren alle sehr zufrieden mit dem Interview, Donnerstag Nachmittag oder Freitag werde ich hören, wie es da weiter geht. Und gut, dass ich angerufen hätte, dann wüsste er ja, dass ich noch Interesse habe. Klar hab ich Interesse und um eventuell eine etwas bessere Basis zu haben, schickte ich danach noch eine Bewerbung ab, auf die zu bewerben mir der Chef-Recruiter der Firma nach Lesen meines CVs und einem gut halbstündigen Telefonat (am Donnerstag, ich berichtete nicht, weil ach…) empfohlen hat. Das wäre halt kein Labor mehr, also eigentlich… noch besser.

Es wird. Wenn ich jetzt noch etwas weniger trøtt og lei wäre…

Tag 841 – Endlich ein neues Fass!

Nein, Spaß.

Aber eigentlich hätte ich ein bisschen Lust drauf, wenn ich grad Nerven und Zeit übrig hätte, würde ich vielleicht nen Aufständchen machen, jetzt muss es eben reichen, dass ich hier mal drüber motze.

Ich habe ja letztes Jahr dem Herrn Rabe einen Whisky-Adventskalender geschenkt (und alle so moaaaa, macht die denn echt alles wie Frau Brüllen?!? Aber ich habe das erst nach dem Bestellen geschnallt, echt, und Herr Brüllen hat auch einen anderen als Herr Rabe). Das war ein spontaner Einfall, nachdem durch den Brexit das Pfund abstürzte und Herr Rabe ja sehr gerne Whisky mag und dann poppte so ne Werbung bei Amazon auf und dann hab ich im Endeffekt aber doch nicht da bestellt sondern in einem Britischen Onlineshop. Weil die nämlich eine recht problemarme Lieferung nach Norwegen versprachen. Und problemarm war es letztes Jahr auch, ich musste eine Bestätigung schicken, dass ich in jedem Fall anfallende Zollkosten übernehmen werde und daraufhin wurde das Paket abgeschickt, ein paar (überraschend wenige) Tage später rief der Postmann an, ich nahm das Paket in Empfang, die Zollrechnung kam wie immer per Post, das überwies ich und fertig.

Dieses Jahr hingegen habe ich das dumpfe Gefühl, dass ich irgendeine Janteloven-Regel übersehen hab: „Du sollst nicht meinen, dass du einfach Alkohol von sonstwo her bestellen kannst, trink gefälligst Karsk*, du blöde Kuh!“. Ich bestellte den Kalender vor ca. 2 Wochen und schickte die „Jaja, ich bezahl alles was die sich hier einfallen lassen“-Mail direkt hinterher. Dann passierte ein paar Tage nichts. Dann wurde ich vorletzte Woche Freitag um kurz vor halb vier von DHL angerufen: das Paket läge jetzt beim Zoll und die bräuchten eine Bestellbestätigung. Und, das müssten sie mir sagen, ab dem vierten Tag, dass es beim Zoll liegt, kostet es 35 NOK pro Tag. Also, weil beim Zoll Freitags ab halb vier keiner mehr arbeitet und das Wochenende den Norwegern ja heilig ist, ab Montag. Ich reagierte recht… ungehalten auf diese Information und motzte die Dame am Telefon an, ob sie das fair fände, dass ich also egal wie schnell ich jetzt diese Mail mit der Bestellbestätigung schicke in jedem Fall 35 Kronen bezahlen müsste. Nee, fand sie auch nicht richtig, aber den Boten hängen ist ja auch nicht grad die feine Art und den Rest vom Groll schluckte ich herunter, 35 Kronen sind ja nun auch nicht sooooo viel Geld. (ABER AUS PRINZIP! schreit da mein Gerechtigkeitsempfinden und ich habe Mühe, es wieder zu beruhigen.) Und natürlich schickte ich auch sofort die Bestellbestätigung an die DHL-Frau, die mir noch am Telefon den Eingang bestätigte und dass sie das sofort an den Zoll weiterleite.

Dann passierte wieder ein paar Tage nichts.

Mittwoch rief ich DHL an. Natürlich hatte ich keine Sendungsnummer, die arme Frau (Ich glaube, es war die selbe, Silje ist zwar ein recht gewöhnlicher Name hier aber so schlecht ist mein Stimmengedächtnis nicht) musste also tatsächlich nach meinem Namen suchen. Ein Whisky-Adventskalender? Ja, genau. Hmm, der liege noch beim Zoll. Sie werde da drauf drängen, dass das schnell bearbeitet würde, das wäre ja ärgerlich, wenn das nicht bis zum 1. hier wäre. Ja, stimmt ja auch, klar, äh, mir ging’s natürlich nur um den Mann *hust*. Zähneknirschend legte ich auf. 3 x 35 NOK.

Auch am nächsten Tag passierte nichts.

Am Freitag rief ich, einigermaßen geladen, wieder an. Silje musste wieder nach meinem Namen suchen, ach ja, der Adventskalender, ja, der sei heute morgen vom Zoll behandelt worden. Müsste also Montag ausgeliefert werden (auch DHL arbeitet am Wochenende hier nicht). 5 x 35 NOK werde ich also, zusätzlich zur Einfuhrsteuer und zur Bearbeitungsgebühr, berappen dürfen. Weil wegen isso und weil der Zoll da eben am sehr viel längeren Hebel sitzt.

Die können froh sein, dass ich keine Kapazitäten für so Nervzeug habe.

Das Paket kam jedenfalls heute heile an und ich hab zum ersten Mal so eine Postbox benutzt, da musste man nur eine SMS-Pin eingeben und plopp – ging die Klappe auf. Spannend sowas.

Auf den Brief vom Zoll warte ich jetzt mittelmäßig gespannt.

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*Sprich: Kaschk, Kaffee mit Selbstgebranntem. Sehr Trøndersk. Man macht das so: man nimmt eine Tasse und legt eine Münze rein, dann tut man so viel Kaffee in die Tasse, bis man die Münze nicht mehr sieht. Dann kommt so viel Klarer „Hjemmebrennt“ drauf, bis man die Münze wieder sieht. Wieviele Leute im Jahr blind davon werden, ist nicht überliefert, ich weiß aber, das selbst brennen auch zu den Hobbys von ein paar meiner Kollegen gehört, das ist hier (illegaler) Volkssport. „Die Familie von Stein-Even, die brennen schon in der vierten Generation in der Hütte im Wald, da is‘ nie was passiert, kannste ruhig trinken!“ Alle irre.

Tag 840 – Puh!

Herr Rabe ist wieder da. Das heißt: wir haben wieder Hygienespüler. Wir haben (gekaufte) Adventskalender für die Kinder, Ich habe einen Adventskalender (von Essie, laaangweilig, ich weiß, aber hier in Norwegen ist das voll außergewöhnlich dass ich den hab, den gibts dieses Jahr nämlich irgendwie nur bei einem Anbieter – für das anderthalbfache des Preises, der bei den anderen Onlineshops als „bald verfügbar“ steht und mehr als das doppelte von dem Preis, den ich letztes Jahr bezahlt hab.

Ansonsten bin ich froh, dass ich die Kinder jetzt nicht mehr alleine versaue jetzt nicht mehr alleine für die Kinder zuständig bin. Zwei Tage mit zitternden Armen reichen grad dicke. Heute haben wir den Tag recht gut mit einem Kindergeburtstag rumgekriegt. Vorher waren wir noch bei der Freundin von Michel, deren kleiner Bruder ist Pippis Freund und deren beider Mama ist die Leiterin des Kindergartens und wirklich nett. Eigentlich sollte ich nur Michel abliefern, weil eigentlich nur Pippi und Pippis Freund auf dem Geburtstag eingeladen war, dann wurden aber kurzfristig heute früh doch noch Michel und seine Freundin dazugebeten und dann sah ich wohl platt genug aus um einfach auf nen Kaffee eingeladen zu werden und im Endeffekt waren wir dann alle knappe zwei Stunden da und fuhren dann zu dem Geburtstag. Der war dann sehr schön, die Kinder verdrückten unglaubliche Mengen Kuchen und vor allem Chips (mit Chips bin ich ja bei Pippi immer noch sehr vorsichtig, seit sie mal im Flugzeug freudestrahlend so ein Tütchen Chips verdrückte und es fünf Minuten später immer noch freudestrahlend in meine Hand kotzte (offenbar hab ich das nicht verbloggt, WARUM DENN NUR?), aber sie hat alles gut vertragen und sich trotz der wirklich unglaublichen Mengen zum Abendessen noch eine riesigen Portion Nudeln mit Parmesan reingeschaufelt, ich glaube, da wächst bald wer). Die Eltern des Geburtstagskinds sind sehr nett und sprechen – Überraschung – echt gut Norwegisch. Zu Hause sprechen sie miteinander Hindi und mit dem Kind indisches Englisch, deshalb dachte ich irgendwie, die könnten nicht gut Norwegisch. Aber das ging echt gut alles und die Kinder spielten sehr schön und nahezu ohne sich gegenseitig die Köppe einzuhauen und als ich heute Abend Pippi ins Bett brachte, sang sie ihrer Mickey Maus ein Lied vor: „Eböörsdäi tuu juuu, eböörsdäi tuu juuuu! Ebörsdäi di Mau-haus, ebörsdäi tuu juu!“.

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Leicht Off Topic: Die Mutter eines anderen Kindes aus dem Kindergarten, die auch auf dem Geburtstag war, ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin in französischer Literatur, an der Uni. Post-Post-Doc, sozusagen. Auf einer bis Januar befristeten 50%-Stelle. Schon der dritten kurzfristig befristeten und ungewollt nicht-vollen Stelle. Es ist doch überall das Gleiche und echt zum Heulen. Die akademische Welt ist kaputt, an allen Ecken und Enden.

Tag 838 – Unglückliches Timing.

Weiterhin keine Resultate vom Massenspektrometer. „Die Proben laufen.“ Dafür Anfrage der Massenspektrometer-Frau: ob es denn schlimm wäre, wenn ich erst im Januar abgeben könnte. Daraufhin habe ich erst ihr und dann dem Chef sehr deutlich gesagt, dass ich das leider nicht aushalten kann, weil ich dabei bin davon krank zu werden. (Lustig, wie ich: „Ich drehe ab und mein Körper ist ein Wrack!“ ausdrücke, oder?)

Apropos krank: mein Körper hat ein neues Feature „Arme zittern“ entwickelt und ich sollte wohl wirklich dringend mal die Schilddrüsenhormone checken lassen, das halbe Jahr ist auch schon wieder rum. Des Weiteren scheine ich die hormonelle Verhütung nicht mehr zu vertragen, „nicht mehr“, weil ich die vor den Kindern ähhh ewig (6 Jahre? 8 Jahre? Irgendwie so.) benutzt habe und wenn das damals so gewesen wär wie jetzt, hätte Ich das niemals so lange gemacht. Die Details erspare ich Ihnen mal.

Heute war die Putzhilfe da, das hatte ich von Montag, als hier ja zwei Glühwürmchen auf dem Sofa vor sich hin vegetierten, auf heute verlegt. Das passt auch voll gut, dann ist es nicht so lange hin bis zum nächsten Mal: am 11. Dezember. Auch Putzhilfen haben Urlaub. Kinderfrauen übrigens auch. Passt halt grad ungefähr überhaupt nicht, wegen allem eh schon und dann ist heute auch Herr Rabe nach Deutschland geflogen, weil sein Vater morgen 80 wird.

Ja. Alles wie immer, alles… nicht so gut grad. Wenigstens Karri ist ab Dienstag wieder da.

(Falls Sie mal die Verlockung verspüren, zu promovieren: TUN SIES NICHT. So. Ich habe Sie gewarnt.)

Noch was gutes, irgendwie jedenfalls: Da mein Gehirn abends nach der seichtest möglichen Unterhaltung lechzte, schaute ich Schminkvideos und blieb bei Jeffree Star hängen. Muss man mögen, den Stil, ist halt alles wahnsinnig überdreht und überzeichnet und „more strobe bitches, helloo!!!“, aber ich mag das und hell yeah, der kann Make-Up. Und irgendwann wachte Michel auf und schaute ein bisschen zu und wenn es hier schon im echten Leben wenig queere Vielfalt gibt, kann er das wenigstens im Fernsehen mal sehen.

Tag 837 – Kaputte Tage.

Ich weiß echt nicht mehr, was ich sagen soll.

Den halben Tag bin ich zu nichts in der Lage, wirklich zu gar nichts, den anderen halben Tag versuche ich aufzuholen, was ich vertan hab.

Jetzt ist schon viertel vor eins, mein Körper streikt von Kopf bis Fuß, ich bin hundemüde, aber schlafen geht auch nicht.

Morgen: repeat.

Tag 836 – Pause. Vielleicht.

Hier sollte ein amüsanter Text über Kekse stehen, oder die norwegische Süßigkeitenversorgung, oder Hautcremes, oder sowas.

Aber jetzt liege ich hier mit höllischen Kopfschmerzen, nachdem ich (erfolglos) versucht habe, meinen CV umzugestalten, neben mir der immer noch kranke und wehleidige Michel. Morgen habe ich ein Meeting, weil mein Chef ganz elegant meinen Versuch, Arbeit an ihn abzutreten, abgebügelt hat mit den Worten „oh, Frau Rabe ist leider grad nicht da, vielleicht wäre es besser, wenn wir auf sie warten?“ und alle so yeah, außer mir. Ich komme hier zu Hause zu nix, es ist echt alles ziemlich kacke und „nebenher“ noch Bewerbungen schreiben setzt mich grad sehr unter Druck und – ich schaffe es nicht. Eine Firma werde ich morgen noch anrufen, und dann ist Pause bis nach der Abgabe. Ich kann mir grade auch die Frustration durch Absagen nicht mehr antun. Ich bin schon (viel zu) hart zu mir selbst, „du bist blöd“ von außen führt nur zu, tja, zu Heulerei und Ohnmacht und Lähmung. Für die Diss ist noch genug (hahaha, ich könnte auch zwei Monate mit Arbeit füllen) zu tun und da brauche ich grad alle eh schon knappen Ressourcen, vor allem nervlich.

Und morgen schreibe ich dann mittags. Bevor alles scheiße wird. Kann sich ja niemand mehr anhören hier.

Tag 834 – Erwachsenenkram.

– Mit der MS-Kollegin gesprochen. Es war… interessant.

(Ja, Schadensersatz wegen psychischer Grausamkeit wär vermutlich angebracht. Sie misst jetzt meine Proben und hält mich hoffentlich auf dem Laufenden, darum habe ich mehrmals explizit gebeten, auch schriftlich per Mail.)

– Mit dem Chef geredet. War auch interessant. Fazit: ich mache das schon, er hat am 31.12. abgegeben, haha, ja, das war stressig. Waaaaaaahnsinnig hilfreich. Oh, und (liebe A.!) die Sluttføringsstipendier werden im Januar ausgeschrieben. Helfen mir also nix mehr, aber vielleicht der Bürokollegin.

– herausgefunden, welche Person die Print-Version der Dissertation annimmt, und, wichtig! unterschreibt, dass die abgegeben ist. Auch herausgefunden, dass diese Person bis zum 22.12. arbeitet.

– eine Bestätigung, dass ich die 30 Credit Points an Kursen erreicht habe, angefordert. Wird noch Stress geben, weiß ich jetzt schon, weil die Uni hier immer noch nicht meine in Tromsø absolvierten Kurse in mein Transkript aufgenommen hat, obwohl ich das schon mehrmals und an verschiedenen Stellen angesprochen und bemängelt habe.

– Den schönen Mikroskopmann genervt, wir brauchen endlich die Bilder.

– Antwort vom Mikroskopmann direkt an den Chef weitergeleitet, ich werde nämlich zumindest morgen nicht bei der Arbeit sein, beide Kinder haben Fieber.

– Antwort auf die Frage zum Nature-Paper bekommen. Wenig befriedigend, teils vermutlich falsch. Muss ich morgen beantworten, wenn ich wieder Motivation dafür aufbringen kann.

– Antwort auf eine Anfrage erhalten, ob jemand meine Opponentin sein will. Ja. Hurra! (Muss ich auch noch morgen beantworten, aber das geht schon.)

– Viel Daten gewälzt und herumstatistikt und das Hirn zermartert, was das machen könnte, dass die Daten so sind. Jetzt eine Hypothese, die sich hoffentlich anhand der neuen Daten bestätigen wird.

– mit Mühe eine plausible Frage ausgedacht, die ich dringend noch der Vice-CEO von Donnerstag (per Mail) stellen musste. Präsent sein. Interesse zeigen. So wichtig! (Keine Antwort bisher, das ist doch auch Folter.)

– Bei Herrn Rabe das heikle Thema „in drei Monaten und ein bisschen läuft unser Mietvertrag aus, was machen wir, wenn ich bis dahin keinen neuen Job habe?“ angesprochen. Tja. Ist heikel.

Nicht so erwachsen: viele unbeantwortete Nachrichten. Nicht getraut, den Agenturmann von Donnerstag anzurufen. Kein einziges der 18 Paper, die ich extra auf das iPad geladen hab, auch nur angelesen. Die Kinder viel Fernsehen gelassen (ok, die hängen aber auch beide einfach in den Seilen). Quatsch gegessen und viel Sorgen gemacht.

Tag 832 – Macht nix.

Also ich. Ich habe heute nichts gemacht, außer rumgeheult. Die Situation ist einfach wirklich scheiße. Nach zwei Gläsern Rotwein kommt sie mir nicht mehr völlig unschaffbar vor, aber sie ist und bleibt scheiße und mir jetzt bis Weihnachten den Wein statt Kaffee morgens schon reinschrauben, um nicht einfach weinend im Bett zu bleiben, ist ja auch keine Lösung.

Was mich weiterhin daran aufregt: wieso hat es vier Wochen gedauert, meine Proben, auf deren Bearbeitung sowohl ich als auch der Chef gedrängt haben, überhaupt mal ins Gerät zu stellen? Wie kann sowas passieren? Ich habe der Core Facility mit meinen Proben über 200.000 NOK eingebracht, werde aber trotzdem behandelt wie der letzte Arsch und bekomme immer wieder gesagt, wie viel Arbeit das doch ist mit meinen Proben?!?

Ich hoffe, bis Montag früh ist die Traurigkeit, das Versagensgefühl (und Sie so: häh?!? Und ich so: ja natürlich, denn ich hätte es wissen/mehr drängeln/ den Chef mehr einspannen müssen) und die Hilflosigkeit etwas erträglicher geworden und die Wut noch da, dann werde ich direkt ein Gespräch mit dem Chef und den zwei Damen der Core Facility anleiern. Wir brauchen da ne Lösung, und zwar eine, die nicht darauf hinausläuft, dass ich diese wirklich essentiellen Ergebnisse erst zwei Tage vor Weihnachten kriege. Ich habe langsam genug Verständnis gehabt, für alles und jeden, ja, andere Leute haben auch wichtige Proben, ja, der Chef hat grad für keinen Geld und das ist ein echtes Problem, dass die Angestellte der Core Facility nicht vernünftig bezahlt, aber mit Arbeit zugeschmissen wird. Das sind aber alles ganz und gar nicht meine Probleme und meine Fresse – danach bin ich weg. Sie sind die unangenehme Nerv-Tante dann doch los.

Vielleicht halt auch schon früher, wenn das alles nichts wird. Dann hat der Chef halt ne Absolventin weniger. Was das finanziell für die Gruppe bedeuten würde (ne? 200.000 Kronen, plus vier Jahre mein Gehalt, plus alles was ich sonst so gekostet habe, das will ja keiner einfach aus dem Fenster werfen) muss ich dann eventuell noch mal klar stellen und auch, dass es mir durchaus ernst ist damit, alles hinzuwerfen. Ja, jetzt noch.

Ich hab jetzt echt genug geschafft. Das Gespräch noch, und dann ist auch gut mit „Frau Rabe beißt sich durch, während wir ihr fröhlich Knüppel zwischen die Beine werfen“.

Jetzt sind andere mal dran.

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Btw. hab ich gestern einen Fehler im Nature-Paper gefunden. Und der Kooperationspartner, den ich Mittwoch wegen der uns von ihm zur Verfügung gestellten Zellen kontaktiert habe, meldet sich auch nicht. Vielleicht werde ich auch einfach noch richtig, richtig unangenehm für alle. Grad wäre mir danach.