Tag 583 – Sushi und fertig konferiert.

Konferenz ist jetzt vorbei. Ich fühle mich schon seit gestern eigentlich sehr Informationsgesättigt, ich kann einfach nichts mehr aufnehmen, es ist alles zu viel, zu schnell und zu neu. In meinem Kopf drehen sich ADARs und APOBECs und As und Is und Cs und Us, manche haben methylgruppen und einige sehr wenige haben acetylgruppen und wieder andere sind nur pseudo. Ich habe mein Poster wie ich finde erfolgreich vorgestellt, habe von mehreren Leuten authentisch klingende Komplimente über die interessante Forschung bekommen, habe gesocialized und gelernt, gelernt und noch mehr gelernt. Jetzt kann ich nicht mehr*. 

Apropos kann nicht mehr: heute Abend haben wir, also eine Kanadierin, ein Australier, drei Amerikaner*Innen und ich, das Hotel-Abendessen ausfallen lassen und sind Sushi essen gegangen. Es hatte zwar mit japanischem Sushi nichts zu tun, auch nicht mit europäischem, aber gucken Sie mal hier, das ist der Grund weshalb ich auch jetzt, zwei Stunden später, noch fast platze und aussehe wie im 5. Monat schwanger:

Das ist kein Parmesan da drauf, sondern „Crunch“. Ich weiß auch nicht, was „Crunch“ genau ist, aber es schmeckt.

Ach ja, bevor ich’s vergesse: Lebenstipp von Frau Rabe. Edamame (sprich: Ädamamie) wird ohne die Schote gegessen. Ich wiederhole: essen Sie nicht die Schote mit. Nienicht. Die schmeckt nicht und ist auch viel zu zäh und zu pelzig. Man beißt die auf und zutzelt dann die Bohnen raus. Wenn man das ganze Ding isst und dann lange drauf rum kaut, gucken Amerikaner*Innen erst komisch und lachen dann. Das habe ich heute quasi für Sie mal kurz ausprobiert, so als halb-Wikinger-Kulturbanausin die ich bin.
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* außerdem will ich wirklich wirklich gerne nach Hause und die Kinder endlich wieder drücken. Schnüff.

Tag 582 – Platt.

Mein Tag heute:

  1. Verkatert am Anfang. Böser, böser Wein.
  2. Morgensession ausfallen gelassen, wegen Kater und weil ich doch noch mal das Manuskript durchgehen wollte, auf dem mein Poster basiert.
  3. Mittag, danach gingen alle Whale watching. Ich nicht.
  4. Ich ging spazieren. Zweieinhalb Stunden. In der Sonne. Als ich losging, schien die Sonne nicht. Es war zwar schön, aber etwas zu schön und jetzt hat meine DNA-Reparatur-Maschinerie an Nacken und Dekolleté ein bisschen damit zu tun, ein paar UV-induzierte Interstrand-Crosslinks zu beseitigen. Außerdem verlief ich mich mehrfach.
  5. Postersession. Anstrengende Postersession ist anstrengend. Zweieinhalb Stunden lang Menschen mit völlig unterschiedlichen Graden des Vorwissens die Methoden und Resultate erklären. Immer wieder von vorne. Highlight: der Typ, der direkt sagte „Oh, that has never been shown before, right?“. Lowlight: der unglaublich arrogant und mürrisch rüberkommende deutsche Postdoc mit irre guten Karriereaussichten und all den Artikeln, die ich dauernd überall zitiere (bisher, vielleicht demnächst nicht mehr). Der sich doof stellte. Arsch. Insgesamt gute Diskussionen gehabt, aber halt anstrengend. Dumme Idee auch, nach meinem 9 km-Marsch (laut App) direkt in die High Heels zu steigen.
  6. Direkt von der Postersession zum Abendessen, direkt vom Abendessen zur Abendsession, jetzt noch knapp zwei Stunden Vorträge, dann Bett.

Windig war’s auch, deshalb kein Nebel \o/.

    Tag 581 – „Downtown“. Dienstag in Bildern.

    Nicht, dass Sie denken, ich sei hier nur am konferieren. Neihein! Ich socialize ja auch mit meinen Peers und versuche darüber hinaus, mich an wichtige Menschen heranzuschmeißen mit potentiellen Kooperationspartnern in Kontakt zu kommen. Darin bin ich ungeübt, aber es wird. Socializing mit Peers geht viel besser, deshalb war ich auch heute mit drei weiteren PhD-Studenten dieses „Downtown“ suchen. „Downtown“ sollte es nämlich ein halbwegs berühmtes Burger-Restaurant geben. Als wir nach der Adresse fragten, bot uns die Rezeptionistin an, uns hinzufahren. Amerikaner gehen offenbar nicht zu Fuß, das ist mir schon am Sonntag aufgefallen, als ich wegen des gestohlenen Fahrrads viel Mitleid erntete – weil ich ja ganze 30 Minuten zurück laufen musste („Why didn’t you call an Uber?“). Also wurden wir gefahren. 

    Dieses Foto kommt aus Gründen schon jetzt, ist aber eigentlich nach dem Burger entstanden. Da hinten ist Meer, man sieht es nur nicht.

    Najaaaa. War ok. (War vor allem für norwegische Preise-Gewöhnte unfassbar billig. 6,37$.)

    Nach dem Burger wollten wir (trotz des ewigen Nebels) den Strand besichtigen. Da muss man eh lang, um vom Burger-Restaurant nach „Downtown“ zu kommen.

    Gnihihi, da ist Sand an meinen Füßen!


    Und so wanderten wir am Strand lang. Es war echt und ganz unironisch sehr schön.

    Oh, was mag diese Fußspuren machen?

    Pelitrosse*! (Die sind sehr groß. Sehr sehr groß. Näher hab ich mich beim besten Willen nicht rangetraut.)

    „In Kalifornien scheint die Sonne!“ haben sie gesagt…


    Irgendwann kamen wir sogar in „Downtown“ an. „Downtown“ ist eine Straße. EINE! Da hat Trondheim mehr Innenstadt. Wir tranken einen grenzwertig schlechten Kaffee, aßen ein gutes Eis und sahen einen hübschen Schnäuzer. Dann nahmen wir den Shuttlebus zurück.

    Ich will gar nicht wissen, was es da gibt.


    Als wir wieder im Hotel waren, ging direkt die Postersession los, allerdings nicht mit meinem Poster und da es gestern bei der Postersession unheimlich laut gewesen ist und ich nicht schon wieder angeschrien werden wollte, traute ich mich mal wieder was neues, installierte mir schnell die Uber-App und nahm ein Uber in das 15 Meilen entfernte Outlet-center. Ich und Outlet-Center… also ich weiß ja nicht. Wenn man jetzt voll auf Michael Kors-Handtaschen steht, die sonst 500 € kosten und dann auf 300 € runtergesetzt sind, macht das ja vielleicht Sinn. Oder wenn man immer schon ein Gucci-Kleid wollte. Ich bin da ja nicht so drin, also kaufte ich zwei Paar sehr stark runtergesetzte Chucks aus der „allerallerletzter superfinaler ultra-Sale“-Ecke (die außerdem durchaus nicht die übliche Sorte sind, hihi), Parfüm (ich wollte eh mal neues** haben und Douglas mag ich nicht und da wurde ich echt nett und kompetent beraten – das ist ja für jemanden ohne Ahnung durchaus hilfreich, wenn man einfach sagen kann „Ich habe diesunddas, ich hätte gerne was, was so ähnlich ist, aber nicht das gleiche“ – und (wenig überraschend) Nagellack. Fertig. Dann suchte ich mir ein freies W-LAN, orderte ein Uber für den Weg zurück und kam gerade passend zum Dinner zurück. 

    Ausbeute.


    Das war mein Tag.

    (Auf meinem iPad geschrieben :) )

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    * Ich hab irgendwas mit Bio studiert, merkt man, ne?

    ** Ja, richtig gelesen: EIN neues. Ich hab noch nie mehr als ein Parfüm gleichzeitig besessen. (Seit heute hab ich dann sogar drei! Aber eins ist fast leer.)

    Tag 580 – So war übrigens die Anreise.

    Ich kämpfe noch ein wenig gegen den Jetlag an und übe kräftig das Tippen auf dem neuen iPad, bzw. auf dessen Tastatur. Da bietet sich doch an, mal über die Anreise hier zu schreiben.

    In der Nacht von Freitag auf Samstag schlief ich praktisch gar nicht. Warum auch, auf so nem 11-stündigen Flug kann man doch prima schlafen. Immerhin war es so kein großes Problem um 4:30 Uhr aufzustehen. Um viertel vor sechs gab ich Herrn Rabe einen dicken und den Kindern je einen vorsichtigen Kuss und machte mich pünktlich auf den Weg: mit meinem völlig überdimensionierten Koffer, meinem Handgepäcksrucksack und meiner Posterrolle. Ohne Mütze und Handschuhe und in meinen sommerlichen Turnschuhen wahr ich zwar deutlich zu kalt angezogen, aber der Bus kam tatsächlich recht schnell und außerdem stand ich so unter Strom, dass ich kaum fror. 

    Die erste große Herausforderung war das Aufgeben des Gepäcks am Flughafen. Der Automat weigerte sich, einen Gepäckaufkleber auszudrucken, also musste ich an den Schalter. Da war aber irgendein technischer Defekt, es stapelten sich schon die Koffer vor dem Schalter, weil die Bänder irgendwie nicht gingen und natürlich standen neben den Koffern diverse Rentner*Innen, die vor lauter Mistrauen in Technik und Personal wohl am liebsten ihr Gepäck persönlich ins Flugzeug getragen hätten. Hinter mir schnaufte eine Frau ungeduldig in meinen Nacken und schickte ihren Mann (der gar nicht mitreisen sollte) herum. „Frag mal da nach! Los, jetzt frag mal, was da los ist!“ Nach ca. 15 Minuten allgemeiner Ratlosigkeit sprangen aber alle Bänder wieder an und alles wurde gut. Sicherheitskontrolle und so war alles unspektakulär, ich kaufte mir eine Handcreme im Duty Free Shop und einen Kaffee, einen Smoothie und eine Banane am Kiosk und wartete aufs Boarding.

    Auch der erste Flug nach Stockholm verlief im Grunde ereignislos, sieht man mal von der lächerlich kleinen Maschine und meine proportional zur Flugzeit ansteigende Nervosität ab. Schließlich hatte ich zwischen Landung und erneutem Start genau 40 Minuten zum Umsteigen. Von den 40 Minuten gingen 20 dafür drauf, in einen Flughafenbus zu steigen, auf die anderen Passagiere zu warten, langsam verrückt zu werden, „Aaaaaaaaahhhhhhhhhh!“ zu twittern und über den Flughafen kutschiert zu werden. Kaum angehalten, sprang ich aus dem Bus, rannte ins Terminal, die Treppen hoch, guckte auf den Bildschirm und las: LAX, Last Call. Sprintete durch die Passkontrolle, sprintete zum letzten Gate im Terminal, kam als letzte Passagierin und komplett durchgeschwitzt und mit den Nerven runter am Gate an, bekam aus einem unerfindlichen Grund einen Smoothie in die Hand gedrückt und boardete als Letzte. Wenn ich schlechter zu Fuß wäre, wäre ich vielleicht zu spät gekommen. Fazit: 40 Minuten zum Umsteigen in Arlanda reicht eigentlich nicht. Vor allem nicht wenn man eigentlich total dringend aufs Klo muss. 

    Das Flugzeug nach LAX war sehr groß, ich saß ganz hinten am letzten Fensterplatz, neben mir ein junger, gutaussehender Norweger, der hirnentleerten, sexistischen Kram aus dem Bordunterhaltungsprogramm ansah. Das Essen war qualitativ mäßig und quantitativ gerade ausreichend. Es war sehr sehr laut und ich war Herrn Rabe unheimlich dankbar, weil er mir seine Active Noise Cancelling Kopfhörer geliehen hatte. (Habe ich je darüber gelästert, dass die Dinger absurd teuer sind? Wenn ja: Ich nehme alles zurück, die sind Gold wert!) Ein bisschen schlief ich, ich las die Hunger Games fertig, spielte Super Mario Land 2 auf meinem GameBoy (ja, einem alten Teil, ohne Displaybeleuchtung und Farben. Ich kann noch alles außer den Spielstand abspeichern), guckte die letzten drei Folgen von Black Mirror, die ich mir bei Netflix herunter geladen hatte (die Bienen! Huiuiui). Langweilte mich, konnte nicht mehr schlafen, guckte aus dem Fenster, langweilte mich noch mehr, las ein bisschen und dann waren wir auch schon da.

    Dann standen wir erstmal 45 Minuten auf dem Rollfeld herum, weil unser Gate belegt war.

    Dann stand ich 15 Minuten an der automatischen Passkontrolle an. Die dann wegen irgendwas mit meinen Fingerabdrücken nicht funktionierte.

    Dann stand ich 30 Minuten an der Border Control an. („Are you here to do business?“ – „I’m going to a conference.“ – „Conference about what?“ – „RNA Editing.“ – „RNA What? What is RNA?“ – „Erm, a part of our genome?“ – „???“ – „Genes?“ – „What is your profession?“ – „I’m a… biologist.“ – „OK then, have a nice trip, welcome to the USA.“)

    Und schlussendlich stand ich geschlagene 30 Minuten in der Schlange an, die einfach nur aus dem Flughafen heraus führt.

    Inzwischen war es 14:20 und rechtzeitig zum Beginn der Konferenz um 15:30 in Ventura sein, konnte ich mir abschminken. Insofern war es auch nicht mehr weiter schlimm, dass wir natürlich auf dem Weg aus L.A. heraus im Stau standen. Apropos Abschminken: Ich erwog, einfach drauf zu scheißen und nach meiner (wann auch immer stattfindenden) Ankunft erst zu duschen und dann zu den Konferierenden zu stoßen. Je später es aber wurde, so wahrscheinlicher wurde es auch, dass ich wohl erst kurz vor der Poster-Session ankommen würde. Irgendwann zog ich seufzend mein Notfall-Päckchen aus dem Rucksack und schminkte mich notdürftig, davon ausgehend, dass ich mich wenigstens noch schnell würde umziehen können würde.

    Als ich ankam, war mein Zimmer noch nicht fertig. Blöd, so musste ich in meinen Reiseklamotten mein Poster repräsentieren. Als ich mich für die Konferenz registrierte, erklärte mir der Mann da (Brian? Ryan?) den ca. 15 Meter langen Weg in den Konferenzraum. Ich musste zwei mal nachfragen, mein Gehirn war ganz einfach da schon nicht mehr erreichbar. Aus und schlafen gegangen. Oder ausgewandert. Trotzdem fand ich irgendwie den Weg in den Konferenzraum, hörte mir noch die Diskussion zum Eröffnungsvortrag an, hängte mein Poster auf und stellte mich daneben. Erklärte mein Poster zwei mal, aß (irgendwas) zu Abend, bekam endlich ein Zimmer, zog mich fix um und setzte mich in die Abendsession. 

    Nach fünf Vorträgen war ich absolut gar gekocht, konnte mich kaum noch auf den Beinen geschweige denn wach halten und war unendlich froh, als ich endlich, endlich duschen konnte. Sauber und ungeföhnt fiel ich in das überdimensionierte, aber unheimlich bequeme Bett wie ein Stein und schlief tatsächlich bis 04:20, und dann nochmal bis 06:30. (Dass der Jet-Lag damit noch nicht ausgestanden war, sieht man an den gestrigen Ausfällen. Und auch heute bin ich noch nicht wieder komplett fit.)

    Tag 577 – 32

    Ja, ich sitze auf dem Badezimmerfußboden. 

    Zum Geburtstag bekam ich Geschwisterplüsch von Michel und Pippi, einen neuen Koffergutschein und ein Album das es noch nicht gibt von Herrn Rabe und sechshunderttausend Tonnen Konferenzreisenadrenalin von mir. 

    32 sein find ich gut, mich find ich ok, mein Leben ist im großen und ganzen ein prima-es und wenn ich morgen Abend lebend in L.A. ankomme, werde ich sehr froh sein. Nach dem Flug wird jedes Poster-präsentieren ein Kinderspiel. 

    Tag 576 – Wheeeeee und oh. 

    Heute hier was unterhaltsames und was trauriges. Das Traurige zuerst.

    Letzte Woche bekamen wir eine Mail vom Kindergarten, in der für heute ein „außerordentlicher Elternabend“ anberaumt wurde. Es solle um den Mietvertrag und die nächsten Schritte gehen. Tja und leider klingt das fast so bescheiden wie es ist: der Mietvertrag des Kindergartens läuft am 1.7.2018 aus und wird nicht verlängert werden. Die Schule braucht nämlich wegen der vielen neuen Wohnungsbauprojekte in unserer Gegend die drei verwinkelten Räumchen selbst. Angeblich. Die Kommune möchte aber auch die Form des Kindergartens (eine altersübergreifende Gruppe) aus ökonomischen Gründen nicht weiter unterstützen und ist deshalb keine Hilfe bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Dass das alles total hirnrissig ist, in einem schnell wachsenden Stadtteil mit vielen Familien KiTas nicht nur nicht auszubauen sondern sogar noch zu schließen, scheint auch weder bei der Kommune noch bei den Bauträgern irgendwem aufzufallen. Damit bleibt dem Kindergarten die (aussichtslos erscheinende) Suche nach neuen Räumlichkeiten in der Nähe, oder vielleicht auch nicht ganz so in der Nähe, oder am anderen Ende der Stadt. Oder sie lassen sich von einem größeren Träger übernehmen, müssten dann aber vermutlich das Konzept aufgeben. Und obwohl das uns nicht mehr betreffen wird (Michel eh nicht, der kommt im August 2018 in die Schule), weil wir höchstwahrscheinlich dann nicht mehr hier wohnen werden, war die ganze Situation so traurig, dass ich am Ende mindestens so viel Pipi in den Augen hatte, wie die Leiterin der KiTa. Die hatte schon den Redepart dem „Busfahrer“ (der arbeitet Teilzeit da als Pädagoge mit Busführerschein und fährt eben den KiTa-Bus wenn die Kinder Ausflüge machen: mindestens Mittwochs, manchmal auch Montags und/oder Freitags) überlassen und saß die meiste Zeit nur wie ein Häufchen Elend auf dem Stuhl. Am Ende rang sie sich zu einem „das ordnet sich bestimmt“ durch, aber, ach. Ich glaube, sie weiß ziemlich genau, dass das mindestens schwer wird oder Lottogewinn-Level Glück braucht. Sehr traurig eben, das ganze. Es ist ein toller Kindergarten. So. 

    — 

    Zur Aufmunterung: ich war am Dienstag Abend Ski fahren. Ja, wirklich. Ich. Ski. Das kam so:

    Ich fragte am Montag meine Kollegin L., deren jüngere Tochter etwas älter ist als Michel, ob sie zufällig Ski in Michels Größe hätten, weil der Kindergarten am Mittwoch einen Skiausflug machen wollte. Hatte sie und brachte sie am Dienstag mit. Wir plauderten ein bisschen darüber* und sie fragte mich, wieso wir denn Michel nicht selbst Skifahren beigebracht hätten. Ich sagte, dass wir nicht Skifahren können. Zumindest ich nicht, Herr Rabe fast nicht, aber ich, so erzählte ich auch ihr wahrheitsgemäß, habe mich bei meinem bisher einzigen Versuch mit Langlaufskiern so dermaßen an einem vereisten Hügel auf die Fresse (leider wörtlich, ich bin aufs Gesicht gefallen und wegen der lächerlich langen Stöcker konnte ich mich leider auch fast gar nicht abfangen) gelegt, dass mir die Luft wegblieb und ich kurz dachte, ich hätte mir mindestens alle Knochen gebrochen oder schlimmeres und daraufhin habe ich dem norwegischen Volkssport Langlauf für immer abgeschworen. Und sie, was macht sie? Fragt „Hast du Lust, heute Abend mitzukommen? Ich will eh Ski fahren, ich bin die schlechteste norwegische Skifahrerin, du kannst Ski von mir leihen, die sind ganz langsam und ich brings dir bei.“ Und ich sagte zu. Schlafmangel macht mich unzurechnungsfähig, sage ich Ihnen! 

    Abends machte ich mich, als alle im Bett waren, auf den Weg. Die Loipen sind hier beleuchtet, ist also egal, wann man losgeht. Ich holte L. von zu Hause ab, das war alles recht chaotisch wegen WosindnochmaldieStöckerOhichmussjaWachsmitnehmenVerdammtwoistderAutoschlüssel, aber irgendwann waren wir dann doch unterwegs zum Nissebyen. L. wachste noch grad ihre Skier (es war -8 Grad und das Wach was drauf war war -2 – 4 Grad oder so.), ich schaute den ganz leichten Polarlichtern zu und dann machten wir los. 

    Die Loipe war extrem gut gepflegt und wegen der späten Uhrzeit auch kaum Leute unterwegs. Soviel zum positiven. 

    Viel zu lange Ski, für meinen Geschmack.

    Puh. Langlauf ist sehr anstrengend, soviel vorweg. Und auch eine angeblich super schlechte Skifahrerin aus Stavanger ist erstaunlich flott unterwegs. 

    Den ersten Kilometer oder so ging es flach voran, ich übte also geradeaus fahren. Peinlicher Weise scheiterte ich erstmal an der Arm-Bein-Koordination. Man sollte meinen, eine Tänzerin kann das. Hahaha. Nein. 

    Dann kam ein Hügel. Ein langer. Relativ flach zwar, aber für mich mit meinen negativen Erfahrungen sehr angsteinflößend. L. zeigte mir, wie man bremst. Und wie man fällt, wenn man fällt. Wie man vermeidet, zu fallen. Ich tat wir mir geheißen und fiel nach etwa 30 Metern ziemlich Sackmäßig auf meinen Po. Die Knie in einem mörderisch unbequemen Winkel und völlig unfähig, aus der Position wieder aufzustehen. Aber laaaaaaaaaange nicht so schlimm wie beim ersten Mal. L. zeigte mir, wie ich über die Seite aufstehen muss (einfacher gesagt als getan mit 1,80 m langen Dingern an den Füßen) und ich hievte mich elegant wie eine Seekuh zurück in den Stand. Dann fuhr ich in Zeitlupe den restlichen Berg herunter. 

    Leider kam nach dem Bergab direkt ein Bergauf. L. zeigte mir also, wie man den Berg heraufklettert. Das sieht im Fernsehen immer so einfach aus und auch L. schien sich nicht allzu sehr anstrengen zu müssen. Ich, naja, ich wahr, als ich endlich oben war, komplett durchgeschwitzt, aus der Puste und meine Knie taten weh vom Kippen der Skier. Und schon ging es wieder bergab. Diesmal fiel ich schon viel eleganter auf die Seite. Beim dritten Mal fiel ich gar nicht mehr. Beim vierten Hügel aufwärts hatte ich den Dreh mit der Gewichtsverlagerung raus und kam nicht mehr total fertig oben an. Geradeaus war zwar mit den stumpfen Skiern wirklich anstrengend, ging aber irgendwann auch. Und am Ende schaffte ich den steilen Hügel bergab mit Linkskurve ohne Hinfallen und hatte fast sowas wie Spaß. Fast. 

    Gestern ging es mir übrigens überraschend gut. Nur im Po und im Nackenbereich hatte ich Muskelkater. Heute hingegen möchte ich am liebsten sterben. Po, der ganze Rücken, die Oberschenkel, die Trizepse (halleluja, die Trizepse!), alles ist Muskelverkatert. Aua. 

    Aber insgesamt war’s schön. Mit L. etwas unternehmen, hat Spaß gemacht und das Meisterungsgefühl war am Ende einfach gigantisch. Vielleicht machen wir das ja nochmal…

    Tag 574 – Bekymring: Fredag 08-16

    Liebes Tagebuch,

    Ich war gerade bei der DoktorandInnen-Beratung der Uni. Wegen meinem Fertig-sein und Fertig-werden, die sich leider gegenseitig blockieren. Ich schreibe die Ergebnisse des Gespräches jetzt sofort auf, bevor ich alles wieder vergesse. Du weißt ja, ich kann mich grade manchmal nicht so gut konzentrieren.

    Also erstmal: in Trondheim gibt es wirklich wenige Jobs. Die Cecilie weiß das, die hat nämlich selbst einen Dr. in Molekularer Medizin und arbeitet jetzt als Studienberaterin. So kanns gehen… Aber insofern gut, dass wir noch örtlich flexibel sind. Die meisten Firmen sind um Oslo rum, wie vermutet. Soviel zum rein praktischen.

    Cecilie schlug vor – und ich halte das für eine gute Idee – einen Plan B zu haben. Einen realistischen, nicht „Ich mache eine Kneipe auf.“. Ein realistischer Plan B wäre dann doch ein Postdoc, den man dann gut dazu nutzen könnte, sich weiter zu orientieren, während man Erfahrung mit der eher wirtschaftlichen Seite der akademischen Welt sammelt. Macht sich im Zweifel auch gut im CV. IST ABER NUR PLAN B! Auf der Konferenz kann man da aber bestimmt schon mal herumschnuppern, wer eventuell als Kooperationspartner in Frage käme und – vor allem – soll ich da mein Gesicht zeigen. Fragen stellen. Vorbereitet sein. Gut, das hatte ich ja eh vor.

    Plan A bleibt weiterhin das Suchen eines „normalen“ Jobs. Dafür hatte sie die üblichen Tipps: einfach mal anrufen und fragen, was geht. Vielleicht eine Karte anlegen, wo welche Firmen sind und welche davon interessant sein könnten. Und, wichtig: Nicht davon ausgehen, dass man sofort den perfekten Job findet. Eher davon ausgehen, dass man anfangs ein paar mal wechseln muss und auf den perfekten Job hinarbeitet. Aber Fuß in der Tür ist wichtig. (Ok, das letzte wusste ich, den Rest eigentlich auch, aber irgendwie war mir der Rest in letzter Zeit etwas abhanden gekommen.) Wegen der Wechsel-Option macht es eben Sinn, nach Clustern von Firmen zu suchen, damit nicht die Kinder jedesmal wieder die KiTa oder später Schule wechseln müssen.

    Die zwei wichtigsten Tipps die Cecilie hatte, waren aber die folgenden: erstens muss ich mir wieder mehr klar machen, was ich kann. Worin ich gut bin. Was ich geschafft hab. Nicht die wissenschaftlichen Ergebnisse, die sind auch gut, aber letztlich für die Industrie eher so semi interessant. Was ich geschafft habe, wäre eher so die Kategorie: Erkennen, dass das Ursprungsprojekt ein halbtotes Pferd ist, um ein Ersatzprojekt bitten, mich da reinhängen, eine relevante Konferenz suchen und komplett alles dafür zu organisieren, statt einfach mit ihm auf die vom Chef vorgeschlagene Konferenz zu fahren und ihn machen zu lassen. Sowas. Eigenverantwortung und Eigeninitiative. Organisation. Was sie auch gelobt hat, war das Erkennen, dass es mir gerade schlecht geht und das Einleiten diverser Schritte (Krankmeldung, Klarkommen, Homeoffice) um es aus dem Loch raus zu schaffen. Naja. Ich versuche mich dann mal auch dafür zu loben. Der zweite Tipp war: aufhören zu denken. Es bringt nix, sich immerimmerimmer die gleichen Gedanken und Sorgen zu machen. Hab ich ja auch verstanden. Stattdessen soll ich mir lieber einen festen Termin setzen (wo ich doch so ein durchstrukturierter Mensch bin), sie schlug eine Woche nach den Experimenten vor, in der ich mir gehörig Sorgen machen kann. Aber nicht vorher. (Meine anvisierte Woche ist vom 08.-12. Mai, KW 19) Immer wenn ich mir Sorgen machen will, werde ich versuchen, mich selbst auf KW 19 zu verweisen. Wenn ich anfange, mich statt vor dem Ende des PhDs vor KW 19 zu gruseln, soll ich mir einen kurzfristigeren Termin zum Sorgen machen suchen: „Bekymring: Fredag 08-16.“ nannte sie das. Und eben wieder krankschreiben lassen, wenn es nicht anders geht.

    (Ein interessanter Tipp, für dessen Befolgen ich aber erst über meinen deutschen Schatten springen muss, ist auch: warum nicht einfach einen Tag pro Woche zu Hause bleiben, soviel „Homeoffice“ (sie machte echt Luftkommata!) machen, wie ohne Druck geht, wenn ich dafür die anderen vier Tage effektiv arbeiten kann sei das doch besser, als fünf Tage pro Woche planlos und unkonzentriert zu sein. HmmHmm. Mal sehen.)

    Also, so war es bei Cecilie. Ich mache mir dann in KW 19 weiter Sorgen. Vorher nicht.

    Tag 573 – Zucker macht Spaß.

    Ich las, malte und schrieb.

    Frau Brüllens Artikel über Zucker regte mich zu diesem hier an. Bei Frau Brüllen haben wir gelernt, dass Bananen, Feigen und co. nicht zuckerfrei sind, und der Kuchen, den ich mit Bananen statt Haushaltszucker backe dementsprechend auch nicht. Warum es trotzdem für den Körper einen Unterschied macht, ob ich einen Apfel, einen Schokoriegel oder eine Scheibe Vollkornbrot esse, versuche ich mal hier zu erklären.

    Die drei wichtigsten Einfachzucker

    img_5341

    Sieht kompliziert aus? Finde ich auch. Ist auch grade völlig wurscht, deshalb habe ich da mal was vorbereitet (ein Hoch auf Pixabay!).

    Et voilà!

    monosaccaride

    Ja, ich bin sehr stolz auf die Milchstraße als Einfall für ein Bild für die Galactose. Und Äpfel haben übrigens nicht nur viel Gesamtzucker, sondern auch ein Fructose/Glucose-Verhältnis von ca. 2:1. Doch dazu später. Wichtig ist, dass wir uns jetzt schon mal merken, dass nur Einfachzucker (und ein wenig Maltose) ins Blut aufgenommen werden können. Unverdaute Mehrfachzucker kommen einfach wieder raus.

    Aus diesen Einfachzuckern (Monosacchariden) (und einigen mehr und von denen gibt es auch wieder Unterformen und Stereoisomere und weiß nicht was noch alles, aber das soll uns jetzt mal alles ganz egal sein) sind die wichtigsten Zwei- und Mehrfachzucker, die wir so essenderweise zu uns nehmen, aufgebaut. Ich fange mal mit den Zweifachzuckern (Disacchariden) an.

    Die drei wichtigsten Zweifachzucker

    disaccharide

    Dabei ist es jeweils wichtig, dass die Verbindung zwischen den Einfachzuckern an den richtigen „Ecken“ und in der richtigen Ausrichtung passiert. Grundsätzlich kann man da sagen, dass einige Ecken (die OH-Gruppen im ersten Bild) begünstigter sind, Verbindungen mit anderen Zuckern einzugehen, als andere, bei denen beispielsweise Gruppen „im Weg“ sind. Netterweise sind die Zucker aber auch etwas flexibel und außerdem helfen in der Natur bestimmte Enzyme dabei, die Zucker „zusammenzubauen“. Genauso wie es bestimmte Enzyme gibt, die die Di- und Polysaccharide (dazu auch später) wieder abbauen.

    Enzyme: dein Freund und Helfer

    Enzyme sind (Ausflug in den Bio-Grundkurs) Proteine, die irgendwas umsetzen. Dabei funktionieren sie wie Katalysatoren, das heißt, das Enzym selbst wird nicht verbraucht. Manche Enyzme brauchen Co-Faktoren um zu funktionieren und die meisten sind hochgradig substratspezifisch, das heißt, sie können nur eine einzige Reaktion an einem einzigen Stoff katalysieren. Das Beste an Enzymen ist aber, dass die katalysierte Reaktion so im Normalfall weniger Energie benötigt oder überhaupt erst in der Zelle möglich gemacht wird. Bleiben wir bei unseren Zuckern: Um die Zwei- oder Mehrfachzucker in ihre Einzelteile zu zerlegen, könnte man die „einfach“ in wässriger Lösung kochen. Dass das im Körper nicht geht, liegt auf der Hand. Deshalb haben wir im Speichel, im Magen und im Darm jede Menge Enzyme, die diese Spaltung der Zucker für uns erledigen. Hier mal dargestellt am Beispiel von Maltase, dem Maltose-abbauenden Enzym:

    maltase

    Für jeden Zweifachzucker, den ich da oben genannt habe, haben die meisten Menschen  ein Enzym, das ihn in seine Einzelteile spaltet, also

    • Maltose durch Maltase zu zwei Glucosemolekülen
    • Sucrose durch Sucrase (oder Isomaltase) zu Glucose und Fructose
    • Lactose durch Lactase zu Galactose und Glucose

    Es gibt zu jeder dieser Reaktionen eine Krankheit, die auftritt, wenn das entsprechende Enzym nicht (ausreichend) gebildet wird (wie die Lactase bei der „berühmten“ Lactose-Intoleranz) oder nicht funktioniert (manche Sucrose-Intoleranz-Arten)*. Außerdem erwähnte ich ja bereits die Substratspezifität: Die Verbindung muss genau passen, sonst kann das Enzym nicht wirken.

    Wenn wir also Obst essen (Sucrose), oder Bier (Maltose) oder Milch trinken (Lactose), werden die Zweifachzucker zu Einfachzuckern gespalten und dann ins Blut aufgenommen. Mehr Zucker (und vor allem solchen, bei dem wir erstmal gar nicht an Zucker denken) nehmen wir aber in Form noch längerer Zuckerketten (Polysacchariden) auf.

    Mehrfachzucker und Ballaststoffe

    Stärke ist, so Wikipedia, das wichtigste Kohlenhydrat in unserer Nahrung. Stärke ist eine laaaaange Kette aus Glucose-Molekülen, oder, anders gesagt, eine lange Kette aud Maltose (Glucose-Dimeren). Auch für Stärke (Amylose) haben wir abbauende Enzyme (Amylasen), auch und gerade im Speichel, weshalb man sein Essen wirklich gut kauen sollte: dann hat der Magen weniger zu tun mit dem Abbau der langkettigen Kohlenhydrate. Kartoffeln zum Beispiel bestehen fast nur aus Stärke und Wasser, Getreide und Hülsenfrüchte enthalten auch viel davon. Also alle „Sattmacher“ (warum die satt machen, dazu später). Außerdem kann man aber am Beispiel der Stärke schön die Ballaststoffe erklären. „Ballaststoffe“ sind für den Menschen unverdauliche Kohlenhydrate, Cellulose ist das Wichtigste davon. Obwohl die Cellulose auch, wie die Stärke, aus verketteten (und verzweigten, die Darstellung hier ist zugegebener Maßen sehr vereinfacht) Glucosemonomeren besteht, können wir sie nicht verdauen, weil wir (im Unterschied zu grasfressenden Tieren zum Beispiel) keine Enzyme haben, die die andere Verknüpfung auflösen können:

    amylosecellulose

    Und da sind wir endlich (ENDLICH!) beim Thema: Warum es eben doch einen Unterschied macht, ob ich ein Vollkornbrot oder einen Schokoriegel esse. Selbst bei der gleichen Zuckermenge.

    Was passiert mit den Kohlehydraten beim Essen?

    Nehmen wir als Beispiel wirklich mal eine Scheibe Vollkornbrot, beschmiert mit, hmmmmm, Agavendicksaft. Das Vollkornbrot besteht zu ca. 80 % aus Kohlehydraten, davon ist aber ca. 1/8 Zellulose und andere Ballaststoffe (im Typenmehl ist der Ballaststoffanteil ca. 1/20 der Gesamt-Kohlehydratmenge). Ansonsten sind im Vollkorn noch ein paar Fettsäuren und Mineralien und ein paar Proteine (letztere sind aber auch im gesiebten Mehl, Gluten ist das häufigste). Der Agavendicksaft besteht zu 70% aus Zucker, und zwar zu ca. 50% aus Fructose und zu 20% aus Glucose. Wegen des hohen Fructose-Anteils ist er süßer als Haushaltszucker und flüssig (Fructose ist sehr viel süßer als Glucose, hat einen niedrigeren Schmelzpunkt und nimmt schneller Wasser auf). Die Einfachzucker werden beim Agavendicksaft übrigens durch Erhitzen gewonnen, dabei wird das Polysaccharid Inulin in seine Fructose- und Glucose-Bestandteile zerlegt und der Saft außerdem haltbar gemacht. Esse ich jetzt das Brot passieren zunächst folgende Dinge:

    1. Beim Kauen wird alles mechanisch zerkleinert. Außerdem fangen die ersten Amylasen an, die Stärke im Brot zu kürzeren Ketten zu verarbeiten. Wenn ich lange genug auf dem Brot rumkaue (was ich nie tue, aber Sie ja vielleicht) fängt es sogar ohne den Agavendicksaft an, süßlich zu schmecken, weil genug kurzkettige Glucose-Verbindungen entstanden sind, auf die die Geschmacksnerven reagieren können.
    2. Im Magen angekommen, wird vor allem die Stärke weiter abgebaut. (Und die Proteine, aber die interessieren uns jetzt grade mal nicht.)
    3. Die Ballaststoffe machen erstmal gar nichts, außer durch die Magenbewegungen mit bewegt zu werden, dadurch ein bisschen zur Durchmischung des Mageninhalts beizutragen und den Magen physisch zu füllen, sodass bestimmte Nervenzellen in der Magenwand das Ausschütten bestimmter Hormone anordnen, die wir als „Sättigungsgefühl“ umschreiben können.
    4. Die kurzen Polysaccharide erreichen irgendwann den Dünndarm, wo sie weiter zu Monosacchariden verdaut (s.o. Maltase, Lactase, Sucrase) und resorbiert werden:
    5. Die Glucose und die Fructose aus dem Agavensicksaft werden direkt über Membrantransporter (also tunnelförmige Proteine, die die Zucker erkennen und durch die Zellwand des Magens schleusen) ins Blut befördert. Dasselbe passiert mit den Glucosemonomeren aus der abgebauten Stärke und eventueller Fructose und Glucose aus Sucrose-Abbau.
      1. Die Glucose im Blut führt zur Ausschüttung von Insulin. Dieses wiederum bewirkt eine erhöhte Aufnahme von Glucose in Muskel-, Leber- und Fettzellen, wo es umgebaut und gespeichert (als Fett oder als Glycogen) wird, bis zur weiteren Verwendung als hauptsächlicher Brennstoff für so ziemlich alle Prozesse im Körper. Vor allem das Gehirn ist auf eine konstante Zufuhr von Glucose angewiesen, weshalb die Leber auch in der Lage ist, in Hungerphasen (bei hohem Glucagon- und niedrigem Insulin-Spiegel) wieder Glucose aus Glycogen herzustellen, damit der Blutzucker nie unter einen kritischen Wert fällt.
      2. Gleichzeitig wird durch die Glucose im Blut die Ausschüttung von Glucagon zurückgefahren. Hohe Insulin- und niedrige Glucagonspiegel tragen außerdem zum Sättigungsgefühl bei.
      3. Die Fructose hingegen führt nicht zur Ausschüttung von Insulin oder Hemmung der Glucagon-Ausschüttung. Überhaupt kann der Körper wenig mit Fructose anfangen, das meiste landet in der Leber. Da wird ein Teil (max. 50%) zu Glucose umgebaut, ein Teil (ca. 25%) zu Lactat (das könnte theoretisch das Gehirn verwenden, aber nur, wenn es direkt im Gehirn aus Glucose gewonnen wird (1)), ein Teil (15%-18%) zu Glycogen, < 1% zu Triglyceriden und aus dem Rest wird vermutlich Fett (2). Lange dachte man wegen der fehlenden Insulin-Antwort, dass Fructose die ideale Alternative zu Glucose oder Sucrose sei, weil sie dann ja quasi nicht dick machen könne, das Insulin ist schließlich nötig um Zucker in Fett umzubauen. Inzwischen gibt es aber sehr viele Hinweise darauf, dass das so nicht stimmt. Fructose wurde in den letzten Jahren mit so ziemlich allen Zivilisationskrankheiten (Typ II Diabetes, Übergewicht, Herz-Kreislauf-Krankheiten, …) assoziiert, genauso wie Glucose eben auch. Und Sucrose eh. Möglicherweise liegt es daran, dass Fructose eben fast immer gepaart mit Glucose daherkommt und die durch Glucose angestoßenen Stoffwechselprozesse quasi als Trittbrettfahrer noch verstärkt, aber das weiß man alles noch nicht so genau. „More studies are necessary…“
    6. Alles was nicht im Dünndarm aus der Nahrung herausgefiltert wird, landet im Dickdarm. Da wird alles weiter kräftig verdaut, es wird Wasser entzogen und die Darmflora ergötzt sich an den Ballaststoffen, kaut hier mal ein Glucosemolekül ab und da… Überhaupt schlägt im Dickdarm die große Stunde der Ballaststoffe: sie bilden quasi die Grundmasse des Stuhls und sorgen für eine gesunde Konsistenz des Ganzen. Zuviel Fructose ist übrigens auch hier wieder nicht gut: weil sie so viel Wasser bindet kann sie den Stuhl zu weich machen und außerdem mögen ein paar der Darmbakterien sehr gerne Fructose, machen daraus aber Ethanol und Gas. Das Gas muss irgendwie raus, damit macht sich Mensch dann unter Umständen nicht so viele Freunde. Derselbe Effekt tritt bei Menschen mit Lactoseintoleranz auf, wenn zu viel Lactose für die hungrigen Bakterien zur Verfügung steht.
    7. Wie Michel sagen würde: „Ich muss immer immer immer aufs Klo! Orrrrr!!!“

    Fazit? Nö.

    Ich bin keine Ernährungsberaterin. Diesen Artikel schrieb ich mit einer großen Portion Studienwissen und der unschätzbaren Hilfe von Wikipedia. Ich mag Nutella und Honig und Rübenkraut und Weißmehl. Ich kaufe Vollkornnudeln und Vollkornknäckebrot und Vollkornbrot, wenn ich mal Brot kaufe. Wir essen viel Gemüse, Michel nicht so, aber tjanun. Ich mag auch Smoothies. Und Trockenobst! Und Schokolade. Mein Fazit wäre vielleicht am ehesten: glauben sie nix, was ihnen irgendwer als allein selig machend verkaufen will. Der Körper ist komplex. Manches weiß man, manches sagt einem der gesunde Menschenverstand, manches würde die Evolution vielleicht in ein paar hundert Jahren einfach ausbügeln, vieles weiß man nicht. Wenn Sie den Teelöffel Zucker im Tee durch Agavendicksaft ersetzen, wissen Sie jetzt, dass das wenig Sinn macht. Wenn Sie die Limo zum Abendbrot ab jetzt durch einen Apfel ersetzen, hat der vielleicht nominell genauso viel Zucker, aber eben noch tausendundeinen anderen Bestandteil, den die Limo nicht hat – gute und schlechte.

    Und seien Sie nett zu ihrer Darmflora.

    ___

    • Überhaupt wollen Sie gar nicht wissen, wie komplex und vor allem fehleranfällig schon eine einzelne Zelle ist. Ich wüsste das auch am liebsten nicht.

     

    Quellen (außer Wikipedia):

    (1) L.H. Bergersen, „Is lactate food for neurons? Comparison of monocarboxylate transporter subtypes in brain and muscle“, Neuroscience 145, 2007

    (2) L. Tappy, K.A. Lê, „Metabolic Effects of Fructose and the Worldwide Increase in Obesity“,

    Tag 572 – Zufrieden. 

    Es war ein blöder Tag. Wirklich blöd. Alles lief schief, Michel war unheimlich fordernd und nervtötend, Pippi fiel zwei mal vom Stuhl und beide male auf den Hinterkopf (nix passiert, nur Beulen und Geschrei straight outta hell), Michel hatte einen Unfall im Einkaufszentrum (und besitzt jetzt spontan neue Schlüpper), ich habe für die USA-Reise nix zum Anziehen und auch heute außer neuer Schlüpper (braucht man ja manchmal, ich kaufe dann immer drei Dreierpacks und sortiere die gleiche Anzahl aus. Mit Socken mache ich das genauso, seit ich von zu Hause auszog und ca. 400 Paar Socken und 200 Schlüpper mitnahm, weil immer neu gekauft und nie aussortiert) nix gefunden. Aber auch nur halbherzig geguckt, die diesjährige Mode ist ja mal echt so gar nicht mein Ding. Bodys zum unten zuknöpfen? Mich schauderts. Aber egal, ich schweife ab. 

    Trotz der blöden Dinge bin ich nämlich im Grunde heute recht zufrieden. 

    Das hat ja auch mal was.