Tag 574 – Bekymring: Fredag 08-16

Liebes Tagebuch,

Ich war gerade bei der DoktorandInnen-Beratung der Uni. Wegen meinem Fertig-sein und Fertig-werden, die sich leider gegenseitig blockieren. Ich schreibe die Ergebnisse des Gespräches jetzt sofort auf, bevor ich alles wieder vergesse. Du weißt ja, ich kann mich grade manchmal nicht so gut konzentrieren.

Also erstmal: in Trondheim gibt es wirklich wenige Jobs. Die Cecilie weiß das, die hat nämlich selbst einen Dr. in Molekularer Medizin und arbeitet jetzt als Studienberaterin. So kanns gehen… Aber insofern gut, dass wir noch örtlich flexibel sind. Die meisten Firmen sind um Oslo rum, wie vermutet. Soviel zum rein praktischen.

Cecilie schlug vor – und ich halte das für eine gute Idee – einen Plan B zu haben. Einen realistischen, nicht „Ich mache eine Kneipe auf.“. Ein realistischer Plan B wäre dann doch ein Postdoc, den man dann gut dazu nutzen könnte, sich weiter zu orientieren, während man Erfahrung mit der eher wirtschaftlichen Seite der akademischen Welt sammelt. Macht sich im Zweifel auch gut im CV. IST ABER NUR PLAN B! Auf der Konferenz kann man da aber bestimmt schon mal herumschnuppern, wer eventuell als Kooperationspartner in Frage käme und – vor allem – soll ich da mein Gesicht zeigen. Fragen stellen. Vorbereitet sein. Gut, das hatte ich ja eh vor.

Plan A bleibt weiterhin das Suchen eines „normalen“ Jobs. Dafür hatte sie die üblichen Tipps: einfach mal anrufen und fragen, was geht. Vielleicht eine Karte anlegen, wo welche Firmen sind und welche davon interessant sein könnten. Und, wichtig: Nicht davon ausgehen, dass man sofort den perfekten Job findet. Eher davon ausgehen, dass man anfangs ein paar mal wechseln muss und auf den perfekten Job hinarbeitet. Aber Fuß in der Tür ist wichtig. (Ok, das letzte wusste ich, den Rest eigentlich auch, aber irgendwie war mir der Rest in letzter Zeit etwas abhanden gekommen.) Wegen der Wechsel-Option macht es eben Sinn, nach Clustern von Firmen zu suchen, damit nicht die Kinder jedesmal wieder die KiTa oder später Schule wechseln müssen.

Die zwei wichtigsten Tipps die Cecilie hatte, waren aber die folgenden: erstens muss ich mir wieder mehr klar machen, was ich kann. Worin ich gut bin. Was ich geschafft hab. Nicht die wissenschaftlichen Ergebnisse, die sind auch gut, aber letztlich für die Industrie eher so semi interessant. Was ich geschafft habe, wäre eher so die Kategorie: Erkennen, dass das Ursprungsprojekt ein halbtotes Pferd ist, um ein Ersatzprojekt bitten, mich da reinhängen, eine relevante Konferenz suchen und komplett alles dafür zu organisieren, statt einfach mit ihm auf die vom Chef vorgeschlagene Konferenz zu fahren und ihn machen zu lassen. Sowas. Eigenverantwortung und Eigeninitiative. Organisation. Was sie auch gelobt hat, war das Erkennen, dass es mir gerade schlecht geht und das Einleiten diverser Schritte (Krankmeldung, Klarkommen, Homeoffice) um es aus dem Loch raus zu schaffen. Naja. Ich versuche mich dann mal auch dafür zu loben. Der zweite Tipp war: aufhören zu denken. Es bringt nix, sich immerimmerimmer die gleichen Gedanken und Sorgen zu machen. Hab ich ja auch verstanden. Stattdessen soll ich mir lieber einen festen Termin setzen (wo ich doch so ein durchstrukturierter Mensch bin), sie schlug eine Woche nach den Experimenten vor, in der ich mir gehörig Sorgen machen kann. Aber nicht vorher. (Meine anvisierte Woche ist vom 08.-12. Mai, KW 19) Immer wenn ich mir Sorgen machen will, werde ich versuchen, mich selbst auf KW 19 zu verweisen. Wenn ich anfange, mich statt vor dem Ende des PhDs vor KW 19 zu gruseln, soll ich mir einen kurzfristigeren Termin zum Sorgen machen suchen: „Bekymring: Fredag 08-16.“ nannte sie das. Und eben wieder krankschreiben lassen, wenn es nicht anders geht.

(Ein interessanter Tipp, für dessen Befolgen ich aber erst über meinen deutschen Schatten springen muss, ist auch: warum nicht einfach einen Tag pro Woche zu Hause bleiben, soviel „Homeoffice“ (sie machte echt Luftkommata!) machen, wie ohne Druck geht, wenn ich dafür die anderen vier Tage effektiv arbeiten kann sei das doch besser, als fünf Tage pro Woche planlos und unkonzentriert zu sein. HmmHmm. Mal sehen.)

Also, so war es bei Cecilie. Ich mache mir dann in KW 19 weiter Sorgen. Vorher nicht.

Tag 573 – Zucker macht Spaß.

Ich las, malte und schrieb.

Frau Brüllens Artikel über Zucker regte mich zu diesem hier an. Bei Frau Brüllen haben wir gelernt, dass Bananen, Feigen und co. nicht zuckerfrei sind, und der Kuchen, den ich mit Bananen statt Haushaltszucker backe dementsprechend auch nicht. Warum es trotzdem für den Körper einen Unterschied macht, ob ich einen Apfel, einen Schokoriegel oder eine Scheibe Vollkornbrot esse, versuche ich mal hier zu erklären.

Die drei wichtigsten Einfachzucker

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Sieht kompliziert aus? Finde ich auch. Ist auch grade völlig wurscht, deshalb habe ich da mal was vorbereitet (ein Hoch auf Pixabay!).

Et voilà!

monosaccaride

Ja, ich bin sehr stolz auf die Milchstraße als Einfall für ein Bild für die Galactose. Und Äpfel haben übrigens nicht nur viel Gesamtzucker, sondern auch ein Fructose/Glucose-Verhältnis von ca. 2:1. Doch dazu später. Wichtig ist, dass wir uns jetzt schon mal merken, dass nur Einfachzucker (und ein wenig Maltose) ins Blut aufgenommen werden können. Unverdaute Mehrfachzucker kommen einfach wieder raus.

Aus diesen Einfachzuckern (Monosacchariden) (und einigen mehr und von denen gibt es auch wieder Unterformen und Stereoisomere und weiß nicht was noch alles, aber das soll uns jetzt mal alles ganz egal sein) sind die wichtigsten Zwei- und Mehrfachzucker, die wir so essenderweise zu uns nehmen, aufgebaut. Ich fange mal mit den Zweifachzuckern (Disacchariden) an.

Die drei wichtigsten Zweifachzucker

disaccharide

Dabei ist es jeweils wichtig, dass die Verbindung zwischen den Einfachzuckern an den richtigen „Ecken“ und in der richtigen Ausrichtung passiert. Grundsätzlich kann man da sagen, dass einige Ecken (die OH-Gruppen im ersten Bild) begünstigter sind, Verbindungen mit anderen Zuckern einzugehen, als andere, bei denen beispielsweise Gruppen „im Weg“ sind. Netterweise sind die Zucker aber auch etwas flexibel und außerdem helfen in der Natur bestimmte Enzyme dabei, die Zucker „zusammenzubauen“. Genauso wie es bestimmte Enzyme gibt, die die Di- und Polysaccharide (dazu auch später) wieder abbauen.

Enzyme: dein Freund und Helfer

Enzyme sind (Ausflug in den Bio-Grundkurs) Proteine, die irgendwas umsetzen. Dabei funktionieren sie wie Katalysatoren, das heißt, das Enzym selbst wird nicht verbraucht. Manche Enyzme brauchen Co-Faktoren um zu funktionieren und die meisten sind hochgradig substratspezifisch, das heißt, sie können nur eine einzige Reaktion an einem einzigen Stoff katalysieren. Das Beste an Enzymen ist aber, dass die katalysierte Reaktion so im Normalfall weniger Energie benötigt oder überhaupt erst in der Zelle möglich gemacht wird. Bleiben wir bei unseren Zuckern: Um die Zwei- oder Mehrfachzucker in ihre Einzelteile zu zerlegen, könnte man die „einfach“ in wässriger Lösung kochen. Dass das im Körper nicht geht, liegt auf der Hand. Deshalb haben wir im Speichel, im Magen und im Darm jede Menge Enzyme, die diese Spaltung der Zucker für uns erledigen. Hier mal dargestellt am Beispiel von Maltase, dem Maltose-abbauenden Enzym:

maltase

Für jeden Zweifachzucker, den ich da oben genannt habe, haben die meisten Menschen  ein Enzym, das ihn in seine Einzelteile spaltet, also

  • Maltose durch Maltase zu zwei Glucosemolekülen
  • Sucrose durch Sucrase (oder Isomaltase) zu Glucose und Fructose
  • Lactose durch Lactase zu Galactose und Glucose

Es gibt zu jeder dieser Reaktionen eine Krankheit, die auftritt, wenn das entsprechende Enzym nicht (ausreichend) gebildet wird (wie die Lactase bei der „berühmten“ Lactose-Intoleranz) oder nicht funktioniert (manche Sucrose-Intoleranz-Arten)*. Außerdem erwähnte ich ja bereits die Substratspezifität: Die Verbindung muss genau passen, sonst kann das Enzym nicht wirken.

Wenn wir also Obst essen (Sucrose), oder Bier (Maltose) oder Milch trinken (Lactose), werden die Zweifachzucker zu Einfachzuckern gespalten und dann ins Blut aufgenommen. Mehr Zucker (und vor allem solchen, bei dem wir erstmal gar nicht an Zucker denken) nehmen wir aber in Form noch längerer Zuckerketten (Polysacchariden) auf.

Mehrfachzucker und Ballaststoffe

Stärke ist, so Wikipedia, das wichtigste Kohlenhydrat in unserer Nahrung. Stärke ist eine laaaaange Kette aus Glucose-Molekülen, oder, anders gesagt, eine lange Kette aud Maltose (Glucose-Dimeren). Auch für Stärke (Amylose) haben wir abbauende Enzyme (Amylasen), auch und gerade im Speichel, weshalb man sein Essen wirklich gut kauen sollte: dann hat der Magen weniger zu tun mit dem Abbau der langkettigen Kohlenhydrate. Kartoffeln zum Beispiel bestehen fast nur aus Stärke und Wasser, Getreide und Hülsenfrüchte enthalten auch viel davon. Also alle „Sattmacher“ (warum die satt machen, dazu später). Außerdem kann man aber am Beispiel der Stärke schön die Ballaststoffe erklären. „Ballaststoffe“ sind für den Menschen unverdauliche Kohlenhydrate, Cellulose ist das Wichtigste davon. Obwohl die Cellulose auch, wie die Stärke, aus verketteten (und verzweigten, die Darstellung hier ist zugegebener Maßen sehr vereinfacht) Glucosemonomeren besteht, können wir sie nicht verdauen, weil wir (im Unterschied zu grasfressenden Tieren zum Beispiel) keine Enzyme haben, die die andere Verknüpfung auflösen können:

amylosecellulose

Und da sind wir endlich (ENDLICH!) beim Thema: Warum es eben doch einen Unterschied macht, ob ich ein Vollkornbrot oder einen Schokoriegel esse. Selbst bei der gleichen Zuckermenge.

Was passiert mit den Kohlehydraten beim Essen?

Nehmen wir als Beispiel wirklich mal eine Scheibe Vollkornbrot, beschmiert mit, hmmmmm, Agavendicksaft. Das Vollkornbrot besteht zu ca. 80 % aus Kohlehydraten, davon ist aber ca. 1/8 Zellulose und andere Ballaststoffe (im Typenmehl ist der Ballaststoffanteil ca. 1/20 der Gesamt-Kohlehydratmenge). Ansonsten sind im Vollkorn noch ein paar Fettsäuren und Mineralien und ein paar Proteine (letztere sind aber auch im gesiebten Mehl, Gluten ist das häufigste). Der Agavendicksaft besteht zu 70% aus Zucker, und zwar zu ca. 50% aus Fructose und zu 20% aus Glucose. Wegen des hohen Fructose-Anteils ist er süßer als Haushaltszucker und flüssig (Fructose ist sehr viel süßer als Glucose, hat einen niedrigeren Schmelzpunkt und nimmt schneller Wasser auf). Die Einfachzucker werden beim Agavendicksaft übrigens durch Erhitzen gewonnen, dabei wird das Polysaccharid Inulin in seine Fructose- und Glucose-Bestandteile zerlegt und der Saft außerdem haltbar gemacht. Esse ich jetzt das Brot passieren zunächst folgende Dinge:

  1. Beim Kauen wird alles mechanisch zerkleinert. Außerdem fangen die ersten Amylasen an, die Stärke im Brot zu kürzeren Ketten zu verarbeiten. Wenn ich lange genug auf dem Brot rumkaue (was ich nie tue, aber Sie ja vielleicht) fängt es sogar ohne den Agavendicksaft an, süßlich zu schmecken, weil genug kurzkettige Glucose-Verbindungen entstanden sind, auf die die Geschmacksnerven reagieren können.
  2. Im Magen angekommen, wird vor allem die Stärke weiter abgebaut. (Und die Proteine, aber die interessieren uns jetzt grade mal nicht.)
  3. Die Ballaststoffe machen erstmal gar nichts, außer durch die Magenbewegungen mit bewegt zu werden, dadurch ein bisschen zur Durchmischung des Mageninhalts beizutragen und den Magen physisch zu füllen, sodass bestimmte Nervenzellen in der Magenwand das Ausschütten bestimmter Hormone anordnen, die wir als „Sättigungsgefühl“ umschreiben können.
  4. Die kurzen Polysaccharide erreichen irgendwann den Dünndarm, wo sie weiter zu Monosacchariden verdaut (s.o. Maltase, Lactase, Sucrase) und resorbiert werden:
  5. Die Glucose und die Fructose aus dem Agavensicksaft werden direkt über Membrantransporter (also tunnelförmige Proteine, die die Zucker erkennen und durch die Zellwand des Magens schleusen) ins Blut befördert. Dasselbe passiert mit den Glucosemonomeren aus der abgebauten Stärke und eventueller Fructose und Glucose aus Sucrose-Abbau.
    1. Die Glucose im Blut führt zur Ausschüttung von Insulin. Dieses wiederum bewirkt eine erhöhte Aufnahme von Glucose in Muskel-, Leber- und Fettzellen, wo es umgebaut und gespeichert (als Fett oder als Glycogen) wird, bis zur weiteren Verwendung als hauptsächlicher Brennstoff für so ziemlich alle Prozesse im Körper. Vor allem das Gehirn ist auf eine konstante Zufuhr von Glucose angewiesen, weshalb die Leber auch in der Lage ist, in Hungerphasen (bei hohem Glucagon- und niedrigem Insulin-Spiegel) wieder Glucose aus Glycogen herzustellen, damit der Blutzucker nie unter einen kritischen Wert fällt.
    2. Gleichzeitig wird durch die Glucose im Blut die Ausschüttung von Glucagon zurückgefahren. Hohe Insulin- und niedrige Glucagonspiegel tragen außerdem zum Sättigungsgefühl bei.
    3. Die Fructose hingegen führt nicht zur Ausschüttung von Insulin oder Hemmung der Glucagon-Ausschüttung. Überhaupt kann der Körper wenig mit Fructose anfangen, das meiste landet in der Leber. Da wird ein Teil (max. 50%) zu Glucose umgebaut, ein Teil (ca. 25%) zu Lactat (das könnte theoretisch das Gehirn verwenden, aber nur, wenn es direkt im Gehirn aus Glucose gewonnen wird (1)), ein Teil (15%-18%) zu Glycogen, < 1% zu Triglyceriden und aus dem Rest wird vermutlich Fett (2). Lange dachte man wegen der fehlenden Insulin-Antwort, dass Fructose die ideale Alternative zu Glucose oder Sucrose sei, weil sie dann ja quasi nicht dick machen könne, das Insulin ist schließlich nötig um Zucker in Fett umzubauen. Inzwischen gibt es aber sehr viele Hinweise darauf, dass das so nicht stimmt. Fructose wurde in den letzten Jahren mit so ziemlich allen Zivilisationskrankheiten (Typ II Diabetes, Übergewicht, Herz-Kreislauf-Krankheiten, …) assoziiert, genauso wie Glucose eben auch. Und Sucrose eh. Möglicherweise liegt es daran, dass Fructose eben fast immer gepaart mit Glucose daherkommt und die durch Glucose angestoßenen Stoffwechselprozesse quasi als Trittbrettfahrer noch verstärkt, aber das weiß man alles noch nicht so genau. „More studies are necessary…“
  6. Alles was nicht im Dünndarm aus der Nahrung herausgefiltert wird, landet im Dickdarm. Da wird alles weiter kräftig verdaut, es wird Wasser entzogen und die Darmflora ergötzt sich an den Ballaststoffen, kaut hier mal ein Glucosemolekül ab und da… Überhaupt schlägt im Dickdarm die große Stunde der Ballaststoffe: sie bilden quasi die Grundmasse des Stuhls und sorgen für eine gesunde Konsistenz des Ganzen. Zuviel Fructose ist übrigens auch hier wieder nicht gut: weil sie so viel Wasser bindet kann sie den Stuhl zu weich machen und außerdem mögen ein paar der Darmbakterien sehr gerne Fructose, machen daraus aber Ethanol und Gas. Das Gas muss irgendwie raus, damit macht sich Mensch dann unter Umständen nicht so viele Freunde. Derselbe Effekt tritt bei Menschen mit Lactoseintoleranz auf, wenn zu viel Lactose für die hungrigen Bakterien zur Verfügung steht.
  7. Wie Michel sagen würde: „Ich muss immer immer immer aufs Klo! Orrrrr!!!“

Fazit? Nö.

Ich bin keine Ernährungsberaterin. Diesen Artikel schrieb ich mit einer großen Portion Studienwissen und der unschätzbaren Hilfe von Wikipedia. Ich mag Nutella und Honig und Rübenkraut und Weißmehl. Ich kaufe Vollkornnudeln und Vollkornknäckebrot und Vollkornbrot, wenn ich mal Brot kaufe. Wir essen viel Gemüse, Michel nicht so, aber tjanun. Ich mag auch Smoothies. Und Trockenobst! Und Schokolade. Mein Fazit wäre vielleicht am ehesten: glauben sie nix, was ihnen irgendwer als allein selig machend verkaufen will. Der Körper ist komplex. Manches weiß man, manches sagt einem der gesunde Menschenverstand, manches würde die Evolution vielleicht in ein paar hundert Jahren einfach ausbügeln, vieles weiß man nicht. Wenn Sie den Teelöffel Zucker im Tee durch Agavendicksaft ersetzen, wissen Sie jetzt, dass das wenig Sinn macht. Wenn Sie die Limo zum Abendbrot ab jetzt durch einen Apfel ersetzen, hat der vielleicht nominell genauso viel Zucker, aber eben noch tausendundeinen anderen Bestandteil, den die Limo nicht hat – gute und schlechte.

Und seien Sie nett zu ihrer Darmflora.

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  • Überhaupt wollen Sie gar nicht wissen, wie komplex und vor allem fehleranfällig schon eine einzelne Zelle ist. Ich wüsste das auch am liebsten nicht.

 

Quellen (außer Wikipedia):

(1) L.H. Bergersen, „Is lactate food for neurons? Comparison of monocarboxylate transporter subtypes in brain and muscle“, Neuroscience 145, 2007

(2) L. Tappy, K.A. Lê, „Metabolic Effects of Fructose and the Worldwide Increase in Obesity“,

Tag 572 – Zufrieden. 

Es war ein blöder Tag. Wirklich blöd. Alles lief schief, Michel war unheimlich fordernd und nervtötend, Pippi fiel zwei mal vom Stuhl und beide male auf den Hinterkopf (nix passiert, nur Beulen und Geschrei straight outta hell), Michel hatte einen Unfall im Einkaufszentrum (und besitzt jetzt spontan neue Schlüpper), ich habe für die USA-Reise nix zum Anziehen und auch heute außer neuer Schlüpper (braucht man ja manchmal, ich kaufe dann immer drei Dreierpacks und sortiere die gleiche Anzahl aus. Mit Socken mache ich das genauso, seit ich von zu Hause auszog und ca. 400 Paar Socken und 200 Schlüpper mitnahm, weil immer neu gekauft und nie aussortiert) nix gefunden. Aber auch nur halbherzig geguckt, die diesjährige Mode ist ja mal echt so gar nicht mein Ding. Bodys zum unten zuknöpfen? Mich schauderts. Aber egal, ich schweife ab. 

Trotz der blöden Dinge bin ich nämlich im Grunde heute recht zufrieden. 

Das hat ja auch mal was. 

Tag 571 – Gemischtes

Die Kinder. Die lieben Kinderchen. Ach ja. 

Gestern fiel Pippi irgendwie blöd die Treppe vorm Kindergarten runter und schrammte sich die rechte Nase, Wange und Stirn ziemlich übel auf. Jedes mal, wenn sie im Schlag irgendwie da dran kam, heulte sie vor Schmerz auf. Entsprechend bescheiden lief unsere Nacht. Und als reichte das noch nicht, fing sie an zu Husten und hat jetzt auch eine Rotznase, die wir aber nicht putzen dürfen, weil ihr das wegen der Schrammen ziemlich weh tut. Entsprechend unleidlich war sie im Kindergarten. Und was macht der Kindergarten? Fieber messen, Fieber (vorsichtshalber ungenannter Höhe) feststellen und die Eltern informieren. Die brav andackeln und das Kind, das zappelt und schreit, weil es gar nicht nach Hause will, abholen. Zu Hause hatte Pippi dann in erster Linie Hunger und danach recht fix Wickelbedarf. Und eine Temperatur von, Trommelwirbel, 37,7 Grad. Ich kann mich da schon kaum noch drüber aufregen. Es nervt mich einfach unendlich, und ja, ich werde das am Montag auch nochmal ansprechen, dass wir mitnichten zu Hause sitzen und darauf warten, ein diffus missgestimmtes Kind mit minimal erhöhter Temperatur aus der KiTa abholen zu dürfen. Dass unsere Kindkrank-Tage nach 1/6 des Jahres schon zu 3/4 aufgebraucht sind. Dass mir jeder Arzt, dem ich das Kind heute gezeigt hätte um eine Krankschreibung zu bekommen (wenn die Kindkrank-Tage aufgebraucht sind, müssen wir für jeden Extra-Tag zum Arzt), was gehustet hätte. Sowas halt. Seufz. 

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Michel lernt Lügen. Schritt 1: Ausreden. 

„Mama, guck mal, das Klopapier ist ganz abgerollt! Aber ich war das nicht, das war ein Roboter. Ein unsichtbarer. Sowas passiert eben manchmal.“

Ich weiß, es ist normal, auch sowas müssen Kinder ja lernen. Ich weiß nur nicht so ganz, wie ich damit umgehen soll. Heute sagte ich „Ich glaube nicht, dass das ein Roboter war, ich glaube du hast dir das grade ausgedacht, weil du dachtest, ich schimpfe. Komm, wir legen das Papier zur Seite, das kann man ja noch benutzen.“. Ich glaube, wegen des Lügens schimpfen bringt nichts, außer dass er das nächste mal besser lügt („Das war Pippi!“ wäre zumindest sehr viel wahrscheinlicher). Aber glauben heißt ja auch nicht wissen. 

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Ich bin so aufgeregt wegen der USA-Reise! Noch eine Woche!

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Heute war eine Dame da, die unsere neue Putzhilfe sein möchte. Die, die letztens einmal da war, war leider nur einmal da. Heute war also Liv da. Bei Liv habe ich ein besseres Gefühl. Liv ist frühpensioniert, hat einen Putzfimmel (oder wie soll man das nennen, wenn wer nach eigener Aussage nie ohne Putzhandschuhe im Gepäck verreist?) und langweilt sich. Außerdem hat sie sehr genaue Vorstellungen davon, unter welchen Bedingungen sie hier arbeiten möchte, was ich sehr gut finde. Unter anderem möchte sie gerne andere Produkte* benutzen, als wir haben, soll mir recht sein, sie geht das jetzt am Wochenende einkaufen und gibt mir die Rechnung dann am Montag, wenn sie hier anfängt. Sie sei sehr gründlich, sagt sie. Und ich schäme mich ein bisschen, dass jetzt jemand anderes als Herr Rabe all meine runden Ecken finden wird. 

*“So größere Mikrofasertücher, die sind grün, die gibt es nächste Woche im Angebot bei Nille. Da gibt es auch so einen großen Schwamm mit Griff, der kostet 100 Kronen, aber der hält jahrelang. Ich hab meinen schon vier Jahre und der ist immer noch in Ordnung. Und bei Obs gibt es diese Woche 4 Flaschen Jif Badezimmerspray für 100 Kronen! Das besorge ich dann auch, ich sprühe aber nicht damit, das mache ich nicht mehr, das geht zu sehr auf die Lunge, ich habe da so eine Dose, da tauche ich dann den Schwamm mit dem Griff rein und dann reicht das auch viel länger, da habt ihr mit den 4 Flaschen genug für’s restliche Jahr…“ 

Tag 569 – Immer das Gleiche. 

Hier gibt’s heute nichts neues, aber Sie können sich anlässlich des Equal Care Day (eigentlich ist der am 29.02. also nur  jedes vierte* Jahr, weil Frauen etwa vier mal so viel unbezahlte Familienarbeit erledigen, wie Männer) noch ein paar Beiträge lesen, zum Beispiel den von Herrn Paul und Jott, den von Frau und Herrn Brüllen oder einen (oder mehrere)  der vielen anderen auf dem Equal-Care-Day-Blog! 

Und hier noch nachgeliefert unser wunderhübsches Foto, das wir extra aufgenommen haben, weil ich das immer schon haben wollte und Ironie (zumal über Bilder und ohne Worte) ja bekanntermaßen im Internet ganz großartig funktioniert. 


*Gratis Nerd-Wissen: Schaltjahre sind Jahre, die ganzzahlig durch 4, aber nicht durch 100 (Bsp. 1900) teilbar sind, es sei denn, sie sind auch durch 400 (Bsp. 2000) teilbar. Fragen Sie mich nicht, woher ich das weiß, ich weiß es selbst nicht mehr. Googeln hat nur grad ergeben, dass ich das richtig erinnere. 

Tag 566 – Heimaturlaub in Planung. 

Wir wollten die ganze Zeit, als meine Schwägerin da war, unseren Heimaturlaub über Ostern planen. Wie das so ist, klappte das natürlich nicht. Aber als sie heute Nachmittag gefahren war, da setzten wir uns endlich daran. 

Diese Flug-Geschichte mit Norwegian regt mich immer noch sehr auf. Deshalb musste Herr Rabe mitentscheiden und mitmachen bei der Planung, so Frust-induzierende Dinge kann ich gerade nicht alleine tun. Es wurden also gemeinsam Dinge beschlossen:

  • Wir fahren mit dem Auto. (Ja. Hahaha.) 
  • Wir fahren mit der Oslo-Kiel-Fähre, lieber 20 h auf dem Boot als 10 h Gegurke durch Dänemark. 
  • Wir fahren am 9. April mit dem Boot. Am 8. April fahren wir hier los und übernachten bei unseren Freunden in Oslo*.
  • Am 20. April geht es zurück, am 21. übernachten wir wieder in Oslo. 
  • –> praktisch: so können wir es vielleicht so hinbekommen, dass ein Großteil der Bauarbeiten am Wassertank, den Rohren, der Elektrizität und dem ganzen illegalen Mist noch in unserer Abwesenheit erledigt wird. 

Glauben Sie’s oder nicht, aber fliegen wär fast genauso teuer gewesen, erst recht wenn wir dann noch ein Auto samt Kindersitzen hätten mieten müssen. Und dafür haben wir das Auto ja auch. 

Trotzdem brauche ich ob des Preises für den Spaß gleich noch einen Gute-Nacht-Tee mit Schuss. 

*den Plan hatten wir leider ohne die Freunde gemacht, die sind da nämlich noch gar nicht wieder da. Aber wir dürfen trotzdem in ihrer Wohnung übernachten (Danke :*) und besuchen dann halt zwecks Schlüsselübergabe am Nachmittag/Abend unsere anderen Freunde in Oslo. Und auf dem Rückweg sind sie dann ja wieder da.

Tag 565 – Es ist an der Zeit. 

Heute morgen wachte ich mit Migräne auf. Richtiger, handfester, nach Triptanen verlangender Migräne. Ich nahm eine Tablette, quälte mich durchs Frühstück und ging wieder ins Bett, um die Wirkung abzuwarten. Inzwischen war mir auch schlecht. Ich schaffte es irgendwie eine Dreiviertel Stunde zu dösen und danach waren die Schmerzen weg und die Übelkeit auch, jedenfalls in der Stellung, in der ich gerade lag und im abgedunkelten Raum. Ich verharrte noch eine ganze Weile in ebender Stellung. Dann fühlte ich mich sicher genug um aufzustehen. Inzwischen war es 12 und der halbe Tag also rum. Und den Rest des Tages verbrachte ich mit Migränekater: Kreislauf, Schwindel, allgemeine Schlappheit und Müdigkeit. Toller Samstag. 

Mal ehrlich: das ist kacke. Das habe ich wieder mindestens einmal im Monat mindestens so. Und deshalb werde ich beim nächsten Deutschlandbesuch  wieder die guten freiverkäuflichen Triptane besorgen (tatsächlich das einzige was mir hilft. AspirinParacetamolKoffein bringen bei mir weder einzeln noch in Kombination was) und außerdem dem Hinweis einer Twitterin nachgehen und das hier machen lassen. Das ist unwissenschaftlicher Bullshit und funktioniert sicher nicht. Oder doch. Placeboeffekt olé. Ich habe früher, als ich noch kein Hardcore-Verfechter der evidenzbasierten Medizin war, auch schon ganz tolle Placeboeffekte von „richtiger“ Akupunktur gehen Migräne gehabt. Ich hatte sogar mal an der Stelle einen Dauer-Akupunkturstecker, den ich mit einem Minimagneten immer mal wieder „aktivieren“ konnte. Auch da: super Effekt! Der Placeboeffekt ist mächtig in mir! 

Und was das allerwichtigste ist: ich finde Piercings an Stellen im Ohr, die nicht jede*r so hat, auch einfach schick. Und das letzte Piercing (ein Microdermal in der Halsgrube) ist auch schon über 10 Jahre her. Da könnte man ja schon mal wieder…

Mein allererstes Piercing. Bald wird es 17 Jahre alt. Dafür habe ich ewig auf meine Mutter eingeredet. E-wig.


Mein schmerzhaftestes Piercing. (Abgesehen von dem Microdermal, das war echt Folter.) Mit Schwung durchstechen ging da nicht, der Piercer „schraubte“ langsam die Nadel da durch. Ich sach mal so: es gibt schöneres. Aber schick finde ich es schon nach wie vor.

Tag 559 – Und nun.

Ein paar kleine Updates. 

Herr Rabe und ich haben heute, als die Babysitterin da war (da hatte ich mich neulich im Tag vertan, spielt aber ja eigentlich keine Rolle), einen Ausflug gemacht. Erstmal saß ich noch eine gute halbe Stunde mit Pippi bei der Babysitterin, weil die sich noch nicht so gut kennen. Als ich das Gefühl hatte, dass es jetzt ok wäre zu gehen und außerdem beide Kinder plus Babysitterin mit Bügelperlen und -brettern versorgt waren, machten wir uns auf den Weg. Das Wetter war wirklich grausig, wir spazierten (immerhin händchenhaltend) durch eiskalten Regen, fanden in 2 Cafés keinen Platz, das dritte hatte zu und als wir beim 4. ankamen, waren wir gut durchgeweicht und schlotterten ein bisschen. Aber egal: 2 Stunden eine normale, erwachsene Unterhaltung über normale Erwachsenendinge waren es wert. Natürlich sprachen wir auch (kurz) über die Kinder, aber nicht viel, dafür gibt es grade genug anderen Kram der ansteht, wie zum Beispiel…

… Mein Plan zum Klarkommen. Tja. Kurz gesagt: kleine, erreichbare Tagesziele setzen, mir bei der Arbeit jemanden suchen, dem gegenüber ich die auch formuliere (nicht mein Chef, der macht immer gleich ein halbstündiges Meeting aus sowas). Das Denken an „was ist in einem halben Jahr?!?“ sein lassen (das wird hart). Öfter mal Home Office machen, dafür TeamViewer auf meinem Rechner installieren (mein Plan für morgen), damit ich auch von zu Hause ins Intranet und an Daten kann. (Home Office nimmt, so meine Vorstellung, drei Sorten Druck: zeitlich mit Hinbringen zum oder Abholen aus dem Kindergarten; den Druck, irgendwie menschlich aussehen zu müssen und andere Dinge als Jogginghosen zu tragen; sozial (mit der wichtigste Punkt): ich mag manchmal nicht mit Menschen reden und das dann auch nicht zu müssen stelle ich mir sehr schön vor.) Ich glaube ich würde nicht wirklich oft Homeoffice machen, aber eine Absprache mit meinem Chef, sodass ich davon Gebrauch machen kann, wäre schon ein Erfolg. Natürlich vorausgesetzt, dass keine Experimente anstehen, aber solche Tage oder sogar Wochen hat man ja auch immer mal wieder. Weiterer Plan, der eher das Private betrifft: unbedingt die Putzhilfe behalten. Und Dinge, die mich extrem frusten ohne irgendwie zu fruchten (so wie die Heimaturlaubsplanung) vermehrt an Herrn Rabe delegieren oder zumindest ihn mehr mit einbinden. Und dann mal sehen. Wenn ich merke, dass das alles noch nicht hilft und ich einfach keine 37,5 h-Woche durchhalte, gibt es ja immernoch die Möglichkeit einer partiellen Krankschreibung. Oder den Psychologen. Wie gesagt: mal sehen. 

Mehr delightful: Die Kinder sind so niedlich! Pippi spricht jetzt viel mehr und versucht, ganze Sätze zu sagen. Außerdem ist sie im Nachplapperalter angekommen und sagt alles, was man möchte. Oder wiederholt alles, was man nicht möchte. Eine ihrer Standardantworten ist aber momentan „Blablabla.“. Da kann ich nicht anders als drüber lachen, wenn die Situation ungefähr so ist:

Ich: „Ey, Pippi, nicht mit dem Essen werfen! Wenn du satt bist, lass es einfach stehen!“

Pippi: „Blablabla.“

Michel spricht ja viel besser Norwegisch als Deutsch, aber wir versuchen ihn im Moment mehr zum Deutsch sprechen zu animieren. Es wäre schon schön, wenn wir für Familienmitglieder nicht dauernd die Übersetzer geben müssten. Manchmal ist es aber auch unheimlich lustig, wenn er norwegische Dinge falsch versteht. So sagte er in den letzten Tagen häufiger voller Enthusiasmus „Jeg er en potet!“ („Ich bin eine Kartoffel!“). Darauf folgte stets irgendeine Ausführung oder Idee, wie irgendwas sein könnte oder wer irgendwas gemacht haben könnte. Es dauerte eine Weile, bis mir die Idee kam, dass er Dinozug (falsch) zitiert und eigentlich „Jeg har en hypotese!“ („Ich habe eine Hypothese!“ meint. 

Auch mehr delightful: neues Schneckenbild, weil heute sauber gemacht. Wir haben jetzt (aus Gründen) zwei große (ich nehme an, ausgewachsene) und zwei kleinere Schnecken. Eier gelegt haben sie immer noch nicht, nicht, dass ich darauf scharf wäre, aber ich mache mir etwas Gedanken, ob was nicht stimmt, oder ihnen was essenzielles fehlt. 

Tag 558 – Besuchskinder und Vitensenteret. 

Heute morgen eröffnete Michel uns, dass er wolle, dass M. ihn besuchen komme. Heute. Dann drängelte er so lange herum, eine Nachricht an M.s Papa zu schreiben, bis dann eine Nachricht von M.s Papa kam: M. wolle gerne Michel besuchen. Wenn wir denn so könnten. Herr Rabe schrieb zurück, dass wir nächste Woche außer Mittwoch eigentlich immer können, oder halt heute. Zack, kam eine Nachricht zurück: M. sei sehr eifrig und wolle gerne schon heute. So in anderthalb Stunden seien Sie da, wenn das passe. 

Das passte perfekt, wir wollten eh noch einkaufen. Nach dem Einkauf kam eine Nachricht von H.s Mutter: ob wir Lust hätten, mit ins Vitensenteret zu gehen? Das Vitensenter („Wissenscenter“) ist so eine Art Naturwissenschaftliches Mitmach-Museum. Ich war da noch nicht drin und das Wetter ist momentan zum Heulen: vier grad und Dauerregen, also fragten wir Michel, ob das für ihn in Ordnung sei, wenn wir alle zusammen da hin fahren würden. Michel war sofort Feuer und Flamme (ich so: „wenn du lieber M. für dich haben willst, ist das auch ok!“ worauf Michel antwortete: „Ja, da sollen nur M. und ich sein. Und H. und Pippi.“) schrieb Herr Rabe zurück, das würden wir gerne, hätten aber schon M. zu Besuch. Und so kam es, dass wir uns etwas sehr deutlich später auf den Weg in die Innenstadt machten. 

Erstens: nach Busfahren im völlig überfüllten Bus mit vier Kindern und drei Erwachsenen waren ein paar von uns um Jahre gealtert. Und hatten Fransen am Mund. Man kann auf einer fünf Minuten langen Busfahrt sehr häufig „Halt dich bitte fest, mit beiden Händen, du dich auch, nicht die anderen Leute anrempeln und Michel: hör auf Leute anzulecken!“ sagen. Auf dem kurzen Fußweg spielten die Jungs dann „Rockband“, erklommen einen größeren Pömpel und spielten auf ihren Kinderregenschirmen Luftgitarre und Lufttrompete. Dazu gröhlte Michel inbrünstig den Bandnamen: „Rock Babieeeees! Rock Babieeeeeees! Wir sind die Rock Babiiiiiieeeeeeees!“. Das war der evilste Name, den sich die Kinder ausdenken konnten und das war so unfassbar niedlich, ich musste fast ein Tränchen herunterschlucken. Aber ich sags mal so: so wie Michel die Luftgitarre gehalten hat, lernt er vielleicht doch besser erstmal Blockflöte (wie Mama und Papa ja auch. Traditionen und so. So wichtig.).

Nach diesem grandiosen Auftakt war das Ausflugsziel dann schon gefordert, die Latte hing hoch. Aber es war einfach super. Und das trotz happigem Eintrittspreis von 85 NOK für alle ab drei Jahren aufwärts, bzw. einem Familienpreis (zwei Erwachsene, drei Kinder) von 270 NOK. Leider habe ich es nicht geschafft, viele Bilder zu machen, sie müssen mir das also einfach glauben. 

Rübennase an Periodensystem-Wand mit (soweit möglich) jedem Element als Exponat. Oder einer Erklärung, warum man das nicht ausstellen kann. Unten das worauf sie steht ist eine Murmelbahn-Bank und ihr zu erklären, dass man die Kugeln dalassen muss, sagen wir mal, eine Herausforderung.

Im „Elektrizitäts-Raum“ kann man verschiedene Geräte durch Fahrradstrampeln mit Strom versorgen und ich fühle mich ein bisschen unangenehm an Black Mirror erinnert.

Hier kann man um die Wette sparken, also so einen Stehschlitten (’spark‘) über eine Rennstrecke fahren. Beliebt bei Klein und Kleiner.

Das war so eine coole Murmelbahn! Erst muss man selbst kurbeln, damit eine Kugel losgeschickt wird, die dann durch einen Parcours mit vielen verschiedenen (echt tollen) Möglichkeiten läuft. Überall gongts und schepperts und fällt und springt es. An manchen Stellen muss man den Kugeln dann noch weiter helfen, indem man Rädchen dreht. Ich hätte Stunden an diesem Ding zubringen können und hab deshalb Pippi als Alibi mitgenommen.


Aber was solls, Alibi. Das Wasserkraftwerk habe ich dann alleine angetrieben, den Elektromotor alleine ausprobiert, habe ein paar Logikspielchen (ein eigener Raum für Logikspielchen! <3 ) gemacht und Kuh-Pupse eingesammelt. Ein Raum (der mit den Schlitten) ist nämlich im Moment mit Kinder-Erfindungen belegt: 10-13-Jährige haben sich Dinge ausgedacht, die man mal erfinden sollte. Zum Beispiel die Super-Schlitten, die schnell wie Autos fahren können, aber umweltfreundlich sind, weil sie ja nur mit Muskelkraft betrieben werden. Oder eine Gasabsaugmaschine, die zwischen Kuh-Pupsen und -Rülpsern und normaler Umgebungsluft unterscheiden kann und so Methan direkt am Entstehungsort absaugt. Oder Roboterhummeln, die den Nektar sammeln und Blumen bestäuben und so die vom Aussterben bedrohten Hummeln ersetzen könnten. 

Es gibt noch mehr Räume, einen Körperraum zum Beispiel, wo man die Kraft seines Händedrucks messen kann (22,5 Dings, Newton?), seine Reflexe testen oder auch gegen jemanden „Mindball“ spielen kann, indem man mittels „Gedankenkraft“ (die über Elektroden am Kopf gemessen wird) versucht, einen Ball zum Gegner hin zu bewegen. 

Was ich nicht probiert habe, war, den riesigen Roboterarm zu steuern, Mindball, Schach gegen einen Computer zu spielen (ich kann gar kein Schach spielen), sieben der neun Logik-Spiele und tausend andere Sachen. Im Planetarium war ich auch nicht. 

Also Fazit: wenn sie ein bisschen nerdy sind, oder nerdy Kinder haben, und mal an einem Regentag in Trondheim sind: das Vitensenteret ist echt richtig cool. Und für jedes Alter ist was dabei, selbst die Kleinsten können auf irgendwelche Knöpfe drücken und an irgendwelchen Rädchen drehen und Murmeln murmeln lassen und überall britzt und kullert und leuchtet was. Für die meisten großen wird sich auch noch was finden, was sie noch nicht wussten oder was man puzzeln oder spielen oder pumpen oder einfach angucken kann. Und im Zweifel guckt man die Kinder an, wenn sie eine Plasmakugel anpusten oder an einer Kordel ziehen, woraufhin sich eine Metallspirale in 3 Metern Höhe wellenförmig zu schlängeln beginnt. 

Langweilig wird einem jedenfalls eher nicht. 

(Danach lief der Rest des Tages erstaunlich entspannt ab und ich glaube, wir haben bei dem Papa von M. durch unseren Ausflug etwas Eindruck gemacht. So kann ein Samstag mit Kindern gerne öfter sein.)

Tag 557 – Zu viel. 

Ich hatte echt nen Kacktag. Bei der Arbeit war unser zweiwöchentliches Gruppen-Meeting und ich war Cake-Responsible und dachte, das geht schon alles, ist ja bloß ne Stunde oder so. Dann wurden es aber zwei Stunden* plus backen und vorher war ich schon so gestresst, dass mir das hier passierte: 

und nachher war ich einfach komplett im Eimer, inklusive Kinder anschnauzen und Mann anranzen und insgesamt unausstehlich sein. 

Ich weiß, nächste Woche ist wohl noch zu früh um wieder arbeiten zu gehen, aber die Deadline! Das blöde Poster muss fertig sein bis Freitag. Leider auch Arbeit, die mir keiner abnehmen kann. 

Irgendwie muss ich das also hinbekommen, Donnerstag und Freitag habe ich eh frei, drei Tage sind es also, die ich durchhalten muss. Und mehr als durchhalten geht offenbar noch nicht. (Klarkommen! Wer kommentierte das hier? Ich muss klarkommen. Erledigen was anliegt. Nicht mehr und nicht weniger.)

*extra Stress: der Kollege, der mir unterstellte, ich hätte mehr oder weniger absichtlich eine Liste und zwei Abfallboxen aus dem Radioaktivitäts-Labor verschwinden lassen. Es dauerte 30 Minuten, zu rekonstruieren, dass einfach über ein Jahr lang (während ich in Elternzeit war) niemand in dem Labor gearbeitet hat und somit die einzige Liste aus 2016 die ist, die im Juli 2016 beginnt und noch immer an der Bench hängt. Aber zwischendurch schwitzte ich schon sehr.