Tag 556 – Keine Lust. 

Erstmal: vielen vielen vielen Dank für all Ihre netten Kommentare. Echt. Danke. Ich bin immernoch manchmal sprachlos, dass hier so viele nette Menschen mitlesen und kommentieren. Dafür viel <3!

Leider muss ich Sie aber heute enttäuschen. Aus akuter Unlust, noch mehr über das PhD-Thema nachzudenken und akutem Mangel an Spaziergang-tauglichem Wetter habe ich mich heute den größten Teil des Tages exzessiver Realitätsflucht hingegeben. The Hunger Games „Catching fire“ hab ich jetzt auch durch.

Bleibt noch die Frage: wenn am Samstag die Babysitterin kommt, aber Kackwetter ist und wir die nicht einfach rausschicken können und wir auch gar nix zu putzen oder zu machen haben, was machen wir denn dann? 

Tag 555 – Schnaps!

Ich ging heute 20.000 Schritte, sagt mein Handy. Einen Teil davon ging ich nicht ganz freiwillig, weil ich mich mit dem Bus verfahren habe und dann von City Lade nach Sirkus Shopping lief und dann noch ein Stückchen weiter am rosa Fitnessstudio vorbei zur Bushaltestelle. Um dann festzustellen, dass ich den Rest auch noch hätte gehen können, das war dann auch nur noch ein Kilometer oder so, aber egal. 

Jedenfalls lief ich dann von Rotvoll (Erinnerungen an den Waldorf-Kindergarten wurden wach, eieiei) nach Ringve (verrückt: den Teil des Ladestien bin ich das letzte Mal gegangen, als Pippi grade ein paar Wochen (3! 3 Wochen! Wahnsinn.) alt war. Mit Kinderwagen und Laufrad und leicht durchhängendem Beckenboden), da wollte ich eigentlich im Sponhuset einen Kaffee trinken, das hatte aber zu also lief ich aus Frust einfach weiter bis nach Korsvika (57 Treppen), ging am Lade Torget beim Narvesen Kaffee holen und dann nach Hause. Fast 13 km sagt das Handy, aber da ist ja auch noch zwei Mal der Weg zum Kindergarten* und zurück dabei. 

Gelöst habe ich dabei null meiner Probleme. Aber wenigstens bin ich jetzt müde und ausgepowert. Das hilft gegen das Gedankenkarussell. 






*Beide Kinder gingen heute wieder in die KiTa. Nachdem Pippi gestern eigentlich schon wieder recht fit war, nur sehr viel schlief, wollten wir die Nacht und den Morgen abwarten und dann entscheiden, ob ich einen weiteren Tag mit Kind Gewinne oder nicht . Heute früh war sie dann, bis auf eine ordentliche Rotznase, wie immer, schaufelte sich das Frühstück rein als gäbe es kein Morgen, schleifte ihren Rucksack zur Tür, zog sich selbst die Stiefel an und war bereit. Wäre Michel mal so kooperativ! Trotzdem rechnete ich fest damit, dass die KiTa irgendwann anriefe, ich solle sie abholen kommen. Tat sie aber nicht und als ich mich diesbezüglich safe fühlte, marschierte ich los. 

Tag 548 – Spannend, spannend.

Ich kann heute nicht so viel schreiben, denn 1. habe ich kaum was erlebt und 2. habe ich gestern zwei sehr spannende Dinge angefangen: Black Mirror auf Netflix und The Hunger Games auf Papier. Black Mirror ist eine Serie nicht miteinander zusammenhängender (teils schmerzhaft realitätsnaher) Dystopien. Hunger Games muss ich wohl keinem erklären. Nach einer seeeeehr creepy Folge Black Mirror (‚Be right back‘), die ich heute Nachmittag sah, lese ich jetzt erstmal weiter. 

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Projekt Spazieren gehen: läuft (haha). Heute ging ich zur Ringvebukta und von da über den Ladestien nach Hause. Ich war gut zwei Stunden unterwegs und fror ordentlich bei -8 Grad und ziemlich scharfem Wind. Leider war es so kalt, dass ich nicht merkte, dass ich im Gesicht zu viel Sonne abbekam und jetzt ist meine Nase ein bisschen rosa und außerdem habe ich an jeder Ferse eine fiese Blase. Morgen mache ich glaube ich mal Pause oder fahre „nur“ irgendwo hin und setze mich an nen See oder so. Mit so Blasen macht das Spazieren gehen nur mäßig viel Spaß. 

Ich weiß, ich weiß. Es ist echt schön hier. Langsam sehe ich das auch.

Tag 547 – Wohnungsmist. 

Ich habe darüber noch gar nicht richtig abgekotzt geschrieben. Unsere Wohnunsmisere. 

Unsere Wohnung ist sehr schön. Ich mag die wirklich. Altbau, hohe Decken, Stuck, der ganze Kram. Dazu war sie (teil-)möbliert und die Einrichtung und sonstige Gestaltung gefiel uns wirklich auf Anhieb ausnehmend gut. Genau so hätten wir es wohl auch gemacht. Deshalb war und auch egal, dass die Wohnung an der Schmerzgrenze teuer ist. Mit der jährlichen Mietpreiserhöhung in Höhe der Inflation knacken wir wohl ab März die 15.000 NOK. Da ist noch kein Strom dabei, der ist, besonders im Winter, auch nochmal ein echter Batzen (Altbau, voll schön, hohe Decken und so. Und die schicken, alten Flügelfenster…). 

Ein Nachteil der Wohnung ist, dass wir kaum Lagerplatz haben. Auf dem Dachboden haben wir ein zwei Quadratmeter großes Kämmerlein mit Schräge. Weil uns niemand davon abhält gesagt wurde, dass das in Ordnung sei, lagert ein Teil unserer Sachen auf dem gemeinsamen Dachboden, denn das Kämmerlein ist so voll, dass die Tür nur noch zugeht, wenn man die eine Kiste beim Schließen der Tür etwas anhebt und dann vorsichtig die Tür dran vorbei zwängt. Einiges (hauptsächlich Nahrungsmittelvorräte (in der Küche ist nämlich auch kein Platz) und Putzmittel und sowas halt) ist auch im hinteren Treppenhaus, das gab ja schonmal Ärger wegen des Fluchtwegs (ich frage mich, wo man da hinfliehen soll, aber naja), daraufhin quetschten wir das was da war so zusammen, dass der Fluchtweg frei ist.  

Jetzt wird hier aber auf Empfehlung des Brandschutzwesenes alles brandschutztechnisch modernisiert. Das heißt, dass eine Warnanlage installiert wird, die direkt mit der Feuerwehr verbunden ist (voll supi, wo doch schon unser normaler Pieps-Rauchmelder jedes Mal losheult, wenn man was toastet), außerdem werden überall Brandschutztüren eingebaut (für unsere Wohnung zwei, auf dem Dachboden und im Keller ca. tausend), die Rohre im hinteren Treppenhaus werden erneuert und das hintere Treppenhaus wird so umgebaut, dass eine Wand unseren „Lagerplatz“ und den Wasserboiler, der da jetzt noch in einem extra Kämmerlein steht, vom Treppenhaus abgrenzt. 

Und genau da liegt der Hund im Pfeffer und der Hase begraben. Das heißt nämlich

  1. Bauarbeiten. Yeah. Weiß man ja, wie prickelnd sowas ist. 
  2. Die Brandschutztür zum vorderen Treppenhaus wird vor unserem kleinen Flur eingebaut, was (wenn ich das richtig verstanden habe) heißt, dass in dem kleinen Flur dann nichts brennbares mehr gelagert werden darf. Jacken, Schuhe, Schals und co. brennen ziemlich gut. Also muss das Zeug dann wohl woanders hin und, haha, wo???
  3. Die Umbaumaßnahmen im hinteren Flur werden ein Abkoppeln des Wasserboilers notwendig machen. Für mindestens eine Woche. Das erfuhr ich so:

*Knock, knock**hämmerhämmerhämmer*

Ich gehe zur Tür. Zur hinteren. Durchs Bad. Da stehen die Nachbarin W. und ein Typ, der aussieht wie Bob der Baumeister in lebendig. 

Bob: „Ja, Hei, ehem, ist das euer Kram da in der Ecke?“

Ich: „Jaaa…?“

Bob: „Weil, das wird ja alles umgebaut, wir machen das im April, da muss der Tank da weg, das ist ja so auch alles gar nicht zulässig, das muss alles neu, und wenn wir den Tank da abklemmen müssen, also, willst Du nicht vielleicht drei Wochen Urlaub machen, Ende April?“

Ich: „?!?“

Bob: „Ja, weil, so ist das nicht zulässig. Und wir müssen das abklemmen. Dann hast Du hier kein Wasser. Und das dauert mehr als einen Tag. Mindestens ne Woche.“

W.: „Überlegt euch das mal, wie wir das machen können.“

Ich: *denke: hahaha, nie im Leben, eher ziehen wir hier aus* „Ich kann das nicht jetzt sofort entscheiden. Ich muss auch erst mit meinem Mann reden.“

W.: „Ja, überlegt das mal.“

Bob: „Wir versuchen, uns da nach euch zu richten, so gut es geht, aber das ist ja hier alles gar nicht zulässig… was ist denn das da für ein Kabel?“

Ich: „?“

Bob: „Das kommt hier doch innen irgendwo raus…“ *latscht einfach rein, durchs Bad, durch die Küche, ins Wohnzimmer* „Nee, hier auch nicht. Komisch. Das muss ja irgendwo rauskommen. Das ist ja so alles gar nicht zulässig.“

W.: „Ja, also, überlegt das mal, wie ihr das machen könnt im April. Wir kommen dann gleich nochmal und vermessen die Tür.“

*beide durchs Bad wieder ab*

Tja, wie soll ich sagen. Ich bin jetzt Mitglied im Mieterbund, habe auch direkt da eine Anfrage gestellt, was wir da machen können (EINE WOCHE OHNE WASSER, HAKTS?!?) und weiß von zwei Wohnungen ums Eck, die frei sind und die in Frage kämen. Ich hoffe einfach, dass wir gaaaaanz schnell aus unserem Mietvertrag rauskönnen. 

Um meinen Kopf zu lüften ging ich danach zur Festung (eigentlich wollte ich Hagebutten ernten, wurde aber nur von sehr zufriedenen und dicken Vögeln ausgelacht), heulte da ein bisschen rum weil ich so ne Scheiße grad echt nicht auch noch gebrauchen kann und dann ging ich durchs Øvre Bakklandet an Bispehaugen vorbei nach Hause zurück. 

Blick über Dom und Nidelven.

Heute war irgendein Flaggentag.

Vielleicht können wir ja da einziehen.

Oder da. (Das ist ein Bunker.)

Bispehaugen sieht in der Sonne immer total schön aus, finde ich.

Nur noch dreieinhalb Monate bis Frühling. Seufz.

Tag 546 – Follow-Ups. 

Follow-Up 1: die Putzhilfe war heute da. Sie hat noch nicht geputzt, sondern wir haben erstmal nur geredet und uns auf die Modalitäten geeinigt. Ab nächster Woche wird sie Montags früh kommen, wir lassen sie dann rein, wenn wir zum Kindergarten aufbrechen, was den Vorteil hat, dass wir ihr keinen unserer schlecht funktionierenden Haustürschlüssel geben müssen (von außen abschließen kann man ja eh nicht, wenn sie geht kann sie also einfach hinter sich zuziehen). Überhaupt war sie sehr nett und eins meiner To-Dos ist jetzt, herauszufinden, wie man eine Haushaltshilfe in Norwegen legal beschäftigt. 

Follow-Up 2: Projekt ‚Entspannen‘ läuft. Wenn auch auf den ersten Blick unkonventionell: ich räume auf und putze. Nicht viel, aber ein bisschen. Heute habe ich Staub gewischt im Schlafzimmer, das haben wir seit Ewigkeiten nicht gemacht und entsprechend nötig war es. Auch Ausmisten und Aufräumen ist nötig, und ich stelle fest, wie viel besser es mir geht wenn es um mich rum einigermaßen ordentlich ist. Vielleicht liegt es daran, dass ich jetzt nicht mehr beim Anblick wirklich jeder Ecke in der Wohnung mich heulend zusammenrollen möchte, weil so viel zu tun wäre, dass ich komplett überfordert bin. Ich habe mir vorgenommen, mich schrittchenweise durch die Wohnung zu arbeiten, heute Kram auf den Dachboden bringen, morgen Zeug zum Verschenken/Verkaufen ins Internet stellen, übermorgen vielleicht mal im Wohnzimmer staubwischen. So bleibt auch noch Zeit für

Follow-Up 3: Spazieren gehen. Heute ging ich von zu Hause aus durch Svartlamoen (das alternative Viertel, da wohnen auch Trondheims Drogis, deshalb hat die Ecke totaaaaaaal hohe Kriminalitätsraten, also geringfügig über null) an der Dahls-Brauerei lang durchs Industriegebiet um den Ladehammer herum (da hab ich mich kurz verlaufen, mit einem Mal war ich irgendwie doch oben auf dem Felsen…) nach Korsvika. In strahlendem Sonnenschein. Das war echt schön. 


Leider war der Weg sehr vereist und dafür hatte ich die falschen Schuhe an, sonst wäre ich noch weiter in Richtubg Ringvebukta gegangen. Ich dachte nämlich, ich könnte ja mit dem Spazierengehen auch meinen Füßen etwas Gutes tun und Schuhe mit Einlagen tragen. Die haben aber leider kein ordentliches Profil. Tjanun. So saß ich einfach ein bisschen in Korsvika auf dem Felsen (merke: morgen unbedingt eine Sitzmatte mitnehmen) und genoss die Aussicht und die Sonne. Es gibt schon schlimmeres. 


Überhaupt muss ich echt mal sagen, wie froh ich bin, dass der Arzt erstmal nur von Essen, Schlafen und Spazieren gehen sprach und nicht gleich mit SSRIs um sich geworfen hat. Sehr froh bin ich da. Sehr, sehr froh. 

Tag 543 – Spazieren gehen. 

Das mit dem Spazieren gehen habe ich heute mal ausprobiert. Eigentlich wollte ich schon zur Uni laufen, ich musste ja eh meine Krankmeldung abgeben und auch mit meinem Chef wollte ich gerne persönlich sprechen und nicht einfach per Mail mitteilen, dass ich die nächsten zwei Wochen nicht komme. Dann war es aber nach einem kleinen Wellness-Programm (Haare färben und so, Zeug, für das mir die letzten zwei Wochen abwechselnd der Antrieb und die Zeit fehlten) und ausgiebigem Frühstück mit mir selbst schon elf und mir fiel ein, dass der Chef ja ab zwölf im Gruppenmeeting sitzt. Naja, ich nahm also den Bus, sprach mit meinem Chef (alles gar kein Problem, quasi ideales Timing, während ich auf Bestellungen warte kann ich ja eh nix machen und Krankschreibungen von mindestens zwei Wochen werden an die Projektfinanzierung einfach drangehängt (das ist was, was in Norwegen einfach total super ist!), also auch das: kein Ding. Gute Besserung und so.), schickte die Krankmeldung per Hauspost an die Verwaltung, nörgelte per Email an, warum meine Reisekostenabrechnung noch nicht bewilligt ist, blieb dann noch zum Meeting (wegen des Kuchens) und dann ging ich zu Fuß durch die Stadt nach Hause. 

Erstmal: ich bin nicht gut im Spazieren gehen. Grundsätzlich habe ich absolut gar nichts gegen Laufen: solange es ein Ziel gibt, gehe ich sogar lieber zu Fuß als beispielsweise Fahrrad zu fahren. Dann gehe ich gerne schnell und zielstrebig und ja, da kann ich mich dann auch an frischer Luft und Sonne erfreuen oder den Regen ignorieren. Aber so einfach in der Gegend rumlaufen, das ist so mittel. Deshalb auch als erster Ausflug: durch die Stadt. Ich brauchte neue Bodylotion und ach, mal durch die Läden bummeln hab ich ja so ganz ungestört auch schon länger nicht mehr gemacht. 
Ungefähr nach zwei Minuten laufen merkte ich, dass ich unheimlich schnell ging. Ich rief mich zur Ordnung, ich sei ja nicht auf der Flucht, sagte ich mir. Ich versuchte, Wege zu finden, die Sonnenbeschienen waren. Gar nicht so einfach, weil die Sonne immer noch sehr tief steht und die Häuser entsprechend lange Schatten werfen. Je mehr ich mich dabei von der Uni entfernte, desto besser und leichter fühlte ich mich. Es wird schon gehen. Vielleicht schaffe ich es sogar, in den zwei Wochen gar nicht zu arbeiten. (Sie lachen. Ist in Ordnung: Ich lache auch ein bisschen über mich. Und das ist super: mein Humor ist wieder da!) 

Was allerdings nicht ging, war bummeln. Ich war immer noch wie unter Strom, stand ewig vorm Nagellackregal und entschied mich dann doch dafür, in den USA ordentlich zu shoppen. Nagellack und außerdem hätte ich gerne mehr qualitativ gute Lidschatten, gerne bunt. Tipps sind Willkommen. Und Lippenstift. (Jaja, das lohnt sich schon sehr, das in den USA zu kaufen, Kosmetikprodukte sind hier schweineteuer.) Mir 6 Tage lang von 08:30 bis 21:30 durchgehend (!!!) Zeug anhören, das schaffe ich eh nicht. Da ist ein Ausflug irgendwohin zum Einkaufen eine gute Idee. Bestimmt. 

Also jedenfalls kaufte ich keinen Nagellack. Und im ersten Laden auch keine Bodylotion, weil es nur die gab, die ich gerade habe und die ist blöd. (Ich suche nach einer parfumfreien, ich vertrage das Parfum oft nicht so gut und mag das auch nicht so, nach drölfzig verschiedenen Sachen zu riechen.) Dann rannte ich (unter Strom!) zu einem anderen Laden und kaufte da die andere parfumfreie Creme aus dem Babyregal. Wenn die auch blöd ist, bleibt nur noch die Apotheke mit entsprechenden Preisen. 

Mit dem Kauf der Bodylotion war aber ja meine Mission erfüllt, also „bummelte“ ich. Gänsefüßchen. Riesige Gänsefüße! Ich ging immernoch sehr schnell. Und ich fand nichts. NICHTS! Ich fand alles blöd. Und das was ich nicht total blöd fand (mal ehrlich: diese Mode, dass man so Schlafanzughosen trägt, ein bauchfreies Top und darüber so ne Art Bademantel: wäh!) war so schlicht, dass ich dachte: das kannste dir auch selber nähen, nur dann halt in nem schöneren Stoff. Am Ende war ich so frustriert, dass ich am liebsten direkt Stoff eingekauft hätte. Das wirklich einzige, das mir gefiel, war ein türkiser Wollmantel in einem Laden namens Namastë (fragen Sie nicht) und der war mir, obwohl runtergesetzt, viel zu teuer. Ich trabte also mit meiner Bodylotion nach Hause, nahm mir noch einen Kaffee auf dem Weg mit und tat dann etwas, das mich wirklich entspannt: Fernsehen. Und Stricken. 

Danach hatte ich dann so viel Energie wiedergewonnen, dass ich die Kinder abholen konnte, wir machten Milchreis und aßen halbwegs harmonisch und dann gingen beide relativ fix ins Bett*. Und jetzt werde ich gleich lesen. In einem Buch. Sachen gibt’s…

Nächste Woche versuche ich es dann mal mit dieser Natur die da draußen überall ist. Vielleicht geht das mit dem Spazieren gehen da besser. 

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*Herr Rabe ist dieses Wochenende auf dem alljährlichen Skitrip seiner Firma. Grandioses Timing, er hat auch angeboten, hier zu bleiben, aber ich schaffe das schon. Notfalls gibt’s dann eben viel Dino-Zug. Oder ich gehe mit den beiden spazieren, die können das auch nicht schlechter als ich. 

Tag 542 – Kaputt. 

Nach einer aus vielen Gründen höllischen Nacht und einem nicht minder furchtbaren Morgen fuhr ich heute nach dem Abliefern im Kindergarten zur Arbeit. Da kam ich aber nie an, sondern fuhr zum Arzt, der liegt auf dem Weg. Einfach so. Ohne Termin. Um viertel vor neun war ich da, um neun durfte ich mit der Sekretärin sprechen und bekam einen Termin für halb zwölf. Aus Angst, nicht noch mal den Mut aufzubringen, herzukommen, blieb ich einfach im Wartezimmer sitzen. Und jetzt bin ich krank geschrieben. Rechtzeitig um das Poster für die Konferenz zu basteln, darf ich wieder arbeiten. Bis dahin soll ich essen, schlafen und spazieren gehen. 

Bevor Sie sich jetzt Sorgen machen: es geht mir soweit gut. Ich bin nur sehr, sehr erschöpft. Richtig kaputt. Und ich will meinen Kindern nicht als „bedrohlich emotional“ in Erinnerung bleiben. Insofern war das vermutlich eine der erwachseneren Aktionen in meinem Leben bisher: die Notbremse zu ziehen. 

Jetzt muss ich mich nur noch selbst damit anfreunden. 

Tag 541 – Kichererbsen. 

Wir hatten heute Projektmeeting, mit dem Struktur-Projekt. Etwas peinlich: wegen zu viel zu tun mit dem RNA-Projekt und dauernd kranken Kindern hatte ich seit dem letzten Meeting vor, hüstel, sechs Wochen daran rein gar nix gemacht. Das machte aber nichts, auch ohne große Beiträge von meiner Seite überzogen wir kräftig. Darüber hinaus war das ganze Meeting auf Norwegisch. Das ist für mich normalerweise kein Problem mehr, heute waren es aber verschärfte Bedingungen, nämlich

  • Vier verschiedene Dialekte: Trøndersk (Leksvik), Pen-Trøndersk, Østfold und Oslo
  • Meine österreichische Kollegin die einen starken österreichischen Akzent im Norwegischen (im Englischen auch) hat
  • Mein dänischer Co-Supervisor, der stur Dänisch spricht. 

Ich kann gar kein Dänisch. Den Rest verstehe ich ja, selbst die Österreicherin kann ich verstehen, aber Dänisch? So hört sich für mich Dänisch an: „Gouwuuuluowuuul uiiiiiche bjüül.“ Äh. Als der Däne dann sowas sagte wie „Henäääde scherüüüüü schom schiekärtr, mens häääärerejü bare skuuug.“ was vielleicht heißen sollte „Hier unten (her nede) sieht das ja aus (ser det jo ut) wie Kicherebsen (som kikerter), während das hier nur Wald ist (mens her er det jo bare skog).“ oder auch was ganz anderes, da musste ich doch sehr auf meine Zunge beißen um nicht laut loszulachen über diese absurde Situation, sieben Leute in einem Raum und sechs verstehen den siebten nicht, was der aber einfach ignoriert. 

Ergebnis des Meetings übrigens (soweit ich das mitbekommen habe): es geht voran. Und da waren sie wieder, meine zwei Probleme. Zwei Projekte, sie haben nichts miteinander zu tun und beide laufen nahezu gleich gut. Vielleicht sollte ich einfach zwei PhDs machen?

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Kurz nebenbei: nächste Woche Mittwoch wird hier das FM-Radio abgestellt. Ab dann gibt’s nur noch DAB+ und Internetradio. Die Info kam heute mit der Post (frühzeitig vorwarnen ist nicht so der Norweger Ding). Die Mobilfunkanbieter reiben sich schon die Hände und empfehlen jedem, doch einfach im Auto das Internetradio zu nutzen. Und die DAB+-Empfänger werden wohl auch die nächsten Wochen nicht gerade billiger werden. Tja, dann brennen wir wohl wieder CDs fürs Auto. 


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Der Papa eines KiTa-Kindes hat mit dem norwegischen Team den 2. Platz beim Bocuse D’Or -Kochwettbewerb belegt. Da kann man schon mal die Fahne hissen. (Norwegen. International bekannt für seine herausragende Gourmetküche. Oder so.)

Tag 540 – Mehr Zeug. 

Beide Kinder sind wieder fit und können beide morgen wieder in den Kindergarten. Raten Sie, wer jetzt vermutet, krank zu werden? Bingo: ich. Yeah. 

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Der Kindergarten schrieb heute eine etwas merkwürdige Mail mit dem Tenor: alle sind krank, also tut doch bitte einfach weiter so, als gäbe es die 24-Stunden-Fieberfrei-Regen noch, als wir die nämlich noch hatten waren nicht alle krank. Merkwürdig ist das weil wir zum Einen gar nicht mitbekommen haben, dass diese Regel abgeschafft wurde und zum Anderen ist eben Januar. Und das ist ein Kindergarten. Wundern die sich echt drüber, dass KiTa-Kinder sich untereinander mit ihren Rotznasen anstecken?

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Heute kam ein Paket von meinem Schwiegervater an. Mit Absender: 29.11.16. Darin: Süßkram, der wohl mehrmals zu warm und zu kalt geworden ist. Zeitgleich hat mein Schwiegervater ein anderes Paket abgeschickt, das am 06.12. ankam. Wie kann sowas sein?

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Es kam auch noch ein Päckchen von einer Twitterin an, darin Nagellack (Schickes, Dunkles Rot, ich bin ganz hin und weg), Katjes (Katjes! Herzchenaugensmiley!) und Nagelöl. Um Letzteres hatte ich sie gebeten, weil meine Fingernägel dank des häufigeren Lackierens in einem katastrophalen Zustand sind. Ich gehe ja erstmal davon aus, dass der Effekt auf den Nagel an sich eher ein gefühlter sein wird, das ist ja totes Horn, da kann ja nix „repariert“ werden. Aber vielleicht ist das was nachwächst dann tatsächlich stabiler, weil elastischer. Ich werde berichten. 

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Ich musste heute keine Mäuseorgane pürieren und bin darüber sehr dankbar. Meine Kollegin fand noch fertig isolierte RNA im Gefrierschrank. Puh. 

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Pippi kann jetzt ein neues Wort: Nein. (Hurra!) Und wenn man sie bittet, wiederholt sie alles was man sagt, heute war das „fertig MIT kacken“, Michel sagt nämlich immer „fertig und kacken“ weil das norwegische „å“=“zu“ (das im Norwegischen an der Stelle richtig wäre) sich genauso anhört wie „og“=“und“. Bei Pippi hörte sich das dann an wie „fedee me kaake“ und war auch sonst sehr viel niedlicher weil weniger situationsnah. 

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So, und jetzt mache ich den Bildschirm aus. Die Kopfschmerzen werden es mir hoffentlich danken, indem sie verschwinden. 

Tag 539 – Zeug. 

Heute hat soweit alles geklappt, bis auf den Part mit dem zu Hause lesen. Tjanun. Dafür stimmen unsere Finanzen jetzt wieder. 

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Michel geht es besser, aber noch nicht gut. Heute sah er ein paar Folgen Dino-Zug. Nach anfänglicher Unsicherheit finde ich die Serie ziemlich gut, denn 1. sind die Figuren echt niedlich, 2. ist die Musik ganz gut und 3. lernt man echt was. 

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Mein Chef hat mir ein uneingeschränktes Go für Chemikalien-Shopping gegeben. Wär doch gelacht, wenn wir die RNA nicht sequenziert bekämen wenn wir sie mit Geld bewerfen.

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Die Austernpilze ärgern mich: die werden immer am Strunk schon trocken. Ich glaube, es ist ihnen zu trocken hier in der Wohnung. Aber im Keller oder draußen ist es zu kalt. Da müssen wir wohl aufs Frühjahr warten. 

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Die Paula’s Choice Creme (Hellblau, ohne LSF) ist endlich alle. Die hat jetzt mehr als fünf Monate gehalten. Die ist auch echt toll, aber in Erwartung einer viel geringeren Ergiebigkeit (zur Erinnerung: der Tester in 1/6 der Größe reichte grade mal eine Woche) habe ich schon vor Monaten eine andere, etwas günstigere PC-Creme gekauft, ohne Anti-Age. Mal sehen, was die kann. Eigentlich wollte ich ein vorher-nachher-Bild von meinem Faltenstatus machen, aber das scheiterte heute daran, dass ich Pippi umgebunden habe und sie nicht durch schonungsloses Beleuchten meines Gesichts wecken wollte. 

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Mein Zyklus ärgert mich aus diversen Gründen auch und wenn wir es nicht in näherer Zukunft nach Deutschland schaffen, muss ich wohl hier mal für viel Geld  zu einem Gynäkologen*.

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Und auch mein Phantomzahnschmerz erreicht gerade neue Höhepunkte. Damit war ich schon diverse Male beim Zahnarzt, der immer wieder bestätigte: da ist nichts. Zumindest nichts, was er im Röntgen oder mit seinen Augen sehen kann. Zum*r Neurologen*in solle ich mal gehen. Das war mir aber auch immer zu blöd. Es geht ja auch immer wieder weg, irgendwann nach ein paar Monaten. Vorgestern schrubbte ich in meiner Verzweiflung extra gründlich mit Zahnseide und (Achtung, eklig) dabei muss ich in irgendwas reingeschnitten haben, jedenfalls blutete es mit einem Mal wie Sau und danach war der ganze Druck weg. Ich merke mir das mal, vielleicht kann ich damit den Zahnarzt beim nächsten Mal zum Lachen bringen. 

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Vielleicht bin ich grad etwas im Stress. 

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Nach dem ganzen Gemecker: hier ein Bild von Baby-Michel. Das war beim Umzug nach Norwegen, in unserer Kabine auf der Fähre. So lang her… 

Michel hebt die rechte (!) Augenbraue. Vielleicht ist er doch nicht mit mir verwandt.


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* Ja, ich bevorzuge männliche Gynäkologen. Nach einigen wenigen aber ausnahmslos unschönen Erfahrungen mit Gynäkologinnen bin ich da stur. Ich bin geneigt, den Frauen da generell eine „stell Dich nicht so an“-Haltung zu unterstellen. Total schlimm verallgemeinernd und diskriminierend, das ist mir bewusst. Aber gerade wenn ich 1200 NOK für die Konsultation bezahlen soll, möchte ich wenigstens ein vorgewärmtes Spekulum mit Respekt und Gefühl behandelt werden.