Tag 413 – Fragebögchen. 

Heute, ich auf dem Weg zum Meeting.

Telefon: bsssbssssbssss (Trondheimer Nummer, kommt mir vage bekannt vor. Wieder so Verkaufsheinis? Egal, im Abwimmeln bin ich Profi.)

Ich: Ja, hei?

Frau: Ja, hei, Strindheim Helsestasjon. Bin ich da bei Frau Rabe?

Ich: Jaaaa…? (Oh weh. Hab ich nen Gesundheitscheck verpasst???)

Frau: Wir hätten morgen einen Termin für Michel zur 4-Jahres-Kontrolle, können Sie da?

Ich: Äähhhh. Wann denn morgen? (Morgen? MORGEN???)

Frau: Um 08:30 oder 09:30. 

Ich: Ähh. Ok. Dann nehmen wir doch 08:30. 

Frau: Gut, dann kriegen Sie gleich ne Terminbestätigung. Sagen Sie mir noch Ihre E-Mail-Adresse, wir haben da einen kleinen Fragebogen, wenn Sie den morgen mitbringen könnten…?

Ich: Vorname.Nachname (Wie heißt das @ auf norwegisch??? Krølledings.) krølledlglln NTNU.no

Frau: Gut, dann schicken wir Ihnen das per Mail. Bis morgen dann! Ha det!

Ich: Ja, danke! Ha det!

Tja, und jetzt entschuldigen Sie uns bitte, wir müssen noch 16 (!!!) Seiten Fragebogen ausfüllen. 

(Alle irre.)

P.S. Ist morgen ohne Impfung, so weit ich weiß. Wenn es Sie interessiert, können Sie aber meine Waldorf-Abenteuer nachlesen, da steht es sehr kurz umrissen. 

Tag 412 – Titeldummie. 

In meinem Kopf heute nur konfuses. 

Nächste Woche fahre ich schon nach Portugal. Das ist ziemlich verrückt. 

Der Chef besprach mit jemand anderem die Ergebnisse von meinem Experiment. Niemand sprach mit mir. Der Chef sagte „Ich muss nachdenken.“ und schloss die Tür zu seinem Büro hinter sich. Das macht er sonst nie. 

Die GEZ-Scheiße ist immer noch nicht vorbei. Es lässt einen schier verzweifeln, obwohl das alles über nen Anwalt läuft. Trotzdem: zum dritten Mal die Ummeldebestätigung aus September ’13 scannen, weil die jetzt behaupten, ich sei „laut Ihrer Unterlagen“ ja mindestens bis April ’15 beitragspflichtig, ist überaus nervtötend. (Ich auch übrigens völlig alleine. Herr Rabe wurde noch gar nicht mit 7000 €- Nachforderungen beglückt. WARUUUUUM???)

Nach einer Odysee der Nachbarschaftskommunikation über Nachrichten-Gruppen habe ich endlich Feuerholz bestellt. Es wird nächste Woche geliefert. Der Holzmann (nicht der vom letzten Jahr!) will wissen, ob er noch mehr liefern soll. Meine Motivation, das gerade so geschlossene Fass wieder aufzumachen und zu fragen, ob wer noch mehr Holz haben will, geht gegen null. 

Ich wollte für Herrn Rabe was ganz tolles zu Weihnachten nach Deutschland bestellen, also so dass wir das jetzt im Oktober mitnehmen können, und das gibt es (noch?) nicht. 

Michel hat übernächste Woche schon Geburtstag. Aaaahhhh!!! (Noch kein Geschenk besorgt, er soll nen Schwimmkurs kriegen, aber man kann sich noch nicht anmelden, Partyplanung hab ich so halb wegdelegiert an M., deren Sohn und bester Kumpel von Michel die Woche drauf 5 wird, wir wollen eventuell zusammen feiern, die Gäste wären wohl eh zu 90% redundant und Norweger haben absolut kein Problem mit Vorfeiern.)

Michel sorgt sich immer noch über Kampfflugzeuge und ob wir im Falle einer Flucht wohl Spielzeug und alle (!) unsere Bücher mitnehmen könnten. 

Pippi mag nicht einschlafen im Moment, ich glaube sie weiß selbst nicht so ganz, was sie will, mal will sie raus aus der Trage, dann will sie wieder auf den Arm, dann Trage, aber bitte mit Mama in den Hals kneifen, dann schlägt sie mich plötzlich oder dreht meinen Kopf weg, dann schlingt sie wieder ihre Ärmchen um meinen Hals und zieht mich ganz nah ran: das ist alles sehr wirr. Das geht dann so zwanzig Minuten, dann schläft sie doch ein und dann erstmal wie ein Stein. 

Ich habe gestern mein Fahrrad repariert. Das Hinterrad hatte sich nach vorne geruckelt, ich nehme an eine ungute Kombi aus Anhänger und Kopfsteinpflaster ist schuld. Gestern war ich dann doch etwas panisch und ließ das Rad zu Hause, fuhr mit dem Bus zur Arbeit und ging zu Fuß zurück. Reparierte unter Einsatz aller meiner Muttisport-gestählten Muskeln das Rad und fuhr heute mit gutem Gewissen und festem Reifen wieder Fahrrad. 

Ich machte Pizza und wollte zwischendurch alles hinschmeißen. Kack Teig, einen Tacken zu klebrig, dann hings am Schieber fest, Käse auf meinem schönen Backstein. Hrmpf. Aber lecker. Sogar Michel aß ein Stück eines Stücks weißer Pizza mit Lachs, gegrillter Zucchini und frischem Rosmarin. Ich konnte meinen Augen kaum glauben. 

So müde, dass mir die Augen zufallen. Gute Nacht!

Tag 409 – Samstag in Bildern. 

Menschen, die ihr „Blog Frau Rabe“ googelt: Hallo! Willkommen in meiner chaotischen Welt! Dies ist sowas wie mein Tagebuch, nix groß politisches, viel Kinderblabla, manchmal Zeug über meine Arbeit, manchmal Zeug über Norwegen. Ich hoffe, das enttäuscht Sie jetzt nicht total.

Außerdem möchte ich aus Gründen mal nach Finnland rüberwinken! Kippis! (Mehr Finnisch kann ich leider nicht, ich stelle mir das auch super schwer zu lernen vor, oder?)

So, jetzt ist aber auch genug des Vorabgeplänkels. Es folgen ein paar Impressionen von heute. 

Frühstück und so ohne Bilder. Frühstück halt, Besonderheit vielleicht die frischen Brötchen, die Herr Rabe wegen akuter Backfaulheit seiner Frau heute früh holte. Waren aber nicht so der Knüller und ziemlich teuer. Nach dem Frühstück gab es etwas Reibereien zwischen den Kindern: Michel spielt gerne mit Dingen direkt vor Pippis Nase, rastet dann aber aus, wenn sie ankommt und es antatscht. Ja, sie macht dann auch mal Duplogebäude oder Zugschienen kaputt oder isst ein Gemälde, aber tjanun, dann soll er mit seinem Krams woanders hingehen, die Wohnung ist wahrlich groß genug und ich kann Pippi ja auch nicht anbinden. Naja, jedenfalls brüllte Michel in einer Tour „NEIN! NEINEINEIN!!! Mamaaaaa! PIPPI WEGNEHMEN!!!“ was mich dezent auf die Palme brachte, allerdings schaffte ich es diesmal, nicht die Kinder anzuschreien, sondern steckte sie einfach in die Badewannen. Das klappte wunderbar. Plötzlich spielten sie friedlich, Michel gab Pippi was von seinem Kochgeschirr, das er in die Wanne mitgenommen hatte, ab und beide plantschten vergnügt vor sich hin. 

Michel ist bald echt einfach zu groß für die Wanne, was machen wir dann nur als Deeskalationsprogramm?


Während die Kinder badeten und ich duschte kaufte Herr Rabe ein und besorgte ein Geschenk für Michels Kumpel E., der am Donnerstag 4 wurde und heute feierte. Als er wiederkam empfingen ihn drei fröhliche, wohlriechende und streichelzart eingecremte Menschen, mit Kleidung an und geföhnten Haaren. Ich bin darauf ein bisschen stolz, ja. Außerdem rief Michel zur Begrüßung: „Papa! Mama un ich Muffins machen!“.  

Endlich sind die Backmischungen der Schwägerin alle.


Nach einem kurzen Mittagsschlaf für Pippi und Muffinbäckerei und Geschenk einpacken ging es los zu E.s Geburtstag. Da waren ca. 1000 Leute und ich war davon dezent überfordert, also hielt ich mich an Pippi fest. 

Pippi steht auf Autos. Das hier ist sogar ein Transformer, der sich nach dem Ausflug in den „Sand“kasten nun etwas schwerer transformieren lässt, als vorher.


Auf dem Geburtstag war auch ein großer Spiderman (E.s Onkel), den fand Michel, der sonst dauernd von Spiderman redet (Spiderman boxt so cool, das macht er gerne vor. Er hat Spiderman noch nie gesehen, weder als Comic noch als Film.) ziemlich unheimlich. Beim Geschenke angeln traute er sich dann aber doch wieder von meiner bzw. Herr Rabes Seite. 

Mein ganzer Stolz: man kann keins von den fremden Kindern richtig erkennen.

Wir blieben nach dem Aufräumen noch auf einen schnellen Kaffee, weil die Kinder noch spielen wollten. Pippi atmete schnell die Reste an Blau- und Erdbeeren ein, ich überlegte, wie ich den furchbaren Kaffee, der sicher schon drei Stunden in der Thermoskanne zugebracht hatte, runter kriegen sollte. Ich entschied mich für kurz und schmerzlos, exte die Tasse, als sie nur noch lauwarm war, hielt mit Mühe meine Gesichtsmuskulatur im Zaum und bekam postwendend Sodbrennen. Ziemlich bald drauf fuhren wir nach Hause. 

Der Kindergeburtstag hat Opfer gefordert.


Pippi war auf der Rückfahrt eingeschlafen und wachte auch nicht auf, als wir sie ins Bett legten. Genau genommen wachte sie bis zum Abendessen nicht mehr auf. In der Zeit, in der sie schlief, räumte ich etwas auf. 

Vorher. Es fehlen: zwei Feuerwehrleute, ein Papagei, ein Panda, Trauben, das Herz, ein pinker und ein blauer Fisch und zwei Bauklötze.

Nachher. Ich fand auch noch den Papagei. Der Rest ist weder unterm noch im Sofa, noch im Regal. Vermutlich in irgendeiner Spielzeugkiste.


Nach dem Essen (Rest von gestern) wurde unter den kritischen Blicken der Kunden am Lernturm gebaut. 


Sie denken jetzt vielleicht, dass die gar nicht kritisch aussehen, sondern eher wie Quatschnasen in Schlafanzügen, aber das täuscht. Michel hat’s schon voll raus. Sowohl das Posen fürs Foto als auch kritische Anmerkungen. „Zwei Schrauben!“ und „Nein, das muss da so nach innen!“ und „Das dauert mir zu lange!!!“ – Herr Rabe tat mir schon etwas leid. 

Tag 407 – Schneller Mix. 

Morgen ist ein Mini-Symposium, zu dem ich gehe. Das fängt um 08:20 an, ich möchte gerne um 07:30 mit den Kindern hier los, es ist schon spät aber dafür alles vorbereitet: Brotdosen, Frühstück, Klamotten rausgelegt und mein Kleid ist auch noch fertig geworden. 

Wenn der Mann von mir komische Posen verlangt („Schultern zurück! Noch mehr! Noch mehr! Und jetzt das Kinn nach vorne!“) kommt das dabei raus.

An das Klamotten selber nähen könnte ich mich gewöhnen. Das macht Spaß, entspannt (wenn man nicht grad fünf Zentimeter vor Ende der letzten Naht neuen Unterfaden aufspulen muss) und man hat am Ende Dinge, die einem wirklich gut gefallen. Zum Beispiel weil sie voller Pinguine sind. Und Taschen haben. 

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Im Ballettbody sieht man die ganze Pracht der Kalbsschnitzel sehr deutlich. Stellte ich heute so ganz achtsam beim Blick in den Spiegel fest. Und stellte auch fest: is schon ok. Is alles ok so. At peace with my body. 

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Das hässliche Tattoo der einen hübschen beim Ballettkurs ist jetzt nicht mehr ganz so hässlich. War wohl vor ein paar Wochen noch frisch, inzwischen erkennt man mehr Details. Aber gefallen tuts mir immer noch nicht. Ich hoffe ihr schon. 

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Apropos. Vermutlich finden die Mädels beim Ballett mein Tattoo* auch nicht ganz so hübsch. Ich seh es ja quasi nie. Aber ich weiß, dass die Linien inzwischen recht breit gelaufen sind und die Schattierungen nicht mehr ganz so schön. Wäre eigentlich Zeit, das mal nachstechen zu lassen, aber die Erinnerung an die Schmerzen hat sich die letzten 12 Jahre ganz gut gehalten. 

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Pippi hatte einen richtig guten Tag im Kindergarten. Schlief 2 Stunden (im Bett, alleine!!!), aß Brot und Obst und Joghurt und spielte sehr fröhlich im Sandkasten. Da lief sie auch herum, zum Erstaunen der Betreuer*innen, die das so noch nicht gesehen hatten. Drinnen läuft sie schon mehr, aber da hat sie ja auch keinen Michelinmännchen-Parkdress an. Es ist sehr sehr erleichternd, zu sehen, dass sie im Kindergarten inzwischen eine gute Zeit hat.

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Michel zieht keinen Michelinmännchen-Parkdress mehr freiwillig an und deshalb braucht er im Moment täglich für den Kindergarten ne neue, gewaschene Hose. Und wir waschen uns nen Wolf. 

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Frustrierender Mist bei der Arbeit, aber dafür werden die Proben für das Nature-Paper jetzt endlich gemessen. 

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Das wars. Gute Nacht!

*Eine Elfe. Nackt. Auf meiner Schulter. Is schon ok so ;)

Tag 406 – Energieloch. 

Ich bin eine Eule. Ich finde das an sich auch nicht schlimm, nur leider hat der Kindergarten nur bis 16:30 auf, davor müssen 8 h Arbeit erledigt sein, deshalb muss ich völlig gegen meinen Biorhythmus (und den meiner Kinder) mitten in der Nacht aufstehen, die Kinder wecken und sie zum Kindergarten bringen. Das bezahle ich doppelt und dreifach teuer: morgens komme ich kaum aus den Federn. Dann bin ich sehr langsam, sodass das morgendliche Fertigmachen ewig lang dauert (dauert es wirklich, das ist nicht nur Gerede. So an die zwei Stunden von Weckerklingeln bis Haus verlassen.). Bis ich bei der Arbeit bin bin ich dank frischer Luft und so doch meist wach und arbeite dann auch effektiv: bis etwa 14:00 Uhr. Da ist das erste kleine Loch, das wird konsequent mit Kaffee gestopft und dann geht’s noch mal für zwei Stunden. Dann muss ich ja eh nach Hause (meistens jedenfalls) oder die Kinder abholen, nochmal Bewegung und frische Luft lassen mich dann bis ca. 18:00 Uhr ganz gut durchhalten und dann kommt das richtig große Energieloch. Um 19:30 bin ich soweit, dass ich im Stehen oder vermutlich auch im Gehen (oder Pippi in den Schlaf schaukeln) augenblicklich einzuschlafen drohe. Ich gehe aber fast nie dann schon ins Bett, wegen Me-Time und To-Do-Liste und vermutlich noch drei bis vier Anglizismen, die mir grad aber nicht einfallen. (Einzige Ausnahme sind die (vielen) Male, in denen ich bei einem der Kinder mit einschlafe. Und da bin ich hinterher immer grantig, weil ich da unbequem liege/sitze/hänge und mir nach so nem Nickerchen dann alles weh tut und außerdem: die Anglizismen.) Und um 20:30 drehe ich dann nochmal auf, bis gegen 23:00 Uhr. Vor halb zwölf schlafe ich fast nie und jeden Tag um sechs bereue ich es wieder. 

Es wäre so schön, wenn Gleitzeit echte Gleitzeit wäre. Ich glaube ich könnte total gut konzentriert von ca. 11:00 Uhr an acht Stunden arbeiten (mit Essenspausen halt, Sie wissen was ich meine). Wenn ich erst um neun Uhr aufstehen muss, reicht mir auch eine Stunde locker um mich fertig zu machen (und wegen besserem Nervenkostüm geht dann auch mit den Kindern alles besser und schneller), und wenn ich um Mitternacht im Bett war, reicht der Schlaf immernoch mehr als dicke aus. Ach ja, ach ja. Es wäre so schön…

Tag 405 – Gnääääääähhhh.

Erwarten Sie heute bloß keinen Content. Der Tag war ein Brei aus krankem/nicht-krankem Kind (Die Fiebermesspolitik. Sie erinnern sich? Heute probierten wir es, nach nicht mal 10 Minuten bei der Arbeit klingelte mein Telefon: 38,1. Als wir zu Hause ankamen waren es 37,9, ja ich weiß, das ist erhöhte Temperatur, aber Pippi war quietschfidel, futterte die ganze Zeit, spielte und lief (!) herum, sie wirkte auf mich einfach nicht krank. Aber Fieber ist Fieber. Seufz.) nach Nacht mit kaum Schlaf weil eben jenes Kind auf mir drauf lag und mir in den Hals kniff. Da war ich doch froh um die halbe Stunde Mittagsschlaf, die mir nach Arbeitsemails beantworten und was essen noch blieb. 

Für die Twitter-Problematik habe ich eine nicht ganz befriedigende Lösung gefunden, da sind jetzt alle Interaktionen mit Leuten, denen ich nicht folge, stumm. Dadurch verpasse ich bestimmt auch interessante Dinge, aber vor allem muss ich mir nicht zum 1000sten mal anhören, dass das Kleid doch schön ist und überhaupt, da sind Neuronen drauf, das weiß ich ja sicher nicht. Ich schätze mal ne Woche, dann regt sich das Internet über was anderes auf und ich kann die Benachrichtigungen wieder anschalten. 

Apropos aufregen: ich regte mich ja mal über die Phrase „Erziehung ist Gewalt“ auf. Sehr sogar. Dazu hat jetzt die Ökohippierabenmutter einen wie ich finde ganz tollen Text geschrieben, dafür noch mal viel Liebe! (Und das sagt hier eine, die sich geschworen hatte, ganz sicher nie mehr irgendwas von so Unerzogen-Vögeln zu lesen.) UPDATE: ich wurde darauf hingewiesen, dass manche wirklich wirklich überhaupt gar nix zu Unerzogen lesen wollen und dass ich nicht ganz klar gemacht hab, dass der verlinkte Text davon handelt. Also: TRIGGERWARNUNG! Unerzogen! TRIGGERWARNUNG!

Tag 404 – Wie ich mal versehentlich ne Welle machte. 

Eigentlich schuld an allem. (Es geht ihr übrigens ganz ok, kein Fieber, hat zusammen mit ihrem Bruder uns die Haare vom Kopf gefressen und weder viel geschlafen (leider) noch weniger gespielt.)


Pippi hatte nach einer überaus anstrengenden Nacht heute morgen 37,4 Grad Temperatur. Das ist kein Fieber, aber mit der Fiebermesspolitik* des Kindergartens hätten wir sie nach spätestens ner Stunde eh wieder abholen müssen. Also disponierten wir kurzfristig um und ich schleppte Pippi mit zur Arbeit, ich musste eh nur kurz Labordinge machen und sonst am Computer sitzen, das muss dann eben mal mit Kind gehen. Naja, es ging so halb, Pippi wollte dann auf der Tastatur rumkloppen, also kam ich doch zu nix. Dann wurde sie irgendwann müde und ich schob sie herum, zweimal im Kreis durch die Uniklinik, in der die Gebäude untereinander mit Brücken verbunden sind. Nach zwei mal schlief sie endlich, aber da war ich schon zweimal am Schrein vorbei gekommen. Der Schrein, das ist eine Vitrine zu den Nobelpreisträgern May-Britt und Edvard Moser (und John O’Keefe, der ist aber kein Norweger und wird deshalb konsequent ignoriert nur am Rande erwähnt). In der Vitrine ist ein großes Bild des Paares, eine kurze (wirklich sehr stark runtergebrochene) Erklärung des Themas, Kopien (nehm ich mal an) der Nobelurkunden, drei kleine Bilder aus dem Laboralltag (gaaaar nicht gestellt, wie so Fotos eben sind) und: das Kleid, das May-Britt Moser bei der Preisverleihung trug. Es ist ein meiner Meinung nach sehr schönes Kleid, und mein Nerd-Herz hüpft ein bisschen ob der Aufgestickten Nervenzellen, die die Zellen, die sie und ihr Mann (und O’Keefe) entdeckt haben, darstellen sollen. Ich bin schon oft an dem Schrein vorbei gelaufen, aber heute fiel mir zum ersten Mal auf, dass das Kleid ziemlich raumfüllend da steht, dass es doch eigentlich kaum was mit ihrer Forschung zu tun hat und dass ich mir wünschen würde, dass in so einer Vitrine nicht als Hauptsache „The Dress“ steht sondern etwas mehr zu der Forschung, vielleicht ein kleines Video**, ein Bild von der Verleihung mit Erklärung, dass es eben diese Nervenzellen sind. Denn, kommt man ohne Ahnung da hin, sieht man: Aha, Nobelpreis, irgendwas mit Ratten (iiihhhh!) und ein Abendkleid. Nun ja, ich verpackte mein diffus ungutes Gefühl in semilustige hundertvierzig Zeichen und twitterte:

Ich Idiot. 

Seitdem verbringe ich den Tag damit, mich zu erklären, das mit den Zellen erklärt zu bekommen (ca. tausend mal), mit Leuten mehr oder weniger fruchtbare Diskussionen zu führen, mit Alice Schwarzer verglichen zu werden, meinen ersten Troll kennenzulernen, mich als doof bezeichnen zu lassen***, kurz: es ist etwas anstrengend grad. 

Merke: nix mehr von Bedeutung twittern. Oder dickes Fell wachsen lassen. 

*wenns Kind schreit, am besten nach 10 Minuten Gebrüll, messen. Dann Eltern anrufen, weil 38,1. Meh. 

**Erklärung zum Video: die Ratte hat eine Elektrode im Gehirn, die (in einem örtlich stark abgegrenzten Bereich im enthorinalen Cortex) genau messen kann, welche Zellen gerade „feuern“. Das feuern wird durch die weißen Punkte angezeigt. Je nach Aufenthaltsort feuert immer nur eine einzige Zelle und das Muster der Zellen entspricht einer Karte der Umgebung. This is fuckin‘ awesome!

***weil ich ja nicht weiß, ob sie das nicht vielleicht selbst so wollte. Als wäre es nicht total egal, wer da findet, ein Kleid sei eine angemessene Darstellung für Wissenschaft. 

Tag 402 – Pilzrausch. 

Wir waren heute auf der anderen Seite vom Fjord, bei unserem Schaf-Freund. Allerdings diesmal nicht wegen der Schafe, sondern wegen der Pilze. Drei Stunden Pilztour später ist die Ausbeute: 

Das sind: ein Wiesenchampignon, viele Pfifferlinge, ein paar Brocken eines Steinpilzes, viele Birkenröhrlinge in verschiedenen Farben, einige Heiderotkappen und ein Hainbuchenröhrling. Ein Pilz, den unser Freund (der sehr viel bewanderter auf dem Gebiet ist, als wir) nur neidisch blickend mit „Oh, der ist gut!“ betitelte, ist irgendwie undefinierbar, sieht aus wie ein weißer Birkenröhrling, ist aber definitiv kein Gallenröhrling und auch nix giftiges. Also wanderte der zusammen mit allen anderen (außer den Pfifferlingen) in die Pfanne, morgen wird dann der Essensplan geändert zu „Ein Haufen Pilze mit kleinen* Kartoffeln“ und überhaupt war das ein ganz feiner Ausflug an einem ganz tollen Tag. 

Nachtrag: den Reizker hab ich vergessen in der Auflistung.

*die Kartoffeln sind so klein, dass sie im Supermarkt bei meiner Arbeit zum Sonderpreis angeboten werden. Norweger mögen keine Minikartoffeln. Ich hab jetzt für 1400 g sage und schreibe 9 Kronen bezahlt und musste dabei an meine Großeltern denken, die ihre Kartoffeln noch direkt beim Bauern holten und da immer auch „Kinderkartoffeln“ kauften: kleine Kartoffeln, die, glaube ich, teurer waren als die anderen. 

Tag 400 – Luft raus. 

Neulich las ich diesen Artikel über Brüste von Liz auf dem Blog Kiddo the Kid. Ich mag das Blog eigentlich sehr, und ich will auf gar keinen Fall irgendwem seine Body Acceptance ausreden, aber für mich ist kein BH leider keine Lösung. Und das Kalbsschnitzel-Ding kenne ich leider auch und zwar genau so. Weil 

  • 2010 – 75C
  • 2012 – 85D
  • 2013 – 80B
  • Anfang 2015 – 80C
  • Mitte 2015 – 85E (Aua)
  • Anfang 2016 – 80C
  • Jetzt – 80B

Ja, also kurz gesagt: durch das ganze Auf und Ab ist es eben vorbei mit der jugendlichen prallen Standkraft. Jetzt liegt da Haut auf Haut. Und wo Haut auf Haut ist und man auch öfter mal schwitzt, kann man schnell mal Candida albicans-Besiedlung kriegen. Been there, done that, brauch ich nicht nochmal. Deshalb bin ich überzeugte BH-Trägerin, und seit dem ersten Kind auch ausschließlich die mit vorgeformten und wattierten Cups, weil man sonst einfach immerimmerimmer meine Brustwarzen sieht. Ich habe eine Kollegin, der ist das egal, oder es ist ihr nicht bewusst, aber für mich ist das wie so ein Autounfall: ich kann nicht weggucken. Ich möchte aber bitte niemandes Autounfall sein. Und deshalb brauchte** ich neue BHs. Zum Geburtstag bekam ich einen entsprechenden Gutschein von Herrn Rabe, der kennt mich nämlich ziemlich gut. Und dann wartete ich erst aufs Tagsüber-keine-Still-BHs-mehr-tragen, dann doch lieber aufs ganz Abstillen und dann auf Angebote. Ich besitze nämlich vom Laden*, in dem es die besten bezahlbaren BHs gibt, eine Kundenkarte (sonst bin ich da total gegen, weil: ) und die schicken mir SMS mit Angeboten: 25 % off, 100 NOK für Einkauf > 500 NOK oder eben, und darauf wartete ich, 3 für 2. Heute war es so weit und ich bekam eine SMS und weil ich eh bei der Arbeit aus verschiedenen Gründen grad an allen Baustellen nur auf Dinge warte, fuhr ich einfach sehr früh nach Hause, holte den Gutschein und fuhr weiter zum Laden. 

Tja und dann stand ich da, etwas wehmütig die BHs, die mir früher mal super gestanden hätten, etwas staunend die BHs in Größen wie 65A oder 100E ansehend, mich dann kurz ärgernd, dass Bügellos scheinbar Trend ist, dann ein paar BHs einsammelnd, kann man ja mal probieren, so ohne Bügel. Und siehe da: an mein Herz (haha), bügellose BHs! Ich weiß nicht wie sie das gemacht haben, aber die haben es echt geschafft, einen BH zu machen, der ohne Bügel super sitzt, Halt gibt, Form gibt (also eine andere als die Kalbsschnitzelform) und dabei unfassbar bequem ist. Und jetzt besitze ich drei vier neue BHs (und zwei Strumpfhosen), davon drei ohne Bügel und vielleicht werde ich das noch bereuen, ich glaube es aber nicht. Jetzt noch waschen und dann bricht eine neue Ära der Bequemheit an, ich freue mich schon sehr. 

Haben Sie echt gedacht, ich zeig Ihnen Detailaufnahmen meiner Unterwäsche?


*Lindex, so, jetzt hab ichs gesagt. 

**(*hust* Naja, also brauchte und brauchte. Ich hab ja noch die von vor der Schwangerschaft mit Pippi. Aber die sind nur vier, davon sitzt einer nicht so gut und zwei sind wegen Dauerbenutzung schon recht runter und überhaupt wollte ich mir auch mal was gönnen.)