Tag 387 – So lala, so lala. 

Viele Ups and downs heute. 

Aufwachen um fünf wegen ach lassen wir das, jedenfalls schnell ins Bad gesprintet und danach nicht wieder richtig einschlafen können. Kann man machen, ist aber blöd. 

Ich durfte Pippi im Kindergarten lassen. Hurra. Sie war sogar kurz begeistert, ihre Bezugserzieherin zu sehen und wollte zu ihr auf den Arm. Dann lachte sie kurz und  als ihr das auffiel, geriet sie direkt in einen Loyalitätskonflikt gepaart mit dem üblichen Trennungsschmerz und weinte. Allerdings bekam ich sehr schnell eine Nachricht vom Kindergarten, dass sie sich schnell beruhigt hätte und spielt und lacht. 

Arbeit war dann aber nur so mittelgut, es geht alles soooo laaaangsaaaaaam und es nervt mich unendlich. Obendrein ein Meeting (immerhin mit Kuchen) und Lab Duty, also Dinge kalibrieren (mach ich gerne), putzen (mach ich generell nicht gerne, aber am liebsten noch im Labor), Sachen auffüllen (ist etwas nervig, aber im Großen und Ganzen ok) und Lösungen herstellen und abfüllen (mag niemand, deshalb ist die Liste herzustellender Sachen immer lang und es greift die Verantwortungsdiffusion, leider fühle ich mich oft mehr verantwortlich als andere und deshalb mache ich gefühlt immer viel viel mehr als viele andere). Und Zack, war der Tag auch wieder rum, ich druckte noch schnell (halb legal) ein zwei Schnittmuster aus, die ich mir aus Langeweile während irgendeiner Inkubationszeit herausgesucht hatte und fuhr nach Hause. 

Zu Hause festgestellt, dass die Ibuprofentablettenwirkung vom Morgen alle war und eine neue genommen. Trotzdem mit Menstruationskrämpfen from hell zum Stoffladen gefahren. 

Im Stoffladen voll günstig genau ausreichende, schlichte Stoffreste für die Schnittmuster  bekommen. Dann noch dies… Und das… Oh, Pinguine! Und Füchse! Zack, 400 Kronen. Naja, hätte schlimmer kommen können. Ist schon oft schlimmer gekommen, könnte man auch sagen. 

Zu Hause fröhliche Pippi und eskalierender Michel, weil Pippi zwei seiner dreitausend Duplosteine hatte. Dann fröhlich kleine Fressmaschine Pippi (Herr Rabe hatte gekocht) und eskalierender Michel, weil wir ihm nur eine Portion Nudeln ohne Soße abgenommen hatten und dann die restlichen Nudeln mit der Soße vermischt hatten und uns in seinen Augen dadurch als absolute Unmenschen qualifizierten. Dann fröhliche kleine Schlafanzug-Pippi und eskalierender Michel, weil Bettzeit. Dann sehr schnell zwei schlafende Kinder. 

Ehrlich, diese A-Phase raubt mir noch den letzten Nerv. Es ist meine tägliche Zen-Übung nicht das Kind an die Wand zu nageln  möglichst wenig herumzuschreien. Wann hört das nur endlich auf?

Wegen schlafender Kinder wenigstens genug freie Zeit gehabt, um für das erste Shirt den Stoff (den ich natürlich schon gewaschen habe, irgendwann am Abend) zuzuschneiden. Das wird schön morgen. Wenn Falls die Kinder mich Nähen lassen. 

Tag 386 – Gemischtes. 

Jo, der Muskelkater von gestern ist schon fies. 

—

Das eine von zwei Hardcore-Experimenten weiter gemacht und dann weiter gegeben. Beide hängen jetzt bei der gleichen Person, wobei Experiment A darauf wartet, dass das „gute“ Gerät repariert wird, während Experiment B hoffentlich morgen schon weiter gemacht werden kann. Dieses Schneckentempo regt mich ein bisschen auf. Meinen Chef aber auch. 

So halb lustig: die Proben, die ich vor meiner Elternzeit in vierwöchiger Arbeit erzeugt hab, wurden endlich analysiert. Bisher kamen 2 (!!!) Proteine raus. 2!!! Es ist zum Heulen. (Ich hätte eher so 200 bis 2000 erwartet. 2 heißt: da ist ganz gründlich was schief gelaufen. Vielleicht ist es eben doch nicht so gut, die Proben ein Jahr in der Truhe liegen zu haben…)
—

Blöder Anruf aus dem Kindergarten: Pippi hat wieder Fieber. Meh. Also hingefahren: fühlte sich zwar warm an, war aber fröhlich und wirkte eindeutig nicht krank. Sie haben aber 38,1 Grad gemessen. Tja. Den Rest des Nachmittags und Abends war sie topfit, spielte und aß wie ein Scheunendrescher und war auch nicht anhänglich oder sonstwas. Vorm Ins-Bett-Gehen maß Herr Rabe nochmal ihre Temperatur: 36,5 Grad. Sie ist einfach nicht krank und war es vermutlich auch (heute) nie. Das muss ich jetzt „nur“ noch morgen früh dem Kindergarten erklären, der hat nämlich (aus völlig nachvollziehbaren Gründen, die trotzdem dauernd missachtet werden)  eine 24-h-Fieberfrei-Regel. Das wird bestimmt ein Spaß morgen früh. 

—

Michels Autonomiephase ist anstrengend. Sehr. 

—

Ballett: so schön. Leider sehr sehr voll. Noch viel leiderer: eins der Mädels, ein (wie ich finde) ausgesprochen sympathisches und schönes, hat sich ein wirklich hässliches Tattoo einer Libelle machen lassen. In den Nacken. Ich finde Tattoos oft schön, aber das ist echt misslungen und dann auch noch an so ner Stelle, die man eben nur mit langem Haar bedecken kann. Vermutlich einfach ein schlechter Tätowierer, aber sie muss jetzt erstmal ne Weile damit rumlaufen. 

—

Herr Rabes Bruder heiratet im Oktober zum zweiten Mal dieselbe Frau (diesmal kirchlich, vor 9 Jahren war standesamtlich) und wir fahren alle hin. Ich hab eh schon keinen Bock wegen Stress und den, ähhhhh, interessanten Familienfeiern der Familie Rabe (das schreib ich mal gesondert auf, das wird sonst hier zu lang). Heute bekam dann Herr Rabe von seiner einen Schwester eine Nachricht: ob er für einen Sketch, den sie mit der anderen Schwester aufführen möchte, den Erzähler spielen könnte. Einen Sketch aus so ner Art westfälischem Witzebuch. Ich kann gar nicht sagen, wie grauenvoll ich Sketche finde und AUS GUTEM GRUND habe ich bei meiner eigenen Hochzeit alles in die Richtung gehende untersagt und MIT RECHT weigern die eigenen Kinder meiner Schwägerin sich, bei sowas mitzumachen. Aber das wird wohl eine Hochzeit mit Sketchen und „witzigen“ (aka sexistischen, Fremdscham-erzeugenden) Spielchen. Ich brauche Schnaps. 

—

Apropos Schnaps: ich dachte heute übers Stillen nach und ich frage mich wirklich, ob es bei Kühen auch so ist, dass Abpumpen die Milchproduktion anregt, Ausstreichen (also Melken) aber nicht. Und ob das überhaupt auch bei Menschen mal wer untersucht hat, ob das echt so ist, oder nur ein Ammenmärchen. Falls jemand darauf Antworten hat: es interessiert mich wirklich ganz im Ernst!

Tag 382 – Glitzerflauschplüsch

Mit ein paar hübschen kleinen Ecken, um sich dran zu reiben* war das ein echt schöner Tag. Warum? Diese Kinder. Hachz. 

Zuerst mal schlief Pippi bei der Maus ein und zwar so tief, dass wir mit vereinten Kräften und dem lustigen Puscheldings von der Zahnärztin das Ding aus ihrem Zahnfleisch entfernen konnten. Letztlich war es ganz einfach: mit dem Puschel von unten schieben, und dann als das Dings rausguckte von oben rausschieben/-ziehen. 


Dann spielte ich mit beiden Kindern unter Michels Regie (während Herr Rabe genauso schlecht gelaunt wie ich das sonst immer tue die Wohnung putzte) Piratenexpedition. Und das war richtig schön. Wir suchten einen Schatz (alle Kuscheltiere), mit Schatzkarte, wir fuhren Boot auf dem Sofa, ich war der Schiffsjunge Pinky, Pippi war erst Baby-Pinky und dann Pinky-Hund und Michel war Kaptitän Säbelzahn. Michel dachte sich alle möglichen Sachen aus, vor allem war in seiner Phantasie alles voller Schilder. Ein Schild war „Keine Babys und Füße ins Wasser tun“, eins war „Nicht den Schatz ins Wasser werfen“, eins war „Nicht den Kapitän kitzeln“ und eins „Es gibt nur Nudeln“. Den Rest habe ich vergessen, da waren aber noch einige. Dann kam ein Hai, dann mussten wir was essen, das musste Michel natürlich erst zubereiten, dann gab es Nudeln mit Ketchup und Käse (sein Lieblingsessen halt), nach dem Essen mussten wir schlafen und dann leider (!) zum Sport. 

Der Sport war wild auf dem Sofa hüpfen und Drachen sein, die Fliegen üben. Zum Sport fuhren wir mit dem Auto (Bett), ich und Pippi oben, Michel unten. Nach dem Training (wir übten noch Purzelbäume auf dem Sofa) tranken wir Kaffee im Piratenboot 2 (großes Bett), leider nur Spiel-Kaffee, aber immerhin mit meiner echten Bonus-Karte beim Kaffeemann (Papa) gekauft. Zu guter letzt Wrestelte ich mit beiden Kindern auf dem Teppich, die sich glucksend und quietschend auf mich warfen. Es war echt toll, die sind ja schon auch süß, diese Kinder. 

Nach einem kleinen Ausflug um echten Kaffee zu holen und ein bisschen Tageslicht abzukriegen gab es dann Pizza, Michel ins Bett bringen und noch ein bisschen mit der wachen und fitten Pippi herumalbern. Die kann jetzt „Küsschen“ geben, da nimmt sie mein Gesicht in die Hände und kommt mit offenem Mund und erwartungsvollem, konzentriertem Gesicht ganz nah, bis ich ihre verschnodderte Oberlippe küsse. Und ehrlich: was schöneres gibt’s fast nicht. 

*Wutanfall um acht Uhr morgens wegen habichvergessen, Pippi soll eigentlich ein Antibiotikum nehmen (möglicherweise steckte hinter dem Fieber letzte Woche eine Mittelohrentzündung), kotzte (nein, nicht spuckte) es mir aber wunderhübschst auf die Schulter, überhaupt fiel sie heute dauernd überall runter und haute sich den Kopf an, Putzen ist nötig aber wir hassen es beide, Michels A(utonomie)-Phase scheint noch mal richtig aufzublühen, so kurz vor dem vierten Geburtstag…

Tag 380 – Das erste Mal: Zahnärztin. 

Pippi hat seit bestimmt 10 Wochen (oder mehr?) was am Zahn. Wir vermuten, es hat sich ein Stück Blaubeerschale unters Zahnfleisch geschoben. 

Das Bild musste ich machen, als sie schlief, sie lässt sich nämlich absolut ungern in den Mund gucken.


Anfangs waren wir nach einer kurzen Phase des Wunderns, ob es nicht auch ein blauer Fleck sein könnte, tiefenentspannt. Was von alleine da hin gekommen ist, kommt auch wieder raus. Oder so dachten wir. Es passierte aber nichts. Das Ding bewegte sich kein bisschen, es entzündete sich aber auch nicht, und so war ich weiterhin etwas argwöhnisch, aber entspannt. Der Körper wirds schon richten. Dachte ich. Ich fragte auch mal bei Twitter, und da beruhigten mich die meisten (inklusive eines Zahnarztes): is wahrscheinlich gar nicht schlimm, aber lieber mal nen Zahnarzt draufgucken lassen. Da war es inzwischen Juli, das Ding da schon seit vier Wochen und die Zahnärztin natürlich im Urlaub. 

Dann kam meine Schwägerin zu Besuch, ihres Zeichens Neonatologin mit Proffessur und so. Und die war gleich total aus dem Häuschen, redete von Zahnverlust und Platzhalterfunktion und googelte schon nach Kieferchirurgie in Trondheim. Die Zahnärztin war weiterhin im Urlaub und ich versuchte krampfhaft, entspannt zu bleiben. Das Ding störte Pippi nicht, es entzündete sich nicht, es war da schon ewig, auf zwei Wochen kommts da auch nicht mehr an. Das war mein Mantra. Jedenfalls war ich nicht beunruhigt genug, um die Kieferchirurgen Zahnärzte Trondheims durchzutelefonieren, statt darauf zu warten, dass die kommunale Zahnärztin, für die Kinder nicht dazuzahlen müssen, aus dem Urlaub kommt. 

Anfang August probierte ich mal wieder telefonisch mein Glück und bekam einen Termin für den 31. Tja, nicht optimal, andererseits (ich wiederhole mich): Auf vier Wochen kommts da auch nicht mehr an, nach sechs Wochen mit dem Ding…

Der Termin wurde schlussendlich von der Praxis nochmal vorverlegt und so waren Pippi (komplett verrotzt und mit Fieber, aber was willste machen) und ich heute bei der Zahnärztin. Die war die netteste Person ever, hatte total viel Verständnis für unser „lieber mal gucken lassen“ und Pippis „hä? Ich zeig der doch nicht mein Ding, die kann mich mal!“ und war total tiefenentspannt*. Solange es nicht entzündet sei, sei das erstmal gar nicht schlimm. Wenn es sich bewegen lässt, eh nicht, dann komme es früher oder später von selbst raus. Klar könnte man da jetzt ins Zahnfleisch ein Loch reinpieksen und es rausholen, aber das wäre ja Quälerei für das Kind. Erstmal sollen wir es selber probieren, wenn sie schläft oder entspannt zu Hause ist, nach oder vor dem Zähneputzen, ganz egal, einfach vorsichtig versuchen, das Ding nach oben zu schieben oder mit Zahnzeide so weit unter das Zahnfleisch zu kommen, dass wir es bewegen und vielleicht rausholen können. Jedenfalls bekam ich noch Prökelwerkzeuge und Zahnseide mit Halter mit, Pippi bekam einen Flummi geschenkt und das wars schon. Insgesamt ein sehr erfreulicher Zahnarzttermin! Pffft, Kieferchirurg. 

Demnächst auf diesem Kanal: wie Pippi und die Finger abbiss. 

* btw auch die einzige Person, die ich kenne, die Handschuhe in verschiedenen Größen trägt (rechts rosa, links weiß) weil die eine Hand größer als die andere ist. Und ich kenne echt viele berufliche Handschuh-Träger. 

Tag 377 – Witzig ist hier nicht. 

Ich wollte eigentlich einen möglicherweise amüsanten Eintrag über Verkehrsteilnehmer schreiben, aber dann lag ich wieder zwei Stunden im Beistellbett und da verflog wirklich jeder Humor. Und das auch noch nachdem ich mein Abendessen ultraschnell runterwürgte, weil die müde Maus schon heulend an meinem Bein hing. 

Ehrlich, das macht mich fertig. Jeden Abend das gleiche Gehampel, nach dem Stillen denke ich, sie schläft, aber sobald ich versuche, meine Brust aus ihrem Mund zu ziehen, nuckelt sie weiter. Wenn ich sie trotzdem abdocke, weil ich es einfach nicht ertrage, dieses Gezuppel und Genuckel und VERDAMMT NOCH MAL, ES IST MEIN KÖRPER! dann schreit sie. Wenn sie dann irgendwann doch mal eingeschlafen ist, hab ich vielleicht genug Zeit um mich zu waschen und Zähne zu putzen, bevor sie wieder wach wird und das Spiel von vorne anfängt. 

Jeden Abend verbringe ich so. Michel mal ins Bett bringen „dürfen“ ist was Besonderes. Wäsche aufhängen abends eh. Wenn ich dann noch ganz genau weiß, dass das Abendbrot inklusive Käse und so weiter noch auf dem Tisch steht, oder dass ich noch die Brote für morgen machen muss, oder dass ich noch meinen Kram fürs Yoga morgen früh packen muss, oder einen Gstbeitrag schreiben… Dann eskaliert hier alles. Dann heulen hinterher sämtliche Damen des Haushalts, Herr Rabe muss kommen und das brüllende Kind nehmen, egal obs dann noch mehr brüllt. Weil ich sonst wirklich ausraste. Und irgendwie geschiehts ihm ja recht, das Abendbrot hätte er ja in den letzten zwei Stunden mal wegräumen können, oder die Brotdosen packen, oder vielleicht mal reagieren bevor hier die Hütte brennt. Aber letztlich will ich eigentlich nur, dass sie schläft, damit wir danach mal Zeit für uns haben. Das bleibt nämlich komplett auf der Strecke bei dem ganzen Terror. Mal wieder nen Tatort sehen, oder ne Serie (NICHT Family Guy, diese Stimmen ey, ich kriegs am Kopf!), zusammen, ach das wär was. 

Tag 376 – Pssssst!

Ich glaube, sie schläft endlich. 

Pippi und das Einschlafen. Ein Spaß, sage ich Ihnen! Heute lief es mal wieder so, dass sie zwar hundemüde war (nur 40 Minuten Mittagsschlaf im Kindergarten, da klappt das nämlich auch eher so mäßig mit dem Schlafen) und auch begeistert zum Einschlafstillen andockte, dann aber nicht richtig einschlief. Wenn ich merkte, dass sie nur noch nuckelt, dockte ich sie ab, sie regte sich auf, ich seufzte und wir stillten weiter. Ca. Drölfzig Mal ging das so, mehr als eine Stunde. Irgendwann reichte es mir und ich zog mich an und erklärte ihr, dass ich das nicht will, dieses Dauergenuckel. So hatte ich das gestern auch gemacht und nach kurzem Protest schlief sie gestern dann einfach so ein, ohne Brust, nur mit Kuscheln*. Heute nicht. Sie brüllte und brüllte, schmiss sich in der Gegend rum und brüllte. Gefühlt ewig, in echt wahrscheinlich eher 10 Minuten versuchte ich sie zu beruhigen, aber sie wollte nichts, nur Brust. 

Irgendwann kam ich auf die brillante** Idee, einen Schnuller zu holen. Und siehe da: sie nuckelte am Schnuller, kuschelte sich an mich, schloss die Augen und…

… machte sie wieder auf, weil ihr eingefallen war, dass sie den Schnuller ja noch gar nicht untersucht hatte. Also wurde der Schnuller erstmal von allen Seiten beäugt, ich erklärte ihr dass das ein Schnuller sei, ein Dings, extra zum Nuckeln, fast so gut wie Brust, nur halt keins meiner Körperteile. Sie steckte ihn in den Mund, ließ ihn rausploppen, steckte ihn wieder rein, drehte ihn hin und her, stand auf, warf den Schnuller aus dem Bett, wollte ihn wieder haben, bekam ihn wieder, setzte sich auf meinen Brustkorb, spielte mit dem Schnuller und irgendwann, begleitet von meinem Gesumme und locker mit dem Kopf an meine Nase gelehnt, schlief sie endlich ein. 

Mit dem Schnuller in der Hand. Nach fast zwei Stunden. 

* und dann schlief sie IM BEISTELLBETT DURCH! Ich war so irritiert, dass mein Unterbewusstsein mich um fünf weckte um zu gucken, ob sie noch lebt. 

** Menschen mit Kindern, die immer schon Schnuller nahmen, lachen jetzt. Aber wir haben ja bei Pippi eh schon alles versucht und die Schnuller eben schon gedanklich fast eingemottet. 

Tag 374 – Baba Wien!

Mit W-Lan sitzen wir wieder im Bus vom Flughafen nach Hause. Michel sitzt neben mir und ist erstaunlich wach, Pippi sitzt vor mir und schläft. 

Heute morgen trafen wir meinen „kleinen“ Cousin, der zwar drei Jahre jünger als ich, aber einen guten Kopf größer und inzwischen Pilot bei Austrian Airlines ist. Mit ihm und seiner Freundin gingen wir frühstücken und dann fuhr er uns zum Flughafen (und auf dem Rückweg noch die Kindersitze zurück). Wir schrieben noch vom Flughafen aus eine Postkarte, weil es Briefmarken nur im Viererpack gegeben hatte und noch eine übrig war und dann war es auch schon Zeit zu Boarden. Eine kleine Katastrophe war dann, dass Michel (!) Leibesvisitiert werden musste, der sich mit Händen und Füßen wehrte und den wir leider zwingen mussten (Stichwort ‚Nein heißt Nein‘, haha, vielen Dank, Wiener Flughafensecurity). Tjanun, auch das überstanden wir und es war sogar noch ein bisschen Zeit für einen Kaffee. 

Flug eins war dann grauslich, ruckelig die ganze Zeit und mit Luft-Hopser kurz vor der Landung (und dass wo man ja weiß, dass die meisten Unfälle kurz vor der Landung und kurz nach dem Start sind) und naja, wasser- (schwitze- und Tränen-) festes Make-Up ist schon sinnvoll für manche (also mich). 

Fast fünf Stunden Aufenthalt in Amsterdam, Kinder müde gespielt (dachten wir, war aber dann ja nur bei 50% so), bisschen Kram gekauft, ultra lange am Wok-Stand angestanden, dabei den Feed-Reader leer gelesen, danach was gegessen, huch, Zeit schon rum, wieder Boarding. 


Flug zwei dann quasi Bilderbuchmäßig, Gepäck ist auch angekommen, jetzt gleich zu Hause. Puh. 

Schön wars. 

Tag 369 – Man soll den Morgen nicht vor der Abfahrt in den Kindergarten loben. 

Dies ist eine Geschichte, wie ein guter Morgen sich in einem Moment zur totalen Katastrophe entwickeln kann. Leider ist die Geschichte wahr und uns heute morgen so passiert. 

Alles war super und wir total im Zeitplan. Das passiert nicht oft und ich war schon ganz stolz auf uns alle. Um halb acht fuhr Herr Rabe zur Arbeit, wir waren alle angezogen, die Kinder hatten gefrühstückt, die Zähne waren auch geputzt. Brotdosen gepackt und verstaut, wir waren wirklich abfahrbereit. Aber ich wollte nicht so früh schon los, außerdem hatte ich noch keinen Kaffee getrunken. Also machte ich mir einen schön großen Kaffee Latte. Dann, die Kinder spielten friedlich, fiel mir ein, dass ich ja die Schnecken meiner Kollegin mitgeben wollte, damit sie (und ihre Kinder) auf sie während unseres Wientrips aufpassen. Also holte ich ne Box und noch ne Box und füllte mit Michel Erde in beide und buddelte die Schnecken aus und fand Papa-Schnecke nicht, bis ich an den Deckel des Terrariums guckte, wo Papa-Schnecke friedlich schlafend hing. Naja, nach ordentlichem Einsprühen und vorsichtigem Gezuppel hatte ich dann Papa-Schnecke mit einem lauten „Schnuck!“ in der Hand, Michel kam mit den Rest-Muffins von gestern (ekelhaften Zuckerbomben, die Schwägerin brachte Backmischungen mit, die müssen weg, was will man machen…) und erzählte was von „morgen für die Reise einpacken“, wir gingen in die Küche um die Schnecken weiter zu verpacken. Ich trank weiter meinen Kaffee und überlegte, ob die Schnecken wohl zwei mal zwanzig Minuten in einer Tupperdose ohne Luftlöcher überleben und entschied mich für ja. Bröselte noch etwas Erde auf die Schnecken in der Tupperbox und…

… warf den Kaffeebecher um und auf den Boden. Kaffee überall, auf mir, auf dem Boden, vermischt mit Blumenerde auf der Arbeitsplatte, tropfend an den Küchenschubladen. Ü-ber-all. Der Kaffeebecher ist auch ein physikalisches Wunder, wie sonst kann aus einem nicht mehr vollen 300 mL-Glas mindestens ein Liter Kaffee auslaufen? Mir entfleuchte ein unbeherrschtes, aber tief empfundenes „FUUUUUCK!“. Michel, auf der anderen Seite des Kaffeesees, fing sofort an zu weinen. Untröstlich. Schreck, darüber, dass der Kaffee einfach umfiel, über das Schimpfwort, über die Sauerei. „Du musst besser aufpassen, Mama! Du nicht aufepasst!“ heulte er und ich versuchte ihn zu beruhigen und zu erklären und DAFÜR ZU SORGEN DASS ER EINFACH DA STEHEN BLEIBT UND NICHT DURCH DIE PFÜTZE RENNT während ich mich auszog: Pulli, Shirt, Hose, Socken. Nur Unterhose und BH waren verschont geblieben. Dann wischte ich die Sauerei auf, erstmal einen Korridor, damit Michel zu mir konnte, dann Michel weiter tröstend den Rest. In die Schubladen war der verfluchte Kaffee auch gelaufen. Ich wischte und wischte und Michel beruhigte sich langsam. Irgendwann sah die Küche halbwegs passabel aus und die Zeit wurde jetzt doch knapp. Ich wusch meine Hände und stopfte meine eingesauten Klamotten direkt in die Waschmaschine, noch zwei, drei andere Sachen dazu, und ab dafür. Michel ging gucken, was Pippi macht.

„Mamaaaaa! Pippi spielt mit Muffins!“ Überschnappende Stimme. Ach du kacke. Mir schwante böses. Und tatsächlich. „Michel, hast du die Muffins hier offen stehen gelassen?“ Kraftlos und immer noch in Unterwäsche sank ich auf den Wohnzimmerhocker. Michel brach sofort wieder in Tränen aus. Pippi verstand die Welt nicht mehr, sie war eben noch so stolz gewesen und so glücklich. Zwei Muffins hatte sie aus der Form gepult, ordentlich das Papier abgezuppelt und die Muffins aufgegessen, dabei sich, die Spielküche und den Fußboden komplett eingekrümelt und mit „Chocolate flavored sugar frosting“ eingeschmiert. Und jetzt saßen hier ihre Mama, den Tränen nahe, und der große Bruder, heulend vor Wut, weil sie seine Muffins gegessen hatte. Pippi fing sich aber von allen am schnellsten und pulte noch schnell den dritten Muffin aus der Form. Das weckte meine Lebensgeister, ich erwachte aus meiner Schockstarre und nahm ihr den Muffin ab, steckte ihn zurück in die Form und stellte die Form oben auf den Küchentresen. Holte einen feuchten Lappen, wischte Pippi ab, diskutierte mit Michel die Möglichkeiten zur Muffinbeschaffung, wischte die Spielküche ab, hörte mir Michels „Ich will, dass Papa uns in den Kindergarten bringt! Du nicht laut sein!!!“ an, gab mir Mühe nicht direkt wieder laut zu werden, schrubbte Zuckerpampe vom Boden, erklärte zum drölfzigsten Mal, dass Papa eben früh los muss, damit er sie früh wieder abholen kann. Irgendwann war ich fertig, pflückte Pippi vom Esstisch und ging mir was frisches anziehen. Stopfte Papa-Schnecke, die schon zur Flucht ansetzte, in die Tupperbox zurück und machte den Deckel zu. Öffnete ihn wieder wegen schlechtem Sauerstoff-Gewissen, packte die Box in eine Tüte und machte ein paar Gummis drum, damit nicht die Erde (und die Schnecken) rausfallen. Packte alles in meinen Rucksack, pflückte Pippi vom Esstisch, zog den Beiden was an, zog mir Jacke und Schuhe an, nahm zwei kleine und einen großen Rucksack auf die Schultern und Pippi auf den Arm, bat Michel, die Tür zuzumachen. Stellte fest, dass mein Fahrradschlüssel noch drin war. Setzte alles ab, schloss auf, holte den Schlüssel. Pflückte Pippi von der vierten Stufe nach oben, bat Michel, wenigstens einen Rucksack zu nehmen, verstaute Rucksäcke, Pippi und so weiter im Anhänger, bekam den Anhänger erst nach drölfzig Versuchen und ebensovielen (sehr leise gemurmelten) Flüchen ans Rad, stellte fest, dass ich am Wochenende die Schraube an der Schnellspanner-Halterung für die Bremse vorne nicht nachgezogen habe und das Ding immernoch furchbar klappert. Stellte Michel, der vor lauter Hampelei mit seinem Fahrrad umgefallen war, wieder auf die Füße. 

Und so fuhr ich mit fast einer Stunde Verspätung los zum Kindergarten.

P.S. No snails were harmed during the production of this blogpost. Sie sind gut in meinem Büro angekommen und wurden dann direkt umgesetzt in die große „Ferienbox“. Begeistert waren sie von der Tour allerdings nicht und krochen erstmal hektisch herum. 

Tag 367 – Zehn Minuten. 

Zehn Minuten ist der Tag noch lang. Das ist machbar. Heute war nämlich auch nicht so wirklich viel los. Ist ja auch wirklich ganz schön, wenn man am Wochenende nicht arbeiten muss. Trotz Kindern, die um halb acht auf sind, trotz Wut-Michel, der für seine Maus tausend Dinge (best of heute: Rutsche, Schwimmbrille, Schlitten) einfordert, trotz Pippi, die man jedes Mal, wenn man am Esstisch vorbei geht, von selbigem pflücken kann, trotz Bügelwäsche und diversen Maschinen, die zwar trocken aber nicht zusammengelegt sind. Alles egal, wir haben uns. Am Ende sprang sogar Pärchenzeit für uns Große raus. <3

Tag 364 – Gewöhnungsbedürftig. 

Tja, also Pippi sollte ja inzwischen im Kindergarten eingewöhnt sein. Nach norwegischem Standardplan jedenfalls. Tatsächlich läuft es eher so mäßig. 

Langfristiges (haha, also eher so: übernächste Woche) Ziel ist Kindergarten von spätestens acht bis mindestens vier, dann schaffen wir beide unsere Jobs ohne allzu spät zu Hause zu sein. Bisher sind wir bei ca. 8 (und das funktioniert auch nicht so ganz, weil Pippi nicht im Kindergarten frühstücken will) bis 14:30 Uhr, was halt nur mit Sommerarbeitszeit und Stillfrei und mit schlechtem Gewissen der Arbeit gegenüber geht. Herr Rabe hat logischerweise kein Stillfrei und muss außerdem Stunden so richtig aufschreiben, der kann nicht dauernd früher gehen. Also bin ich gefragt und es stinkt ziemlich, zum Einen eben wegen der Arbeit und zum Anderen, weil ich mir so morgens das Geheul und nachmittags die Berichte („Hat so viel geweint heute und gar nichts gegessen…“) der Erzieherinnen anhören muss. 

Nachdem die Eingewöhnung bei Michel im gleichen Alter eine Sache von drei Tagen war und Pippi ja sogar ihren heiß geliebten großen Bruder als das ultimative Übergangsobjekt dabei hat, hatte ich die Hoffnung, dass die Eingewöhnung bei ihr easy peasy sein würde. Aber da habe ich die Rechnung ohne mein großes kleines Kind gemacht. Denn Pippi weiß halt was sie will, und das ist 1. Mama und 2. Papa. Und das versucht sie durchzusetzen, mit allen Mitteln. Man muss sagen, es liegt wirklich nicht am Kindergarten oder den Personen da: alle sind sehr herzlich, es wird auf sie eingegangen, sie wird getragen und darf kuscheln, wenn sie will, man nimmt sich viel Zeit für sie und versucht es hinzubekommen, dass sie eine gute Zeit hat. Aber sie will halt nicht. Deshalb schreit sie viel (aus Enttäuschung wenn ich gehe und wenn ich komme, höre ich von unten schon ihr Wutgebrüll), sie schläft kaum und sie isst kaum. Interessanterweise juckt es sie auch gar nicht, dass ihr Bruder da ist. Dafür ist Michel noch ein bisschen mit durch den Wind, weil Pippi so viel brüllt. Verdammt, wieso klappt denn nichtmal das*?

Und ich so, toughe Mama, die ich so gern wäre? Mit bricht es das Herz. Ich zweifle alles an: den Kindergarten, mein Lebensmodell, dieses Land: alles kacke und mein Baby leidet so und überhaupt. Rational weiß ich, dass es keinen besseren Kindergarten geben könnte, grade für so ’schwierige‘ Kinder wie Pippi. Ich weiß auch, dass ich vor Langeweile eingehen würde, würde ich sie stattdessen zu Hause betreuen. Dass wir uns das Leben hier mit nur einem Job schlichtweg nicht leisten können (zumindest nicht in der Wohnung, in der wir grade wohnen und in der ich mich sauwohl fühle). Das weiß ich alles. Aber trotzdem kommt da die Rabenmutter-Sozialisation, gepaart mit Bindungstheorie-Halbwissen und versehentlich gelesenen dogmatischen Blogbeiträgen aus mir raus und ich fühle mich schrecklich und wie der letzte Mensch, dass ich meinem Kind das antue, obwohl es doch so offensichtlich nicht will. 
Ich hoffe wirklich, dass sie sich bald dran gewöhnt hat. Wirklich. Und nein, zu Hause bleiben ist einfach keine Option. 

*Eigentlich hatte ich eher Angst, dass Michel dauernd als Tröster herhalten muss und sich zu sehr verantwortlich fühlt. So ist es aber auch kacke.