Tag 127 – Bielefeld Tag 3 – Reisebericht Teil 2

Wie versprochen geht es weiter mit der Beschreibung unserer Reise ins schöne Bielefeld.
Wir waren ja von Herrn Paul am Flughafen abgeholt worden, dieser schnappte sich auch gleich gentlemanlike die zwei wirklich großen Koffer, und wir gingen zum Bus. Der Bus stand auch schon bereit und sollte in 2 Minuten abfahren. Ich musste noch den Trolley loswerden bevor ich in den Bus steigen konnte, während Herr Paul mit den beiden Riesenkoffern bereits einstieg. Dies veranlasste das Kind zu kurzer Panik, dass der komische Mann mit Bart unsere Koffer klauen wolle. Als es danach aber die Plätze im Bus aussuchen durfte (ganz hinten natürlich wo die coolen Kinder sitzen) war alles wieder gut. So fuhren wir mit dem Bus zu Herr Paul, wo Herr Pauls bezaubernde Frau Jott schon das Frühstück bereitet hatte. Das Kind forderte im Bus das Schicksal und sein Immunsystem heraus indem es die Fensterscheibe ableckte. 

Bei Herrn Paul angekommen freundete sich das Baby direkt mit Herrn Schnuffke, der bunten Spielmatte und dem einen Ende eines langen Babyspielzeugs an. So besabberten die Babys fröhlich den Fußboden, und ich hatte Zeit mit dem Kind aufs Klo zu gehen. Das Kind zeigte große Begeisterung für den Seifenschaumspender, zur Abwechslung musste ich es deshalb mal nicht zum Hände waschen zwingen. Dann gab es sehr leckeres Frühstück für alle mit leckerem Kaffee für die Großen. Das Kind wollte erst mal nur ein halbes Brötchen mit Schokocreme essen, dann war es sehr viel spannender, mit Jott ein Bild für Opa zu malen und zu kleben. Jott zeigte dabei ungeahntes Talent beim Zeichnen eines Elches, Respekt! Insgesamt war es eine sehr schöne Zeit, und ich bin sehr froh, dass ich mich getraut habe Herrn Paul um dieses Treffen zu bitten. Dieses Internet ist eben doch gar nicht so unpersönlich wie man meinen könnte ;) Das Baby bekam dann noch eine frische Windel und einen sauberen Body angezogen, ich packte einen weiteren sauberen Body als Ersatzbody in meinen Rucksack und die versifften Klamotten in den Koffer. Dann war es schon wieder Zeit zum Bahnhof aufzubrechen, wir zogen uns umständlich an, das Kind schaffte es irgendwie noch Jott eine kleine Elsafigur abzuluchsen, der kleine Charmeur, und dann machten wir uns auf den Weg. 

Dank Schienenersatzverkehr mussten wir erst mal den Bus nehmen, wo es uns zunehmend schwer fiel, das Kind vom einschlafen abzuhalten. Als das Kind dann jedoch hörte, dass wir gleich mit der S-Bahn weiterfahren würden, waren seine Lebensgeister wieder geweckt. Dafür stellte es dann auf dem Bahnsteig fest, dass es dringend aufs Klo müsse. Netterweise durften wir im Kontrollhäuschen schnell pullern gehen. Dann fuhren wir mit der S-Bahn zum Ostkreuz, wo wir umsteigen mussten. Das Kind war ziemlich aufgekratzt, und rannte mehr als das es ging. Als wir aus dem Fahrstuhl ausstiegen konnte ich ihm gerade noch hinterherbrüllen, dass es nicht so schnell rennen solle, als es die wartende S-Bahn entdeckte. Das Kind rannte aber weiter auf die Bahn zu und schaffte es exakt in dem Moment, als die Türen der S-Bahn sich zu schließen begannen, in den Schuhgröße 25 großen Spalt zwischen Bahn und Bahnsteigkante zu treten. Das Resultat war: Oberkörper in der Bahn, Bein bis zur Hüfte im Spalt, die Türen im Schließen begriffen. Ich Beamte mich die drei Meter vorwärts, packte das Kind im Nacken an seiner Weste und riss es nach oben und hinten. Irgendwie glückte mir das Wunder, alle Körperteile aus dem Spalt und der Tür heile herauszubekommen, bevor die Bahn abfuhr. Danach musste das Kind vor Schreck ziemlich doll weinen, und auch mir stand die Pippi sehr weit oben in den Augen. Ich darf mir immer noch nicht ausmalen, was da alles hätte passieren können. Verkehrserziehung ÖPNV steht auf jeden Fall auf meiner inneren To-Do-Liste! 

Wir fuhren dann mit der S-Bahn ziemlich käsebleich zum Hauptbahnhof. Auf dem Weg freute sich das Kind: „Ein Leuchtturm!“. Den meisten ist dieser Leuchtturm besser bekannt als der Fernsehturm am Alex. 

Am Hauptbahnhof waren wir dann früh genug, um dem riesigen Weihnachtsbaum noch einen Besuch abzustatten. Das Kind war sichtlich beeindruckt und wir machten ein paar Fotos von uns und dem Baum und uns vor dem Baum. Dann gingen wir zum Gleis, immer noch sehr zeitig, und entdeckten eine Anzeige, die Wagenreihung sei aufgehoben und die Platzreservierung werde nicht angezeigt. Meine schöne mitten in der Nacht getätigte Reservierung im Kleinkindabteil war damit zum Teufel. Wegen des vielen Gepäcks blieb uns allerdings nicht viel anderes übrig, als uns rücksichtslos und mithilfe von Herrn Paul einen Weg in das erste Abteil zu bahnen, um uns dort augenblicklich mit unserem Gepäck sehr breit zu machen. Dann musste Herr Paul leider aussteigen (das Kind fand das sehr schade und wollte gerne dass Herr Paul mit nach Bielefeld fährt) und los ging die Fahrt. 

  
Morgen geht die Geschichte unserer Reise dann mit der Bahnfahrt und der Ankunft im schönen Bielefeld weiter. Freuen Sie sich auf meine aufgeregten Schwiegereltern, meine noch aufgeregtere Mutter, sowie drei komplett übermüdete Raben.

Tag 126 – Bielefeld Tag 2 – Reisebericht Teil 1

Wie versprochen hier der ausführlichere Reisebericht. Dies ist ein Fortsetzungsroman wegen Überlänge der Geschichte (und des Tages), meiner Unfähigkeit mich kurz zu fassen, und der späten Uhrzeit. 

Hier Teil 1: Zu Hause bis Berlin

Der Tag fing mit 4:00 Uhr Jahr zu einer wirklich unchristlichen Zeit an. Natürlich klappte es auch überhaupt nicht, sich aus dem Bett zu schleichen während die Kinder noch schlafen. So waren beide Kinder mit uns zusammen wach und aufgekratzt wie nie. Trotzdem schaffte ich es irgendwie zu duschen und Herr Rabe machte Kaffee und bespaßte dabei die Kinder. Dann packte ich den Rest und schon allein um mir das Kind vom Hals zu halten räumte Herr Rabe mit dem Kind gemeinsam den schon fertig gepackten Kram ins Auto. Durch diese grandiose Teamarbeit schaffen wir es tatsächlich nur 9 Minuten nach der angepeilten Abfahrtszeit loszufahren.

Am Flughafen angekommen mussten wir noch das PramPack abholen. Die Security-Angestellten waren dabei unheimlich langsam, was Herr Rabe zunehmend nervös machte. Nach abholen des PramPacks packten wir den Kinderwagen rein, noch das Kickboard und den Helm dazu, und machten uns daran unser Gepäck aufzugeben. Durch die Dödeligkeit der Security-Angestellten hatten wir das Gepäck genau 5 Minuten vor Abschluss des Check-Ins abgegeben. Gut, dass am Flughafen sowieso noch nichts aufhatte, so gingen wir einfach direkt durch die Sicherheitskontrolle. Auch gut, dass das Kind noch ziemlich müde war, so fiel der „Papa-bleibt-hier“-Protest ziemlich mild aus. Nach der Sicherheitskontrolle gingen wir direkt zum (am weitesten entfernten) Gate zum Boarding. Noch einmal schnell die Wasserflaschen aufgefüllt, und schon hörten wir die „letzter Aufruf“-Durchsage. Also direkt ins Flugzeug, irgendwie das Handgepäck ins Gepäcksfach gestopft, und umringt von sichtlich genervten Passagieren Platz genommen. 

  
Das Kind war total aufgeregt und konnte überhaupt nicht schlafen, guckte aber glücklich Cartoons auf dem kleinen Bildschirm ohne Ton. Das Baby hatte zuerst Hunger, schlief dann ein bisschen, wurde wach und drückte sich brummend die Hose voll. Zum schlafen hatte ich das Baby in die Trage gesteckt, was ich jetzt als fataler Fehler herausstellte. Denn in der Trage wird gewissermaßen die Windel komprimiert und hat dann so ungefähr gar kein Fassungsvermögen mehr. Und natürlich wollte auch das Kind nicht alleine auf dem Platz sitzen bleiben, so dass ich auf der super engen Flugzeugtoilette versuchte das Baby komplett umzuziehen (dabei hatte ich extra die super niedlichen Anziehsachen  ausgesucht), während das Kind sich auf den verbleibenden 20 Quadratzentimetern in die Toilette quetschte. Nach vollendeter Tat setzten wir uns wieder hin, weiterhin von genervten Fluggästen umringt. Nach 10 Minuten musste das Kind aufs Klo. Also machten wir uns wieder auf dem Weg aufs Klo, das Kind pieselte ein bisschen, und wieder hingesetzt. Da waren wir dann auch schon fast gelandet und mussten uns wieder anschnallen. Das Baby war irgendwie unruhig, aber ich schob das auf den Druckausgleich, was sich wenig später als Trugschluss herausstellte, als es zum zweiten Mal mit viel Gebrumm in die Hose machte. Mit einiger Verzweiflung weil kein zweiter Wechselbody zur Hand war, wechselte ich in Windeseile dem Baby die Windel, während die Passagiere langsam das Flugzeug verließen. Ja, auf dem Sitz. Ja, ich hatte etwas untergelegt. Ja, ich wurde von einem Steward angepampt. 

Als wir endlich fertig waren und unsere Sachen anhatten, raffte ich schnell unseren Kram zusammen und wir liefen als letzte aus dem Flugzeug. Dann mussten wir nur noch gefühlte 500 m über das Rollfeld laufen, durch Kälte und Nieselregen, und schon waren wir im Terminal. Die Gepäcksausgabe war so schnell, dass unsere Koffer schon an uns vorbei fuhren, so schnell konnte ich leider nicht reagieren, was das Kind zu einem kleinen Ausraster brachte. Als unsere Koffer wenig später wieder auf dem Band auftauchten war das Kind allerdings beruhigt, ich packte die Koffer auf einen Trolley, das Kind obendrauf und raus aus dem Terminal. Den eingepackten Kinderwagen zog ich dabei, und das war genau so schlimm wie ich mir das ausgemalt hatte. Und aus genau dem Grund hatte ich auch im Vorfeld Herrn Paul angefragt ob der uns nicht vom Flughafen abholen könne bzw. vor allem wolle. Der hatte nicht nur zugesagt sondern kam überpünktlich quasi zeitgleich mit uns in der Vorhalle an. Ich war nie so dankbar, einen nahezu völlig fremden Menschen zu treffen. Er war tatsächlich gekommen, mein Retter in der Gepäcknot. Uffz.  

Morgen dann Teil 2: Berlin und Familie Herr Paul-Schnuffke

Tag 123 – Füße in die Luft!

Hallo! Hallo, Sie! Ich hab Ihnen doch schon mal was erzählt, da war ich ziemlich angepisst, aber jetzt bin ich total fröhlich, wissen Sie, wieso?

Ich kann jetzt voll die Sachen. Also richtig richtig tolle Sachen. Ich kann Sachen in eine Hand nehmen und dann in die andere Hand tun. Ich kann auch Sachen in die Hand nehmen und dann in den Mund stopfen. Also, wenn die Sachen lose sind. Mit Mamas Nase funktioniert das nicht, das ist doof. Ich will die so gerne mal in den Mund nehmen, die sieht lecker aus! Ich kann auch an meinen Fingern lutschen und ich krieg auch richtig viele davon gleichzeitig in den Mund, nur manchmal muss ich dann kotzen, das ist eklig. Dann weine ich. Letztens hab ich Kartoffel gegessen. Die war zu groß, da musste ich auch kotzen, aber bis dahin war sie lecker gewesen. Obwohl mir Milch immer noch am allerliebsten ist, das andere Essen, das ist interessant da zuzugucken, wenn die Großen das essen, man scheint das kauen zu müssen, das sieht lustig aus, aber das lass ich nach dem Kartoffelunfall glaub ich erst noch ne Weile.
Ich kann mich jetzt auch auf den Bauch drehen wenn ich will, egal, was mir die Großen um den Po gebunden haben. Ist das nicht toll? Und ich hab auch schon ein paar mal geschafft, mich wieder zurück zu drehen. Aber irgendwie ist mir das unheimlich, den Kopf so nach hinten ins nichts zu legen, bis der dann auf dem Boden ist, das ist so weit, verstehen Sie? Meistens überleg ich es mir deshalb kurz vorher noch mal anders und bleib einfach auf dem Bauch. Das ist ja auch ganz toll eigentlich, da kann ich mich hochdrücken und an den Querstreben vom Spieltrapez saugen, das ist auch lustig. Oder ich guck mir das Bärchen mal aus der Perspektive an. Oder ich drücke mich nur auf einem Arm hoch, dann kann ich mich drehen, also wie ein Propeller. Ich versuche auch manchmal, vorwärts zu kommen, ich hab das gesehen, wie das geht, da muss man so den Po hochkochen und die Knie dann so… Aber das geht irgendwie noch nicht. Naja, später. Erst mal ist es voll cool, so rumgucken zu können, sieht alles ganz anders aus. Mamas Füße zum Beispiel, die sehen ganz anders aus als meine.
Ja, genau, das hab ich ja noch gar nicht erzählt, dabei ist das doch das allerbeste! Ich kann jetzt nämlich auch meine Füße in die Hände nehmen und festhalten. Dann kann ich die auch mit den Händen bewegen. Füße sind eh das alleecoolste auf der ganzen Welt. Papa sagt, meine sehen lustig aus, wie aufgepumpt. Ich finde, die sehen lecker aus. Und lustig. Da hat Papa schon recht. Ich freue mich immer, wenn meine Füße da sind. Meistens sind die irgendwie versteckt, dann sind die nicht so toll, aber wenn man die richtig sehen kann sind die witzig! Wenn dann noch Mama da dran pupst, freue ich mich immer total, auch wenn Mama immer sagt, dass die nach Käse riechen. Weiß ich auch nicht, wie das kommen soll, ich kann ja gar nicht laufen, und wenn, würd ich wahrscheinlich nicht auf Käse laufen, aber das kann man ja auch wieder nicht wissen, Große Leute machen viele komische Sachen, vielleicht laufen die ja auch auf Käse.
Meine Mama und meinen Papa versuche ich auch immer davon zu überzeugen, dass ich schon stehen kann. Ehrlich, in Echt kann ich das total gut! Glauben Sie mir das auch nicht? Menno! Ich kann das echt! Ok, Sie müssen mich vielleicht ein bisschen festhalten. Ja, vielleicht auch ein bisschen mehr. Aber ich schaff das schon! Und eigentlich kann ich sogar tanzen. Ja, da staunen Sie jetzt, ne? Aber kann ich echt! Wenn mich einer unter den Achseln festhält. Dann tanze ich. Und weil das so witzig ist, dass ich schon tanzen kann, lache ich mich dabei kaputt. Und dann muss ich meine Hände in den Mund stecken, dann kann ich zwar nicht mehr so gut lachen, aber sonst wird das zu aufregend.

Das wars erst mal von mir, ich muss jetzt Milch trinken, sehr viel, sehen Sie, wenn man so viele tolle Sachen kann, dann muss man auch sehr viel Milch trinken. Außerdem ist das ja auch schön, da kann ich meine Mama immer bei angucken und das ist total gemütlich. Am besten fände ich ja, wenn meine Mama einfach den ganzen Tag nackig wäre, aber irgendwie findet die das nicht so gut. Versteh ich nicht.

Bis bald mal –

Das Baby

Tag 121 – Julegrøt

Wir waren heute beim besten Freund (sofern man das bei Dreijährigen sagen kann) des Kindes Julegrøt essen. Das ist Milchreis mit einer Mandel drin, wer die findet bekommt eine Überraschung. Bei Erwachsenen wäre das Schnaps gewesen. Bei Kindern eher nicht. Zufällig *hier riiieeesiges Augenzwinkern vorstellen* waren zwei Mandeln im Milchreis, und beide (!!!) waren in den zuvor für die Kinder bereitgestellten Tellern. Verrückt, nicht wahr? So ein Zufall. 

Jedenfalls hatte ich eine Vorahnung, dass es möglicherweise zu einem Geschenkeaustausch kommen könnte und habe in Windeseile heute Mittag eine Mütze genäht. Und eingepackt*. Und ein Kärtchen geschrieben. Und das alles, während das Baby wach war! Aber dafür können die Jungs beim nächsten Mal die Bude im mützenmäßigen Partnerlook auseinandernehmen. 

Ich bin jetzt reif fürs Bett. 

*und danach hab ich dann dran gedacht, das man ja auch mal ein Foto hätte machen können. Nun gut. Roter Jersey mit blauen Sternen, zum Wenden. Müssen Sie sich jetzt eben vorstellen. 

Tag 116 -300 mL Milch auf ein Babyvollbad

Heute nur sehr kurz, weil das Baby ins Bett möchte. Beziehungsweise wissen wir das nicht so genau, das Baby ist seit ein paar Tagen total angepisst dauernd und von allem, ob das jetzt von der Erkältung kommt weiß der Himmel, aber die macht es sicher nicht besser. Super nervig ist allerdings, dass es 1. keinen Bock auf Stillen hat und oft erst nach Jahrmarktartigem Unterhaltungsprogramm trinken mag (und dann aber auch fix wieder brüllt und sich wegbiegt und so) oder eben im Halbschlaf, was aber auch schwierig ist wegen 2. nicht einschlafen kann. Einschlafstillen ist ja eh so ein Mythos an den das Baby nicht glaubt und im Moment (also seit ein paar Tagen eben) müssen wir für jedes Einschlafen das Baby herumschleppen oder auf dem Pezziball hüpfen bis wirs am Kopf kriegen. Das mag nachmittags um drei noch ganz ok sein, nachts um eins ist es das dann nicht mehr. Zumal das Baby auch bis es endlich schläft meckert, sich die Finger zu weit in den Hals schiebt, würgt, hustet, röchelt, kneift und kratzt. Deswegen probieren wir heute mal ein alternatives Einschlafprogramm: Früh mit Baby ins Bett und dann da bleiben, damit es nicht durchs „Wir Großen gehen dann jetzt auch mal ins Bett“ nochmal so aufdreht.

Ach so, ja, Baden in Muttermilch hat ganz gut geklappt, wenigstens gab’s nicht die ganze Zeit Gebrüll. Danach wollte das Kind auch mit Milch baden, ich hab es ein bisschen verarscht um Konflikte zu vermeiden habe ich Kuhmilch in den Muttermilchbeutel gefüllt und die durfte es dann in sein Badewasser kippen. Merke: Wenn man mit Milch im Wasser badet, wird die Haut nicht so schrumpelig wie sonst. Das heißt, das Kind kommt überhaupt gar nicht mehr aus der Wanne raus. Nienieniemals.

Tag 114 – Geschafft

Heute war die Statistikkursklausur. Die war aus mehreren Gründen tricky. Zuerst mal war die am ungefähr unwahrscheinlichsten Ort der Welt: Einer großen Sportwettkampfhalle, die sich einfach mal auf keinem der drei Campi (Campusse?) befindet. Dort wurden heute ca. drölfzig Klausuren zeitgleich geschrieben, das heißt, nachdem ich mir die Hacken abgerannt hatte (habe ich erwähnt, dass es sehr vereist ist zur Zeit?) und um 08:53 Uhr die Halle erreichte, lief ich erst mal zielsicher in den falschen Raum, da stand dann natürlich nicht mein Name auf der Liste, also rannte ich herum und checkte verzweifelt das Internet auf meinem Telefon. Den richtigen Raum fand ich dann um 08:59 Uhr und ich schwitzte auch nur ein bisschen. Ich wäre gerne früher da gewesen, aber zu diesem unwahrscheinlichen Ort brauche ich länger und das war nicht eingeplant gewesen. Nun ja, ich habe es ja geschafft, bekam den letzten Platz und sofort die Aufgaben.

Hrmhrm. Kann ich… Blaue Bälle, rote Bälle, jo… Hmm… Ok, das hier ist doof, das hab ich doch irgendwo aufgeschrieben? Blätterblätter… Nee doch nich, aber ich glaub das ging so… Wurzel oder nicht Wurzel, das ist hier die Frage… Och menno, wieso ist denn jetzt hier 13 und Wurzel aus 13 als Antwortmöglichkeit gegeben, das ist doch doof… Egal, erst Quadrat und dann wieder Wurzel, zack, passt schon… Oh das ist wieder einfach… Schreibschreib… mal 0. Oh. Mal 0. Dann ist ja das ganze Ding 0. Hääää? Das macht keinen Sinn. Schwitz. Schwitzschwitzschwitz. Nee, Formel ist richtig. Blätterblätter. Schwitz. AHHHH! 1- übersehen. OK. 1-0=1. Macht zwar nicht viel mehr Sinn, aber so isses halt. Weiter zu den langen Aufgaben. Rechnerechne. Jo, das geht so. Hupsi, Ergebnis sieht komisch aus. AHHHH! Standardfehler ist nicht Standardabweichung, genau, dann is das hier ja so und das durch das ist… Hrmhrm, accept H null, no difference blablabla, ok confidence interval, WTF wieso steht der kack Wert denn nicht in der Tabelle??? Hab ich doch die falsche Formel genommen? Nee, die andere Formel ist auch nicht sinniger… Ach verdammt, ich laber jetzt hier rum und mach das kleinere Intervall, dann isses noch sicherer, geht ja nur drum, dass das auch über 0 geht, so zack. Oh hier, schön Männer gegen Frauen, wer überlebt am längsten? Testtest, rechnerechne, hmm ok hier auch accept H null, no difference, blablabla. Was will er denn hier? Da steht ja die Lösung schon in der Frage? Will der mich verarschen? Nä, hier, zack, in other words the intervall is given by the probability blabla, muss man nix rechnen, is ja auch mal schön. Oh, erst halb elf und fertig. Alles fein abschreiben auf das hochoffizielle Durchschlagpapier und weg damit. Viertel nach elf. Etwas mehr als die Hälfte der Zeit.

Dann bin ich durch den Nieselschneeregen und die Kälte und über das Eis zur Bibliothek gelaufen, hab da dann (im Stehen, weil irgend so eine doofe Veranstaltung war und nix zum sitzen frei) die ganzen bunten Klebis aus dem Statistikbuch wieder rausgefummelt und das Buch abgegeben. Juhu, anderthalb Kilo weniger nach Hause schleppen. Kurz in der Krankenhausapotheke nach Nasentropfen für das verrotze Baby geguckt: Äh Mist, mit Wirkstoff gibts hier nicht für Babys und Salzwasserlösung ist ausverkauft. Wäre auch überteuert, so schwer ist das ja nun nicht: 9 g Salz auf 1 L kochendes Wasser. Abkühlen lassen. Tadaa, Isotone Kochsalzlösung, kann man die Nase mit beträufeln oder Inhalieren oder als Kontaktlinsennotfallspüllösung verwenden. Aber eigentlich hätte ich lieber was mit Wirkstoff gehabt, das arme Baby kann nämlich kaum noch aus der Brust trinken vor lauter Schleim im Rachen und in der Nase. Morgens hatte es sich komplett verweigert, da musste ich also auch noch unter Zeitdruck (der Bus! der Bus!!!) die übervolle Brust leerpumpen. Hurra. Als ich wieder zu Hause ankam, hatte es immer noch nichts getrunken, konnte aber auch wieder nicht stillen und brüllte mich frustriert und hungrig an.

Netterweise bekam ich sehr schnell sehr viele Tips und nach Absaugen des Schleims aus der Nase konnte das Baby immerhin ein bisschen von der morgens abgepumpten Milch aus einer Spritze nuckeln. Damit spülte es den Rachen auch noch halbwegs frei und konnte danach stillen. Und seitdem steht hier ein Topf mit Thymianaufguss auf dem warmen Ofen und wir inhalieren einfach alle mit dem Baby mit. Riecht ja auch gut. Trotzdem war das Abendessen irgendwie etwas geschmacksarm. Ich hab kaum die Tomaten aus dem Risotto geschmeckt, was schade ist, weil ich dieses Tomaten-Mozzarella-Risotto wirklich sehr gerne mag. Nun ja. Außerdem haben wir dank der morgens abgepumpten Milch und der gestern aus dem Gefrierschrank in den Kühlschrank transferierten 2 Portionen jetzt sehr viel Muttermilch übrig. Endlich können wir mal Quatsch damit machen, wie zum Beispiel sie dem Baby in die Nase tröpfeln (gegen den Rotz) oder dem Baby auf den nach wie vor manchmal wunden Po schmieren oder vielleicht baden wir morgen das Baby mal drin, in der Hoffnung dass es das besser findet, wenn wenigstens das Badewasser lecker schmeckt.

Tag 112 – Das Kranksein nutzen

Weil mein Hals kratzt als hätte ich ne Muskatreibe geschluckt, bin ich heute nicht zum Sport gegangen. Also schon wieder nicht. Das letzte Mal war ich dann vor drei Wochen da. Schlimmschlimm. Und da sich auch das Baby die Rotzerei eingefangen hat und rumschnorchelt und Schnodderblasen produziert und etwas unleidlich ist, war ich auf einen nervigen Babytragetag gefasst. Aber siehe da: das Baby wollte eigentlich den ganzen Tag schlafen (obwohl es glaub ich kein Fieber hat, ich hab nicht gemessen, aber es schien mir nicht so) und so konnte ich vier (!!!) meiner Übungsklausuren durchorgeln und wenn jetzt nicht irgendwas totaaaal verrücktes* drankommt, sollte ich dem gewachsen sein. Hurra! Fertig gelernt! Ich freu mich und werde morgen möglicherweise zum Stoffladen fahren, um das zu feiern. Ich muss nämlich eh zum Arzt und mir Blut abnehmen lassen und der Stoffladen ist da in der Nähe. 

Neulich schickte uns meine Mutter Adventskalender. Ich wusste das nicht vorher, es kam mir aber sehr gelegen, weil ich das völlig vergessen hatte. 

Jedenfalls ist der fürs Kind von Playmobil und so eine riesige Box, die zu 90% aus Luft besteht. Und da wir ja fast die Hälfte der Adventskalenderzeit in Deutschland sind, müsste ich also den halbleeren aber immer noch riesigen Adventskalender mitschleppen. Das war uns zu doof und deshalb packten Herr Rabe und ich (und das Baby, aber das sabberte und rotzte eigentlich nur alles voll) heute alles aus und in Geschenkpapier wieder ein. So sieht es schöner aus und lässt sich besser mitnehmen. 

  
Merke: die nächsten Wochen wird nix getoastet. 

Unser Adventskalender ist übrigens mit 24 Sorten Kaffee. Ich werde berichten. 

*Power of Hypothesis Tests wäre sowas Verrücktes. Da renkt sich mein Hirn aus irgendwie. 

Tag 110 – Alle Krank

Das Kind hat Herrn Rabe und mich angesteckt. Jetzt sind wir beide verrotzt, er hustet auch, ich hab dafür Kopfschmerzen. Dem Kind geht’s sehr viel besser, kein Fieber mehr, fast normaler Appetit, wollte heute unbedingt „Fußballen“, war dann aber nach 20 Minuten Fußball spielen ziemlich fertig. Aber Husten hat es noch, nicht zu knapp und wacht davon auch nachts öfter weinend auf. Deshalb gehen wir jetzt auch einfach ins Bett, damit die akkumulierte Schlafmenge bei uns Großen trotzdem halbwegs passt. 

Tag 108 – Krankes Kind (3)

Heute war ich mit dem Kind beim Arzt. Herr Rabe hat einen Kinderkrank-Tag eingereicht, damit ich nicht das Baby in ein Wartezimmer voller verrotzter  Menschen mitschleppen musste. Besser wars auch, denn der Ausflug dauerte wesentlich länger als erwartet.

Um 13:45 hatten wir einen kurzfristigen Termin bekommen. Ich parkte neben der Praxis auf einem Wohngebietparkplatz und hoffte sehr, dass ich nicht wieder einen Strafzettel über 800 NOK (knapp 100!!!€) bekommen würde. Die Praxis war ganz schön voll und wir kamen erst um zehn nach zwei dran. Da gings dem Kind, das morgens noch halbwegs fit gewesen war, schon wieder recht dreckig und ich musste es die ganze Zeit tragen und auf dem Schoß haben.

Die Ärztin hörte ab, guckte in die Ohren, guckte in den Hals und wurde volle Möhre dabei angehustet. Sagte, sie hätte gerne nen CRP-Wert und nen Halsabstrich, Mandeln wären zwar normal aber man weiß ja nie. Der linke Lungenflügel würde etwas Rasseln bis tief in die Bronchien. Also setzten wir uns wieder ins Wartezimmer. Wurden irgendwann wieder aufgerufen für den Pieks in den Finger, der das Kind so schockierte, dass der darauf folgende Halsabstrich mit wenig Protest abging. Dann gab es ein buntes Pflaster und einen Flummi und viel Pusten von Mama. Und wieder ins Wartezimmer. Dann wieder zur Ärztin rein: Hmm, der CRP ist eigentlich ok, das ist alles komisch, gehen Sie bitte zum Lunge Röntgen ins Krankenhaus. Da war ich dann erst mal ziemlich geschockt: Krankenhaus??? So schlimm? Lunge Röntgen klingt auch nicht gut. Egal, erstmal dem Kind Sicherheit vermitteln. Und den Herrn Rabe anrufen, der und das Baby müssen mit, sonst kriegt das Baby Hunger und dann? Ja eben. Mann und Baby eingesackt, auf dem Rückweg noch schnell wegen tausend Einbahnstraßen verfahren, und ab ins Krankenhaus. Auch da: Warten. Lange.

Das Röntgen der Lunge war dann ein besonderer Spaß, weil das Kind partout nicht vor der Platte sitzen oder stehen bleiben wollte. Es erforderte eine blitzschnelle Röntgenassistentin, die just in dem Moment, als das Kind mal kurz richtig davor saß, auf ihr Knöpfchen drückte. Die seitliche Aufnahme war trotzdem etwas schief, aber da das Kind schon wieder völlig aufgelöst war und an mir hing wie eine Klette, meinte sie, vielleicht reicht es ja dem Arzt auch so, erstmal ausruhen und wenn doch noch ein neues Bild gemacht werden muss, dann machen wir das eben später. Ok. Also wieder: Warten. Auf die Bildauswertung.

Das Kind schlief auf Herrn Rabe ein, das Baby hatte Hunger und wurde gestillt, kackte und wurde gewickelt, war müde und wurde herumgeschleppt, die Uhr tickte vor sich hin und dann endlich kam jemand und rief uns auf: Gehen Sie bitte in die Kinder-Notaufnahme. Da wurde mir etwas flau, aber es half ja nichts. Ab in die Kinder-Notaufnahme. Die fanden wir zunächst nicht und irrten, jeder ein Kind und diverse Jacken schleppend, in der Kinderklinik herum. Irgendwann begegnete uns ein Arzt, der uns den Weg sagte. Also hin da und: Warten.

Dieses Mal mussten wir nur sehr kurz warten und wurden von sehr netten Kinderkrankenschwestern in Empfang genommen. Die stellten erstmal drölfzig Fragen und untersuchten das Kind ein bisschen. Wieder über 40 Grad Fieber. Oha.  Das Kind bekam dann ein Eis und ein Trinkpäckchen und 310 mg Paracetamol als Zäpfchen und zwei Emlapflaster falls Blut abgenommen werden müsse (nachdem es auf die Frage: „Tut’s dir irgendwo weh?“ seinen Finger mit dem bunten Pflaster vorgestreckt hatte) und eine Elektrode an den Fuß. Wir bekamen jeder einen Becher Wasser und das Baby einen Kinderwagen zum drin schlafen. Dann mussten wir wieder (Sie ahnen es sicher bereits) warten. Das Pflaster wirkt ja eh erst nach ner Stunde und außerdem war grade Schichtwechsel und sie wollten abwarten, wie das Paracetamol wirkt. 45 Minuten später schliefen alle außer mir. Die Schwestern kamen wieder und weckten alle wieder auf, maßen noch mal die Temperatur (jetzt nur noch 37,8) und gingen wieder raus. Nach noch mal 10 Minuten kam endlich der Arzt, ein netter, ziemlich kleiner, älterer Herr mit starker Brustbehaarung der die in meinen Ohren schönste Sprache der Welt sprach: Schwedisch. Es ist so schön. Hachz. Nun ja, er hörte noch mal ab, besah sich dann nochmal das Röntgenbild, guckte auf den CRP-Wert und machte viele hmms dabei. Und erklärte uns im Endeffekt könnten wir nichts weiter machen, die Lunge hört sich schlimm an, sieht aber so schlecht gar nicht aus, also Entzündung ja, aber keine schlimme, Bakterien sinds nicht, dann wäre der CRP höher, Viren vielleicht, obwohl dann eher auch Ohren und/oder Augen mit betroffen sein müssten, vielleicht auch Mycoplasmen, man weiß es halt nicht. Samstag sollte das Fieber wegsein. Wenns Montag noch nicht weg ist, nochmal zum Arzt. Von dem Husten hätten wir jetzt aber länger was, der alleine sei aber dann nicht mehr ansteckend. Viel trinken. Sei besser als jeder Hustensaft.

Mir fielen erstmal tausend Steine vom Herzen, das das Kind nicht im Krankenhaus bleiben musste. Und tatsächlich hab ich mich noch nie so über nen normalen Wutanfall gefreut, den es zu Hause wegen irgendwas und der runtergefahrenen Temperatur bekam. Darauf eine Pizza für alle!

Tag 105 – 4 Monate und 1 Tag

Mein liebes kleines Mausemädchen,
heute bist du vier Monate und einen Tag alt.
Vor vier Monaten und einem Tag um diese Zeit saß ich auf dem Sofa, las* und veratmete sehr regelmäßige und einigermaßen schmerzhafte Wehen. Und hoffte sehr darauf, dass dein Bruder schnell in den Schlaf finden würde und meine Taktik „Ich setz mich jetzt hier auf den Poppes, es heißt ja Bewegung treibt die Geburt voran, dann tut Stillsitzen bestimmt das Gegenteil“ aufgehen würde.
Und jetzt sitze ich auf dem gleichen Sofa, du liegst auf meinem Schoß und schläfst, um mich rum das Chaos. Dein Papa ist beim Fußball und dein Bruder schläft schon, bei uns im Bett, denn er ist krank. Genauso wie vor vier Monaten und 2 Tagen, Fieber und Schlappsein und Husten.
Wenn ich an deine Geburt und die Tage drumherum denke, kommt mir das schon alles ganz verrückt vor. Aber so war es halt, dein Bruder war einen Tag vorher noch ziemlich krank, die Großeltern grade einen Tag vorher abgereist, ich war am Tag deiner Geburt noch einkaufen (mit Wehen) und habe Marmelade gekocht (mit Wehen) und hatte Besuch von einer lieben Freundin, die mir eröffnete, sie sei auch schwanger (mit Wehen, also ich). Diese Freundin hat jetzt einen sehr hübschen kleinen Babybauch, aber ich schweife ab.
Das passiert mir immer öfter, das Abschweifen. Es muss die Stilldemenz sein. Ich habe das Gefühl, im gleichen Tempo wie du Sachen lernst, werde ich vergesslicher und mein Gehirn siebiger. Und du lernst schnell. Seit ein paar Tagen befühlst du deine Spielzeuge und dein Spieltrapez. Neulich noch konntest du höchstens mal ungezielt dagegen hauen, jetzt steckst du deine Arme aus und die Hände untersuchen alles, was sie zu fassen bekommen. Am interessantesten findest du mein Gesicht, meine Nase, Augen, Lippen. Alles wird befühlt und manchmal auch übermütig gekniffen oder gerissen (Au.). Überhaupt bist du unheimlich aufmerksam und wissbegierig. Ich kann nichts mehr essen oder trinken, ohne dass du mir alles in den Mund guckst. Dein Bruder ist dein größter Held, wenn er da ist, bist du fast immer fröhlich und verfolgst alles was er tut. Bloß wenn er weint, dann weinst du sofort mit, denn dann muss ja mindestens der Weltuntergang bevorstehen. Dein erster Blick morgens ist zu mir: breites Grinsen. Der zweite ist zum Kind: breites Grinsen und dann: Fokus. Was macht es? Turnt es? Spricht es? Vom Kind lässt du dir auch alles gefallen, alles ist ja irgendwie trotzdem interessant. Oh, so fühlt sich das also an, wenn sich jemand im Bett auf meine Hand kniet. Faszinierend. Hand im Gesicht. Aha. Auto auf dem Kopf. Hihi, das kitzelt.
Seit ein paar Tagen kannst du richtig herzlich lachen, wenn ich dich mit viel Geräusch auf die Wangen küsse. Ein meckerndes Babylachen, bei dem mein Herz platzt.
Nur wenige Sachen findest du richtig scheiße. Baden zum Beispiel. Das macht dir irgendwie Angst und ich finde das sehr schade, weil wir anderen eigentlich alle Baden ganz toll finden. Aber du brüllst wie am Spieß und siehst mich mit diesem „Rette Mich!!!“-Blick an, dass mir fast die Tränen kommen. Manchmal findest du Auto fahren doof. Manchmal deinen Kinderwagen. Manchmal die Trage. Und immer: angezogen werden.
Du bist unheimlich stark, du willst nicht babymäßig auf dem Arm liegen, mindestens sitzen und eigentlich stehen. Du kannst dich schon prima aufsetzen, wenn man dir die Hände hinhält und eine Hand reicht dir zum Festhalten, um ein, zwei Minuten stabil zu sitzen. Du rollst dich dauernd auf den Bauch und kullerst mir so im Bett hinterher, wenn ich mal zwei Zentimeter von dir wegrutsche. Überhaupt weißt du sehr genau, was du willst: Ständig in meiner unmittelbaren Nähe sein, möglichst herumgetragen werden. Schlafen nur auf der Seite oder auf dem Bauch oder auf dem Bauch auf meinem Bauch. Wenn du Hunger hast, ziehst du mich quasi mit Blicken aus. Du magst wenn ich singe, egal was und egal wie falsch. Du liebst Massagen. Und wenn wir mal nicht machen, was du möchtest, wird gnadenlos gebrüllt. Da ist keine Geduld, kein anfängliches Gemecker, du schöpfst sofort dein ganzes stimmliches Repertoire aus.

Und dabei bist du so unfassbar niedlich**, dass man dich einfach lieb haben muss.

Murch und :* –

Deine Mama

 

*Allerdings weiß ich nicht mehr, was. Gab spannenderes.
**Dieses Lachgrübchen! Dieses Haarwirbelchen! Diese Speckfüßchen! Diese perfekten kleinen Hände!