Tag 2799 – Neue Dinge.

Keine Murmeln. Die Murmelfrau hat sich nicht noch mal gemeldet. Hmm.

Insgesamt ein sehr sehr durchwachsener Tag. Kindergarten bei der Arbeit, weiter Hormone (hoffentlich hat Corona nicht wieder meinen Zyklus kaputt gemacht und ich mache jetzt für immer Zyklusend-Alles-Hass-Phase), was dann dazu beitrug, dass der Kindergarten eskalierte und ich jetzt echt keinen Bock hab, mehr Zeit als unbedingt nötig im Büro zu verbringen. (Kurzversion: jemand hat auf meinem Stühlchen gesessen. Wenn die Person auch noch aus meinem Becherchen getrunken hätte, wäre ich wahrscheinlich einfach wutentbrannt aus dem Büro gestürmt und wäre nach Hause gefahren. Bei meinem Stuhl geht meine Grenze, generell bei dem wenigen an eigenem Kram, das wir im Büro überhaupt noch haben dürfen. Ich habe beantragt, diesen Stuhl behalten zu dürfen, habe es bewilligt bekommen und einen extra offiziellen Aufkleber drauf geklebt. Man KÖNNTE das respektieren und wenn man sich dazu entscheidet, das nicht zu tun, muss man damit leben, dass ich plötzlich gar nicht mehr lieb und nett bin, sondern eine Furie. Tja. (Zumindest ein paar Tage im Monat ist das so.)

Dann war einiges kurz gut bei der Arbeit, es tun sich wirklich tolle Möglichkeiten für mich auf und ich freue mich schon wie Bolle und lerne mit Duolingo jetzt ein bisschen Koreanisch. Mal gucken, wie weit man in (guckt in den Kalender) WHOA, zwei Monaten!damit kommt.

Dann wurde es wieder blöd, manche sind scheinbar ein wenig lernresistent (keine weiteren Stuhldiebstähle, immerhin). Und ich bin nach wie vor keine gute Pädagogin.

Stuhldiebstahl klingt ein bisschen wie Samenraub. Hihi.

Tag 2786 – Planeten.

Heute habe ich tatsächlich Jupiter und Venus gesehen, im Südwesten, genau wie es geschrieben stand. Hurra!

Ansonsten viel. Arbeit, Essen, Tanzen, Politik. Pendeln nicht zu vergessen. Jetzt ganz schön platt.

Leute bei der Arbeit sind echt nach vier Jahren noch überrascht/beeindruckt, dass ich Ohrringe und Lippenstift in zueinander passender Farbe (kirschrot, nichts ausgefallenes) habe und trage. Ich bin darüber höchstens verwundert, dass die das noch wundert und habe auch nur mit „selbstverständlich!“ geantwortet.

Tag 2775 – Uhla, uhla.

Vielleicht hab ich mir den Magen ein bisschen verdorben, ich weiß aber nicht, an was das gewesen sein sollte. Vielleicht bin ich auch einfach so ein bisschen platt und sollte dringend einfach schlafen.

Hier ist irgendsoeine eklige Wetterfront, vorhin schneite es ungelogen handtellergroße, klitschnasse Schneeflocken, jetzt regnet es. Draußen steht schon wieder überall das Wasser auf dem Eis, alles ist feucht (Cardos wird also bei Minusgraden wieder von innen zufrieren) und das ganze ist sehr bah. Wetterfühlige Menschen wie ich kriegen da ja auch gern Kopfschmerzen von, wenn das Wetter ständig umschlägt, vor allem, wenn es wärmer wird. Weiter Richtung Küste ist auch richtig Sturm, da sind schon Brücken gesperrt und so weiter. Klimawandel macht doch immens Freude, nicht wahr?

Ansonsten heute fast ohne Re-Traumatisierung am IT-Projekt gearbeitet. Einzelpersonen da drin möchte ich aber schon ganz gerne mal… naja. Ich denke, ein Personalgespräch mit der Personalverantwortlichen zur Evaluierung einer möglichen beruflichen Umorientierung wäre angezeigt. Es gibt viele Möglichkeiten bei uns. Irgendjemand muss zum Beispiel die Kaffeemaschinen jeden Tag reinigen.

Anekdote: habe heute eine Stellenanzeige gelesen, in der Erfahrung mit folgendem gefordert wird (immerhin nur unter nice to have): „medicinal products revived from substance of human origin“. Habe dann sehr gelacht, vor allem weil niemand den Fehler auf Anhieb zu finden schien und sich alle fragten, was ich an Blutprodukten lustig finde. Meine eine U40-Kollegin schnallte es dann aber immerhin, als ich ein Voldemort-GIF postete.

Tag 2774 – Flow (kind of).

Aus Gründen war ich heute bei der Arbeit zeitweise sehr happy, da hab ich dann gleich mal nen kompletten Report (für den eigentlich der Lieblingskollege zuständig war) so runtergeschrieben. Ok, danach war es irgendwie schon fünf und die Lieblingskollegin fluchte laut ihren Computer an und dann half ich der noch und dann war es halb sechs und bis ich zu Hause war war es zwanzig nach sieben und ich ziemlich platt, aber ansonsten war es ein guter und produktiver Tag.

Ende nächster Woche ist es(TM) entweder spruchreif oder geplatzt, aber dass es ganz platzt ist seit heute eher unwahrscheinlich. Hihihi, ich freu mich schon mal vor.

Tag 2764 – Kindergarten.

Ich bin ja eine der jüngsten bei meiner Arbeit, aber manchmal habe ich das dumpfe Gefühl, da in einem überdimensionierten Kindergarten gelandet zu sein. Dass ich meinem 10-Jährigen öfter mal sagen muss, dass es gar nichts bringt, sich jetzt über irgendein Ereignis oder einen Zustand aufzuregen, weil man es eh nicht ändern kann und irgendwie damit leben muss, ok. Dass das nie Erfolg hat, auch ok. Aber bei der Arbeit? Muss man da echt genauso erfolglos ständig Leuten sagen, dass Dinge jetzt gerade eben so sind, man weiß, dass sie doof sind, es wird hinter den Kulissen bereits daran gearbeitet, sie besser zu machen, aber jetzt gerade müssen wir das beste aus den doofen Dingen herausholen? Komme mir vor wie eine kaputte Schallplatte.

Ja, es geht um das IT-Projekt.

Vielleicht bin ich auch einfach nicht sonderlich pädagogisch begabt. Oder es ist beides.

Ab morgen drei Tage Inspektion, zur Erholung. Muhahaha.

Tag 2760 – Vorlagen über Vorlagen.

Bin heute ins Büro gefahren, da waren zwei Meetings, die sinnvoll waren, nicht remote wahrzunehmen. Das ist recht anstrengend, ins Büro fahren. Vorsichtshalber habe ich auch heute morgen noch mal getestet, da war aber nur eine Linie auf dem ansonsten blütenweißen Test, somit kam ich um meinen selbst gemachten Plan nicht drum rum.

Nach den zwei Meetings und Mittagspause (Gersten-risotto mit Pilzen und Focaccia, „ungezwungen“ vegetarisch und lecker und sogar das Focaccia ohne Oliven, hach!) habe ich dann im Akkord Dokumentvorlagen erstellt. Ich habe heute mal durchgezählt, ich habe bereits 23 Stück erstellt, 7 fehlen noch. Inzwischen habe ich aber so Übung, dass ich die quasi im Schlaf zusammenklicke. Heute 4 Stück in einer Stunde. Warum muss ich das machen, und warum muss ICH das machen? Die müssen alle in das IT-Projekt getöckelt werden. Vorher waren sie nicht ins Sachbearbeitungssystem integriert, jetzt soll man halt einfach eine Vorlage öffnen können, zum Beispiel einen Report, und dann sind da gleich so grundlegende Daten wie die Adresse der Firma, der Name des zuständigen Sachbearbeiters, die Zulassungsnummer und so weiter ausgefüllt und man muss quasi nur noch die Kür machen, nämlich den Report auch mit fachlichem Inhalt füllen. Aber dafür muss man erst mal die Vorlagen entsprechend erstellen, mit einem speziellen Word-Plugin, das NICHT selbsterklärend ist. Und unstabil läuft, aber das ist ein anderes Thema. Die einzige, die das zur Zeit kann, bin ich (ich übertreibe da überhaupt nicht. Wirklich nicht. Man hat es niemand anderem beigebracht. Genau genommen habe ich es mir auch zu 90% selbst beigebracht). Bisher hatte ich keine Zeit, weil ich mehr als Vollzeit mit anderen Dingen beschäftigt war, aber diese Woche war mal nicht so viel anderes zu tun (und eine Aufgabe, die ich hätte machen KÖNNEN, habe ich halt nicht gemacht) und wie gesagt, mit ein bisschen Übung geht das recht schnell. Ich bin echt ein bisschen stolz auf mich, weil ich, wenn ich die 7 noch fehlenden Vorlagen erstellt hab, meinen Kolleginnen und Kollegen, die Ende nächste Woche in dieses Programm eingewiesen werden, schon mal was geben kann, was sie dann nur noch maintainen müssen. Ich weiß jetzt schon, dass mir einige dafür ewig dankbar sein werden.

Außerdem kann ich, wenn ich mit den Vorlagen fertig bin, das Plug-In deaktivieren und dann stürzt Word auch nicht mehr alle Nase lang ab, das wird das allerschönste.

Tag 2751 und 2752 – War schon fitter.

Gestern bin ich bei Michel im Bett eingeschlafen. Mal wieder. Allerdings ging es mir auch nicht so super, ich wachte morgens schon mit Kopfschmerzen auf, die sich anfühlten, als wäre mein kompletter Kopf in einer Schraubzwinge eingespannt. Das gab sich über den Tag nicht wirklich und dass ich irgendwie noch den Tag durchgezogen habe (z.B. Michel zu einem weiteren, allerdings wohl vorläufig letzten, Diagnostiktermin fahren) war sicher nicht unbedingt hilfreich. Aber Herr Rabe war außer Haus, also musste ich ja irgendwie. Nachmittags bekam ich noch Halsschmerzen dazu und abends zwei Kinder, die Hausaufgaben machen mussten, Hurra. Pippi lernt jetzt mit größeren Zahlen rechnen, Michel musste etwas über Claude Monet lesen und dann zu jedem Absatz des Textes ein Wort schreiben. Ich durfte also auch noch erklären, wo in unserem Garten Mohn wächst und wie der aussieht, damit sich Michel etwas darunter vorstellen kann. Tipp: „große, rote Blume“ ist nicht ausreichend spezifisch. Irgendwann waren aber alle Hausaufgaben gemacht und alle Kinder satt, ich brachte Pippi ins Bett und dann Michel und dann konnte ich meine Augen nicht mehr offen halten. Mein Körper fühlte sich eh an wie durch die Mangel gedreht, weil ich auch schlimmen Muskelkater hatte (und habe), beim Ballett wohl übertrieben. Und ich hab noch gedacht, toll, wie tiefe grand plié in der zweiten du machst, super! Und das ohne „Hinsetzen“ oder Hintern hängen lassen oder Turnout vergessen. Hmmhmm. Die Quittung kam sehr schnell. Au.

Heute war alles nur minimal besser, aber weil ich mir das so vorgenommen hatte, fuhr ich ins Büro. Da schmiss ich nicht den Computer aus dem Fenster und fing auch nicht aus Frust über Word an zu heulen, das war mein größter Erfolg des Vormittags. Den Tag über trank ich sehr viel Pfefferminztee, was die Halsschmerzen (kein Covid laut Test, sonst wäre ich nirgendwo hin gegangen) in Schach hielt. Am Nachmittag arbeitete ich stoisch diverse Unannehmlichkeiten weg und kam da gut voran, was ja auch mal schön ist.

Jetzt Bett, schon wieder sehr spät, aber ich wollte noch auf die Waschmaschine warten. Da drin war nämlich (nebst einigen Kinderklamotten) meine Mütze, mit der ich aus Mangel an Alternativen die Frontscheibe von Cardos trocken gewischt habe, nachdem die Klimaanlage sie endlich aufgetaut hatte. Also von innen. Außen kann ich ja kratzen, aber Cardos friert auch gern von innen zu. Danach war die Mütze nass, aber die Scheibe frei, aber gleichzeitig ist das meine eine warme Mütze und meine Lieblingsmütze ebenfalls und morgen keine Mütze haben ist keine Option. Das ist die heutige Ausrede für spätes Schlafen.

Tag 2708 – Man kann auch…

… zu Hause frieren. Ich wollte echt ins Werk fahren, aber dann führte eine Verkettung unglücklicher Umstände (Kinder.) dazu, dass mir der Zug vor der Nase wegfuhr. Ganz buchstäblich, der Schaffner sah mich noch laufen und ich drückte auch noch auf den Knopf. Tja. Und weil mir dann auch eingefallen war, dass Weihnachtsfeier im Werk war, mit allen 380 Angestellten (naja, denen, die halt Lust und Zeit hatten), und weil es auch minus tausend Grad waren und eine halbe Stunde auf den nächsten Zug warten keine wirkliche Option, fuhr ich einfach wieder nach Hause. Und da war es auch schön und ich hab mit viel Willenskraft auch nicht allzu hart prokrastiniert. (Langsam kommt der Zeitdruck und hilft auch.)

Zu Hause ist es auch kalt. Zumindest im Arbeitszimmer. Das ist alles blöd, ich möchte das nicht.

Abends war ich dann nicht sooooo fit, nicht wirklich krank, aber auch nicht richtig gesund und deshalb tauschte ich Ballett gegen Geige spielen ein. Herr Rabe und die Kinder waren derweil beim Weihnachts-bowlen mit dem Korps, da hätte ich auch mitgekonnt, aber ich hab’s ja nicht übermäßig mit solchen Dingen (siehe oben).

Jetzt Bett. Wird Zeit.

Tag 2707 – Schlottern im Werk.

Das Werk spart jetzt Strom und deshalb ist es da kalt. Da war es vorher schon kalt, jetzt ist es Wollpullover- und Wollsockenkalt. Meine Kollegin sitzt mit Pulswärmern am Schreibtisch, eine andere hat sich zwei Schreibtischleuchten organisiert, um damit punktuelle Wärme zu erzeugen (nein, ich verscheißere Sie nicht). Ich habe schon vor ein paar Wochen so eine Art Teppich zum Anziehen besorgt, trotzdem ist es wirklich keine sonderlich große Freude, da in Meetings oder am Schreibtisch über längere Zeiträume still zu sitzen. Am Ende des Tages waren meine Finger ziemlich blau (ok, ich hab halt auch quasi kein Melanin zur Zeit). Jedenfalls ist Büroarbeit da echt nur so mittel attraktiv, muss ich sagen.

Andererseits war ich heute echt produktiv in den 3 Stunden, in denen keine Meetings waren. Und die großen Bildschirme sind auch ganz nett.

Heute Morgen gab es auch noch Zugchaos und ich saß eine Stunde länger als geplant im Zug, weil im Tunnel vor Oslo eine Hochspannungsleitung gerissen und auf einen Zug gefallen war. Die Leute in besagtem Zug (bzw. sogar zwei Zügen) hatten es jedoch noch deutlich schlimmer, die saßen nämlich vier Stunden mit Notstrom (also kein Licht, keine Heizung, kein Klo) im Zug im Tunnel fest. Wir konnten immerhin im Schneckentempo über die Dörfer statt durch den Tunnel fahren.

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Mein Immunsystem wehrt weiter tapfer Herrn Rabes und Michels Infekt ab, ich bin gesund, dafür habe ich aber die halbe Nacht mit Pippi im Bett geschlafen, weil die schlimme Ohrenschmerzen hatte. Heute gönnten wir ihr dann auch einen Tag mit Nasenspray und Schmerztabletten auf dem Sofa, statt das wehe Ohr draußen 10 Minusgraden auszusetzen. Morgen möchte sie aber sehr gerne zur Schule, weil dann ja St. Lucia ist. Wir werden sehen. Herr Rabe bügelt jedenfalls soeben das Luciakleid.