Tag 1712 – Corontäne Tag 39.

Wenn Pippi wieder im Kindergarten ist, ist dann überhaupt noch Corontäne?

Allerdings ist seltsam Kindergarten. Pippi findet am schlimmsten, dass jetzt kein Spielzeug mehr mitgenommen werden darf. KEINS. Auch kein Schnuller. Auch kein Kuscheltier. Die armen Einjährigen. Weiterhin wurden die Gruppen in kleinere Gruppen aufgeteilt. Diese kleineren Gruppen orientieren sich am Betreuungsschlüssel (3 Kinder pro Erwachsene für U3, 6 Kinder pro Erwachsene für Ü3) und werden Kohorten genannt. Weshalb man die Gruppen wohl eigentlich Legion nennen müsste, oder kommt der Begriff doch aus der Viehhaltung? Man weiß es nicht.

Jedenfalls ist Pippi in einer Kohorte mit 4 anderen Kindern. Die Kohorten sollen sich nicht mischen, maximal 2 Kohorten können zusammenarbeiten (damit je ein Erzieher mal Pipi machen kann). Meetings sollen die Betreuer untereinander möglichst online (!!!) haben. Aaahahahaha.

Pippis Kohorte hat die ganze Woche den ganzen Tag Draußenkindergarten. Ich war nie froher um den bisher furztrockenen April! Es ist warm und sonnig und die Kinder sind am Ende des Tages zwar staubig aber wenigstens nicht matschig. Es sind die kleinen Dinge. Jedenfalls. Die Kinder. Das klappt natürlich eins a, die voneinander fernzuhalten. Weil es Kindergartenkinder sind. Ich frag mich, ob die, die die Richtlinien für die Kindergärten geschrieben haben, je ein handelsübliches Kindergartenkind gesehen haben? Meins lief jedenfalls beim Abholen (nach zweieinhalb Stunden aber hey, besser als gar nichts! Und morgen dann ganze sechs!) von einem Betreuer zur nächsten Betreuerin und alle bekamen eine sehr herzliche und liebevolle Umarmung.

Aber alle Kinder schreien begeistert alle Erwachsenen an, die ihre Kinder abholen kommen, dass sie sich die Hände desinfizieren müssen.

Herzallerliebst alles. Und ein bisschen lustig.

Und für die „Gute Mütter sourcen die Erziehung ihrer Kinder nicht aus und überhaupt – DiE BeZiEhUnG ZuM KiNd!!1elf!“-Fraktion: beim Abholen im Auto plapperte Pippi wie gewohnt vor sich hin und sagte irgendwann nach einer kurzen Pause: „Mama? Ich hab dich doll lieb!“. Zum ersten Mal seit 5,5 Wochen einfach so.

Und ich hab sie auch lieb. Nach einer kleinen Pause voneinander wissen wir das beide wieder besser.

Tag 1711 – Corontäne Tag 38.

Finden Sie die Titel auch so schrecklich eintönig? Dann haben Sie eine grobe Ahnung davon, wie hier die Tage sind.

Ich stand um 9:30 auf, nachdem ich seit einer Stu de wach war und mich über die News aus aller Welt aufregte. Um mich nicht mehr aufzuregen tat ich folgendes:

  • Backen: Brötchen und drei Brote, dabei Podcast hören
  • Yoshi spielen und mich darüber aufregen
  • Duschen
  • Zu den Corontäne-Freunden fahren, ohne Herrn Rabe, der hatte diffuses Halskratzen
  • Grillen, Schnacken, Kopfschmerzen aus der Hölle in der Sonne bekommen (aber hey, Sonne!)
  • Nach Hause fahren
  • Brot einfrieren
  • Yoshi spielen

Jetzt werde ich noch eine Runde Yoshi spielen (ich bin möglicherweise hooked, tja) und dann ins Vett OHNE News aus aller Welt angucken. Lalalala, ich kann das alles gar nicht hören.

Tag 1710 – Corontäne Tag 37.

Die Tage kriechen und fliegen gleichzeitig. Faszinierend.

Heute war ich einkaufen. Im Meny gibt es lose abgewogene Hefe, falls Sie welche brauchen. Norwegen hat jetzt auch wieder Roggenmehl.

Was ich noch erzählen wollte: ich war Donnerstag bei der Endokrinologin im Krankenhaus, wegen der Schilddrüse. Wie zu erwarten, zweites Rezidiv heißt, Organ soll raus. Aber weil ich nicht grad begeistert davon bin, zum jetzigen Zeitpunkt von Levaxin abhängig zu werden, warten wir erstmal ab, dann bin ich halt von Carbimazol abhängig, so what. Mit einer sehr niedrigen Carbimazoldosis lebe ich ein recht gutes Leben. Was mich überrascht hat waren zwei Dinge: 1. kommt Radioiod doch in Frage, unter Cortisonschutz für die Augen und wenn ich mich danach für ein paar Tage von der Familie isolieren könnte (oder die Familie wo anders sein könnte). Geht also zur Zeit nicht. 2. würde man mich, auch wegen der Augen, ganz am unteren Ende des TSH-Normbereiches einstellen und das versuchen wir jetzt auch mit dem Carbimazol. Ich muss also immerhin nicht befürchten, dass man versuchen wird, mich „langsam zu machen“. Das war eine Angst von mir, die mir jetzt genommen wurde. Weiterhin wurde nicht mit mir geschimpft, weil ich mich um meine Medikamentendosis dieses Mal komplett selbst gekümmert habe. Das macht mich auch froh. Ich empfehle das ausdrücklich nicht zur Nachahmung, wenn man nicht schon einige Erfahrung mit der eigenen Schilddrüse hat, aber meine jetzige Hausärztin hat halt, so nett sie ist, keinen Plan von dieser Krankheit. Zu Anfang sagte sie mir eine zu niedrige Medikamentendosis an. Dann bestellte sie mich nicht zu weiteren Blutproben ein. Ich organisierte mir selbst welche. Woraufhin sie mir mitteilte, meine Werte seien „schon viel besser“, ohne mir zu sagen, was das genau heißen soll und ob ich die Dosis anpassen soll. Ich rief an und erfragte die Werte, passte die Dosis an und machte neue Blutprobentermine aus. Irgendwann fand ich raus, dass man sich bei dem Labor, in dem die Proben analysiert werden, als Patientin einfach einloggen kann und da alle Ergebnisse einsehen kann. Meine ganze Historik liegt da! Ich bin entzückt! Und über all das hat die Endokrinologin nicht geschimpft! Ich darf die nächsten 6 Monate so weiter machen, immer mal kontrollieren, wenn ich oder die Hausärztin Fragen haben, sollen wir im Krankenhaus anrufen, und dann gucken wir in 6 Monaten noch mal, wie sich die globale Versorgungskette für Levothyroxin so entwickelt hat. Klingt wie ein guter Plan.

Am Ende des Termins gab es einen kurzen seltsamen Moment, in dem ich die Türklinke anstarrte, als sei die hochgradig infektiös. Dann wusch ich mir sehr sehr gründlich die Hände, machte die Tür mit einem Papiertuch auf und winkte der Ärztin zum Abschied, die über die Aktion sehr lachen müsste und meinte, man merke, dass ich wisse, was ich da tue. Joa. Gelernt ist gelernt, ne?

Ich weiß immer noch nicht, was ich mit meinen Haaren machen soll. Heute Morgen sah ich so aus:

Elvis wär neidisch.

Die Friseur*Innen machen zwar am 27. auf, werden ja aber zu Anfang völlig überlaufen sein. Mich reizt auch der Gedanke nicht, zum Friseur nach Oslo zu fahren. Aber irgendwas muss passieren, schon allein weil es (das kenne ich so gar nicht!) unter der Haarmasse juckt. Undercut? Hat man das noch? (Haha, als wär mir das nicht egal, was „man“ so hat.) Vielleicht lasse ich einfach Herr Rabe morgen mal kreativ werden?

Jupp, das unter meinem Auge da, das ist ein blauer Fleck. Das war Pippi neulich, jedenfalls indirekt. Macht Freude, zur Zeit mit einem blauen Fleck im Gesicht rumzulaufen, wo die Medien voll von Berichten über häusliche Gewalt sind. Auch in Norwegen ist das so und es ist ja auch ein großes Problem in vielen Familien. Seufz.

Sobald ich mich im Freien befinde, habe ich Niesreiz und tränende Augen (trotz Sonnenbrille, an der Helligkeit liegt es also nicht). Das war letztes Jahr im Frühling auch schon so. Ich werd doch nicht mit Mitte 30 noch Heuschnupfen kriegen? Ich habe aus Prinzip keine Allergien! Allergien haben die Kinder, die nie im Matsch spielen durften! Und Hypochonder (ok, also ich), die auch. Mimimi. Seufz.

Hier ist R0 jetzt bei 0,67. Des Weiteren ist die Smittestopp-App bereits von 1,2 Millionen Leuten runtergeladen worden. In zwei Tagen. Noch 800.000 und sie wird sinnvoll einsetzbar. Ich hab sie schon. Ja, da kann man jetzt den Untergang der individuellen Freiheit und aller Persönlichkeitsrechte befürchten, ich habe mich dazu entschieden, zu glauben, was die App verspricht: die Daten werden nur dazu benutzt, herauszufinden, wer mit jemandem, der infiziert ist, seit dessen vermuteter Ansteckung mehr als 15 Minuten näheren Kontakt hatte. Die werden dann gewarnt und können sich in Quarantäne begeben. Die Daten werden nicht genutzt, um die Einhaltung der Kontaktbeschränkungen, des Hütteverbots oder einer Quarantäne zu kontrollieren. Nach 30 Tagen werden alle Daten automatisch gelöscht (und man kann auch selbst jederzeit alle seine Daten löschen). Ich glaube das mal. Fertig.

Tag 1709 – Corontäne Tag 36.

Huch, da war erst Tag 26 wegen Tippfehler und naja, I wish.

Herr Rabe hat heute einen neuen Arbeitsvertrag unterzeichnet und den alten gekündigt. So schnell kann’s gehen. Er freut sich, ich freue mich auch und ich bin sehr stolz auf ihn.

Ansonsten war mein Tag wieder arbeitsam. Meeting, Meeting, Meeting, Dinge wegschaffen, mit den Kindern das Mathebuch von der Schule holen und zurück laufen, Dinge wegschaffen, Meeting, Meeting, Meeting. Uff. Und die Kinder – naja, die lernen jetzt mal Selbständigkeit.

Überhaupt. Ich bitte doch drum, dass sich hier in den Kommentaren nicht beleidigt wird. Ich bitte außerdem drum, dass man sich mit verletzenden Aussagen zurückhält, auch mir gegenüber, weil, tja, also, ich bin ein verletzliches Wesen. Glauben Sie mir, egal was Sie mir an den Kopf werfen wollen: das denke ich eh über mich. Das macht mich nicht hart gegenüber solchen Aussagen, sondern weich. Ich würd ja gern sagen, dass mich Unsinn nicht trifft, ist aber nicht so. Ich gebe hier viel über mich preis – unter anderem wie ich das Zusammensein mit meinen Kindern manchmal empfinde – aber das ist immer meine Sicht. Immer gefärbt von meiner Innensicht. Von meinen Erwartungen an mich, die leider gar nicht mal so weit von einer 1950er Jahre Mutti aber bitte mit der Karriere einer Frau in den 2040er Jahren entfernt sind. Und ohne den Teil, in dem man seine Kinder bei Nichtgehorchen in den Keller sperrte. Irgendwas zwischen Mary Poppins und Jasper Juul wär bestimmt gut. Jedenfalls – ich schreibe hier nicht, wie die Kinder empfinden, weil ich das nicht weiß. Ich schreibe nicht aus Sicht von Herrn Rabe, weil der das selbst kann und ich kann ihm nicht in den Kopf gucken. Keine Ahnung, ob meine Kinder später mal sagen „ich war bei meiner Mama immer geborgen“ oder „ich konnte meine kreative Seite immer ausleben“ oder „meine Mama war mit uns voll überfordert“. Wenn sie mich mit, sagen wir mal, 23 noch am Kopf haben können ohne permanent Augen zu rollen, bin ich vermutlich zufrieden. Aber zurück zum Punkt: wenn Sie nichts konstruktives zu sagen haben, lassen Sie es doch in Zukunft einfach. Und wenn Sie nur wegen Katastrophentourismus hier sind, weil man sich so schön dran hochziehen kann, (anderen?) Eltern beim Verkacken und Verzweifeln und Überfordert sein und gelegentlichem Rumschreien zuzuschauen, dann willkommen in diesem Zirkus, stets zu Diensten zu Ihrer Unterhaltung.

Herrje, so müde von allem.

Tag 1708 – Corontäne Tag 35.

5 Wochen. Ich drehe inzwischen einigermaßen am Rad. Deshalb antwortete ich heute auch dem Kindergarten einen Tag zu spät und etwas… ausführlicher auf die Frage, ob wir „irgendwie von der Situation betroffen“ seien. Ahahaha. Ja. Ich habe die Antwort mal für Sie übersetzt:

Natürlich sind wir von der Situation betroffen. Alle sind von der Situation betroffen. Wir sind mitten in einer globalen Pandemie. Wir sind unsicher und wir arbeiten uns kaputt. Ich denke, diese Antwort habt ihr vielleicht von mehreren bekommen. Ich weiß nicht ob ihr es bemerkt habt, aber die Kindergärten und Schulen sind seit 5 Wochen geschlossen, wir haben zwei Stunden Vorlauf bekommen um unsere Kinder zu holen und auf unbestimmte Zeit mit ihnen zu Hause zu sein. Das ist so weit weg von Ferien wie es nur geht. Wir arbeiten weiterhin. Zu Hause. Wir unterrichten einen unmotivierten Zweitklässler und sind die Kindergärtner/innen für eine soziale und willensstarke Vierjährige. Keiner von uns Erwachsenen wollte je Kindergärtner/in oder Lehrer/in werden und um es direkt zu sagen: wir sind schlecht darin. Wir können das nicht. Ihr Kindergärtner*Innen und Lehrer*Innen seid Superheld*Innen und ich werde mich nächste Woche sehr zusammenreißen müssen, um nicht vor Dankbarkeit weinend zu euren Füßen zusammenzubrechen. Ich habe ausgerechnet, dass wir zur Zeit 28 Stunden am Tag arbeiten, auf zwei Erwachsene verteilt. Das war natürlich, bevor mein Mann zu 40% permittiert [Kurzarbeit] wurde, was zusätzlich für ökonomischen Druck gesorgt hat. Gleichzeitig helfen 40% eines Vollzeitjobs nicht wesentlich, wenn es um die totale Arbeitsbelastung geht, er kommt nun nur darum herum, jeden Abend zu arbeiten. Ich nicht. Mein Job ist außerdem ein sogenannter systemrelevanter und, huff, ja, es sind stressige Zeiten für die Medikamentenwelt. Wir hatten jetzt seit 5 Wochen keine Pause. Gestern tanzte ich ein bisschen durchs Wohnzimmer, weil ich einkaufen „durfte“. Zu Fuß, da hatte ich fast eine ganze Stunde Alleinzeit! Ich fühle mich wie die schlechteste Mutter der Welt (und mein Mann sich wie ein echt schlechter Papa), weil die Kinder ca. 15 mal mehr Tablet schauen als wir sonst zugelassen hätten. Es ist fast täglich ein Kampf, sie zu irgendwas anderem zu kriegen. Draußen Vögel beobachten? Äh. Ja. Nette Idee. Das kann ich alleine machen, die Kinder gucken Mia and Me, win-win, bloß das schlechte Gewissen… Die Kinder vermissen ihre Freund*Innen und sind nicht sie selbst vor schlechter Laune und Anspannung und zu wenig Bewegung und fehlenden Sozialkontakten. Wir Eltern haben einen Tunnelblick um jeden einzelnen Tag zu schaffen und wir versuchen uns aktiv einzureden, dass die Kinder keinen Schaden davon tragen werden. Ich habe meine Kinder unglaublich doll lieb und das hört sich jetzt gemeiner an, als es gemeint ist, aber bitte nehmt Pippi ein paar Stunden am Tag, bitte. Wir können nicht mehr.

Also ja, wir sind betroffen.

Und hier das Original:

«4. Så klart vi er berørte av situasjonen. Alle er berørte av situasjonen. Vi er i midten av en global pandemi. Vi er usikre, og vi sliter oss i hjel. Jeg tror dette svaret kan dere ha fått fra flere. Jeg vet ikke om dere har lagt merke til det, men barnehagene og skolene har vært stengt i 5 uker nå, vi fikk to timers varsel om å hente barna for så å være hjemme med dem på ubestemt tid. Dette er så langt fra ferie som man bare kan komme. Vi jobber fortsatt. Hjemme. Vi underviser en motivasjonsløs andreklassing, og vi er barnehagelærere til en sosial og viljesterk fireåring. Ingen av oss voksne har noen gang ønsket å være barnehage- eller barneskolelærer og for å si det rett ut: vi er dårlige på det. Vi kan det ikke. Dere barnehage- og andre lærere er superhjelter og jeg kommer til å måtte ta meg sammen til å ikke bryte sammen gråtende av takknemlighet ved deres føtter neste uke. Jeg har regnet ut at vi for tiden jobber 28 timer om dagen, fordelt på to voksne. Det var selvfølgelig før min mann ble 40% permittert, som i tillegg har ført til noe økonomisk press. Samtidig hjelper ikke 40% av en heltidsjobb vesentlig når det kommer til den totale arbeidsbelastningen, han slipper bare å jobbe alle kvelder. Ikke jeg. Min jobb er i tillegg en såkalt samfunnskritisk en, og huff, ja, det er travle tider i legemiddelverdenen. Vi har ikke hatt en eneste pause på 5 uker nå. I går danset jeg litt på stua fordi jeg „fikk lov“ til å gå og handle. Til fots, da hadde jeg nesten en hel time med alenetid! Jeg føler meg som den verste mammaen i hele verdenen (og mannen min seg som en skikkelig dårlig pappa) fordi barna ser på nettbrett ca. 15 ganger mer enn vi ellers ville tillatt. Det er kamp nesten hver dag å få de til å gjøre noe som helst annet. Se på fugler ute? Æh. Ja. Fint idé. Det kan jeg gjøre alene, barna ser på Mia and Me, win-win, bare den dårlige samvittigheten… Barna savner sine venner og er helt ute av seg av dårlig humør og anspenning og for lite bevegelse og manglende sosialkontakter. Vi som foreldre har tunnelsyn for å klare oss gjennom hver eneste dag og vi prøver å aktivt innbille oss at barna ikke kommer til å ta skade av det. Jeg er utrolig glad i mine barn, og dette høres nå slemmere ut enn det er ment, men vær så snill og ta [Pippi] noen timer om dagen, vær så snill. Vi kan ikke mer.
Så ja, vi er berørte.»

Jaha. So war das.

Und jetzt gehe ich in meinem Bett staubsaugen und ein neues Laken aufziehen, denn jemand* hat da heute Regenwürmer samt Erde drin ausgesetzt, und ein Loch ins Bettlaken geschnitten, damit die Regenwürmer da durch können. Und dann suche ich den Lippenstift, den jemand* vorhin im Gesicht hatte und schließe ihn weg. Und vieles mehr. Die Scheren zum Beispiel. Alle.

*jemand geht auch bald wieder in den Kindergarten, wenigstens ein bisschen oder manchmal oder wasweißich aber hallelujah, wird das schön.

Tag 1707 – Corontäne Tag 34.

Ja, das war… auch so ein Tag. Sagen wir einfach was gut war:

  • Zyklusanfang macht Laune sonnig
  • Sonne macht Laune sonnig
  • Die Zeiten der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sind wohl erst mal vorbei (der Grund dafür ist allerdings ein schlimmer)
  • Bei Herrn Rabe sieht es beruflich so aus, als öffneten sich neue Türen schnell und weit
  • Kompletten Arbeitstag plus gearbeitet
  • Schneller Spaziergang zum Supermarkt, allein, ganz allein, ohne Kinder!

Was war noch? Heute kamen die Richtlinien für die nächste Woche öffnenden Kindergärten raus: Gruppengröße auf (Ü3) 6 Kinder beschränken, maximal zwei Gruppen mischen, in festen Zusammensetzungen und maximal wochenweise die Zusammensetzung ändern. Dasselbe für die Erwachsenen. Alles dauernd putzen und zusehen, dass kein Spielzeug außerhalb der eigenen Gruppe benutzt wird, bevor es desinfiziert wurde. Lustigste Empfehlung: die Betreuer*Innen sollen bitte online-Meetings miteinander haben und keine physischen. Für uns als Eltern herausforderndste Empfehlung (wenn auch nicht unerwartet): Kinder, die auch nur im geringsten verschnupft oder sonstwie krank sind, dürfen bis einen Tag nach Abklingen aller Symptome nicht in den Kindergarten. Ahahaha. Ich gebe uns drei Tage bis zur ersten Erkältung. Aber egal: drei Tage sind besser als nichts!!!

Tag 1706 – Corontäne Tag 33.

Lange Tage. Langer Tag. Ich kam zwar problemlos nach Oslo durch (kein Stau! Das passiert wohl nur ein Mal im Leben!) musste dann aber fast eine Stunde auf die Blutentnahme warten. Zusammen mit einer Menge Menschen, die mir nach fast 5 Wochen ohne Menschen um mich rum furchtbar groß vorkam, es aber wohl eigentlich gar nicht war. Manche trugen Mundschutz, die meisten aber nicht. Eine Person hustete, aber schleimig, nicht trocken. Ich atmete fast eine Stunde lang sehr flach.

Danach Arbeit Arbeit. Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wollen auch weggeschafft werden. Abends die traurige Nachricht, dass ein sehr netter Kollege gestern leider verstorben ist. Etwas unglücklich, dass in der Mail nicht stand, woran, nur zufällig weiß ich, dass es nicht Covid19 war.

Beim Versuch, das iPad aus ihren Händen zu entfernen, damit ich sie ins Bett bringen kann, schlug Pippi nach mir und ich haute mir beim Ausweichen am Bett so doof den Kopf an, dass ich jetzt ein geschwollenes Jochbein hab (noch ist es nicht blau, aber was noch kein Veilchen ist, kann ja noch eins werden) und dazu heftige Kopfschmerzen.

Ich mag nicht mehr. Kack Film.

Dazu passend: The parents are not okay. Noch eine Woche mit zwei Kindern, dann eine Woche mit einem Kind und wenn beide gesund bleiben (was ja an sich schon an ein Wunder Grenzen würde) und Vollzeit betreut werden (das ist zur Zeit noch fraglich, die Hygiene- und Infektionsschutzrichtlinien für Grundschule (1.-4. Klasse, das ist hier nur die halbe Grundschule!) und Kindergärten sind noch nicht raus) sind dann zumindest die Kinder tagsüber außer Haus und wir Erwachsenen können vielleicht wieder atmen und sowas wie normale Arbeitstage haben. Das wäre irgendwie schön.

Tag 1705 – Corontäne Tag 32.

So langsam habe ich das Gefühl, uns entgleitet jede Struktur. Wir kriegen keinen Elternpreis für diese Zeit, soviel ist sicher. Wir kriegen auch keinen Haushaltspreis (auch wenn ich heute aus Langeweile und weil Pippi mich nicht an die Switch ließ die Bäder putzte) und keinen Gartenpreis. Heute stürmte es so dermaßen, dass Herr Rabe es etwa fünf Minuten draußen aushielt und dann beschloss, dass wir Weide und Hecken einpflanzen verschieben müssen. Wenigstens wussten wir vorher, dass es stürmen würde, sodass Herr Rabe gestern Abend noch das Trampolin bis auf das Gerippe abgebaut hat. Konsequenter Weise war der Rest von uns heute den ganzen Tag im Schlafanzug.

Morgen geht es weiter. Noch nicht so ganz, weil noch „Ferien“ sind, und weil ich zum Krankenhaus fahren und eine Blutprobe nehmen lassen muss. Aber wieder früh raus und Dinge tun. Arbeiten. Uiuiui. Ich hab das Gefühl, seit drei Wochen nur rumgesumpft zu haben und nicht erst seit Donnerstag.

Ich habe mir die Haare in „Marshmallow“ getönt und kein Foto für Sie, weil die Farbe ohnehin unsichtbar ist. Die Haare sind nach zwei Stunden Einwirken unverändert silbrig. Fühle mich leicht veräppelt und bin froh, nur 50 Kronen für die Farbe ausgegeben zu haben, weil sie einen Transportschaden hatte, es war etwas Farbe aus dem Deckel ausgetreten. Meine Lilaspülung hat genauso viele Pigmente, glaube ich. Pfft.

Ich bin diesen ganzen Scheißes so müde.

Tag 1704 – Corontäne Tag 31.

Frohe Ostern Ihnen allen! Nach einem holprigen Anfang (Lagerkoller trifft PMS) war es hier noch sehr schön, mit dem sonntäglichen Besuch der Corontäne-Freunde und einem Bier am Abend mit Freunden via Zoom. Ohne Corona-Talk (naja, mit wenig).

Michel ist heute alleine eingeschlafen. Schon wieder! Ich verließ ihn noch halb wach, um telefonieren zu gehen, er fand das nicht gut, aber nachdem ich versprochen hatte, dass er uns zuhören kann, wenn ich die Tür auflasse und er sich anstrengt beim zuhören, war es ok. Da er nicht noch mal runter kam, gehe ich fest davon aus, dass er recht schnell eingeschlafen ist. Vielleicht, ganz vielleicht, lernt Michel ja doch endlich das allein einschlafen. Das wäre sehr schön, ehrlich gesagt.

Michel ist übrigens nach eigener Aussage „sehr großer Fan von din* Sendung mit din Maus zum Hören“ und ich könnte den manchmal einfach fressen vor Süßigkeit. Immer noch.

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*Universalartikel, für der/die/das und in allen Fällen. Praktisch, nicht?

Tag 1703 – Corontäne Tag 30.

Es zieht sich. Zyklusbedingt war mein Antrieb heute eh nicht so auf der Höhe, deshalb habe ich konsequent den Fitnesstracker ignoriert und sehr viel Yoshis Crafted World auf der Switch gespielt. Erst mit beiden Kindern, aber das regt Michel innerhalb von 20 Minuten so auf, dass er heulend davon rennt. Dann sehr lange mit Pippi, die mich immer dann spielen ließ, wenn sie kurz was anderes vorhatte, zum Beispiel von der Banane abbeißen. Mitten im Level. Mitten im Sprung. „Hier, Mama!“. Da Pippi auch völlig random und ziellos, aber mit großer Freude und Ausdauer die gleichen Level spielt, war ich dann ein bisschen froh, als die Kinder im Bett waren, denn da hatte ich noch eineinhalb Stunden Yoshi für mich. Einen weiteren Stein habe ich schon frei gespielt, Juhu!

Außerdem haben wir heute „Hecke“ gekauft, die die „Hecke“ ersetzen soll, die wir haben und die ich doof finde und die auch irgendeinen Pilz hat. Und weil Pippi die ungekrönte Königin dieser Familie ist und niedliche Zöpfchen hatte und einfach so lieb gucken kann haben wir jetzt eine kleine Hängeweide. Das Argument für die Hängeweide war „Weidenkätzchen!“. Fragen Sie nicht.

Mir ist nicht nach Ostern. Mir ist nach Sommer. Ich mag keine kalten, harten Eier und nur selten Schokolade, an irgendwelche Wunder tuenden Leute glaube ich auch nicht und nicht an Auferstehung und Sünden vergeben und weißnichtwas. Ich freue mich drauf, unsere Corontänefreunde wie jeden Sonntag morgen zu sehen, wir haben Eierfarben gefunden (alljährlicher Reminder: wir haben sehr sehr viele Eierfarben und brauchen frühestens zu Ostern 2023 neue, nach Ostern 2022 im Schlussverkauf böte sich also zum Kauf an!) und auch die Ostereier für die Kinder gepackt. Da beide dringend Körperpflege inklusive Grundreinigung benötigen, haben wir die Versteckzeit schon klar. Ostersonntag kann (und wird) also kommen, ob ich da jetzt Lust drauf habe oder nicht.

Keine Bilder.