Tag 1161 – Irgendwo in Skandinavien.

Pippi und ich sind wieder zu Hause. Was gut ist, im Krankenhaus hätte ich sonst heute wen umgebracht, weil sich eine ganz schlechte Nacht, PMS und die missglückte Lieferung unseres Krams aus Deutschland ganz ungünstig auf meine Laune auswirkten. Der Spediteur kam nämlich heute *nicht* um zwölf, wie er gestern Abend (was ja auch schon totaaaaal weit im Voraus und super gut für uns planbar war) angekündigt hatte, sondern um zehn. Und dabei hatte er den Schrank, den Stuhl, den Lampenfuß und drei Umzugskartons. Drei. Es waren 13. 10 unserer Umzugskartons, nämlich

  • 6 mit Büchern
  • 2 mit CDs und
  • 2 mit Küchen- und Dekokram

sind verschollen. 7 sind angeblich in Umeå und der Spediteur meint, das seien alle, das könne gar nicht sein, dass er die anderen vielleicht in Linköping vergessen habe, wir hätten nur sieben weitere gehabt. Äh, nein, es waren 10, die stehen auf der Liste und wir haben Fotos davon und ich will verdammt noch mal meine Bücher haben. Die sieben in Umeå versehentlich ausgeladenen Kartons werden vermutlich im Dezember abgeholt, da fährt der Spediteur nämlich nach Tromsø und kommt dann ja quasi da vorbei.

Ich bin etwas sehr angesäuert. Das einzige, was mich besänftigt ist mein Schatz Schrank. (Wechselt vielleicht noch in die Küche, das müssen wir mal messen, andererseits: was soll dann da ins Wohnzimmer? Hmm.)

Der sieht so klein aus. Das Ding ist riesig. Und ich liebe es.

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Auto-Lobhudelei: Keinen gebissen, noch nicht mal wen angeschrien, dafür immerhin versucht, wen anzurufen (der dann aber nicht dranging).

Tag 1155 – Welch ein Glück…

… dass ich dringend ins Bett gehöre. Sonst würde ich mich noch aufregen. Anlass hätte ich genug, denn ich fuhr heute nach meinem Termin über den ich nicht reden möchte an der Chipsfabrik vorbei um für den italienischen Studenten was abzugeben, dann war das aber ganz falsch da und ich musste nochmal 20 km weiter fahren, dann ist man fast in Schweden aber so ist das eben. Jedenfalls fuhr ich auf dem Parkplatz rückwärts in ein Auto, das da halt stand, mit der Fahrerin drin und tja, dann wohl keine Badewanne für uns erstmal. Könnte man sich jetzt drüber aufregen, aber hilfts? Nein.

Auch echt blöd ist, dass beide Kinder krank sind. Michel mehr als Pippi. Michel hat morgen Geburtstag und wird den wohl zu Hause verbringen und nicht auf seinem nigelnagelneuen Fahrrad zur Schule cruisen. Bei Pippi ist das doof wegen der Op.

Ach ja, die OP. Also. Es ist mitnichten so, dass ich wegen ein, zwei Infekten meinem Kind lustig im Hals rumschnippeln lasse. Sie hat, das habe ich auch hier und hier schon mal ausführlicher geschrieben, Periodisches Fiebersyndrom, eine total sinnlose Krankheit, bei der die Kinder bloß Fieber kriegen und sich scheiße fühlen und das alle drei Wochen. Wenn die Antroposophen recht hätten mit ihren „Entwicklungsschüben durch Krankheiten“ könnten wir Pippi eigentlich schon mal an der Uni anmelden statt im neuen Kindergarten. Gegen diese Krankheit hilft nur Warten (bis zum 10. Lebensjahr wenns blöd läuft) oder die Mandeln zu entfernen. Und weil Pippi außerdem schnarcht wie ein (sehr niedliches) Sägewerk werden die Polypen auch gleich gekürzt, das sollte auch die Infektanfälligkeit noch mal verringern. So eine Operation ist nicht ohne Risiko und auch das weiß ich, auch dass die Mandeln ein Organ des Immunsystems sind, weiß ich auch, aber, Achtung, Anekdote: seit nunmehr 28 Jahren lebe ich ganz gut ohne. Ich bin nicht häufiger, schwerer oder anders krank als der Durchschnitt, jedenfalls nicht im Hals. Dafür konnte ich die Grundschule deutlich häufiger besuchen als den Kindergarten, weil ich nämlich – Überraschung – auch alle paar Wochen krank war bis zu der OP. Also wir hoffen alle sehr, dass die OP gut läuft und dieses blöde Syndrom ein für alle mal beendet, denn was ganz sicher nicht helfen wird, sind irgendwelche Zucker-Weizenpillen. Auch nicht mit Birkenkohle. Das einzige, was wir davon haben, ist ein Kind, das dauernd krank ist *und* jedes mal Pillen reingeschoben bekommt. Und ein leereres Portemonnaie, das haben wir dann auch. Man merkt es vielleicht: ich halte ü-ber-haupt gar nichts von Homöopathie. Nicht bei Beulen, nicht bei Husten, nicht bei seltsamen Fiebererkrankungen, schon mal gar nicht bei schweren Infekten und jede*r, der Homöopathie gegen Krebs anbietet gehört eingesperrt. So, ist das auch mal gesagt.

Jetzt hab ich mich doch ein wenig aufgeregt. Tjanun. Jetzt aber Bett.

Ach ja, ich hab es heute endlich bezahlt, jetzt kann ich Ihnen auch mal das Kleid zeigen.

Entspannte Haltung.

Entspanntes Gesicht. (Es braucht übrigens keine Sicherheitsnadel, aber sie beruhigt ungemein.)

Tag 1151 – Familienfeiereiplattheit.

Familienfeier mit Rabes heute im Kreuzkruuuch (wie immer). Es war wirklich entspannt und schön (nicht wie immer) und die Kinder eigentlich den ganzen Tag draußen, wo sie mit den Kindern von Herrn Rabes zwei Cousinen spielten. Das war ganz wunderbar, so wunderbar, dass wir danach noch bei Herrn Rabes Bruder Ponyreiten gingen. So wunderbar, dass Michel jetzt nicht einschlafen kann und ich aber gleich einschlafe, was blöd ist, weil wir noch fertig packen müssen und ich auch gern mehr geschrieben hätte, aber, echt, ZZZzzzZZZzzz.

Tag 1143 – Schwuppdiwupp.

Heute unheimlich viel gemacht. Zum Beispiel fast* das ganze Haus geputzt und Unmengen Wäsche gewaschen. Das war ein wenig schlechter Planung und schlechtem Zeitmanagement (wenn auch verständlicherweise) in den letzten Tagen geschuldet. Es steht ja schon etwas länger fest, dass wir morgen nach Deutschland fahren. Morgen. Da ist gestern mit Waschen anfangen… knapp kalkuliert. Nun ja. Es war ja auch irgendwie nicht ganz klar, wer wie warum nach Deutschland fährt, ich hatte das mit dem Chipsmann zwar abgeklärt aber er schien es einfach vergessen zu haben oder vielleicht hat er es auch absichtlich übergangen, wer weiß das schon. Jedenfalls hatte ich dann heute noch eine Runde Rennerei, damit mir nicht für die Zeit in Deutschland das Krankengeld** flöten geht. Es kann immernoch gut passieren, dass es mir eben doch flöten geht, aber ich bin eben so, es gibt eine Regel, also befolge ich sie. Anderenfalls hätte ich in der Woche und danach noch ne Weile permanent Angst gehabt, dass wer rausfindet dass ich nicht zu Hause Däumchen drehe und dann wäre vermutlich nicht nur das Geld nachträglich flöten gegangen sondern möglicherweise richtig die Wurst warm. Neenee. Dann lieber wegen verpasster Frist einen drüber kriegen, als wegen Schummelei. Nun denn. Jedenfalls Rennerei.

Mit Pippi den neuen Kindergarten angeschaut. Ich finde ihn super schön. Pippi sagt „Will nich anna kinnergaten gehn.“ und dann macht sie ihr böses Gesicht. Aber Pippi war auch müde und fror als wir da waren, das waren also nicht so tolle Voraussetzungen. Ich denke, wenn sie erstmal rausfindet, dass die da richtige Schaukeln haben und nicht nur so Netz-Dinger, dann sieht das schon anders aus. Ich finde schön, dass der ein wenig so wirkt wie der alte Kindergarten in Trondheim, mit wenigen Kindern, alles (also Erwachsene, Kinder und Spielzeug) ist gut eingespielt und irgendwie familiärer als der hypermoderne Kindergarten, in dem Pippi jetzt ist. In Pippis Gruppe (Der Fuchs-Ecke) sind neun Kinder und drei Erwachsene, das ist schon was anderes als knapp zwanzig Kinder und drei Erwachsene (plus eine Aushilfe). Ich freue mich drauf, nicht nur weil wir dann nicht mehr dreißig Minuten zum Kindergarten fahren müssen.

Pippi war heute morgen soooooo niedlich. Wir haben im Auto Billy Talent gehört. Ich weigere mich ja, im Auto Kindermusik*** anzumachen, mein Auto, meine Regeln, also hören wir irgendwas aus dem CD-Wechsler oder von meinem Telefon. Heute also Billy Talent. Und wie ich so fahre ruft Pippi von hinten „Dead Silence… Mama, lauter! …Ieeeaaahooooo! Dead Silence! Oooooeeeiiieeeeaaahhoooo!“. Melodiesicher. Ich habe ein Video gemacht, sie sang das noch bis in die Kita-Gruppe immer weiter und auch nachmittags sagte sie, kaum dass wir am Auto waren: „Ich will Dead Silence!“ Hachz.

Michel war auch sehr niedlich und hat ein Bügelperlen-Dings für Opa gemacht. Im Hort. Ganz geduldig und ausdauernd. Während ich ihn eigentlich abholen wollte. Pippi hat sich derweil mit A. angefreundet, die geht in Michels Parallelklasse und hat ein extra Chromosom, Pippi und sie schütteten gemeinsam begeistert Bügelperlen aus und sammelten sie dann wieder ein. Ist ja schön, aber: können die Kinder sowas nicht an Tagen machen, wo ich nicht noch ganz viel zu tun habe?

Jetzt Bett und hoffen, dass die Wäsche bis morgen trocken ist.

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*bis auf die Küche, denn Herr Rabe hat gekocht. Das ist immer sehr lecker aber Herr Rabe und Ich kommen an dem Punkt „Wie sauber und aufgeräumt sollte die Küche während des Kochens und unmittelbar nach dem Kochen sein?“ einfach nicht überein und deshalb muss Herr Rabe seine Sauerei selbst beseitigen hinter sich selbst herräumen.

**Wenn Sie jetzt denken „aber sie kann doch einfach Urlaub nehmen, ist doch Wurscht“: ja, könnte ich. Und hätte ich unter normalen Umständen ja auch. Aber der wäre, wie in Norwegen üblich, unbezahlt****. Und das Krankengeld steht mir ja zu. Eigentlich. Jedenfalls wenn ich mich eher drum gekümmert hätte.

***Herr Rabe hat mir letztens Bummelkasten gezeigt. Ich lache immernoch, wenn auch ein wenig ertappt.

****Es ist kompliziert.

Tag 1137 – Und dann, plötzlich…

… stehe ich im Supermarkt und kaufe (alleine) ein und kriege Gliederschmerzen. Im Becken (auch wenn das auch bei mir nicht atmet), im Rücken und in den Beinen.

… rupft sich das große Kind seinen nächsten Wackelzahn raus. Und singt ihm vor.

… verbringe ich fast zwei Stunden mit meiner Mutter am Telefon. Meine Mutter verplant schon mal das noch nicht vorhandene Gefährt, mit dem mein Onkel seinen Rennwagen durch die Gegend kutschieren will.

… bin ich so hundemüde, dass mir die Augen beim Tippen zufallen. Keine Links heute, bin froh, wenn ich mich noch abgeschminkt kriege.

Bitte jetzt nicht auch noch diese Erkältung von Michel.

Tag 1129 – Eines schläft…

Das andre wacht.

Michel sagte um halb zehn (ja, spät, aber immerhin sagte er es dann selbst), er wolle ins Bett.

Pippi leider nicht.

Pippi schlief nämlich auf dem Sofa von der Kindergartenheimkehr bis mir der Milchreis auf den letzten Metern doch noch angebrannt war. Das war ziemlich lang. So lang, dass sie dann vom Harndrang auch nicht wach wurde. Aber genau deshalb haben wir ja ein IKEA-Sofa gekauft, bei dem man alle Bezüge problemlos abnehmen und waschen kann. Heute habe ich mir für diese Entscheidung nachträglich noch mal sehr fest auf die Schulter geklopft. Nachdem ich die Waschmaschine mit drei Bezügen (dem vom Sitzkissen, dem vom Rückenkissen und dem vom Armlehnenkissen) gefüllt hatte.

Naja, jedenfalls ist Pippi seither halt wach. Wir haben zusammen eine Folge „The Marvellous Mrs Maisel“ geschaut, aber sie war immernoch wach. Ich habe ihre Lightning McQueen-Easy-to-build-Legofigur drülfzig mal zusammen- und wieder auseinandergebaut. Hab gekuschelt und gespielt und dann hab ich mich irgendwann durchgesetzt, dass sie wenigstens einen Schlafanzug anzieht. Jetzt ist sie weiterhin sehr wach und ich bin zum Umfallen müde. Wie macht sie das denn bloß? Vielleicht sollte ich auch mal nachmittags noch ne Stunde schlafen.

Schlaf doch liebes Kind. Und bitte morgen nicht wieder um halb sieben auf der Matte stehen, ja?

Tag 1126 – Evakuierung.

Heute morgen habe ich die Reißleine gezogen und das einzige Vernünftige gemacht, was mir grad blieb. Auf dem Weg zur Arbeit schon anfangen zu weinen, ist nicht gut, inzwischen allen misstrauen ist nicht gut, was für Blüten dieses Misstrauen getrieben hat, ist mir zu peinlich um es aufzuschreiben. Nicht mehr schlafen können ist nicht gut, bei jedem Gespräch über die Arbeit die Contenance verlieren und wie ein Kindergartenkind zu weinen anfangen ist mit Mitte 30 gar nicht gut. Alles nicht gut und deshalb habe ich mich heute aus der Firma evakuiert. Die nächsten zwei Wochen* ist also wieder spazieren gehen angesagt.

Außerdem habe ich heute die Babyschnecken aus der Box mit den Großen Schnecken evakuiert. Jedenfalls die vier, die ich lebend wiedergefunden habe. Eine habe ich beim Hochnehmen der Box versehentlich am Deckel zermanscht, der Rest war verschwunden, nachdem zwei der drei ruhenden Schnecken aufgewacht sind und in der kleinen Box herumgegraben haben. Diese dünnen Babyhäuser sind ja noch so empfindlich, wenn da eine Babyschnecke zwischen große Schnecke und Boxwand gerät, war’s das. Seufz. Die vier Babys sind jetzt jedenfalls in einer eigenen Box.

Hui, die Schlaftablette wirkt. Huiuiui. Äh. Gute Nacht!

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*erstmal. Dann sehen wir (also der Arzt und ich) weiter.

Tag 1118 – Abendbeschäftigung.

Heute morgen war ich um halb neun im eine Stunde entfernten Krankenhaus, um Pippis PFAPA-Therapie zu planen. Und ich war pünktlich! Nach vier Stunden Schlaf! Pippi war toll, hat vom Arzt bis zu den wartenden älteren Damen bei der Blutabnahme absolut alle bezirzt und da hatte sie sich das Eis* dann auch mehr als verdient. Ich habe wirklich ein sehr tolles Kind. Zwei sehr tolle Kinder. Ach ja: Pippi hat im Krankenhaus allen erzählt, sie und Michel seien beste Freunde. Ich hab sehr gelacht – manchmal sind sie das kurz, aber meistens hauen sie sich wegen irgendwas die Köppe ein.

Dann Arbeit (Chipsmann ist krank, ich war etwas kopflos und sehr müde und hab dann beschlossen, dass ich zu Hause produktiver sein kann), zu Hause die angekommenen und wieder Erwarten in Anbetracht des Preises nicht aus massivem Gold bestehenden Küchenschubladen eingebaut, gesaugt, ein paar Mails geschrieben, Pippi abgeholt, essen, nicht eingeschlafen und dann…

… mit einer ehemaligen Angestellten einer Insolvenzverwaltung telefoniert (Antiklimax, ich weiß). Nur mal so für ne Freundin fragen, was man als Arbeitnehmerin so beachten muss, wenn man denkt, die Firma könne eventuell nicht so ganz zahlungsfähig sein. Also so rein hypothetisch halt, für ne Freundin.

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Auto-Lobhudelei: nicht in Panik geraten, als die Tankanzeige blinkte, weiterhin nicht die (Arbeits-)Nerven verloren und hab ich erwähnt, dass wir pünktlich waren? Dass Berufsverkehr und Stau war und wir trotzdem pünktlich waren?

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*wenn alle immer von Eis** reden, ist das für so einen kleinen Menschen ja auch schwer zu verstehen.

**für nach der Mandelentfernung***

***im Oktober. Auf Anraten des Arztes wird kalt operiert, wir müssen wegen der Stunde Fahrtzeit noch eine Nacht bleiben und danach soll Pippi zwei Wochen nicht in den Kindergarten. Wie ich an Herrn Rabe schrieb „Wer weiß, was ich dann für nen Job hab.“