Tag 1189 – Dugnad.

Ich bin sicher, ich hab das schon mal geschrieben, aber es ist vermutlich schon ganz lange her. Die Norweger stehen ja total auf Dugnad. Dugnad ist eine Gemeinschaftsarbeit und betrifft meist so Sachen wie „Alle Eltern des Kindergartens treffen sich an einem Sonntag und graben den KiTa-Garten komplett um“ oder gemeinsames Streusplit-Wegfegen im Frühjahr. Auch Flohmärkte von Schulen sind meist Dugnad, auf dem Dorffest Waffeln verkaufen und damit ein neues Klettergerüst finanzieren… dugnad. Im Labor hatten wir auch zwei mal im Jahr Dugnad, da machten wir alles sauber, also wirklich alles, und jedes Mal tauten wir die selben Gefrierschränke wieder ab, die in einem halben Jahr so viel Eis sammelten, dass die Schubladen nicht mehr aufgingen, aber das ist ein ganz anderes Thema. Jedenfalls ist Dugnad meist was, was man

  • zusammen macht
  • Allen was bringt (zum Beispiel ne Splitfreie Straße)
  • Spaß macht (und sei es nur, weil man das zusammen macht)
  • Oder so dachte ich.
  • Bis ich heute mit Michel beim Skitraining auflief und wir vom Parkplatz reingeschickt wurden, mit den Worten „heute ist kein Training, heute machen wir eine kleine Dugnad.“
  • Also ging ich mit Michel rein und da standen wir ratlos herum, weil so richtig Dugnad-mäßig sah das alles nicht aus, wo waren die Gartengeräte oder Besen oder Waffeleisen? Auf einem großen Tisch lagen unzählige Stadtplanausschnitte, eine Dame hakte Leute auf einer Mitgliederliste ab und zwei weitere hatten stapelweise but bedrucktes Papier im Arm. Das alles mutete seltsam an, aber die Norweger schienen alle zu wissen, was man machen sollte, ich stand also noch ein wenig ratloser herum und überwand mich dann, eine der Papier-Damen anzusprechen. „Du musst eine Karte nehmen!“ sagte sie. „Eine Karte?“ „Ja, mit deinem Gebiet!“. Ach so. Dachte ich und machte ich wohl auch, jedenfalls folgen Michel und mir sämtliche Elternaugen auf der Suche nach unserem Wohngebiet. Ich stellte aber schnell fest, dass alle Karten nur Gegenden um Råholt und Eidsvoll Verk zeigten, aber nicht unsere. Ich fragte also nochmal, dieses Mal eine andere Dame „Gibt es nichts im Sundet?“ „Hmmm, nee, ich glaube das Gebiet hat ein anderer Verein, dann habe ich leider keine Adventskalender für euch.“ und so war ich raus aus dem Schneider, aber ich verstand gleichzeitig, worauf ich mich da fast eingelassen hätte. Die Dugnad besteht darin, in einem festgelegten Gebiet von Tür zu Tür zu gehen und zu versuchen, hässliche* Adventskalender zu verkaufen. Die größeren Kinder sollen das selbst machen, aber, meine Güte, Michel ist sechs, der kann, wenn jemand das nicht passend hat, noch nicht mal Wechselgeld ausrechnen. Also hätte ich mit gemusst.
  • Von Tür zu Tür.
  • Geld sammeln.
  • Als ich das verstand, klappte mir die Kinnlade runter. Mein gesamtes Gesicht entgleiste und ich bin froh, dass ich mich beherrschen konnte, nicht What the Fuck??? auszurufen. Denn wenig später hörte ich von meiner Einwanderer-Bubble, dass das ganz normal sei. Man verkauft Klopapier oder Adventskalender oder Kekse und sammelt damit für den Skiverein, den Damenchor oder die Klassenfahrt.
  • WHAT THE FUCK???**
  • Liebe Kinder, ich habe euch echt lieb, aber so einen Scheiß müsst ihr alleine machen. Ich krieg schon bei dem Gedanken an solche Aktionen Pickel, Migräne und Magen-Darm GLEICHZEITIG. Eure Mama ist die, die dann 500 Kronen in die Klassenfahrtskasse wirft und behauptet, sie hätte das von den Nachbarn eingesammelt, und die damit sich und den Nachbarn das Klinken putzen erspart. Was sind das für seltsame Sitten, die Nachbarn mit Adventskalendern zu nerven? Ich würde gerne das Doppelte an Mitgliedsbeitrag bezahlen, wenn Dugnad dafür wieder Waffeln verkaufen und ein anschließender Glögg mit der lustigen Waffelverkaufstruppe ist. Ganz sicher aber verkaufe ich niemandem Klopapier an der Haustür. (Alle irre!)
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  • Zweiter Tag des Projektes Lerche. Ich stand wieder um sechs Uhr auf, machte wieder Sport und so, hatte aber ein krasses Tief zwischen halb zehn und halb zwölf. Putzte dann die komplette Bude, bewegte mich im Prinzip den ganzen Tag, um nicht einzuschlafen. Jetzt falle ich gleich einfach um, aber das darf ich ja auch bald. Mein Tages-Hoch ist weiterhin spät, ab zwölf geht’s bergauf und zwischen zwei und vier könnte ich auch intellektuell Bäume ausreißen. Hoffentlich gibt sich das noch. Aber Hauptsache erstmal wach, an wach und konzentriert arbeiten wir dann später.
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  • *das ist ja Geschmackssache, aber ich fand sie ausnehmend hässlich
  • **Grund Nummer 269 weshalb ich hier nie einbürgern werde
  • Tag 1188 – #12von12 im November ’18.

    Es ist der zwölfte! Das heißt, halb Bloggerhausen macht 12 Fotos vom Tag und Caro von Draußen nur Kännchen sammelt diese Bildergeschichten.

    Der Wecker klingelt um kurz vor sechs. Ich habe ja einen Schlafphasenwecker, der misst per Mikrofon Bewegung im Bett und macht daran fest, in welcher Schlafphase ich grade bin. Das funktioniert genau so toll, wie es klingt, nämlich eigentlich gar nicht. Mein Wecker klingelt also um sechs und ich drücke nicht auf Snooze (wo ist mein Orden?) sondern stehe tatsächlich auf. Gefühlt knatscht mein ganzer Körper.

    Ich bin wach! Ich bin… uff. #BekloppteIdeen #ProjektLerche #1von12 von #12von12

    Ich torkle ins Bad, ziehe Sportsachen an und torkle vor die Tagesslichtlampe.

    Das Workout ist, warum auch immer, mörderisch. Eigentlich besteht es aus zwei Teilen – HIIT und im Anschluss daran Pilates – aber nach den 17 Minuten HIIT schenke ich mir den Pilates-Teil fürs erste und mache ein Cool-down. Ich habe geschwitzt wie ein Schwein und gehe duschen. Um viertel vor sieben stehe ich gesportelt, geduscht und angezogen im Bad und bin nach wie vor sehr müde. Läuft ja prima. Ich gehe Kaffee machen, als der fertig ist ist auch der Rest der Familie endlich aufgestanden.

    Badezimmerstillleben. Ohne Stille, aber das sieht man ja nicht. #2von12 von #12von12

    Der Kaffee reißt einiges raus, launemäßig. Die Kinder frühstücken. Ich bringe, das hat sich so eingebürgert, die ganze Familie weg, Herr Rabe steigt mit Michel aus dem Auto, bringt ihn vom Supermarkt-parkplatz zur Schule und geht dann zum Zug, ich fahre weiter und liefere Pippi ab. Das geht heute ganz problemlos. Ich lasse das Auto wieder am Kindergarten stehen und laufe nach Hause, vorher gehe ich im Kindergarten aber noch mal aufs Klo. Das Klo hat Kindergartenkindgröße, das ist schon etwas merkwürdig, da drauf zu hocken.

    Wenn man vor acht den ersten Liter Wasser schon intus hat… #3von12 von #12von12

    Zu Hause angekommen gibt es Kaffee Nummer 2 und Frühstück. Bisher hatte ich noch keinen richtigen Hunger (ich glaube ich habe morgens einfach keinen Stoffwechsel).

    Mehr Kaffee. Und Frühstück. #4von12 von #12von12

    Dann mache ich mich an die „Arbeit“, die heute hauptsächlich darin besteht, meine ganzen Profile auf diversen Jobbsuche-Websites zu aktualisieren. Außerdem muss ich eine etwas unangenehme Mail schreiben und dann alles brav beim NAV eintragen. (Seit ich weiß, dass die Sachbearbeiter da monatlich an irgendwelchen „Erfolgen“ gemessen werden, gebe ich mir wirklich Mühe damit, alles da reinzuschreiben.)

    Sachbearbeiterin glücklich machen. #5von12 von #12von12

    Die nächsten Stunden verdödele ich erfolgreich im Internet, auf der Suche nach einer hübschen Regallösung mit Beleuchtung fürs Wohnzimmer. Ich möchte jetzt eine Flachdübelfräse haben, das erscheint mir sinnvoll, wenn man Regale selbst bauen will. Irgendwann raffe ich mich auf und räume drülfzig leere Originalverpackungen auf den Dachboden.

    Wacklige Treppen hochkraxeln und allein zu Hause sein finde ich ja nur so mittel. Aber es hilft ja nix. #6von12 von #12von12

    Jetzt ist dieses „Loftzimmer“ schon deutlich leerer und aufgeräumter.

    Letzte Kistenecken. Das sind, bis auf die leeren Plastikkisten, Bücher. Für die brauchen wir aber eh noch ein Regal und langsam können wir Kallax nicht mehr sehen. Und es kommen ja noch mehr und überhaupt. #7von12 von #12von12

    Im Anschluss räume ich noch ein wenig im Arbeitszimmer herum, das nimmt kein Ende da und wir haben Immernoch nicht genug Regale. Ächz. Dann gehe ich die Kinder holen, erfreue mich an meinen neuen Schuhen und zwei Rehen, die ungerührt die Beeren von den Hecken in der Nachbarschaft fressen.

    Ok, die hier behalte ich auf jeden Fall. Blümchen gegen das Wintergrau. #8von12 von #12von12

    Ganz entspannt spazieren sie von dannen. Vielleicht wohnen wir doch ländlicher, als ich wahrhaben will. #9von12 von #12von12

    Die Kinderholrunde läuft im Prinzip wie immer, inklusive dass Pippi schon auf dem drei Minuten langen Weg zur Schule einschläft. Michel hat keine Lust auf Hausaufgaben, er möchte lieber trainieren. Wir machen zusammen das Pilates-Programm, Michel clownt herum und es macht wirklich viel Spaß.

    Das Kind will trainieren 😂😍🤸🏼‍♂️ #10von12 von #12von12

    Dann machen wir Essen (Sandwiches zum selbst belegen) und Herr Rabe kommt, Pippi wird wach und will Banane, es ist zwar spät, aber Michel macht noch seine Hausaufgaben und ich platze kurz fast vor Stolz, weil er jetzt richtige Sätze buchstabierend und stockend und holperig, aber lesen kann. Mein Baby!

    Es ist dann aber dringend Bettzeit und ich lese noch aus einem Bibliotheksbuch vor. Ein Kinderkrimi.

    Vorlesen fürs große Kind. #11von12 von #12von12

    Ich blogge tatsächlich schon mal beim Ins-Bett-Bringen, Hurra. Ein Bild fehlt aber noch, das mache ich nachdem ich – sehr krakelig – die heute gesammelten Regal-Ideen aufgemalt habe.

    Betthupferl und Ideensammlung. #12von12 von #12von12

    Und nun geht es ins Bett. Ich bin echt platt.

    Tag 1175 – Kindergarteneingewöhnung die 5.

    Hoffentlich zum allerletzten Mal gewöhnen wir also ein Kind im Kindergarten ein. Dieses Mal ganz in Ruhe, denn ich hab Urlaub von meinem Job* und dann bin ich arbeitslos und, also, ach, ich hab halt Zeit.

    Pippi braucht diese Zeit glaube ich auch. Gestern wollte sie nicht in einen anderen Kindergarten gehen. Ich kann’s verstehen. Nach den drei Monaten war sie im alten richtig angekommen und jetzt halt wieder ein Wechsel, das ist, unbestritten, nicht schön. Dass die Erzieherin, die ihre Bezugsperson werden soll, krank ist, ist natürlich auch ungünstig, aber halt nicht zu ändern. Jedenfalls bräuchte Pippi gestern erst mal eine gute halbe Stunde um von meinem Schoß runterzukommen. Ich durfte auch nicht sonderlich weit weg gehen, sondern musste, zum Beispiel beim Kneten, im selben Raum bleiben, was natürlich dazu führte, dass mir von sämtlichen Kindern der Gruppe alle Schlangen, Bälle und… unförmigen Gebilde gezeigt wurden. Irgendwie bin ich dann auch in was reingeraten und plötzlich machte ich ganz viele Knetäpfel und -eier. Pippi hat das passende Nest dazu gebaut.

    Ich war ehrlich gesagt nach dem Kneten (da waren wir grade zwei Stunden da) schon bereit für Mittagsschlaf, so sehr stresst mich das Zusammensein mit neun Zwei- bis Dreijährigen. Allein der Geräuschpegel frisst meine Nerven in kürzester Zeit auf. Und dauernd wollen die irgendwas. Alle was unterschiedliches, versteht sich, aber alles super dringend. Und wenn keiner was will, haut garantiert irgendwer irgendwem anderem ein Spielzeugauto auf den Kopf oder es fällt wer mit dem Stuhl, den er grad rumschiebt, auf die Nase. Eieiei.

    Trotzdem wollten wir bis nach dem Essen bleiben und plötzlich stand da ein Teller für mich auf dem Tisch, zwischen den ganzen Kinderplätzen. Uff. Ich schmierte dann also Stullen mit Leberwurst, Prim, Brunost und Kaviar aus der Tube, goss Milch und Wasser in kleine Tassen, wischte Milchseen vom Tisch, ich ermahnte sogar hier und da wenn Füße über Tischkantenhöhe wanderten. Ehrlich, als es danach hieß, wir sollten nach Hause gehen, damit sich Pippi auf den nächsten Tag freue, war ich glaube ich viel froher als sie.

    Heute war also der nächste Tag. Mit Schnee.

    Natürlich waren alle Kinder unglaublich aufgeregt, auch Pippi. Sie rannte von der Garderobe aus auch direkt in den Gruppenraum und fing an zu Spielen, als es kurz darauf raus ging, ging ich nur kurz mit und dann wieder rein. Pippi soll ja auch lernen, dass sie alleine dableiben kann, dass ich nicht jeden Tag da sitze und auf Zuruf Eier knete. Für Pippi war das auch erst total ok, aber nach einer guten Stunde kam sie aufgelöst an, weil ihre Finger kat waren. Man stelle sich das vor, wenn man seine warmen Handschuhe nicht anziehen will, werden im Schnee die Hände kalt. Danach war sie jedenfalls echt ungehalten und wollte am liebsten direkt nach Hause. Wir gingen aber noch nicht, sondern aßen und tanzten und Pippi spielte und ich putzte Rotznasen und kultivierte meinen Tinnitus, während ich versuchte, Datenschutzzettel und Gesundheitserklärungen auszufüllen.

    Morgen werde ich dann mal tatsächlich den Kindergarten verlassen. Das habe ich Pippi so angekündigt und auch mit den Erzieherinnen abgesprochen. Pippi hätte mich lieber da, aber ich habe das Gefühl, dass es ihr schwer fällt, auf die anderen Kinder und vor allem die Erzieherinnen zuzugehen, wenn ich im gleichen Raum sitze, so unsichtbar wie ich da auch zu werden versuche. Es bleibt spannend.

    Pippi findet diese Eingewöhnung auch anstrengend, gestern und heute war sie danach hundemüde und schlief einfach ein, die Nacht von gestern auf heute war dann absolut furchtbar und sie heute noch müder. Hoffen wir, dass sich alles recht schnell zurechtruckelt. Heute gehe ich jedenfalls um neun ins Bett.

    P.S. weshalb ich jetzt schon schreibe: Michel ist wieder beim Skitraining. Er war vom ersten Mal letzte Woche so begeistert, dass er es diese Woche gar nicht abwarten konnte und auf dem Hinweg immer wieder fragte, ob wir es eilig hätten, ob wir pünktlich kämen, ganz sicher pünktlich? Und ich sitze derweil im Vereinsheim und Thomas Alsgaard schaut direkt aus den 90ern auf mich herab.

    Ich bin total froh, dass ihm das so viel Spaß macht, dass ihn auch Nieselregen bei sehr wenigen Plusgraden nicht schreckt. Ich wäre da anders.

    Tag 1161 – Irgendwo in Skandinavien.

    Pippi und ich sind wieder zu Hause. Was gut ist, im Krankenhaus hätte ich sonst heute wen umgebracht, weil sich eine ganz schlechte Nacht, PMS und die missglückte Lieferung unseres Krams aus Deutschland ganz ungünstig auf meine Laune auswirkten. Der Spediteur kam nämlich heute *nicht* um zwölf, wie er gestern Abend (was ja auch schon totaaaaal weit im Voraus und super gut für uns planbar war) angekündigt hatte, sondern um zehn. Und dabei hatte er den Schrank, den Stuhl, den Lampenfuß und drei Umzugskartons. Drei. Es waren 13. 10 unserer Umzugskartons, nämlich

    • 6 mit Büchern
    • 2 mit CDs und
    • 2 mit Küchen- und Dekokram

    sind verschollen. 7 sind angeblich in Umeå und der Spediteur meint, das seien alle, das könne gar nicht sein, dass er die anderen vielleicht in Linköping vergessen habe, wir hätten nur sieben weitere gehabt. Äh, nein, es waren 10, die stehen auf der Liste und wir haben Fotos davon und ich will verdammt noch mal meine Bücher haben. Die sieben in Umeå versehentlich ausgeladenen Kartons werden vermutlich im Dezember abgeholt, da fährt der Spediteur nämlich nach Tromsø und kommt dann ja quasi da vorbei.

    Ich bin etwas sehr angesäuert. Das einzige, was mich besänftigt ist mein Schatz Schrank. (Wechselt vielleicht noch in die Küche, das müssen wir mal messen, andererseits: was soll dann da ins Wohnzimmer? Hmm.)

    Der sieht so klein aus. Das Ding ist riesig. Und ich liebe es.

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    Auto-Lobhudelei: Keinen gebissen, noch nicht mal wen angeschrien, dafür immerhin versucht, wen anzurufen (der dann aber nicht dranging).

    Tag 1155 – Welch ein Glück…

    … dass ich dringend ins Bett gehöre. Sonst würde ich mich noch aufregen. Anlass hätte ich genug, denn ich fuhr heute nach meinem Termin über den ich nicht reden möchte an der Chipsfabrik vorbei um für den italienischen Studenten was abzugeben, dann war das aber ganz falsch da und ich musste nochmal 20 km weiter fahren, dann ist man fast in Schweden aber so ist das eben. Jedenfalls fuhr ich auf dem Parkplatz rückwärts in ein Auto, das da halt stand, mit der Fahrerin drin und tja, dann wohl keine Badewanne für uns erstmal. Könnte man sich jetzt drüber aufregen, aber hilfts? Nein.

    Auch echt blöd ist, dass beide Kinder krank sind. Michel mehr als Pippi. Michel hat morgen Geburtstag und wird den wohl zu Hause verbringen und nicht auf seinem nigelnagelneuen Fahrrad zur Schule cruisen. Bei Pippi ist das doof wegen der Op.

    Ach ja, die OP. Also. Es ist mitnichten so, dass ich wegen ein, zwei Infekten meinem Kind lustig im Hals rumschnippeln lasse. Sie hat, das habe ich auch hier und hier schon mal ausführlicher geschrieben, Periodisches Fiebersyndrom, eine total sinnlose Krankheit, bei der die Kinder bloß Fieber kriegen und sich scheiße fühlen und das alle drei Wochen. Wenn die Antroposophen recht hätten mit ihren „Entwicklungsschüben durch Krankheiten“ könnten wir Pippi eigentlich schon mal an der Uni anmelden statt im neuen Kindergarten. Gegen diese Krankheit hilft nur Warten (bis zum 10. Lebensjahr wenns blöd läuft) oder die Mandeln zu entfernen. Und weil Pippi außerdem schnarcht wie ein (sehr niedliches) Sägewerk werden die Polypen auch gleich gekürzt, das sollte auch die Infektanfälligkeit noch mal verringern. So eine Operation ist nicht ohne Risiko und auch das weiß ich, auch dass die Mandeln ein Organ des Immunsystems sind, weiß ich auch, aber, Achtung, Anekdote: seit nunmehr 28 Jahren lebe ich ganz gut ohne. Ich bin nicht häufiger, schwerer oder anders krank als der Durchschnitt, jedenfalls nicht im Hals. Dafür konnte ich die Grundschule deutlich häufiger besuchen als den Kindergarten, weil ich nämlich – Überraschung – auch alle paar Wochen krank war bis zu der OP. Also wir hoffen alle sehr, dass die OP gut läuft und dieses blöde Syndrom ein für alle mal beendet, denn was ganz sicher nicht helfen wird, sind irgendwelche Zucker-Weizenpillen. Auch nicht mit Birkenkohle. Das einzige, was wir davon haben, ist ein Kind, das dauernd krank ist *und* jedes mal Pillen reingeschoben bekommt. Und ein leereres Portemonnaie, das haben wir dann auch. Man merkt es vielleicht: ich halte ü-ber-haupt gar nichts von Homöopathie. Nicht bei Beulen, nicht bei Husten, nicht bei seltsamen Fiebererkrankungen, schon mal gar nicht bei schweren Infekten und jede*r, der Homöopathie gegen Krebs anbietet gehört eingesperrt. So, ist das auch mal gesagt.

    Jetzt hab ich mich doch ein wenig aufgeregt. Tjanun. Jetzt aber Bett.

    Ach ja, ich hab es heute endlich bezahlt, jetzt kann ich Ihnen auch mal das Kleid zeigen.

    Entspannte Haltung.

    Entspanntes Gesicht. (Es braucht übrigens keine Sicherheitsnadel, aber sie beruhigt ungemein.)

    Tag 1151 – Familienfeiereiplattheit.

    Familienfeier mit Rabes heute im Kreuzkruuuch (wie immer). Es war wirklich entspannt und schön (nicht wie immer) und die Kinder eigentlich den ganzen Tag draußen, wo sie mit den Kindern von Herrn Rabes zwei Cousinen spielten. Das war ganz wunderbar, so wunderbar, dass wir danach noch bei Herrn Rabes Bruder Ponyreiten gingen. So wunderbar, dass Michel jetzt nicht einschlafen kann und ich aber gleich einschlafe, was blöd ist, weil wir noch fertig packen müssen und ich auch gern mehr geschrieben hätte, aber, echt, ZZZzzzZZZzzz.

    Tag 1143 – Schwuppdiwupp.

    Heute unheimlich viel gemacht. Zum Beispiel fast* das ganze Haus geputzt und Unmengen Wäsche gewaschen. Das war ein wenig schlechter Planung und schlechtem Zeitmanagement (wenn auch verständlicherweise) in den letzten Tagen geschuldet. Es steht ja schon etwas länger fest, dass wir morgen nach Deutschland fahren. Morgen. Da ist gestern mit Waschen anfangen… knapp kalkuliert. Nun ja. Es war ja auch irgendwie nicht ganz klar, wer wie warum nach Deutschland fährt, ich hatte das mit dem Chipsmann zwar abgeklärt aber er schien es einfach vergessen zu haben oder vielleicht hat er es auch absichtlich übergangen, wer weiß das schon. Jedenfalls hatte ich dann heute noch eine Runde Rennerei, damit mir nicht für die Zeit in Deutschland das Krankengeld** flöten geht. Es kann immernoch gut passieren, dass es mir eben doch flöten geht, aber ich bin eben so, es gibt eine Regel, also befolge ich sie. Anderenfalls hätte ich in der Woche und danach noch ne Weile permanent Angst gehabt, dass wer rausfindet dass ich nicht zu Hause Däumchen drehe und dann wäre vermutlich nicht nur das Geld nachträglich flöten gegangen sondern möglicherweise richtig die Wurst warm. Neenee. Dann lieber wegen verpasster Frist einen drüber kriegen, als wegen Schummelei. Nun denn. Jedenfalls Rennerei.

    Mit Pippi den neuen Kindergarten angeschaut. Ich finde ihn super schön. Pippi sagt „Will nich anna kinnergaten gehn.“ und dann macht sie ihr böses Gesicht. Aber Pippi war auch müde und fror als wir da waren, das waren also nicht so tolle Voraussetzungen. Ich denke, wenn sie erstmal rausfindet, dass die da richtige Schaukeln haben und nicht nur so Netz-Dinger, dann sieht das schon anders aus. Ich finde schön, dass der ein wenig so wirkt wie der alte Kindergarten in Trondheim, mit wenigen Kindern, alles (also Erwachsene, Kinder und Spielzeug) ist gut eingespielt und irgendwie familiärer als der hypermoderne Kindergarten, in dem Pippi jetzt ist. In Pippis Gruppe (Der Fuchs-Ecke) sind neun Kinder und drei Erwachsene, das ist schon was anderes als knapp zwanzig Kinder und drei Erwachsene (plus eine Aushilfe). Ich freue mich drauf, nicht nur weil wir dann nicht mehr dreißig Minuten zum Kindergarten fahren müssen.

    Pippi war heute morgen soooooo niedlich. Wir haben im Auto Billy Talent gehört. Ich weigere mich ja, im Auto Kindermusik*** anzumachen, mein Auto, meine Regeln, also hören wir irgendwas aus dem CD-Wechsler oder von meinem Telefon. Heute also Billy Talent. Und wie ich so fahre ruft Pippi von hinten „Dead Silence… Mama, lauter! …Ieeeaaahooooo! Dead Silence! Oooooeeeiiieeeeaaahhoooo!“. Melodiesicher. Ich habe ein Video gemacht, sie sang das noch bis in die Kita-Gruppe immer weiter und auch nachmittags sagte sie, kaum dass wir am Auto waren: „Ich will Dead Silence!“ Hachz.

    Michel war auch sehr niedlich und hat ein Bügelperlen-Dings für Opa gemacht. Im Hort. Ganz geduldig und ausdauernd. Während ich ihn eigentlich abholen wollte. Pippi hat sich derweil mit A. angefreundet, die geht in Michels Parallelklasse und hat ein extra Chromosom, Pippi und sie schütteten gemeinsam begeistert Bügelperlen aus und sammelten sie dann wieder ein. Ist ja schön, aber: können die Kinder sowas nicht an Tagen machen, wo ich nicht noch ganz viel zu tun habe?

    Jetzt Bett und hoffen, dass die Wäsche bis morgen trocken ist.

    ___

    *bis auf die Küche, denn Herr Rabe hat gekocht. Das ist immer sehr lecker aber Herr Rabe und Ich kommen an dem Punkt „Wie sauber und aufgeräumt sollte die Küche während des Kochens und unmittelbar nach dem Kochen sein?“ einfach nicht überein und deshalb muss Herr Rabe seine Sauerei selbst beseitigen hinter sich selbst herräumen.

    **Wenn Sie jetzt denken „aber sie kann doch einfach Urlaub nehmen, ist doch Wurscht“: ja, könnte ich. Und hätte ich unter normalen Umständen ja auch. Aber der wäre, wie in Norwegen üblich, unbezahlt****. Und das Krankengeld steht mir ja zu. Eigentlich. Jedenfalls wenn ich mich eher drum gekümmert hätte.

    ***Herr Rabe hat mir letztens Bummelkasten gezeigt. Ich lache immernoch, wenn auch ein wenig ertappt.

    ****Es ist kompliziert.

    Tag 1137 – Und dann, plötzlich…

    … stehe ich im Supermarkt und kaufe (alleine) ein und kriege Gliederschmerzen. Im Becken (auch wenn das auch bei mir nicht atmet), im Rücken und in den Beinen.

    … rupft sich das große Kind seinen nächsten Wackelzahn raus. Und singt ihm vor.

    … verbringe ich fast zwei Stunden mit meiner Mutter am Telefon. Meine Mutter verplant schon mal das noch nicht vorhandene Gefährt, mit dem mein Onkel seinen Rennwagen durch die Gegend kutschieren will.

    … bin ich so hundemüde, dass mir die Augen beim Tippen zufallen. Keine Links heute, bin froh, wenn ich mich noch abgeschminkt kriege.

    Bitte jetzt nicht auch noch diese Erkältung von Michel.