Tag 878 – #WmDedgT im Januar ‘18.

Heute ist der 5. des ersten Monats des Jahres 2018, das heißt, Frau Brüllen will von uns, auch den faulen und kranken, wissen, was wir eigentlich den ganzen Tag so machen.
NIX!

Haha, das ging schnell, ne?

Hier etwas ausführlicher:
Der Wecker klingelte um 07:00 Uhr, das ist ja eigentlich eine humane Aufstehzeit, ich fühlte mich aber nach einer zerhackten, rumpelnden, eingeengten Nacht wie vom Zug überrollt statt darin transportiert. Außerdem war meine Stimme quasi weg („Grützig“ sagt man hier und das passt sehr schön, finde ich) und mein Rücken stand meinem Nacken in Sachen Schmerzen nichts nach und nunja. Die Laune war jetzt nicht so toll. Ich fühlte mich fiebrig und zerschlagen und war froh, als wir alle auf dem Bahnsteig in der kühlen Luft standen. Herr Rabe hatte im Zug schon Kaffee besorgt und am Bahnhof holten wir dann noch einen, plus Croissants für die noch müde und unwirsche Kindermeute. Ich holte Geld, weil die Werkstatt lieber Bares haben wollte. stellte fest, dass man nur 2000 NOK auf einmal abheben kann und hob dementsprechend 5 x 2000 NOK ab, den zunehmend laut stöhnenden, mit dem Fuß wippenden Mann hinter mir standhaft ignorierend. Hat ja nen Mund zum fragen, ne?

Mit Kaffee und der Tasche voll Geld zockelten wir zum Bus und dann nach Hause, bastelten Brotdosen für die Kinder (im Wesentlichen bestehend aus den Croissants, die nur kurz angenagt worden waren) und füllten die neuen Wasserflaschen auf, dann ging Herr Rabe zur Arbeit und ich brachte die Kinder mit dem Fahrradanhänger in den Kindergarten. Als wir ankamen, war ich völlig fertig, verschwitzt und die Rückenschmerzen waren nur schlimmer geworden, ich neige ja sehr zu Gliederschmerzen, wenn ich erkältet bin und das ist echt mistig. Himmel, war ich froh, als die Kinder abgeliefert waren und ich nach Hause gehen konnte. Auf dem Weg machte ich noch einen kleinen Umweg über den Bunnpris, um ein The Ordinary-Paket abzuholen. Zu Hause startete ich eine Waschmaschine, machte eine Kanne Tee und packte zuerst das Päckchen aus, das im Briefkasten auf mich gewartet hatte – ein Belohnungstütchen Katjes von der lieben Leserin Sunni, vielen Dank! – und dann das merkwürdig große von The Ordinary. Überraschung, die Natural moisturizing factors creme ist jetzt in 100 mL Größe und nicht mehr 30! Dabei ist sie nicht wirklich teurer geworden, deshalb war mir das nicht beim Bestellen schon aufgefallen und jetzt habe ich sehr viel von dieser Creme, weil die 30 mL jetzt nicht sooo lange gehalten hatten. Wenn ich so extrapoliere, komme ich mindestens 2018 mit der Creme aus, ist ja auch nicht schlimm. Ich fühlte mich aber weiter mehr als mies und entschied, mich ins Bett zu legen. Zog mein Kleid und die Strumpfhosen aus (ja, Plural, war kalt in Bodø! Erst Thermo, dann Wolle) und Jogginghose und T-Shirt an, schnitt meine fast leere Tube mit NMF-creme auf und schmierte mir den Rest ins Gesicht, wie eine Maske, nach dem Schwimmbadbesuch hatte es meine Haut ziemlich nötig. Grad wanderte ich mit meinem Teeglas Richtung Bett, als die Werkstatt anrief, das Auto sei fertig. Ich überlegte kurz, sagte dann aber doch, dass ich später käme und nicht gleich sofort. Und ging ins Bett. Bestellte noch im Sale bei einem mich zuspammenden Beauty-Versender das angeblich beste Lila-shampoo des Universums, las eine halbe Seite und schlief dann ein.

Um drei wachte ich wieder auf.

Zog mich an, setzte eine Mütze auf meine in alle Richtungen abstehenden Haare, putzte meine Zähne und holte das Auto ab. Das hat jetzt wieder norwegischen TÜV für die nächsten zwei Jahre und röhrt nicht mehr und alle Stoßdämpfer gehen, alle Bremsen und alle Lampen auch und weil der nette Automann mir „ungefähr 7800 Kronen“ mündlich vorveranschlagt hatte und das nicht brechen wollte, bezahlte ich nur drei Stunden Arbeitskraft, obwohl es natürlich viel länger gedauert hat. Netter Automann. Dann fuhr ich zum Toyota-Händler, wo mir die Dame erst 800 NOK mehr für den Spiegel abknöpfen wollte. Ich bestand aber darauf, dass der Mann am Telefon was anderes gesagt hatte, woraufhin sie das Angebot heraussuchte und tadaa – der hatte 800 Kronen weniger berechnet, warum auch immer, aber „ausnahmsweise“ kriege ich jetzt den zuerst angebotenen Preis, Angebote könne man eh leider nicht nachträglich ändern. Und das, meine lieben Leserinnen und Leser ist der Unterschied zwischen der Toyota-Werkstatt und dem netten Mann um die Ecke. Jedenfalls sind Spiegel und Schlüssel jetzt auch bestellt und bezahlt. Hurra.

Dann holte ich die Kinder aus der KiTa ab. Pippi hatte wieder keinen Mittagsschlaf gemacht und war zum Umfallen müde, Michel überdreht und grob. Gut, dass jetzt Wochenende ist, da können die ein bisschen runterkommen. Weil ich aber ja mit dem Auto da war, musste ich den Anhänger stehen lassen, da steht er auch noch, aber das ist hoffentlich kein Problem.

Im Auto schlief Pippi ein (3 Minuten dauert der Weg), wachte aber wieder auf, nachdem ich Michel grob angefahren hatte, weil der schon unten an der Haustür anfing zu nerven, er wolle Dinozug gucken. Dieses Generve, während ich Pippi, zwei Rucksäcke, tausend Paar Handschuhe und Michels Schneeanzug trage, kann ich absolut nicht ab. Gar. Nicht. Auch nicht gesund. Und es nervt wirklich, teilweise fragt er in so einer Frequenz, dass man es nicht mal schafft, eine Antwort dazwischenzuquetschen. Arrrrgh!

Was dann aber wichtiger war als Dinozug: Essen. Ich versorgte die Kinder mit Knäckebrot (mit Ketchup und Käse in der Mikrowelle kurz „überbacken“, dann Kräutersalz drauf) und Joghurt und „Affalsatt mit Bubawassa!“ Und räumte die Spülmaschine aus und wieder ein, während sie aßen. Dann machte ich Dinozug an und mir einen Kaffee, den ich dann während Pippi, „Bärsen“ und Michel Fern sahen, trank. Mein durch den langen Mittagsschlaf erreichtes Energiehoch war schon wieder aufgebraucht und ich schrieb Herrn Rabe, dass er bitte was zu Essen mitbringen sollte. Tat er dann auch, es gab Pizza, Pippi aß mit leerem Blick eineinhalb Stücke und leckte dann noch Knoblauchsoße von einem weiteren ab und dann war es Zeit, die todmüden Kinder ins Bett zu stecken. Dabei wieder die „Niemand hilft mir, die Welt ist schlecht“-Diskussion mit Michel, die mich inzwischen auch nur noch nervt. Es stimmt nicht, dass wir ihm nie helfen, wir erwarten nur auch ein kleines bisschen Selbständigkeit von einem Fünfjährigen. So Dinge wie sich selbst den Po abputzen, selbst Zähne putzen, selbst an- und ausziehen… Nichts davon tut er und es nervt ungemein. Egal, jedenfalls las ich Michel dann noch aus seinem Dino-Buch vor und dann schlief er sehr schnell ein. Hurra!

Herr Rabe und ich aßen noch ein bisschen kalte Pizza, ich trank Tee, wir twitterten ein bisschen herum und dann wollte Herr Rabe eigentlich Playstation spielen, aber ich… nicht so und stattdessen guckten wir „Please like me“, eine australische Serie über Anfang 20-Jährige, die Hauptfigur wird in der ersten Folge von seiner Freundin verlassen und stellt dann fest, dass sie mit ihrer Annahme, er könnte schwul sein, Recht hat. Gleichzeitig versucht sich seine Mutter das Leben zu nehmen, indem sie einen Haufen Paracetamol mit einer halben Flasche Baileys herunterspült. Weil sie nicht allein sein soll, zieht er wieder bei ihr ein. Soweit so gut, die erste Folge war so, dass wir hinterher kurz besprachen, wie viele Folgen wir der Serie geben sollen, bevor wir nicht weitergucken (drei, einstimmig), nach vier Folgen finden wir sie aber beide richtig gut. Nicht krass spannend, aber lustig und mit liebenswerten Charakteren. Kann man machen, wenn man was seichteres möchte.

Jetzt bloggen, Herr Rabe spielt sein Playstation-Spiel, ich muss noch die Wäsche aufhängen, wollte noch was auftrennen, Michel kam eben abgewandert und vermutlich sollten wir alle einfach ins Bett.

Schön, wieder zu Hause zu sein.

Tag 848 – Huiiiiii!

Heute sind zwei, nein, drei, nein, vier! Dinge:

– ich habe gepackt, Pippi und ich fliegen morgen früh zu Frau Brüllen, *kreiiiiisch* ich bin total aufgeregt und deshalb ging das mit dem Packen suuuuuuper langsam und bestimmt habe ich die Hälfte vergessen und die andere Hälfte wird auslaufen.

– ich war heute morgen beim Arzt, mein Kopf hat sinnlose Zahlen gespeichert, darin ist er gut: TSH <0,01, fT4 31,2, fT3 19,0, TRAS 3,9, a-TPO 660. Einheiten weiß ich nicht, ist auch Wurst, die sind bis auf den TSH alle zu hoch, bis auf den a-TPO nicht dramatisch, aber zu hoch. Ich bekam Neo-Mercazole verschrieben, dazu noch Beta-Blocker, holte das direkt aus der Apotheke und fuhr zur Arbeit. Nahm alles und… katapultierte mich versehentlich mit dem Beta-Blocker fast in den Tiefschlaf. Jöss, so müde war ich ja ewig nicht. Um halb drei gab ich alles auf und fuhr nach Hause, wo ich erstmal für eine Stunde schlief wie erschossen. Ab jetzt nur noch ne halbe am Morgen.

– Die Kinder abgeholt und direkt mit beiden neue Gummistiefel für Michel gekauft. Gummistiefel mit Löchern in der Sohle sind so sinnvoll wie gar keine Gummistiefel. Aber, hey, betäubte Frau Rabe ist entspannte Frau Rabe und es ging alles relativ smooth über die Bühne, sogar das Anprobieren lief ok. Vielleicht lags auch an den Keksen, die ich eingepackt hatte und mit denen ich Pippi eiskalt bestach, nicht alles im Laden anzugrabbeln.

– kurz bevor ich die Arbeit verließ, noch das zweite Drittel Daten bekommen. Naja, dann hab ich wenigstens was zu tun im Flugzeug.

***vergessen: Auto-Lobhudelei. Ähm, das mit dem Einkaufen war mein lichter Moment heute.

Tag 843 – Der Normale Wahnsinn.

Ich muss echt mal langsam mein Review über den The Ordinary-Kram, den ich ja inzwischen schon ein paar Wochen benutze, schreiben, es brennt mir auf der Haut unter den Nägeln.

Aber nicht heute, ich bin müde. Müde sein ist momentan eine gute Sache, die genutzt werden muss. Ich schlafe sensationell schlecht und komme morgens deshalb überhaupt nicht aus dem Quark und wenn ich so weiter mache, wiege ich bis Weihnachten noch 45 kg.

Deshalb und wegen überhaupt war ich heute morgen ziemlich spontan beim Hausarzt, um Blut abzuliefern um die Schilddrüsenwerte checken zu lassen. Mich würde nicht mal wundern, wenn da wieder was im Busch wäre. Mein Erwachsenen-Konto füllte ich auch noch gleich auf, indem ich drauf bestand, dass auch die Antikörper bestimmt werden. Das ist ja einerseits praktisch, wenn man einfach hingehen kann und sagt: Einmal Routinecheck Schilddrüse, Autoimmun! Und muss nicht jedes mal erst mit dem Arzt sprechen, andererseits überhören die Sprechstundenhilfen den Hinweis „Autoimmun“ halt wirklich jedes mal und dann darf man mit denen rumdiskutieren, dass es doch geschickt wär, gleich ein extra Röhrchen Blut abzunehmen, statt erst mit dem Arzt zu sprechen und mir dann ein weiteres Loch in meine einstmals wunderschöne Vene zu bohren.

Die Idee von Frau Brüllen der ihrer Firma der ihr Achtsamkeits- Selfbranding-Dings* finde ich übrigens, entgegen möglicher Vermutungen, total gut und übernehme das mal direkt, ich hab das Gefühl, ich kann’s brauchen, mich täglich selbst Lobzuhudeln. Grade jetzt wo ich mir oft richtig dumm vorkomme und vermutlich ein Bilderbuch-Beispiel von Impostor-Syndrom habe. Heutiges Auto-Schulterklopfen: Ich habe das mit der Antikörperprobe durchgesetzt, eine (die letzte für dieses Jahr!!!) Bewerbung abgeschickt, die sehr unbescheiden formuliert und trotzdem ehrlich ist und die ich wirklich gut finde und meinen inneren Impostor mit Kaffee ersäuft und angefangen, die Einleitung für das Manuskript zu schreiben.

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*Ich bin Westfale.

Tag 842 – Ok.

Schöne Zahl.

Bin auf dem Sofa eingeschlafen und erst wieder wach geworden, als sich meine Brille fies in meine Nase und mein iPad, das auf der Sofalehne lag, in meinen Hinterkopf bohrte. Wegen Abschminkenzähneputzen bin ich jetzt wieder unangenehm wach und kann ihnen wenigstens erzählen, dass heute ein Okay-er Tag war, ich habe zwar keine Resultate bekommen und das macht mich wahnsinnig, aber die Methods-section des Artikels kann ich ja trotzdem schreiben und die hab ich heute runtergetippert, die ist soweit fertig. Morgen werde ich die Einleitung anfangen. Des Weiteren hab ich heute in der Gegend rumtelefoniert: einmal, weil uns irgendein A*schloch den Außenspiegel am Auto angefahren hat und ich diese unbekannte Person gerne pro Forma anzeigen möchte, für die Statistik und damit meine Wut einen Kanal hat; und nach dem Mittagessen hab ich bei der Stelle aus Schweden mal nachgehakt, das macht mich ja dezent fertig, dass die sich nicht melden, das war ja beim letzten Mal nicht so ein gutes Zeichen. Diesmal ist aber alles gut, der Personalmensch rechnet mir sehr gute Chancen aus, es waren alle sehr zufrieden mit dem Interview, Donnerstag Nachmittag oder Freitag werde ich hören, wie es da weiter geht. Und gut, dass ich angerufen hätte, dann wüsste er ja, dass ich noch Interesse habe. Klar hab ich Interesse und um eventuell eine etwas bessere Basis zu haben, schickte ich danach noch eine Bewerbung ab, auf die zu bewerben mir der Chef-Recruiter der Firma nach Lesen meines CVs und einem gut halbstündigen Telefonat (am Donnerstag, ich berichtete nicht, weil ach…) empfohlen hat. Das wäre halt kein Labor mehr, also eigentlich… noch besser.

Es wird. Wenn ich jetzt noch etwas weniger trøtt og lei wäre…

Tag 838 – Unglückliches Timing.

Weiterhin keine Resultate vom Massenspektrometer. „Die Proben laufen.“ Dafür Anfrage der Massenspektrometer-Frau: ob es denn schlimm wäre, wenn ich erst im Januar abgeben könnte. Daraufhin habe ich erst ihr und dann dem Chef sehr deutlich gesagt, dass ich das leider nicht aushalten kann, weil ich dabei bin davon krank zu werden. (Lustig, wie ich: „Ich drehe ab und mein Körper ist ein Wrack!“ ausdrücke, oder?)

Apropos krank: mein Körper hat ein neues Feature „Arme zittern“ entwickelt und ich sollte wohl wirklich dringend mal die Schilddrüsenhormone checken lassen, das halbe Jahr ist auch schon wieder rum. Des Weiteren scheine ich die hormonelle Verhütung nicht mehr zu vertragen, „nicht mehr“, weil ich die vor den Kindern ähhh ewig (6 Jahre? 8 Jahre? Irgendwie so.) benutzt habe und wenn das damals so gewesen wär wie jetzt, hätte Ich das niemals so lange gemacht. Die Details erspare ich Ihnen mal.

Heute war die Putzhilfe da, das hatte ich von Montag, als hier ja zwei Glühwürmchen auf dem Sofa vor sich hin vegetierten, auf heute verlegt. Das passt auch voll gut, dann ist es nicht so lange hin bis zum nächsten Mal: am 11. Dezember. Auch Putzhilfen haben Urlaub. Kinderfrauen übrigens auch. Passt halt grad ungefähr überhaupt nicht, wegen allem eh schon und dann ist heute auch Herr Rabe nach Deutschland geflogen, weil sein Vater morgen 80 wird.

Ja. Alles wie immer, alles… nicht so gut grad. Wenigstens Karri ist ab Dienstag wieder da.

(Falls Sie mal die Verlockung verspüren, zu promovieren: TUN SIES NICHT. So. Ich habe Sie gewarnt.)

Noch was gutes, irgendwie jedenfalls: Da mein Gehirn abends nach der seichtest möglichen Unterhaltung lechzte, schaute ich Schminkvideos und blieb bei Jeffree Star hängen. Muss man mögen, den Stil, ist halt alles wahnsinnig überdreht und überzeichnet und „more strobe bitches, helloo!!!“, aber ich mag das und hell yeah, der kann Make-Up. Und irgendwann wachte Michel auf und schaute ein bisschen zu und wenn es hier schon im echten Leben wenig queere Vielfalt gibt, kann er das wenigstens im Fernsehen mal sehen.

Tag 837 – Kaputte Tage.

Ich weiß echt nicht mehr, was ich sagen soll.

Den halben Tag bin ich zu nichts in der Lage, wirklich zu gar nichts, den anderen halben Tag versuche ich aufzuholen, was ich vertan hab.

Jetzt ist schon viertel vor eins, mein Körper streikt von Kopf bis Fuß, ich bin hundemüde, aber schlafen geht auch nicht.

Morgen: repeat.

Tag 828 – Fingernägel.

Früher habe ich echt viel auf meinen Nägeln gekaut. Also wirklich richtig viel. Irgendwann dann und nach drölfzig erfolglosen Versuchen mit allerlei Hilfsmitteln (kleiner Tipp: Tabasco auf den Fingernägeln hält zwar effektiv vom Kauen ab, ist aber die absolute Hölle, wenn man damit an Schleimhäute kommt. So wie auf dem Klo zum Beispiel.) hörte ich mit schierer Willenskraft auf. Keine Hilfe, kein Druckmittel, nichts hatte was geholfen, außer: ich will das jetzt nicht mehr. So hab ich ein paar Jahre später übrigens auch aufgehört zu rauchen. Aber genau wie das Rauchen fehlt mir das Nägel kauen bis heute manchmal. Wenn ich nervös bin. Im Moment bin ich sehr nervös, dieses Vorstellungsgespräch übermorgen macht mich dezent irre und ich kann kaum noch schlafen und prokrastiniere das Wiederholen der Structural Biology-Kursinhalte damit, die Abbildungen für die Diss zu machen (immerhin hab ich so jetzt 5 von 6 Abbildungen fertig, es ist also schlaues Prokrastinieren!) und habe gestern obwohl ich es wirklich nicht brauche mal wieder Schminkkram* bestellt. Das, meine Lieben, macht Nervosität mit mir. Danach kommt die Phase, in der ich nichts mehr esse, das gehetzte Reh hat keine Zeit für Nahrungsaufnahme, ich schätze, ab morgen früh wird das ca. losgehen. Aber das Fingernägelkauen, es fehlt, aber ich will es ja nicht und was läge da näher, als einfach ne ordentliche Schicht Lack draufzumachen? Sieht eh schicker aus und ich hab diesen einen, der (so wie er in der Flasche aussieht) perfekt zum Kleid passt.

Und jetzt sitze ich hier, die Fingernägel sind sensationell bescheiden lackiert, der Lack ist gefühlt auf meinen ganzen Händen verteilt und auf den Nägeln ist er viel weniger dunkel und dafür etwas oranger und beißt sich jetzt vermutlich mit dem Kleid.

Nervös bin ich auch immer noch. Dabei hatte ich so auf mehr als vier Stunden Schlaf gehofft. Naja, die Nacht ist ja noch jung, ich kann mir ja theoretisch noch drei, viel mal die Fingernägel umlackieren und mir Gedanken drüber machen, dass das bestimmt viel zu aufgebrezelt rüberkommt und rot auch unseriös ist und vielleicht nehme ich auch einfach ne Schlaftablette. Zwei Nächte Grübelei am Stück sind auch genug.

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*2 for 1 auf Lidschatten von ColourPop. Selbst mit Versandkosten bin ich so bei 3,50 USD pro Lidschatten und muss das nicht mal verzollen. Hurra!

Tag 816 – Gettin’ there.

Ergebnis einer fünfstündigen Mikroskopsession:

  • Fünf wunderschöne Bilder
  • Eine angepasste Hypothese
  • Kopfschmerzen
  • Ich weiß jetzt, dass der schöne Mikroskopmann einen putzigen Welpen hat

Ergebnis davon, dass der Mikroskopmann sich ein bisschen (30 Minuten) verspätet hat, weil er in einem Meeting saß, mir aber per SMS Bescheid gab:

  • zwei weitere abgeschickte Bewerbungen
  • Erst um sechs zu Hause
  • Furchtbarer Hunger (vermutlich daher auch die Kopfschmerzen)

Da der Mikroskopmann die Bearbeitung der Bilder machen wird bin ich damit fertig mit meinem Teil für das unendliche Manuskript. Noch ein bisschen auf Daten warten, den Chef seine Hypothesen umformulieren lassen und dann: ab dafür.

Oh, und: das Nature-Paper kommt am 16. raus! Hurra!

(Ich bin’s so leid, das Bewerbungen schreiben. Es kommt mir unheimlich sinnlos vor.)

Tag 810 – Berappelungstag.

Erstmal: vielen lieben Dank für all Ihre netten Worte. Und dann zur Erklärung:

– nein, ich glaube nicht, dass das in allen norwegischen Kindergärten so läuft. Meine Kolleginnen guckten auch alle etwas sparsam, als ich die Geschichte erzählte.

– leider weiß ich nicht, ob das bei anderen Kindern auch vorkommt, aber ich habe vor, das herauszufinden.

– ich glaube schon, dass sie 38,2 gemessen haben. Ich glaube nicht, dass sie dreimal gemessen haben, das halte ich für eine Notlüge, weil ich auf unsere Absprachen (s.u.) hingewiesen hab. Laut der Erzählung lief es so: sie waren draußen (also in wirklich viele Schichten Wolle verpackt), Pippi war erst nölig und brüllte dann irgendwann (sie ist nicht gern draußen wenn’s regnet und kalt ist, das gute Kind, Mama ist sehr stolz). Sie gingen rein, pellten ihr die Schichten vom Leib und maßen dann. Direkt nach dem Brüllen, direkt nachdem sie sehr warm angezogen war und gegen jede Absprache, die wir extra diesbezüglich mal getroffen hatten. Die nämlich besagte: nicht vorm Essen messen (Pippi wird schnell hangry, auch da: ganz die Mama…), nicht direkt nach dem Brüllen, nicht direkt nach dem Schlafen.

– nein, ich glaube nicht, dass Pippi eine höhere Betriebstemperatur hat. Ich glaube eher, dass ihre Körpertemperatur schnell auf alles mögliche reagiert und sie regelrecht heiß läuft. Deshalb hatten wir ja auch eine Absprache: wenn irgendwas gemessen wurde und Kind sonst normal (also nicht schlapp rumhängend) ist, nach 10 Brüllfreien Minuten noch mal messen.

– Ich stehe jetzt mit einer potentiellen Kinderfrau in Kontakt.

– Zur Geldproblematik: ich bekomme kein Arbeitslosengeld, wenn ich den PhD nicht eingereicht oder schriftlich erklärt habe, dass ich diesen nicht mehr weiter verfolgen werde. Letzteres geht aber auch nur mit Bestätigung der Uni, ich muss dann alles abgeben und komme buchstäblich nicht mehr rein. Die sind da hier sehr streng, wenn man halt PhD student ist, dann ist man das zu 100%, selbst wenn man kein Geld mehr bekommt und/oder seinen PhD abends und nachts erledigt. Alles egal. Nicht eingereicht —> keine Kohle. Deshalb muss ich spätestens am 31.12. einreichen. Es sieht ja auch alles machbar aus, käme nicht ständig so ein Scheiß dazwischen

– dass Herr Rabe die Hauptansprechperson sein könnte, habe ich auch schon überlegt. Aber vermutlich hat sich das durch meinen Ausraster am Telefon gestern eh erledigt, Norweger*Innen können ja nicht so mit Konflikten und die gehen mir jetzt wohl erstmal soweit möglich aus dem Weg.

Ansonsten lief der Tag extrem zäh an, der Tag gestern und das Arbeiten bis fast Mitternacht steckte mir noch in den Knochen und in der Psyche. Das ist wirklich so ne Sache, wenn man eh kurz vorm Durchdrehen ist, braucht’s eben nur nen kleinen Piekser und aus mir entweicht alle Luft mit einem lauten Quietscher. Und nie weiß ich, ob’s diesmal drei Wochen oder drei Stunden dauern wird, mich zu berappeln. Und unglaublich viel Kraft kostet es wirklich jedes Mal und die fehlt mir dann logischerweise an anderer Stelle. Aber heute ging es relativ fix, nach einem sehr späten Kaffee nach dem Kinder wegbringen, dann einer ausgedehnten Badrunde mit Glitzer aufmalen und ausgiebiger Beautyblender-Massage meiner geschwollenen Augenlider und dann noch lunch mit der Lieblingskollegin saß ich danach fünf Stunden lang fast ohne was anzünden zu wollen am

Mikroskop.

Abends dann Discovery mit Herrn Rabe. Viel Liebe dafür.

Tag 809 – Schon wieder.

Schon wieder bin ich an dem Punkt, von dem aus mich wieder aufzurappeln übermenschliche Kraft kostet. Was ist passiert? Der Kindergarten rief an, dass Pippi Fieber hätte. Ich fuhr sie abholen, sie war überaus fröhlich, zuhause maß ich nochmal ihre Temperatur: 37,43. Mittagsschlaf fand sie auch blöd. Ich schrieb dem Kindergarten eine SMS, dass ich sie wieder hinbringen würde, weil sie nicht krank sei und unsere Kindkrank-Tage aufgebraucht seien. Wir müssten sie also jetzt krankschreiben lassen. Das gesunde Kind. Dann rief die KiTa an und erzählte mir was von wegen „sie war schon die ganze Woche nicht in Form“ und „gestern und Montag* haben wir ja nicht Fieber gemessen“** und ich müsse das doch verstehen, sie müssten auch auf die anderen Kinder Rücksicht nehmen und wenn dann eins nölig sei und einen Erwachsenen für sich beanspruche, das ginge so eben nicht. Tja und an dieser Stelle reagierte ich dann mal wieder sehr erwachsen und konfliktfähig, brach in schluchzendes Heulen aus und kotzte alles ins Telefon. Dass es ja nicht das erste Mal*** gewesen sei, dass sie sie gesund nach Hause geschickt hätten, dass eben diese Aktionen Anfang des Jahres die Kindkrank-Tage gefressen haben, dass es jetzt eben nicht mehr so ohne Weiteres möglich ist, sie abzuholen. Dass ich unter enormem Druck stehe, weil ich bis Ende diesen Jahres diesen PhD eingereicht haben muss, weil ich sonst ab 1.1. kein Geld mehr bekomme****. Dass ich deshalb zu unmöglichen Zeiten arbeite, wenn ich tagsüber kranke Kinder betreuen muss. Dass ich erwarte, dass ein Kind, was nicht krank ist, von Ihnen betreut wird. Und dass ich VERDAMMT NOCH MAL EINFACH NICHT MEHR KANN. Dann legte ich einfach auf und rollte mich auf dem Fußboden zusammen***** und wollte am liebsten aufhören zu existieren.

Als Herr Rabe kam wollte ich eigentlich wieder zur Arbeit, stattdessen hing ich erst apathisch rum und ging dann schlafen.

Drei Tage war sie in der KiTa. Davor zwei Tage krank, drei Tage KiTa, drei Tage krank, zwei Tage KiTa… What the actual fuck.

Alles kein Zustand mehr.

Und nein, es kann keiner mal eben kommen. Wir können uns auch keinen Babysitter/Kindermädchen/AuPair leisten. Wir müssen da halt irgendwie durch. Aber vom Kindergarten ist da wohl wenig Verständnis zu erwarten.

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*Dienstag also schon.

**Vorwurfsvollen Unterton „aber wir hätten gerne“ bitte nach Gusto hinzufügen, ich habe den sehr deutlich wahrgenommen.

***Eher so das 6.

****Auch kein Arbeitslosengeld, GAR NICHTS.

*****“Mama lei sei?“ („Mama traurig?“) —> direkt nochmal 100€ in die Therapiekasse werfen

******Ich überlege wirklich, sämtliche Altersvorsorge zu streichen. Es kann nicht angehen, dass wir als Haushalt zu den Top-Verdienern gehören und am unteren Durchschnitt rumkrebsen, weil wir uns dumm und dämlich zahlen, um irgendwann mal eventuell (also, falls die Versicherungsfirmen dann noch existieren und nicht irgendeinen Weg finden, nicht zu zahlen) ein bisschen mehr Rente zu bekommen.