Tag 57 – Hurra for deg!

Ich verspüre einen gewissen Druck beim Verfassen des heutigen Eintrags, nachdem mir die gute @Kleckerwingeln hier ein paar neue Leute hingespült hat. Hrmhrm. Ich reiße mich mal zusammen und bin ganz natürlich. *hüstel* *fummelt sich im Gesicht rum* *macht hektische Gesten*


Das Kind hat ja bald Geburtstag und ich bin total euphorisch am Vorbereiten. Gestern hab ich ja schon essentielles Zubehör besorgt, heute folgte der nächste Streich: Inhalt für die Goodiebags und was zum Anziehen für mich. Ich hab nämlich nix zum Anziehen!!!Einself! Es kommen nämlich einige Leute, die ich noch nie vorher gesehen hab (Eltern von Kindern aus dem Kindergarten), und ich stille ja, will aber nicht unbedingt gleich allen meine Brüste unter die Nase halten. Sich mal eben zurückziehen wird aber wohl auch schwer werden. Und praktischerweise hat da grad so ein neuer Laden aufgemacht mit Schwangerschafts- und Stillkleidung, die nicht nach Stillkleidung aussieht. Halleluja. Noch schlimmer, als Unbekannten meine Brüste präsentieren finde ich nämlich wenn jeder auf der Straße erkennen kann, wie ich mein Baby ernähre. Nun ja, ich war also in diesem Laden und die Sachen sind so toll, ich hätte alles aus dem Laden kaufen können. Allerdings hätte ich dann erst eine Bank überfallen müssen. Nach langem Hin und Her und nachdem ich ungefähr den ganzen Laden anprobiert hatte (die Verkäuferinnen haben sogar das Baby herumgeschoben in der Zeit!) hab ich mich dann für ein Kleid und einen Pulli entschieden. Ich kann mich also auf dem Geburtstag zwischendurch umziehen und zwei hinreißende Auftritte auf der Showtreppe hinlegen. Ich habe also ein Backup, falls mich das Baby eine Minute vor Anpfiff vollkotzt oder ich in den Schokoladenkuchen falle oder so. Und was ich Weihnachten anhaben werde, weiß ich auch schon. Allerdings muss ich da erst noch drauf sparen. Wie lange kann man eigentlich von Nudeln ohne alles leben, ohne Mangelerscheinungen zu bekommen?

Als weitere Vorbereitung habe ich dann zu Hause begonnen, das norwegische Geburtstagslied auswendig zu lernen. Die Norweger haben nämlich eine Entsprechung zu „Wie schön, dass du geboren bist“, also ein Geburtstagslied mit mehreren Strophen von denen alle nur die erste können. Und ich find das Lied super. Ich finde auch „Wie schön, dass du geboren bist“ gut, aber das werden die Norweger wohl nicht kennen, während „Hurra for deg“ alle kennen, singen können und zum Teil sogar mittanzen. Was ich meine, kann man sich hier ansehen (alle Strophen und mit Tanz und ich fresse nen Besen, wenn diese Menschen nicht Grundschullehrer sind) oder etwas schöner gesungen von diesen jungen Männern, die sich grundlos durch ihre hübschen Gesichter streicheln. Die Melodie ist auch sehr eingängig, ich neige ja ohnehin und zu meinem Leidwesen sehr zu Ohrwürmern und so summe ich schon den ganzen Tag herum, aber der Text ist nicht so ganz ohne. Wir reden hier von einem Text, den jeder Erstklässler in Norwegen beherrscht und ich tue mich schwer damit, wenigstens die erste Strophe mitsingen zu können*. Das muss diese Stilldemenz sein, von der alle reden. Gut, dass das Kind sowieso viel lieber will, dass wir „Zum Geburtstag viel Glück“ singen. Da bin ich textsicher.

Hurra for deg som fyller ditt år!
Ja, deg vil vi gratulere!
Alle i ring omkring deg vi står,
og se, nå vil vi marsjere.
Bukke, nikke, neie, snu oss omkring,
danse for deg med hopp og sprett og spring.
Ønske deg av hjerte alle gode ting!
Og si meg så, hva vil du mere?

Gratulere!

(Übersetzung:
Ein Hoch auf Dich, der du Geburtstag hast!
Ja, Dir wollen wir gratulieren!
Wir stehen alle in einem Kreis um dich,
und sieh, nun wollen wir marschieren.
Verbeugen, nicken, biegen, uns herumdrehen,
tanzen für Dich mit Hopsern und Sprüngen und Rennen.
Wünschen Dir von Herzen alle guten Dinge!
Und sag mir doch, was willst du mehr?

Herzlichen Glückwunsch!)

* Es wäre natürlich ziemlich nerdy-streberhaft witzig, wenn wir hinterher die einzigen wären, die alle drei Strophen können. Hähä. Hä. Aber wir wollen mal nicht übertreiben.

Tag 52

Heute war wirklich nichts los hier, außer dass ich wegen eines ausgefallenen Lunchdates viel Zeit hatte und endlich ein paar überfällige Anrufe erledigt hab. So wird denn jetzt Montag auch endlich (!!!) der Klempner kommen und unsere Dusche fertig machen, hat ja auch nur sieben Monate gedauert. Außerdem schickt das alte Gesundheitszentrum die Unterlagen vom Kind an das neue Gesundheitszentrum. Damit der alte Hausarzt die Unterlagen an den neuen Hausarzt schicken darf, muss ich ein Formular ausfüllen und beim nächsten Besuch mitbringen. Ich muss aber eh übernächste Woche wieder zum Blut abnehmen da hin, da kann ich das dann abgeben. Dann gab es eine einigermaßen absurde Situation mit zwei Zahnarztpraxen und dem neuen Gesundheitszentrum. Weil das Kind ja drei wird, muss es nämlich zum Zahnarzt und der ist dann hoffentlich super super nett und macht, dass das Kind keine Angst vorm Zahnarzt bekommt. Oma hat schlimm Angst vorm Zahnarzt, Mama gar nicht, ich sag mal so, keine Angst haben ist auch für die Zahngesundheit besser. Aber egal, jedenfalls hatte mir das Gesundheitszentrum beim letzten mal als ich da war gesagt, ich solle Zahnarzt A anrufen und einen Termin für das Kind ausmachen.

Tante: Zahnarztpraxis A, sie sprechen mit schrwblbr, was kann ich für Sie tun?
Ich: Hallo, ähh, ich wollte nur wissen, ob Sie für mich zuständig sind, wir sind beim Gesundheitszentrum X.
Tante: Ahh, ähh, weiß ich nicht, ich frag mal grad.
Im Hintergrund: Uopolos galopolos helsestasjonuopolos? – Ähh oupolos galopolos blurblblurbladetannklinikkopolos!
Tante: Nee, da müssen Sie bei Zahnarztpraxis B anrufen, die ist für sie zuständig.

Anruf bei Zahnarzt B.
Tante: Zahnarztpraxis B, abliglugl am Apparat?
Ich: Ja, guten Tag, mein Kind wird bald drei und wir sind aber umgezogen und haben das Gesundheitszentrum gewechselt und ich weiß nicht, wer jetzt für uns zuständig ist.
Tante: Ja, hmm, Geburtsdatum?
Ich: 11.10.2012
Tante: Name?
Ich: Das Kind.
Tante: Wollen wir mal sehen… Ja, hmm, sie haben vorher daundda gewohnt und jetzt wohnen sie wo?
Ich: Straßenname Hausnummer.
Tante: Nein, da sind wir nicht zuständig. Das ist Zahnarztpraxis A.
Ich: Aber da hab ich grad angerufen und die wussten von nichts!
Tante: Ja, da kann ich nichts machen, das geht nach Straße und sie sind hier bei uns falsch, tut mir leid.
Ich: Ja hmm, ok, kann man nichts machen.

Anruf beim Gesundheitszentrum X (vielleicht hab ich ja auch was falsch verstanden).
Tante: Gesundheitszentrum?
Ich: Ja, hallo, ähh, Sie hatten beim letzten Mal gesagt, ich soll Zahnarztpraxis A anrufen und einen Termin für mein Kind ausmachen, aber die haben jetzt gesagt, ich soll Zahnarzt B anrufen aber B sagt, ich soll A anrufen und jetzt weiß ich auch nicht.
Tante: Ja, hmm, Geburtsdatum?
Ich: 11.10.2012
Tante: Name?
Ich: Das Kind.
Tante: Wollen wir mal sehen… Ja, hmm, sie haben vorher daundda gewohnt und jetzt wohnen sie wo?
Ich: Straßenname Hausnummer.*
Tante: Ahhh, ja, nee, da ist das tatsächlich Zahnarzt A, der ist für Sie zuständig, das geht nämlich nach Straße weil wir mit einem anderen Gesundheitszentrum zusammengelegt worden sind und die Zahnärzte sind aber die selben geblieben.
Ich: Ah ja. Ok. Vielen Dank.

Anruf bei Zahnarztpraxis A. Leicht abgenervt.
Tante: Zahnarztpraxis A, schubldiblubl am Apparat?
Ich: Ja, hallo, ich hatte eben schon mal angerufen, wegen dem Kind und da sagten Sie ich soll bei Zahnarzt B anrufen, aber der ist nicht zuständig wir wohnen nämlich…
Tante: Ähh, da haben sie bestimmt mit meiner Kollegin gesprochen…
Im Hintergrund: Uopolos nervigetrullauopolos? – *schluffschluffschluff*
Tante2: Jaaa?
Ich: Ja, äh, also ich hatte vorhin schonmal angerufen und ich bin jetzt ganz sicher, dass sie für uns zuständig sind, wir wohnen nämlich daundda!
Tante2: Ja, hmm, Geburtsdatum?
Ich: 11.10.2012!
Tante2: Name?
Ich: Das. Kind!
Tante2: Wollen wir mal sehen… Ja, hmm, sie haben vorher daundda gewohnt und jetzt wohnen sie wo?
Ich: Straßenname Hausnummer!
Tante2: Ja, das stimmt, da sind wir zuständig, aber wir haben noch keinen einberufen von den Dreijährigen, wollen Sie trotzdem schon mal einen Termin haben?
Ich: *denkt: nee, ich ruf aus Spaß bei drölfzig Leuten an, ist eigentlich total egal, ich hab nur sonst nix zu tun* Ja, das wäre gut.
Tante2: Wie wärs denn mit morgen, 10:30 Uhr?
Ich: Äh, was? Morgen? Nee, morgen ähhhh da hab ich, nee, das geht nicht.
Tante2: Wie wärs am 14. um 14:20 Uhr?
Ich: Ja, das klingt besser.
Tante2: Dann kriegen Sie ne Terminbestätigung per SMS einen Tag und eine Stunde vorher.
Ich: Super!

Hoffentlich sagt der Zahnarzt, dass das Kind mal aufhören soll mit dem Schnuller. Es nimmt den zwar nur noch nachts, aber vielleicht hat der Arzt da mehr Autorität als die blöden Eltern…

*Völlig absurd, das abzufragen, es ist ja nicht so als gäbe es hier Datenschutz! Ist doch eh alles registriert! Gnaaa, norwegische Bürokratie.

Tag 47 – Tran

Seit etwas über einer Woche bekommt das Baby jetzt Tran. Das ist das, was man in Deutschland unter Lebertran aus Erzählungen der Elterngeneration kennt. Es wird inzwischen nicht mehr aus Walleber hergestellt, sondern aus Kabeljau, aber im Prinzip ist es reines Fischöl. Reich an Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D. Davon sollen Erwachsene und Kinder ab einem halben Jahr einen Esslöffel nehmen, kleinere Babys etwas weniger. Wenn man das nicht macht, verkümmert das kleine Babygehirn und alle springen aus dem Fenster wegen des langen Winters, zumindest wird das von der norwegischen Ernährungsgesellschaft so propagiert. Eigentlich soll man damit schon anfangen wenn das Baby vier Wochen alt ist, aber weil ich persönlich Tran ziemlich eklig finde, hab ich das wegprokrastiniert. Als mich jedoch die Schwester beim Gesundheitscheck dran erinnerte, dachte ich mir so, ach, schaden kanns ja nicht…

Also probierte ich es zuerst mit einem kleinen Plastiklöffel und „tut mir Leid, Baby, aber da musst du jetzt durch“-Gesicht und als das Baby Hunger hatte, damit es gleich mit Milch nachspülen konnte. Das war ungefähr so falsch wie nur möglich, das Baby fing an zu schreien, Tran landete auf seinen und meinen Klamotten und nur wenig in seinem Mund. Und wohin danach mit dem Löffel? Also Tran auch auf dem Tisch. Eine Katastrophe eigentlich. Vor allem, weil der Fischgeruch auch beim Waschen nicht aus der Kleidung zu bekommen ist*. E-kel-er-re-gend! Und dabei mag ich Fisch eigentlich! Aber ich will nicht, dass mein Baby so riecht!
Nachdem ich google gefragt habe, wie man Tran ins Baby bekommt, machen wir jetzt folgendes, und es funktioniert halbwegs:

  • Einen Moment abpassen, in dem das Baby satt und wach und zufrieden ist.
  • Baby nackt ausziehen (falls doch was daneben geht) und auf den Wickeltisch verfrachten.
  • Tran in einer kleinen Spritze aufziehen (ohne Nadel natürlich!) und in den Händen aufwärmen.
  • In kleinen Häppchen (ca. 0,5 mL) dem Baby zwischen Lippe/Wange und Kauleiste spritzen, möglichst weit nach hinten.
  • Falls das Baby was ausspuckt, sofort abwischen.
  • Warten, bis das Baby das runter geschluckt hat, dann das nächste Häppchen.
  • Als Abschluss unbedingt alle Hautpartien an die Tran gekommen ist, mit einem Babyöl-Läppchen nachwischen und mit einem trockenen Läppchen die Reste entfernen. Die Haut stinkt sonst nach Fisch und zwar so ziemlich für immer.
  • Positiv bleiben. Lächeln, sich mit dem Baby unterhalten. Lügen, dass das ja sooo lecker sei, finde ich persönlich nicht gut, aber man kann ja anders mit dem Baby reden, ich sage so Sachen wie „Das fühlt sich lustig an im Mund, ne? Das schmeckt ganz anders als Milch! Das ist total gesund!“
  • Selber Tran nehmen und ein gutes Vorbild sein finde ich schwer, vor allem das mit dem positiv sein dabei. Ich nehme Tran, aber ich halte mir dabei die Nase zu und spüle mit sehr viel von irgendwas mit Geschmack nach. Das ist wohl kein adäquates Vorbild-Verhalten. (Als ich schwanger war gings gar nicht. Einen Esslöffel Öl schlucken, wenn man schon von Joghurt würgen muss. Görgs.) Herr Rabe nimmt Vitamin D als Kautabletten.

Das große Kind weigert sich standhaft, irgendwas zu nehmen, was Medizin sein könnte, seit es mal Antibiotika nehmen musste. Dafür isst es gerne Tran-Fische. Da hat irgendein Perversling sich überlegt, Tran mit Gelatine und unfassbar viel den Fischgeschmack übertünchendem Aroma und Süßstoff und Farbstoff in kleine Fische zu gießen, so ein bisschen wie Weingummi. Das ist des Kindes Highlight** nach dem Kindergarten, wenn es einen Fisch essen darf. Und schon alleine, damit ich wenigstens ein Kind habe, das den Tran (von mir aus mit Nase zuhalten) ohne zusätzliche Chemiescheiße nimmt, zieh ich das beim Baby jetzt durch und hoffe, dass es eine positive Einstellung zu dem Ganzen bekommt. Und nebenbei frage ich mich gerade, wieso ich beim Kind am Anfang skeptisch gegenüber den (kostenlosen!) Vitamin-D-Tabletten war. Denn schlimmer gehts immer. Es hätte Tran sein können.

*Beim zweiten Mal Waschen gehts raus, wenn man die Flecken mit Gallseife vorbehandelt. Nur so als Tipp.

** Highlight 2: Fluortablette, wenns abends ordentlich Zähne geputzt hat. Also, gelassen hat. Die mit Tuttifrutti-Geschmack.

Tag 25

Ein neuer Tag beginnt bekanntlich erst nach einer längeren Schlafepisode. Dementsprechend gilt das hier noch für gestern.

Der Bericht fällt auch kurz aus, da komplett fertig.

Muttisport Part II, Kondition. Trainerin schwanger. Keine Pippi diesmal. Mona. Wir hüpften auf Bällen. Interessant war das und anstrengend auch, aber nicht so doll anstrengend dass ich denke, joaaa, das hat nen Trainingseffekt. Naja, sehen wir mal wies weitergeht. Singen mussten wir auch, das Lied ist sehr norwegisch. Übersetzt geht es so:

Lauf im Wald, Lauf im Wald, Hacke Holz, Hacke Holz, Frier an den Füßen, Frier an den Füßen, Lauf lauf zur Mama heim.

Hmm ja.

Dann haben wir Freunde mit kleinem Baby besucht. Also, noch kleiner als unseres. Das war sehr nett, obwohl ich das Baby zweimal und mich einmal vorher umziehen musste wegen Babyverschmutzter Klamotten. Und sich das Baby dann auch noch bei den Freunden durchpillerte. Also mit geliehenen Klamotten nochmal umgezogen. Aber der Besuch war schön.

Dann zu Hause alles vorbereiten für den Besuch, der in diesen Minuten eintrudelt. Das ging so mäßig, weil das Baby am laufenden Band gebrüllt hat. Sogar im Tragetuch. Aber es hat irgendwie doch geklappt. Jetzt möchte ich aber gerne 8 Stunden am Stück durchschlafen, was nicht passieren wird.

Ach so: Marmelade kann anbrennen. Heute getestet. Ist nicht zu empfehlen.

Tag 11

Eigentlich möchte ich seit Tagen über das schlechte Gewissen schreiben, das ich gegenüber dem großen Kind habe, seit das Baby da ist. Darüber, dass es nichts damit zu tun hat was ich dachte was mir ein schlechtes Gewissen machen würde. Allerdings ist das irgendwie noch so unausgereifter Gedankenquark, da muss erstmal Ordnung rein, dann kann ich drüber schreiben.

Heute war wieder schönes Wetter, langsam gewöhne ich mich dran und langsam wird es auch etwas peinlich, dass ich im Wechsel die selben zwei identischen (!) Hosen trage, weil ich dachte für die ein, zwei Tage lohne es sich nicht, die Sommersachen vom Schrank zu holen. Jetzt lohnt es sich aber wirklich nicht mehr, der Sommer soll wohl spätestens Ende nächster Woche vorbei sein und der Schrank ist sehr hoch und die Leiter wackelig. Obwohl sicher auch Herr Rabe auf die Leiter steigen würde, bäte ich ihn darum. Aber egal. Es lohnt nicht mehr und ich hab ja die zwei Hosen. So.
Wegen des schönen Wetters bin ich nach meinem Mittagessen mit der netten Kollegin (wir wollen das jetzt jede Woche machen, dann gibts für sie mal was warmes und für mich überhaupt was zum Mittag) zu Fuß fast bis nach Hause gegangen, am Fluss entlang. Wenn gutes Wetter ist, ist die Stadt hier fast kitschig schön und spazieren gehen finde ich eh gut, das Baby und ich brauchen ja auch frische Luft und coffee to go macht so auch viel mehr Sinn. Am Fluss liegt der Dom und am anderen Ufer gibt es eine Promenade, die dann direkt in die Altstadt übergeht mit putzigen kleinen bunten Holzhäuschen, in denen sehr reiche Menschen wohnen, den Wohnungspreisen nach zu Urteilen jedenfalls. Überall sonnten sich Menschen, das Semester hat auch gerade angefangen, deshalb hatte ca. die Hälfte der Menschen Alibi-Bücher mit schlau klingenden Titeln neben sich liegen, während sie ihren post-Urlaubs-Blick über den Fluss schweifen ließen. Kurzum: es war super schön und ich im ca. 5. Himmel, bis ich in den Bus stieg (für den letzten Kilometer bergauf war ich dann doch zu faul und die Strecke ist dann auch nicht mehr so schön). Da wurde ich sofort von einer älteren Dame angepampt weil ich den Kinderwagen ja doch bitteschön andersrum hinstellen könnte, so würde sie ja da gar nicht durchpassen. Dass der Kinderwagen egal in welcher relativen Ausrichtung zum ihm umgebenden Raum immer gleich groß ist, schien ihr nicht bewusst zu sein. Auch dass ich mir fast den Fuß abbrach bei dem Versuch in der anderen Position die Bremse erst fest- und zwei Stationen später wieder aufzubekommen interessierte sie offenkundig nicht. Mein bissiges freundliches „Ha det!“ zum Abschied wurde konsequent ignoriert. Nach der Busfahrt hatte ich mich von meiner guten Laune erholt und ging lieber schnell nach Hause und ließ mich vom Baby vollspucken.

Der Rest des Tages war wie immer. Kind abholen, Eis, Spielplatz, Wäsche, Essen, mehr Wäsche, im Garten rumgehangen. Unsere Nachbarn haben im Garten eine Hängematte aufgehängt, das ist sehr nett von ihnen. Findet auch das Kind. Das Kind begrüßt auch dass es im Brunnen im Park wieder Wasser gibt (wieso wird das überhaupt dauernd abgelassen und dann wieder befüllt?) und feierte das heute indem es sich nackt auszog und reinsprang. Wir sind die Weirdos, deren Kinder nackt im Brunnen sitzen, während sie selbst mit Babykotze auf dem T-Shirt ihre Augenringe zählen. Und haste gesehn? Die Frau hat immer die gleiche Hose an.

Tag 9

Ich hab das Kind ins Bett gebracht und bin dabei eingeschlafen. Jetzt fühle ich mich so, wie man sich halt fühlt nach 45 Minuten auf einem Barhocker, schief zur Seite hängend, den Kopf in die (eingeschlafenen) Hände gestützt. Gnärfz.

Heute hatte ich mir vorgenommen „nichts“ zu machen. Um neun hatte ich zwei Briefe per Hand geschrieben, ein Paket gepackt, ein neues Passfoto vom Baby eingetütet (das eine was wir an die Botschaft geschickt hatten, war verloren gegangen), dem Baby die Fingernägel geschnitten UND mir die Fingernägel geschnitten. Dann etwas Pause da eine Adresse erst angefragt werden musste, um zwölf war ich bei der Post, um eins wieder hier und dazwischen hatte ich noch fürs Grillen eingekauft. Dann muss irgendwas gewesen sein, jedenfalls gings erst so gegen zwei weiter mit gemächlich ca. eine Milliarde Dinge ins Auto packen, SalatGurkeTomate waschen und schneiden, den Grill vom letzten Mal leeren und mit neuer Kohle füllen und um viertel nach drei waren dann ich, das Baby und all unser Kram auf dem Weg, das Kind abholen. Dann Herrn Rabe abgeholt und auf zum See (diesmal ein anderer, ich find den ja noch schöner, aber Herr Rabe schätzt den Komfort vom Mülltonnen und einem public Grill an dem anderen).

Am See wars Bombe, das Kind hat gebadet, ewig lang und wollte gar nicht mehr raus. Meine Beine haben bis zum Knie gebadet, ebenso Herr Rabes. Es gab nur wenige Knotts (Kriebelmücken) dafür viel Sonnenschein und noch nicht mal eine Katastrophe, als sich das Kind am Fuß verletzte und wir keine Pflaster dabei hatten. Wir haben vegetarische Burger und Würstchen gegessen, das war ein Test der einzigen verfügbaren Marke und er wurde mit Sternchen bestanden. Mjammi. Das Kind hat gar nicht gemerkt, dass es keine „echten“ Pølse waren. Jede Menge andere Kinder, wenns keine Norweger gewesen wären also theoretisch Spielkameraden.

Dann mit Sack und Pack wieder nach Hause, das Kind ist leider kaputt, es schläft nicht mehr im Auto ein, jedenfalls dann nicht, wenn wir es extra schon im Schlafi ins Auto setzen. Deshalb bin ich dann ja auch neben seinem Bett eingeschlafen.

Und morgen mache ich wirklich gar nichts.

Tag 7

Eigentlich wollte ich heute Abend eine Fotostrecke zum Thema Windeln falten anfertigen, aber jetzt tut mein Rücken so weh, dass mir die Lust darauf irgendwie vergangen ist.

Deshalb hier stattdessen kurzes Gemecker über Rückenschmerzen:
Meckermecker, aua. Meh.

Ich schätze mal, ich hab heut das Baby ein bisschen viel rumgeschleppt. Und das Kind. Wir waren nach dem Kindergarten noch am See, das Kind war allerdings sooooo müde und musste getragen werden, also hatte ich die Wahl zwischen a) zwei Kinder tragen und b) den ganzen Kram tragen. Ich entschied mich für b) auf dem Hinweg und b) plus Kind auf dem Rückweg. Dumm. Am See war es im babyfreundlichen Schatten auch ziemlich kühl, das hat es sicher nicht besser gemacht, auch nicht dass ich danach direkt in die Küche gesprintet bin um Kuchen zu backen. Morgen gehts nämlich zur Arbeit, Baby rumzeigen und Kuchen essen. Eine sonst willkommene Ausrede um Blechkuchen zu backen (Pflaumenkuchen mit Hefeteig und Guss, in der Küche bin ich meine Oma) aber heute irgendwie anstrengend da keine Position zu finden war, in der ich bequem stehen konnte. Nun ja. Morgen ist es sicher schon besser, aber jetzt steh ich außer zum Zähne putzen nicht mehr auf. Ich lieg nämlich schon im Bett, neben mir das herumschnorchelnde Baby. Es nuckelt an seiner Zunge, das ist sehr niedlich. Eben hat es die Windel gut gefüllt. Das war weniger niedlich. Gut, dass Herr Rabe gerade vom Fußball nach Hause gekommen ist. Hehe. Ich memme ja rum bin ja grad unpässlich.

Das Kind hat heute nicht nur im See gebadet („Ich darf nach der Geburt noch nicht wieder baden! *hüstel*“) sondern auch im Fjord, der kleine Norweger. Der Kindergarten hat nämlich heute einen Ausflug gemacht zum Fjord und da durften die Kinder baden. Als ich das Kind vom Kindergarten abholen wollte, wurde ich dann auch erst ignoriert und dann wurde mit einem Stock auf mich geschossen. Bald muss ich das Kind wahrscheinlich vom Zaun aus mit einem Lasso einfangen um es abzuholen. Ich sollte schon mal üben. Ach nee, ich kann ja nicht.

Oh, und schon eine Woche gebloggt. Kann man sich dran gewöhnen :)