Tag 1267 – Nix zu erzählen.

Pippi war heute als einziges Kind aus ihrer Gruppe (dem Fuchsbau) mit den „großen“ Kindern aus der Bärenhöhle Ski fahren. Wir sind ganz stolze eingenorwegerte Eltern. Und Pippi war danach so müde und kaputtgespielt, dass sie grad so lange genug fürs Abendessen die Augen aufhalten konnte. Pippi isst übrigens weiterhin alles, solange sie nicht gehört hat, wie Michel mit Herrn Rabe um 25 Erbsen feilscht. Oder wenn Knoblauchsoße drauf ist, dann isst sie es eh. Hachz.

Sonst war kaum was. Alltag halt. Ich ackere mich weiter durch meinen Einarbeitungsplan. Heute war das spannendste da, dass ich das erste mal eine Inspektion ankündigen durfte. Die Ankündigung ist auch schon ein richtig offizielles Dokument und für etwa fünf Minuten war ich für dieses Dokument in dem komplizierten Dokumentenmanagementsystem verantwortlich, dann habe ich es meinem Kollegen übertragen, der offiziell dafür zuständig ist. Ich bin ja nur Observatør, irgendwann dann Revisor und wenn ich dann fertig eingearbeitet bin und einen Kurs in ISO 19011 gemacht habe auch Revisjonsleder. Inspektør bin ich qua Anstellung, aber meine Funktion bei Inspektionen ist halt noch begrenzt – auf Beobachten. Zum Glück, ich hätte nämlich bei der Ankündigung heute die Vorschrift zu Narkotika bei den Rechtsgrundlagen vergessen. Mein Kollege ist übrigens ziemlich cool, glaube ich. Ich mag Leute, aus denen ich nicht sofort schlau werde, mit denen ich aber humormäßig auf einer Wellenlänge liege.

Abends den Wochen-Essensplan gemacht und den Einkauf geordert. Weil der Einkaufsservice auch von der Fleischerei, bei der wir auf Empfehlung unseren Weihnachtsbraten bestellt haben, beliefert wird, und Rinderfilet dort im Angebot war (immernoch sauteuer, aber 20% billiger als sonst eben), gibt es am Samstag Steak. Ich hab das letzte Mal Steak gegessen, äh, vor… ich kann mich nicht mehr dran erinnern. In Norwegen glaube ich noch nie. (Doch! Einmal, Pippi war erst ein paar Tage alt! Meine Mutter lud uns ein und ich hatte nach der Geburt ständig Hunger auf Fleisch, genau. Also vor dreieinhalb Jahren ca.) Ich freue mich tatsächlich sehr darauf und vor allem aber darüber, dass wir uns solche Späße nun wieder ab und an erlauben können.

Weiterhin heute sehr gute Musik gehört. Wenn Sie (und echt: nur dann, nicht dass Sie sich hinterher beschweren, was ich für schrecklichen Lärm empfehle) lauten Rock mögen, irgendwas zwischen, hmm, Foo Fighters und den Anfängen von Muse, dann hören Sie sich doch mal Death from Above 1979 an. Wie Farin Urlaub sagt: „Mit Schlagzeug und Bass macht das Musikhören Spass.“*

___

*bei Die Ärzte geht es mit „doch wenn die Gitarre kommt ist alles zu spät, weil man dann den Text nicht mehr versteht“ weiter. Bei Death from Above 1979 kommt halt keine Gitarre, braucht ja auch eigentlich keiner.

Tag 1255 – So geht‘s doch auch.

Total tiefenentspannten Samstag verbracht. Allein mit den Kindern. Herr Rabe arbeitet (und testet mal den Transport nach Oslo, wenn auf der Strecke Schienenarbeiten sind. Die werden noch bis Dienstag sein, ich muss also mindestens 20 Minuten extra für die Wege einplanen. Herr Rabe arbeitet dann von zu Hause aus, weil auch noch Elterngespräch am Montag in der Schule ist, natürlich zu Zeiten, in denen die Lehrerin arbeitet, so wie andere Berufstätige halt auch. Ein Hoch aufs Homeoffice.). Der Unterschied zum letzten Wochenende lag wohl in einer anderen Hormonlage und darin, dass wir nichts vorhatten. Wirklich gar nichts.

Erstmal muss ich die Kinder echt mal loben: die können sich inzwischen morgens halbwegs selbst beschäftigen und reißen sich nur gelegentlich gegenseitig die Köpfe ab. Das hieß für mich heute früh, dass ich noch etwas weiter dösen konnte und nicht um sieben schon aufstehen musste. Das tut viel für meine Wochenendlaune. Es duschten dann auch nach dem Frühstück beide freiwillig und am Ende saßen sie sogar ganz einträchtig in Pippis Badewanne (gedacht für EIN Kind bis maximal 4 Jahre!) und ich konnte in Ruhe mein Körperpflegeprogramm durchziehen und dabei Podcast hören. Während ich dann duschte cremten sie sich ein und ich musste danach nicht das gesamte Bad renovieren und auch nur noch die Gesichter eincremen, das war auch alles schon mal sehr viel schlimmer und ist nicht lange her. Hach, hach.

Michel hatte sich gewünscht, sich etwas dazu zu verdienen, um sich irgendein Dings aus dem Spielwarenladen zu kaufen und nach etwas Überlegerei ließ ich ihn in der Küche staubsaugen und eine Maschine Wäsche aufhängen. Das Geld investierte er bei einem Ausflug in den Ort in ein… Dings, das ich nicht weiter kommentierte, es ist ja sein Geld. Selbst im Supermarkt, wo wir Zeug kauften, dass wir zu bestellen vergessen hatten, benahmen sich die Kinder. So gut, dass ich mich am Ende (nachdem ich tausend kleine Snacks für mich gekauft hatte, meine Kolleginnen haben alle gesagt, ich solle für lange Arbeitstage mit ohne Essen ab schlimmstenfalls Mittags vorsorgen und jetzt hab ich also Nüsse, Smoothies, Müsliriegel und getrocknete Mango. Ich werd so drei, vier Wochen eingeschlossen im Keller eines Pharmaherstellers schon überleben) zu Ü-Eiern hab breitschlagen lassen. Tiefenentspannt halt.

Zu Hause dann Popcorn und Film (Madagaskar 3) für die Kinder, Buch und Kamin für mich. Abends Pommes, Fischstäbchen und Buttermöhren und zwei müde Kinder, die sich ohne großes Gemecker um kurz nach sieben ins Bett bringen ließen. Beide ganz kuschelig und nach einem Tag, wo beide sehr „groß“ waren, plötzlich ganz „klein“. So richtig was getan haben wir heute also wahrlich nicht, aber dafür haben wir glaube ich alle drei gründlich aufgetankt.

Jetzt wieder Buch und Kamin. Ich lese jetzt endlich „Unterleuten“ von Juli Zeh. Das hatte ich schon lange hier, nachdem ich es mir schon noch viel länger gewünscht hatte. Mindestens ein Jahr habe ich es nicht angefasst. Ich hatte den Kopf nicht dafür frei. Es war wohl auch klug, das lesen zu verschieben. Ich verbinde im Nachhinein Bücher mit der Stimmung, in der ich sie las. Bei diesem Buch möchte ich nicht, dass es mir durch Existenzängste verdorben wird. Tatsächlich habe ich es noch nicht ganz zur Hälfte durch und bin sicher, dass es eines der besten Bücher ist, die ich in den letzten Jahren überhaupt gelesen habe. Es packt mich und schluckt mich und ich habe endlich wieder ein deutliches Lesebedürfnis, ein bisschen wie früher, ich lese wieder überall, heute sogar beim Fischstäbchen braten. Ganz wunderbar ist das, wieder bin ich ein Stück mehr ich. Über das Buch möchte ich gar nicht so viel sagen, aber wenn Sie das noch nicht gelesen haben, machen Sie das mal, es ist wirklich sehr gut.

In diesem Sinne:

Tag 1250 – Halbe 2500.

Heute auf die Minute passend gearbeitet, auf die Minute passend die Kinder abgeholt. Es ist ein Spagat und ich frag mich, ob sich auch Väter schlecht fühlen, wenn sie ihr Kind um zwei vor Schluss aus dem Hort abholen? Ich hoffe es.

Leider sind wir auf den Hort ja morgens und nachmittags angewiesen und damit ist die kurzzeitig verlockend erscheinend gewesene Idee des „Sport-Hort“ schon wieder passé. Der Sport-Hort kostet das Gleiche wie der normale Hort, hat aber tägliches Sportprogramm und (noch viel besser) tägliche Gelegenheit zum Hausaufgaben machen. Aber der Sport-Hort ist nicht morgens und soweit ich das sehen kann gibt es keine andere Möglichkeit, als beim normalen Hort einen halben Platz zu nehmen um morgens je eine Stunde in Anspruch zu nehmen und dafür aber 67,15% des normalen Hortpreises zu zahlen. Wir würden also 167,15% von dem bezahlen, was wir jetzt zahlen und das ist viel. Enorm viel. Mistekack.

Mein Meeting heute war mittelspannend, das Eis ist fest, allerdings brauchen wir um der Firma weiterhelfen zu können erstmal mehr Infos von eben dieser.

Dafür werde ich wohl mit der Dokumentenmanagementsoftware noch viel Spaß haben, die ist nämlich das Gegenteil von selbsterklärend. Bester Tipp aus der Erklärpräsentation: man kann Shortcuts wie zum Beispiel esc benutzen. ACH! Na dann ist ja alles klar.

Der lange Tag wurde mit einem glücklichen Michel belohnt, weil heute ein Paket aus dem Internet ankam. Da hat er auch gleich halbwegs motiviert Hausaufgaben gemacht. (Sie lernen diese Woche den Buchstaben F und weil er keine Lust hatte, die Worte aus der Wörterliste zu schreiben und zu malen hat er seinen Vater gemalt und seinen Namen geschrieben. Im Auto wollte er dann wissen, ob man Felix denn eigentlich mit k schreibt. Norwegen halt.) Hach, mein großes Kind.

Sport-Hort wäre wohl wirklich nicht doof für ihn. Immer in Bewegung.

Tag 1218 – Happy, happy!

Nun. Schon wieder ist es total spät, aber ich habe es aufgegeben, früh ins Bett zu gehen. Ich bin einfach nicht müde, so what. Wenn ich wirklich früh aufstehen muss, wird es schon gehen. Solange ich nicht muss, gebe ich mein Bestes, es trotzdem zu tun, und wenn’s nicht klappt, dann klappt es eben nicht, ist ja grad noch egal. Dafür habe ich abends all die Energie, die mir morgens abgeht und dann ist es doch schön, wenn ich noch friedlich zwei Stunden Nähen kann, während die Kinder schlafen.

Überhaupt, die Kinder. Ich hab die sehr lieb. Sage ich vielleicht nicht häufig genug, also zu ihnen schon, aber nicht „über“ sie, zu anderen. Michel zum Beispiel, der große kleine Zwerg, wenn der morgens vom Parkplatz zur Schule stapft und so kleingroß ist, wie es halt nur Erstklässler sein können, da geht mir das Herz auf. Und wenn ich dann sehe, dass die Opis, die Schülerlotsenmäßig den Schulweg bewachen, schon ihre Posten verlassen, weil es ja schon zum ersten Mal geklingelt hat (15 Minuten vor Schulbeginn), dann fahre ich auch ein bisschen Helikopternd einmal um den Block und wieder an der Schule vorbei, wo ich den knallgelben Trondheimer Kommunenrucksack grad noch auf den Schulhof einbiegen sehe. Nach der Schule dann erzählte er mir, dass ihn ein Kind geschubst hat und ein anderes hat ihm einen Schneeball (mit Steinen drin! Und mit Absicht!) voll ins Gesicht geworfen. Meine Reflexe sind dann ja direkt auf WAAAAAS??? ICH RUF DIREKT DIE ELTERN AN WAS SIND DENN DAS FÜR ARSCHLÖCHER?, aber ich fragte erstmal nach, was Michel dann gemacht hätte, und ob das wer vom Hort gesehen hätte (nein), und Michel sagte, er sei dann einfach weggegangen und er habe auch eh keine Lust, mit den entsprechenden Kindern zu spielen. Er scheint es also ganz klug zu lösen und solange das klappt ist ja alles in Butter. (Ich finde das extra gut, dass er das so macht und nicht, wie ich als Kind und zum Teil noch echt lange, ausgerechnet mit denen, die mich am meisten ablehnten, best buddies sein will.) Fruchtet das viele Erklären, was Freunde tun und was nicht, ja vielleicht doch, ich wünsche es mir für ihn. Und ich wünsche ihm Freunde, die auch „blöde Wollsachen“ anhaben und deren Eltern Schießspielzeug konfiszieren. Bei denen er „uncool“ und phantasievoll und lieb und aktiv, aber nicht wild sein kann, wie er halt so ist. Hachz. Pippi ist natürlich auch prima, ganz anders, klar, sie ist auch noch jünger, aber die wird vermutlich eher die Bandenchefin werden, in der neuen KiTa-Gruppe setzt sie sich jedenfalls schon sehr gut durch. Und weil sie in ihrer Gruppe nun fast die älteste ist, statt wie sonst immer die jüngste und kleinste, zählt der „Ich bin so süüüüß“-Faktor nicht mehr. Trotzdem hat sie in der Gruppe ziemlich oft das Sagen, wenn sie da ist, wie sie zu Hause ist, kann ich mir ungefähr vorstellen, wieso. Bestimmerin by nature. Hoffentlich bleibt sie so.

Was war sonst so? Etwas genäht, Schuhe gekauft, Herr Rabe ist nicht da. Genäht habe ich das Oberteil vom Bettbezug-Kleid. Es scheint ein gutes Verfahren für mich zu sein, immer eine Größe kleiner zu nehmen, als die Größentabelle für mich vorsieht. Ich verstehe das ja nicht. Da nähe ich ein Kleid, das aus (festem) Jersey sein soll, aus gewebtem, gar nicht elastischem Stoff (dann eben mit Reißverschluss) und Größe 38 passt und sitzt super, wo die Größentabelle meint, zwischen 40 (Hüfte) und 42 (Taille) müsste es schon sein. 42 („wenn Sie zwischen 2 Größen liegen, nehmen Sie die kleinere“) säße da wie ein Sack. Und auch dieses Mal habe ich übrigens weniger Stoff gebraucht. Auch so’n Ding. Ist mir bei nem Bettbezug egal, aber bei richtig teuren Stoffen will ich nicht hinterher 25 cm übrig haben.

Schuhe gekauft. Das kam so: der örtliche Schuhhändler, der mir schon wegen überaus großer Auswahl an sehr geschmackvollen Stiefeletten aufgefallen ist, hat draußen Schilder mit 40% auf alles hängen. Und ich brauchte (tatsächlich) schwarze Stiefeletten. Die habe ich jetzt. Zwei Paar. Hups. Dafür habe ich weder Wildlederstiefel noch Pumps noch so Lumberjack-Schuhe gekauft.

Herr Rabe ist in Trondheim, mal wieder, morgen ist da auch noch Weihnachtsfeier. Ich möchte auch auf eine Weihnachtsfeier, mich aufbrezeln und so. Naja, nächstes Jahr. Herr Rabe möchte vielleicht auch noch mal in den Schuhladen, könnte ich mir vorstellen.

Jetzt, endlich, werde ich müde. In diesem Sinne: gute Nacht!

Tag 1214 – Familienähnlichkeiten.

Michel ist eindeutig mein Kind. Manchmal ist das putzig, manchmal ist das auch einfach nur schlimm, weil ich genau weiß, wie er sich fühlt, aber ihm kaum helfen kann, weil er eben mein Kind ist und sich NICHT HELFEN LÄSST. Jedenfalls nicht bei wichtigen Dingen. Beim Socken anziehen lässt er sich gerne helfen. Oder beim Zähneputzen. Oder so generell bei allem, was Sechsjährige schon allein können sollten. Aber ich schweife ab. Jedenfalls ist es manchmal wirklich einfach zum fressen niedlich und heute war wieder so ein Tag. Michel hat nämlich Herrn Rabe und Pippi beim Aufbau eines, wie ich finde, recht gut getroffenen Ikea-Regals beaufsichtigt. Mit einem selbstgebastelten Klemmbrett.

Der kleine Kontroletti. Er hat dabei auch Pausen und Arbeitsbeginn angesagt und nen ziemlichen Kasernenton draufgehabt. Ganz die Mama halt *hust*.

Die Erklärung ist übrigens: „Wo ein Haken ist, das heißt, das war gut gearbeitet. Und da hab ich den Haken durchgestrichen, das war nicht so gut gearbeitet, da hat Pippi Quatsch gemacht*. Und das unten**, das ist der Weihnachtsmann.“

___

*sich ein Bett aus dem Regalkarton gebaut.

**das Männchen mit der WEIHNACHTSMANNMÜTZE! Oder sehen Sie da etwa was anderes?

Tag 1178 – Schniefhust (und eine Erleichterung).

Uns hat alle die Spontanerkältung erwischt. Von „bis auf ein bisschen Halskratzen ganz ok“ auf „Nase fühlt sich an wie mit Watte ausgestopft und läuft unaufhaltsam, Husten und Gliederschmerzen“ in ca. 2 Stunden. Nämlich genau so lange, wie Michel in der Kinderdisco war.

Er hatte da viel Spaß mit (dank?) seiner „coolen Frisur“.

Ich war heute mal wieder in geheimer Mission unterwegs und bin jetzt die letzte Verbindung zur Chipsfabrik los. Also, abgesehen davon, dass da noch zwei (eigentlich aus Gründen drei, aber das ist… kompliziert) Gehälter ausstehen natürlich. Aber für die muss ich mit keinem da mehr reden, da muss ich letztlich nur noch die Füße hochlegen und auf den Konkurs der Firma warten.

Ach, eigentlich war es ein guter Tag. Ein sehr guter. Und ich freue mich jetzt einfach auf die nächste Woche, ich werde meine Nähmaschine und mein Sportprogramm wiederbeleben und hier im Haus rödeln und es uns endlich fertig hübsch machen. Also, solange alle bis dahin wieder fit sind, natürlich.

Tag 1100 – Eingeschult!

Michel ist jetzt ein richtiges Schulkind.

Wir haben auch direkt einen Haufen Zettel zum Ausfüllen bekommen (zum Beispiel wird das Kind furchtbar schädliche 9 Stunden am Tag in der Schule verbringen, man stelle sich das vor, das arme Kind, hätten wir uns das mal eher überlegt, dann hätten wir den eben nicht bekommen, weil wir uns nicht leisten können, beide Teilzeit zu arbeiten*) und Michels Name wurde, da bin ich sehr sicher, beim Vorlesen vergessen. Aber das ist alles nicht so wichtig, wichtig ist das Ausflippen vor Freude über den Spidermanpulli und das „Danke, Mama!“.

Ein richtiges Schulkind. Hachseufz.

___

Mein Meeting war leider ziemlich furchtbar, sie haben mich nach meiner Meinung zu Sachen gefragt, was soll ich da machen, lügen? Hab also meine Meinung gesagt, alles an der Tafel vorgerechnet und befürchte jetzt, dass es eher eine Frage von Wochen als Monaten ist, bis Konkurs angemeldet wird. Vielleicht sind’s auch nur Tage. Es ist alles nicht so sehr erfreulich.

Tag 1099 – Der Ernst des Lebens.

So wurde mir das damals verkauft. Die Schule geht los und damit der Ernst des Lebens. Ich bin ja allgemein wirklich kein Freund von „und uns hat das auch nicht geschadet!“, aber ich bin im Nachhinein schon sehr froh, dass mir die Unkenrufe weder die Vorfreude auf die, noch die Freude an der Schule vermiesen konnten. Ich war so heiß auf Schule, ich nervte sämtliches Lehrpersonal das ganze erste Jahr massiv, weil ich alles schon wusste und konnte und WO IST DENN DA DIE HERAUSFORDERUNG BITTE HALLO ICH BIN ZUM LERNEN GEKOMMEN!!! Ich war dann auch nicht soooo beliebt, sag ich mal.

Michel freut sich auch sehr auf die Schule. Er freut sich aufs Lernen, er übt gern mit seiner Uhr, wir zählen jedes Wochenende das Taschengeld durch und wenn er fragt, was drei und zwei ist, ermutige ich ihn, es doch mit den Fingern zu probieren*. Meistens klappt es dann und das Ergebnis ist ein sehr stolzes Kind. Aber ein bisschen bin ich schon froh, dass er nicht schon alles perfekt kann, denn dann bleibt ihm vielleicht wenigstens die Langeweile** erspart.

Hach, mein großer kleiner Zwerg, da fängt er schon in der Schule an. So schnell kann das also gehen***. Hachseufz.

___

(Mein höchst eigener Ernst des Lebens ist morgen ja die Challenge, dem Finanzmann und dem Geschäftsführer klarzumachen, dass wir eklatante Sicherheitsmängel haben, jede Menge Ausstattung brauchen und für einen Verkauf unserer Produkte erstmal als Hersteller zugelassen werden müssen, ohne dabei durchblicken zu lassen, dass ich es für das Beste halten würde, den Laden zu schließen, bevor noch mehr Geld verbrannt wird. Das möchte ich nämlich lieber dem Chipsmann schonend beibringen, wenn er aus dem Urlaub kommt.)

___

*Ist bestimmt didaktisch ganz schlimm, mir egal.

**Ich nehme mal an, von außen Klinke runterdrücken gehört nicht zum Standardrepertoire einer norwegischen Grundschule 2018. ich hoffe es.

***Naja, in Bielefeld hätten wir es für dieses Jahr noch wählen können, denn schulpflichtig wäre er da erst ab 2019.

Tag 1081 – Da isser raus.

Michel kam heute ganz hektisch angerannt. „Ähhhh äh!“ Machte er und wedelte mit den Armen und zeigte auf seinen Mund. Ich sah nur Blut und schluckte kurz, aber da er eher aufgeregt als schmerzerfüllt wirkte, fragte ich, ob der Zahn endlich raus ist. „Äh äh!“ Machte er und schüttelte den Kopf. Er riss den Mund auf und inmitten des Blutsees sah ich den Zahn sehr unnatürlich um 90 Grad nach vorne gekippt, mit der Wurzel Richtung Zunge. Hmmlecker. „Oi!“ Sagte ich, aus Ermangelung an tiefsinnigeren Ideen. Michel spielte mit der Zunge an dem Zahn und flipschte ihn hin und her. „Der hängt noch an einer Ecke fest… wenn du willst, zieh ich ihn raus.“ hörte ich mich sagen, aber Michel schüttelte den Kopf und hopste davon.

Zwei Stunden später hatte Michel Hunger und ich machte ihm eine Lompe* mit Gurkenscheiben und Pfeffer. Er aß vor dem Fernseher** und mit einem Mal hörte ich ihn quieken wie ein Ferkel. Dann kam er wie der Blitz angerannt. „Ääähhhhhh!“ Machte er und ich sah die Zahnlücke für etwa eine Nanosekunde, da drehte er schon wieder rum und rannte zurück. „Ääähhhh!“ machte er und zeigte auf den Teller. Da lag der Zahn. Endlich. Die erste Zahnlücke. Natürlich wurde die erstmal fotografiert und an die Verwandschaft geschickt***, Michel war natürlich stolz wie Oskar, als wir den Zahn in die Krokodildose legten, mit einem liebevollen Bett aus Zewa, weil alles andere halt schon in Kisten ist. Und weil die Zahnfee ja nur beim 1. Zahn kommt, das aber ja erklärt werden musste, bastelte ich eben noch eine Karte****, während Herr Rabe ein kleines Geschenk verpackte*****.

(Ich kann echt nicht so gut zeichnen. Und das Licht war auch nicht gut zum Fotografieren. Aber die Geste zählt, ne?)

Hachseufz. Jetzt hat der Große also den ersten Zahn verloren. Neulich noch was er so unglaublich niedlichkleinspeckig und wir hatten ihm aus schierer Verzweiflung ob der Dauernöligkeit wegen durchbrechender Zähne (immer im Doppelpack, deshalb gibt es auch kein Foto mit nur einem Zahn) sogar so eine wirkungslose Bernsteinkette umgehängt. Ähäm. Wir waren jung und beeinflussbar. Und verzweifelt. Aber schauen Sie mal, wie putzig.

Und jetzt schon bald ein Schulkind mit Zahnlücken. Hachhachhach. Seufz. Hach******.

___

Auto-Lobhudelei: nur ein bisschen gelacht, als Michel mit dem super losen Zahn redete und der Zahn die ganze Zeit in alle Richtungen winkte.

___

*So ein Teigfladen aus Dinkel, die Kinder wickeln da gerne Würstchen drin ein und davon war es auch noch übrig.

**Die Kinder lieben Umzug. Fernsehen bis zum Abwinken, weil Mama und Papa sonst zu nichts kommen. (So be it. Von den drei Tagen werden sie auch nicht dümmer.)

***Und Herr Rabe und ich wählten genau die Formulierung, die im Titel aufgegriffen wurde. Ohne Absprache. Wir kennen uns halt gut.

****Auch alles Bastelmaterial bis auf Papier und Buntstifte ist schon eingepackt, die Karte ist also eher plain.

*****Einpackpapier war noch nicht verpackt, aber auch nur weil die Rollen zu lang für jeden Umzugskarton sind.

******Beim Essen musste ich ihn auch ziemlich anhachzen, irgendwann fand er’s glaube ich schon unangenehm. Aber echt mal: Mein Baby!

Tag 1077 – Ferientag 13. Von Eile.

„Mama! Guck! Mama!“ rief Michel heute früh, noch mit seinem niedlichen Schlafgesicht*, riss den Mund auf und präsentierte mir seinen Wackelzahn. Der jetzt schon sehr doll wackelt und an dessen innerer Kante es ein bisschen blutete**.

Den ganzen Tag hatte Michel dann auch kein anderes Thema. Was wenn der Zahn nachts ausfällt? Tut er nicht, sagte ich, die fallen aus wenn man dran rum rupft oder beim Essen. Aber dann kann er ja nichts mehr essen! Gar nichts! Doch doch, sagte ich, ich püriere dir einfach alles oder ich kaufe gleich so Babygläschen, dann geht das schon***. Neeeein, sagte Michel.

Was wenn es wehtut? Oder wenn es doll blutet? Tut es nicht, sagte ich, die fallen aus, wenn sie so weit sind, wenn der neue Zahn den alten rausschiebt, dann tut das nicht so doll weh und blutet auch nicht so doll****.

Aber was machen wir mit dem Zahn wenn die Zahnfee ja nicht kommt*****? Den tun wir in ein Döschen, sagte ich. Aber das brauchen wir dann jetzt! sagte Michel.

Und so googelte ich heute nach Zahndöschen, weil es halt nach demWackelgrad zu urteilen eilt nur von norwegischen Anbietern und ich sah das rosahellblaue Kitsch-Grauen. Herrje. Oder, was ich auch wirklich schlimm finde: eine Dose mit Extra Loch in der Mitte für den Nabelschnurrest. Ähm, Moment, den Nabelschnurrest? Das vertrocknete, leicht müffelnde Dings aus toten Zellen, das damals in Michels Fall einfach ums Verrecken nicht abgehen wollte, bis der Kinderarzt mit einer ordentlichen Dosis Peroxid der bakteriellen Besiedlung Einhalt gebieten musste? Das hätte ich aufheben sollen? Um es dann knapp sechs Jahre in dieser Dose mit der niedlichen Babygravur im Deckel aufzubewahren, um dann nach und nach die Milchzähne reinzustecken? Entschuldigung, aber: IGITT. I-GITT. Aber außer dem und was mit einem Bärchen und Herzchen drauf gab es halt in Norwegen nur die Möglichkeit, die Zähne zwecks Konservierung der Stammzellen für sehr viel Geld einlagern zu lassen, weil man ja aus Stammzellen jedes Gewebe züchten kann, aber da rollen sich mir die Fußnägel bis zum Anschlag hoch, wenn ich solche Geldmacherei sehe, denn soweit ich weiß (ich habe jetzt keine Lust zu recherchieren und zu verlinken) ist es nach wie vor nicht mal eben möglich, mehr als ein paar Klumpen differenzierter Zellen (also quasi simpelstes Gewebe, zum Beispiel Herzmuskelzellen) zu erzeugen. Klar kann man Nervenzellen machen, oder Gehirnzellen, geht alles, aber was nicht geht sind die komplexen Netzwerke verschiedener Gehirnzelltypen (Spoiler: es sind nicht alle Gehirnzellen gleich!) in einer Petrischale wachsen zu lassen, geschweige denn die Klumpen irgendwie sinnbringend irgendwo hinzutransplantieren. Das ist also schon mal Humbug und dann kommt noch dazu, dass sich (wieder meines googlefaulen Wissens nach) kein Therapieansatz mit eigenen Stammzellen bisher als erfolgversprechend erwiesen hat. Ergo: lagern Sie von mir aus Stammzellen aus Nabelschnurblut oder Milchzähnen ein, wenn Sie Geld übrig haben und nicht wissen wohin damit. Aber versprechen Sie sich lieber nicht davon, dass ihr Kind damit so ne Art Superduperextraversicherung gegen Krebs oder wasweißich hat.

Ähm, hups, da ist es kurz mit mir durchgegangen, jedenfalls haben Michel und ich dann in einem Spielzeugladen diese kleine Tupperdose gekauft und wenn ich wieder Zugang zu meinen Stoffen habe, mache ich da noch ein Pölsterchen rein und gut ist.

___

Auto-Lobhudelei: recht souverän diesen Dosenkauf mit hyperaufgeregtem Michel überstanden.

___

* „puffy“ trifft es wohl. Naaww.

** jetzt verstehe ich meine Mutter, die sich unsere Wackelzähne immer gar nicht so richtig anguckte.

*** man kann Kinder nie früh genug an Ironie heranführen

**** von Wurzelkorrosion erzähle ich ihm dann, wenn der Zahn draußen ist.

***** ganz heikles Thema. Vermutlich kommt sie, ein mal, und bringt ein kleines Geschenk.