Tag 395 – Dieser Titel ist im Nebel verschwunden. 

Die einzige Möglichkeit, mir den Herbst hier schön zu machen, ist Pilze sammeln im Wald. Also zogen wir heute los, fanden nach ziemlich viel Sucherei genug Pfifferlinge fürs Abendessen, fanden sogar drei Steinpilze (die aber schon so schneckenzerfressen waren, dass wir sie einfach da ließen), stapften durchs Moos und prökelten mit Stöckern an merkwürdig aussehenden Pilzen herum. Sogar Michel fand es gut, bis auf die letzten zehn Minuten, da hatte er keinen Bock mehr.

Andererseits: es ist Herbst und bald wird es hier wieder dauernd dunkel und kalt und grau sein. Das nimmt mich grade mehr mit, als es sollte. Ich glaube, ich sollte wieder mit den Vitamin-D-Tabletten anfangen. Und Feuerholz bestellen.

Tag 394 – Riesling. 

Es war ja heute die am Montag mit dem Slogan „Socializing ist wichtig!“ angekündigte Shrimp-Party. Auf der Dachterasse, weil es da schön ist und heute, weil heute das Wetter schön sein sollte.


2 Stunden vor der Party goss es in Strömen auf das auf der Dachterasse wegen Dachdeckerarbeiten installierte Baugerüst.

30 Minuten vor der Party hatte es immerhin aufgehört zu regnen und weil Norweger auch ein klitzekleines bisschen stur sind, wurden stoisch Stühle und Tische unter dem Baugerüst aufgebaut.

Pünktlich zur Party wurde das Baugerüst dann sogar von ein paar Sonnenstrahlen beschienen. Und trotz totaler Unlust meinerseits war es dann doch sehr nett, der Chardonnay machte sich auch sehr gut zu den Shrimps und weckte ein paar tief verbuddelte Alleinunterhalter-Skills in mir. Dann trank ich aber leider auch ein Glas Plastikbecher Riesling (lieblich! Ich hätte es beim ersten Schluck wissen und lassen sollen!) und aß zwei Stück Schokolade dazu (Gesichtspalme galore!) und ab da konnte ich der Migräne leider beim Wachsen zusehen, trotz zwei Becher schwarzen Kaffees und Unmengen von Leitungswasser. Zur Heimfahrt nahm ich eine von den Ultra starken griechischen Flughafen-Ibuprofen-Tabletten, legte mich zu Hause aufs Sofa, kuschelte versehentlich Michel in den Schlaf und jetzt hab ich nur noch eine viertel Migräne und mir ist auch nicht mehr übel, den Rest erledigt hoffentlich der Schlaf.

Wofür man seine Doktorarbeit im Zweifel auch nutzen kann: die Dame, die diese hier schrieb, bekam kürzlich ein Baby, das sehr viel spuckt. Ihr Mann nahm die Bücher mit (man muss ja immer drölfzig drucken lassen und was soll man sonst damit machen? Auf der Straße verscherbeln „Ich hab ein Baby, ich muss Windeln kaufen, prekäre Verhältnisse in der Wissenschaft…“?) um das Babybett am Kopfende etwas anzuheben, damit das Kind hoffentlich etwas weniger spuckt und die Eltern hoffentlich ein klitzekleines bisschen mehr schlafen lässt.

Tag 393 – Kann weg. 

Eigentlich heute auch viel Gutes passiert, zum Beispiel kommt ganz vielleicht unter Umständen eventuell mein Name auf ein Paper in Nature. Aber dann war auch so viel Mist, das fing schon beim fertig machen für den Kindergarten und der totalen Eskalation eines Streites um Socken (Michel wollte die von gestern, mit denen er auch ins Bett gegangen war, anlassen, ich sagte nein) an und ging über einen total misglückten aber echt wichtigen Teilversuch weiter (und jetzt muss ich wieder erst Gedöns bestellen und dann drei Schritte zurück und die wiederholen und grrrrrrr…) und dann hörte ich noch was, das mich gar nicht betrifft und trotzdem total wütend macht: dass sich manche Kindergärten wohl wegen irgend welcher fadenscheiniger Versicherungssachen weigern, die Kinder mit Sonnencreme einzuschmieren. Mein Gehirn hat da einen Kurzschluss bei der ‚ALTER, SONST GEHTS ABER NOCH???!!!?!‘-Stufe, ich kann gar nicht recht erklären, warum, vielleicht ist heute einfach so ein Tag, an dem mein innerer Dreijähriger die Oberhand hat und der nun mal wegen Socken Sonnencreme jetzt Theater machen will.

Deshalb trinke ich jetzt gleich einfach einen Kakao und schreibe vielleicht morgen über die Ballettstunde.

Tag 392 – Es war einmal…

… ein junges Pärchen, das war sehr verliebt. Und weil sie so verliebt waren verlobten sie sich schon recht bald. Erstmal nicht offiziell, dann aber auch irgendwann richtig mit Antrag und Ring und dem ganzen kitschigen Scheiß.

Alsbald stellten sie fest, dass alles, worauf ‚Hochzeit‘ oder ‚Ehe‘ oder ‚Braut‘ steht, ziemlich teuer war. Brautkleid, Brautschuhe, Hochzeitseinladungen, Eheringe – alles kostete direkt das doppelte oder mehr vom Äquivalent ohne Ehegedöns drauf. Vor allem die Eheringe stellten das junge Paar auf eine harte Probe, denn nicht nur waren alle Ringe die sie sahen sehr sehr teuer, sondern vor allem fanden sie sie auch sehr sehr hässlich.

Eines schönen Tages stand jedoch die junge Braut in einem Designladen in Stockholm vor einer Glasvitrine. Da drin waren Ringe ganz nach ihrem und ihres Verlobten Geschmack. Der Designer stand auch dabei. Sie suchte denn auch alsbald den Designer in seinem Ateljer auf, in Begleitung des Verlobten, und gemeinsam entschieden sie sich schnell für eine Variante: nicht zu eckig, nicht zu platt, ganz schlicht, keine Steinchen, aus Titan und mit einem schmalen Streifen aus Platin. Und weil da nicht Ehe oder sonstwas dranstand, kostete der ganze Spaß gerade mal 4000 Schwedische Kronen (bei einem Wechselkurs von 1:11 damals). Der Designer empfahl noch eine Bekannte für die Gravur, denn Titan gravieren machen nicht viele, und so bekam das Pärchen noch eine wunderschöne handgemachte Inschrift in ihre Ringe. An einem der letzten Tage ihres Aufenthalts in Stockholm holte die junge Braut die gravierten Ringe ab und war sich sicher, dass diese traumhaften Ringe die Ehe besiegeln und sicher für immer halten würden.

Fast forward 5 Jahre.

Das Platininlay des Ringes der Braut fängt an, sich aus dem Ring zu lösen. Ein winziger Spalt ist aufgetaucht. Fortan nimmt sie den Ring zum Duschen und Spülen und Eincremen ab, damit es nicht schlimmer wird und sich kein Schmodder in den Spalt setzt.

Fast forward 2 Jahre.

Es ist trotzdem schlimmer geworden. So schlimm, dass jedes Mal, wenn sich die Frau unbedarft in die Haare fasst, sich ein  einzelnes Haar in dem Spalt verklemmt und unsanft aus der Kopfhaut gerissen wird. Und so schreibt die Frau den Designer an, dessen Ateljer es glücklicherweise noch gibt, ob er das reparieren könne. Klar, antwortet der, am Besten käme sie einfach vorbei.

Die Frau googelt kurz nach Möglichkeiten, mit Kind und Kegel nach Stockholm zu kommen, gleicht die Ergebnisse mit dem Sparkonto ab und schickt den Ring seufzend per Post.

Murch!

Und weil sich die Hand ohne den sieben lange Jahre getragenen Ring ganz nackt anfühlt, kramt sie zu Hause den Verlobungsring wieder hervor, poliert das Angelaufene mit Zahnpasta und einem Wattepad weg und trägt jetzt den so lange, bis der Ehering wieder da ist.

Wieder was angezogen.

To Be continued.  (Update: der Ring ist laut Post angekommen. Puh.)

Tag 391 – Michel weiß Bescheid. 

Als sowas ähnliches wie Molekularbiologin* lege ich Wert auf korrekte Bezeichnung biologischer und biochemischer Vorgänge. Und entsprechend stolz war ich auch, als Michel seiner Lieblingskindergärtnerin die Wahrheit über Karies und Baktus erzählte:

Michel: „Du? Im Mund hat man so Bakterien, die pupsen.“

Kindergärtnerin: „???“

Michel: „Ja, die essen da und dann pupsen die, und dann gehen die Zähne kaputt.“

Kindergärtnerin: „Ahhhh, du meinst Karies und Baktus?“

Michel: „Die heißen Bak-te-ri-en**!“

Kindergärtnerin: „Ja, und die essen die Zähne, deshalb muss man gut Zähne putzen.“

Michel: „Muss man Zähne putzen, dann haben die nichts zu essen und dann sind die so tot geworden.“

Die Kindergärtnerin hat vielleicht nicht ganz verstanden, auf was er da hinaus wollte, aber daran arbeiten wir noch. 

Inzwischen hat er sogar verstanden, dass nicht alle Bakterien böse sind, sondern dass die meisten gut sind. Erst sagte er nämlich neulich, er hätte Angst vor den Bakterien, wenn die ja überall sind und ganz ganz viele… Aber heute saß er auf dem Klo (er weiß auch, dass auf dem Klo auch immer viele Bakterien mit raus kommen und dass man deshalb das Klo öfter mal putzen muss und man nach dem Klo immer die Hände waschen muss) und ich hörte ihn vor sich hin singen „Kleine Bakterien sind alle meine Freundääää…“.

Ich hab den so lieb <3

*Ich habe Molekulare Biotechnologie studiert. Das ist so von allem was, aber vor allem sehr viel mehr auf Industrie ausgerichtet, als Molekularbiologie.

** als nächstes bringe ich ihm „Streptococcus mutans“ bei. 

Tag 390 – WMDEDGT September ’16

Es ist der 5., es ist WMDEDGT bei Frau Brüllen.

Sechs Uhr: alle Wecker gehen gleichzeitig. Kurzer Check: Pippi liegt neben mir (mit den nackten Füßen an meinem Oberschenkel, wie immer), Herr Rabe ist auch da, Michel nicht. Erstmal Snooze.

Dinge passieren (hallo, Snooze-Taste…), jedenfalls stehen wir dann doch zu spät auf, duschen sehr schnell, Kaffee für die Großen, Grøt für die Kinder machen, Michel wecken, Herr Rabe muss los. Kinder abfüttern (im Moment sind beide Fressmaschinen, das Grøt ist am Ende fast alle, Pippi zieht sich noch heimlich im Stehen auf seinem Stuhl Michels Reste rein), anziehen, allen die Zähne putzen, mich schminken und zack, zack, Wachs in die Haare, Ohrringe rein, die gestern schon gemachten Brotdosen in die Rucksäcke: Abmarsch. Es ist 08:15.

Als alle ihre Jacken und Regenhosen und Fahrradhelme und Schuhe anhaben und in und auf ihren Fahr-Devices sitzen, beamt sich der Uhrzeiger auf 08:32. Gnaaahh, das ist zu spät, ich habe Meeting um 09:00. Um 08:42 habe ich Michel erfolgreich zum Kindergarten gequatscht, hänge Jacken auf und stelle Schuhe ins Regal und schwitze ein bisschen und schnauze auch ein bisschen Michel an, der natürlich erst Hilfe dabei will, seinen Helm aufzuhängen, während ich zwei Rucksäcke, eine Matschhose und Pippi balanciere. Oben angekommen wird Pippi ohne viel Tamtam der Erzieherin übergeben. Die fragt mich, ob ich am Samstag beim Marathon mitgelaufen wäre. Ich lache. Pippi weint. Michel geht spielen. Auf dem Weg nach draußen hänge ich Michels Helm auf, reiße mir die Überschuhe von den Füßen und sprinte zum Rad. Dann rase ich wie eine gesengte Sau zur Arbeit (08:49). Um 08:59 (Rekord!) stelle ich mein Fahrrad ab. Wegen Abschließen und Weg bin ich dann zwar doch erst um 09:04 im Meetingraum und ich habe auch noch meinen Helm auf und meine Jacke an, aber es hätte schlimmer kommen können.

Meeting bis 09:30, super langweilig. Einziger interessanter Punkt: am Freitag wird hier Kreftfest sein (also Flusskrebse essen, dabei vermutlich trinken und gesellig™ sein). Es wird nochmal drauf hingewiesen, dass Sozialising wichtig ist. Innerlich lache ich mich kaputt. Äußerlich lasse ich mir nichts anmerken. Dann geht es um die Weihnachtsfeier, „die können wir ja näher an Weihnachten haben, an einem Freitag am besten“, ich rufe von hinten „SIXTEENTH“, das wird eingetragen, fertig. Keine Diskussion. Sozialising ist wichtig.

Nach dem Meeting verbringe ich geraume Zeit mit dem vergeblichen Versuch, meinen Computer hochzufahren. Er hängt sich aber immer irgendwo im Anmeldeprozess auf. Statt mich aufzuregen, gehe ich in den nahe gelegenen Supermarkt und kaufe fürs Frühstück und Mittagessen der nächsten Woche ein. Es gibt norwegische Äpfel, die wunderbar riechen und ebenso schmecken, das ist schön. Außerdem gibt es den neuen Weißkohl. Das heißt, ich kann demnächst mal Sauerkraut machen (das norwegische Sauerkraut schmeckt nicht).

Ohne Frühstück habe ich um elf großen Hunger und esse einfach schon mal Mittag. Mein Computer startet ja eh nicht. Ich versuche, das IT-department zu erreichen, aber erst ist besetzt, dann geht niemand ran. Ich schreibe eine Mail.

Nach dem Essen gehe ich ins Labor. Ich habe eine mail mit den Ergebnissen von letzter Woche bekommen und kann mit meinem Versuch weiter machen. Also mache ich, dann habe ich sehr viel Zeit zwischendurch (Inkubation, ich hab echt keinen Job für Ungeduldige) und dödel im Internet rum. Mein Computer geht weiterhin nicht. Ich stelle fest, dass sich um 13:00 schon elf Menschen beim WMDEDGT verlinkt haben und denke da ein bisschen drauf rum, außerdem wundere ich mich öffentlich bei Twitter und bekomme die Erklärung, dass man sich ja schon mal morgens verlinken und dann fortlaufend aktualisieren kann. Ich denke mit der Erklärung da weiter drauf rum und entschließe mich dann, das nicht so zu machen. E-mail-Abonnenten zum Beispiel würden dann ja immer nur den ersten Happen zu Lesen bekommen, bei machen Feedreadern ist es auch so: find ich blöd. Dann bin ich halt Nummer 120 in der Linkliste – was solls. Aber ich fange schon mal an zu schreiben, ich hab ja Zeit. UPDATE: Ich bin Nummer 48.

Irgendwann ist dann auch mal die Stunde Inkubation rum, ich mache im Labor weiter und habe dann ZWEI Stunden Inkubation. Meh. Ich geh Kaffee holen.

Mit Kaffe in der einen Hand und Handy in der anderen tausche ich mich mit Freundinnen über die Wonnen des Lebens mit Dreijährigen aus. In Echt tauschen wir Erfahrungswerte, wie oft wir so unsere Kinder anschreien (oft) und wie viel es bringt (nix) aus. Tjanun. Wir arbeiten an uns und sind uns unserer erzieherischen Unzulänglichkeiten bewusst, das ist ja schon mal was.

Zwischendurch rufe ich noch bei der Versicherung an und frage nach, was schiefgelaufen ist und warum ich Post vom Straßenverkehrsamt bekommen habe, mein Auto sei nicht versichert und sie würden es demnächst aus dem Verkehr ziehen. Ist natürlich alles gar kein Problem und schon lange erledigt, warum ich vor Wochen auf meine Mail keine Antwort bekommen habe, weiß natürlich auch keiner.

Zeitgleich mit einer Mail vom IT-Support, dass sie das total bedauern und dran arbeiten und das aber grad bei vielen Computern der Fakultät so sei, geht mein Computer plötzlich wieder. Gut, dann tippe ich da. Gucke über meine Daten, werde nicht schlau draus, google herum, werde etwas schlauer, zack, zwei Stunden rum, wieder ins Labor. Eine weitere Stunde später friere ich mal wieder alles in drei unterschiedlichen Gefrierschränken auf zwei Stockwerken und bei zwei unterschiedlichen Temperaturen ein, dann schreibe ich noch eine mail, in der ich den Leuten, die jetzt damit weitermachen müssen, erkläre, was ich gemacht hab (it’s natürlich magic!) und dann ist Feierabend und ich fahre nach Hause.

Zu Hause dann Kinderbespaßung und Essen machen (helfen, Herr Rabe macht das meiste der Arbeit, ich koche nur Reis und ziehe Tomaten ab), den von Pippi ausgeräumten Papiermüll wieder einräumen, dann Essen. Dabei Gespräche mit Michel:

Michel: „Ich und H. und M. und A. sind beste Freunde. Wir spielen immer zusammen. E. nicht.“
Ich: „Warum denn nicht E.?“
Michel: „Weil der ist nicht nett.“
Ich: „Warum ist der denn nicht nett?“
Michel: „Der sagt immer so Politi und Bæsj*. Das mag ich nicht so gerne.“ *Kacke

Fünf Minuten später, mit dem Essen fertig.

Michel: „Ich brauche so Papier! Und Stifte!“ *Fummelt sich im Schritt rum*
Herr Rabe: „Musst du nicht vielleicht erst mal aufs Klo?“
Michel: „Ja! Und Pillern! Und Kacken! So ganz viel!“

Herr Rabe bastelt noch mit Michel, ich mache Pippi bettfertig (die Rübennase hat sich Reis und Eis komplett überall hingeschmiert, es ist eine wahre Freude), dann mache ich noch ein zuckersüßes Video wie Pippi ganz nonchalant auf mich zu läuft (auf zwei! Beinen! Wir sind alle sehr stolz!), dann schaukele ich Pippi in der Manduca in den Schlaf, während Herr Rabe Michel ins Bett bringt. Dann muss Herr Rabe zum Sport, ich räume mit Pippi in der Manduca auf, füttere und wässere die Schnecken, spüle ab und dann gelingt mir sogar noch das Kunststück, Pippi schlafend ins Bett zu legen. Die günstige Gelegenheit nutze ich, um mein Gesicht zu waschen (ich hab jetzt das Reinigungsöl von dm und das ist mal ein echter Fortschritt in meiner Gesichtspflegeroutine!) und mich einzucremen, das geht mit Kind umgebunden sehr schlecht.

Und jetzt sitze ich hier am Küchentisch, trinke Wasser und esse schwedische Zitronenkekse und schreibe auf, was ich so den ganzen Tag gemacht habe. Das werde ich dann gleich verlinken und danach (! Für e-mail- und Feedreader-Leser!) versuchen, dass Pippi-Video hochzuladen. Das kann aber dauern. Aber es könnte sich lohnen, dann später nochmal vorbei zu schauen *augenzwinker*.


 

Tag 389 – Wilde Pinguine. 

Wir haben heute einen richtigen Sonntagsausflug gemacht, nach Rønningen, das ist quasi mitten im Wald. Schon auf dem Weg ergaben sich interessante Gespräche mit Michel: 

*wir fahren über eine Kuppe*

Michel: „Oahhh, ich kann ganz weit gucken! Bis nach Afrika!“

Wir: „hmmhmm…“

Michel: „In Trondheim gibt es auch ein Afrika.“

Ich: „Nee, Michel, Afrika ist ja ein Kontinent und…

Michel: *unterbricht mich* „In Afrika gibt es wilde Tiere. Und Dschungel. Wir fahren jetzt auch so Dschungel. Da auch wilde Tiere.“

Ich: „Ja, wilde Amseln…“

Herr Rabe: „… und Eichhörnchen…“

Michel: „… und vielleicht Bär.“

Wir haben dann noch nicht mal Eichhörnchen gesehen, was vermutlich am total überlaufenen Wanderweg zur Hütte lag. Es war nämlich „Komm raus- Tag“ mit Ponyreiten und Hindernisrennen und tausend Lagerfeuern und allem Tamtam an der Hütte. 

Da waren wir gerade los gelaufen. ca 500 m später musste Herr Rabe das Fahrrad doch wieder zum Auto zurück bringen.


Dank Michels Kumpel E. den wir auf dem Weg trafen, wurde der Weg nicht so lang (3 km hoch und runter sind mit Kleinkindern ja mitunter ein mehrstündiges Unterfangen und eine Meisterleistung der Motivationskunst – so man denn ankommt) und man konnte wieder jede Menge Norweger auf Outdoor-Modenschau beobachten. Weil einfach so den gut ausgebauten (siehe Bild) Weg in Jeans oder ähnlichem gehen, das geht für Norweger*Innen nicht. Da muss man mindestens ne hautenge Sporthose oder so ne Funktions-Tourhose (siehe Herr Rabe, der alte Norweger, auf dem Bild) anhaben, Stirnband, Woll- oder Funktionsshirt und KEINE Wanderschuhe, das machen nur (deutsche) Touristen, sondern Lauf- oder sonstige Sportschuhe. Als Assessoire eignen sich ähnlich ausstaffierte Kinder aller Altersstufen, (Rasse-)Hunde oder Beeren- und Pilzesammel-Ausrüstung (natürlich professionell). 

Genug gelästert, die Veranstaltung war dann sehr nett, Michel ritt eine Runde nach eeewigem Anstehen auf einem Pony und war sehr glücklich darüber, dass das Pony sogar die Blumen, die er extra zu diesem Zweck auf dem Weg schon gepflückt hatte, brav auffraß, es gab Waffeln und Kaffee und mitgebrachte Brötchen für alle, alles hübsch. Etwas ärgerte ich mich über das Kinderschminken, weil die Hälfte der abgefertigten Mädels als rosa Tiger da rauskam. Ja, Sie haben das richtig gelesen, ROSA. Diese Generation Kinder glaubt vielleicht nicht, dass Milch von Lila Kühen kommt, aber dafür dass die weiblichen Tiger rosa sind WEIL HALT! Ich finde, Kinderschminkmenschen sollten den Anstand besitzen und sich so einem Bullshit verweigern. Es gibt doch so viele schöne rosa Schmetterling-Blume-Fee-Gesichter, das muss doch reichen. Später sah ich dann noch ein Mädchen, dass einen rosa Batman-Schatten auf dem Gesicht hatte, aber da war mein Gehirn wohl schon wieder durch die Rosaplosion aller Orten abgestumpft, jedenfalls regte ich mich nicht auf. 

(Wenn meine willensstarke kleine Pippi irgendwann in die Rosa-Phase kommt muss ich mir entweder meinen Geschmack amputieren lassen, meine Augen ausstechen oder mir irgendwelche Nerven-Durchhalte-Drogen zusammenbrauen.)

Zurück zum Thema: irgendwann waren wir wieder am Auto, Herr Rabe hatte sogar noch ein paar Pfifferlinge gefunden, die Verabschiedung von E. ging wegen ausgepowertem Michel überraschend gut und so fuhren wir nach Hause. Insgesamt waren wir fünf Stunden draußen, im Wald, an der frischen, herbstlichen (wäääähhhhhh!!!) Luft und dass niemand im Auto einschlief, ist ein Wunder. 

Danach Resteessen mit Pfifferlings-Add-On und Pinguinpulliprojekt. 

Der wirre Blick ist der Uhrzeit geschuldet.

Tag 388 – Tagwerk.

Dank Herr Rabe und seiner Kinderbetreuungsskills habe ich jetzt zwei neue T-Shirts. 

Nämlich Lucille und Shelly. Für große Worte bin ich jetzt gerade viel zu platt, deshalb lasse ich einfach Bilder sprechen, die Bilder sind zwar auch schlecht, weil ich die selbst machen musste, weil Herr Rabe schon schlief, aber was solls. Also hier:

Nummer eins: Shelly, als Kurzarm-Version, weil meine T-Shirts alle Löcher haben.


Shelly geht wirklich ganz einfach, allerdings würde ich beim nächsten Mal, weil ich ja jetzt weiß, dass das mit dem Kragen schon so passt, doch die Ärmel-und Seitennaht in eins Schließen, nachdem der Ärmel schon eingepasst ist. Das führt sonst zu Gemurkse in der Achsel *hust*.


Kragen-Detail.


Nummer zwei: Lucille, auch als Kurzarm-Version und erstmal schlicht, zum Üben. Vielleicht mache ich noch ne Blume oder ne Schleife dran.


Kleiner Tipp: Oberarmumfang > Handgelenkumfang, die 23 cm Armbündchen reichen bei der Kurzarmversion so eben, wenn der Stoff sehr stretchy ist (so wie dieser). Sonst gefällt mir der Schnitt sehr gut, obwohl ich meistens nicht so auf gerafftes stehe (vor allem an den Schultern).


Was bleibt zu sagen? Hmm, vielleicht dass die Größe bei beiden S ist, das passt gut (gruselig aber wahr: ich bin wieder bei fast der gleichen Figur wie vor Pippi (ja, als ich die Hyperthyreose hatte und furchtbar abnahm, genau!) und deutlich schlanker als vor Michel), dass ich mich wie bei allen Schnittmustern wieder gefragt habe, ob XXL-tragende Menschen wirklich automatisch auch immer längere Arme haben, dass die Stoffbedarf-Abgaben wohl auf Größe XXL berechnet sind und ich jetzt massig Stoff übrig habe und dass ich mir, hoffentlich morgen schon, einen Lucille-Rollkragenpulli mit Pinguinkragen machen werde. Weil, Pinguine! 

Tag 387 – So lala, so lala. 

Viele Ups and downs heute. 

Aufwachen um fünf wegen ach lassen wir das, jedenfalls schnell ins Bad gesprintet und danach nicht wieder richtig einschlafen können. Kann man machen, ist aber blöd. 

Ich durfte Pippi im Kindergarten lassen. Hurra. Sie war sogar kurz begeistert, ihre Bezugserzieherin zu sehen und wollte zu ihr auf den Arm. Dann lachte sie kurz und  als ihr das auffiel, geriet sie direkt in einen Loyalitätskonflikt gepaart mit dem üblichen Trennungsschmerz und weinte. Allerdings bekam ich sehr schnell eine Nachricht vom Kindergarten, dass sie sich schnell beruhigt hätte und spielt und lacht. 

Arbeit war dann aber nur so mittelgut, es geht alles soooo laaaangsaaaaaam und es nervt mich unendlich. Obendrein ein Meeting (immerhin mit Kuchen) und Lab Duty, also Dinge kalibrieren (mach ich gerne), putzen (mach ich generell nicht gerne, aber am liebsten noch im Labor), Sachen auffüllen (ist etwas nervig, aber im Großen und Ganzen ok) und Lösungen herstellen und abfüllen (mag niemand, deshalb ist die Liste herzustellender Sachen immer lang und es greift die Verantwortungsdiffusion, leider fühle ich mich oft mehr verantwortlich als andere und deshalb mache ich gefühlt immer viel viel mehr als viele andere). Und Zack, war der Tag auch wieder rum, ich druckte noch schnell (halb legal) ein zwei Schnittmuster aus, die ich mir aus Langeweile während irgendeiner Inkubationszeit herausgesucht hatte und fuhr nach Hause. 

Zu Hause festgestellt, dass die Ibuprofentablettenwirkung vom Morgen alle war und eine neue genommen. Trotzdem mit Menstruationskrämpfen from hell zum Stoffladen gefahren. 

Im Stoffladen voll günstig genau ausreichende, schlichte Stoffreste für die Schnittmuster  bekommen. Dann noch dies… Und das… Oh, Pinguine! Und Füchse! Zack, 400 Kronen. Naja, hätte schlimmer kommen können. Ist schon oft schlimmer gekommen, könnte man auch sagen. 

Zu Hause fröhliche Pippi und eskalierender Michel, weil Pippi zwei seiner dreitausend Duplosteine hatte. Dann fröhlich kleine Fressmaschine Pippi (Herr Rabe hatte gekocht) und eskalierender Michel, weil wir ihm nur eine Portion Nudeln ohne Soße abgenommen hatten und dann die restlichen Nudeln mit der Soße vermischt hatten und uns in seinen Augen dadurch als absolute Unmenschen qualifizierten. Dann fröhliche kleine Schlafanzug-Pippi und eskalierender Michel, weil Bettzeit. Dann sehr schnell zwei schlafende Kinder. 

Ehrlich, diese A-Phase raubt mir noch den letzten Nerv. Es ist meine tägliche Zen-Übung nicht das Kind an die Wand zu nageln  möglichst wenig herumzuschreien. Wann hört das nur endlich auf?

Wegen schlafender Kinder wenigstens genug freie Zeit gehabt, um für das erste Shirt den Stoff (den ich natürlich schon gewaschen habe, irgendwann am Abend) zuzuschneiden. Das wird schön morgen. Wenn Falls die Kinder mich Nähen lassen. 

Tag 386 – Gemischtes. 

Jo, der Muskelkater von gestern ist schon fies. 

Das eine von zwei Hardcore-Experimenten weiter gemacht und dann weiter gegeben. Beide hängen jetzt bei der gleichen Person, wobei Experiment A darauf wartet, dass das „gute“ Gerät repariert wird, während Experiment B hoffentlich morgen schon weiter gemacht werden kann. Dieses Schneckentempo regt mich ein bisschen auf. Meinen Chef aber auch. 

So halb lustig: die Proben, die ich vor meiner Elternzeit in vierwöchiger Arbeit erzeugt hab, wurden endlich analysiert. Bisher kamen 2 (!!!) Proteine raus. 2!!! Es ist zum Heulen. (Ich hätte eher so 200 bis 2000 erwartet. 2 heißt: da ist ganz gründlich was schief gelaufen. Vielleicht ist es eben doch nicht so gut, die Proben ein Jahr in der Truhe liegen zu haben…)

Blöder Anruf aus dem Kindergarten: Pippi hat wieder Fieber. Meh. Also hingefahren: fühlte sich zwar warm an, war aber fröhlich und wirkte eindeutig nicht krank. Sie haben aber 38,1 Grad gemessen. Tja. Den Rest des Nachmittags und Abends war sie topfit, spielte und aß wie ein Scheunendrescher und war auch nicht anhänglich oder sonstwas. Vorm Ins-Bett-Gehen maß Herr Rabe nochmal ihre Temperatur: 36,5 Grad. Sie ist einfach nicht krank und war es vermutlich auch (heute) nie. Das muss ich jetzt „nur“ noch morgen früh dem Kindergarten erklären, der hat nämlich (aus völlig nachvollziehbaren Gründen, die trotzdem dauernd missachtet werden)  eine 24-h-Fieberfrei-Regel. Das wird bestimmt ein Spaß morgen früh. 

Michels Autonomiephase ist anstrengend. Sehr. 

Ballett: so schön. Leider sehr sehr voll. Noch viel leiderer: eins der Mädels, ein (wie ich finde) ausgesprochen sympathisches und schönes, hat sich ein wirklich hässliches Tattoo einer Libelle machen lassen. In den Nacken. Ich finde Tattoos oft schön, aber das ist echt misslungen und dann auch noch an so ner Stelle, die man eben nur mit langem Haar bedecken kann. Vermutlich einfach ein schlechter Tätowierer, aber sie muss jetzt erstmal ne Weile damit rumlaufen. 

Herr Rabes Bruder heiratet im Oktober zum zweiten Mal dieselbe Frau (diesmal kirchlich, vor 9 Jahren war standesamtlich) und wir fahren alle hin. Ich hab eh schon keinen Bock wegen Stress und den, ähhhhh, interessanten Familienfeiern der Familie Rabe (das schreib ich mal gesondert auf, das wird sonst hier zu lang). Heute bekam dann Herr Rabe von seiner einen Schwester eine Nachricht: ob er für einen Sketch, den sie mit der anderen Schwester aufführen möchte, den Erzähler spielen könnte. Einen Sketch aus so ner Art westfälischem Witzebuch. Ich kann gar nicht sagen, wie grauenvoll ich Sketche finde und AUS GUTEM GRUND habe ich bei meiner eigenen Hochzeit alles in die Richtung gehende untersagt und MIT RECHT weigern die eigenen Kinder meiner Schwägerin sich, bei sowas mitzumachen. Aber das wird wohl eine Hochzeit mit Sketchen und „witzigen“ (aka sexistischen, Fremdscham-erzeugenden) Spielchen. Ich brauche Schnaps. 

Apropos Schnaps: ich dachte heute übers Stillen nach und ich frage mich wirklich, ob es bei Kühen auch so ist, dass Abpumpen die Milchproduktion anregt, Ausstreichen (also Melken) aber nicht. Und ob das überhaupt auch bei Menschen mal wer untersucht hat, ob das echt so ist, oder nur ein Ammenmärchen. Falls jemand darauf Antworten hat: es interessiert mich wirklich ganz im Ernst!