Tag 1043 – Kurze Notizen.

„Aktiv arbeitssuchend“ sein ist nicht nur nervig, sondern unter Umständen auch richtig teuer. Zum Beispiel durfte ich ja dieses Event Bzw. die Reise dahin komplett selbst zahlen, weil wegen isso. Auch Mitgliedschaften in diversen Netzwerken sind zwar zum Teil preislich reduziert, kosten aber schon noch was. Kurse die mir weiterhelfen würden (oder zumindest nicht alle meine Gehirnzellen fressen und mich alles anzünden wollen lassen würden) muss ich, genau, selbst bezahlen. Und dann kommen da noch so vermeintlich alberne Aspekte zu wie: nicht jede*r hat Klamotten im Schrank, die man zu Interviews anziehen kann und manch eine*r hat ne Frisur die regelmäßig nachgeschnitten werden will. Meine zum Beispiel will das und da mein Friseur ab nächster Woche für vier Wochen im Urlaub ist, ließ ich heute locker flockige 700 Kronen da. Memo an mich: Für die nächste absehbare Jobsuche-Phase frühzeitig Langhaarfrisur planen und anlegen.

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Woran man merkt, welches Kind abends aus dem Kinderzimmer getappt kommt, bevor es da ist? Pippi schießt die Kinderzimmertür (generell alle Türen, es liegt also nicht an mir, dass:), Michel nicht.

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Pippi wächst wohl bald mal wieder. Die hat ja eh schon so große Füße und jetzt grad futtert sie Unmengen, zu jeder Mahlzeit, und keine Kohlenhydrate, sondern Proteine, Proteine, Proteine. Käse ohne Brot, Veggie-Würstchen aber keine Pommes, Fischstäbchen, Milch, Joghurt… und nachts wieder Bananen. Wir hatten sie schon von den Nacht-Bananen entwöhnt, es ist also anzunehmen, dass es nur wieder ne kurze Phase ist.

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Auch Pippi: geht jetzt ab und an aufs Klo. Und pullert dann auch. Ok, sie findet auch sehr spannend, dass sie auf dem Klo sitzend recht gut ihre Vulva untersuchen kann. Aber hey, sie ist fast drei, das mit dem Klo fände ich langsam echt gut, und dass sie wissen will, was da zwischen den Beinen alles ist, was man sonst ja schlecht selbst sieht, ist ja normal. Auch wenn ich heute das Angebot „Mama Pippi auch kitzeln?“ schmunzelnd ablehnte und hinterherschob, dass überhaupt gar keiner sie da kitzeln soll, außer ihr selbst. Und sie selbst auch besser nur, wenn ich nicht direkt daneben sitze.

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Michels unangenehmer Freund wird vielleicht doch nicht auf derselben Schule anfangen. Es gab da wohl einen unschönen Vorfall mit dem Alkoholiker-Vater und seitdem hat die Mutter das alleinige Sorgerecht, die Mutter wohnt aber inzwischen in einem anderen Stadtteil und der kleine Bruder wird ja, wie alle Kinder des Kindergartens (s.u.), nach den Ferien den Kindergarten wechseln – in einen bei denen in der Nähe. Dass Michels Freund also in die dortige Stadtteilschule geht, ist recht wahrscheinlich. Ich bin nicht soooo traurig. Also, ich fühle mit dem Kind wegen des Vorfalls und der generell bescheidenen Situation, aber ich finde schön, dass mein Kind das vielleicht nicht mehr ausbaden muss, was Erwachsene an diesem Kind verkackt haben.

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Unsere KiTa macht ja zu, es regt mich eh kolossal auf, aber sie sind jetzt schon seit zwei Wochen massiv am Abreißen und das finde ich echt unmöglich. Da gehen noch Kinder hin, ey, und denen wird sozusagen der Kindergarten unterm Hintern demontiert. Ich möchte da echt mal den Verantwortlichen bei der Kommune die Meinung sagen, diese ganze Aktion ist von vorne bis hinten mies.

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Auto-Lobhudelei: heute mehrere Job-Mails geschrieben, bei denen ich höflich, aber direkt mal nach dem Status gefragt hab. Auch: auf meinen Körper gehört und meinen Fuß geschont, der tut nämlich weh und mag weder gehen noch hopsen. Werde wohl einige Oberkörper-Workouts machen in den nächsten Tagen.

Tag 1042 – Neun Jahre.

Seit neun Jahren und ein paar Stunden sind Herr Rabe und ich jetzt verheiratet. Um diese Zeit vor neun Jahren saßen wir in unserer Küche, wo wir mit Freunden bestellte Pizza gegessen hatten und tranken Bier. Herrje, was waren wir jung. Und herrje, was war das toll. So „früh“ zu heiraten, also jung und nach grad mal guten eineinhalb Jahren Beziehung, war im Nachhinein betrachtet eine der besseren Ideen, die wir so hatten.

Auch wenn uns in den letzten Jahren auch nicht immer die Regenbogen pupsenden Einhörner um die Ohren flogen (Danke, liebe Jette, für diesen Ausdruck!), haben wir doch immer zusammengehalten. Wir haben uns und wir haben uns lieb. Und unseren Hochzeitstag vergessen wir beide grundsätzlich und „feiern“ auf der Couch. So kann’s gern noch neun…undfünfzig Jahre weitergehen. Oder mehr. Murch!

Tag 1041 – Der Bauch und ich.

Neulich bekam ich zu diesem Foto hier den Kommentar, ich hätte einen schönen Bauch. Und ich antwortete, dieser Bauch sei das Produkt von guter Grundfitness, dann zwei Schwangerschaften, zweimal Schilddrüsenscheiß und jetzt sechs Monaten Training. Das wurde als Verteidigung verstanden, dabei war es gar nicht so gemeint gewesen. Seitdem wollte ich das mal näher ausführen, und heute, als ich in einer Umkleidekabine so ein hautfarbenes Ganzkörper-Shaping-Dings anhatte, fasste ich den Entschluss, das auch zu tun.

Also. Mein Bauch. Einstmals war er super trainiert, ganz flach und vor allem fest. Das ist aber wirklich schon sehr lange her, nämlich schätzungsweise 15-18 Jahre. Dann bekam ich ohne erkennbaren Auslöser so ein kleines (also wirklich ein sehr kleines) rundes „Frauenbäuchlein“. Also halt eine kleine Minikugel unterm Bauchnabel, an einigen Tagen und in einigen Phasen deutlicher zu sehen als an/in anderen. Anfangs störte mich dieses Bäuchlein total, weil man das sah, wenn ich saß, das rollte sich und plötzlich konnte man auf die Idee kommen, das sei keine Kugel sondern eine Rolle. Ich fühlte mich unwohl und versuchte das wegzutrainieren, mit mäßigem Erfolg. Irgendwann fand ich mich damit ab, dass mein Bauch halt, egal wie trainiert ich war, nicht wieder ganz flach wurde, aber so richtig happy war ich nicht damit.

Dann bekam ich ein Kind, der Bauch wurde riesig, bekam Schilddrüsenscheiß und der Bauch ging tatsächlich ganz weg, bekam noch ein Kind und der Bauch wurde wieder riesig, bekam wieder Schilddrüsenscheiß, bemerkte es aber rechtzeitig, sodass sich der Gewichtsverlust dieses Mal in Grenzen hielt und dann trainierte ich viel, auch den Bauch, vor allem aber die gesamte Rumpfmuskulatur, und dann ist jetzt.

Wie ist mein Bauch jetzt? Nun, optisch nicht so viel anders als damals mit meinem Frauenbäuchlein. Etwas breiter ist er geblieben, weil sich die Rektusdiastase nicht wieder ganz geschlossen hat, etwa einen Zentimeter habe ich da also jetzt mehr. Der Bauchnabel sieht etwas anders aus. Je nach Zyklusphase, Blasenfüllstand und dem zeitlichen Abstand zur letzten Mahlzeit habe ich ein mehr oder weniger deutliches Frauenbäuchlein unterhalb und mehr oder weniger erkennbare Bauchmuskeln oberhalb des Nabels. Die Haptik hingegen hat sich im Vergleich zu früher deutlich verändert, denn mein Bauch ist jetzt weich. Über den Bauchmuskeln spannt sich jetzt keine straffe Teenie-Haut mehr, sondern man kann die wattige Haut-Speckschicht munter hin- und herschieben und darin herumwalken (etwas, das die Kinder auch gerne tun, das ich aber meist sehr schnell unterbinde). Wenn ich beim Sport im Vierfüßlerstand stehe, hängt dieser Teil des Bauches richtig runter, wie bei einem Beuteltier. Also, so stelle ich mir das vor, wenn sich ein Beuteltier so hinstellen würde, dass da dann einfach der Beutel runterhängt.

Tatsächlich gucke ich in den Spiegel (und das tue ich oft, ich bin einigermaßen eitel), pieke ein bisschen in den weichen Bauch, bohre mich manchmal zu den Muskeln durch und freue mich darüber, wie fest die sind und dann schaue ich ganz genau hin und finde mich total in Ordnung so. Weich. Mit einem Bauch, dem man ansieht, was er geschafft hat und was er mitgemacht hat. Vielleicht ist auch mein Blick auf meinen Körper weicher geworden, wer weiß das schon so genau. Ich bin jedenfalls froh, dass ich nicht mehr dauernd denke „Oha, so nicht sitzen, der Bauch!“. Objektiv gesehen war ich vor 10 Jahren noch viel näher am allgemeinen Bild von Schönheit, dabei mag ich meinen Körper jetzt in der post-Straffheits-Phase viel mehr.

Wie kam es dann zum Shapewear-Vorfall? Nun, der oben gezeigte Rock ist ein biiiisschen durchsichtig. Nicht schlimm, aber so, dass sich meine üblichen weißen Unterhosen abzeichnen. Es sieht dann von oben nach unten so aus: Rockbündchen, haut-durchscheinender Rock, weiß-durchscheinender Rock. Für das Foto hatte ich deshalb auch eine Unterhose bis zum Anschlag hochgezogen, das ist nur nicht praktikabel, wenn man auch gehen möchte. Oder atmen. Also wollte ich mir neue Unterhosen kaufen und dachte mir, ich könnte es ja mal mit so Shapewear probieren, wer weiß, was die noch rausreißt und dann könnte ich ja auch bestimmt ganz toll sitzen ohne dass der Bauch in seiner ganzen Weichheit irgendwelche Sachen macht, die ein Gegenüber vielleicht mit nicht ganz so weichem Blick betrachtet. Und weil ich keine Ahnung habe, habe ich heute bei Lindex (ja eh meinem favorisierten Unterwäsche-Laden) einfach alle verfügbaren Modelle in 36/38 und 40/42 mit in die Umkleide genommen. Beim Anprobieren fing ich bei „festerer Schlüpper“ an und arbeitete mich bis zu „20er-Jahre-Badeanzug in hautfarben“ vor. Die Größe war schon eine Hürde, weil 40/42 zwar bequemer saß, aber rutschte (die wenig formenden Versionen) oder Falten warf (die stärker formenden). 36/38 war bei einigen Unterhosen-Modellen am Beinausschnitt zu eng, sodass es da eine Beule gab und beim Body und beim Badeanzug war einfach die Gesamtlänge viel zu kurz (als wären schlanke Frauen automatisch auch viel kürzer). Und so stand ich in der Umkleide, probierte und probierte, beäugte meinen Körper kritisch von allen Seiten, alle Fältchen und Röllchen und den weichen Bauch und den weichen Bauch in der plattgedrückt-Version und die Kalbsschnitzel Brüste und ich fragte mich, ob man bei so einem Body oder auch dem Badeanzug den BH wohl drüber oder drunter trägt und ob sich da keiner fragt, warum jemand vier BH-Träger hat und ich guckte ganz kritisch meinen Bauch und meine Taille an und die Beinausschnitte und den Po und dann zog ich mich an und hängte den ganzen Kram auf den Nein-Danke-Ständer und holte ganz normale High-Waist Unterhosen in weiß. Und am Ende hätte ich dann fast sechs davon gekauft. Das Durchschein-Problem beheben die nämlich genauso und mein Bauch gefällt mir formlos un-shaped immernoch am Besten. Das hat selbst mich ein bisschen überrascht. Aber positiv.

Keine „gefürchteten Bauch-Weg-Schlüpfer“ wie in Bridget Jones.

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Auto-Lobhudelei: voll zufrieden mit meiner Entscheidung und allem. Außerdem hat noch nie wer so effizient die relevanten Infos (Essen ja/nein? Wann bringen? Wann holen? Wann anfangen?) Bei der Erzieherin von Pippis neuer Kita abgefragt wie ich heute.

Tag 1040 – Übertrieben.

Meine Erkenntnis des Tages ist: bloß weil ich irgendwas kann, heißt das lange noch nicht, dass ich das machen sollte.

Anders gesagt: ich habe es heute mal wieder mit Laufen probiert. Also Joggen. Alle Welt geht Joggen, das kann so schwer (und so schlimm) also gar nicht sein. Und so ein tolles Workout ist das ja und überhaupt SO VIEL MEHR ALS SPORT!!1elf! Auf vorm Fernseher hopsen hatte ich auch irgendwie keine Lust, das Wetter war optimal, also zog ich meine Turnschuhe an und lief los. Und war tatsächlich überrascht, dass mein Körper inzwischen eine knappe Stunde Laufen durchhält, ohne allzu starke Ausfallserscheinungen. Früher(TM) als ich noch rauchte und auch ein paar Jahre danach noch hatte ich immer nach spätestens einem Kilometer das Gefühl, meine ganze Lunge stünde in Flammen und ich müsste die gleich am Stück raushusten. Alternativ hämmerte mir mein Herz sehr unangenehm quasi direkt in der Kehle. Heute gingen sowohl Herz* als auch Lunge echt gut, sodass ich mich voll auf „Aua, die Waden!“ und „Hoffentlich sieht mich keiner, den ich kenne, mein Gesicht sieht ja schon wieder aus wie kurz vorm Hitzetod.“ konzentrieren konnte. Man muss dazu sagen, dass ich wirklich langsam gelaufen bin. Noch langsamer wäre gehen gewesen, ehrlich, Kinder auf Laufrädern haben mich überholt. In diesem Schneckentempo war ich also im Endeffekt eine Stunde unterwegs. Ich fand es durchweg nicht schön, wenig überraschend. Laufen ist einfach nicht meins, auch nicht mit Podcast auf den Ohren, auch nicht durch die schöne Natur, einfach gar nicht. Nach etwa 30 Minuten hätte ich einen See aussaufen können und wollen (und, Spoiler, auch sollen). Aber immerhin hielt ich durch, ich verreckte nicht irgendwo und ich begegnete zwar ca. 12.000 deutschen Touristen aber null Bekannten. Ich kam nach Hause und Michel stellte fest: „Mama? Du bist rot im Gesicht.“ und dass das doch viel besser gewesen wäre, ich wäre Fahrrad gefahren**, dann hätte es nicht so lange gedauert. Freches Kind. Ich trank gefühlte fünf Liter*** Wasser, dehnte und als ich nach nur 30 Minuten dann auch mal zu schwitzen aufgehört hatte, ging ich duschen. So weit, so gut.

Kurz darauf begannen die Kopfschmerzen. Und die Übelkeit. Und das dringende Bedürfnis, einfach direkt ins Bett zu gehen und nie mehr aufzustehen. Nach etwa drei Stunden fand ich mich auf dem Küchenfußboden (keine Sorge, da war ich kontrolliert und beabsichtigt gelandet) und googelte „Überanstrengung Symptome“, weil ich einfach nicht mehr hochkam. Mein Kopf fühlte sich an, als würde er platzen müssen, mein Kreislauf war komplett im Keller und meine Muskeln bar jeder Kraft. Immerhin ergab das Googeln, das ich mit meiner Befürchtung recht hatte und es einfach total übertrieben hatte mit der Stunde. Auch wenn es sich in dem Moment gar nicht so angefühlt hatte, hatte ich mich doch sehr übernommen und das war jetzt die Quittung.

Als ich zu Herrn Rabe sagte, dass ich gedenke, nie wieder Sport zu machen, lachte er nur und sagte, das sei wie mit dem „Nie wieder Alkohol!“ wenn man einen Kater hat. Da mag er recht haben, aber Laufen gehe ich wohl wirklich eher nicht noch mal.

(P.S. Nein, danke, ich möchte wirklich keine Tipps, wie ich das mit dem Laufen anstellen könnte, dass es mich nicht voll aus den Latschen haut. Ich mag es nicht, mein Körper mag es nicht, ich bewege mich anderweitig durchaus ausreichend, ich sehe nicht, wieso ich auch noch laufen sollte.)

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Auto-Lobhudelei: tatsächlich auf dem Küchenfußboden festgestellt, dass es jetzt halt so ist, dass nix mehr geht und daraufhin die To-Do-Liste To-Do-Liste sein gelassen und mich ins Bett verkrochen.

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*Den Beta-Blocker habe ich vor vier Wochen abgesetzt, also der müsste inzwischen auch aus dem System raus sein.

**Fahrrad fahren ohne Ziel ist für mich noch weniger verlockend als durch die Gegend rennen ohne Ziel.

***In Wirklichkeit war es direkt beim Heimkommen etwa ein Liter (verteilt auf drei Gläser), in den nächsten drei Stunden weitere zwei Liter und jetzt grade bin ich bei viereinhalb.

Tag 1039 – Die 45-Minuten-Bluse.

Jeah, Klickbait-Titel! In Wirklichkeit hab ich deutlich länger dafür gebraucht, aber mit Übung sind 45 Minuten gut machbar. Im Grunde ist der Schnitt nämlich so easy, dass man ihn kaum Schnitt nennen kann. Aber sehen Sie vielleicht erstmal hier, was meine Inspiration war. Eigentlich war ich nämlich drauf und dran, einfach ne Bluse zu kaufen. Meine bevorzugte Marke für seriösere Kleidung, die trotzdem noch keine Niere kostet, ist seit jeher Esprit und die einzigen paar seriösen Kleidungsstücke, die ich besitze, sind alle von da. (Und ich winke an der Stelle mal in die Schweiz.) Leider sind die paar Sachen, die ich hab, aber alle eher langärmlig und warm, ich hätte halt gern noch was sommerlicheres. Esprit gibt’s hier aber im Laden eh nicht und online-Shopping ist irgendwie nicht so ganz meins, und dann kommt noch erschwerend hinzu, dass ich bei vielen „simplen“ (in Modesprech: clean) Sachen inzwischen sofort denke: das kann ich auch selbst machen. Wenn ich es selbst mache, habe ich noch Spaß dabei und in irgendeinem krassen Niedriglohnland muss niemand für mich Kleidung nähen*. Bisher kam dabei immer heraus, dass ich das Kleidungsstück nicht gekauft, aber auch nicht nachgenäht hab, weil, ach. Weil halt. Diesmal aber schon.

Das Ergebnis sieht so aus:

Der Schnitt ist mega einfach und sieht im Grunde aus wie ein Tetris-L. Die untere Kante habe ich außen noch abgerundet, sodass Vorder-und Rückteil wie ein U geformt und nur bis zur Rundung vernäht sind, sieht man hier nicht, aber dadurch kriege ich halt kein Enge-Problem über den Hüften.

(Weil durch die Falten der Kragen enger ist, muss eine Lösung her, das über den Kopf zu kriegen.)

Das Ganze geht dann ca. so: man nehme einen leichten und ganz weich fallenden Stoff, hier gewebte Viskose. Schneide alles zu, Vorne, hinten, Belege nach Wahl (je nach Halsausschnitt, für den Kragen mit Falten braucht es vorne einen schmaleren Beleg, dafür hinten zwei breitere Teile, für den Fake-Hemdkragen hinten schmaler, vorne zwei breitere Teile), ergibt 5 Teile. Für mich reichen da 65 cm Stoff dicke. Bei Webstoffen alle „offen bleibenden“ Kanten versäubern, also alle, die nicht mit einem anderen Stoffteil vernäht werden. Für Version 2 die Falten am Halsausschnitt vorbügeln und mit Nadeln fixieren, dann Schulternähte schließen**, Schulternähte am Beleg schließen, Belege annähen*** (Obacht bei dem „V“-Ausschnitt an Version 1, auf jeden Fall den Stoff bis zur Naht einschneiden, auch wenn’s die Nerven kitzelt, sonst wird’s ömmelig!). Die Naht unterm Arm schließen**, die Seitennähte schließen, unten säumen, die Ärmel entweder normal säumen oder zweimal umschlagen, bügeln und mit ein paar Stichen unauffällig fixieren. Für Version 2 hinten einen Knopf annähen und eine Garnschlaufe andutzeln. Fertig ist die Laube, äh, Bluse.

Das ist jetzt natürlich kein toll figurnaher Schnitt, soll es aber auch nicht sein. Dadurch dass der Ärmel nicht durch eine Naht abgesetzt ist, ich aber gar nicht aussehe wie ein T, ziehen sich da natürlich Falten an den Schultern, was, wie ich finde, nochmal einen lässigeren Look macht. Ich liebe die Kombination aus feinem Stoff und lockerem Schnitt, ich mag wie es fällt vor allem so in den Rock gestopft. Für mich ist das eine super Möglichkeit, seriös (und modisch! also bis nächste Woche, da ist dann wieder was anderes modisch) auszusehen ohne mich zu verkleiden. So können Sommer-Vorstellungsgespräche kommen. Und hell yeah, ich habe das selbst gemacht. Ganz allein. Auf dieser Welle des Größenwahns reitend werde ich mir noch so eine Bluse machen. Aus Seide. Version weiß ich noch nicht.

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Auto-Lobhudelei: fast nahezu halbwegs cool die einigermaßen eskalierenden Kinder ertra… begleitet.

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*Wobei das recht kurz gedacht ist, das ist mir schon klar. Zum Beispiel werden meine Stoffe sicher nicht in Norwegen gewebt und gefärbt und die Frau in der Fabrik in Bangladesh arbeitet sich sicher den Arsch wund, aber ja auch nicht zum Spaß, sondern die ernährt damit vielleicht fünf Kinder und die klapprige Mutter und wenn jetzt deren Job wegfällt, weil keiner mehr das Zeug kauft, ist das erstmal Käse, so ohne irgendeine Arbeitslosigkeits-Absicherung. Aber ne gute Lösung dafür kann wiederum meiner Meinung nach nicht von mir verlangt werden, da müssen in allererster Linie die Staaten ran, in denen Niedriglohnarbeit ein akzeptiertes Geschäftsmodell ist.

**Für nach außen gekrempelte Ärmel empfehlen sich da französische Nähte, also erst links auf links nähen, umkrempeln und die Nahtzugabe der ersten Naht mit einer zweiten Naht rechts auf rechts sozusagen in einer Tasche einschließen. Umbügeln, fertig.

***Bei Version 2 habe ich die Belege angenäht, bevor ich die Schulternähte geschlossen hab und fand das deutlich einfacher.

Tag 1038 – NORGER 1:0.

Die Blusenfotos müssen warten, dafür habe ich inzwischen zwei Blusen nach meinem selbst ausgedachten Schnitt, mit unterschiedlichen Halsausschnittvarianten und ich muss dieses Erfolgsgefühl noch ein bisschen auskosten.

Zu etwas anderem: Fußball. In Russland rennen zahllose Männer hinter Bällen her und weltweit gucken sich noch viel zahllosere Menschen das an und fühlen da vermutlich was. Ich nicht so. Fußball, generell jedes Sportevent, dass ich nur in 2D erfahre, finde ich langweilig. Sterbenslangweilig sogar. Ich mag manchmal mit Leuten zusammensitzen und sowas gucken, wenn es Bier und Grillwürstchen gibt und (und auch echt nur dann) wenn weiterhin normale Erwachsenenunterhaltungen möglich sind. Von Gegröle und vielen Schiedsrichtern kriege ich ganz schnell derbe Pickel und Galle und muss dann leider gehen. Und was absolut gar nicht geht, ist das dauernde Geschwafel über Fußball, beim Bäcker, bei der Bank, bei der Fußpflege und während die Kosmetikerin die Fußball-bedingten Pickel ausdrückt: „Hammses gestern gesehen? Das war ja was, also!“. Da hilft es dann leider nicht mehr weiter, meinen innerlichen Happy Place aufzusuchen. Man kommt ja auch fix in Erklärungsnot. „WAAAAS DU GUCKST KEIN FUSSBALL? NICHT MAL ZUR WM???“ Öhömm, möchte ich da antworten, erst recht nicht zur WM! Dieses ganze Schland-Gehabe ist mir zutiefst zuwider. Jeder Hinz und Kunz freut sich insgeheim, dass man endlich mal wieder ein bisschen stolz auf sein Land sein darf, und jede*r rechtsangehauchte Politiker*in freut sich ein bisschen, dass es wieder ein bisschen normaler geworden ist, dieser Nationalstolz, Flaggen überall und naja, dass nicht alle die Nationalhymne mitsingen wird man ja wohl noch thematisieren dürfen. Das alles finde ich zum Kotzen. In den Ligen kommen noch die absurden Fußballergehälter und Transaktions-Summen dazu, da könnte ich mich ewig drüber aufregen, genauso darüber, dass Männerfußball in Schland der Inbegriff der Männlichkeit ist und Frauen, die sich anmaßen, Profi-Fußballerinnen werden zu wollen werden verlacht und müssen nebenher noch irgendeinen Brotjob machen, weil Damenfußball eben nicht wie die hässliche kleine Schwester vom „richtigen“ Fußball gesehen wird, sondern eher wie das hässliche Hühnerauge am kleinen Zeh der Oma des „richtigen“ Fußballs.

Glücklicherweise leben wir jetzt in Norwegen. Die Norweger sind nicht soooo toll im Fußball. Man kann auch die norwegische Flagge voll schlecht mit Schminkstiften abbilden, höchstens stempeln und, ach, so wichtig ist es ja nicht, dass jetzt jede Versicherung ein eigenes Set an Norwegen-Fandingsis verteilt. Ich sage ihnen: das ist echt schön so. So kann ich sogar Fußball-WM einigermaßen ertragen, Bier und Grillwürstchen in angenehmer, nicht-grölender Gesellschaft tun ihr übriges. Da ich ja auch nicht arbeite, entfällt das „Hei, Gratulerer!“ an Tagen, nachdem die Deutsche Mannschaft (offensichtlich) wieder gegen irgendwen gewonnen hat, es werfen sich nicht mal meine brasilianischen Ex-Kollegen vor mir (in meiner Funktion als Die Deutsche) in den Staub. So ist halt auch ganz schön, doch.

Bis dann wieder Winter ist und norwegische Langläufer im Kreis durch irgendwelche mehr oder weniger künstlich beschneiten Landschaften gleiten, alle Norweger in den Mittagspausen vorm Fernseher kleben und keinerlei Gespräche über nicht-Wintersport mehr möglich sind. Dann ist es nicht mehr ganz so schön, denn Langlauf im Fernsehen übertrifft den Langeweilefaktor von Fußball noch mal um Längen.

Irgendwas ist halt überall.

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Auto-Lobhudelei: trotz Unlust und Kopfschmerzen Sport gemacht und, also, die Blusen. Hach.

Tag 1037 – Zu müde zum Erzählen.

Morgen ausführlich und mit Bildern, heute nur ganz kurz bevor mir die Augen zufallen: ich hab zum ersten Mal was richtig from scratch genäht, nur nach nem Bild und meinen Maßen. Und es hat geklappt. Hurra!

Pippi war heute das erste Mal ohne uns irgendwo anders. Nämlich beim 3.Geburtstag ihres Freundes M., dem Sohn der Leiterin des Kindergartens. Wären die fremder gewesen, hätte es vermutlich lange nicht so reibungslos geklappt. So bekam ich sie nur unter Protest überhaupt da weg. Und trug dann ein „Trampolin!“-murmelndes, schlafendes Bündel die Treppe hoch. Für Pippi war es aber wohl doch sehr sehr aufregend, sie schläft unruhig und redet, weint und motzt im Schlaf. Hachja. Auch dieses Baby wird langsam groß.

Tag 1036 – Endlich mal wieder!

Mein Kind zurück! Es war ganz toll und jetzt ist er ganz platt. Und weil er nämlich jetzt ein großer Junge ist, wollte er auch direkt zum ersten Mal allein zu Hause bleiben, als ich Pippi vom Kindergarten abholte. Und weil ich eine starke Mutter bin (und er unten nicht an die Türklinke kommt, also in keinem Fall das Haus verlassen kann) durfte er das dann auch. Mit viereckiger Tante an und Apfelschorle auf dem Tisch. Hat super geklappt. Mein Großer! Hachz.

Aber eigentlich wollte ich sagen: Was genäht. Wieso vergesse ich immer, wie gut mir das tut? Wie entspannend das ist. Genau wie Sport, irgendwie ist der innere Schweinehund da echt stark. Aber wenn man nicht immer im Netz rumhängen will und keine Nerven mehr für Bewerbungen hat, respektive wenn man die Oberarme kritisch beäugt ob die Muskeln schon schrumpfen, dann kann man ja beides wieder aufnehmen, man kriegt zwar Muskelkater (wie Sau, tatsächlich, Hupsi…) und braucht zum Zuschneiden plötzlich ewig, aber es klappt dann ja doch alles und am Ende hat man nen neuen Rock.

Den müsste man mal bügeln, aber da man den erstmal waschen muss, ist das witzlos. Ich wollte ihn aber unbedingt heute schon zeigen.

Das ist übrigens ein Ella-Hack. Also das Ella-Kleid von Pattydoo aber nur der Rock. Den Streifen, den man zwischen Oberteil und Rock machen kann, habe ich deutlich verbreitert und als Bündchen genommen. Weil ich das Bündchen außerdem mit Vlieseline verstärkt hab und auch gern möchte, dass der Rock *genau da* sitzen bleibt und nicht beim Tragen runter wandert (mein Ella-Kleid tut das, der Viskosejersey ist halt schwer und zieht runter, da bräuchte es eigentlich was stabilisierendes in der Taille), hat er auch einen nahtverdeckten Reißverschluss und weil ich ein Trottel bin ist der nun an der rechten Seite statt an der linken oder hinten, wo ich ihn eigentlich haben wollte. Aber egal. Der Rock schwingt ganz wunderbar und ich find ihn super so. Beim nächsten mal mache ich noch Taschen dran.

Ach ja: ein Hoch auf den Stoffklebestift! Super Teil, grade an so etwas friemeligen Stellen echt eine Erleichterung, verglichen mit Nadeln. Ich mag ja die Wonderclips auch sehr, aber dafür braucht man halt immer ne Kante. Und ich brauche auch mehr Wonderclips.

(Das Foto hat Herr Rabe gemacht und der hat gesagt, ich soll „so die Hüfte rausmachen“, vorher sah es nämlich irgendwie sehr… breit aus alles, dabei ist der wirklich gar nicht breit oder massiv. Hmm.)

Auf jeden Fall werde ich mindestens noch eine Ella nähen, wieder als Kleid, aber mit kurzen Ärmeln und einem… hmm, vermutlich runden Ausschnitt. Ich mag das Schnittmuster. Und ich hab im Winter so einen tollen Jersey gekauft, ich freu mich schon!

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Auto-Lobhudelei: Herrn Rabe nicht umgebracht, als er 40 Minuten vor Ladenschluss des Stoffladens am anderen Ende der Stadt dann endlich von der Arbeit kam. Und ich noch keinen Reißverschluss hatte.

Tag 1035 – #12von12 im Juni ‘18.

Heute ist der 12. des Monats und wie immer heißt das: wer mag macht 12 Bilder von seinem Tag und wirft sich in die Sammlung bei Caro von Draußen nur Kännchen.

Joa, also der Tag fing sehr früh an, ich hatte ja ein wenig befürchtet, dass wir Michel nicht aus den Federn kriegen würden, aber die magischen Worte „Es ist Førskoletur!“ ließen ihn förmlich wie so einen Jack-in-the-box aus dem Bett hüpfen. Er war dann furchtbar aufgeregt, dass er den Zug verpassen könnte und sprang herum, das war eeeetwas nervig vorm ersten Kaffe und um kurz nach sechs, aber Nunja. Zur Verabschiedung weckten wir Pippi, es gab noch eine kleine Umarmungs-Eskalation und dann zog er mit Herrn Rabe von dannen:

Ich machte Pippi, die sehr traurig war, nicht mit zur Førskoletur zu fahren, fertig und das Fieberthermometer bestätigte mir, was ich auch schon vermutet hatte: die erhöhte Temperatur von gestern früh hatte sich über Nacht endgültig verzogen und da sie gestern auch eigentlich fröhlich und fit war und gern in den Kindergarten wollte, durfte sie auch. Aber natürlich muss alles selbst gemacht werden.

Wir waren um viertel vor acht in der KiTa, das ist das letzte mal auch… ich glaub das ist noch nie passiert. Pippi ist auf dem Laufrad aber inzwischen auch echt fix unterwegs.

Auf dem Rückweg fotografiere ich im Park die zunehmende Verwahrlosung da. Es waren drei Bilder, die ich bei Instagram und dann auch bei der Kommune hochlud (wer weiß, vielleicht ist denen das ja auch alles gar nicht bewusst, Norweger sind ja jetzt eher nicht so die, die bei Unannehmlichkeiten direkt losmotzen), ich erspare Ihnen mal das Bild von der vollgekotzten Rutsche und die wuchernden Puste- und Butterblumen sind ja eigentlich sogar ganz hübsch, aber wenigstens in den Brunnen könnten sie mal wieder Wasser machen, finde ich.

Zu Hause habe ich dann etwas getrödelt und dann ein Workout herausgesucht. Ich war in letzter Zeit zwar viel zu Fuß unterwegs, aber wegen allem möglichen fiel das Workout öfter aus als das es stattfand. Da muss wieder Grund rein und heute startete ich mit 25 Minuten HIIT. Das war schön. Vor allem hinterher.

Danach Duschen, Kaffee machen, Arbeiten. Ich betrachte Bewerbungen schreiben als Arbeit. Als Highlight des Tages hat sich der Mann neben der Chipsfabrik endlich gemeldet, wann ich morgens frühestens in Oslo sein könnte, sie würden nämlich gern ein ausführlicheres Interview mit mir führen und danach zu der Chipsfabrik fahren, die ist aber eine Stunde entfernt und wenn ich nachmittags wieder zurückwolle, müssten wir eben früh starten. Ich Morgenmensch (NICHT!!!) werde also nächste oder übernächste Woche mit dem ersten zweiten Flieger des Tages mal wieder nach Oslo fliegen. Die Vorstellung trübt nur ein ganz kleines bisschen die Freude über die Nachricht.

Nach einiger Zeit brauche ich eine Pause und die Apotheke hat mir eine SMS geschrieben, dass meine Medikamente abholbereit seien. Ich wundere mich ein wenig, letzte Woche kam mir das noch alles totaaaaaaal kompliziert vor, das eine Medikament aus dem Ausland zu bestellen. Und das andere Medikament habe ich inzwischen bei einer anderen Apotheke abgeholt, weil ich mit meinem Vorrat nicht übers Wochenende gekommen wäre und diese andere Apotheke hatte die erste extra angerufen, um „das Rezept freizugeben“ (was auch immer das heißt). Naja, jedenfalls hätte ich letzteres Medikament dann heute haben können, das andere dauert noch etwa eine Woche. Damit der Ausflug nicht ganz ziellos war, mache ich noch einen Frisörtermin aus, bevor mein Frisör in zwei Wochen in seinen vierwöchigen Sommerurlaub aufbricht. Und weil das Wetter grad ganz schön ist (lies: es regnet nicht und in der Sonne muss ich die Windjacke überm Pulli doch aufmachen) gehe ich noch eine kleine Extra-Runde. Und stelle wieder einmal fest: Ich liebe meine Chucks.

Zu Hause arbeite ich weiter, ich schreibe insgesamt vier Bewerbungen und schlage mich mit drei verschiedenen Bewerbungsportalen herum. Man könnte meinen, man erreicht da irgendwann so einen gewissen Stoizismus, bei mir haben 33 Bewerbungen seit Januar (plus Chipsfabrik) da aber noch nicht genug Aggression weggeschliffen.

Herr Rabe und Pippi kommen nach Hause und ich koche. Also Essen.

Und dann gibt es essen. nämlich Zucchini-Pilze-Frischkäse-Pasta. Ist ganz lecker, aber jetzt keine mega Erleuchtung. Halt ne cremige Sahnesoße ohne Sahne. Und Foodbloggerin werde ich in diesem Leben auch nicht mehr.

Pippi ist zum Umfallen müde und ich bringe sie nach dem Essen direkt ins Bett. Vorher höre ich bei Herrn Rabe noch mal nach, ob die im Kindergarten vielleicht was von der Førskoletur gehört haben…? Herr Rabe sagt, Zitat, „Ich habe mich beherrscht und nicht nachgefragt.“ Gut, ich bin also nicht das einzige Helikopterelter hier.

Im Bad kriege ich endlich eins meiner grauen Haare gepackt. Das habe ich schon öfter versucht, ich hab nämlich einige davon. Zuerst habe ich sie bemerkt, als ich meine Haare das letzte Mal blau gefärbt habe, da waren nämlich ein paar Haare nicht nur in den Spitzen blau, sondern komplett gefärbt. Ich freue mich, zumindest noch, endlich ein bisschen Weis(s)heit.

Pippi schläft, es ist noch früh, vier Bewerbungen reichen für den Rest der Woche mehr als dicke, also schneide ich Stoff zu, trinke dabei sehr langsam ein Glas Wein und sehr viel schneller einen Liter Wasser und probiere auch gleich mal den Stoffkleber aus. Die Streifen auf dem Stoff sollen nämlich beim Nähen wirklich genau aufeinandertreffen und da darf nix verrutschen. Der Kleber riecht nach Hubba Bubba, funktioniert aber einwandfrei. Bin gespannt, wie sich das morgen nähen lässt.

Wegen der Streifen und weil ich mir echt Zeit lasse dauert das alles ganz schön lange, aber egal, ich hab ja nix mehr vor heute. Beim Küche aufräumen und bettfetig machen schaue ich noch eine Folge Lemony Snicket zu Ende. Die Socken lasse ich heute zum Schlafen lieber an, es ist echt fies kalt.

(Fun Fact: beim Zehen-Hampeln habe ich mir außen am linken kleinen Zeh was gezerrt. Autsch.)

Jetzt Bett, es wird auch echt Zeit. Vielleicht haben sich ja morgen früh mal die von der Førskoletur gemeldet.

Tag 1034 – Zeittunnel!

Nicht nur habe ich mich seit Tag 1028 grob verzählt – zwei mal! – nein, mein kleines Baby ist irgendwie mal kurz zu einem großen Jungen geworden, der morgen auf seine erste richtige Übernachtungsfahrt geht. Morgen wird Michel, der doch eben noch in seiner grotesk dicken Stoffwindel durch die Gegend rollte, auf Førskoletur (Vorschulausflug) fahren. Er freut sich unglaublich und ist tierisch aufgeregt, was man an der gesteigerten Häufigkeit von durch ihn provozierten kleineren und größeren Dramen ganz gut ablesen kann. Heute haben wir gepackt, was gar nicht so einfach war mit nöliger, leicht fiebriger Pippi und unglaublich aufgekratztem Michel, der einen mittleren Nervenzusammenbruch bekam, weil wir die Packliste im Kindergarten vergessen haben. Nicht, dass wir die nicht auch als Mail hätten, das zählt eigentlich nicht, das ist ja nicht der Zettel und buuuhuhuhuhuuuuuu, alles schlimm. Nun ja. Nach längerem Gesuche hatten wir dann das Wichtigste zusammen, nämlich Herrn Rabes Isomatte (die ist kleiner als meine, meine ist riesig), meinen Schlafsack (Michel hat ja so einen Kinderschlafsack von Decathlon, zum Übernachten in einer Hütte ist der super, aber die schlafen in einem Lavvo (ähh, Jurte? So ein festeres Zelt halt) und in der Nacht sollen die Temperaturen bis auf 1 Grad (!!!) runtergehen, da finde ich dann meinen dicken Schlafsack mit Comfort-Temperaturbereich bis -3 Grad doch angebrachter. Wir haben dann voll professionell noch das Fußende mit einem alten Haargummi von mir abgeschnürt, damit das Kind keine kalten Füße kriegt und nicht drin verschwindet, ich habe Michel die Geheimtasche gezeigt und spätestens seit Pippi unbedingt auch reinwollte, war Michel dann vom Schlafsack überzeugt) und sogar die vermaledeite Sitzunterlage, die ich in der ganzen Wohnung gesucht habe und schlussendlich bei den Schlittschuhen im „Keller“*fand. Memo an mich: Schlittschuhe da wegräumen, Sitzunterlagen in den Flur in die Box WO SIE HINGEHÖREN. Wir haben Wechselsachen und Schlafanzug eingepackt, Michel mit Engelszungen zum wenigstens Mitnehmen einer Fleecehose überredet, die Anziehsachen für morgen früh liegen bereit, Michel hat noch etwa dreitausendmal kundgetan, dass er seinen „Parkdress“ echt scheiße findet (wie ein Winteranzugeinteiler, nur ohne Futter, schützt also gegen Wasser von oben und Wind und NUR BABYS TRAGEN DAS!!!), ich habe drei Packungen Maoam** verpackt und in den Rucksack geschmuggelt, Pippi hat mit ihrem Plastik-Telefon „Bilder“ von Michel (und Selfies, Öhömm) gemacht, es ist quasi alles bereit. Morgen noch die Brotdose aus dem Kühlschrank und die Toilettensachen aus dem Bad in den Rucksack verfrachten und dann schauen wir um ca. viertel vor sieben mal, ob ich wirklich schon bereit bin, mein Baby einfach so mit einem Zug in einen hunderte Kilometer entfernten Wald fahren zu lassen. Schnüff.

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Auto-Lobhudelei: die durch das leichte Fieber „gewonnene“ Pippi durch die Gegend geschoben (2 Stunden, ca. 15.000 Schritte, eine halbe Flasche Pustefix und ein Kaffee in der Thermotasse) und mit ihr viel Spaß gehabt. Dabei nur wenig Sorgen gemacht. Aber Spatzen Croissantkrümel*** aus meiner Hand holen lassen. Hachz.

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*Nicht der richtige Keller, sondern ein Lagerraum von ~2qm auf unserer Etage und da haben die Schlittschuhe auch einfach gar nix verloren. Seit wir mal in einer Kellerwohnung gewohnt haben, die logischerweise keinen Keller hatte, nennen wir diese Art Lagerräume „Keller“. Mit Luftkommata.

**In der Vorschulgruppe sind ja nur zwei andere Kinder und Michel hatte sich heute morgen überlegt, dass er morgen gerne den anderen beiden eine süße Kleinigkeit schenken möchte. Und sich, natürlich. Nämlich „Am liebsten Kaugummi, oder ein Überraschungsei, oder Smarties. Da kannst du eins von aussuchen, Mama!“. Die Idee fand ich gut, das Bestimmerische daran aber nicht, also gibt es jetzt halt für jeden so ein kleines Maoam-Päckchen. Eingepackt, damit es auch für Michel eine Überraschung ist.

***So eine bin ich nämlich. Füttere Wildtiere mit insgesamt ca. 2 g Feingebäck und bringe meinem Kind dabei „Erpel“, „Spatz“, „Krähe“ und „Möwe“ bei. Und dass man ganz still sein muss, wenn man will, dass die Spatzen sich trauen, was aus der Hand zu holen.