Tag 1127 – #12von12 im September ‘18.

Heute ist der 12. und da sammelt Caro von draußen nur Kännchen in Bloggerhausen 12 Bilder von jeder*m ein.

Mein Tag begann nach dem gestrigen unerwarteten Knock-Out mit Kaffee am Bett.

Der Mann hat mir Kaffee ans Bett gebracht <3 #1von12 von #12von12

Da Herr Rabe auf einer Konferenz in Oslo den Stand seiner Firma betreibt, bin ich für die Kinder allein zuständig. Ich mache also Brote und fahre dann beide Kinder zu Schule und Kindergarten.

Brotdosen nach Vorliebe. #2von12 von #12von12

(Michel mag übrigens keine Blaubeeren.)

Schule. #3von12 von #12von12

Kindergarten. #4von12 von #12von12

Dann parke ich das Auto, weil ich mit dem Bus nach Eidsvoll zurückfahren will. Dann kommt aber der Bus nicht und die Ticket-App geht auch nicht und nach 15 Minuten Warten gebe ich auf.

Parkplatz. Schon auch hübsch hier. #5von12 von #12von12

Zu Hause gibt’s erstmal Frühstück.

Frühstück. Zu gierig für Instagram. #6von12 von #12von12

Dann hatte ich Zeit und weil ich mich um meine Lesezeit im Bus betrogen fühlte, legte ich mich zum Lesen ins Bett. Zwischendurch rief ich noch den Buchhalter der Firma an. Da ist nämlich was schief gelaufen und ich muss das jetzt aufräumen, damit es nicht aussieht, als hätte ich den Sozialstaat um eine Woche Arbeitslosengeld betrogen. Der Buchhalter sagte, das ließe sich im Nachhinein nicht korrigieren und überhaupt nehme er nur Order vom Chipsmann an. Yeah.

Deshalb ging ich dann danach zum NAV.

Spazieren gehen, Unspaß-Version. #7von12 von #12von12

Und das ganze auch noch umsonst, weil man dafür bei einem anderen Etat anrufen muss. Oder so. Hab ich dann jedenfalls gemacht und den Scheiß aufgeräumt, den der Chipsmann da gemacht hat.

Aber ein gutes hatte der Ausflug: ich bin danach ein bisschen durch ein kleines Waldstück gestapft.

Nicht so ganz die Sorte Pilz, die ich zu finden gehofft hatte, aber wo solche sind, sind auch andere. #Pilzsammelspaßiscoming #8von12 von #12von12

Was man in norwegischen Wäldern halt so findet. #keinpilz #9von12 von #12von12

Zu Hause noch etwas gegessen, etwas versucht, fernzusehen (klappte wegen Technik nicht) und dann war es auch schon wieder Zeit, die Kinder abzuholen. Die beide einschliefen.

Sleeping cuties <345 #10von12 von #12von12

Es folgte ein nicht so erfolgreiches Hausaufgabenmachen und ein schlimmer Wutanfall von Michel, in dessen Anschluss er mir verzweifelt erzählte, dass er ja leider nichts machen kann, weil sein Hirn halt seinen Körper steuert und das Hirn, das ist ja dann müde und der Körper aber nicht und dann würde er halt ganz sauer. Wir arbeiten jetzt also gegen das Gehirn. Super.

Irgendwie hab ich die Kinder dann aber doch ins Bett bekommen.

Vorlesen. #11von12 von #12von12

Und nach gaaaaaanz langem Rumgehampel von erst Pippi und dann Michel hatte ich dann auch mal Feierabend. Musste aber noch ein Telefonat mit dem CEO der Firma führen, der heute kündigte, ohne mich vorher zu entlassen. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff, nehmen aber die Mäuse nicht mit. Hrmpf.

Kveldsmat. #12von12 von #12von12

Und jetzt Bett. Michel hat mich auf dem Sofa erwischt und ich muss den jetzt wieder in sein eigenes Bett komplimentieren. Hachja. Die lieben Kleinen.

Tag 1126 – Evakuierung.

Heute morgen habe ich die Reißleine gezogen und das einzige Vernünftige gemacht, was mir grad blieb. Auf dem Weg zur Arbeit schon anfangen zu weinen, ist nicht gut, inzwischen allen misstrauen ist nicht gut, was für Blüten dieses Misstrauen getrieben hat, ist mir zu peinlich um es aufzuschreiben. Nicht mehr schlafen können ist nicht gut, bei jedem Gespräch über die Arbeit die Contenance verlieren und wie ein Kindergartenkind zu weinen anfangen ist mit Mitte 30 gar nicht gut. Alles nicht gut und deshalb habe ich mich heute aus der Firma evakuiert. Die nächsten zwei Wochen* ist also wieder spazieren gehen angesagt.

Außerdem habe ich heute die Babyschnecken aus der Box mit den Großen Schnecken evakuiert. Jedenfalls die vier, die ich lebend wiedergefunden habe. Eine habe ich beim Hochnehmen der Box versehentlich am Deckel zermanscht, der Rest war verschwunden, nachdem zwei der drei ruhenden Schnecken aufgewacht sind und in der kleinen Box herumgegraben haben. Diese dünnen Babyhäuser sind ja noch so empfindlich, wenn da eine Babyschnecke zwischen große Schnecke und Boxwand gerät, war’s das. Seufz. Die vier Babys sind jetzt jedenfalls in einer eigenen Box.

Hui, die Schlaftablette wirkt. Huiuiui. Äh. Gute Nacht!

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*erstmal. Dann sehen wir (also der Arzt und ich) weiter.

Tag 1125 – Zerrissen.

Mein Chef hat sich heute morgen spontan überlegt, dass er diese Woche nicht kommt. Das ist im Prinzip gut, weil ich dann nicht dauernd irgendwelche neuen irren Sachen machen soll in meinem Tempo abarbeiten kann, was anfällt und weil das nicht viel ist, habe ich nebenher Zeit, Bewerbungen zu schreiben. Aber: ich schreibe Bewerbungen. Ahhhhh. Heute in der extra fiesen Version: für eine Stelle in der Wissenschaft. AHHHHHHH! Dass ich sofort wieder bis über die Ohren im ImpostDoc-Modus war, habe ich nach Kräften ignoriert. Denn es ist ja so: alles, wirklich alles, selbst drei weitere Jahre in der akademischen Mühle, sind besser als das jetzt. Um es mit Bridget Jones zu sagen: „Ich würde auch einen Job als Saddam Husseins Arschabwischer annehmen.“. Und so schlecht wäre diese Stelle beileibe nicht. Eigentlich wäre fast alles daran sehr sehr gut: sie ist in Oslo, sie ist gut bezahlt, sie wäre genau in dem Thema, in dem ich promoviert habe, die Arbeitsgruppe ist sehr, SEHR erfolgreich. Aber es ist halt die Uni. Ein Post-doc. Publish or perish. Der ganze Mist, den ich nicht mehr wollte, weil er Menschen verheizt. Aber die Industrie will mich ja auch nicht. Nein, auch nicht jetzt. Niemand will mich, nur Leute, die nicht alle beisammen haben der Chipsmann. Der will mich aber unbedingt. Klar, irgendwer muss ja seinen Job machen. Also Fazit: Ich weiß auch nicht, ob ich die Stelle, für die ich den ganzen Tag am CV und dem Anschreiben rumgebastelt hab, überhaupt wollen würde oder wollen sollte. Ich merke, dass der Impostor immernoch ganz stark in mir ist. Ich merke auch, wie sehr mein Selbstwertgefühl unter den 40 Absagen gelitten hat. Futter für den Impostor. Schlechte Ausgangslage für weitere Bewerbungen. Und Futter für jemanden, der mir ständig die Alternativlosigkeit zur jetzigen Stelle unter die Nase reibt.

Nein. Hauptsache da weg, zweite Hauptsache okayer Job. Drei Jahre sind viel Zeit, da kann man sich noch ein paar Skills aneignen, Kontakte knüpfen (hahaha, ja, innerhalb der akademischen Bubble) und hat mal zwei Jahre Ruhe vorm Bewerbungen schreiben und schreibt dafür dann halt grant applications.

Tag 1124 – Unverfängliches Kuchenrezept.

Wir sind jetzt vollständig Norwegisiert. Ich habe nämlich die Fußböden mit Grønnsåpe (zu Deutsch: Schmierseife) gewischt* und ohne jemals in einer norwegischen Jugendherberge gewesen zu sein, weiß ich, dass es bei uns jetzt riecht wie in einer norwegischen Jugendherberge. Und weil ich mal auf einer Disputation den besten Apfelkuchen der ganzen Welt gegessen habe, wollte ich aus unseren neulich neben der Schule gepflückten Äpfeln auch einen solchen Kuchen backen. So kam ich durch googeln zu Omas Apfelkuchen, und das Rezept übersetze ich hier mal für Sie. Es war schon ganz nah dran an dem besten Apfelkuchen der ganzen Welt, das nächste Mal würde ich wohl einen Esslöffel von der Apfelsaft-Zucker-Zimt-Matsche aus der Tüte in den Teig rühren, das dürfte den etwas flachen Geschmack des Teiges beleben. Und vielleicht ein fitzelchen Zitronenschale.

Aber hier das Rezept:

Backofen auf 180 Grad vorheizen.

  • 4 säuerliche Äpfel (unsere waren so klein, dass ich 6 genommen habe) schälen, entkernen und in schmale Schnitze schneiden, mit
  • 5 Esslöffeln Zucker und
  • 2 Esslöffeln Zimt in eine Plastiktüte geben und gut schütteln
  • 200 g weiche Butter und
  • 200 g Zucker schaumig schlagen, dann nach und nach
  • 4 Eier unterrühren.
  • (Vor dem Mehl würde ich dann wohl einen Löffel vom Apfel-Zimt-Schlonz unterrühren.)

    • 170 g Mehl mit
    • 1 Teelöffel Backpulver und in Abweichung vom Rezept
    • 1 Prise Salz mischen und über die Buttermischung sieben, dann unterheben und mischen.

    Eine Springform mit ca. 24 cm Durchmesser fetten und (wenn man mag und dran glaubt, dass es gegen anbacken hilft) mit irgendwas ausstreuen. Die Hälfte des Teiges in die Form geben und verteilen. Dann die Hälfte der Apfelschnitze mit der schmalen Seite nach unten in den Teig drücken. Darauf die zweite Hälfte des Teiges verteilen und in diese wiederum die zweite Hälfte der Äpfel drücken.

    • 2 Esslöffel Hagelzucker darüber streuen (das habe ich vergessen)
  • Etwa 50 Minuten in der (gefühlten) Mitte des Ofens backen.
  • Lauwarm mit Schlagsahne servieren.
  • Schon wirklich sehr lecker.
  • ___
  • *Hinterher hab ich dann gelernt, dass man das AUF GAR KEINEN FALL MACHEN SOLL!!1elf! Hups.
  • Tag 1123 – Arbeit, Arbeit.

    Heute haben wir alle viel gearbeitet, außer Pippi, die war die meiste Zeit wütend und unausstehlich. Ich habe die Badezimmer geputzt, vier Maschinen Wäsche gewaschen, zwei Wäscheständer voll gehängt, eine Trocknerladung angestellt und dann war für die Badezimmerteppiche leider kein Platz mehr und die hängen jetzt überm Treppengeländer. Ich habe außerdem einen großen Topf Apfelmus gekocht, das leider im Nachgang bitter ist. Ich muss morgen, wenn es ganz ausgekühlt ist, nochmal probieren und entscheiden, ob es wirklich so schlimm ist. Bei Apfelmus bin ich ja pingelig, wenn das nicht so schmeckt wie bei Oma, find ich’s blöd. Und das hier sieht nicht mal so aus, nachdem ich versucht habe, es mit Karamell zu retten. Jetzt ist es halt Karamellfarben. Hmm.

    Herr Rabe hat Pappe weggebracht, mit Michel ein Buch über Meerschweinchenhaltung aus der Bibliothek ausgeliehen, war einkaufen, hat das Auto innerlich gereinigt und war viel sehr genervt von der dauerheulenden Pippi. Da bin ich ja immer ein bisschen froh, dass ich nicht die einzige bin, die das auf die Palme bringt.

    Michel hat auch gearbeitet. Gestern kam er nämlich an und meinte, ob er Geld verdienen könne, wenn er für uns was arbeitet. Nun ist unser Rasen komplett tot (da wächst sozusagen kein Gras mehr, muhahaha), die traditionelle Aufgabe für Kinderarbeit ist also raus. Ich habe ihm auch gleich gesagt, dass ich alltägliche Dinge von ihm einfach langsam erwarte, so wie Spülmaschine einräumen, Klamotten selbst in den Wäschesammler und den Schrank bringen, Tisch abwischen, etc. Aber ich fand, er könne mal das Auto saugen, das wäre eine gute Sache, da könne er auch ein bisschen sein Taschengeld mit aufstocken. Also hat Michel heute das Auto gesaugt, bis in die kleinsten Ecken und weil ich mit Herrn Rabe keinen Preis abgemacht hatte, hat er wie ich finde ziemlich gut dran verdient. Aber es ist schon ok, ich hoffe ja auch, dass er gesehen hat, wie viel Krümel und Zeug* da immer drin liegen und dann vielleicht nicht so rumkrümelt. Wäre zu hoffen. Vielleicht krümelt er jetzt auch extra, damit er öfter saugen kann.

    Schön war heute, mit meiner Tante und vorher auch mit meiner Mutter zu telefonieren und mich über die Situation auf der Arbeit auszuheulen. Da ist ja alles so absurd, allein heute hat mein Chef einen abgesprochenen Telefontermin mit einem Professor, mit dem er eigentlich gern kooperieren würde** einfach nicht eingehalten. Professionalität ist nicht so seins. Mal sehen, wer daran nun wieder schuld war.

    Morgen werde ich weiter an meinem Mini-Gewächshaus bauen, das hat mich heute einiges an Nerven gekostet. Ich hab es auch nur deshalb nicht „Verf*cktes Scheißdrecksding“ genannt, weil Michel ganz eifrig zu helfen daneben stand. Es war auch gut, dass er da stand, weil mir sonst das ganze Alu-Glas-Konstrukt vermutlich auseinandergefallen wäre. Und nein, das ist nicht von Ikea, ich glaube, bei Ikea hätte ich mich lange nicht so aufgeregt, die machen wenigstens verständliche, komplette und sinnvolle Anleitungen.

    ___

    *Unser Auto ist, für eine Familie mit zwei noch recht kleinen Kindern, eigentlich immer erstaunlich sauber. Weil mich und auch Herrn Rabe auch leichtes Chaos im Auto schon sehr schnell stört. Zum Beispiel liegt im Kofferraum nur, was wir wirklich auf der Fahrt brauchen, sowie eine Not-Einkaufstüte. Ich bin da echt pingelig, bei meinem Auto.

    **was schon allein deshalb einigermaßen lächerlich ist, weil wir einfach nichts, aber auch wirklich gar nichts, zu bieten haben.

    Tag 1121 – Trauriges Schneckenupdate.

    Heute Abend habe ich mich endlich aufgerafft, die Schneckenerde zu tauschen. Wir haben nämlich wieder ausufernden Erdmückenbefall und das macht mich ja irre, diese Minifliegen ü-ber-all. Aber egal, jedenfalls hatte ich schon vorher so einen Verdacht, und der hat sich leider bestätigt: eine meiner Schnecken ist leider gestorben. Ich hatte das vermutet, weil sich alle anderen eingegraben hatten, vermutlich um in Trockenruhe zu gehen (das hat sich in mindestens 2 Fällen auch bestätigt), aber diese eine lag auf der Erde, mit der Öffnung nach unten, tagelang. Das Futter wurde nie angerührt. Heute hab ich also endlich mal nachgesehen und sie hat sich sehr weit ins Haus zurückgezogen, aber keinen Deckel gemacht (wie die 3 anderen), ein Stückchen Fuß guckte noch raus, aber auf vorsichtiges anpieksen tat sich absolut gar nichts, allerdings sah ich beim Anpieksen ein paar kleine Maden am Fuß. Yierks.

    Für den Fall, dass ich mich vertue und die Schnecke doch noch lebt, habe ich das ganze so schonend wie möglich beendet und sie ins Gefrierfach gelegt. Und jetzt fühle ich mich furchtbar, weil ich das nicht früher bemerkt habe. Und was ich mit der Schnecke dann mache, weiß ich auch noch nicht. Das Haus würde ich gerne behalten, kann man die wohl einfach auskochen? Ist das sehr makaber? Eigentlich schon. Hmm.

    Auch total blöd: beim Erde herausholen habe ich ein Gelege gefunden. Das hätte ich wohl besser vor ein paar Tagen schon finden sollen, aber ich gebe zu meiner Verteidigung an, dass die Schnecke, die das Gelege zu verantworten hat, sich obendrauf eingegraben hat und schlafende Schnecken soll man ja nicht stören, ne? Jedenfalls habe ich da vielleicht, ganz vielleicht, nicht nur Eier (allerdings zu 99%, ich würde sagen, gerade noch so Eier) eingefroren dieses Mal. Die, die sich im Haus der Mama-Schnecke versteckten, waren schon deutlich größer und da hab ich es ganz einfach nicht übers Herz gebracht. Wir haben nun also vier minus eine plus acht Schnecken*. Und ich fühle mich wegen des Rests wie der letzte Mensch. Da passt man einmal nicht auf.

    RIP, große Schnecke. Und willkommen, Familienzuwachs. Ich passe ab jetzt besser auf, dass ihr euch nicht vermehrt, versprochen.

    (Wirklich noch winzig, winzig klein. Beim ersten Bild täuscht die Perspektive, die sind ca. 3-5 mm groß. Und bei der Mama mache ich mir ein wenig Sorgen, weil die auch deutlich weiter im Haus ist, als die anderen beiden ruhenden. Allerdings machte die das schon die letzten zwei Winter so. Vielleicht hat sies lieber kuschelig.)

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    *Bevor Sie jetzt alle hier schreien: klar würd ich die auch weggeben (zumindest so 5-6), allerdings sollte es zum Verschicken auch nachts noch >10 Grad haben, das ist es hier jetzt nicht mehr. Und ein wenig warten müsste man auch noch, damit sie etwas größer werden. Aber vielleicht Anfang Oktober? Da sind wir möglicherweise alle, auf jeden Fall aber Herr Rabe für kurz eh in Deutschland.

    Tag 1120 – #WmDedgT im September ‘18.

    Heute ist wieder der 5. und wie jeden Monat fragt da die geschätzte Frau Brüllen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

    Ich werde mich so kurz wie möglich fassen, denn der Tag begann nach einer Nacht mit ganz wenig Schlaf in Pippis Bett, weil die nämlich Rotznasenbedingt schlecht geschlafen hat und dauernd wach war und was trinken oder einfach nur rumbrüllen wollte. Voll schön.

    Außerdem wollte ich auch gar nicht aufstehen.

    Bin ich dann aber doch und hab Pippi fertig gemacht, bin duschen gegangen, habe Schminke eingepackt, habe keinen Kaffee eingepackt und auch kein Mittagessen, aber Wasser, 2 Äpfel und eine Banane. Bin mit Pippi um kurz nach acht losgefahren an der Bushaltestelle 200 m vor der Haustür wieder umgedreht, weil Herr Rabes Zug nicht fuhr wegen irgendwas mit Elektrizitätsstörung. Habe Herrn Rabe eingesammelt und dann sind wir losgefahren.

    Auf dem Weg noch getankt, zum Tanken und wie sehr ich mich bemühe, mich von den Spritpreisen nicht stressen zu lassen, muss ich mal gesondert schreiben. Witzig, wie ich immer schreibe, was ich alles schreiben will, ne? Ich bemühe mich auch sehr und sehr vergeblich, deswegen kein schlechtes Gewissen zu haben.

    Herrn Rabe am Zug im Kindergartenort rausgelassen, dann Pippi zum Kindergarten gebracht, kurz vor neun. Pippi hat im Auto meine Banane gegessen, ich esse deshalb ein Käsebrot aus ihrer Brotdose.

    Ich fahre zur Arbeit. Ich will nicht und fange schon auf dem Weg an zu weinen, so schrecklich ist das da alles.

    Es ist alles sehr schrecklich und sehr absurd für sehr lange Stunden, ich kriege absolut nichts produktives auf die Kette, aber immerhin schaffe ich es dem Chipsmann zu sagen, dass ich bei einer etwaigen Nachfolgefirma nicht mitmachen möchte, generell nicht und schon mal gar nicht als Co-Gründerin. Er versteht das total gut, was sich darin zeigt, dass er mich für morgen für das Vorgespräch zu einem Innovationswettbewerb anmeldet. Mehr bleibt zum Arbeitstag nicht zu sagen, auch weil siehe nächster Absatz.

    Irgendwann geht der Chipsmann einfach grußlos. Ich lasse den letzten Rest versuchter sinnvoller Arbeit fahren und schreibe eine Anwaltskanzlei an. Dann heule ich Rotz und Wasser und dann fahre ich Pippi abholen.

    Pippi abholen, Michel abholen. Ich bin wieder erst ganz kurz vor knapp in der Schule. Michel trägt es mit Fassung. Morgen muss das anders werden. Das sage ich auch dauernd und es wird dann nichts.

    Wir spielen noch auf dem Spielplatz der Schule. Pippi kann jetzt selbst schaukeln und macht das ausgiebig, Michel spielt mit ein paar älteren Mädchen auf dem Klettergerüst. Beide Kinder und ich sehen hinterher aus wie in Lehmstaub paniert.

    Wir fahren nach Hause und ich überrede die Kinder mit Engelszungen zum Duschen. Ich dusche auch und fühle mich danach viel besser. Ach ja, das habe ich oben vergessen zu schreiben, aber es ist ja auch was, was ich nicht getan sondern eben nicht getan habe: Ich habe mich nicht geschminkt. So dreckig gehts mir, ich nehme die Schminke mit und dann bleibt sie in der Tasche.

    Nachdem beide Kinder und ich sauber sind, parke ich die zwei vor dem Fernseher und will eigentlich kochen, kann mich aber nicht aufraffen. Ich döse beim Kinderfernsehen ein.

    Herr Rabe kommt nach Hause und schiebt Pizza in den Ofen. Wir essen und dann bringe ich die Kinder ins Bett, Pippi schläft schon beim Vorlesen aus dem magischen Baumhaus mit 39 Etagen, das sich Michel in der Bibliothek ausgeliehen hat, ein.

    Wieder im Wohnzimmer angekommen ist es irgendwie schon viertel nach neun. Ich schreibe eine Bewerbung, mal wieder eine ganz andere, from scratch neu und anders strukturiert und es geht recht fix, weil ich die im Grunde einfach unterschreibe und dann abschicke. Am Anfang der Bewerberei hatte ich noch Sorge, dass eine scheißbewerbung gleich dazu führen würde, dass ich beim ganzen Unternehmen verschrien bin. Inzwischen ist mir sowas egal oder vielleicht bin ich innerlich tot. Wenn’s so ist, ist es so, wenn nicht dann gut, und als könnte man von einer Seite Blabla wirklich sicher auf die Persönlichkeit der Person dahinter schließen. Sollen sie mich einladen, dann lernen sie mich kennen, und dann sollen sie mich einstellen, dann lernen sie mich noch besser kennen. Im Grunde will ich mit den Anschreiben nur noch neugierig machen. Im Endeffekt kämpfe ich bei dieser Bewerbung am längsten mit dem Bewerbungsportal, das mit der LinkedIn-App nicht wirklich harmoniert und zweimal abstürzt und dreimal die Dokumente nicht hochlädt, bis ich es dann im Browser mache, dann geht es.

    Dann bloggen.

    Bald schlafen.

    Morgen sehr früh aufstehen und bei diesem Informationsdings sein.

    Wenn ich mir das WmDedgT vom letzten Monat anschaue, kann ich kaum glauben, dass das alles in nur einem Monat passiert ist.

    ___

    Tag 1119 – Ausgelaugt.

    Schrecklicher Tag, schöner Nachmittag, abends dann Rechtstralala im Internet lesen. Mir sind jetzt einige Motive klarer und ich habe einen Schlachtplan aber mal im Ernst: das ist Erwachsenenlevel Endboss und ich will das alles nicht und heule auf dem Sofa weil ich auf gar keinen Fall da morgen hinwill.

    Keine Pointe, keine Lobhudelei, kein nix, alles einfach so richtig scheiße.

    Tag 1118 – Abendbeschäftigung.

    Heute morgen war ich um halb neun im eine Stunde entfernten Krankenhaus, um Pippis PFAPA-Therapie zu planen. Und ich war pünktlich! Nach vier Stunden Schlaf! Pippi war toll, hat vom Arzt bis zu den wartenden älteren Damen bei der Blutabnahme absolut alle bezirzt und da hatte sie sich das Eis* dann auch mehr als verdient. Ich habe wirklich ein sehr tolles Kind. Zwei sehr tolle Kinder. Ach ja: Pippi hat im Krankenhaus allen erzählt, sie und Michel seien beste Freunde. Ich hab sehr gelacht – manchmal sind sie das kurz, aber meistens hauen sie sich wegen irgendwas die Köppe ein.

    Dann Arbeit (Chipsmann ist krank, ich war etwas kopflos und sehr müde und hab dann beschlossen, dass ich zu Hause produktiver sein kann), zu Hause die angekommenen und wieder Erwarten in Anbetracht des Preises nicht aus massivem Gold bestehenden Küchenschubladen eingebaut, gesaugt, ein paar Mails geschrieben, Pippi abgeholt, essen, nicht eingeschlafen und dann…

    … mit einer ehemaligen Angestellten einer Insolvenzverwaltung telefoniert (Antiklimax, ich weiß). Nur mal so für ne Freundin fragen, was man als Arbeitnehmerin so beachten muss, wenn man denkt, die Firma könne eventuell nicht so ganz zahlungsfähig sein. Also so rein hypothetisch halt, für ne Freundin.

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    Auto-Lobhudelei: nicht in Panik geraten, als die Tankanzeige blinkte, weiterhin nicht die (Arbeits-)Nerven verloren und hab ich erwähnt, dass wir pünktlich waren? Dass Berufsverkehr und Stau war und wir trotzdem pünktlich waren?

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    *wenn alle immer von Eis** reden, ist das für so einen kleinen Menschen ja auch schwer zu verstehen.

    **für nach der Mandelentfernung***

    ***im Oktober. Auf Anraten des Arztes wird kalt operiert, wir müssen wegen der Stunde Fahrtzeit noch eine Nacht bleiben und danach soll Pippi zwei Wochen nicht in den Kindergarten. Wie ich an Herrn Rabe schrieb „Wer weiß, was ich dann für nen Job hab.“