Tag 1166 – Zurück im Spidermanzimmer.

Auch wieder vorweg: es geht allen hier gut. Aber Pippi und ich sind wieder im Krankenhaus, weil sie heute früh anfing, Blut auszuspucken (da wurde uns vorher gesagt, dass das nach ca. 1 Woche, wenn sich die Borken lösen, passieren kann) und dann heute mittag auch noch brechen musste. Ich sag mal so: geschlucktes Blut, ein Nutellacroissant und ein Eis aus rotem Smoothie macht eine ganz, ganz gruselige Farbkombination. Jedenfalls riefen wir, wie es uns für diesen Fall zuvor geheißen wurde, im Krankenhaus an. Die wollten sie sehen, deshalb fuhr Herr Rabe mit ihr hin und Michel und ich strichen in der Zeit die Wand – und das schlecht, weil die Farbe unter das Malertape gelaufen ist und die Farbfläche deshalb komplett ausgefranst ist. Da muss ich nochmal ran um das zu retten, aber vorher muss ich rausfinden, was das für ein Farbton ist, der vorher an der Wand war. Seufz. Jedenfalls war irgendwann Herr Rabe mit Pippi auch dran und… sie sollte über Nacht bleiben.

Ich warf also die Impromaschine an, warf Übernachtungssachen in meinen Rucksack, rief ein Taxi* und eine Stunde später saßen Michel und ich im Zug. Zug, Bus, Laufen und „schon“ waren wir da. Man muss dazu sagen, mit dem Auto hätte es genauso lange gedauert.

Im Krankenhaus hatte Pippi grad einen schlimmen Wutanfall, weil sie nicht essen darf, aber Hunger hatte, da half auch kein Eis, kein Saft und die Infusion piept dauernd wegen „Okklusion nedstrøms“ weil Pippi mit jeder Bewegung des Ellenbogens den Schlauch abklemmt. Es dauerte eine geschlagene Stunde, sie so weit zu beruhigen, dass sie Eis und Peppa Wutz akzeptierte. Inzwischen hat sie drei Eis und zwei Gläser Saft intus, 75 mL Glucose-Infusion sind enervierend langsam in sie herein gelaufen, sie hat keine Schmerzen aber friert (nach der Eismenge wohl kein Wunder). Ich hoffe, ich kriege sie bald zum Schlafen, ich bin nämlich auch müde und vor allem hab ich Hunger, aber ich will auch nicht vor ihrer Nase Rhabarberkuchen essen.

Morgen geht es, wenn es nicht wieder blutet, wieder nach Hause. Hoffen wir, dass die Nacht besser wird, als die letzte in diesem Zimmer.

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*Also ins 50 km entfernte Krankenhaus würd ich mich nicht fahren lassen, aber für die 5 Minuten zum Zug frage ich, falls sowas nochmal passieren sollte, die Nachbarn. 215 Kronen für eine Strecke, die man als sportliche Erwachsene in 20 Minuten, mit aufgeregtem Michel aber eher nicht laufen kann.

Tag 1165 – Na gut.

Pippi schläft jetzt die dritte Nacht in Folge ohne Windel. Ich nehme an, das wird funktionieren. Es ist nämlich so: Pippi hat das selbst so bestimmt, dass das mit den Windeln jetzt vorbei ist und dann zieht sie das jetzt auch durch. Gestern und vorgestern morgen musste sie dann eben sehr früh sehr dringend aufs Klo, aber das ist ja auch in Ordnung. Ich glaube jedenfalls nicht, dass Pippi sagen würde, sie könne ohne Windel schlafen, wenn sie da nicht absolut sicher wäre. (Im Gegensatz zu Michel, bei dem ich das ja sogar total gut verstehen kann, dass er wirklich, WIRKLICH gern Groß sein will und große Jungen nässen nicht ein, aber… naja. Hin und wieder, inzwischen nur noch ganz selten, kaum noch öfter als wir eh unsere Bettwäsche wechseln würden*, passiert es halt doch. Wir machen da kein Drama draus, es ist ihm eh schon peinlich genug. Aber die Kinder sind halt verschieden, ich denke jedenfalls Pippi zieht das jetzt durch.

Genauso zieht sie die Sache mit den Schmerzmitteln** durch und da weiß ich nicht so ganz, was ich davon halten soll. Es ist einerseits total lustig. Es ist auch bewundernswert, wie abgebrüht sie ist. Es ist aber auch, von wegen Nein heißt Nein und so, echt bedenklich. Denn die Schmerzmittelgabe läuft hier so:

„So, Pippi, vorm Bett gibt’s aber noch einmal Zäpfchen.“

„Nein, ich will nicht!“

„Das verstehe ich gut, das ist ja auch unangenehm, aber das muss trotzdem sein.“

„Orrrr!“

„Soll Papa oder ich dir das Zäpfchen geben?“

„Mama! Und Einhorn-Salbe***!“

Und dann zieht sie die Hose runter und sagt „aber schnell!“.

Ich sehe das wie gesagt mit gemischten Gefühlen. Weil einerseits habe ich es natürlich so lieber, als ein Kind, dass sich zweidreiviermal täglich zehn Minuten unter Gebrüll auf dem Badezimmerfußboden windet, aber eben trotzdem das vermaledeite Zäpfchen kriegen muss. Einem schreienden Kind Zäpfchen geben ist ja noch viel schlimmer als einem, das das (unter Gemecker, aber eben) einfach über sich ergehen lässt. Ich rede mir ein, sie hat die „Du kriegst sonst Schmerzen im Hals und das will ich nicht und du bestimmt auch nicht.“-Vorträge verstanden, aber so recht glaube ich nicht dran. Ich glaube sie hat gelernt, dass es das Zäpfchen eh gibt, Geschrei hin oder her, und dann… pickt sie ihre battles. Ganz die Mama****. Wenn es sein muss, dann schnell und mit Einhornsalbe. Ich hoffe wirklich, sie nimmt das, grade bei so körperlichen Sachen, nicht fürs Leben mit. Denn Mächtigere als sie wird es halt immer geben aber nicht alle haben nur die Vermeidung von postoperativen Halsschmerzen im Sinn.

Anekdote passend dazu: Gestern kam Michel ins Bad und Pippi aß, nach der Zäpfchengabe, ein Eis. Michel fragte daraufhin etwas ungehalten, warum Pippi Eis äße (Subtext: und er nicht). Pippi meckerte daraufhin zurück: „Weil ich ein Aua gekriegt habe, in meinem… in meinem Po!“

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*Ich würd aber nicht so oft die Bettdecke und Übermatratze waschen, ehrlich gesagt. Schon allein, weil das unsere Waschmaschine regelmäßig vorm Schleudern kapitulieren lässt.

**Im Krankenhaus war die Ansage ganz klar: die erste Woche durchgehend Schmerzmittel geben, damit sie gar nicht erst Schmerzen bekommt, eventuell aufhört zu essen und zu trinken und dann mit trockenem Hals noch mehr Schmerzen bekommt. Ich nehme das schon ernst, im Gegensatz zum Krankenhaus wecke ich sie nur nachts nicht auch noch für ein Zäpfchen.

***Eine Tube Wund-und-Heilsalbe, die Pippi mit im Kindergarten hatte, falls sie mal einen wunden Po hätte, der Pflege bedarf. Auf Pippis Namensschildern ist ein rosa Einhorn***** und so wurde das die Einhorn-Salbe.

****Das sage ich ganz ohne Stolz. Meine herausragende Fähigkeit, mich durchzubeißen und Mist auszuhalten ist nicht gerade was, worauf ich stolz bin. Ein bisschen mehr frühzeitiges auf meine Grenzen hören, ein bisschen mehr Self-care, das wäre oft gut. Ähnlich wie meine helle Haut hatte ich vergeblich gehofft, davon nicht zu viel weitergegeben zu haben.

*****Tja, was sich Pippi halt so aussucht, wenn man sie lässt. RosaGlitzerEinhornPrinzessinnen. Oder Dinosaurier. Oder Peppa Wutz oder Elsa.

Tag 1164 – Alles so hübsch bunt!

Wir wollen unsere Wand streichen. Wir haben deutlich mehr als eine Wand im Haus, ja, aber wir fangen mal klein an und streichen eine Wand, nämlich rund um die Wohnzimmertür. Na gut, und um die Küchentür auch noch, und dann vielleicht den Schornstein in einer Kontrastfarbe und… nee. Erstmal die eine Wand. Da soll mein kleiner lila Schrank stehen und wir haben eine Uhr gekauft, die ausreichend lange Zeiger hat um den Raum darüber sinnvoll auszufüllen (das war gar nicht so einfach!). Die Uhr haben wir, weil die Farbe in der wir streichen wollen dunkel sein soll, in Silber gekauft und nicht in Schwarz. Die Herausforderungen bei der Farbwahl sind:

  • Muss zum Schrank passen (fliederfarben)
  • Muss zum Fußboden passen (Eiche halt… so gelblich holzfarben, recht warm.)
  • Muss zu der restlichen Wandfarbe passen (abgetönt hellbeige)
  • Pippi und ich waren also heute im Baumarkt und haben Farbkarten geholt. Wir haben jetzt vier identische rosa Farbkarten und diverse dunkelgrün-petrol-Türkis-dunkelblau-mitternachts-Eismeerblautöne und auf dem Bild sehen die alle ganz ähnlich aus, sind sie aber in Wirklichkeit nicht. Meinen eigentlichen Favoriten aus der Vorrecherche habe ich vergessen oder vielleicht ist er auf dem Beifahrersitz in die Ritze gerutscht, ärgerlich, aber morgen ist ja auch noch ein Tag. Herr Rabe will auch noch mal bei Tageslicht gucken.
  • Ansonsten: der grüne Schrank hat ein paar richtig üble Macken abbekommen und natürlich weiß ich die Farbcodes nach 10 Jahren nicht mehr (ich weiß aber noch, dass das Innenleben nicht weiß ist, sondern quasi ein homöopathisch verdünntes grün des Restes, nur einen Hauch bläulicher). Ich habe also heute einen Splitter abgeprokelt und mit in den Laden genommen und da mit dem Farbfächer abgeglichen. Zuvor hatte ich eine App eines Farbenherstellers geladen, die Farben bestimmen kann und ich muss sagen, die App hat das überraschend gut getroffen, bei der Ladenbeleuchtung bin ich nämlich auch nicht sicher, welche der beiden Farben besser passt. Ich glaube aber 0575-G20Y ist es.
  • Man bedenke: Handykamera nix gut, in echt sah 0575-G20Y einen Tucken besser passend aus, auf den Fotos ist es umgekehrt.
  • Den Splitter bekommt jetzt übrigens der Spediteur zugeschickt, dann soll der auch noch mal schauen. Ich dachte zwar, das sei eine RAL-Farbe, aber da gibt es nur ein Grün, das in die Richtung geht und das passt in den RGB-Farbcodes irgendwie nicht so zu den beiden Farben, die ich hier ermittelt habe. Und ungefähr beim Umrechnen von RAL in RGB verliere ich auch ganz schnell die Lust, es hat schon Gründe, weshalb ich keine Graphikdesignerin geworden bin.
  • Tag 1163 – Winter is coming.

    Jaja, ich weiß, bei Ihnen sind immernoch überall 35 Grad und Sie grillen und baden den ganzen Tag, aber hier ist der Winter-Struggle schon ein bisschen realer. Wir haben zwar etwa genau das Wetter, was ich in Trondheim immer vermisst habe, nämlich… naja hauptsächlich trockenes und vor allem beständigeres, die Sonne scheint und die Luft ist klar und herbstlich und das alles ist einfach perfekt, geht aber mit Kälte einher. Nachts frierts und morgens friert Michel auf seinem Fahrrad. Tagsüber blieb es dann in den letzten Tagen auch frisch, maximal 8 Grad heute, aber so muss das im Herbst ja auch sein. Ich finde das jedenfalls ganz wunderbar und schiebe es einzig und allein auf die Herbstluft, dass mein seltsamer Reiz(?)-Husten endlich fast weg ist.

    Pünktlich zu diesen Herbstgefühlen kam heute ein Zettel mit Michel aus der Schule, darauf Werbung für den Skiverein. Michel war gleich Feuer und Flamme und probiert das nächste Woche mal aus. Ich werde jetzt also, of all things, Skimutter, und morgen wird meine erste Amtshandlung darin bestehen, den Verein zu kontaktieren, was die Kinder denn brauchen. Muss jedes Kind einen Eimer Schnee mitbringen? Man weiß es nicht. Dann wird Michel neue Ski brauchen, denn die Kinderski sind viel zu kurz, Wollsocken haben wir neulich neue gekauft, Wollunterwäsche auch. Heute haben wir außerdem Winterstiefel für Michel gekauft, mit super dickem Futter, als Dauer-an-den-Füßen-Friererin bin ich fast ein bisschen neidisch. Einen Winteranzug hat er noch, den mag er zwar nicht, weil ja nur Babies Einteiler tragen, aber das Ding hat über 1000 Kronen gekostet, das wird angezogen, bumms aus. Der muss nochmal imprägniert werden. Die Schuhe auch. Bei Pippis Sachen muss ich noch schauen, was davon noch passt, jedenfalls habe ich schon einen gefütterten Regenanzug und mindestens einen Schneeanzug gefunden, der ihr passen müsste. Bei den Winterstiefeln hege ich gewisse Zweifel, ihre Füße sind schon recht groß und eventuell einfach zu groß um das letzte Paar Winterstiefel, das Michel nicht komplett abgerockt hat, auftragen zu können. Dann müssen wir noch mal Winterstiefel kaufen. Ächz.

    Winter is coming, Winter is making a lot of Arbeit and Winter is schon auch teuer.

    Tag 1162 – Laune.

    Morgen muss produktiver werden, denn heute Abend ist meine Laune so im Keller, dass ich von Grundschule bis Zäpfchenfabrik alles anzünden möchte. Ich werd jetzt auch nur noch schauen, ob die eine Schnecke ihr Gelege, von dem ich gestern nur drei Eier fand, fertig gelegt hat und dann werde ich ins Bett fallen und hoffentlich nicht mehr grollen weil einfach alles heute so super kacke war.

    Tag 1161 – Irgendwo in Skandinavien.

    Pippi und ich sind wieder zu Hause. Was gut ist, im Krankenhaus hätte ich sonst heute wen umgebracht, weil sich eine ganz schlechte Nacht, PMS und die missglückte Lieferung unseres Krams aus Deutschland ganz ungünstig auf meine Laune auswirkten. Der Spediteur kam nämlich heute *nicht* um zwölf, wie er gestern Abend (was ja auch schon totaaaaal weit im Voraus und super gut für uns planbar war) angekündigt hatte, sondern um zehn. Und dabei hatte er den Schrank, den Stuhl, den Lampenfuß und drei Umzugskartons. Drei. Es waren 13. 10 unserer Umzugskartons, nämlich

    • 6 mit Büchern
    • 2 mit CDs und
    • 2 mit Küchen- und Dekokram

    sind verschollen. 7 sind angeblich in Umeå und der Spediteur meint, das seien alle, das könne gar nicht sein, dass er die anderen vielleicht in Linköping vergessen habe, wir hätten nur sieben weitere gehabt. Äh, nein, es waren 10, die stehen auf der Liste und wir haben Fotos davon und ich will verdammt noch mal meine Bücher haben. Die sieben in Umeå versehentlich ausgeladenen Kartons werden vermutlich im Dezember abgeholt, da fährt der Spediteur nämlich nach Tromsø und kommt dann ja quasi da vorbei.

    Ich bin etwas sehr angesäuert. Das einzige, was mich besänftigt ist mein Schatz Schrank. (Wechselt vielleicht noch in die Küche, das müssen wir mal messen, andererseits: was soll dann da ins Wohnzimmer? Hmm.)

    Der sieht so klein aus. Das Ding ist riesig. Und ich liebe es.

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    Auto-Lobhudelei: Keinen gebissen, noch nicht mal wen angeschrien, dafür immerhin versucht, wen anzurufen (der dann aber nicht dranging).

    Tag 1160 – Flink.

    Vorweg: es ist alles gut gegangen, Pippi ist jetzt Mandelfrei, hat kaum Schmerzen und ist generell eigentlich wie immer.

    Wir sind heute morgen aufgebrochen wie geplant, Pippi hat ungeplant im Auto nicht geschlafen, und wir haben ungeplant ein wenig im Stau gestanden, deswegen waren wir ungeplant etwas zu spät.Ging aber auch noch alles, Pippi wurde direkt Emla-verpflastert und es kamen erst der Chirurg und dann der Anesthesist. Letzterer war toll, ersterer… naja. Es kann ja auch nicht nur sympathische Norweger geben. Pippi nahm alles Warten gelassen hin, sagte aber immer wieder, dass sie Hunger habe, das ist natürlich ungünstig. Dann wurde es aber schon spannend, weil ich mir ein Haarnetz aufsetzen musste und einen Kittel überwerfen und dann ging es in den OP. Pippi zählte auf dem Weg dahin die Haarnetze und war bezaubernd wie immer. Im OP bekam sie dann wegen der etwas kurzen Einwirkzeit der Emla-Creme doch eine kleine Gasbetäubung, was sie so lange lustig fand, bis ihr schwummrig wurde, aber da war es auch schon fast gegessen und die Augen fielen einfach zu. Dann wurde ich rausgeschickt und das war dann einigermaßen fies für mich, das Warten.

    Ich holte Kaffee, parkte das Auto um, aß ein Croissant, sagte einen Arzttermin in zwei Wochen in Trondheim ab und dann war von der angekündigten Stunde immer noch viel zu viel übrig.Irgendwann war es dann aber doch vorbei und ich durfte wieder rein. Pippi schlief, hatte aber schon keine Schläuche mehr irgendwo. Sie schlief ganz friedlich noch fünf Minuten und setzte sich dann ruckartig auf, guckte sich verwirrt um, guckte auf ihren Fuß, sah die Sauerstoffklemme am Zeh und rupfte sie sich mit den Worten „Muss Finger sein!“ ab – um sie sich an den Finger zu klemmen. Vor dem Gas hatten sie ihr gezeigt, wie das geht mit dieser Klemme und das musste nachher natürlich auch so sein.

    Dann… warteten wir. Darauf, dass wir auf die Station durften. Zwei Stunden. Pippi aß Eis und trank Saft mit Eis und zupfte am Zugang in der Hand und dann guckten wir ein Buch an und dann war das aber auch alles blöd und Pippi ungeduldig und hungrig und dann durften wir endlich auf die Station. Da guckte Pippi ein bisschen Peppa Wutz, wollte aber schon Ball spielen und als es Essen gab, war sie nicht mehr zu halten. Alle guten Ratschläge der Krankenpflegerin flogen zum Fenster raus, weil es Pfannkuchen gab. Pippi aß drei Pfannkuchen, ein großes Eis und einen Dreiviertel Joghurt. Ich war schon kurz davor um ne Nierenschale zu bitten, die wir mit aufs Zimmer nehmen könnten, aber Pippi war einfach fröhlich und jetzt auch satt.

    Nach dem Essen erkundeten wir die Spielecke und die haben da doch echt so nen Mini-Tesla! Pippi war im Himmel, Ich war ein bisschen enttäuscht, dass ich doch ein bisschen zu groß für das Auto bin.

    Irgendwann bekam ich Pippi, die sich ja noch nicht anstrengen soll, schon mal gar nicht heute, doch wieder ins Zimmer, und inzwischen hatten wir eine Zimmernachbarin bekommen. Tja, hmm, wie sag ich das jetzt: Ich werd mit der Mama von dem anderen Mädchen wohl eher keine Freundinnen, aus ganz, GANZ vielen Gründen. Es gibt schon echt seltsame Menschen.

    Herr Rabe kam und holte das Auto und Pippi sah Peppa Wutz. Irgendwann wurde mir langweilig und sie unruhig, deshalb gab es keinen Nagellack für mich, dafür Zäpfchen für sie und dann ging es wieder. Wir aßen Abendessen, Pippi aß wieder den ganzen Teller leer („Mehr Möhren, Mama!“) und ich dachte, sie würde danach vielleicht ein bisschen schlafen, aber nein. Ich stolperte derweil über eine echt interessante Stelle und so habe ich zwar heute nicht meine Fingernägel lackiert und schlafe (offensichtlich) immer noch nicht, aber ich hab tatsächlich eine Bewerbung geschrieben. Pippi und ich hielten dann Pippi wach bis zur abendlichen Schmerzmittelgabe, hätte ich gewusst, dass die um neun erst ist und nicht um acht hätte ich Pippi doch um sieben schon ins Bett komplimentiert, die war nämlich eigentlich schon total fertig – verständlicherweise.

    Insgesamt bin ich von den norwegischen Krankenhäusern immer wieder ganz stark positiv überrascht. Das hier ist echt ok und gar kein Vergleich zu manchen deutschen Krankenhäusern, die ich von innen sehen durfte. Vor allem wirkt keiner so gestresst oder abgekämpft. Ich glaube, es ist auch für Pippi ein okayes Erlebnis. Und immer wenn die Stimmung kippt, holen wir halt ein Eis.

    Und ich bin froh, dass das schlimmste überstanden ist.

    Tag 1159 – Platt und bereit.

    Dieses Wochenende waren insgesamt 10 verschiedene, andere Kinder als unsere eigenen hier. Das war zwar wirklich sehr schön aber auch etwas viel, dementsprechend liegt die U7 hier auch schon eine Weile und schläft. Ich habe Pippis und meine Sachen für die Operation und eine anschließende Übernachtung im Krankenhaus gepackt, den Anmeldekram ausgefüllt und bei den Nachbarn konnten wir Emla-Pflaster schnorren, ich hab nämlich vergessen, dass wir ja welche brauchen, also vielleicht jedenfalls, vielleicht auch nicht, weil die das da sicher selbst haben. Wir werden sehen. Jedenfalls habe ich TipToi-Bücher und iPad und „Bebi“, die Puppe, wobei Pippi alle ihre Kuscheltiere Bebi nennt, eingepackt. Und meinen Computer, falls ich ne Bewerbung schreiben will, ein Buch, Nagellack, eine Gesichtsmaske und ein paar Beutel Tee. Morgen um sechs Uhr fahren wir hier los, Pippi nüchtern und ich mit einem Kaffee auf die Faust und dann hoffen wir mal, dass sie auch morgen operiert wird und sie uns nicht wegen der Schnodderei von vor zwei Wochen oder der PFAPA-Episode letzte Woche wieder nach Hause schicken.

    Es ist alles sehr aufregend (für mich, Pippi scheint nur den Teil mit „… und hinterher darfst du ganz viel Eis essen!“ zu verstehen) und ich hoffe ich kann gleich schlafen.

    Tag 1158 – Kindergeburtstag ohne Motto.

    Nicht dass Sie jetzt denken, ich würde jetzt zur großen Mottogeburtstagskeule ausholen. Nichts läge mir ferner. Ich bewundere bei anderen immer die ausgeklügelten Dekos und Menüs und die Liebe zum Detail und am ehesten seufze ich, weil ich das einfach nicht auf die Kette kriege. Aber sein wir mal ehrlich: mir ist es das auch nicht wert. Wochenlang vorher anfangen zu planen und Deko ordern und Kostüme überlegen, und am Ende weint das Geburtstagskind doch wegen Überforderung wie jedes Jahr und irgendwelche Kinder mögen nur Grillwürstchen und nicht die extra vom Schlachter angefertigten Ninjago-Gesichtswurst-Scheiben, wenn ich für viel weniger Mühe das gleiche Ergebnis haben kann: dann nehme ich, grundsätzlich und in den letzten beiden Jahren besonders, das mit dem Beine hochlegen.

    Bestimmt irgendwie Vandalismus oder so.

    Heute überlegte ich mir spontan, dass man das halbwegs okay-ishe Wetter ja für eine Schnitzeljagd nutzen könnte. Sprach das mit Michel ab und… gebongt. Schnitzeljagd it was. Wenn wir das nicht gemacht hätten, hätte es halt Spiele zu Hause gegeben, Standardsachen, die ich noch aus meiner Kindheit kenne und die wenig bis keiner Vorbereitung bedürfen. So bastelte ich heute Mittag spontan einen Schatz:

    Bei dem Teil mit dem Glitzerkleber übernahm Michel, der neugierig um die Ecke gelugt hatte. Der Glitzerkleber in den dicken Würsten wurde dann auch nicht mehr rechtzeitig trocken und ich glitzerte wegen „Huch, Mist, doch reingepackt!“ so vor mich hin.

    Dann schnitt und riss ich aus einem Reststück signalrotem Sweatstoff Streifen und machte mich kurz nach Ankunft fast aller Gäste auf den Weg.

    Und es war wie erwartet. Die Kinder hatten einen Heidenspaß und liefen wenigstens ein paar der schnellen Kohlehydrate aus den Muffins wieder raus. Sie fanden alle Schnitzel super fix, den Schatz (der ist ja auch brilliant versteckt, quasi unsichtbar) aber erst nach fünf Minuten suchen. Alle waren happy, drei kletterten auf die Schanze und zwei kamen nach einem scharfen „Runter da jetzt sofort!“ in Mommy-Voice auch wieder runter. Das dritte… kam auch irgendwann und ganz, äh, selbstbestimmt wieder runter, aber das wird dann eher nicht so oft zu uns kommen können, sowas geht nicht, während zwei schon mit hängenden Ohren die Schanze wieder runterkommen, noch extra schnell extra weit und extra nah am ungesicherten Rand hochlaufen. Aber egal, es war eben schon richtig schön, die Kinder hatten Spaß und frische Luft und klar, später hat das Geburtstagskind geweint und eins hat was geschenkt, was ich blöd finde und ein Kind mag keine Wiener und eins findet unseren Ketchup eklig und Herr Rabe hat Saft statt Brause gemischt, aber es hatten am Ende doch alle einen tollen Tag.

    Ich glaube, das eine Mädchen ganz in Rosa, die (als einzige) beherzt ihren ganzen Arm in einen morschen Baumstamm steckte und mit mir ein paar riesige, innen schon modrige, Pfifferlinge untersuchte, hat im Gästebad mit meinen Schminkpinseln gespielt, ob bleibende Schäden entstanden sind, sehe ich erst morgen, aber ich finde das gar nicht so dramatisch. Solange es nur die Pinsel sind und nicht die Schminke selbst… und ich merke mir halt vor: besser wegstellen. Und wenn sie nochmal kommt, zeige ich ihr gern was man damit macht und wieso die nicht nass werden sollen.

    Die Horde auf der Suche.

    Doch, es war ein schönes Fest. Und ganz entspannt.

    Tag 1157 – #12von12 im Oktober ‘18.

    Heute ist schon wieder, wie ich feststellte, nachdem ich Pippi in den Kindergarten gebracht hatte, der 12. und das heißt, halb Bloggerhausen macht 12 Fotos vom Tag und verlinkt das ganze bei Caro von Draußen nur Kännchen, wo man dann viele viele bunte und nicht so bunte Bildersammlungen anschauen kann.

    Hier heute ein gänzlich unspektakulären Tag. Ich war also spät dran, dieses hier ist also mein 2. Kaffee.

    Etwas mickriges Frühstück mit Aussicht auf Lego. #1von12 von #12von12

    Nach dem Kaffee machte ich mich an die „Arbeit“. Der Chipsmann weilt zu Hause und hat das W-LAN mitgenommen und zusätzlich das Labor offiziell geschlossen, also kann ich in der Chipsfabrik nix tun. So schade.

    Ausblick aus dem Sofaoffice. #2von12 von #12von12

    Nach ausgiebiger Prokrastiniererei kriege ich immerhin eine Bewerbung geschrieben und verschickt. Manchmal ist das halt einfach eher zäh.

    Symbolbild Bewerbung unterschreiben. #3von12 von #12von12

    Das viele „Arbeiten“ hat mich hungrig gemacht. Ich möchte ein Schwein auf Toast, aber es wird dann doch das hier:

    Zum Mittag ein bisschen Gemüse. #4von12 von #12von12

    Nebenher mache ich Wäsche. Nein, wir haben keine rote Phase, aber wir trennen unsere 40-Grad-Wäsche in hell, dunkel, weiß und rot. Für eine Maschine rot sammeln wir halt ca. 4 Wochen, für eine Maschine weiß noch viel länger (oder wir waschen dann halt irgendwann eine nicht volle Maschine, wenn ich dringend eine weiße Unterhose brauche).

    „Homeofficetage sind Wäschetage“ sagt @herrpaul_ . #5von12 von #12von12

    Es folgt noch ein wenig „Arbeit“. Ich schreibe einen nutzlosen Bericht für den Chipsmann. Nutzlos weil er den hoffentlich nicht benutzen wird und wenn, dann nicht mit meinem Namen drauf. Mikroalgen sind taxonomisch in der WoRMS-Datenbank verzeichnet. WoRMS. Muhahaha.

    Bei manchen Akronymen hatten die Ausdenker*Innen doch auch ein paar Schnaps zu viel. #6von12 von #12von12

    Ich schicke alles ab und mache mich dann auf den Weg zur Apotheke, abgelaufene Medikamente abgeben und die Spirale holen.

    Be- und Entsorgungen machen. #MedizinAusmisten #7von12 von 12von12

    Bei der Spirale kriege ich erst fast einen Herzinfarkt und dann einen Lachanfall über meine Erschrockenheit. Die Apothekerin lacht mit, was gut ist, ich will nicht in der einzigen Apotheke im Ort als „die, die dachte, ihr wird eine armlange Spirale implantiert“ verschrien sein.

    Wie mir beim Abholen der Hormonspirale aus der Apotheke ein „Herregud!“ Entfleuchte. #WasDenkenDieWievielPlatzDaIst #MeinArmIstGradSoLangGenugDassEsAufsFotoPasst #Alter #8von12 von #12von12

    Danach hole ich Pippi ab. Pippi war heute wieder gesund (gestern eigentlich auch und dann ging sie Herrn Rabe ordentlich auf die Nerven) und ein (hoffentlich*) letztes Mal in diesem Kindergarten und… hat ihre Muffin-Mütze verschlürt. Super.

    Diese kleine Rübennase hat am letzten Tag im 25 km entfernten Kindergarten ihre (selbstgenähte) Mütze verschlürt 🙄. #8von12 von #12von12

    Nach zwei Minuten Autofahrt schläft sie ein, den Mund voller Vollkornbrot. Zu Hause wacht sie zwar kurz auf, aber nur um sich nochmal bequemer hinzulegen. Auf mich.

    Das passiert ja auch nur noch eher selten. Ist aber (mal!) ganz schön. #9von12 von #12von12

    Das ist so gemütlich, dass ich auch einschlafe und Michel doch ein wenig mehr fernsehen darf, weil ich ihm den Fernseher nicht abschalten kann. Herr Rabe macht essen, wir essen in Etappen, denn Michel will ins Bett. Pippi isst drei Crepes und will dann auch wieder ins Bett, findet aber nicht gut, dass sie dafür ihren Peppa Wutz-Schlüpper ausziehen soll. „Ich bin ein Schuljunge, kein Baby!“ argumentiert sie nahezu messerscharf. Ich setze mich mit der Windel trotzdem durch, es klappt zwar in vielen Nächten schon mit dem aufs Klo gehen, in manchen aber nicht und… nee. Eine Woche trocken, dann können wirs mal ohne probieren.

    Nach dem Ins-Bett-Bringen ruft meine Mutter an und das dauert ein wenig und dann gibt es Freitagabendalk zum Backen. Morgen ist Kindergeburtstag, da wurden Muffins und kleine Kuchen gewünscht.

    Wir müssen jetzt noch Muffins für den Kindergeburtstag machen und mein Bier hat nicht mal ein Label. #10von12 von #12von12

    Und wie das so ist fallen wir irgendwie in ein Zeitloch und plötzlich ist es Zeit für Schnaps.

    Huchsospätschon. #11von12 von #12von12

    Aber wir werden fertig und Herr Rabe verziert alles so viel gewissenhafter als ich, ich fühle mich schon richtig schlecht.

    Das fertige Werk. #Uffz #AbInsBett #12von12 von #12von12