Tag 1396 – Noch drei Tage drei.

Gestörtes Verhältnis zu ungeraden Zahlen, man kennt das. Ich leide seit 97 Tagen.

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Heute so: Kinder weggebracht, einziger Tag diese Woche, Montag bis Donnerstag habe ich immer abgeholt und dafür halt super früh den Bus genommen, damit ich vor acht bei der Arbeit bin. Schlaucht. Morgens Die Kinder wegbringen schlaucht allerdings auch. Michel macht ja einigermaßen mit, der trödelt nur, aber Prinzessin Sturkopf ist halt morgens schlecht drauf UND hat ihre ganz eigenen Ideen von allem und das strengt an. Heute zum Beispiel wollte sie den Werkzeugkoffer samt Inhalt mit in den Kindergarten nehmen. Ich sagte, sie könne eine Sache aus dem Koffer mitnehmen, „aber nicht den ganzen Koffer!“, woraufhin sie den Koffer in ihren Rucksack ausleerte und alles mitnahm, außer dem Koffer selbst. Widerstand durch Eltern zwecklos, es sei denn man will weitere 20 Minuten vergeuden, weil das Kind schreulend auf dem Boden liegt.

Bei der Arbeit: guter Tag. Dinge getan, die sich erwachsen und kompetent und ernst genommen anfühlten. Außerdem weiter ausgebildet worden zur Behandlung von (internationalen) Qualitätsfehlern, weil ich Ende Juli da „Vikar“ sein werde, also katholischer Geistlicher Vertretung für die Frau, die das bei uns hauptamtlich macht. Das ist Teil meiner Jobbeschreibung als Inspektørin und ich glaube, ich werde da Spaß dran haben, jedenfalls hatte ich an der Einarbeitung schon viel Spaß. Ich kann ja inzwischen auch sehr gut damit leben, überall Streberin und flink pike zu sein, habe ich heute gemerkt, weil natürlich hatte ich die Hausaufgabe gemacht und natürlich hatte ich die SOP frisch ausgedruckt dabei. Wenn sowas anderen aus der Gruppe nicht gefällt sagt das ja mehr über sie aus als über mich, ne? Jedenfalls freue ich mich darauf, da Geistliche Vertreterin zu sein. (Trotzdem bitte nicht in den Reaktor spucken, falls Sie bei einem Pharmaunternehmen arbeiten. Danke.)

Die Verabschiedung der Kollegin war einigermaßen traurig für mich. Für die meisten anderen war sie wohl eher heiter. Die meisten anderen sind auch schon lange da und machen sich nicht so viele Gedanken drum, dass nun innerhalb von 6 Monaten 3 Inspektørinnen gekündigt haben und ob das wohl möglicherweise irgendwas bedeuten soll. Ich mag den Job aber weiterhin.

Außerdem heute Geld ausgegeben. Ich hoffe auf Enthüllung am Dienstag, dann sollte was in der Post sein, das dann hoffentlich was erklärt, das mich ein gutes Stück voranbringen sollte, mit dem letzten Jahr abzuschließen. Aber Geld ausgeben geht schon mal und ich brauche wirklich neue Sommerschuhe – meine Chucks fallen auseinander und die letztes Jahr reduziert gekauften haben mir in den letzten Tagen in kürzester Zeit furchtbare Blasen beschert. Für sowas ist das Leben zu kurz. Im Vorbeigehen heute außerdem Birkenstock’s hübsch gefunden. Es geht vielleicht auch einfach zu Ende mit mir.

Nun Bett. Noch ist kein Kind hier, das muss genutzt werden.

Tag 1395 – Routine.

Heute alles wie immer, keine speziellen Vorkommnisse. Ich bekam am Bahnhof ein Brötchen geschenkt, denn es ist Wahlkampf, Kommunalwahlen stehen an. Das Brötchen kam von der Høyre („Rechts“, aber das klingt schlimmer als es ist, die sind halt schon sehr konservativ, aber nicht rechts wie man im deutschen Sinne denkt), nicht dass ich die wählen würde aber immerhin hat es mich dazu bewegt, zu googeln, ob wir bei den Kommunalwahlen wahlberechtigt sind. Ja, sind wir! Zum ersten Mal, denn bei den letzten Kommunalwahlen vor 4 Jahren waren wir noch nicht lange genug in Norwegen als Einwohner registriert. Wir könnten sogar gewählt werden, also auf kommunaler Ebene.

Arbeitstag: unspannend. Arschkarte verschickt und damit abgehakt. Ein Zusatz-Aushilfs-Jöbchen im Nachbarteam (Zulassungen und Zertifikate) gewonnen, bis zu den Ferien.

Abends doch kein so schlimmes Gewitter wie erwartet. Ich bin nicht traurig drum, ein paar der Pflanzen erholen sich noch vom Hagel.

Tag 1394 – Feste feiern.

Die Zeit der Sommerfeste ist angebrochen. Montag schickte mir Herr Rabe eine SMS, es sei Sommerfest im Kindergarten, am 5. Ich schrieb reflexhaft zurück „OK!“, drei Sekunden später hatten meine Synapsen dann etwas mehr gefunkt und ich schrieb noch „Das ist ja übermorgen!“ zurück. Tjanun. Also bin ich heute wirklich pünktlich gegangen, habe meinen Kaffeedurst (bei der Arbeit ist die Kaffeemaschine auf meiner Etage kaputt) ignoriert, habe meine heraufziehenden Kopfschmerzen ignoriert und bin zum Sommerfest gegangen. Pippi war schon ganz verzweifelt, weil ich erst um 16:12 kam und nicht um Punkt 16:00 Uhr. Dann hatte sie nur mäßig Lust auf Singen mit ihrer Gruppe, weil sie Hunger hatte und eigentlich schlafen wollte und überhaupt alles doof war, wir hatten auch keine Stühle dabei, sitzen war also auch nicht und als Michel kam benahm er sich sehr wenig respektvoll und ich musste ihn kurz zur Seite nehmen und sehr deutlich sagen, dass man „DAS IST EIN WEIHNACHTSLIED!!!“ für sich behalten kann, wenn sich grad so kleine Kinder so viel Mühe geben. Auch wenn es ein Weihnachtslied ist. Jedenfalls – Sommerfest im Kindergarten wird nicht meine Lieblingsbeschäftigung und ich war dann echt froh, als Pippi recht bald nach Würstchen und Kuchen nach Hause wollte. (Dort nahm ich dann zwei Ibuprofen und schlief 2 Stunden komatös auf dem Sofa, danach fühlten sich meine Augen nicht mehr an als müsste ich sie mal dehnen (!) und auch der Rest vom Kopf schien sich nicht mehr über der Nasenwurzel zusammenzuziehen. Ein Hoch auf die Pharmaindustrie.)

Nächste Woche ist dann Sommerfest von der Schule, da haben wir zwar schon vor Weihnachten ein Safe-the-Date bekommen, aber seither keine weitere Information, vielleicht packen wir einfach unseren kleinen Grill ein und schauen was passiert.

Und dann ist in drei Wochen ein kleines Sommerfest des Inspektorats bei unserer Chefin. Die wohnt leider von uns aus auf der anderen Seite von Oslo und ich muss mal fragen, ob sie ein Gästezimmer hat oder so, weil ich fürchte, von ihr zu mir abends nach Hause könnte gut zwei Stunden dauern…

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Morgen wird es super warm (also 29 Grad) und soeben kam eine Mail der Hausverwaltung des Werks, es sei zu erwarten, dass die Klimaanlage das nicht schafft, weil die zuerst die Feuchtigkeit beseitigt, dann erst die Luft kühlt. Gut, dass ich eben Sommersachen gebügelt habe. Ich denke jetzt einfach nicht weiter drüber nach, was das für ein Sche*ß ist, dass ein 2017 bezogenes und davor kernsaniertes Gebäude über eine derart schlechte Klimaanlage verfügt. Ist ja nur ein Tag, Freitag schon wieder nur 22 Grad, am Wochenende 17.

Tag 1393 – Mir geht’s gut.

Heute fragte jemand auf Twitter in die Runde, ob’s uns gut ginge. Ich dachte darüber sehr lange nach. Im ersten Moment dachte ich „klar!“, dann „naja…“, dann „alter, sei doch ein mal zufrieden, du olle Pessimistin“. Warum muss ich da so lange drüber nachdenken? Ich hab es doch gut. Ich habe

  • Zwei wunderbare und gesunde Kinder
  • Einen tollen Mann, der sich mit mir nicht nur die Bettdecke teilt sondern auch alles was nicht so schön ist
  • Einen normschönen und einigermaßen* gesunden Körper
  • Vorfahren, die machen, dass mir in unserer Gesellschaft keine rassistischen Nachteile widerfahren
  • Vorfahren, die machen, dass mir in unserer Gesellschaft keine klassistischen Nachteile wiederfuhren
  • Eine gute Bildung (hängt maßgeblich mit den beiden Punkten drüber zusammen)
  • Einen echt guten Job mit einem komfortablen Einkommen,…
  • … der mir darüber hinaus auch noch Spaß macht und mich intellektuell fordert
  • Ein Haus
  • Ein Auto
  • Einen Garten und Stockrosen die sehr gut auf verbotene Pflanzenschutzmittel Gebete ansprechen
  • Langsam sowas wie Freundschaften hier
  • Langsam lauwarmen Kontakt zu Menschen bei der Arbeit
  • Private Altersvorsorge weit überm norwegischen Durchschnitt

Ich lebe außerdem in Norwegen, wo es nicht dramatisch viel, aber schon spürbar gerechter zugeht als in Deutschland, was meinem gerechtigkeitsfanatischen Wesen sehr entgegen kommt.

Warum denke ich darüber also so lange nach? Habe ich „bist du glücklich?“ Gelesen, ohne dass es da stand? Gut möglich. Aber dann wieder die Folgefrage: warum mache ich das? Warum kann ich diese Frage noch viel weniger beantworten?

Ich weiß es nicht, ich habe eine Vermutung, die ist auch kein Geheimnis: das letzte Jahr war einfach zu krass, hat mich zu sehr aus der Bahn geworfen und, ja, auch beschädigt. Ich berapple mich weiterhin und klebe bunte Pflaster auf die hässlichen Risse in meinem Selbstwertgefühl, aber ganz verheilt sind die noch nicht. Ich bin deshalb immer in einer Habacht-Stellung, denke immer mit einem Teil meines Gehirns, dass das alles so schnell weg sein kann, vielleicht werd ich morgen gekündigt, wer weiß ob es Herr Rabe noch mal mit einer arbeitslosen und die Wände hochgehenden Frau aushalten würde? Jedenfalls ist es anstrengend so zu leben. Es wird langsam besser. Langsam. Ich kann ja mal was mit Ihnen und mir abmachen, als Versicherung, dass es selbst in dem Fall nicht der Weltuntergang wäre und ich auch damit klarkäme und es nicht erst wieder so werden muss wie letztes Jahr, ja? Wenn ich noch mal arbeitslos werden sollte, suche ich mir sofort, auf der Stelle und ohne Umwege eine*n Therapeuten*In. Ich weiß ja nun, dass das für mich so belastend ist, dass ich damit kaum selbst zurechtkomme, es hat keinen Sinn, es allein zu versuchen, wenn es doch Profis gibt, die das begleiten können.

So, das ist tatsächlich schon viel besser. Jetzt steht es da, jetzt muss ich es auch machen.

Also: Geht es mir gut? Ja, ausgesprochen.

Bin ich glücklich? Ja, auch das. Und wenn über alles ein dicker Teppich aus Mikroalgen gewachsen ist, muss ich auch über die Frage nicht mehr ewig nachdenken.

Und Ihnen? Geht es Ihnen gut?

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*ok, die Schilddrüse. Die vergesse ich immer, wenn ich grad gut eingestellt bin.

Tag 1392 – Autsch.

Ich bin ja eigentlich sehr vorhersehbar. Zum Beispiel ist die Kombination wenig Schlaf und überraschende, sehr gute Nachricht* ein Garant für Migräne. Und deshalb schleiche ich nun auch einfach ins Bett, möge es morgen besser sein.

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*Ich warte noch auf Bestätigung, aber es würde sich etwas auflösen, das wäre sehr schön. (Die Migräne nickt wissend.)

Tag 1391 – Bereit?

Eine Woche zur Probe 5 Tage arbeiten steht uns bevor, dann ist Pfingsten und dann keine Feiertage mehr bis Weihnachten. Das schockt mich jedes Jahr aufs Neue.

Ich bin nicht bereit für diese nächste Woche, zu viel hat mich dieses Wochenende beschäftigt und lässt mich nicht los.

Über Dead to me jedoch am Ende nach einiger Aufregung herzlich gelacht.

Die Stockrosen und der Malvenrost werden eine längere Geschichte, ich habe erstmal alle kranken Blätter abgeschnitten, aber der Pilz ist sogar im Stamm. Die Chemiekeule ist in Norwegen, wie mir im Gartencenter mitgeteilt wurde, verboten, ich habe noch ein bisschen Chemiekeule aus Prä-Norwegen-Beständen, aber das würde ich natürlich nie tun, verbotene Dinge, niemals. Ich sprühe also die Stockrosen nun täglich mit einer milchigen Flüssigkeit, die nichts außer Hoffnung und Sud aus Ackerschachtelhalm (was ist das überhaupt?) enthält, ein und hoffe auf das beste. Und bei Gelegenheit werde ich das Geld für die Stockrosen im Gartencenter, wo ich sie gekauft habe, zurückfordern.

Michel ist, wenn er nachts verschlafen angetapst kommt, sein IT-Konferenz-Goodie-Chamäleon fest im Griff, so niedlich, dass ich ihn fressen könnte. Das macht den Winkezahn (zweiter oberer Schneidezahn, der so locker ist, dass er eigentlich bei scharfem Einatmen durch den Mund schon ausfallen müsste) allemal wett. Was nicht ganz so niedlich ist, sind Michels Füße, die inzwischen, wenn er am Fußende liegt, ungefähr auf meiner Brusthöhe liegen. Ich kuschle also nachts mit Füßen, das ist nicht das, was mir die Familienbett-Kuschel-Werbemafia damals vorgegaukelt hat. Überhaupt finde ich, Kinder, die lesen, schreiben und selbständig MarioCart spielen können, könnten dann langsam mal in ihren Betten durchschlafen. (Aber das bin nur ich. Jedem Tierchen sein Plaisierchen, nicht wahr, wenn wer gern noch mit seinen pubertierenden Kindern das Bett teilt, bitte. Ich finde es langsam zu eng und hätte das Ehebett auch gern mal wieder nur für das Ehepaar des Hauses.)

Spät schlafen hilft nicht beim ausgeruhten Aufstehen morgen. Irgendwann lerne ich das.

Nun kam auch noch Pippi an, während ich tippte. In der Hand ihre halb gegessene Zuckerperlenkette, die sie nur durch unsere geballte pädagogische Kraft* zum Schlafen auf das Regal neben dem Bett zu legen bereit war. Es wird also eng heute Nacht.

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*nach viel Argumentation (gefährlich wegen Schnur, Zucker könnte alles vollschmieren, eh schon Zähne geputzt, könnte verloren gehen…) war die Ansage „Das kommt nicht mit ins Bett, fertig, ich zähle jetzt bis drei, wenn du die Kette bis dahin nicht Papa gegeben hast, nehme ich sie! Eins…“ und weiter muss man nie zählen. Ich möchte das eigentlich nicht, aber es funktioniert, im Gegensatz zum Argumentieren „auf Augenhöhe“**, sehr gut. Sie murrt dann auch nicht mehr. Ein Schelm wer „manche Kinder brauchen klare Ansagen“ dabei denkt.

**Augenhöhe wäre für mich aber auch, wenn mehr zurückkäme als „Nein!“ und „ICH WILL ABER!“, da kann ich genauso gut versuchen mit der nächstbesten Betonmauer auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Tag 1390 – Melancholie.

Während ich heute mit Pippi bei der Nachbarin war, wo Pippi spielte und Samstags-Süßigkeiten futterte und wieder spielte und dann noch einen Film guckte* und insgesamt eine gute Zeit hatte, wurden im Internet Graben abgesteckt. Wie so oft bei Diskussionen, bei denen irgendwie erwartet wird, dass man sich voll auf eine Seite schlägt und da dann bereit ist, bis aufs Blut zu kämpfen, fühle ich mich nirgends richtig zugehörig. Am ehesten möchte ich die Fahnen „Verständnis für die Gegenseite!“ und „Achtet bitte auf einen freundlichen Umgangston!“ schwenken. Aber diese Fahnen werden, das habe ich schon öfter so erlebt, gerne als irgendeiner Seite zugehörig (absichtlich?) missverstanden und deshalb sage ich in der aktuellen Grabensache nichts. Hoffentlich sind die Kämpfe bald vorbei, ohne dass sich wer über den eh schon entstandenen Schaden heraus was tut.

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Vielleicht bin ich zu empathisch. Ich. Wer hätte das für möglich gehalten.

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So macht das jedenfalls alles keinen Spaß in diesem Internet. Lieber weiter Dead To Me gucken. (Schauen Sie diese Serie. Sie ist sehr gut.)

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*Coco. Ich hab nur mit einem halben Auge hin geguckt und mit einem halben Ohr hingehört, aber am Ende trotzdem Rotz und Wasser geheult, vor der Nachbarin die ich doch kaum kenne. Naja. Vielleicht nicht das schlimmste, recht fix das „kalte, harte Deutsche“-Image aus dem Weg zu räumen.

Tag 1389 – Radieschen-Overkill.

Also, falls Sie eine Dreijährige zu Hause haben, die mit großer Begeisterung und einer sehr kleinen pinken Gießkanne Blumen und Beete gießt, dann Glückwunsch, denn das ist schon wirklich sehr sehr putzig. Aber dann trotzdem an dieser Stelle ein Tipp: zeigen Sie dieser Dreijährigen lieber nicht, dass die Radieschen ganz einfach aus der Erde zu ziehen sind, es sei denn, Sie wollen sehr viele zum Teil noch eher murmelgroße Radieschen essen. (Ok, es bleibt niedlich. „Die auch, Mama? Hmmm, das ist lecker, komm abwaschen.“)

Morgen dann also neue Radieschen aussähen. Und Möhrensamen kaufen, unsere sind offenbar zu alt.

Ansonsten heute den Tag gut rumgebracht, ein Brot gebacken, mit Pippi draußen gewesen, als wir Michel bei seinem Freund ablieferten, Pippi zu einem Mittagsschlaf überredet (sie scheint auf dem Weg der Besserung zu sein, denn sie wollte nicht schlafen, zum ersten Mal seit Ende letzter Woche) und dann ein bisschen gearbeitet, echt nur ein bisschen aber nun ist der Kopf frei fürs Wochenende. Die Eltern von Michels Freund haben ein Problem mit der Erdbeerbewässerung und ich überlegte kurz, ob ich Pippi und ihre pinke Minigießkanne wohl vermieten könnte, aber Kinderarbeit ist ja verboten, sowas aber auch.

Die Erdbeeren der Freunde haben nicht nur ein Bewässerungsproblem sondern haben auch ein Hagelproblem gehabt, die Freunde fürchten, die erste Runde Erdbeeren könnte komplett deformiert werden, weil die Blüten und Fruchtansätze zerschlagen wurden. Hier sieht es weiterhin mitteltraurig aus, einiges überlebt vielleicht, einiges ziemlich sicher nicht, Rhabarber und Radieschen müssen halt jetzt schon mal gegessen werden, zumindest die besonders stark geschädigten Pflanzen/-teile. Die Stockrosen aus dem Gartencenter haben irgendwas, Pilz oder so, eklig. [Kurz gegoogelt: Malvenrost. Awesome.] Leider waren die teuer und jetzt weiß ich auch nicht. Vielleicht Chemiekeule.

Jetzt möchte ich noch mit Herrn Rabe „Dead to me“ weiterschauen, das trifft zufällig thematisch auch ein major Internet-Thema heute, das mich auch beschäftigt, für das ich aber noch keine richtigen Worte finde, also vielleicht später, oder auch nie, meist braucht es bei dieser Art Themen nicht auch noch meine Meinung in dem Wust aus Gebrüll und Betroffenheit.

Tag 1388 – Faultiertag.

Wir haben heute eigentlich fast gar nix gemacht. Das war super. Ein bisschen ungeplant, aber das Wetter war mies und mit Rotze-Pippi ins Schwimmbad wär sicher keine gute Idee gewesen, also gab es stattdessen Mittagsschlaf für Pippi und Herrn Rabe, Nachmittagsschläfchen für mich, ein wenig ausgehaltene Langeweile für Michel und ganz viel Ruhe für alle. Gut, am Ende des Tages gingen die Kinder ein wenig die Wände hoch, aber ich hoffe wirklich, dass es für Pippis Erkältung was gebracht hat, die schleppt sie ja nun auch schon wieder zwei Wochen mit sich rum. Was sie nicht davon abhält, mit großer Energie Grenzen zu testen, leider. Huff. Heute hatten wir wieder ein „Gespräch“, das darin endete, dass ich fragte „Hast du verstanden, was du nicht machen sollst?“ – „Den Föhn schmeißen.“ – „Warum hast du denn den Föhn geschmissen?“ – „Ich war sauer. Ich wollte dass du mir Socken holst und du hast nein gesagt.“ – „Ja, du warst sauer. Aber du darfst dann nicht immer Sachen schmeißen. Die können kaputt gehen und du kannst dir weh tun.“ – „Ja. … kannst du mir Socken holen?“ Gespräch mit Gänsefüßchen, weil sie halt erst was schmeißt und dann heult, wenn wir dann auch lauter werden. Das heißt, man muss, bevor man überhaupt mit ihr reden kann, abwarten bis der Zorn verraucht ist und gegebenenfalls trösten, dabei versuchen, auch selbst runterzukommen, weil mit dem Föhn schmeißen, ich meine, hakt’s??? Und überhaupt. Erziehung von dickköpfigen kleinen Rübennasen kriegt von mir lieb gemeinte 3/10 Punkten, macht einfach gar keinen Spaß und ist furchtbar viel Arbeit.

Ha, eins ist doch passiert: Herr Rabe hat unser kleines Lagerräumchen aufgeräumt. Das war nötig, aber wie nötig es wirklich war sieht man eigentlich erst jetzt, man kann sich nämlich plötzlich zu zweit darin aufhalten und noch umdrehen, Hammer. Note an uns: wir haben Eierfarben und sie sind bei der Osterdeko. Im bod.

Tag 1387 – Bjutidinge.

Lange keinen Bjuticontent mehr gehabt, hmm? Heute waren aber zwei Sachen, die wert* sind, festgehalten zu werden.

1. heute morgen schminkte ich mich, wie immer. Aber nicht ganz wie immer, denn mein einer Concealer war leer und ich habe noch so viele angebrochene, also nahm ich einen, den ich schon länger nicht benutzt hatte und nicht mehr wusste, warum. Farbe passte auch, ich wusste also wirklich nicht warum, bis ich im Bus saß und meine Augen einfach liefen und brannten und alles ganz schrecklich unangenehm war. Also entweder der war immer schon kacke** oder, was wahrscheinlicher ist, weil ich Sachen, die ich offenbar nicht vertrage, eigentlich direkt wegschmeiße, er ist schlecht geworden. Ich verbrachte also eine unentspannte Zugfahrt damit, mir Gedanken zu machen, welche augenfressenden Bakterien ich da auf der Haut hab und ob ich mir grad eine fiese Bindehautentzündung hole. Bei der Arbeit ging ich direkt in den Keller, immernoch mit laufenden Augen, und wusch mich. Weil ich heute zum Sport wollte***, hatte ich Abschminkzeug dabei und sogar ein kleines Schminkset mit dem nötigsten****, aber weil ich aussah wie ein Maulwurf und befürchtete, mir eventuell noch die Wimperntusche zu kontaminieren, sah ich vom neu schminken erstmal ab. Es hat mich niemand drauf angesprochen, aber ich hätte genauso gut ohne BH arbeiten oder ohne Schuhe können, da hätte ich mich genau so seltsam und, ja, ein bisschen nackt gefühlt. Umso froher war ich, als nach zweieinhalb Stunden das Brennen endgültig weg war und mein Computer eh Herunterfahrbedarf meldete, da ging ich mich schminken.

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2. ich war bei einem neuen Friseur. Und es war super. Shadi ist Syrer, hat einen Salon inanauf Grünerløkka und schneidet schnell, günstig und gut. Ich teste ja gern neue Friseur*Innen, indem ich einige wenige sehr konkrete Ansagen mache und sie ansonsten machen lasse und gucke, was draus wird. Habe ich am Ende „feminine Fransen“ im Gesicht oder den Hinterkopf auftoupiert und -geföhnt, ist das nicht so gut. Habe ich hinterher wirklich super kurze Haare, einen rasierten Nacken und fummle mir dauernd in den paar Millimetern am Hinterkopf rum, ist das gut. So möchte ich das.

Jo, bissl Butch, aber das ist schon ok bzw. dürfte sich durch Verminderung des Gel-Einsatzes deutlich verringern.

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*wert und wert, ne? Ich hadere im Moment wieder öfter. Das will doch eh keiner lesen, denke ich. Und dann schreib ich’s trotzdem und es lesen Leute trotzdem und dann red ich mir wieder ein, dass ich ja gaaaaanz allein für mich schreibe, aber sein wir mal ehrlich: dann ginge auch ein Tagebuch in der Nachttischschublade.

**im Sinne von „vertrage ich nicht“

***das schaffte ich dann nicht, weil ein Meeting überzogen wurde und dann ein weiteres sich verschob

****einzelne Bestandteile sind sehr konstant (Mascara, getönte Tagescreme), andere variabel, im Moment: Augenbrauenstift, Under-Eye-Highlighter (weil man den gut mit den Fingern verteilen kann und keinen Pinsel braucht) und Rouge.