Tag 1009 – Sonnentag.

Unerwartet gutes Wetter heute, also gingen wir einfach an den Strand und Baden und ich ging ein paar Kleinigkeiten einkaufen und dann gingen wir Essen und dann war der Tag irgendwie sowie auch schon fast um.

Kleinigkeiten: ich liebe es ja, im Urlaub neuen Süßkram auszuprobieren. Heute kaufte ich so Waffeldinger, wie Männer-Waffeln, aber mit Zitronencreme drin. Mjammi! Was ich allerdings nicht vermissen werde: das Mineralwasser hier schmeckt richtig salzig. Bah.

Essen: es ist so ein Ding mit den Kindern. Die können sich schon benehmen. Wenn es Pommes gibt und es noch nicht allzu spät ist. Heute war es spät und es gab keine Pommes. Das ergab dann eine elende Spielerei mit der Salzmühle, bis sich Michel sein Brot so versalzen hatte, dass er’s nicht mehr mochte, Pippi verkrümelte eine Scheibe Brot überall und warf tausendundeine Sache mehr oder weniger absichtlich vom Tisch und dann noch ihr Glas um, kein Kind aß nennenswert was und Herr Rabe und ich waren recht gehetzt beim Essen. Das macht so ja auch nicht so viel Spaß. Vielleicht gehen wir doch dazu über, für solche Fälle immer das iPad dabeizuhaben, denn im Urlaub nicht mehr essen gehen? Kommt nicht in Frage. Dazu kam noch, dass Michel eine trockene Hautstelle am Po hat und (wie grad jeden Tag abends wegen irgendwelchen random Gründen) ein Heidentheater veranstaltete, dass man meinen konnte, es fräßen ihn grad die Lake Lachrymose Leeches* bei lebendigem Leib vom Po her auf. Wundersamer weise war das ganze Trara nach dem Verzehr eines am Kiosk gekauften Eises vergessen.

Pippi singt gern das Kaptein Sabeltann**-Lied. Aber statt „snart er skatten vår!“ [bald ist der Schatz unser!] singt sie „snart er katten vår!“ [bald ist die Katze unsre!] und das ist schon sehr niedlich. Auch wenn sie mit typisch norwegischem Sprachfehler – geschlagenes r wird zu l – weitersingt „så kan vi ta de‘ looooli‘ de neste hundle åååål!“. Hachja. Heute sagte ich zu ihr übrigens „Komm, Süße!“ und bekam zurück „Ich bin keine Süße! Ich bin Pippi.“ Okay, Süße!

___

*Frau Brüllen hat eh oft recht und Lemony Snicket bei Netflix ist wirklich eine tolle Serie.

**Käpt’n Säbelzahn, das kennen alle norwegischen Kinder. (Dafür kennen die Wickie nicht, die armen Menschen hier, es ist schlimm. Bildungslücke!)

Tag 1008 – Glitzer drauf.

Nachdem ich mich ja eigentlich nur Schminke, wenn es mir gut geht, habe ich in den letzten Tagen die Konditionierung so gut es ging genutzt und mich geschminkt, um mich besser zu fühlen. Ging so halbwegs. Weil Glitzer aber ja bekanntlich gegen alles hilft, habe ich mir heute im Sonderangebot diverse Glitzerschminkdinge gekauft. Und Rasierklingen für 1/3 des Geldes, was ich dafür in Norwegen bezahlen müsste.

Auch gut hier: sehr viel gutes Essen. Für nicht gerade billig, dafür guten Rotwein dazu (gestern) oder auch für, für norwegische Verhältnisse, spottbillig und gutem Bier dazu (heute und vorgestern). Das macht zwar nicht alles gut, aber schon etwas besser.

Jetzt ins Bett. Müdemüdemüde. Augenringe bis zum Kinn. Und das im Urlaub.

Ach so, bevor ich’s vergesse: Kommentare, die ganz offensichtlich nur dazu gedacht sind, mich zu verletzen, schalte ich nicht frei. Wenn mir jemand auf die Türschwelle kackt, putze ich das ja auch weg, nicht wahr? Das können Sie jetzt total fies finden und „Zensur!“ rufen, das ist ihr gutes Recht, genauso wie hier einfach nicht zu lesen. In diesem Sinne – bussi.

Tag 1007 – Klarstellung.

Also, weil das wohl vor lauter Kryptik hier nicht klar wurde:

Ich habe hier keine Trollkommentare. Die allerallermeisten sind nicht mal direkt übergriffig. Ich schreibe aber zum Beispiel nicht, dass wir mit dem Taxi von A nach B gefahren sind, denn Oh mein Gott, Uber, da hat man ja schon so viel von gehört und das hatte auch keine Kindersitze. Ich schreibe nicht mehr, wie ultra beschissen es mir geht, weil mein Wunsch nach einem (wirklich: ir.gend.ei.nem) Job ja nun echt einfach auch ein bisschen unverschämt ist, so kurz nach dem Abschluss. Weil ich doch die Zeit mit den Kindern genießen könnte und dass ich Herrn Rabe jetzt entlasten könnte und überhaupt: es ist ja nur ein Problem, wenn man es dazu macht, nicht wahr? Ich schreibe schon mal gar nicht, dass ich mich selbst definitiv nicht als Ent- sondern im Gegenteil als Belastung für Herrn Rabe empfinde. Emotional (der muss ja permanent das Häuflein Elend zusammenkehren, die geknallten Türen aushalten, die Kinder betreuen, wenn ich im Bett liege…) und auch finanziell. Ich schreibe auch nicht, dass ich mich als absolut schlimmste Mutter der Welt empfinde und der Ansicht bin, dass die Kinder in jeder KiTa und jeder Schule besser aufgehoben wären als 24/7 bei mir. Ich meine, ich lasse die Kinder in einem Uber ohne Kindersitze mitfahren. Ich schreibe auch nicht, dass dieses Mutterding mich nicht erfüllt, dass ich zum Teufel noch mal nie gelernt habe, dass man einfach nur Mutter sein und damit zufrieden sein kann, dass Mütter, die zu Hause waren in meinem Zuhause naserümpfend betrachtet und mit dem Satz „Wird schon sehen, was sie davon hat, wenn der Alte erstmal weg ist“ bedacht wurden, wie oft ich gehört habe, dass meine Mutter mir aus der Tageszeitung vorgelesen hat und abends die Mathematikstudienbücher meines Vaters las, weil sie „Angst hatte, zu verblöden“, das schreibe ich nicht, weil Alter Verwalter, was ist das für ein schreckliches Weltbild, was mir da mit der Muttermilch schon eingeflößt wurde. Ein unfreies, geldgeiles, Kapitalistisches, Karriere-Feministisches. Eines, in dem selbst-erhaltende Erwerbsarbeit die einzige valide Option ist. Alles andere der schiere Wahnsinn, der unbedingt abgewendet werden muss. Um jeden! Preis! Und geklappt hat die Erziehung bei mir, weiß Gott, ich bin jedenfalls vor meinem eigenen Auge der Dreck unter dem Schuh der anonymen HR-Person, die meine Bewerbung direkt bei „Oha, frische Absolventin“ auf den Nein-Stapel legt. Und das schreibe ich auch nicht, weil ich das „alles wird gut“ nicht mehr hören kann, kein „Kopf hoch“ mehr, kein „also jetzt muss aber doch mal was Gutes passieren!“ mehr glauben kann.

Es regnet im Urlaub. Den wir uns eigentlich nicht leisten können. Schreibe ich nicht, könnte undankbar und arrogant wirken.

Ich bin sehr sehr müde. Von allem. Mein Leben ist eigentlich gut, ich weiß das, ich habe es gut, die Kinder haben es gut. Und von innen fühlt es sich an wie die Hölle. Und ich möchte dazu einfach gar nichts mehr von außen hören.

Tag 1006 – Smile and wave.

Erste Male: fertigen Blog-Text gelöscht, weil kein Nerv mehr übrig für Kommentare. Mir ging’s heute nicht besonders, ich habe große Schwierigkeiten, meine/unsere grundlegend unentspannte Gesamtsituation auszublenden und Seize the Day! jubelnd herumzuspringen, das wäre auch so dermaßen nicht Ich, dass mich Herr Rabe wohl einweisen lassen würde. Es dauerte bis zum späten Vormittag, einen fiesen Albtraum soweit abzuschütteln, dass wir zum Strand und später in die Stadt gehen konnten. Split ist wirklich sehr schön und gefühlt gibt es hier mehr Restaurants als Einwohner, verhungern werden wir also eher nicht in den nächsten Tagen. Die Kinder waren bis auf einige Laune-Schwächeleien am Ende des Tages auch schon deutlich besser drauf als gestern und das Essen, was ich mir über Trip-Advisor ausgesucht hatte, war auch wirklich sehr lecker und kostete uns vier so viel wie einmal Eis essen gehen in Trondheim. Als Bonus war das Wetter lange nicht so schlecht wie erwartet, es gewitterte einmal kurz am Vormittag, aber dann war es heiter bis wolkig aber bei recht konstanten um die 20 Grad, also wirklich nichts, worüber wir uns direkt beschweren würden. Und jetzt gehe ich mal in mich, wie ich hier in Zukunft bloggen möchte. So ist nämlich auch irgendwie blöd. Fühlt sich an wie mit angezogener Handbremse Auto fahren.

Tag 1005 – Geht grad so.

Gestern im Flugbuss fiel mir ein, was ich vergessen hatte: meinen Bikini. Aber jetzt soll ja das Wetter ab morgen nicht mehr so prall sein, heute schien aber die Sonne und alles war so grün und das Wasser glitzerte so verlockend zu uns rüber, also gingen wir eben doch über die Straße. Höhö. Das Meer ist nämlich direkt über die Straße! Alles richtig gemacht, würde ich sagen. Und schön war’s, wenn auch in der Sonne wirklich sehr heiß und im Kleid nicht so erfrischend. Deshalb beendeten wir den Ausflug nach etwa eineinhalb Stunden und fuhren in ein „nahe“ gelegenes Einkaufzentrum, mir einen Bikini zu kaufen. Die Anführungszeichen sind dem geschuldet, dass es nah aussieht, man aber irgendwie einmal komplett um Split rumgurken muss, um da hinzukommen. Wie dem auch sei, ich kaufte im erstbesten Laden einen Bikini (in Türkis, weil <3 Türkis, in Wickeloptik oben, weil ist grad in, mit Push-up oben, weil sah gut aus und mit einem für meine Verhältnisse knappen Höschen, das noch nicht mal mein Feuermal auf dem Po komplett bedeckt. Auf meine alten Tage wird’s mir tatsächlich egal.), verkniff mir dann in Laden 2-73 nachzuschauen, ob’s sowas ähnliches nicht auch für viel billiger gegeben hätte und wegen quengeliger, müder (war spät gestern) und absolut konzentrationsloser Kinder war es dann auch schon wieder spät und bis wir wieder am Strand waren ganz schön kalt. Aber da bin ich ja härter.

(Mein Mascara ist auch härter.)

Hier noch ein paar Bilder von Strand-Ausflug 1:

(Die Kinder sind so weiß wie ich, wobei man bei Pippi schon deutlich dunklere Töne sieht als bei mir und vor allem Michel, dem weißen Spargel. Und allesamt haben wir etwa die Farbe der Steine.)

Ein paar Fossilien. Wir haben wirklich viele gefunden, von Schnecken und Moosen und so, Michel ist ganz aus dem Häuschen.

Anekdoten:

  • Michel am Geldautomaten, als die Quittung zur Abhebung rauskommt: „Hast du jetzt gewonnen, Mama?“ (in Norwegen haben wir nur alle Jubeljahre Bargeld, dafür drücken wir bei der Pfandrückgabe immer den Lotterieknopf, auf dem Pfandbon steht dann eben, ob man gewonnen hat oder nicht.)
  • Auch Michel: „Murmelmurmelmurmel?“ Ich: „Was hast du gesagt?“ – „Hatteledessu?“ – „Ich versteh dich nicht, sag’s mal auf deutsch.“ – „Hat den* Läden ssu?“ (Hupsi. Hatte er vorher auch gesagt. Auf deutsch.)
  • Pippi, die ihren ersten Stein ins Wasser schmiss. Und freudig auf das Plumpsen wartete. Was nicht kam. Es war ein Bimsstein. Und Pippi dann sehr verwirrt.
  • Pippi, die auf den Schultern von Herrn Rabe einfach einschlief.

Dochdoch, schon schön hier.

___

*typisch Michel: alle Artikel im Deutschen werden kurzerhand durch das norwegische „den“ ersetzt, Fälle gibt’s auch keine mehr, fertig ist die Laube. Manchmal zweifle ich dieses Zweisprachigkeitsding echt stark an.

Tag 1004 – #12von12 im Mai ’18.

Heute ist der 12. Mai, und wie an jedem 12. machen alle, die wollen, 12 Bilder von ihrem Tag und die werden dann bei Caro von Draußen nur Kännchen gesammelt.

Bis 13 Uhr habe ich keine Fotos gemacht. War ein bisschen stressig alles.

Endlich Zeit zum Fotos machen 🤪. #1von12 von #12von12 #RabenOnTour #Rabanasplit

Da meinte das FitBit übrigens schon: „Tolles Workout heute!“ Äh ja.

Drucker kaputt, Personal verwirrt, Kofferscanner kaputt… aber so hat man immerhin Zeit, nen Bildausschnitt zu finden, auf dem sonst niemand zu erkennen ist. #2von12 von #12von12 #RabenOnTour #Rabanasplit

Über die Sinnhaftigkeit dieser Angaben lässt sich auch streiten. #3von12 von #12von12 #RabenOnTour #Rabanasplit

Und dann saßen wir endlich im Flugzeug. Mit einem sehr und einem nicht so aufgeregten Kind, und umgeben von einer Renter*Innen-Reisegruppe, die meisten mit Armbändern auf denen stand „Team Parkinson – shaken, not stirred“ und die waren zwar allesamt ziemlich zittrig aber sehr nett und auch aufgeregt. Niedlich irgendwie.

Kinderessen aka „das will ich nicht“. #4von12 von #12von12 #RabenOnTour #Rabanasplit

Erwachsenenessen mit nicht gerade appetitanregender Lektüre. #5von12 von #12von12 #RabenOnTour #Rabanasplit

Und Zack (nicht wirklich, eher so schnaaaarch) waren wir da.

… und wieder anstehen. #6von12 von #12von12 #RabenOnTour #Rabanasplit

Am Flughafen wurden wir von Taxi abgeholt und beim Supermarkt kurz abgesetzt. War alles im Vorfeld so geklärt worden, hat tadellos geklappt. Und ich konnte auf dem Weg schon einige Palmen und Grün bestaunen.

Supermarktbesuch. Die Kinder sind langsam etwas ungeduldig. #7von12 von #12von12 #RabenOnTour #Rabanasplit

Dann weiter ins Apartment und…

Geschafft! #8von12 von #12von12 #esc2018lisbon

Ich mag ja den ESC. Das ist so herrlich schräg. Mehr als einmal im Jahr muss ich das nicht haben, aber doch, das eine mal, das schaue ich richtig gerne. Heute halt nebenbei, während des Auspackens.

Man kennt das, diese freiheitsliebenden Plastikpflanzen. #9von12 von #12von12 #RabenOnTour #Rabanasplit #DekoPerlenInFerienhäusern

Übrigens sind unsere Ferienwohnungsvermieter sehr nett, die Dame spricht zwar nicht so sehr viel Englisch, aber dafür ist ihr Sohn, Luca, ca. 14 (?) sehr hilfsbereit und spricht wirklich sehr gut Englisch. Quasi ein Privatdolmetscher.

One down, one to go. #10von12 von #12von12

Beim Fernsehen eingeschlafen. In dem Bett, das eigentlich für Michel vorgesehen war. Der aber noch rumturnte und mit uns ESC guckte.

Fuego an Fuego. #11von12 von #12von12

Den Wein hatte ich im Supermarkt gekauft. War ok. Keine Offenbarung.

So, Nr. 2 hat den Kampf gegen den Schlaf auch aufgegeben. #12von12 von #12von12

Und jetzt schauen wir noch nebenher ein bisschen Auswertung und werden auch gleich ins Bett plumpsen. Der Tag war doch etwas anstrengend.

Tag 1003 – Urlaubsstimmung? Fehlanzeige.

Irgendwie mechanisch läuft hier die Urlaubs-Vorbereitung. Brötchen und Brot für nach der Rückkehr sind gebacken, alles ist gewaschen und zum größten Teil getrocknet, für die Reise und den ersten Abend ist eingekauft, morgen dann packen, aufräumen und los. Aber irgendwie kommt keine Rechte Urlaubsstimmung bei mir auf. Die Kinder sind doll aufgeregt, aber ich? Denke wieder an all das nervige daran und damit*, das viele Geld und überhaupt.

Dabei haben wir den Urlaub wirklich nötig, allesamt.

Und kaum bin ich etwas positiver gestimmt, signalisiert mir mein Körper, dass ich morgen wohl besser Ibuprofen greifbar haben sollte, sowie Slipeinlagen. [TMI **] Erklärt andererseits aber vielleicht auch meine Laune und den fehlenden Antrieb.

Nun denn. Es wird schon werden. Bestimmt. Ganz sicher. Bis dahin tackere ich einfach meine Mundwinkel nach oben.

___

*Packen, unausgelastete Kinder, Kinder, denen nix schmeckt außer Pommes und Eis, Spielzeuge, die schmerzlich vermisst werden, Flugangst, interessante Kindersitze in Taxis, „wäähähä, warum haben wir kein Kräutersalz/keinen Ketchup/keinen braunen Käse/whatever mitgenommen?!?“, „Ich hab keine Lust auf [xyz]“, „nein, ich will noch hier bei [xyz] bleiben“ usw.

** (Ja schon praktisch bei der Menstruationstasse: kein Nachschub (muhahaha, NachSCHUB, wie in SCHIEBEN, so wie bei Tampons… geht gleich wieder, sorry), den man vergessen könnte.)

Tag 1002 – Dies und das.

Die letzten drei Tage war hier Sommer. Nur noch sehr wenig grün. Aber 24 Grad – das ist, wenn wir ehrlich sind, ein ziemlich guter Tag im August. Ich verdenke es den Trondheimern auch in keinster Weise, dass sie diese 24 Grad nutzen um im Park herumzuliegen und zu grillen und Planschbecken zu verkaufen. Was ich ihnen etwas übel nehme ist: sie lassen überall ihren Müll liegen, die Mülltonnen sind heillos überfüllt und es liegen Haufen aus Plastiktüten gefüllt mit allem zwischen Grillfleischverpackungen, Essensresten und gefüllten Windeln einfach um die Mülleimer herum. Zum Kotzen, und erst recht wenn drei Meter weiter einer der Gullideckel mit dem schönen Spruch „Kacke, Pipi, Klopapier – mehr soll nicht ins Klo!“ dafür wirbt, keine Essensreste ins Klo zu werfen, weil das Ratten anlocken könnte. Wäre ich Ratte, ich würde wohl einfach oberirdisch Müllbeutel plündern.

Was ich auch mehr als befremdlich finde: alle Jahre wieder sieht man an den ersten sonnigen Tagen viele, viele Sonnenbrände. Wirklich fiese, zum Teil, wir sind ja hier immerhin im Norden und die „Ureinwohner“ haben tendenziell schon sehr blasse Haut, sind gern mal (hell-)blond und haben blaue Augen. Bei Erwachsenen denke ich dann ja oft noch „selber schuld, sind ja erwachsen, an jeder Apotheke hängen die Plakate und gibt’s Sonnenschutz mit Faktorrabatt“, aber was mich ratlos macht, sind Kinder mit verbrannten Nasen und Nacken. Da möchte ich, von Eltern bis KiTa-Personal, alle schütteln und sagen: „Cremt. Die. Kinder. Ein. Hautkrebs. Ist. Scheiße. Verdammtnochmal!“. Ja, es ist oft auch keine wahre Freude, ein sich windendes Kleinkind einzucremen, das weiß ich aus erster Hand, aber ich weiß auch: der Groschen fällt irgendwann und dann ist „Sonne scheint, also eincremen“ fast so selbstverständlich wie das abendliche Zähneputzen. Bis dahin sehe ich das wie eben Zähneputzen: es ist meine Verantwortung, dass meine Kinder weder Karies noch Sonnenbrand kriegen, Zweidreivierjährige können solche diffusen Konsequenzen wie „akkumulierte DNA-Schäden“ noch nicht abschätzen, also wird da nix mitentschieden, Zähneputzen, eincremen, basta.

Hrmpf!

___

Urlaubsvorbereitung war heute etwas frustrierend: die Wettervorhersage sagt, dass es an drei von sechs Tagen bei 17 Grad regnen wird. Juchheh.

___

Trotzdem Kinder-Sommer-Klamotten gesichtet und sortiert, um zu schauen, ob morgen noch was besorgt werden muss. Antwort: eher nicht, Pippi hat ca. 8 Kleider, die letztes Jahr noch zu groß waren und geschätzt 16 kurze Leggins, die an ihre Spargelbeine immernoch sehr gut passen, auch in Größe 86.

___

Pippis A-Phase ist wirklich nicht schön. Dieses Kind ist wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Im einen Moment niedlich hoch 10, singt Lieder, erzählt einem was, macht Quatsch, aber im nächsten Moment (wenn man ihr dann gesagt hat, sie soll den Quatsch doch sein lassen) ein Wutzwerg sondergleichen, der kreischheulend und um sich tretend und schlagend auf dem Boden liegt. Heute hat sie Herrn Rabe volle Wucht ins Gesicht gehauen. Mit Absicht. Generell wird kein von uns in normaler Lautstärke und Ton geäußertes „Nein“ akzeptiert, wir müssen immer erst laut werden. Und dann brüllt sie und beschimpft sich als „Dumme Pippi!“. Hoffentlich ist das bald vorbei.

Tag 1001 – Nächte.

1001 Tage hier. Genau genommen blogge ich aber meistens spätabends, oder nachts, je nachdem wie man das definieren möchte. In den letzten 1001 Nächten ist echt viel passiert.

Pippi ist vom Säugling zum Baby geworden, hat Robben, Krabbeln und Laufen gelernt, ich habe sie abgestillt und wir haben sie gemeinsam in ihr eigenes Bett ausquartiert. Sie schlief irgendwann durch und wir auch wieder. Dann aß sie plötzlich jede Nacht eine Banane. Sie hat mit der Kita angefangen und es war furchtbar und dann wurde es gut. Und dann sehr gut. Und dann war sie dauernd krank. Sie fing an zu sprechen und zu singen und sogar ihre Haare wuchsen. Neuerdings fährt sie Laufrad.

Michel ist vom Kleinkind zum nicht mehr so kleinen Kind zum Vorschulkind geworden. Wir haben es durch die A-Phase geschafft, Michel ist trocken geworden, irgendwann sogar nachts, er hat Freunde gefunden und übernachtet sogar bei denen. Er bekam ein Fahrrad mit „Patilen“ und dann ein großes Fahrrad für richtige Vorschulkinder. Er kann alle Buchstaben erkennen und einfache, kurze Wörter lesen und schreibt wunderbare Nachrichten in lautschriftlichem Norwegisch. Er erzählt non-stop, Wichtiges verpackt in einen Brei von Belanglosigkeiten und jede Nacht kriecht er irgendwann in unser Bett: ans Fußende. So haben wir alle größtmöglichen Platz und Michel kann kuscheln, mit unseren Füßen zwar, aber das stört ihn nicht, Hauptsache Körperkontakt. Und er hat die hinreißendsten Sommersprossen der ganzen Welt.

Herr Rabe hat sich in seinem Job weiterentwickelt und ist bei der selben Firma in einem inzwischen anderen Team und einer sich stetig entwickelnden Position sehr glücklich. Weil Herr Rabe eben, wie nicht ganz so viele Informatiker*Innen, auch sehr gut mit Leuten kann. Was ich natürlich immer schon wusste, schließlich ist er der beste Mann und auch der beste Vater, den ich mir für mich und meine Kinder vorstellen kann. Seine Geduld mit den Kindern hätte ich gerne auch nur ansatzweise. Und seine Geduld mit mir… auch.

Das Blog hier hat sich von ca. 3 Lesern pro Tag zu (für mich) wahnwitzigen 1200 gemausert. Ich habe in fast allen Nächten etwas hereingeschrieben, manchmal erst nach Mitternacht und einmal erst am nächsten Tag, nach einer Nacht voll Schlaf. Das Blog war mit auf Korfu, in Frankfurt, in Bergen, in den USA, in der Schweiz, in Porto, gefühlt ständig in Oslo und mehrmals in Bielefeld. Es war mit bei guten und beschissenen Vorstellungsgesprächen, bei der Legevakt, im Labor, im Familienleben, im Waldorf-Kindergarten und beim Schwimmkurs. Es wurde gefüllt von alltäglichem, mit gelegentlichen Ausflügen in Bereiche wie Erziehung und Ernährung, Beiträge, die immernoch zu den am häufigsten gelesenen gehören. Es ist ein Teil von mir geworden. Einer, dessen Wichtigkeit ich irgendwo bei „Milz“ einordnen würde: ohne geht auch, ist aber echt blöd, und die Entfernung wäre schmerzhaft.

Die Schnecken sind echt groß geworden. Ansonsten sind sie weiterhin Schnecken: nicht besonders schlau, sehr langsam, ziemlich gefräßig.

Und ich? Ja. Ich habe den Statistikkurs überlebt, die Babyzeit mit Pippi und den Schlafmangel überstanden, war beim Muttisport und wurde erstaunlich fit, habe wieder angefangen zu arbeiten, wurde erstaunlich unfit, fing wieder mit Ballett an und hörte erst wieder auf, als ich anfing, die Diss zu schreiben. Wechselte das Diss-Projekt. Machte tausend mal „das letzte Experiment“. Organisierte mir die Konferenz in Kalifornien, samt Reisestipendium. Ging kaputt. Wechselte viele Bettbezüge. War mit krankem Kind zu Hause. Fing an, immer mehr Sachen für mich und immer weniger für die Kinder zu nähen. Buk Brot. Ging spazieren und wurde wieder halbwegs heile. Lernte viele tolle Leute kennen. Schrieb meine Diss auf. Wurde gescoopt und merkte, wie kaputt ich eigentlich noch war. Machte weitere tausend male „das letzte Experiment“, schlug mir Nächte am Mikroskop um die Ohren, schlug mir weitere Nächte am Rechner um die Ohren um die Bilder auszuwerten und Daten zu analysieren. Schrieb einen Artikel in vier Tagen und Nächten. Bekam die Schilddrüsenscheiße zurück, ging wieder kaputt und ignorierte es, ging durch Mordor und zurück, schrieb tausendundeine Bewerbung, bekam 788 Absagen und 211 mal gar keine Antwort, sagte einen Job ab, gab die Diss ab und dann war endlich Weihnachten. Leckte zwei Monate lang meine Wunden, nähte viel, versuchte, in dem ganzen Murks mein Ich als Mutter und auch Partnerin wiederzufinden und mich wieder zusammenzuflicken. Machte viel Sport. Hasste meistens das Wetter hier. Disputierte. Versuchte, stolz auf „disputierte“ zu sein, statt sich wegen „arbeitslos“ zu grämen. Und schrieb täglich in dieses Internet. Mal überlegt, mal lustig, mal frustig, mal kurz, mal sehr lang, mal verzweifelt, mal mit vielen Bildern und dann wieder ganz ohne, mal in Schnipseln und mal in Dialogen. Aber fast immer nachts.

So kann es doch weitergehen.