Tag 844 – Schwuuuuups!

November rum.

Ich bin PhD-mäßig dem Zeitplan ziemlich hinterher, aber das ist ja nicht meine Schuld und deshalb ist mir das fast sogar ein kleines bisschen egal, ich kann’s ja nicht ändern und muss jetzt irgendwie damit zurechtkommen. Und dass die Kinder beide einfach mal ne gute Woche krank werden würden war halt so auch nicht ganz geplant.

Wie dem auch sei, immerhin habe ich es bisher geschafft, mir keine Fingernägel abzubrechen, es kann also morgen losgehen. Und Herr Rabes Adventskalenderzoll habe ich auch eben überwiesen*. Es ist vielleicht nicht so hübsch, wie letztes Jahr, aber doch schon ok.

Weihnachtlich ist mir noch gar nicht zumute, aber das kommt ja vielleicht noch.

Good news jedenfalls: die Firma in Schweden hat sich heute mit einem weiteren Bewerber getroffen und direkt danach wurde ich angerufen, dass ich im Bewerbungsprozess weiter gekommen bin und bitte Referenzen beibringen soll. Das läuft ja hier etwas anders, man hat ja keine Arbeitszeugnisse im deutschen Sinn, stattdessen werden die Personen, die man da angibt, direkt angerufen. Jetzt hoffe ich ganz stark, dass sich mein Chef noch dran erinnert, dass ich vor fast vier Jahren einen Structural-Biology-Kurs in Tromsø gemacht habe, bei dem auch einiges an Praxis bei war. Die anderen zwei Leute sind mein Ex-Chef, den ich, klug wie ich bin, heute Vormittag schon kontaktiert hatte, weil der HR-Mensch mir das am Dienstag schon gesagt hatte, dass das mit den Referenzen der nächste Schritt sei, und Mr. I-trust-you, dem ich da einfach mal truste, immerhin hab ich mit dem echt viel Zeit im Zelllabor verbracht, sehr viel über Demethylasen diskutiert und sogar mal auf einer Disputationsfeier getanzt. Die Lieblingskollegin ist leider im Urlaub und die andere Demethylasen-Kollegin war schon weg, die Bürokollegin fiel mir zu spät ein (ähhh ja, die saß ja auch nur neben mir bei dem Telefonat *hust*…) und die Massenspektrometriekollegin hat ja leider gar keine Zeit zum Telefonieren, sonst hätte ich sehr gerne auch ne Frau vorgeschlagen, aber tjanun. Jedenfalls sieht das alles recht vielversprechend aus. Ist ja auch mal was.

Auto-Lobhudelei: die Einleitung zum Manuskript ist stichpunktartig fertig (und vor allem sind die Referenzen alle drin**), das muss ich also nur noch zusammenhubschraubern. Außerdem habe ich drei Menschen um Hilfe gebeten, obwohl mir sowas unglaublich unangenehm ist. Und ich habe einen Haufen Daten in Prism geplottet und p-values ausgerechnet, nachdem ich endlich das erste Drittel der Massenspektrometriedaten bekommen habe*** und das geht inzwischen nahezu schon flott und sieht hinterher auch hübsch aus.

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*Da hat wer echt intolerant die Zollgebühren berechnet und deshalb… kriegt Herr Rabe am Heiligabend jetzt wohl eher eine klitzekleine Kleinigkeit. Mandarinen mag er nicht, aber vielleicht ein paar Nüsse.

**EndNote wird auch nicht mehr mein Freund.

***und die Daten sind leider nicht so richtig schön, aber man wird**** schon was rausquetschen können.

****ich werde. Meine Güte.

Tag 843 – Der Normale Wahnsinn.

Ich muss echt mal langsam mein Review über den The Ordinary-Kram, den ich ja inzwischen schon ein paar Wochen benutze, schreiben, es brennt mir auf der Haut unter den Nägeln.

Aber nicht heute, ich bin müde. Müde sein ist momentan eine gute Sache, die genutzt werden muss. Ich schlafe sensationell schlecht und komme morgens deshalb überhaupt nicht aus dem Quark und wenn ich so weiter mache, wiege ich bis Weihnachten noch 45 kg.

Deshalb und wegen überhaupt war ich heute morgen ziemlich spontan beim Hausarzt, um Blut abzuliefern um die Schilddrüsenwerte checken zu lassen. Mich würde nicht mal wundern, wenn da wieder was im Busch wäre. Mein Erwachsenen-Konto füllte ich auch noch gleich auf, indem ich drauf bestand, dass auch die Antikörper bestimmt werden. Das ist ja einerseits praktisch, wenn man einfach hingehen kann und sagt: Einmal Routinecheck Schilddrüse, Autoimmun! Und muss nicht jedes mal erst mit dem Arzt sprechen, andererseits überhören die Sprechstundenhilfen den Hinweis „Autoimmun“ halt wirklich jedes mal und dann darf man mit denen rumdiskutieren, dass es doch geschickt wär, gleich ein extra Röhrchen Blut abzunehmen, statt erst mit dem Arzt zu sprechen und mir dann ein weiteres Loch in meine einstmals wunderschöne Vene zu bohren.

Die Idee von Frau Brüllen der ihrer Firma der ihr Achtsamkeits- Selfbranding-Dings* finde ich übrigens, entgegen möglicher Vermutungen, total gut und übernehme das mal direkt, ich hab das Gefühl, ich kann’s brauchen, mich täglich selbst Lobzuhudeln. Grade jetzt wo ich mir oft richtig dumm vorkomme und vermutlich ein Bilderbuch-Beispiel von Impostor-Syndrom habe. Heutiges Auto-Schulterklopfen: Ich habe das mit der Antikörperprobe durchgesetzt, eine (die letzte für dieses Jahr!!!) Bewerbung abgeschickt, die sehr unbescheiden formuliert und trotzdem ehrlich ist und die ich wirklich gut finde und meinen inneren Impostor mit Kaffee ersäuft und angefangen, die Einleitung für das Manuskript zu schreiben.

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*Ich bin Westfale.

Tag 842 – Ok.

Schöne Zahl.

Bin auf dem Sofa eingeschlafen und erst wieder wach geworden, als sich meine Brille fies in meine Nase und mein iPad, das auf der Sofalehne lag, in meinen Hinterkopf bohrte. Wegen Abschminkenzähneputzen bin ich jetzt wieder unangenehm wach und kann ihnen wenigstens erzählen, dass heute ein Okay-er Tag war, ich habe zwar keine Resultate bekommen und das macht mich wahnsinnig, aber die Methods-section des Artikels kann ich ja trotzdem schreiben und die hab ich heute runtergetippert, die ist soweit fertig. Morgen werde ich die Einleitung anfangen. Des Weiteren hab ich heute in der Gegend rumtelefoniert: einmal, weil uns irgendein A*schloch den Außenspiegel am Auto angefahren hat und ich diese unbekannte Person gerne pro Forma anzeigen möchte, für die Statistik und damit meine Wut einen Kanal hat; und nach dem Mittagessen hab ich bei der Stelle aus Schweden mal nachgehakt, das macht mich ja dezent fertig, dass die sich nicht melden, das war ja beim letzten Mal nicht so ein gutes Zeichen. Diesmal ist aber alles gut, der Personalmensch rechnet mir sehr gute Chancen aus, es waren alle sehr zufrieden mit dem Interview, Donnerstag Nachmittag oder Freitag werde ich hören, wie es da weiter geht. Und gut, dass ich angerufen hätte, dann wüsste er ja, dass ich noch Interesse habe. Klar hab ich Interesse und um eventuell eine etwas bessere Basis zu haben, schickte ich danach noch eine Bewerbung ab, auf die zu bewerben mir der Chef-Recruiter der Firma nach Lesen meines CVs und einem gut halbstündigen Telefonat (am Donnerstag, ich berichtete nicht, weil ach…) empfohlen hat. Das wäre halt kein Labor mehr, also eigentlich… noch besser.

Es wird. Wenn ich jetzt noch etwas weniger trøtt og lei wäre…

Tag 838 – Unglückliches Timing.

Weiterhin keine Resultate vom Massenspektrometer. „Die Proben laufen.“ Dafür Anfrage der Massenspektrometer-Frau: ob es denn schlimm wäre, wenn ich erst im Januar abgeben könnte. Daraufhin habe ich erst ihr und dann dem Chef sehr deutlich gesagt, dass ich das leider nicht aushalten kann, weil ich dabei bin davon krank zu werden. (Lustig, wie ich: „Ich drehe ab und mein Körper ist ein Wrack!“ ausdrücke, oder?)

Apropos krank: mein Körper hat ein neues Feature „Arme zittern“ entwickelt und ich sollte wohl wirklich dringend mal die Schilddrüsenhormone checken lassen, das halbe Jahr ist auch schon wieder rum. Des Weiteren scheine ich die hormonelle Verhütung nicht mehr zu vertragen, „nicht mehr“, weil ich die vor den Kindern ähhh ewig (6 Jahre? 8 Jahre? Irgendwie so.) benutzt habe und wenn das damals so gewesen wär wie jetzt, hätte Ich das niemals so lange gemacht. Die Details erspare ich Ihnen mal.

Heute war die Putzhilfe da, das hatte ich von Montag, als hier ja zwei Glühwürmchen auf dem Sofa vor sich hin vegetierten, auf heute verlegt. Das passt auch voll gut, dann ist es nicht so lange hin bis zum nächsten Mal: am 11. Dezember. Auch Putzhilfen haben Urlaub. Kinderfrauen übrigens auch. Passt halt grad ungefähr überhaupt nicht, wegen allem eh schon und dann ist heute auch Herr Rabe nach Deutschland geflogen, weil sein Vater morgen 80 wird.

Ja. Alles wie immer, alles… nicht so gut grad. Wenigstens Karri ist ab Dienstag wieder da.

(Falls Sie mal die Verlockung verspüren, zu promovieren: TUN SIES NICHT. So. Ich habe Sie gewarnt.)

Noch was gutes, irgendwie jedenfalls: Da mein Gehirn abends nach der seichtest möglichen Unterhaltung lechzte, schaute ich Schminkvideos und blieb bei Jeffree Star hängen. Muss man mögen, den Stil, ist halt alles wahnsinnig überdreht und überzeichnet und „more strobe bitches, helloo!!!“, aber ich mag das und hell yeah, der kann Make-Up. Und irgendwann wachte Michel auf und schaute ein bisschen zu und wenn es hier schon im echten Leben wenig queere Vielfalt gibt, kann er das wenigstens im Fernsehen mal sehen.

Tag 834 – Erwachsenenkram.

– Mit der MS-Kollegin gesprochen. Es war… interessant.

(Ja, Schadensersatz wegen psychischer Grausamkeit wär vermutlich angebracht. Sie misst jetzt meine Proben und hält mich hoffentlich auf dem Laufenden, darum habe ich mehrmals explizit gebeten, auch schriftlich per Mail.)

– Mit dem Chef geredet. War auch interessant. Fazit: ich mache das schon, er hat am 31.12. abgegeben, haha, ja, das war stressig. Waaaaaaahnsinnig hilfreich. Oh, und (liebe A.!) die Sluttføringsstipendier werden im Januar ausgeschrieben. Helfen mir also nix mehr, aber vielleicht der Bürokollegin.

– herausgefunden, welche Person die Print-Version der Dissertation annimmt, und, wichtig! unterschreibt, dass die abgegeben ist. Auch herausgefunden, dass diese Person bis zum 22.12. arbeitet.

– eine Bestätigung, dass ich die 30 Credit Points an Kursen erreicht habe, angefordert. Wird noch Stress geben, weiß ich jetzt schon, weil die Uni hier immer noch nicht meine in Tromsø absolvierten Kurse in mein Transkript aufgenommen hat, obwohl ich das schon mehrmals und an verschiedenen Stellen angesprochen und bemängelt habe.

– Den schönen Mikroskopmann genervt, wir brauchen endlich die Bilder.

– Antwort vom Mikroskopmann direkt an den Chef weitergeleitet, ich werde nämlich zumindest morgen nicht bei der Arbeit sein, beide Kinder haben Fieber.

– Antwort auf die Frage zum Nature-Paper bekommen. Wenig befriedigend, teils vermutlich falsch. Muss ich morgen beantworten, wenn ich wieder Motivation dafür aufbringen kann.

– Antwort auf eine Anfrage erhalten, ob jemand meine Opponentin sein will. Ja. Hurra! (Muss ich auch noch morgen beantworten, aber das geht schon.)

– Viel Daten gewälzt und herumstatistikt und das Hirn zermartert, was das machen könnte, dass die Daten so sind. Jetzt eine Hypothese, die sich hoffentlich anhand der neuen Daten bestätigen wird.

– mit Mühe eine plausible Frage ausgedacht, die ich dringend noch der Vice-CEO von Donnerstag (per Mail) stellen musste. Präsent sein. Interesse zeigen. So wichtig! (Keine Antwort bisher, das ist doch auch Folter.)

– Bei Herrn Rabe das heikle Thema „in drei Monaten und ein bisschen läuft unser Mietvertrag aus, was machen wir, wenn ich bis dahin keinen neuen Job habe?“ angesprochen. Tja. Ist heikel.

Nicht so erwachsen: viele unbeantwortete Nachrichten. Nicht getraut, den Agenturmann von Donnerstag anzurufen. Kein einziges der 18 Paper, die ich extra auf das iPad geladen hab, auch nur angelesen. Die Kinder viel Fernsehen gelassen (ok, die hängen aber auch beide einfach in den Seilen). Quatsch gegessen und viel Sorgen gemacht.

Tag 832 – Macht nix.

Also ich. Ich habe heute nichts gemacht, außer rumgeheult. Die Situation ist einfach wirklich scheiße. Nach zwei Gläsern Rotwein kommt sie mir nicht mehr völlig unschaffbar vor, aber sie ist und bleibt scheiße und mir jetzt bis Weihnachten den Wein statt Kaffee morgens schon reinschrauben, um nicht einfach weinend im Bett zu bleiben, ist ja auch keine Lösung.

Was mich weiterhin daran aufregt: wieso hat es vier Wochen gedauert, meine Proben, auf deren Bearbeitung sowohl ich als auch der Chef gedrängt haben, überhaupt mal ins Gerät zu stellen? Wie kann sowas passieren? Ich habe der Core Facility mit meinen Proben über 200.000 NOK eingebracht, werde aber trotzdem behandelt wie der letzte Arsch und bekomme immer wieder gesagt, wie viel Arbeit das doch ist mit meinen Proben?!?

Ich hoffe, bis Montag früh ist die Traurigkeit, das Versagensgefühl (und Sie so: häh?!? Und ich so: ja natürlich, denn ich hätte es wissen/mehr drängeln/ den Chef mehr einspannen müssen) und die Hilflosigkeit etwas erträglicher geworden und die Wut noch da, dann werde ich direkt ein Gespräch mit dem Chef und den zwei Damen der Core Facility anleiern. Wir brauchen da ne Lösung, und zwar eine, die nicht darauf hinausläuft, dass ich diese wirklich essentiellen Ergebnisse erst zwei Tage vor Weihnachten kriege. Ich habe langsam genug Verständnis gehabt, für alles und jeden, ja, andere Leute haben auch wichtige Proben, ja, der Chef hat grad für keinen Geld und das ist ein echtes Problem, dass die Angestellte der Core Facility nicht vernünftig bezahlt, aber mit Arbeit zugeschmissen wird. Das sind aber alles ganz und gar nicht meine Probleme und meine Fresse – danach bin ich weg. Sie sind die unangenehme Nerv-Tante dann doch los.

Vielleicht halt auch schon früher, wenn das alles nichts wird. Dann hat der Chef halt ne Absolventin weniger. Was das finanziell für die Gruppe bedeuten würde (ne? 200.000 Kronen, plus vier Jahre mein Gehalt, plus alles was ich sonst so gekostet habe, das will ja keiner einfach aus dem Fenster werfen) muss ich dann eventuell noch mal klar stellen und auch, dass es mir durchaus ernst ist damit, alles hinzuwerfen. Ja, jetzt noch.

Ich hab jetzt echt genug geschafft. Das Gespräch noch, und dann ist auch gut mit „Frau Rabe beißt sich durch, während wir ihr fröhlich Knüppel zwischen die Beine werfen“.

Jetzt sind andere mal dran.

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Btw. hab ich gestern einen Fehler im Nature-Paper gefunden. Und der Kooperationspartner, den ich Mittwoch wegen der uns von ihm zur Verfügung gestellten Zellen kontaktiert habe, meldet sich auch nicht. Vielleicht werde ich auch einfach noch richtig, richtig unangenehm für alle. Grad wäre mir danach.

Tag 831 – Nachgereicht, aber eigentlich auch nicht.

Gestern.

Ich schrieb nicht, weil ich in Michels Bett eingeschlafen bin.

Und weil ich keine Ratschläge, Kommentare oder irgendwas mehr hören will. Also bitte sehen Sie davon ab. Sonst gerne, heute müsste ich dann vielleicht den Blog löschen oder so.

Das Massenspektrometer ist kaputt gegangen. Die Proben, die ich vor vier Wochen meiner Kollegin mit dem sehr deutlichen Hinweis gegeben habe, dass es eilt, weil auf den Ergebnissen das dritte Manuskript fußen soll, wurden zum Teil wohl gemessen, dann ging es kaputt. Die Auswertung der gemessenen Proben kann man aber wohl auch noch nicht machen, weil irgendwas mit den Massenübergängen komisch war. Am anderen Gerät messen geht auch nicht, weil das nicht alle die Modifikationen messen kann. Die Reparatur des Geräts wird mindestens ne Woche dauern, falls sich der Techniker mal meldet. Dann würden die Proben gemessen, dann müssen die Spektren (135 x 3) ja alle manuell integriert werden, weil so fancy Analyse, dann muss ich noch irgendwas reininterpretieren (Mustererkennung kann ich jetzt ja) und langer Rede kurzer Sinn:

Das wird nix mehr.

Tja, schade.

Das war’s.

Und da das nach „mal drüber schlafen“ immernoch genauso scheiße aussieht, war’s das wohl wirklich.

Vielleicht komme ich ja irgendwann drüber weg.

Tag 827 – Bastel, bastel.

Hahaha, dachten Sie an Papier? Nein. Ich habe mich heute, weil ich noch immer und mit zunehmender Ungeduld auf die Massenspektrometrieergebnisse warte, die ich für das dritte Manuskript brauche, an die zweite Abbildung für die Einleitung meiner Thesis gemacht. Die ersten zwei Stunden und mehrere ans Lächerliche grenzende Versuche mit verschiedenen iPad-Apps habe ich darauf verwendet, mich zum Benutzen von *Trommelwirbel* PowerPoint durchzuringen. Ich schäme mich dafür auch gebührend, aber ich habe grade leider gar keine Zeit mich erst ewig in irgendwas einzufuchsen. Um das wieder gut zu machen, habe ich mir aber alle Mühe gegeben, trotzdem etwas optisch ansprechendes zu kreieren, das sich auch harmonisch* ins Gesamtbild einfügt. Und ich muss mir mal ein bisschen auf die Schulter klopfen: das ist schon ganz gut** geworden.

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*“Palatino Linotype“ entspricht fast ganz genau „kp-fonts“. Falls Sie das mal brauchen.

**ok, die DNA ist immernoch nicht ganz perfekt oben und unten gleich breit aber das bleibt jetzt so. Das hat schon genug Zeit und Nerven gekostet. Effizienz und so. So wichtig.

Tag 821 – Ich könnte ja…

Mich aufregen. Über den Augenarzt*, oder darüber, dass ich jetzt für das Manuskript doch Word nehmen muss, weil meine Kolleg*Innen Journals LaTeX nicht schnallen akzeptieren, oder das Wetter, meinen Kreislauf, PMS, drei Tage Linsenlasagne, die Abwesenheit von Sankt Martin, den verlorenen Schlüssel, die Bewerbungen, die ich nicht schreibe, weil’s grad echt zu viel wäre, Kopfschmerzen, diverse Launen der Kinder, britzelige Vitamin C-Cremes, Extrasystolen, Zahnarzttermine, die einfach per SMS reinkommen oder darüber, dass ich’s immernoch nicht geschafft habe, die Miete korrekt zu überweisen.

Mache ich aber nicht. Hilft ja nix. Morgen (weiter) machen.

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*erinnert sich noch wer? Pippi schielt immer noch nicht, aber wegen dieser Geschichte dürfen wir das jetzt regelmäßig kontrollieren lassen. Wir haben ja sonst nichts zu tun**. Und weil’s gestern um 10:30 für Herrn Rabe so schön war, war dann der Augenarzt auch krank und der zweite Teil der Untersuchung wird dann Ende November sein. So schön.

**Ich hab das ehrlich erst getippt und dann den alten Text nochmal gelesen. Chrchrchr. Ist ja auch irgendwie schön, wenn man seinem Stil treu bleibt, ne?

Tag 820 – Produktiv, aber…

Ich habe ein Problem. Es gibt kein nicht-ableistisches Wort für blöd. Trottelig. Ich bin ein Vollhorst.

Ich war heute ziemlich produktiv bei der Arbeit, habe alle meine Rohdaten in Zahlen und Plots umgewandelt (Graph Pad Prism ist schon ganz schön fein für sowas), an den Daten herumgerechnet und normalisiert und tausendundeinen p-Value bestimmt und gemessen und zwischendurch habe ich dann immer mal Zwischenergebnisse („Hier die Survival-Kurven.“, „Hier Zahlen zu p-bodies.“, „Hier die Westerns mit relativen Proteinmengen.“) an den Chef geschickt, mir hier und da sowas wie Lob* abgeholt, aber im Großen und Ganzen saß ich 7 Stunden lang an zwei Computern, unterbrochen nur von Mittagessen. Das war der produktive Teil.

Und dann hab ich irgendwo zwischen dem Fahrradkäfig und zu Hause meinen Autoschlüssel verloren. Den Keyless-Go-Schlüssel, den zu ersetzen ca. 3500 NOK** kosten würde. An dem ein Anhänger ist, auf dem der Name des Toyotahändlers in Lippstadt steht. Der auch auf dem Auto einen (wenn auch unauffälligen, aber eben) Aufkleber angebracht hat. Also rein theoretisch müsste man nichtmal sehr gewitzt sein, als potentielle*r Schlüssel-Finder*In, um drauf zu kommen, dass allzu viele Toyotas mit einem Aufkleber eines deutschen Autohauses hier nicht rumstehen werden. Gnaaa. (Klar kann man quasi ein komplett neues Schließsystem kaufen. Aber das ist noch viiiieeeeeeel teurer. Andererseits lacht mich meine Versicherung ganz sicher aus, wenn unter diesen Umständen das Auto geklaut wird.) Rotze. Echt mal.

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* Norweger*Innen loben ja nicht so besonders enthusiastisch. Beziehungsweise: sie bewerten nicht so offensichtlich. Inzwischen bin ich aber soweit, dass ich mir einbilde, Lob und Tadel aus neutral klingendem herauszuhören. Und für „kjempebra jobba“ („super gut gemacht“) muss man auch das nicht können.

** Ich: „Hmm, Blogbuch kostet 3500 NOK, das ist schon viel Geld, das brauchen wir sicher für was dringenderes.“ Auch ich: *verschlürt Autoschlüssel*