Tag 942 – Lessons learned.

Der Tag hat nie genug Stunden. Ich panike ein bisschen vor mich hin, der zweite Vortrag, das Kleid, das alles, uiuiui und eigentlich nur noch ne Woche Zeit.

Aber von vorn. Ich habe gelernt: Bewerbungen auf den letzten Drücker machinist nicht gut. Zwei wichtige stehen aber an. Wirklich so so so wichtige, dass das nicht bis nach der Defense warten kann. Die wollte ich heute schreiben, aber das… wurde nichts. Egal. Ich mache die eine morgen früh als erstes und die zweite, hmm, irgendwann morgen. Zumindest kann ich meinen CV da schon mal hochladen. Frist dafür ist Mittwoch 24:00 Uhr.

Was ich auch gelernt habe: Vortrag muss oft durchgegangen werden. Zweiter Vortrag sollte deshalb nächste Woche Montag stehen, dann habe ich Dienstag zum üben und Mittwoch zum Panik schieben.

Und das dritte: Nicht einfach drauflosnähen. Heften und Abstecken rules. Das ist zwar gefühlt sinnlose Arbeit, weil man das ja alles eh wieder rausmacht, aber im Endeffekt spart man sich so viel Frust, das ist es allemal wert. In das Kleid für die Party käme ich vermutlich gar nicht rein, wenn ich das einfach genäht hätte, wie das Schnittmuster sagt. Nachdem ja die Bluse in 10 viel zu groß war, ist das Kleid nämlich in 12 am Hintern echt eng*. Echt richtig eng. Möglicherweise wird sitzen schwierig, so eng. Und dabei habe ich jetzt schon alles rausgelassen, was ging. Nun. So ist es eben. Immerhin war ich diesmal nicht quasi schon fertig und hatte alles mit für immer haltenden drölfzigfach-Stichen genäht, sondern halt nur geheftet.

Noch was, nicht gelernt, eher festgestellt: immer wenn ich denke, ich hätte mich vielleicht endlich an dieses Zyklus-Ding gewöhnt, mit PMS aus der Hölle und Mittelschmerz und Stimmungs- und Libidoschwankungen wie aus dem Lehrbuch „Die hysterische Frau“ von 1920, kommt irgendwas neues. Diesen Monat neu im Programm: furchtbar schmerzhaft geschwollene Brüste. Sorry für das TMI, aber hui, mir geht das so auf die Nerven. Ich möchte nicht mehr hormongesteuert sein.

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Ich muss mich bei Ihnen allen für zwei Dinge bedanken: die Glückwünsche und den Zuspruch. Es kommt alles an und ich freue mich sehr und werde mit Herrn Rabe nochmal einen Plan B erarbeiten, wenn sich bei mir nicht zeitnah was tut.

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Auto-Lobhudelei: mich nur wenig geärgert.

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*und im Schulter- und Brustbereich trotzdem zu weit. Vielleicht bin ich einfach sehr unförmig?

Tag 940 – Pleiten, Pech und Pannen.

Heute Probevortrag vor Kollegen und Chef gehalten und wie soll ich sagen? Es war schrecklich.

Ich war eigentlich gut vorbereitet und 15 Minuten vor der Zeit da, um die Hardware zu checken. Meine Kollegin meinte, an den lokalen Rechnern ginge der Presenter Mode nicht, ich meinte aber, das besser zu wissen und war dementsprechend überrascht, als es tatsächlich einfach nicht ging. Obwohl ich, wie ich dachte, alles „richtig“ angeklickt hatte, sah ich auf meinem Bildschirm genau das gleiche wie auf der Leinwand: die Folie. Sonst nichts. Meine tollen Notizen – nix da. Und so frickelte ich bis drei Minuten vor der Zeit herum und schloss dann doch meinen Mac an. Das ging immerhin.

Dann kamen Leute, aber der Chef nicht.

Meine Kollegin nutzte die Zeit um mich mit unbedachten Kommentaren a la „but in neurons are a lot of [some weird lesion] and this has an impact on [some brain disease] and there you also have deregulation of [some pathway], DIDN’T YOU KNOW THAT?!?“ ordentlich tief ins Impostor-Loch zu stoßen. Dann kam der Chef und ich startete die Präsentation aber auf der vierten Folie, der ersten mit mehr als „wir befinden uns jetzt hier im Talk“ drauf, gingen plötzlich Dinge schief, die Animationen spielten sich selbst ab und ich fand nicht schnell genug, woran es lag, da war der Chef schon rausgerannt, seinen Laserpointer holen. Weil mit LaserpointerSlashSteuerungsdingsi, da passiert sowas nicht. Schon klar. In der Zwischenzeit fand ich ein Kästchen „Nächste Folie“ das aus irgendeinem Grund auf 40,27 Sekunden eingestellt war und offensichtlich spielt das dann die Animationen entsprechend schnell ab, um dann nach 40,27 Sekunden die Folie zu wechseln. Das stellte ich also stattdessen „beim Klicken“ ein und dann nach Ausprobieren fand ich auch noch das Häkchen „für alle Folien übernehmen“ und gut wars.

Dann kam der Chef mit seinem Laserpointer zurück und schloss den an und es ging wieder der Presenter Mode nicht. Arrrg. Jetzt konnte ich zwar die Präsentation auf meinem Laptop steuern, die Leinwand juckte das aber nicht mehr. Inzwischen waren aber noch zwei Kollegen gekommen, die mit einem abfälligen „Ugh, Mac.“ Unbedingt nochmal den stationären Rechner ausprobieren mussten. Sie taten, was ich vorher auch schon getan hatte, zeigten mir den „Split Screen“ Mode und ich noch so „ja, aber das tut nicht was es soll!“ aber das fanden sie dann auch schnell selbst noch raus. Und erklärten mir dann, das sei eben falsch eingerichtet, das würde beides durchs gleiche Kabel laufen und deshalb geht das halt nicht, aber Mac? Ugh, so kompliziert! Tja.

Ich startete also alles wieder vom Mac von vorne und inzwischen war auch eine halbe Stunde rum.

Dann schaffte ich es, vor den 8 Leuten aus meiner Arbeitsgruppe, die ich ja explizit dazu aufgefordert hatte, mir Feedback zu geben, so nervös zu werden, dass ich stotternd und rot werdend Pause machen und ein halbes Glas Wasser exen musste. Meine Fresse, Körper, so geht das nicht, wenn du sowas machst, werfe ich mir am Defensetag die doppelte Dosis Betablocker schon morgens ein. Insgesamt trank ich übrigens einen Liter Wasser während der folgenden eineinviertel Stunde, in denen ich immer so ein bis zwei Folien vortrug und dann diskutierte, was besser sein könnte. Das Feedback war eigentlich nicht zerschmetternd, aber in der Masse dann doch… Ahhhhh! Insgesamt: Folien zu voll, zu viel, zu klein. Ja, agree, aber was rauswerfen? Ich erklärte, weshalb ich das eine paper so präsentierte, wie ichs tat: Ich habe das Gefühl, wenigstens was im Titel steht sollte ich angerissen haben. Aber da steht alles. Das paper hat fast 100 Einzelabbildungen, ich hatte vielleicht 20 oder so, naja, jetzt sind es eben nur noch 15. Kollegin wusste auf meine Erklärung übrigens auch nichts mehr zu sagen. Dann, richtig peinlich, ist ein Typo im Titel des einen Papers und der ist jetzt auch in allen 80 gedruckten Ausgaben verewigt, und den Namen meiner Polnischen Kollegin habe ich auch falsch geschrieben. Auch verewigt. Damn. Die eine Kollegin (die weiß alles, also, sie weiß tatsächlich viel, und tut das auch sehr gern kund (s.o.) und auch die, die die Opponentin hasst) wollte dann noch vom einen Paper runter „weil sie da ja nichts gemacht hat“. Geiles Gefühl. Doch, echt.

Tja. Ich hab dann nochmal den ganzen Nachmittag damit verbracht. Während ich zu Hause auf die STromzähleraustauschmenschen gewartet habe, die schon längst dagewesen waren, ohne dass ich das gemerkt hatte.

Doch, richtig super der Tag.

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Auto-Lobhudelei: Der Simplicity-Rock hat endlich einen Reißverschluss und fast einen Saum, also, er ist abgesteckt aber selbst ich lerne aus Fehlern und nähe sowas nicht noch nach einem Glas Wein. Aber ich hatte ihn an und er ist wunderschön.

Tag 939 – Durchwachsen.

Mein Tag war heute… puh. Im Prinzip gut. Trotzdem habe ich eine halbe Stunde alleine in einem Gruppenraum gesessen und geheult, weil gefühlt niemand versteht, dass meine Situation grad echt scheiße ist. Ich kann das „der Traumjob kommt bestimmt“ nicht mehr hören, denn: was, wenn nicht? Nach über 40 erfolglosen Bewerbungen finde ich, diese Frage ist doch durchaus berechtigt. Sollen wir dann trotzdem hier in Trondheim bleiben? Und bei dem Gedanken kamen mir die Tränen.

Ansonsten war heute alles super gut. Weshalb ich mal wieder Hormone vermute, die machen, dass ich alles schwarz sehe. Das Thema für die Probevorlesung ist gut. Die Druckfahne der Diss kam an und ist gut. Der Vortrag ist jetzt nur noch 27 Minuten lang – gut! Lippenstift gut, Frauentag… ok, Sport gemacht, alles gut. Trotzdem möchte ich hier einfach weg und habe schlichtweg Panik davor, dass ich, sollte ich wirklich eine auf 1 Jahr befristete Vertretungsstelle bekommen, es mir und vor allem den Familienmitgliedern allzu häuslich einrichte. Weil ich nicht will, dass die hier Wurzeln schlagen. Fertig aus. Ich hasse diese Stadt und wäre besser nie hergekommen. So.

Aber wenn man eh schon schlechte Laune hat, kann man auch unliebsame Dinge tun.

Mehr Foto gibt’s (noch) nicht. Ich muss an allen Ecken und Enden nochmal von Hand ran. Aber immerhin, vermutlich muss ich doch nicht nackt disputieren.

Tag 938 – Hamamblabla.

Mein Tag war etwa so:

  • Alleine in der leeren Wohnung hocken und der Wand meinen Vortrag erzählen. Lief bescheiden. War viel zu lang. Ich kürzte.
  • Irgendwann losgeeist und etwas zu spät aufgebrochen zum Hamam. Natürlich hinter einem auf 45 km/h gedrosselten Hutzelauto festgeklemmt, das grad mal 40 fuhr. Mörderisch gestresst beim Hamam angekommen. Das hatte mir Herr Rabe übrigens zu Weihnachten geschenkt und ich hatte es bisher nicht geschafft, den Gutschein einzulösen. Achtsamkeit und so. Jaja.
  • Hamam. Geiler scheiß. Ich wurde von vorne bis hinten gepampert, gewaschen, gepeelt*, massiert, meine Haare wurden gewaschen und mein Gesicht bekam eine Maske, ich kriegte dauernd Obat und Wasser gereicht… Hach. Wirklich wunderbar.
  • Dann fuhr ich zurück und machte mich wieder an den Vortrag. Dieses Mal schreibe ich alles aus. Alles. Sogar „Hallo“.
  • Die Kinder kommen mit Herrn Rabe und sind unzufrieden und müde und ich muss arbeiten und Herr Rabe kocht, alles eskaliert und schon ist meine tiefenentspanntheit hin:
  • Viele, viele Bügelperlen wieder einsammeln.
  • Essen, Michel ins Bett bringen**, wieder Vortrag.
  • Jetzt. Müde. Aber mit dem Vortrag fertig, fast rechtzeitig, bevor ich morgen um 08:15 das Thema für die Probevorlesung bekomme.

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Auto-Lobhudelei: Fertig mit Ausschreiben.

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*Hier wahlweise „abrasives Peeling“-Geschimpfe oder „waaaas, da kriegt man irgendwelche Hautpflege einfach draufgeklatscht?!?“ vorstellen und dann verkneifen. Ich hab vermutlich 1 kg Haut dagelassen, das Peeling schien also bitter nötig gewesen zu sein.

** Der will momentan immer, dass ich ihm sein „Speziallied“ vorsinge, dass ich mir ausgedacht habe, als er ein Baby war, ich singe das aber nicht vor, wenn Herr Rabe in Hörweite ist, das ist mir irgendwie peinlich. Heute Abend ging das aber, weil Pippi noch länger zum Essen brauchte.

Tag 937 – No pressure.

Ich habe heute den Druck meiner Dissertation in Auftrag gegeben. Weil es dazu einige Missverständnisse gab, hier mal eine kleine Erklärung, wie das hier (also an der Medizinischen Fakultät der NTNU) so läuft.

Man hat ja seine Diss zur Begutachtung sowohl elektronisch als auch ausgedruckt abgegeben. Das geht dann an die Opponenten und die begutachten den das Ganze und schreiben mehr oder weniger hilfreiche Kommentare zurück. Meine waren sehr hilfreich und umfassten zum Beispiel auch „bei Paper 2 sind die Abbildungen sehr klein“. Ich habe daraufhin nachgefragt, ob ich die Änderung „größere Abbildungen in Paper 2“ beantragen muss, denn Änderungen am Manuskript müssen eigentlich vor dem Druck von der Fakultät genehmigt werden und dann in einer Errata-Liste in der Thesis festgehalten werden. Meinen Fall betrifft das aber nicht. Gut!

Was im Gegensatz zum Manuskript noch mal geändert werden musste (auch ohne Erratum), ist das Entfernen der Titelseite. Die wird nämlich von der Druckerei erstellt und sieht für alle gleich aus. Genau wie der Umschlag. Und nein, eine andere Druckerei als die zwei von der Uni genehmigten darf ich nicht nehmen, aus genau dem Grund nämlich, dass das alles standardisiert ist.

Jo, hübsch hässlich.

Dann muss man noch eine Zusammenfassung auf Norwegisch schreiben, die direkt hinter die erste Seite kommt und unter der auch nochmal steht, wer man ist, wer’s betreut hat, wer’s finanziert hat und dass die Arbeit als verteidigungswürdig eingestuft wurde. Plus Datum, Ort und Uhrzeit der Disputation. An die Fakultät muss man dann nochmal diese Zusammenfassung auf Norwegisch und, wie ich heute feststellen durfte, auch auf Englisch schicken. Das packen die dann in ihre Alumnews und so, deshalb muss das auch ganz einfach geschrieben sein. An so Populärwissenschaftlichem Tralala habe ich aber ja großen Spaß, das war also nicht das Problem. Zumindest auf Englisch nicht.

So, und jetzt hat man also kein Titelblatt mehr, dafür die Zusammenfassung drin, dann kann man das jetzt bei der Druckerei hochladen. Vorher muss man sich noch eine ISBN-Nummer generieren, das geht aber ganz einfach über einen Link auf der Druckereiwebseite. Dann trägt man alles mögliche im Formular bei der Druckerei ein, Name, Institut, Englisch/Bokmål/Nynorsk… sowas eben. Dann wird das Titelblatt generiert und der Umschlag und man kann nochmal kurz über das Layout seufzen. Und dann, endlich, lädt man sein PDF hoch. Man sollte wirklich, WIRKLICH nur ein PDF haben (und nicht acht, wie eine gewisse Person), weil man nämlich jetzt erstens die Gesamtzahl der Seiten und zweitens die farbigen Seiten angeben muss. Und das wird eine elendige Rechnerei bei mehreren Dokumenten und wenn man dann noch Kontroletti-Neigungen hat, tippert man im Kommentarfeld nochmal ganz genau ein, welche Seiten von welchem Dokument genau denn nun farbig sein sollen. Es gibt dann auf der finalen Hochlade-Seite noch ein Feld, nämlich „Wieviele Ausgaben werden von wem bezahlt?“. Nun, die Antwort auf diese Frage ist im Prinzip einfach: die Fakultät will 80 Ausgaben und die sollen aus Projektmitteln bezahlt werden. Bei ~350 NOK pro Ausgabe wird das dann ne Stange Geld, ja. Man kann natürlich noch selbst für 350 NOK das Stück eine für die Oma/Nachbarin/Altpapiertonne drucken lassen, aber erfahrungsgemäß bleiben eh reichlich Exemplare übrig. Bei der Disputation liegen nämlich die gedruckten Ausgaben aus und jede*r, der*die da ist, nimmt sich eine. Eine landet beim Chef im Büro, eine in der Bibliothek, die restlichen 20-40 landen im Kopierraum und fristen da ein trauriges Dasein, bis in 3 Jahren mal ein Masterstudent eine aus der Kiste holt. Aber theoretisch könnten ja auch 75 Leute zur Disputation kommen. (Oder 85, in den Hörsaal passen 90 Leute.) Deshalb 80.

In die zwei Felder trägt man also ein: Kandidat 0, Institut 80, darunter noch die Projektnummer, fertig. Und in ein paar Tagen kommt dann die Druckfahne.

Shit’s getting real.

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Auto-Lobhudelei: vernünftig gewesen und Räume gebucht, um die Präsentationen zu üben.

Tag 933 – Gnääähhhhh!

Geplant war, dass ich hier jetzt schon geraume Zeit im Bett liege und der Mann demnächst nach Hause kommt.

Jetzt liege ich hier seit grad und der Mann kommt vielleicht irgendwann morgen, denn, tadaa, einer seiner Flüge wurde abgesagt und jetzt befindet er sich auf einer „Hauptstädte Skandinaviens“-Odyssee, inklusive Schnee und Passagieren, von denen sich nur das eingecheckte Gepäck im Flugzeug befindet. Neben mir liegt Pippi, die vor eineinhalb Stunden während ich vor mich hinsportelte einmal kurz und dann als ich grad in die Dusche steigen wollte in infernalisches Gebrüll ausbrach. Ich versuchte wirklich alles, aber sie brüllte und schluchzte nur. Zwischendurch verstand ich irgendwas wie „Jalla“ oder „Allah“ oder „Aua“ oder vielleicht war es auch „Mama“, in der Lautstärke hört sich alles Kindergebrüll für mich gleich an. Auch bei meinen eigenen Kindern*. Ich ermittelte empirisch, dass meine Anwesenheit als Boxsack durchaus gewünscht war, alles andere aber nicht. Nach dreißig Minuten (in denen ich ja nackt in Pippis Bett lag, getreten und angebrüllt wurde, mich aber nicht zudecken durfte, weil wasweißichdenn) gab ich auf, schleppte das inzwischen heisere Brüllbündel ins Bad und ließ sie auf meinem Handy Mausclips gucken, während ich sehr schnell duschte, sehr schnell Vorteig für Brötchen ansetzte und sehr schnell Wäsche aufhängte. Jetzt gibt sie mir mein Handy nicht zurück.

News von der Vortragsfront: Ich werde entweder deutlich kürzen oder sehr schnell sprechen müssen. Das ist nicht so richtig cool, weil ich gefühlt schon alles bis zur Grenze der Verständlichkeit eingedampft habe. Naja, ich hab mir jedenfalls die Daten mit nach Hause genommen und kann vielleicht am Wochenende irgendwann noch mal ran. Falls Herr Rabe irgendwann wiederkommt.

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Auto-Lobhudelei: Eigentlich viel geschafft, trotz leicht widriger Umstände in Form widerborstiger Kinder.

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* Michel hatte heute morgen einen totalen Wutanfall, weil wir sein rotes T-Shirt mit dem Steinbock drauf noch nicht gewaschen haben. Das andere rote T-Shirt war völlig inakzeptabel, weil da Zahlen drauf sind. Unzumutbar. Er wollte dann zu Hause bleiben. Alleine. Wegen des T-Shirts. Nach vier Scheiben Brot zum Frühstück war das alles gar nicht mehr so schlimm und dann auch die rote Jacke ok, aber ich habe mal wieder gemerkt: wenn der so drauf ist, hilft nichts außer Aussitzen. Hirn out of order.

Tag 932 – Schnipsel.

Habe Michel bei der Schule angemeldet, auf die er vermutlich nie gehen wird. Was für ein Scheißgefühl. Mit Fünftklässlerchor und allem. Wie stolz Michel war. Ich wollte mich am liebsten unsichtbar machen.

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Dadurch heute nicht so viel gearbeitet, wie ich wollte. Vortrag ist jetzt so halbfertig. Geht schon, aber da ich meiner Kollegin versprochen habe, am Montag fertig zu sein, muss ich eventuell am Wochenende ran.

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Die Bluse wird so schön. Ich bin begeistert. Kirschen. So seriös *hust*. Und wenn man einmal kapiert hat, wie das alles geht mit den Belägen und Manschetten und so ist es auch nicht übermäßig schwierig.

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Michels unangenehmen Kumpel nach dem Kindergarten mit nach Hause genommen, nachdem mich die Jungs breitgequatscht hatten. Hmmnaja. Ich hab dann ein Loblied auf den Hygienespüler gesungen, nachdem Michels Handschuh vor der Tür im gelben Schnee landete und es erst der Kumpel, dann Michel und dann keiner von beiden gewesen sein wollte. Und so ging es im Grunde dann auch weiter. Anstrengendes Kind.

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Selbes Kind hat aber auch für den Lacher des Tages gesorgt, als es erzählt hat (während die Mama daneben stand): „Weißt du was? Meine Mama wäre fast ins Gefängnis gekommen! Weil sie einen Strafzettel bekommen hat! Die fährt nämlich wie eine Sau!“ (Ja, 75 in ner 50er Zone ist „wie eine Sau“ und ja, sie wäre tatsächlich fast ins Gefängnis gekommen, weil sie nämlich den Strafzettel nicht bezahlen konnte. Ihr Vater hat ihr dann aber das Geld geliehen. Das klärte sich also alles auf, herzlich gelacht habe ich aber trotzdem – über das peinlich berührte Gesicht der Mutter.)

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Die Haut an meinen Händen findet das Wetter grad ultimativ kacke. Obwohl ich schon dauernd Handcreme draufmache, ist die ganz arg rissig und trocken und rau und rot und tut auch weh. Aber ich sitze halt auch den ganzen Tag im Klimaanlagenbüro, unterbrochen durch Ausflüge in -15 Grad. Es ist so kalt, dass ich sogar das Fenster zulasse, weil ich sonst unter meiner Winterbettdecke friere. Von morgens aus dem Bett kommen und direkt tiefgefrieren mal ganz zu schweigen.

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Pippi ist momentan ziemlich anstrengend. Zuckersüß, aber auch unfassbar bockig, aus Prinzip, wie es scheint. Ich sage x, sie sagt Nein. Und das meint sie dann auch. Ich sage viel x. Anstrengend. Dazu kommt, dass sie scheinbar Albträume hat, jedenfalls schläft sie die ersten 2-3 Stunden sehr schlecht, schreckt oft hoch, weint im Schlaf und so weiter. Anstrengend. Alles Anstrengend.

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Zum Umfallen müde gerade.

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Auto-Lobhudelei: Bluse und Vortrag werden glaube ich richtig gut.

Tag 922 – Kann doch nicht wahr sein…

Ja, genau. Michel hat irgendeinen Infekt oder so, ihn plagen weiterhin Kopfschmerzen, trockener Husten und manchmal leichtes Fieber. Es ist zum Mäusemelken. Und ja, ich nörgle über die Untätigkeit, und dann nörgle ich auch, wenn ich was zu tun hab – nämlich kranke Kinder betreuen. Aber, herrje, die sind ja im Moment auch echt dauernd krank. Und ich verstehe rational, dass ich wirklich nun mal diejenige bin, die keinen Job hat. Aber halt nur rational. Emotional bleibt damit IMMER ALLES an mir hängen. (Ich benutze jetzt grad mal absichtlich die Paarberatungs-Triggerphrasen zur Verdeutlichung.) Ich waschetrocknefalteverräume nebenher Wäsche, räume nebenher die Spülmaschine ein und aus, räume auf, rödle herum. Ich besorge Dinge. Ich gehe zur Post. Ich, ich, ich.

Ha! Schön wär’s! Ich mache das ja noch nicht mal alles! Ich gebe mir jede Mühe, eben nicht den kompletten Haushalt zu schmeißen. Aber das kostet richtig bewusstes Nicht-tun von mir, immer wieder muss ich mir sagen, nein, du bist jetzt nicht automatisch Hausfrau, dein Job ist jetzt die Jobsuche und die Vorbereitung auf die Defense. Herr Rabe arbeitet grad die Stunden wieder rein, die ihm im Dezember verloren gegangen sind, das hält ihn aber nicht davon ab, abends eine Maschine Wäsche aufzuhängen. Oder einen Liter Milch mitzubringen. Und diese Schieflage – ich, die ich mich bewusst bremsen muss, Dinge zu tun, die ich total blöd finde, die ich aber gut machen könnte und zu denen ich mich auf eine fiese, diffus protestantische und hundertprozentig von meiner Mutter übernommene Art auch stark verpflichtet fühle – auf der anderen Seite Herr Rabe, der (wegen mir) Arbeit liegen lassen musste, die jetzt wartet und der sich vermutlich auch dazu verpflichtet fühlt, gerade jetzt bei seiner Arbeit vollen Einsatz zu zeigen, hängt doch unser Familieneinkommen maßgeblich davon ab – diese Schieflage jedenfalls, die ist richtig unangenehm. (War das der längste Satz bisher in diesem Blog? Ich vermute es stark. Nun Ellipsen. Obwohl. Nee.)

Und dann fühlt man frühmorgens ungewöhnlich warme Füße am Bein und weiß: mein Job ist grad eben doch kein Job. Und wenn nichts super wichtiges ansteht (Mittwoch zum Beispiel habe ich einen Augenarzttermin und ich sage es mal so: noch eine Person, der Michel offenherzig erzählt, dass seine Mama „einfach keinen Job findet“ und ich nehme den nie wieder irgendwo hin mit), bin ich dran. Dran, dranner, am dransten.

Gut, dass mir das wenigstens bewusst ist, da ist die Gefahr etwas geringer, es sich in der Situation bequem zu machen. Und für die Zeit ab Donnerstag, wenn ich die Vorträge, den Druck, das ganze Tralala einfach fertig bekommen *muss*, haben wir schon abgemacht: da teilen wir auch die Kindkrank-Tage wieder.

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Auto-Lobhudelei: Gezielt in einen Glitzertopf gefallen und Bombe ausgesehen, während ich mitsamt Michel bei der komplett sinnfreien Beratung des Karrierecenters war. Bombe ausgesehen, während ich Blubberwasserpatronen kaufte. Pippi aus der KiTa holte. Das Spitzenoberteil anpasste. Mit einer Dame telefonierte, die mich ein wenig über die Arbeit der EMA aufklärte. Mit Michel fünfzig Mal durchdiskutierte, dass er kein Fernsehen gucken darf, weil wir das so abgemacht haben, als er am Morgen sagte, er wolle nicht in die KiTa. Also auch: viel geschafft. Erwachsenenpunkte verdient.

Tag 918 – Vom Versuch, nicht Nachzudenken und gleichzeitig einen klaren Kopf zu behalten.

Diese Bewerbungssache frisst mich auf. Und zwar nicht, weil es nichts gibt, auf das ich mich bewerben könnte, sondern weil es zu viel ist. Zu viel, zu breit gefächert, es ist verzweifelt und zerfasert und damit so wie ich. Es frisst meine Energie und meine gute Laune. Ich mag nicht mehr wochenlang nichts und dann „nach gründlicher Durchsicht… sorry. Bewerben sie sich aber doch ruhig weiter bei uns.“ hören. Ich mag nicht mehr Anzeigen lesen und mit meinem Profil abgleichen und Anschreiben schreiben, raten, was für eine Person sich hinter dem Namen der Kontaktperson verbirgt, den richtigen Ton treffen (oder halt auch nicht), wenn das doch vermutlich eh nicht gelesen wird.

Dazu gesellen sich dann die anderen Dinge. Michel, der sich wahnsinnig auf den Einschreibetermin an der Schule freut. Der Mietvertrag, der vermutlichhoffentlichmöglicherweise so weiterlaufen kann wie bisher. Der KiTa-Platz. Die KiTa-Plätze an einem neuen Ort, irgendwo in Europa. Oder einmal Schule, einmal KiTa. Ein Kind, das nicht gut deutsch spricht, aber unbedingt in die Schule will. Wenn ich nur befristet was kriege, was wahrscheinlich ist: in zwei, drei Jahren wieder das Gleiche?

Oder vielleicht sollte ich einfach einsehen, dass es drei von vier Familienmitgliedern hier gut geht. Hier in Trondheim. Wer bin ich, dass ich drei Menschen verpflanzen will. Irgendwas (das NAV hat ja gesagt: irgendwas wird schon gehen und ich kriege das alles alleine hin!) wird schon gehen, irgendein Post-Doc irgendwo oder irgendeine Laborhelferstelle. Ein Häuschen im nächsten Vorort, in dem es bezahlbar ist.

Und dann muss ich ja auch noch diesen Vortrag machen und es wird ja nicht besser vom Prokrastinieren, aber der Impostor-Zwerg sitzt wieder oder immernoch in meinem Kopf, stetig gefüttert durch Jobanzeigen, und lacht mich höhnisch aus. „Vergiss es einfach, das wird eh nichts!“ sagt er. „Vergessen? Du hast Scheißangst vor Präsentationen! Und diesmal geht’s um die Wurst! Als würdest du das hinkriegen.“

Und an manchen Tagen glaube ich das. Sorry. Disputieren Sie doch gerne zu einem späteren Zeitpunkt noch mal mit uns.

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Auto-Lobhudelei: drei (drei!) Mails in Job-Sachen verschickt, eine kann man wohl als Initiativbewerbung ansehen. Sehr leckeres Abendessen (Mac’n’cheese, die cleaneating-Fraktion weint in ihren Quinoasalat, aber es gibt einfach nichts besseres als massive Käsegerichte um wunde Seelen zu schmieren) früh fertig gehabt. 3-4 Kinderäquivalente in den Schlaf gekuschelt. Plus Sport und ein übertragenes und ausgeschnittenes Schnittmuster.

Tag 911 – Karriereberatung: Ich war dabei!

Und es war, wie ich es vorhergesehen hatte: sinnlos und furchtbar.

Aber fangen wir vorne an. Das NAV (das Norwegische Amt für Arbeit und Soziales) hat ja, obwohl ich im Fragebogen zu meiner Arbeitslosigkeit extra den Haken bei „Möchten Sie ein persönliches Gespräch haben?“ auf „Ja“ gesetzt habe, einfach bestimmt, dass ich alleine einen Job finden kann. Zackbumm. Nix Gespräch. Aber, so schlug es die Sachbearbeiterin, zu der ich via fancy online-dialog Kontakt hatte, vor: es gibt eine kommunale Karriereberatung, die sei kostenlos und da könne ich ja mal hingehen.

Nun, ehe mir Untätigkeit vorgeworfen wird, machte ich also einen individuellen Termin mit den Karriereberatern und ging zusätzlich heute zu einem Kurs „CV, Bewerbung, Vorstellungsgespräch“, in der Hoffnung irgendwas abzugreifen, das nicht auf den einschlägigen Websites schon zigfach steht, allerdings in der Erwartung, dass es eben genau das sein würde: eine Wiederholung der „schlauen“ Tipps, über die Personaler*Innen ganz sicher schon nur noch müde gähnen.

Zuerst mal über die Gruppe: Neun Personen mit guter Ausbildung. Eine Juristin, eine BWLerin, eine ITlerin, Ich, eine Bauingenieurin, eine, die 10 Jahre lang irgendwo in der Verwaltung (öffentlich) war, eine mit >30 Jahren Berufserfahrung als Buchhalterin, einer, der 20 Jahre lang ein Hotel in Mossul geleitet hat. Nur eine Person hatte keinen Uniabschluss oder ewig lange Erfahrung und die suchte auch hauptsächlich Zimmermädchen-Jobs. Also 9:1. Auch 9:1: 9 Frauen, 1 Mann. 9 Ausländer*Innen, 1 Norwegerin. Und wir alle saßen da nun, weil wir keinen Job kriegen. Man könnte meinen, das spiegele eventuell die „Problemfälle“ auf dem Norwegischen Arbeitsmarkt wieder: gut ausgebildete oder sehr erfahrene Menschen aus dem Ausland, die übereinstimmend von ähnlichen Schwierigkeiten berichten: Berufsabschlüsse nicht anerkannt, Norwegisch reicht nicht um nen Fuß in die Tür zu kriegen, zu alt, Name ist nicht grad Sissel… Und dann noch ne Frau. Aber das bin nur ich, ich höre da gern das Gras wachsen, es stach mir nur ins Auge. Am Engagement haperte es jedenfalls bei uns allen nicht, sonst würde man seinen frustrierten Hintern ja nicht zu so ner Veranstaltung schleppen. Nunja, es schien die Vortragenden jedenfalls nicht zu bekümmern, oder sie haben beide ein gutes Pokerface.

Aber kommen wir zu den Inhalten: pfffffffft. Haben Sie das gehört? Das war der Inhalt. Ich musste spätestens ab der Hälfte echt auf meine Wangen beißen um nicht laut loszulachen. Insgesamt wollte ich einfach wie Loriot ab und zu „Ach.“ in den Raum werfen. Ach was, dauernd. Ich greife mal ein paar Punkte auf:

  • Think outside the box! – Vielleicht wär ja Busfahrerin was, die suchen immer.
  • Initiativbewerbungen rulen total. Also ehrlich: wenn ein Hotel Rezeptionisten einstellt, werden die Stellen quasi nie ausgeschrieben!
  • Immer zu den Firmen hingehen und das Gesicht zeigen, wenn man das macht und seinen CV dalässt: ein Bild von sich auf den CV (sonst egal, Geschmackssache, solange es nicht ein Foto vom letzten Besäufnis mit den Kumpels ist).
  • Ein Bewerbungslog führen (ähhhh, das hat NAV auf der Homepage, das schien denen allen gar nicht klar zu sein).
  • Wenn der CV eh schon voll ist, kann man auf „Persönliche Eigenschaften“ verzichten. Sonst unbedingt ein paar Plattitüden raushauen Schlüsselworte wie Engagiert, Durchsetzungsstark, Kreativ, whatever da hinschreiben. GUT DASS MEIN CV EH SCHON SO VOLL IST! Obwohl ich kurz darüber nachgedacht habe, in Zukunft in die Kopfzeile (da ist Platz für ein Zitat vorgesehen, das dann, glaube ich, in schicker Schrift und grau dargestellt wird) zu schreiben „I get shit done.“
  • LongJohn1992@hotmail.com oder suessesmausi20@gmail.com sind keine guten E-Mail-Adressen für solche Zwecke.
  • Schule vor der 10. Klasse interessiert keine Sau.
  • Ob du verheiratet bist, wieviele Kinder du hast, ob du katholisch bist, was deine Eltern gearbeitet haben: interessiert keine Sau.
  • Aus leidvoller Erfahrung konnte ich dann noch beitragen: Achtung! Manche Firmen wollen auch gar keine Info zu anderen Dingen wie Alter, Foto, Geschlecht, … Muss man halt drauf achten, wird sonst peinlich.
  • Für jede Stelle ein neues Anschreiben schreiben.
  • Drauf achten, dass nicht in Bewerbung B noch die Anschrift oder der Name von Bewerbung A steht.
  • Buzzword-Bingo mit der Stellenausschreibungen machen: Wenn die jemanden suchen, der engagiert, offen für Neues und mit innovativen Problemlösungsstrategien arbeitet, dann ist man wortwörtlich genau das.
  • ABER UM HIMMELS WILLEN NICHT VERSTELLEN!
  • Und nicht aus dem Internet abschreiben.
  • Sich auf das Interview vorbereiten. Mal auf die Homepage gehen.
  • Sich Fragen ausdenken.
  • Pünktlich sein.
  • Wissen wo man hin muss und wie man da hin kommt.
  • Nur Kopien der Zeugnisse mitbringen, keine Originale.
  • Nicht gleich nach Geld fragen.
  • Nochmal Buzzword-Bingo mit der Ausschreibung spielen.
  • Sauber und ordentlich angezogen sein.
  • „Dress for the job you want.“ (Ich stelle mir dann immer vor, wie ich da im Kittel auflaufe. Gut, dass ich eh nicht mehr ins Labor will, wenn es sich vermeiden lässt. Und man weiß ja nie, an wen man gerät. Wäre ich Personalerin, ich würde mich über jemanden kaputtlachen, der im Kittel kommt und sagt, „they always tell you to dress for the job you want, so I did, but as we’re not sitting in the lab right now, I’ll take this off for the moment“, weil, hey, ganz mein Humor! Aber mit Humor ist das ja so ne Sache. Das kann total schnell nach hinten losgehen.)
  • Händedruck soll fest sein.
  • Augenkontakt!
  • Sei ganz du selbst! Es sei denn, du bist zu schüchtern, oder zu bossy, dann sei Batman nicht ganz so sehr du selbst.

Also insgesamt echt nichts, was man nicht auch auf jeder x-beliebigen Bewerbungs-Tipps-Website findet. Damit die Zeit nicht ganz vergeudet war, ging ich rund um den Termin ein bisschen spazieren, das war auch schön. (Und geschminkt hatte ich mich sehr schön. Ha!)

Aber ein Gutes gibt es ja doch noch zu sagen: Da ich meinen Bewerbungsfrust immer recht ungefiltert ins Internet kübele, kam ich heute in Kontakt mit einer Dame, deren Unternehmen immer gute Leute sucht, die (grob) sowas können wie ich. Und überhaupt kriege ich immer so viel Unterstützung hier. Dafür bin ich wahnsinnig dankbar und das wiegt so sinnfreie Veranstaltungen wie heute tatsächlich mehr als auf.

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Auto-Lobhudelei: Veranstaltung ohne Lachkrämpfe und „Ach.“ zu rufen überstanden, Nachmittag und Abend alleine mit den Kindern gut hinbekommen, alle liegen jetzt satt, sauber und in den Schlaf gekuschelt* in ihren Betten und ich habe nicht rumgebrüllt, das war auch schon mal anders. Außerdem indirekt die Bestätigung bekommen, dass meine Bewerbungen schon so passen wie sie sind, aber das ist ja nicht Auto- sondern Außen-Lobhudelei.

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*dabei noch souverän Michel getröstet, den urplötzlich die große Trauer überkam, weil er am Dienstag eigentlich noch Hunger gehabt hatte, als er ins Bett gegangen ist. Kinder sind manchmal recht merkwürdig.