Tag 1163 – Winter is coming.

Jaja, ich weiß, bei Ihnen sind immernoch überall 35 Grad und Sie grillen und baden den ganzen Tag, aber hier ist der Winter-Struggle schon ein bisschen realer. Wir haben zwar etwa genau das Wetter, was ich in Trondheim immer vermisst habe, nämlich… naja hauptsächlich trockenes und vor allem beständigeres, die Sonne scheint und die Luft ist klar und herbstlich und das alles ist einfach perfekt, geht aber mit Kälte einher. Nachts frierts und morgens friert Michel auf seinem Fahrrad. Tagsüber blieb es dann in den letzten Tagen auch frisch, maximal 8 Grad heute, aber so muss das im Herbst ja auch sein. Ich finde das jedenfalls ganz wunderbar und schiebe es einzig und allein auf die Herbstluft, dass mein seltsamer Reiz(?)-Husten endlich fast weg ist.

Pünktlich zu diesen Herbstgefühlen kam heute ein Zettel mit Michel aus der Schule, darauf Werbung für den Skiverein. Michel war gleich Feuer und Flamme und probiert das nächste Woche mal aus. Ich werde jetzt also, of all things, Skimutter, und morgen wird meine erste Amtshandlung darin bestehen, den Verein zu kontaktieren, was die Kinder denn brauchen. Muss jedes Kind einen Eimer Schnee mitbringen? Man weiß es nicht. Dann wird Michel neue Ski brauchen, denn die Kinderski sind viel zu kurz, Wollsocken haben wir neulich neue gekauft, Wollunterwäsche auch. Heute haben wir außerdem Winterstiefel für Michel gekauft, mit super dickem Futter, als Dauer-an-den-Füßen-Friererin bin ich fast ein bisschen neidisch. Einen Winteranzug hat er noch, den mag er zwar nicht, weil ja nur Babies Einteiler tragen, aber das Ding hat über 1000 Kronen gekostet, das wird angezogen, bumms aus. Der muss nochmal imprägniert werden. Die Schuhe auch. Bei Pippis Sachen muss ich noch schauen, was davon noch passt, jedenfalls habe ich schon einen gefütterten Regenanzug und mindestens einen Schneeanzug gefunden, der ihr passen müsste. Bei den Winterstiefeln hege ich gewisse Zweifel, ihre Füße sind schon recht groß und eventuell einfach zu groß um das letzte Paar Winterstiefel, das Michel nicht komplett abgerockt hat, auftragen zu können. Dann müssen wir noch mal Winterstiefel kaufen. Ächz.

Winter is coming, Winter is making a lot of Arbeit and Winter is schon auch teuer.

Tag 1162 – Laune.

Morgen muss produktiver werden, denn heute Abend ist meine Laune so im Keller, dass ich von Grundschule bis Zäpfchenfabrik alles anzünden möchte. Ich werd jetzt auch nur noch schauen, ob die eine Schnecke ihr Gelege, von dem ich gestern nur drei Eier fand, fertig gelegt hat und dann werde ich ins Bett fallen und hoffentlich nicht mehr grollen weil einfach alles heute so super kacke war.

Tag 1161 – Irgendwo in Skandinavien.

Pippi und ich sind wieder zu Hause. Was gut ist, im Krankenhaus hätte ich sonst heute wen umgebracht, weil sich eine ganz schlechte Nacht, PMS und die missglückte Lieferung unseres Krams aus Deutschland ganz ungünstig auf meine Laune auswirkten. Der Spediteur kam nämlich heute *nicht* um zwölf, wie er gestern Abend (was ja auch schon totaaaaal weit im Voraus und super gut für uns planbar war) angekündigt hatte, sondern um zehn. Und dabei hatte er den Schrank, den Stuhl, den Lampenfuß und drei Umzugskartons. Drei. Es waren 13. 10 unserer Umzugskartons, nämlich

  • 6 mit Büchern
  • 2 mit CDs und
  • 2 mit Küchen- und Dekokram

sind verschollen. 7 sind angeblich in Umeå und der Spediteur meint, das seien alle, das könne gar nicht sein, dass er die anderen vielleicht in Linköping vergessen habe, wir hätten nur sieben weitere gehabt. Äh, nein, es waren 10, die stehen auf der Liste und wir haben Fotos davon und ich will verdammt noch mal meine Bücher haben. Die sieben in Umeå versehentlich ausgeladenen Kartons werden vermutlich im Dezember abgeholt, da fährt der Spediteur nämlich nach Tromsø und kommt dann ja quasi da vorbei.

Ich bin etwas sehr angesäuert. Das einzige, was mich besänftigt ist mein Schatz Schrank. (Wechselt vielleicht noch in die Küche, das müssen wir mal messen, andererseits: was soll dann da ins Wohnzimmer? Hmm.)

Der sieht so klein aus. Das Ding ist riesig. Und ich liebe es.

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Auto-Lobhudelei: Keinen gebissen, noch nicht mal wen angeschrien, dafür immerhin versucht, wen anzurufen (der dann aber nicht dranging).

Tag 1155 – Welch ein Glück…

… dass ich dringend ins Bett gehöre. Sonst würde ich mich noch aufregen. Anlass hätte ich genug, denn ich fuhr heute nach meinem Termin über den ich nicht reden möchte an der Chipsfabrik vorbei um für den italienischen Studenten was abzugeben, dann war das aber ganz falsch da und ich musste nochmal 20 km weiter fahren, dann ist man fast in Schweden aber so ist das eben. Jedenfalls fuhr ich auf dem Parkplatz rückwärts in ein Auto, das da halt stand, mit der Fahrerin drin und tja, dann wohl keine Badewanne für uns erstmal. Könnte man sich jetzt drüber aufregen, aber hilfts? Nein.

Auch echt blöd ist, dass beide Kinder krank sind. Michel mehr als Pippi. Michel hat morgen Geburtstag und wird den wohl zu Hause verbringen und nicht auf seinem nigelnagelneuen Fahrrad zur Schule cruisen. Bei Pippi ist das doof wegen der Op.

Ach ja, die OP. Also. Es ist mitnichten so, dass ich wegen ein, zwei Infekten meinem Kind lustig im Hals rumschnippeln lasse. Sie hat, das habe ich auch hier und hier schon mal ausführlicher geschrieben, Periodisches Fiebersyndrom, eine total sinnlose Krankheit, bei der die Kinder bloß Fieber kriegen und sich scheiße fühlen und das alle drei Wochen. Wenn die Antroposophen recht hätten mit ihren „Entwicklungsschüben durch Krankheiten“ könnten wir Pippi eigentlich schon mal an der Uni anmelden statt im neuen Kindergarten. Gegen diese Krankheit hilft nur Warten (bis zum 10. Lebensjahr wenns blöd läuft) oder die Mandeln zu entfernen. Und weil Pippi außerdem schnarcht wie ein (sehr niedliches) Sägewerk werden die Polypen auch gleich gekürzt, das sollte auch die Infektanfälligkeit noch mal verringern. So eine Operation ist nicht ohne Risiko und auch das weiß ich, auch dass die Mandeln ein Organ des Immunsystems sind, weiß ich auch, aber, Achtung, Anekdote: seit nunmehr 28 Jahren lebe ich ganz gut ohne. Ich bin nicht häufiger, schwerer oder anders krank als der Durchschnitt, jedenfalls nicht im Hals. Dafür konnte ich die Grundschule deutlich häufiger besuchen als den Kindergarten, weil ich nämlich – Überraschung – auch alle paar Wochen krank war bis zu der OP. Also wir hoffen alle sehr, dass die OP gut läuft und dieses blöde Syndrom ein für alle mal beendet, denn was ganz sicher nicht helfen wird, sind irgendwelche Zucker-Weizenpillen. Auch nicht mit Birkenkohle. Das einzige, was wir davon haben, ist ein Kind, das dauernd krank ist *und* jedes mal Pillen reingeschoben bekommt. Und ein leereres Portemonnaie, das haben wir dann auch. Man merkt es vielleicht: ich halte ü-ber-haupt gar nichts von Homöopathie. Nicht bei Beulen, nicht bei Husten, nicht bei seltsamen Fiebererkrankungen, schon mal gar nicht bei schweren Infekten und jede*r, der Homöopathie gegen Krebs anbietet gehört eingesperrt. So, ist das auch mal gesagt.

Jetzt hab ich mich doch ein wenig aufgeregt. Tjanun. Jetzt aber Bett.

Ach ja, ich hab es heute endlich bezahlt, jetzt kann ich Ihnen auch mal das Kleid zeigen.

Entspannte Haltung.

Entspanntes Gesicht. (Es braucht übrigens keine Sicherheitsnadel, aber sie beruhigt ungemein.)

Tag 1153 – Schnecken baden.

Erstmal: Wir sind wieder zu Hause, das ist sehr schön. Und jetzt wo ich weiß, dass mein heiß geliebter grüner Schrank bald hier sein wird, ist es noch ein bisschen schöner. Ich weiß nur noch nicht so ganz, wohin damit, aber die Erkenntnis kommt schon noch. Wir haben auch schon den Kühlschrank und die Wäscheständer befüllt, die Kaffeemaschine umarmt und (ganz anders als die alte Wohnung!) das Haus mit nur einmal Ofen an komplett aufgeheizt. Ich liebe dichte Fenster!

Was ich heute auch gemacht habe: die Schneckenerde gewechselt. Und weil mich auf Twitter die Mupfmama gefragt hat, was die Schnecken denn so für Arbeit machen, antworte ich mal hier. Kurzfassung ist: wenig. Aber von vorn.

Meine Schnecken wohnen in einem Terrarium, das einen Tucken tiefer sein könnte, dafür ist es sehr hoch. Ich dachte erst, ich würde die Höhe einfach mit Ästen zum Klettern füllen, aber dann fing alles holzige immer super schnell an zu schimmeln* und deshalb ließ ich das dann wieder bleiben. Im Terrarium ist als „Erde“ gepresste Kokosfaser, die ich mit Wasser aufgieße (logisch) und dann mit Rasenkalk versetze, um den pH-Wert ein bisschen anzuheben. Ich nehme nicht die teure Kokosfaser aus dem Terrarienhandel und auch nicht das Kalkgranulat von da, weil das einfach mal das gleiche in dreimal so teuer ist. Auf 20 L „fertige“ Erde (zwei Packungen á (hier) 4 €) kommt ein Ikea-Plastikbecher Kalk. Die Erde kostet also schon mal nicht die Welt. Ich tausche sie etwa einmal im Monat, im Winter seltener, wenn die vermaledeiten Erdmücken wieder überall sind auch mal häufiger. Ansonsten ist im Terrarium ein recht großer Farn, als Versteckmöglichkeit, als Deko und als Snack zwischendurch, weshalb ich ebenfalls etwa einmal im Monat einen neuen Farn kaufen muss. Dann mache ich die Erde mit dem bösen Topfpflanzendünger ab, weil das für die Schnecken unter Umständen giftig sein kann.

Was auch einfach immer irgendwie im Terrarium liegt ist ein großes Stück Sepiaschale, das fressen die Schnecken als Calcium-Quelle fürs Haus. Kostenpunkt: ca. 3 € für 1 komplette Sepiaschale aus dem Zooladen, hält… ewig. Drei Monate? Futter für die Schnecken sind Küchenabfälle, zum Beispiel das trockene Endstück der Gurke, das äußere Salatblatt (gut gewaschen), Tomatenstrunke, Kartoffelschalen, Zucchini- und Auberginenpos und so weiter. Im Sommer stehen die Schnecken auch voll auf Löwenzahn, Giersch und ähnliches Zeug, was eh überall wächst. Also Schnecken*futter* kaufe ich nie.

Kommen wir zum Zeitfaktor: man muss die täglich einsprühen, das dauert, hmm, zwei Minuten. Man könnte natürlich eine Fantastilliarde in Technik investieren, die Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Terrarium regelt, aber die Achatina Fulica braucht nicht so Wohnzimmer-ferne Temperaturen und für die Luftfeuchtigkeit tut es auch ne Blumenpüste. Wenn es sehr warm ist, sprühe ich mehrmals am Tag, bei der Erde sieht man das auch schon ganz gut, die sollte halt nie trocken sein (deshalb schimmelte auch das Holz immer). Sonst im Alltag: altes Futter raus, neues Futter rein: 2 Minuten. Ca. zwei Mal die Woche nach Gelegen graben: 3 Minuten, wenn man eins findet (ca. 4-6 mal pro Sommer, meine jedenfalls vermehren sich im Winter nicht so gern) dauert es schon mal so 10 Minuten alle Eier auszubuddeln. Erde tauschen mit alles dauert allerdings etwa ne Stunde. Ich spüle die Schnecken, seit sie groß sind, auch immer einmal ab, damit sämtliche potentiell Erdmückeneier-verseuchte Erde ab ist. Das finden zumindest meine Schnecken nicht so schön, also ich käme nicht auf die Idee, das öfter als unbedingt nötig zu machen. Da Schnecken auch ertrinken können, kann ich mir schon auch vorstellen, dass das unangenehm ist, unter den Wasserhahn gehalten zu werden.

Wenn wir mal wegfahren, hat sich, seit sie so groß sind, dass viele sie als ziemlich eklig empfinden, bewährt, sie in eine kleinere Plastikbox mit Löchern im Deckel zu setzen, weil die die Feuchtigkeit besser hält. Dann packen wir einen Haufen Löwenzahn oder ähnlich langsam verderbliches Zeug dazu und regeln die Wohnungstemperatur etwas runter. So haben die Schnecken auch die letzte Woche gut überstanden, der Löwenzahn war noch nicht weg und zwei Schnecken waren (vermutlich wegen der gesenkten Temperatur) in Trockenruhe gegangen.

Hmm, was noch? Ah: Tierärzte für Schnecken gibt es kaum. Der Tierarzt heißt meistens „erstmal gucken“ oder später dann Gefrierschrank. Und, ja, die werden schon auch groß. Schneckenschleim kriegt man kaum wieder ab. Ja, die „beißen“, solange das mit einer Raspelzunge überhaupt möglich ist, es ist eher so ein lustiges und spurenloses Kitzeln. Schnecken sind taub, reagieren aber empfindlich auf Erschütterungen.

Bei mehr Fragen gerne mehr fragen! Ich muss jetzt schlafen. Im Doppelbett. Hurra!

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*das kann man angeblich Verhindern, indem man ordentlich verrottende Walderde mitsamt Asseln und Würmern nimmt. Aber börgs.

Tag 1152 – Rückfahrt.

Wir haben unser Fährenzimmer bezogen, dieses Mal ist es leider das ganz normale gebuchte Innenkabinen-Vier-Einzelbetten-Zimmer, das Schiff ist auch sehr leer, aber morgen ist ja auch wieder normaler Arbeitstag, ich habe mir frei genommen, Herr Rabe hat Urlaub und Michel haben wir von der Schule abgemeldet (ja, das geht so einfach, ja, auch im Anschluss an Ferien). In den Prius passte wider Erwarten alles rein, es muss nicht mal wer auf dreckigen Socken sitzen. Letzte Besorgungen wurden gemacht: drei Brote vom Bäcker* und ein Sixpack Bier** an der Tanke und auch die konnten problemlos untergebracht werden. Es lief alles so glatt, dass Michels ultra krasser Wutanfall im Auto ja schon irgendwie vorprogrammiert war, aber nach der dritten „Wenn ihr euch um das iPad streitet, nehme ich es euch gleich weg“-Warnung folgt halt die Konsequenz. Michel hat immerhin insofern draus gelernt und das sinnlose „WARUM SIND WIR NOCH NICHT DA ICH WILL JETZT SOFORT DA SEIN WARUUUUUUM DAUERT DAS SO LANGE???“-Geheul nach der recht deutlichen Drohung, dass er so wütend ganz sicher nicht mit in das Boot-Schwimmbad könne, einigermaßen schnell beendet. Pippi ist auf den letzten Metern der Fahrt noch eingeschlafen, war aber bis dahin eine verträglichere Mitfahrerin als auf der Hinfahrt, da hat sie nämlich permanent ihren Kram runtergeworfen und dann Terz gemacht, bis wir ihn aufgehoben haben. Selbst kommt sie halt nicht dran, erstens weil sie einfach noch so klein ist, zweitens schränkt so ein Kindersitz mit Fangkissen die Bewegungsfreiheit aber doch auch ein. Wie gesagt, das ging aber heute.

Und weil so ein handyfreier Nachmittag und Abend ja auch ganz nett ist*** und ich auch noch recht viel zu lesen habe, lasse ich heute das schweineteure WLAN einfach schweineteuer sein und blogge halt schon mittags. Morgen sind wir dann schon wieder zu Hause, darauf freue ich mich, auch wenn der Heimatbesuch dieses Mal selbst für mich etwas kurz war.

Bis bald, Deutschland. Mach kein‘ Scheiß.

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*Ist teuer geworden. Fast so teuer wie im norwegischen Supermarkt. Hoffentlich ist dann die Qualität wenigstens besser als im norwegischen Supermarkt.

**Wir importieren ja längst nicht mehr so viel Zeug nach Norwegen wie vor fünf Jahren noch, eigentlich fast nur noch Sachen, die wir da eben gar nicht kriegen, dieses Mal: Hygienespüler, Reinigungsöl, Deo, Rübenkraut, Pflaumenmus, Kinderzahnpasta und hefefreie Gemüsebrühe. Und drei kleine Flaschen Bielefelder Wasser-Ethanol-Gemisch mit Geschmack (Gin Lossie), die kriegen wir im Leben nicht in Norwegen. Und dann noch zwei riesige Gläser Nutella zum Preis eines halben kleinen in Norwegen. Tatsächlich habe ich mir auch noch einen Blush (von The Balm und der ist mal… hui. Erst passiert gefühlt nix und dann sehe ich plötzlich aus wie reingefallen. Muss ich noch üben) gekauft, einiges an Nagellack geschenkt bekommen (Vielen lieben Dank nochmal, liebe Tanja!) und bin jetzt im Besitz einiger neuer Schminkpinsel.

***hahaha. Ich versuche mir das einzureden, aber mal ehrlich: ganz ohne Handy fühle ich mich nackt und einigermaßen hilflos. Weiß noch nicht, wie ich das finde.

Tag 1151 – Familienfeiereiplattheit.

Familienfeier mit Rabes heute im Kreuzkruuuch (wie immer). Es war wirklich entspannt und schön (nicht wie immer) und die Kinder eigentlich den ganzen Tag draußen, wo sie mit den Kindern von Herrn Rabes zwei Cousinen spielten. Das war ganz wunderbar, so wunderbar, dass wir danach noch bei Herrn Rabes Bruder Ponyreiten gingen. So wunderbar, dass Michel jetzt nicht einschlafen kann und ich aber gleich einschlafe, was blöd ist, weil wir noch fertig packen müssen und ich auch gern mehr geschrieben hätte, aber, echt, ZZZzzzZZZzzz.

Tag 1149 – Luxus.

Meine EC-Karte streikte heut beim Versuch, ein Straßenbahnticket zu kaufen. Ich schließe daraus folgendes: das Geld, das ich Montag vom norwegischen aufs deutsche Konto überwiesen habe, ist noch nicht da. Und der vermaledeite Überschuss-Sparen-Auftrag, der am Monatsende das Girokonto leerräumt und aufs Tagesgeldkonto überweist, ist immernoch aktiv, sodass mein Girokonto bei vollem Tagesgeldkonto ins Minus gelaufen ist. Das ist ungünstig, weil ich das Tan-Dings fürs Überweisen nicht dabei hab. Aber auch nicht tragisch, das Geld aus Norwegen ist ja unterwegs. Vom norwegischen Konto ist es jedenfalls runter. Ein Luxusproblem also.

Genauso wie: der Wetterbericht. Es soll jetzt doch viel wärmer werden als gedacht. Das ist nicht so cool (muhahaha), weil ich nicht für 24 Grad gepackt habe. Weder ich noch Pippi sind dafür ausgerüstet. Ich nahm also beide Kinder mit zu Puddingtown (ehrliche Empfehlung, für die HÄSCHTÄCK Werbung bekomme ich nichts) und hatte schon auf der Straße Herzchen in den Augen, weil ich ein wunderschönes, bodenlanges, weinrotes Kleid im Schaufenster sah. Hätte ich eine Gelegenheit, sowas anzuziehen… aber egal, ich war für ein halbwegs luftiges Kleid mit nicht ganz langen Ärmeln da, ein 24-Grad-Kleid eben. Es ist für mich wirklich totaler Luxus, in diesen Laden zu gehen und etwas zu kaufen, selbst wenn es dann von der Stange und nicht maßgeschneidert ist, die Sachen sind teuer, richtig teuer. Aber sie sind auch nicht in Bangladesh oder sonstwo gefertigt (sondern in Bielefeld, von der Designerin und ihren sicher nicht Bangladesh-billigen Arbeitskräften), die Stoffe sind hochwertig und die Verarbeitung astrein. Der Preis relativiert sich also schon etwas, es ist, wenn man einen Stundenlohn im oberen Mittelfeld fürs Nähen anlegt, nur noch teuer. Ich hatte mal ausgerechnet, dass ein ganz simples Jerseykleid ohne Einbeziehen von Ladenmiete und Abschreibungen und sowas schon um die 1000 Kronen kosten müsste, damit sich das für mich rentieren würde, würde ich mich mit sowas selbständig machen (soll ja niemand sagen, ich würde nicht outside the box thinken). Wie dem auch sei: Luxus. Ich habe mir mit dem Kauf dieses Kleides ein Luxus-Ding gekauft. Alle fünf Jahre kann man das schon mal machen.

Alle zwei Jahre kann man auch bei der Friseurin einen Haufen Geld für „einmal alles mit scharf!“ lassen. Man kommt mit zwei wohlfrisierten Kindern* und einem sehr wohlfrisierten selbst mitsamt gefärbten Augenbrauen und Wimpern und Strähnen im Haupthaar heraus. So sehr ich „Spar dich reich!“-Werbung verabscheue, weil man durch Konsum einfach nie reich werden wird, so sehr genieße ich es, für dieses Rundumprogramm genauso viel gezahlt zu haben, wie in Trondheim ein einziger Friseurbesuch mit nur Schneiden für mich kostete. Strähnchen färben lassen statt selbst färben ist für mich Luxus geworden. Gefärbte Wimpern, professionell gezupfte Augenbrauen… Hach! Hachja!

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*Michel hat, auf eigenen Wunsch hin, eine „coole Frisur“, Pippi hat einen Hinterkopfhaarschonenden Bob.

Tag 1148 – Luft!

Zuerst: Michel hat wie ein Stein geschlafen, hat keine Hustenanfälle gehabt und war bis heute Nachmittag allergiesymptomfrei. Puh. Ich freue mich auf zu Hause, wo wir uns um Bettzeugfüllungen und co. gar nicht erst Gedanken machen müssen und singe bis dahin ein Loblied auf die Pharmaindustrie. Natürlich weiß ich, dass die Allergie da ist und eine Desensibilisierung wirklich angedacht werden sollte, aber so ganz akut bin ich froh, dass es Chemie gibt, die das Kind von den Symptomen befreit, schnell und zuverlässig, damit es atmen kann und gucken kann und schlafen kann (gut, dafür braucht’s nicht gucken können). Mit nem einleuchtenden Wirkmechanismus, mit (Prä-/post-)klinischen Studien in denen Effektivität und Sicherheit belegt sind, in denen sogar Nebenwirkungen und ihre Häufigkeit beschrieben werden, sodass ich als mündiger Patient darauf fußend eine Entscheidung treffen kann. Ganz ohne Erstverschlechterung und in diesem Fall sogar ohne Lag-Zeit in der Wirkung. Hurra!

Heute haben wir dann meine Tante besucht und da gefrühstückt, kürzer als angedacht, was sehr schade war, aber für die Kürze der Zeit war es ein sehr schöner Besuch und ich hoffe, meine Tante und mein Onkel kommen uns wirklich mal in Eidsvoll besuchen, wir haben Steine und sehr viel sehr frische Luft! Ich kann ja immernoch nicht so ganz fassen, dass mein kleiner Cousin demnächst 17 wird und meine Cousine 19, das waren echt vor höchstens sechs Jahren noch Babies!

Nach dem Frühstück trafen wir relativ spontan (also: gestern abgemacht, ich wusste gar nicht dass die nach Bielefeld kommen würden, ich wusste ja noch nicht mal hatte gar nicht mehr auf dem Schirm, dass die Schwiegeroma wieder in Bielefeld wohnt!) meine Freundin C. samt Familie im Tierpark Olderdissen, das Olladissen ausgesprochen wird und wer was anderes sagt, der lügt. Das war ganz wunderbar, auch wenn ich Pippi viel durch die Gegend tragen musste, weil sie das einfach wollte, und auch obwohl es tierisch (hahaha) voll dort war, erwartbar, am Feiertag und bei trockenem Wetter. C. und ich plauschten nett und, hach, es wäre ja doch schön, könnten wir öfter herkommen.

Weil Herr Rabe uns am Tierpark nur abgesetzt hatte und dann zu seinem Vater fuhr um seinen Koffer für seine Firmenkonferenz zu packen (und dann auch dorthin aufzubrechen), nahm ich mit den gut gelüfteten Kindern den Bus und dann die Bahn zum Nordpark. Natürlich kamen wir nicht durch den Park zum Opa, denn da ist ein ganz toller Spielplatz, auf dem wir hängen blieben und wo sich die Kinder die Restenergie aus den Beinen turnten. Dass die Kinder danach ordentlich in den Seilen hingen konnte ich wirklich gut verstehen, während sie je eine Folge Peppa Wutz und Canimals guckten, döste ich auch fast auf dem Sofa ein, so viel frische Luft bin ich gar nicht mehr gewohnt.

Hach, doch, ein schöner Tag. Mehr Abstand zum norwegischen Chipsfabrik-Wahnsinn wirkt tatsächlich Wunder für meine allgemeine Gemütslage. Und viel entspannte Zeit mit den Kindern verbringen ist auch einfach schön. Schön, schön, schön!

Tag 1146 – Zeitlose Ästhetik!

Wir waren heute bei meiner Omi* und haben unsere restlichen Sachen vom Dachboden geholt. Als wir damals nach Norwegen zogen, hatten wir nur einen Sprinter, den wir vollmachen konnten und deshalb blieb einiges in Deutschland, hauptsächlich bei meiner Oma auf dem Dachboden, denn da war Platz. Jetzt ist es aber so, dass meine Omi aus dem Haus, in dem sie seit… 1970 oder so gelebt hat, nächstes Jahr ausziehen wird, weil sie sich nach dem Tod meines Opis eine kleinere Wohnung um die Ecke gekauft hat, die dann eben nächstes Jahr bezugsfertig sein wird. Meine Omi mistet schon sehr fleißig aus (und, chapeau, wirklich, ich wusste gar nicht, dass in dem „Arbeits“zimmer** meines Opis auch Möbel unter den Unmengen Papier sind. Und Fußboden! Man lernt ja nie aus.) aber unsere Sachen müssen da eben auch bis zum Umzug weg. Und wir haben ja jetzt auch endlich den Platz für unsere Bücher und diversen anderen Kram, den ich schon vergessen hatte.

Wir stiegen also heute auf den Dachboden. Fast alle. Michel behauptet, er hat Höhenangst. Pippi kraxelte völlig angstfrei die Dachbodentreppe hoch und runter. Und ich sag mal so: wir haben seltsame Dinge aufgehoben. Ich fand zum Beispiel Deutschaufsätze von mir aus der 7. Klasse. Jaha! Sehr wichtig sowas. Und weil es auf Twitter neulich rumging: mein Schulranzen. 1991er Modell.

Nun, der Schulranzen geht, so hipstermäßig sowas heutzutage sein mag, morgen in die Brockensammlung. Können sich dann hipsterige Barthipster aufsetzen***.

Wir haben auch die Bücher nochmal ausgemistet und eine komplette Kiste aussortiert. Herr Rabe war strikt dagegen, „Buchklub“****-Bücher wegzuwerfen und deshalb werden jetzt ein paar der furchtbarsten Bücher*****, die ich je gelesen habe, mit nach Norwegen ziehen. Aber was tut man nicht alles dafür, endlich wieder Harry Potter im Regal stehen zu haben.

Insgesamt fahren nach Norwegen: sieben Kisten mit Büchern, zwei Kisten mit CDs und DVDs****** und zwei Kisten mit Küchen- und Deko-Dingen (die alten Keksdosen von meiner anderen Oma, die Kaffeemühle und meine Mini-Kuchenformen! Hach. Und auch das „Handbuch für die gute Hausfrau“, ein ganz wichtiges Werk.). Der Lehnstuhl aus dem Set aus dem auch unsere Esszimmerstühle sind, die wiederum auch schon alle von meiner Uroma weitergegeben wurden, wir haben sie nur neu polstern lassen. Das Patchwork*******-Plaid und das Kissen, das mir meine Oma zum Abi geschenkt hat. Der Lampenfuß, den mein anderer Opa gedreht hat. Der Lampenschirm bleibt, trotz unschätzbarem sentimentalen Wert, in Deutschland. (Tante B., möchtest du den haben?). Ein paar Bilder und ein Spiegel kommt mit. Und mein Hintern auf einem Bierdeckel.

Dieser Bierdeckel ist ein Lehrstück in Sachen „unterschreib nicht bevor du nicht WIRKLICH RICHTIG GENAU alles durchgelesen hast“. Das war nämlich so: in grauer Vorzeit, ich war jung und ganz offensichtlich recht knackig, ließ ich mal Fotos mit wenig an von mir machen. Die wurden sehr schön. Die wurden so schön, dass das Fotostudio beschloss, eins davon auf Bierdeckel zu drucken und als Werbung in den umliegenden Kneipen zu verteilen. In den umliegenden Kneipen ging ich aber auch ganz gern mal ein Bier trinken und eins davon blieb mir dann mal auf halbem Weg fast im Hals stecken als ich das Motiv eindeutig als dasselbe erkannte, das gerahmt über meinem Bett hing. Als ich, wieder nüchtern, den Bierdeckel in meiner Handtasche******** fand, ging ich zum Fotostudio und, ja, ich hatte das so unterschrieben, sorrynotsorry, im Schaufenster hängt’s übrigens auch. Naja, es ist ja ein schöner Hintern und wer nicht weiß, dass das meiner ist, weiß es ja auch nicht, also quasi niemand außer jetzt das halbe Internet. (Es mag sie enttäuschen, aber wenn Sie meinen Hintern heute sehen, der sieht nicht mehr ganz so aus.) Liebe Kinder, hört auf Mutti: Facebook-Aufrufe „Ich habe mit meinen Schüler*Innen gewettet: wie schnell verbreitet sich dieses Bild im Internet? Bitte unter Nicht-Teenagern teilen für besonders realistisches Ergebnis!“ sind vielleicht ganz nett, aber, echt: lest die Vertragsbedingungen komplett, sonst stellen vielleicht bald alle eure Freunde ihr Bier auf euren Hintern ab.

Hachja. Zurück zum Thema, es gibt ja so Sachen, die kann nicht mal ich wegtun, zum Beispiel die drülfzig Band-T-Shirts, die ich mal gesammelt habe und die alle schon sehr lange nicht mehr passen, aber vielleicht kann ich mal was nettes für die Enkelkinder draus basteln. Andere Dinge… Warum genau habe ich (Ich!) früher mal ganz viele Bücher mit Titeln wie „Die Wissenschaftsverschwörung – Wie Pharma-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie Sie verschaukeln“ (Titel in Anlehnung an echte Titel erfunden) gelesen? Also echt nicht nur eins, sondern eher so fünf bis sieben? Da ich nicht mal mehr grob weiß, was drinsteht, kommen die jedenfalls auch weg. Ich hab tatsächlich kurz überlegt, ob ich sie in den Müll werfe. Sehr seltsam.

Das schönste, was ich mitnehme, ist aber ganz klein in einer Schachtel und wird auch nicht von der Spedition transportiert. Und das wertvollste ist die Erinnerung an einen wirklich schönen Nachmittag mit meiner Omi, sowas ist nämlich unbezahlbar.

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*Da ist auch alles wie immer. Seit 33 Jahren riecht es da gleich und ich wünschte, ich könnte den Geruch des Kellergeschosses anders konservieren als nur in meiner Erinnerung.

**Mein Opi war ja schon sehr lange pensioniert, also „Arbeit“ braucht hier wirklich riesige Anführungszeichen.

***Falls sie die Riemen über die breiten hipsterigen Barthipsterschultern bekommen, das fiel mir heut schon etwas schwer. Ich behalte dafür eine grüne Marlene-Hose, die muss ich zwar kürzen aber dann ist die super.

****Wir hatten mal eine Leserunde, einen Buchklub halt, da haben wir aus einer Liste mit ca. 200 Büchern, die wir da basisdemokratisch draufgesetzt haben, immer ein Buch gezogen und dann in ca. vier Wochen alle gelesen und danach bei Speis und Trank besprochen. Das hat sehr viel Spaß gemacht und man hat viel gelernt, also ich jedenfalls.

*****“Don Quichotte?“ – „Ist ein Buchklub-Buch!“ – „Hrmpf. … Boah, Aber hier, Uwe Johnson, „Jahrestage“, alter, das kann doch echt weg!“ – „…“ – „Orrr…“

******Ja, total zeitgemäße Speichermedien. Aber, hey, immerhin waren bei meinen Sachen keine Mini-Disks dabei, nicht wahr, Herr Rabe?

*******Überhaupt, manche von den Patchwork-Sachen die meine Omi macht sind so schön, ich möchte die alle haben und die Wände zum Aufhängen gleich dazu.

********Jaaaa, es gab mal Zeiten, da benutzte ich Handtaschen. Meist eine: ein Bundeswehr-Brotbeutel in schwarz.