Tag 1145 – Ankunft.

Wir sind da. In Bielefeld. Komisch ist das. Manche Sachen sind wir immer. Manche sind ganz anders. Meine beste Freundin zum Beispiel, die haben wir in Bremen besucht. Sie wohnt da jetzt mit ihrem Freund und arbeitet bei einer Behörde. Die Wohnung ist wunderschön, mit Dachterrasse und einem Zimmer für jeden zusätzlich zum Wohn- und Schlafzimmer, so hatten Herr Rabe und ich das in grauer Vorzeit und vor den Kindern auch und so finde ich es eigentlich auch ideal, einen Rückzugsort für jeden, kein Schmollen im Schlafzimmer und kein Badezimmertürenknallen. Aber tjanun, in 15 Jahren, wenn alle Kinder ausgezogen sind dann wieder. Jedenfalls, die äußeren Umstände sind bei der Besten ganz anders als sonst immer, das letzte Mal besuchten wir sie ja in Wien zu ihrem 30. Aber sie selbst ist wie immer und unsere Freundschaft auch. Ich hingegen bin gefühlt gar nicht wie immer, ich bin halt Mutter, ich putze permanent Pippis Nase und versuche Michel von einem knurrenden Dinosaurier wieder in einen kleinen Jungen zu verwandeln. Ich hoffe, sie sieht das auch so wie ich im Grunde: das sind auch nur äußere Umstände. Ich bin noch ich, mit ein paar neuen Facetten, aber nicht grundsätzlich anders. Muss ich sie mal fragen.

Was jedenfalls ganz genauso ist wie immer ist Herr Rabes Elternhaus. Seit über elf Jahren kenne ich das nun, vor fast elf Jahren nahm ich den Geruch von Herr Rabes Zimmern unterm Dach das erste Mal so richtig wahr, vor fast elf Jahren war ich das erste Mal bewusst in der Küche mit der dunkelbraunen Keramik-Spüle und der Wachstuchtischdecke auf dem Tisch, an dem nie gegessen wird. Seit elf Jahren hat sich an diesem Haus nichts verändert, jedenfalls nicht grundlegend. Herr Rabes altes Zimmer riecht genau wie immer, obwohl er seit… 10? Jahren hier nicht mehr wohnt. Die Möbel sind anders, das Flair ist das gleiche, jedenfalls hier oben. Unten ist alles beim alten, außer dass mein Schwiegervater wohl nicht so viel Wert auf jahreszeitlich wechselnde Deko legt wie meine Schwiegermutter es tat. Man findet hier also grad mühelos Weihnachts-, Frühlings-, Herbst- und Osterdeko. Michel war da ganz froh drüber und hat den Osterhasen erstmal zum Kampf gerüstet*.

Pippi hat „Opa K.“** auch gleich ins Herz geschlossen und ihre Schätze-Sammlung in alles Details präsentiert.

Und den Schnecken geht es auch gut.

Ich versuche ja, nicht so attached zu den Schneckenbabys zu werden, weil sie morgen schon ihre Reise in den Ruhrpott antreten werden, aber: sind die nicht niedlich?

Jetzt schnorcheln die Kinder mit Herrn Rabe um die Wette. Das ist auch sehr schön. Und ein ganz anderes Geräusch als vor 11 Jahren.

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*mit Deutschlandfahnenbinde am Fuß. Michel ist sehr enttäuscht, dass man in Deutschland so wenige Flaggen sieht. Ich finde das ja ganz normal und schlucke jedes Mal ein wenig, wenn das Kind fröhlich Flaggen malt.

**Als hätte sie mehrere Opas. :/

Tag 1144 – Reisen mit Schnecken.

Für nur 70 Kronen kriegt man auf dem Boot hier drei Stunden lang Internet, juchhei, das gilt es jetzt also zu verprassen. Wir sind heute tatsächlich mit nur kleiner Verspätung losgekommen, es hat alles hingehauen, ich habe nur mein Retinol und eine Flasche Nurofen* im Kühlschrank vergessen. Aber meine Haut kommt auch mal ne Woche ohne Retinol aus, ganz bestimmt**. Ich habe sogar noch an die Schnecken*** gedacht, fast hätte ich sie vergessen, aber dann fielen sie mir noch siedend heiß ein. Die Zeit reichte noch, um in der Bibliothek für Michel das magische Baumhaus mit 52 Etagen zu holen und das hat einen kleinen Zwerg sehr glücklich gemacht. An der Fähre standen wir dann noch so lange rum, bis wir drauf durften, dass ich noch eine Amazon- und eine Online-Apotheken-Bestellung aufgeben konnte. Bei dm hätte ich auch gern noch bestellt, aber 4-5 Werktage bis Lieferung waren mir dann doch zu heikel, also werden wir wohl Montag früh da unseren 150€ Großeinkauf tätigen. Aber immerhin ist da die Einkaufsliste fertig und wenn ich im Laden bin, kann ich auch guten Gewissens noch durch die Glitzerschminke-Abteilung stöbern****.

Auf dem Boot kam dann eine kleine Überraschung, weil wir (kostenlos) upgegradet wurden und jetzt eine Luxuskabine mit richtigem Doppelbett haben. Ein Riesenfenster gehört auch dazu. Schon nett.

Im Duty-Free-Shop waren wir auch schon. Erst in dem für Parfüm, wo ich nach ausgiebiger Preisrecherche neue Wimperntusche***** kaufte, in Kaufrausch geriet und einen Pott „Take The day off“ kaufte, was quasi die Luxus-Version von Reinigungsöl sein soll. Ich bin gespannt. Es kostet halt das Zehnfache von Reinigungsöl, die Latte hängt entsprechend hoch. Und ganz vielleicht ziehe ich gleich nochmal los und kaufe mir einen Lipgloss, weil Yolo oder so. Später war ich dann noch allein im Alkohol-Süßkram-Laden und habe Herrn Rabe und mir je ein Bier und für uns vier einen Haufen Kaugummi gekauft.

Ansonsten sind die Kinder ja schon Fährenerfahren und wussten noch, dass es ein Schwimmbad und zum Abendessen Pølse und Pommes gibt. Michel war nach dem Schwimmbad wegen doch mehr Seegang als bei den bisherigen Überfahrten schlecht und nach kurzem Check hab ich ihm eine von meinen in den USA gekauften Tabletten gegen Reiseübelkeit. Die half wohl, jedenfalls schon sich Michel eine beeindruckende Portion Pommes und Pølse und zum Nachtisch Eis rein… und schlief dann sang- und klanglos auf meinem Schoß ein. Versehentlich das Kind medikamentös ausgeknockt. Hoppla. Also, wenn Sie auch im Besitz amerikanischer „Motion Sickness Relief“-Tabletten sind: bei knapp Sechjährigen tuts vermutlich ne halbe dicke, auch wenn auf der Packung steht 1/2-1.

Pippi freute sich, dass Michel seinen Eisteller nicht ausgetrunken hat.

(Wenn die Rabenkinder mit Essen fertig sind, ist die Tischdecke leider auch fertig. Die Rabeneltern geben dafür großzügig Schmerzens-, äh, Trinkgeld.)

Etwas anstrengend fand ich eine komplette Schulklasse, ich schätze so 9./10., am Buffet. Die haben zwar alle auch nur Pommes und Pølse gegessen, aber sich brav am kompletten Buffet vorbeischieben lassen, sodass ich sehr, sehr lange brauchte um meinen Teller zu füllen. Und ich bin doch hangry! Orr.

Ach, ich mag diese Art zu reisen. Jetzt noch eine Maske, das Bier und ein bisschen lesen und dann in den Schlaf geschaukelt werden. Es gibt echt schlimmeres.

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*Murphy sagt: wir werden also welches kaufen müssen. Nurofensaft ist übrigens gar nicht so lange haltbar, habe ich letztens gemerkt. Wir kaufen nämlich auf jeder Reise eine Flasche, was dazu führt, dass wir sehr viele angebrochene Flaschen haben und die werden dann nie leer.

**Die Fältchen um die Augen sagen: wir sehen sehr seriös aus und werden dafür sorgen, dass du demnächst ganz viel Erfahrung u d Autorität ausstrahlst.

***Die haben wir auf der Fähre dann erstmal wieder etwas ausgepackt, die sollen ja nicht länger als nötig so fest in Erde gepackt sein, dass sie nicht herumpurzeln können.

****Ich brauche einen Blush, der wirklich rot ist. Nicht Peach, nicht Pink, nicht Rose, das habe ich alles. Idealerweise passt er zum Beispiel zum Bossy Lippie-Stix (siehe Bild). Tipps willkommen.

*****Immer die gleiche, immernoch Clinique High Impact Curling Maskara in schwarz. Ich hatte ja mal so ein Experiment gewagt mit so einem einstellbaren Clinique-Maskara, aber das war nix. Also nicht schlecht, aber auch nicht so doll, dass es mir die 30 Kronen mehr wert wäre.

Tag 1143 – Schwuppdiwupp.

Heute unheimlich viel gemacht. Zum Beispiel fast* das ganze Haus geputzt und Unmengen Wäsche gewaschen. Das war ein wenig schlechter Planung und schlechtem Zeitmanagement (wenn auch verständlicherweise) in den letzten Tagen geschuldet. Es steht ja schon etwas länger fest, dass wir morgen nach Deutschland fahren. Morgen. Da ist gestern mit Waschen anfangen… knapp kalkuliert. Nun ja. Es war ja auch irgendwie nicht ganz klar, wer wie warum nach Deutschland fährt, ich hatte das mit dem Chipsmann zwar abgeklärt aber er schien es einfach vergessen zu haben oder vielleicht hat er es auch absichtlich übergangen, wer weiß das schon. Jedenfalls hatte ich dann heute noch eine Runde Rennerei, damit mir nicht für die Zeit in Deutschland das Krankengeld** flöten geht. Es kann immernoch gut passieren, dass es mir eben doch flöten geht, aber ich bin eben so, es gibt eine Regel, also befolge ich sie. Anderenfalls hätte ich in der Woche und danach noch ne Weile permanent Angst gehabt, dass wer rausfindet dass ich nicht zu Hause Däumchen drehe und dann wäre vermutlich nicht nur das Geld nachträglich flöten gegangen sondern möglicherweise richtig die Wurst warm. Neenee. Dann lieber wegen verpasster Frist einen drüber kriegen, als wegen Schummelei. Nun denn. Jedenfalls Rennerei.

Mit Pippi den neuen Kindergarten angeschaut. Ich finde ihn super schön. Pippi sagt „Will nich anna kinnergaten gehn.“ und dann macht sie ihr böses Gesicht. Aber Pippi war auch müde und fror als wir da waren, das waren also nicht so tolle Voraussetzungen. Ich denke, wenn sie erstmal rausfindet, dass die da richtige Schaukeln haben und nicht nur so Netz-Dinger, dann sieht das schon anders aus. Ich finde schön, dass der ein wenig so wirkt wie der alte Kindergarten in Trondheim, mit wenigen Kindern, alles (also Erwachsene, Kinder und Spielzeug) ist gut eingespielt und irgendwie familiärer als der hypermoderne Kindergarten, in dem Pippi jetzt ist. In Pippis Gruppe (Der Fuchs-Ecke) sind neun Kinder und drei Erwachsene, das ist schon was anderes als knapp zwanzig Kinder und drei Erwachsene (plus eine Aushilfe). Ich freue mich drauf, nicht nur weil wir dann nicht mehr dreißig Minuten zum Kindergarten fahren müssen.

Pippi war heute morgen soooooo niedlich. Wir haben im Auto Billy Talent gehört. Ich weigere mich ja, im Auto Kindermusik*** anzumachen, mein Auto, meine Regeln, also hören wir irgendwas aus dem CD-Wechsler oder von meinem Telefon. Heute also Billy Talent. Und wie ich so fahre ruft Pippi von hinten „Dead Silence… Mama, lauter! …Ieeeaaahooooo! Dead Silence! Oooooeeeiiieeeeaaahhoooo!“. Melodiesicher. Ich habe ein Video gemacht, sie sang das noch bis in die Kita-Gruppe immer weiter und auch nachmittags sagte sie, kaum dass wir am Auto waren: „Ich will Dead Silence!“ Hachz.

Michel war auch sehr niedlich und hat ein Bügelperlen-Dings für Opa gemacht. Im Hort. Ganz geduldig und ausdauernd. Während ich ihn eigentlich abholen wollte. Pippi hat sich derweil mit A. angefreundet, die geht in Michels Parallelklasse und hat ein extra Chromosom, Pippi und sie schütteten gemeinsam begeistert Bügelperlen aus und sammelten sie dann wieder ein. Ist ja schön, aber: können die Kinder sowas nicht an Tagen machen, wo ich nicht noch ganz viel zu tun habe?

Jetzt Bett und hoffen, dass die Wäsche bis morgen trocken ist.

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*bis auf die Küche, denn Herr Rabe hat gekocht. Das ist immer sehr lecker aber Herr Rabe und Ich kommen an dem Punkt „Wie sauber und aufgeräumt sollte die Küche während des Kochens und unmittelbar nach dem Kochen sein?“ einfach nicht überein und deshalb muss Herr Rabe seine Sauerei selbst beseitigen hinter sich selbst herräumen.

**Wenn Sie jetzt denken „aber sie kann doch einfach Urlaub nehmen, ist doch Wurscht“: ja, könnte ich. Und hätte ich unter normalen Umständen ja auch. Aber der wäre, wie in Norwegen üblich, unbezahlt****. Und das Krankengeld steht mir ja zu. Eigentlich. Jedenfalls wenn ich mich eher drum gekümmert hätte.

***Herr Rabe hat mir letztens Bummelkasten gezeigt. Ich lache immernoch, wenn auch ein wenig ertappt.

****Es ist kompliziert.

Tag 1141 – Was schön war.

Also. Wie zu erwarten war, war mein Tag im großen und ganzen einer zum Abgewöhnen. Ich war auf einer missglückten Geheimmission unterwegs, traf dabei zufällig wen, über den ich mich tatsächlich freute, aber nicht heute, heute war ich zu… kaputt, keine Filter, und ich wollte wirklich eigentlich nicht genau dieser Person von dem Mist erzählen, der hier grade abgeht. Aber ich hab halt mein Herz auf der Zunge und dann kam das alles raus, aber, hey, ich hab immerhin nicht zu flennen angefangen. Meine missglückte Mission mündete dann auch noch in einem Migräneanfall, der sich gewaschen hatte und zudem untypisch war, nämlich beidseitig. Ich dachte, meine Augen explodieren einfach, das hätte ich möglicherweise nicht mal schlimm gefunden, dann hätte wenigstens der Druck aus dem Kopf gekonnt. Möglicherweise (jaja, ganz sicher, aber es ging nicht, echt!) wäre es gut gewesen, mehr zu essen als zwei Bananen und mehr zu trinken als drei Kaffee und einen Liter Wasser, aber das kam halt so. Und dann saß ich im Zug und mein Kopf tat so weh und ich war so, so, so müde von dem allen, aber ich musste doch Pippi abholen und dann Michel und meine Auto-Lobhudelei heute würde wohl so aussehen: ich hab Herrn Rabe gebeten, nicht zum Sport zu gehen sondern nach Hause zu kommen, weil ich mich schon kaum in der Lage sah, die Kinder abzuholen, geschweige denn mit Essen zu versorgen und Hausaufgaben zu machen.

Aber. Diese Negativität hilft ja keinem weiter. Deshalb: was heute gut war:

  • Nach drei Stunden Schlaf ist mir nicht mehr schlecht und bis auf den Triptankater ist auch mein Kopf wieder ok
  • Ich habe ein hoffentlich zielführendes Telefonat geführt. Ich werde darüber aber erst offiziell berichten, wenn es fest ist. Es handelt sich nicht um einen neuen Job, leider, das kann ich ja schon mal verraten.
  • Wir haben den Kindergartenplatz für Pippi angenommen. (Hab ich das überhaupt geschrieben? Wir haben einen KiTa-Platz in Eidsvoll angeboten bekommen, gestern, ganz überraschend nachdem ich nach einer Anrufrunde durch die Eidsvoller Kindergärten schon alle Hoffnung hatte fahren lassen.) Leider hat sich der Kindergarten nicht gemeldet, ob wir heute oder morgen vorbei kommen können, aber: wir haben einen Kindergartenplatz in Eidsvoll. Auf der anderen Seite vom Bahnhof, also auch immer noch nicht ums Eck, aber kein Vergleich zum 25 km entfernten und nur mit Bummelzug erreichbarem Kindergarten jetzt. Der Kindergarten sieht hübsch aus und hat nur 37 Kinder in 3 Gruppen, deshalb hoffe ich, dass er auch zwischenmenschlich mehr so ist wie unser alter Trondheimer Kindergarten. Die beiden ums Eck gelegenen Kindergärten haben über 20 respektive 31 Kinder auf der Warteliste, davon einige, die bevorzugt behandelt werden, statistisch gesehen besteht da also kaum eine Chance, im laufenden KiTa-Jahr einen Platz zu bekommen und nächstes Jahr im Sommer könnten wir dann lotteriemäßig auch irgendeinen Platz irgendwo in der Kommune bekommen, vielleicht wieder 25 km in eine noch viel falschere Richtung.
  • Alle ihre Nachrichten. Ich war ja auf viele Mails eingestellt, aber dass ich so viele nette, persönliche Nachrichten mit unzähligen guten Wünschen kriege, hätte ich nicht gedacht und das hat mich heute sehr berührt. Irgendwann war ich zwar an dem Punkt, wo ich bei jedem netten Wort direkt in Tränen hätte ausbrechen können, aber nur vor Dankbarkeit, ehrlich. Dass Sie alle so Anteil nehmen bedeutet mir sehr viel. Ich hab da keine Worte für. Danke. Und schön, etwas mehr über einige von Ihnen zu erfahren!
  • Michel hat mir, als wir zu Hause ankamen, etwas gebastelt. „Weil dir nicht so gut geht.“ Weil es mir sogar richtig, richtig beschissen ging, hab ich nicht so ganz adäquat drauf reagiert, aber morgen muss ich ihn dafür noch mal ganz doll knutschen. Ich bin sicher, der verträgt sich als Glücksbinger ganz prima mit dem Bügelperlenherz, das mir Michel für die Reise „nach Amerika“ gemacht hat.

Tag 1140 – Nachtrag.

Ich habe den Beitrag eben getippt, er ist sehr persönlich und ich möchte zum allerersten Mal nicht, dass alle Welt ihn liest. Deshalb kam ein Passwort dran. Aber das hier ist mein Tagebuch. Ich will auch nicht, dass ihn niemand liest.

Wenn Sie das Passwort haben möchten, schreiben Sie bitte eine Mail an FrauRabe ät rabensalat Punkt blog. Und seien Sie nicht böse, wenn Sie statt des Passworts nur eine Kurzzusammenfassung kriegen, ok?

Tag 1139 – Zwei Termine.

Ich hatte heute zwei Termine. Den einen hätte auch gut Herr Rabe machen können, denn es war Elternabend in Pippis Kindergarten. Aber wenn Herr Rabe da hingefahren wäre, hätte ich so halbkrank wie ich noch bin, die Rübennasen alleine mit Nahrung versorgen und ins Bett bringen müssen. Da erschien mir eine halbe Stunde Auto fahren, eine Stunde rumsitzen und dann eine halbe Stunde zurückfahren kräfteschonender. Grober Fehler, aber fangen wir von Vorne an.

Mein erster Termin heute war bei meiner Ärztin. Nicht wegen der Rotze-Geschichte, sondern weil heute der letzte Tag meiner Krankschreibung war. Und weil ich ein ehrlicher Mensch bin, habe ich gesagt, wie es aussieht. Dass ich im Prinzip (und von der Erkältung abgesehen) fit bin und locker flockig arbeiten kann, aber nicht da. Dass ich bei dem Gedanken dran schon Schweißausbrüche kriege und mir bei Telefonanrufen vom Chipsmann übel wird. Dass ich weiß, dass zwischenmenschliche Probleme kein Grund sind, krankgeschrieben zu sein, ich aber Angst habe, wieder nicht zu schlafen und nicht zu essen und dauernd zu heulen.

Und sie sagte, sie verstehe das, ich solle es aber mit der Arbeit probieren und wenn es nicht ginge, dann ginge es nicht, aber probieren solle ich das. Stå på. (Bleib stark, sinngemäß.)

Tja. Ich werde also morgen arbeiten. Juchhei. Ich denke einfach an die Vorteile. Die Vorteile sind: die Firma muss mein Gehalt weiter zahlen. NAV ist da raus. Und ich kann etwas machen, das wirklich (naja, metaphorisch) die Bude in Brand stecken würde. Und wenn ich das gemacht hab, brauche ich mir wohl auch keine Sorgen mehr machen, dass mir der Chipsmann nicht freiwillig kündigen möchte.

Gegen alle anderen Gedanken habe ich eine von den vor zwei Wochen verschriebenen Schlaftabletten genommen.

(Follow-Up der Pillengeschichte: ich habe jetzt einen Termin für das Legen einer Hormonspirale. Spiel, Spaß und Spannung hier.)

Und abends war dann eben der Elternabend. Zweieinhalb Stunden lang. Meine Güte. Was gibt es zweieinhalb Stunden zu besprechen? Ich weiß es auch nicht so recht. Aber ich weiß jetzt, dass Mona ein weißes Auto hat und Martin gern schwimmt und Kari Mette hat eine Hytte. Weil wir nämlich gezwungen wurden, Kennenlernspiele zu spielen. So schön, Sie können sich meine Begeisterung bestimmt vorstellen. Der Rest war… naja, viel Blabla. Ich glaube, der Kindergarten ist wirklich gut, trotz einiger Anlaufschwierigkeiten (er ist halt wirklich ganz neu, im Frühjahr eröffnet worden) und es tut mir wirklich leid, aber nachdem ich heute drei Stunden im Auto irgendwo zwischen zu Hause und Kindergarten verbracht habe, werde ich nochmal die Kitas in Eidsvoll abtelefonieren. Da muss doch was gehen. Auch wenn’s schade ist.

Tag 1138 – Rotze.

Tja, heute morgen wachte ich auf und es tat mir immernoch jeder Knochen im Leib weh und zusätzlich auch noch der Hals, und zwar ordentlich.

Weil ich den besten Mann hab, der das ja außerdem auch grad erst hatte, habe ich den ganzen Tag im Bett liegen dürfen und morgen geht es hoffentlich schon wieder besser.

Dementsprechend ist aber heute nichts berauschendes passiert. Ich habe abends eine Bewerbung geschrieben, yeah (ich merke, wie ich da wieder hoffnungs- und antriebslos bei werde, das ist auch nicht gut).

Und nachmittags, als ich mit der schlafenden Pippi das große Bett teilte, kam Michel an, legte sich zwischen uns und sagte: „Mama, soll ich dir mal was sagen? Wenn Pippi so schläft, dann ist die ganz niedlich. Und weich. Wie ein Kuscheltier.“ Da hat er ganz recht, finde ich. Dass er, wenn er schläft, auch so niedlich ist wie ein Kuscheltier, hab ich ihm aber nicht gesagt.

Tag 1137 – Und dann, plötzlich…

… stehe ich im Supermarkt und kaufe (alleine) ein und kriege Gliederschmerzen. Im Becken (auch wenn das auch bei mir nicht atmet), im Rücken und in den Beinen.

… rupft sich das große Kind seinen nächsten Wackelzahn raus. Und singt ihm vor.

… verbringe ich fast zwei Stunden mit meiner Mutter am Telefon. Meine Mutter verplant schon mal das noch nicht vorhandene Gefährt, mit dem mein Onkel seinen Rennwagen durch die Gegend kutschieren will.

… bin ich so hundemüde, dass mir die Augen beim Tippen zufallen. Keine Links heute, bin froh, wenn ich mich noch abgeschminkt kriege.

Bitte jetzt nicht auch noch diese Erkältung von Michel.

Tag 1135 – Kein Kindergarten.

Heute war ich beim Elternabend des Horts. Und ich habe mich da sehr aufgeregt. Wirklich sehr. Denn das alles strotzte vor Doppelmoral und widersprüchlichen Anforderungen und überhaupt hab ich mich EINFACH ECHT AUFGEREGT. Hier ein aufgeregtes Sammelsurium der Aussagen/Forderungen/Vorkommnisse.

  • Sie erwarten von den Eltern dies das und jenes, Wettergemäße Kleidung, Blabla. Wie im Kindergarten.
  • Das ist kein Kindergarten.
  • Die Kinder müssen sich selbst anziehen und auch genug anziehen.
  • Sie erinnern die Kinder daran, sich warm/kalt genug anzuziehen*.
  • Sie können nicht immer wissen, wo alle Kinder sind, das sind einfach zu viele auf zu wenige Erwachsene.
  • Sie geben auf die Kinder acht.
  • Sie können leider keine Ausflüge machen, zu wenig Personal.
  • Sie können die Bus-Kinder nicht zum Bus bringen, zu wenig Personal.
  • Sie können keine weiteren Aushilfen einstellen**.
  • Eltern sollen bitte ihre Kinder morgens bis mindestens zur 3. Klasse jeden Tag bis in den Raum begleiten. Dies soll den Kindern signalisieren, dass die Eltern sich für sie interessieren. (Und dann gehen sie halt dort verloren, weil ohhh, kein Personal, nee, hinter der Schule kann man echt nicht noch wen stehen haben, aber sie sagen den Kindern nochmal in streng, dass sie da nicht hindürfen***.)
  • Zu Essen gibt es Saft**** und Fast Food oder Brot.
  • Es müssen alle probieren. Nur wer probiert hat, kann als Alternative Knäckebrot mit Belag haben.
  • Parken bitte nur am Supermarkt. Den Fußmarsch dazu nutzen, dem Kind freundlich und fröhlich die Verkehrsregeln zu erklären. Eine schöne Zeit mit dem Kind verbringen.
  • Dafür einfach ne halbe Stunde früher aufstehen*****.
  • Beim Abholen die Kinder zuende spielen lassen.
  • Die Kinder müssen aufräumen.
  • Die Kinder dürfen keine Hausaufgaben in der Hortzeit machen. (Dazu spannende Aussage einer Mutter: „Naja, die Erstklässler sind ja noch nicht täglich bis fünf Uhr hier!“ I beg to differ, mindestens ein Erstklässler ist normalerweise jeden Tag bis viertel vor fünf da. Und morgens ab halb, viertel vor acht.) Für die 3. bis 6. Klasse gibt es Hausaufgabenbetreuung, Dienstags, Mittwochs und Freitags von *trommelwirbel* 07:45 bis 08:15 Uhr. Dies, meine Damen und Herren, ist die sinnloseste Regelung jemals. Denn was passiert, wenn man die Hausaufgaben in der halben Stunde nicht erledigt bekommt? Dann ist man halt angearscht und hat auch bis zum Unterricht am selben Tag nicht mehr die Möglichkeit, es fertig zu machen. WÄÄÄHHHHH???
  • Allein mit dem Fahrrad kommen bitte erst ab 5. Klasse. Da machen sie dann nämlich auch erst Verkehrserziehung.
  • Auf eigenes Risiko und IHR KENNT JA EURE KINDER AM BESTEN, also wir würden es nicht empfehlen, aber wenn ihr das UNBEDINGT WOLLT, können auch schon jüngere Kinder mit dem Fahrrad gebracht werden. In den Raum. Bittesehr.
  • Die Kinder sollen Selbständigkeit lernen und selbst entscheiden.
  • Hier mache ich mal einen Absatz, denn bei all dem konnte ich ruhig bleiben und mein „die machen das schon ok so, es wird dem Kind nicht schaden, es wird schon alles gut werden“-Mantra im Kopf aufsagen, aber bei
    • Zum Essen, also zum Austeilen und dann auch zum Essen machen wir einen Film (oder Kinderserie) an, damit die Kinder sitzen bleiben und Ruhe herrscht
  • Bin ich für meine Verhältnisse einigermaßen an die Decke gegangen. Nicht alleine, das fanden einige Eltern deutlich daneben. Weil, wtf??? Ja, alter, kein Personal, haben wir jetzt oft genug gehört, aber NEN FILM ZUM ESSEN? Ihr hypnotisiert die Kinder damit sie still sitzen? Das mag ja bei einigen Kindern auch noch gehen ohne zu schaden aber ich halte die Outcomes „abgelenktes Kind isst nicht“ und „abgelenktes Kind stopft sich über den Hunger hinaus voll“ je nach Veranlagung auch für wahrscheinlich. Und vielen, VIELEN DANK FÜR DIE DISKUSSIONEN die wir zu Hause dann haben werden, weil mein Kind seine Bildschirmzeit zu Hause nun noch mehr eingeschränkt bekommt. Ich bin nicht anti-fernsehen, ganz und gar nicht, aber GRENZEN!!! NICHT BEIM ESSEN! Und nicht dann insgesamt gerne an die anderthalb Stunden JEDEN TAG!
  • Hups, da wurde ich ein wenig laut. Entschuldigen Sie vielmals. Es musste kurz mal raus.
  • ___
  • Auto-Lobhudelei: Den SFO-Menschen vor allen die Meinung ziemlich genau so gegeigt, wie oben steht, nur auf Norwegisch. Und damit geschlossen, dass ich finde, dass solche gravierenden Dinge, bei denen beim gesunden Menschenverstand schon alle Alarmglocken schrillen, den Eltern VORHER mitgeteilt werden müssten.
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  • *notallchildren, meinem nicht, ganz offensichtlich, oder allerhöchstens halbherzig. Aber ich finde ehrlich gesagt, das ist auch nicht deren Aufgabe und das Kind kann wirklich langsam lernen, besser auf die Angemessenheit seiner Bekleidung zu achten.
  • **Warum wurde nicht gesagt. Nur „hahaha, wir können hier ja nicht 15 Aushilfen haben, haha!“ Warum denn eigentlich nicht, dann kämen vielleicht nicht Kinder abhanden.
  • ***Oder in den Apfelgarten auf der anderen Straßenseite, in dem eine Mutter letztens ihr Kind und seinen Kumpel fand, ohne, dass die Hortangestellten die Abwesenheit überhaupt bemerkt hatten. ZUM ZWEITEN MAL IN SECHS WOCHEN.
  • ****Da ging die anwesende Dorf-Zahnärztin ein bisschen an die Decke.
  • *****Boah ey, wo soll ich anfangen? Vielleicht ganz kurz: Wenn Michel und Ich ne halbe Stunde eher aufstehen, haben wir sicher keine tolle Mama-Kind-Quality-time, sondern zerfleischen uns. Tun wir eh schon. Ja, jeden Morgen. Nein, da hilft keine Routine. Nein, das macht uns nicht zu schlechten Menschen, sondern einfach zu welchen, die nicht gern früh aufstehen. Aber jeder Satz der so lapidar dahingesagt wird, jedes „aber wenn die Schule erst um neun anfängt, dann hat mein Kind ja schon fast Mittagspause, weil das um fünf eigentlich am fittesten ist, das geht nicht!“ haut brutal in die Kerbe, dass es verdammt nochmal unfassbar scheiße ist, selbst jeden Morgen die Frühaufstehergesellschaft zu verdammen und dabei die eigenen Kinder aus dem Bett zu werfen (eher zu zwingen), weil sie es eben lernen müssen, dass die Frühaufsteher die besserenschönerenerfolgreicheren Menschen sind, die die kack Regeln gemacht haben und zumindest bis zum Berufsleben ist das mit dem frühen Aufstehen jetzt eben so. Dann können sie sich einen Beruf suchen, in dem sie die Arbeitszeit selbst einteilen können und dann haben sie ein paar Jahre Frieden und dann kriegen sie Kinder und die KiTa schließt um 16:30, davor müssen acht Stunden Arbeit passiert sein und Leute werden ihnen sagen „Aber wenn du erstmal Routine hast, dann ist das kein Problem mehr! Wirst sehen, am Ende wachst du am Wochenende auch um sechs Uhr auf!“ Und dann ranten sie ins Internet, das kann ja auch keiner wollen.