Tag 1098 – Neun Jahre (die zweite).

Herr Rabe und ich sind heute neun Jahre kirchlich verheiratet. Ja, kirchlich, keine Ahnung, was uns da geritten hat, ich konnte noch nie viel mit Kirche anfangen und auch Herr Rabe ist inzwischen ausgetreten. Aber damals war uns das irgendwie wichtig und wir hatten Gespräche mit einem echten Pastor in unserer Küche damals und das war schon alles einigermaßen faszinierend. Ich erinnere mich nicht an viel aus der Zeremonie, es war alles etwas zu aufregend geworden, weil mein Fahrer an der falschen Adresse auf mich wartete und ich ohne Handy und Schlüssel zu Hause vor der Tür stand, während die Glocken schon läuteten. Als die Glocken aufhörten zu läuten war ich dabei in voller Montur loszurennen um nicht meine eigene Trauung zu verpassen, da kam das Auto. Herr Rabe stand sehr bleich vor der Kirche und wir sprinteten dann mehr oder weniger zum Altar, da kann man schon mal ein bisschen neben sich stehen. Ich weiß noch, dass meine beste Freundin in der ersten Reihe bei „Ihr beide mögt Bäume.“ ziemlich laut losschnaubte um ihr Lachen zu unterdrücken, verständlicherweise. Wenigstens kamen in der Kirche, im Gegensatz zum Standesamt, keine Nietzsche-Zitate.

Fast forward neun Jahre, Herr Rabe packt sehr geduldig die Bücher für die Schultüte ein, weil er das einfach besser kann, ich richte Brotdosen für zwei Kinder und mich. Nebenher schreibe ich What’s App-Nachrichten mit meinem neuen Kollegen, der ist nämlich verliebt, aber es ist alles kompliziert und offenbar beratschlagen die heute 24-Jährigen jede Antwort auf Nachrichten der Gegenseite mit mindestens drei Personen. Putzig finde ich das und ein bisschen beneide ich ihn darum, nur für sich Verantwortung zu tragen. Klar ist Herzschmerz nicht schön und das Dauer-Drama meiner eigenen Anfangzwanziger muss ich echt nicht zurückhaben, aber, hach, so frisch verliebt sein, jaja, das vermisse ich manchmal. Aber dann sehe ich wieder Herrn Rabe an und dann wünsche ich meinem Kollegen einfach, dass am Ende seines eigenen Dauer-Dramas auch so ein wundervolles Ergebnis dabei rauskommt. Ob Kirche oder nicht.

<3

Murch

(Wenn mir meine Tante nicht gestern dieses Bild geschickt hätte, hätte ich unseren Hochzeitstag vergessen wie jedes Jahr.)

Tag 1096 – #12von12 im August ’18.

Wie jeden 12. des Monats denke ich abends, dass ich im nächsten Monat aber ganz sicher alle Bilder direkt samt Bildunterschrift ins Blog lade. Und wie jeden 12. habe ich genau das nicht gemacht, obwohl es ja wirklich klug wäre, denn am Ende vom Tag dann 12 Bilder und Beschreibungen hochladen und noch zusammenhängende Sätze dazu schreiben, puh, naja mal sehen wie’s läuft. Auf jeden Fall finden Sie weitere Sammlungen von 12 Bildern des Tages bei Caro von Draußen nur Kännchen.

Der Tag hier startete zu früh, ich kann nicht schlafen und sorge mich und vielleicht war auch der Prosecco gestern Abend irgendwie schlecht. Jedenfalls bin ich zwar wach aber irgendwie zu nichts so richtig in der Lage. Mache aber trotzdem Frühstück und danach gibt es Maus für die Kinder und dann eine sehr lange, warme Dusche für mich. Das ist schön und ich habe unsere Dusche wirklich schnell liebgewonnen, obwohl es eine Regendusche ist. Sie hat ja noch ne Handbrause, zum Ausspülen der Haare zum Beispiel finde ich das viel angenehmer, aber sich einfach berieseln lassen hat schon auch was.

Ich fühle mich jetzt einigermaßen bereit für #12von12 #1von12

Wir rödeln ein wenig herum und dann fahren wir mitsamt unseres Übernachtungsbesuches L.* zum Hoffest eines großen Bauernhofes. Das ist schon echt cool da und für die Kinder spitze. Das nächste Mal fahren wir nicht erst um viertel vor drei los.

Das Kind freundet sich auf seine Weise mit den Locals an. #2von12 von #12von12

Wenn man in die Region gezogen ist, in der die Kartoffeln für die norwegenweite Versorgung des Restaurants Zum Goldenen Bogen angebaut werden, kauft man die Pommes auf dem Hoffest auch in der entsprechenden Verpackung. #3von12 von #12von12

This escalated quickly (wenn nicht schon alles mögliche ausverkauft gewesen wäre, hätte ich noch mehr gekauft). #4von12 von #12von12

Das beste daran: der Apfel. Der ist nämlich SO lecker und war geschenkt und das ist so eine Ernteanteil-Sache, das machen wir dann vielleicht nächstes Jahr mit.

Zu Hause setzen die Kinder das Konzept „Hofladen“ direkt um.

Ich werde genötigt, mit meinem letzten Bargeld* die Kekse zu kaufen, die ich gestern selbst** gebacken habe. #5von12 von #12von12

*2 Kronen

**ok, it was @lorenzocamisi

Mein Einkauf kommt mir aber zur Kaffeepause an Chaos grad recht. #6von12 von #12von12

K2s Laden hat ein exklusives Sortiment weißer Steine. #7von12 von #12von12

(Ja, das Kind legt gern Dinge in Reihen und macht aus Bügelperlen am liebsten monochrome Quadrate.)

Zu Hause mache ich Pizza aus den Resten von gestern.

Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Pizza essen! #8von12 von #12von12

[Anmerkung der Redaktion: wird langsam hart mit dem wach bleiben.]

Pippi ist sehr müde (wer nicht?) und schläft auf meinem Arm überraschend ein. Das ist übrigens ihr Ohr, nicht meins.

K2 hat sich in den Schlaf geknibbelt. #9von12 von #12von12

Als Pippi im Bett liegt, möchte ich die Magnetleiste in der Küche anbringen, damit die Messer nicht mehr lose in der Schublade liegen, das macht mich nämlich dezent irre. Leider haben wir keine richtigen Schrauben für die Gipswände und so kommt mir das ganze Ding bei einem nicht mal beherzten Ruck direkt wieder entgegen. Hrmpf.

Aus der Reihe „Ich krieg das schon hin, hups, verkackt“. #10von12 von #12von12

Aber immerhin einer hier kriegt seinen Shit erfolgreich done:

Work in progress. #11von12 von #12von12 @fr4be

Es ist dann eigentlich dringend Bettzeit, aber der Übernachtungsbesuch wird aus Gründen** hier nochmal übernachten und wir quatschen noch viel zu lange. Tjanun.

Nach Wettercheck Sachen rausgelegt. Neue Woche, neues Glück, nicht wahr? #12von12 von #12von12

Und jetzt ganz schnell schlafen.

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*Mein Kollege. Es ist Liebe (sehr platonische). Und er stirbt in dem 300-Einwohner-Kaff, in den ihn der Chef verfrachtet hat, sonst leider einen Langeweiletod.

**es ist kompliziert, hat aber unter anderem mit eineinhalb Stunden Busfahrt zu tun.

Tag 1094 – Ach.

Jetzt ist es auch schon sehr spät irgendwie, ich hab einen im Tee, das kryptische Genöl über den neuen Job* ist ja auch kaum auszuhalten, ich belasse es einfach bei dem kleinen Piep hier, ja?

Ach ja, vielleicht interessiert es ja jemanden: direkt an ihrem 1. Freitag im neuen Kindergarten durfte Pippi baden. Das fand sie natürlich super. Und überhaupt geht sie da sehr gern hin.

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* https://twitter.com/rabensalat/status/1027933094232420353?s=21

Tag 1088 – Wieder kein toller Eintrag.

Tjanun. Ich hab ne halbe Flasche Sekt intus und wir haben jetzt einen Fernseher und auch den Küchentisch, den es in Oslo nicht gab und ja, Hamar ist tausend mal besser als Oslo, was Möbelschwedenhäuser angeht. (Btw, wenn Sie noch Elvarli Schuhregale in 80er Breite rumliegen haben und nicht wissen, was Sie damit machen sollen: es scheint grad einen handfesten Lieferengpass zu geben und es gibt sicher auch in Ihrer Nähe so Leute wie mich, die die Dinger in Gold aufwiegen würden.) Mehr kann ich leider heute nicht schreiben, meine Autokorrektur hat wegen des Sekts schon alle virtuellen Hände voll zu tun.

Tag 1086 – Eine Shoppingtour für die Tonne.

Wir waren heute beim Möbelschweden und dass es den Tisch, den wir gerne als Zweitesstisch für die Küche gehabt hätten, nicht gab war im Endeffekt irgendwie fast noch am Besten. Aber fangen wir vorne an, bzw. zu Hause. Da machten Herr Rabe und ich eine lange, laaaaaange Liste mit Dingen, die wir noch brauchen. Da stand dann von Klobürsten bis Sofa alles drauf. Wir maßen nochmal die Sofaecke aus und die Garderobe auch, da muss ja auch irgendwas hin. Wir schauten nochmal online und im Papierkatalog nach Garderobenlösungen und einigten uns schlussendlich auf eine Elvarli-Lösung. Die wir dann auch komplett per Elvarli-Planer durchplanten und Codes generierten, die man, laut Internet, einfach am Infodesk aufruft und sich die Liste mit Regalen ausdruckt, in denen die Teile liegen. So fanden wir uns recht gut vorbereitet. Und fuhren los, nach Oslo. Wir wohnen ja jetzt quasi zwischen 2 Möbelschweden, aber wir dachten, Oslo wäre eine gute Idee.

Tja, wäre es eventuell auch gewesen, wären wir früher losgekommen. So waren wir um halb fünf da, zusammen mit halb Oslo. Schon allein die Parkplatzsuche war… unspaßig. Und so schmale Parkplätze. Meh. Als wir die Kinder aus dem Auto holten, fiel auf, dass wir für keines Schuhe dabei hatten. Hupsi. Aber egal, die sollten ja eh ins Småland. Hahaha. Das war natürlich voll, außerdem ist das da eh nur ein Spielraum, mit 1 Stunde (EINER!) Zeitbegrenzung. Ähhhh, ok. Also erstmal Kaffee und Kuchen. Im ultra vollen Restaurant, in dem grad alle Familien zu Abend aßen. Wir standen so lange an, dass nicht viel gefehlt hätte, dass ich Leute gebissen hätte, aus Hangryness und schierem Hunger. Dann suchten wir einen Tisch, was auch nicht einfach war und als wir an einem schon angestanden (!) hatten, quetschte sich blitzschnell ein Mädel, nennen wir sie aus Gründen einfach Cakey McCakeface, auf die Bank und glotzte mich blöd an, als ich überlaut zu den Kindern sagte „Oh, da war jetzt wer schneller, da müssen wir wohl weitersuchen“. Ich weiß dass sowas unfair ist, aber in 10 Jahren steht sie da mit 2 hungrigen Kindern und sucht nen Sitzplatz und dann werd ich da sitzen mit meinem Mittvierzigerarsch und ohne cakey Makeup und dann kommt meine Rache, wenn ich mir in Zeitlupe den Daimkuchen… aber ich schweife ab. Jedenfalls sagten wir etwa 2000 mal „Nimm die dreckigen Füße von der Bank!“ und dann waren wir auch fertig mit Essen. Wir teilten uns auf: ich und die Kinder warteten auf Plätze im Spielraum, Herr Rabe versuchte sich für die Leihwagen zu registrieren. Beides dauerte ca. ewig, war aber schlussendlich erfolgreich.

Dann: Sofa. Ich versuchte probesitzend, mich am Handy für eine Bezahlkarte zu registrieren, was voll easy ging, bis zu dem Punkt „Wenn Sie die Karte heute schon benutzen wollen, müssen Sie am Desk ihren Ausweis vorzeigen.“. Den hatte ich nicht dabei. Also versuchte Herr Rabe, der immer seinen Ausweis dabei hat, sein Glück. Herr Rabe aber scheiterte an der Signatur per BankID, die App streikte. Naja, dachte ich, vielleicht können wir aus zwei halben Registrierungen eine machen, das müsste ja vielleicht… NEIN! Natürlich nicht. Und ich sag mal so: das kann man mit weniger Überlegenheit kommunizieren, liebe Verkäuferin, und überhaupt ist deine eine Wimper schief.

Beim hunderttausendsten Versuch ging es dann endlich, außerdem mussten wir das Sofa bestellen. Also zurück zur Wimpernfrau, wieder Nummer ziehen, jaaaa, wollen Sie das denn jetzt mitnehmen oder liefern lassen, aber das dauert zwei Wochen, schauen Sie doch mal ob Sie einen Leihwagen kriegen. Ich dachte ja, Herr Rabe hätte das schon gemacht, aber nein, das ging auch nicht per Handy, weil die App… ok. Und da bin ich dann wütend abgerauscht Richtung TV-Möbel. Mit noch 20 Minuten der Kinderfreizeit auf dem Tacho. Ohne irgendwas überhaupt bisher vollbracht zu haben.

10 Minuten später war Herr Rabe dann bei mir und fand alles blöd was ich gut fand, aber er hatte ein Auto für 19:30 gebucht. Bis dahin waren es noch eineinhalb Stunden, das sollte ja machbar sein. Aber erstmal Kinder abholen, weil Stunde abgelaufen. Die Kinder hatten die Stunde vor der Glotze verbracht.

Zurück in der TV-Möbel-Abteilung. Michel will, dass wir ihm Zahlen malen, Herr Rabe und ich versuchen uns auf irgendwas zu einigen, Pippi sitzt auf dem Boden und malt in ihr Aktivitätsheft. Ich zeige Herrn Rabe den Unterschied zwischen Blau und Türkis, Michel nölt und Pippi… ist weg. Hinterm Regal? Nein. Hinter dem Regal? Nein. PIPPI! Brülle ich in meiner besten Mama-Stimme, der ganze Stock hat’s gehört, da bin ich sicher. Aber sie kommt nicht. Sie ist weg. Herr Rabe sucht zwischen sämtlichen TV-Möbeln aber PIPPI IST WEG! Panik steigt in mir auf. Kalte, ekelhafte Angst. Mama, mal mir eine 2. JETZT NICHT MICHEL, PIPPI IST WEG! Wir müssen sie suchen. Aber was soll ich dann machen? DU KOMMST MIT! Am Kragen mein eines verbliebenes Kind packend suche ich das zweite, beim vierten Mal rufen schnappt meine Stimme über und hinter der dritten Ecke fange ich haltlos und panisch an zu schluchzen. Ich kann auch kein Norwegisch mehr und stammele herum und merke, dass mein Atem aus dem Takt gerät und ich hyperventilire. Irgendwer holt einen Mitarbeiter, ich weiß nicht mehr was dann war, plötzlich sagen Leute, da hinten ist das Kind und ich renne da hin (Michel schleifend) und Pippi kommt aus der nächsten Abteilung und guckt ganz verdattert, dass Mama so hysterisch ist. Vor lauter Schreck weint sie dann auch und ich kann kaum mein Handy halten um Herrn Rabe anzurufen, dass sie da ist.

Zehn Minuten später bestellen wir bei dem Mitarbeiter, der geholt wurde, ein TV-Möbel und das Sofa (zu der Wimpernfrau gehe ich nicht mehr zurück).

Die Kinder drehen frei und wir versuchen so gut es geht Zeug auszusuchen. Tisch, Stühle, Kinderschreibtisch, Gästebett, dies, das. Unser toller Elvarli-Code funktioniert natürlich nicht, es gibt auch keinen Planer und generell scheint niemand daran interessiert, dieses System zu verkaufen. DANN NICHT. Wir haben ja keine Zeit. Es ist immernoch sehr sehr voll und ich habe schon lange keine Lust mehr. Wir gehen im Stechschritt durch die Markthalle und sammeln Kleinkram. Die Mülleimer haben wir in der Küchenabteilung wohl verpasst. Ebenso die Kellerregale. DANN NICHT. Um sieben sind wir im Lager. Besser gesagt: in Lager Nummer eins, denn dieses Möbelhaus hat drei! Lager. Das am Ausstellungshaus selbst, eins über die Straße (in dem man gesondert bezahlen muss) und die Warenausgabe in fünf Minuten Autofahrtentfernung. Suuuuper.

Um zehn nach acht haben wir alles aus Lager 1 zusammengesammelt, der erste Wagen ist schon mal voll, es soll sich ja lohnen mit dem Mietwagen.

Um viertel vor acht (!!!) hat es Herr Rabe durch die Kasse geschafft. Er geht direkt zum Servicedesk, das Auto „verlängern“. Wenigstens geht das problemlos, allerdings müssen wir natürlich wieder anstehen.

Wir holen das Mietauto, es hat eine Macke. Telefonieren. Warten. Um viertel nach acht sind wir an Lager 2. Pippi plumpst vom Wagen und hat eine Beule. Beide Kinder sind inzwischen so drauf, dass ich sie aussetzen möchte (ja, zwei Stunden nach der Pippi-Weg-Panik), sie hauen sich, stehen im Weg, machen nicht mit.

Der Tisch ist ausverkauft. DANN NICHT! Um viertel vor neun sind wir endlich aus Lager 2 raus, mit einem weiteren komplett vollen Wagen mit großen Paketen.

Noch zur Warenausgabe, das Sofa abholen. Den Zettel brauche ich dafür, die Quittung kannst du ja schon mal einstecken. Das Sofa soll 2,5 Kubikmeter Platz brauchen. Ich baue auf Herrn Rabes Tetriskünste. Bei der Warenausgabe steht schon vorne, dass es heute längere Wartezeiten gibt. Unser Sofa, vor 45 Minuten bezahlt, ist noch nicht mal in Bearbeitung.

Nach 20 Minuten Warterei springt es auf Abholbereit. Und wieder zurück zu in Bearbeitung. WTF?

Nach weiteren 10 Minuten Warterei (3 Pakete, sorry, wie lang kann das dauern, wenn es schon in Bearbeitung ist?) gebe ich auf. Ich fahre mit den Kindern schon mal los nach Hause. Es ist zwanzig vor zehn und die Kinder kippen sonst bald aus den Latschen oder zünden aus Quatschigkeit die Bude an.

Zehn Minuten später. Mein Telefon klingelt. Die brauchen die Quittung. Du musst zurückkommen.

Es kommt keine Ausfahrt. Reicht es, wenn ich dir ein Bild schicke? Nein, die müssen die stempeln. SERIOUSLY DANN TACKERT DIE DRECKSBESCHISSENE QUITTUNG AN DEN VERKACKTEN LIEFERSCHEIN IHR KACKWÜRSTE!

Herr Rabe wartet vor der Warenausgabe auf mich. Ich glaube, er hat Angst, dass ich sonst wem ernstlich Gewalt antue. Immerhin sind beide Kinder eingeschlafen, aber in komischen Positionen, das geht so nicht, mal anders… hups, Michel wieder wach.

Ich werde die ganze Rückfahrt zugeschwallt. Zwischendurch bekomme ich eine Nachricht, dass Herr Rabe das ganze Auto umpacken musste, jetzt aber unterwegs ist.

Um viertel vor elf bin ich mit den Kindern zu Hause. Pippi wird wach und muss aufs Klo, ich ziehe ihr auch direkt den Schlafanzug an und lege sie dann in ihr Bett. Michel hat Hunger und ich auch und deshalb mache ich uns ein Spiegelei, für mich mit Brot und Käse und Ketchup, für Michel auf seinen Wunsch hin einfach so.

Herr Rabe kommt. Ich mache ihm auch noch ein Spiegelei auf Brot, er trägt rein was er kann. Also das meiste. Ich gebe ihm sein Ei und es fällt ihm runter, auf die Dotterseite natürlich. Ich putze Dotter von der Türschwelle.

Wir tragen das Sofa rein. Es ist wirklich schwer und unhandlich. Dann holen wir Pippi aus dem Bett, ich hole Michel das iPad, damit er mal Ruhe gibt, ich spüle noch einen ganz plötzlich dahingefallenen Nasenbluten-Fleck vom Pflaster und dann geht es wieder los: das Auto zurückbringen.

Der iPad-Akkuist leer.

Als der Akku voll genug ist, bin ich froh drum, erwachsenenmusik hören zu können.

Halb eins. Ich sammle Herrn Rabe ein. Er möchte fahren, soll mir recht sein, ich bin sooooo müde.

Viertel nach eins. Endlich zu Hause. Beide Kinder wach. Aber jetzt schlafen alle.

Tag 1084 – Fertig.

In diesen Sekunden trägt Herr Rabe den Staubsauger und den Wischeimer aus der Wohnung. Ich bin vor 10 Minuten von der letzten Mülltour zurückgekehrt, vor gut zwei Stunden ist der LKW mit unserem Hab und Gut drin verschwunden (das war eine spannende Sache, die ich morgen mit mehr Ruhe vom Auto aus ausführlicher erzählen kann), vor gut einer Stunde habe ich die Schnecken hoffentlich umzugssicher verpackt, wir plumpsen jetzt gleich unter die Dusche und dann ins Bett. Morgen um neun Wohnungsübergabe an den Mietmakler und dann auf zu neuen Ufern!

(In einem wohlgeordneten Haushalt taucht auch das letzte Teil aus dem Holzmemory wieder auf. Unter der Waschmaschine.)

Tag 1083 – Ferientag +1. Countdown.

Dinge fallen auf Norwegisch ja an ihren Platz. Ich mag den Ausdruck, weil es sich manchmal halt echt so anfühlt, wenn sich die Knoten lösen und dann alles ineinander greift und fluppt. So war es heute. Während ich auf dem Rückweg von der Entsorgungsstation einigermaßen grummelig ob des unfassbar unfreundlichen Mannes bei Fretex war (das ist die Heilsarmee, ich erwarte ja nicht ewige Dankbarkeit für ein paar Kleider- und Spielzeugspenden, aber in jeder normalen menschlichen Interaktion erwarte ich ein „Hallo“ und „Tschüss“ und ein erwidertes Dankeschön wär auch ganz nett. Und vor allem wenn eine bezaubernde Dreijährige freudestrahlend Spielzeug um Spielzeug über den Tresen schiebt, dann kann man mal kurz lächeln. Ganz kurz wenigstens.), rief mich Michels neue Schule an. Da sind nämlich jetzt die Ferien für die Administration vorbei und meine vier Anrufe und ebensoviele Mails wurden bemerkt. Wie schön! Und siehe da, Michel kriegt ab Montag nächster Woche einen SFO-Platz, also Randstundenbetreuung/Hort/Ferienbetreuung. Vollzeit. Hurra. Bisschen spannend wird noch, wie wir mit einem Auto das logistische Rätsel lösen, wie Michel im SFO und zeitgleich Pippi im Kindergarten in 30 km Entfernung (nur mit Auto erreichbar) eingewöhnt wird, während ich arbeite (nur mit Auto erreichbar, nochmal 10 Minuten von Pippis Kindergarten). Hahaha. Äh. Vielleicht müssen wir für Montag ein Auto mieten, ich bringe es jedenfalls nicht übers Herz, den morgenmuffeligen Michel um sieben an der Schule rauszusetzen und „tschöhö, schönen ersten Tag!“ zu rufen. Wenigstens ein halbes Stündchen dabei bleiben, fände ich schon gut, irgendwie. Nun gut, davon mal abgesehen, Hurra, Hortplatz!

Wenig später rief dann auch endlich (!!!) die Umzugsfirma an und eröffnete mir, dass sie morgen spätnachmittags/abends schon zum einladen kämen. Das ist uns im Grunde nur recht, das beschleunigt nämlich unsere Abreise am Mittwoch früh. Allerdings packen wir jetzt einigermaßen hektisch. Tjanun. Morgen übernachten wir dann bei unseren Freunden, die überraschend heute schon aus dem Urlaub zurückgekommen sind. Es fügt sich eben alles.

Und dann hat noch die Putzhilfe Rücken, wir müssen also selbst putzen, was jetzt nicht wirklich zu unseren liebsten Hobbys gehört, aber immerhin sind wir so wesentlich flexibler, was das „wann“ und „wie“ angeht. Ich kann nach jedem leer geräumten Schrank diesen einmal durchwischen und am Ende bleiben hoffentlich nur noch das Badezimmer und die Fußböden, das ist ja gut noch morgen Abend schaffbar.

Was sich noch gefügt hat: heute wurde unser neuer Kühlschrank geliefert und zwar direkt ins neue Haus. Die Vorbesitzerin hatte sich bereiterklärt den anzunehmen, dann verzögerte sich aber alles und am Ende wies ich die Post an, das Ding einfach unter das Carport zu stellen. Zähneknirschend, aber in der Hoffnung, dass niemand mal eben ein riesiges und sauschweres Paket wegschleppen würde. Aber man weiß ja nie. Um so froher war ich, als mir die Vorbesitzerin abends schrieb, ihr Lebensgefährte sei nochmal da gewesen und hätte mit seinem Sohn den Kühlschrank ins Haus geräumt. Uff. Und: wir haben jetzt ein Haus und da ist ein Kühlschrank drin. Gnihihi.

Morgen um diese Zeit ist alles schon verladen. Und übermorgen um diese Zeit ist alles schon wieder ausgeladen.

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Auto-Lobhudelei: nur kurz dem inneren „WAAAHHHHHHHHH!!!“ nachgegeben und recht schnell in den Fleißbienchen-Modus umgeschaltet.

Tag 1080 – Wieder sehr müde.

Ich bin geschafft. Es geht alles nicht so schnell wie es müsste, ich rödle an allen Ecken gleichzeitig, größtenteils alleine und dabei sind 28 Grad – in der Wohnung. Bitte keine Tips, keine Durchhalteparolen, ich mag nicht mehr und will einfach nur 100 Jahre schlafen, es hilft ja nix, ich ziehe es schon durch, aber, wirklich, wenn Sie nicht mein Mann sind und so Sachen sagen wollen wie „Hier ist ein Kaffee, setz dich mal hin, ich wasche solange die Wände ab*!“, dann sagen Sie lieber gar nix, ich könnte sonst um mich beißen.

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*it’s a Norweger-Thing.