Tag 920 – Lessons learned.

  • Die Kinder halten es kuschelnd und sich nur ab und an schlagend noch etwa 30 Minuten im Bett aus, nachdem sie aufgewacht sind.
  • Die Kinder sind trotzdem am Samstag immer gegen halb acht wach. (Das Klischee sagt ja eigentlich, dass das erst mit der Schule losgeht, wir müssen aber beide Kinder jetzt schon unter der Woche wecken, damit sie rechtzeitig in die KiTa kommen. Das wird noch richtig spaßig, wenn das Aufstehen noch mal ne Stunde eher (ca.) sein muss, wenn Michel mit der Schule anfängt.)
  • Michel hat so vieles von mir. Temperament, unter anderem. Vermutlich rasseln wir deshalb gern mal aneinander. Hautfarbe inklusive damit verbundenen Problemchen hatte ich ja auch schon mal festgestellt – Michel muss wirklich immer mit Sonnencreme eingecremt werden, sobald ein bisschen die Sonne scheint, verträgt gleichzeitig aber nur wenige Sonnencremes dauerhaft. Das ist plöd, armes Kind, ich kenne das. Und neuerdings hat Michel auch noch ab und zu Kopfschmerzen. Nie Bauchweh. Immer Kopf. Heute: einseitig. Oh Mann. Kindermigräne brauchen wir und vor allem er nicht auch noch, bittedanke.
  • Pippi versucht jetzt, durch puppenhaftes Wimpernklimpern Schimpfe zu entgehen. Klappt nur ganz selten.
  • Auch mit Michel allein im 1,60 m breiten Bett liegt er zu zwei Dritteln auf mir drauf. Q.e.d.
  • Michel ist jetzt in der, wie soll ich es nennen? linguistischen Phase. Jedes Wort wird auf seine Bedeutung hin erforscht. Infoquelle: Ich. „Was bedeutet „Sonne“?“ Keine Ahnung, Dings, Sonnengott, großer leuchtender Ball, ähh, wahrscheinlich hat irgendein Urzeitmenschenvorfahre mal in den Himmel geguckt „SO-EH!“ gegrunzt und dann hieß das eben so. Und das dann für HundkatzemausSchuheHoseWaschmaschineWäscheGrätenKnochenFleischFischSäugetierEi. Hunderttausendmal am Tag. Ich will die Warum-Phase zurück.
  • Man kann schon auch ohne zweite Person (und ohne Büste) Kleider abstecken. Es ist halt etwas umständlich. Aber nach nur drei Stunden (oder so) bin ich jetzt mit dem Anpassen soweit fertig, dass ich die (Hilfs-)Nähte alle aufmachen und endgültig wieder zusammensetzen kann. Was für ein Akt. Man muss aber dazu sagen: ich hab das noch nie gemacht, das Kleid ist ja auch trägerlos und Satin verzeiht gar nichts. Da sind sofort Falten oder es rutscht, sobald man ausatmet, es hat ja auch noch gar keinen Stand, weil das Innenfutter, das mit (noch so ein erstes Mal) Rigeline verstärkt wird, noch nicht drin ist. Es ist jedenfalls bisher mein anspruchsvollstes Projekt, ich bin gespannt, wie es am Ende wird. Und ich bin ein bisschen froh, dass noch die Spitze drüber kommt. Dann sieht man wenigstens kleinere Schnitzerchen nicht mehr sofort.
  • Ich bin viel schlanker als gedacht, vor allem über der Brust. Ich dachte immer, ich hätte ein recht breites Kreuz, aber ich musste fast 10 cm im Umfang über der Brust wegnehmen, vor allem im Rücken und den Rest unter den Armen. Dann noch unter den Brüsten ordentlich was weg, Taille verschmälern… dabei habe ich ja vorher extra gemessen und dann mit den angegebenen Maßen des fertigen Kleidungsstücks verglichen. Vielleicht geht auch mein Maßband falsch. Hmmhmm.
  • ohne Spitze sieht das Kleid an mir aber noch recht… behämmert aus. Wobei solche Kleider das vielleicht an fast jeder*m tun würden, deren/dessen Schultern nicht miniminischmal sind.
  • Ich bin so furchtbar diszipliniert. Sport ist Sport und wenn ich halt erst dazu komme, wenn die Kinder im Bett sind so be it. Dann mache ich halt Sport um zehn Uhr abends. Und lache ein bisschen über mich selbst.

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Auto-Lobhudelei: den Tag mit den Rübennasen ganz gut überstanden, meist nicht wie die schlechteste Mutter der Welt gefühlt, die Kinder haben gebastelt und wir waren sogar draußen und hatten den Schlitten dabei (es waren aber keine guten Schlittenhügel auf dem Weg. Dafür kann man auf so nem Goretex-Hintern echt sehr sehr schnell Rutschen herunterrutschen).

Tag 919 – Blau, blau, blau sind alle meine Kleider…

Haarige Sachen passierten heut. Zunächst einmal kam die Matte endlich runter. Das war das letzte Mal irgendwann im… ich weiß nicht mehr. November? passiert* also mehr als nötig.

Man sieht es auf dem Bild nicht, aber es kräuselte sich schon im Nacken und hat die Ohren quasi zugewuchert und beides kann ich absolut nicht haben. Durch die Stoffwechselschwankungen waren mir vor Weihnachten an den Schläfen recht viele Haare ausgefallen, da war ich gar nicht mal undankbar, was drüber machen zu können, aber jetzt ist da zumindest wieder Flaum und der Helm muss ab.

Ich liebe meinen Frisör.

Und dann habe ich heute Abend die gestern nach einer langen Reise durch ferne Länder und (vermutlich mehrere) Kontinente angekommene Haarfarbe ausprobiert. Frau Brüllen hatte die mal gekauft, sich aber dann doch nicht so recht getraut und dann hatte ich gesagt, dass ich die Haare blau färben möchte und zack**, schon hatte** ich die Farbe hier. Bevor Sie jetzt Schnappatmung kriegen: das ist so eine Colorista Wash Out Farbe, wäscht sich also in 5-10 Haarwäschen raus. Ich *muss* also nicht zwingend zur Disputation blaue Haare haben. Heute also auf das frisch gestutzte Haar geschmiert. Nicht auf das ganze, sondern nur „oben“ und den Rest der noch an den Handschuhen war ganz leicht im Resthaar verteilt, ich wollte einen wilden, lebendigen Look und nicht aussehen, als hätte mir ein Schlumpf auf den Kopf gekackt. Bis auf einen Fleck am Hinterkopf ist es mir ganz gut gelungen, finde ich (in echt ist die Farbe intensiver).

Ich bin gespannt, wie sich das beim Rauswaschen macht.

Ansonsten heute das blaue Kleid aus Partysateng*** und Spitze angefangen und hui, Satin nähen ist ja auch mal nicht sooooo einfach. Schon beim Zuschneiden fluchte ich über die Franserei, damit mich das nicht beim Nähen vollends irre macht, versäuberte ich dann vorm Nähen sämtliche Schnittkanten (sowas hab ich ja überhaupt noch nie gemacht) und jetzt bin ich mit dem Zusammensetzen so weit, dass ich die Passform anpassen muss, aber eigentlich brauche ich dazu eine zweite Person und Herr Rabe kommt erst am Sonntag Abend zurück. Auf jeden Fall muss am Rücken oben einiges weg und da abstecken kann ich ja nun mal gar nicht alleine. Hmmhmm.

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Auto-Lobhudelei: alles geschafft, was ich mir für heute vorgenommen hatte, sogar mit zur Arbeit und zurück laufen. Durch den Sonnenschein. Hachz.

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* Ich hab nur wenige Erinnerungen an das Ende letzten Jahres. Es lebe die Verdrängung!

** Nach nur sechs Wochen Postversand

*** Norweger und ihre Verhunzung anderer Sprachen.

Tag 918 – Vom Versuch, nicht Nachzudenken und gleichzeitig einen klaren Kopf zu behalten.

Diese Bewerbungssache frisst mich auf. Und zwar nicht, weil es nichts gibt, auf das ich mich bewerben könnte, sondern weil es zu viel ist. Zu viel, zu breit gefächert, es ist verzweifelt und zerfasert und damit so wie ich. Es frisst meine Energie und meine gute Laune. Ich mag nicht mehr wochenlang nichts und dann „nach gründlicher Durchsicht… sorry. Bewerben sie sich aber doch ruhig weiter bei uns.“ hören. Ich mag nicht mehr Anzeigen lesen und mit meinem Profil abgleichen und Anschreiben schreiben, raten, was für eine Person sich hinter dem Namen der Kontaktperson verbirgt, den richtigen Ton treffen (oder halt auch nicht), wenn das doch vermutlich eh nicht gelesen wird.

Dazu gesellen sich dann die anderen Dinge. Michel, der sich wahnsinnig auf den Einschreibetermin an der Schule freut. Der Mietvertrag, der vermutlichhoffentlichmöglicherweise so weiterlaufen kann wie bisher. Der KiTa-Platz. Die KiTa-Plätze an einem neuen Ort, irgendwo in Europa. Oder einmal Schule, einmal KiTa. Ein Kind, das nicht gut deutsch spricht, aber unbedingt in die Schule will. Wenn ich nur befristet was kriege, was wahrscheinlich ist: in zwei, drei Jahren wieder das Gleiche?

Oder vielleicht sollte ich einfach einsehen, dass es drei von vier Familienmitgliedern hier gut geht. Hier in Trondheim. Wer bin ich, dass ich drei Menschen verpflanzen will. Irgendwas (das NAV hat ja gesagt: irgendwas wird schon gehen und ich kriege das alles alleine hin!) wird schon gehen, irgendein Post-Doc irgendwo oder irgendeine Laborhelferstelle. Ein Häuschen im nächsten Vorort, in dem es bezahlbar ist.

Und dann muss ich ja auch noch diesen Vortrag machen und es wird ja nicht besser vom Prokrastinieren, aber der Impostor-Zwerg sitzt wieder oder immernoch in meinem Kopf, stetig gefüttert durch Jobanzeigen, und lacht mich höhnisch aus. „Vergiss es einfach, das wird eh nichts!“ sagt er. „Vergessen? Du hast Scheißangst vor Präsentationen! Und diesmal geht’s um die Wurst! Als würdest du das hinkriegen.“

Und an manchen Tagen glaube ich das. Sorry. Disputieren Sie doch gerne zu einem späteren Zeitpunkt noch mal mit uns.

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Auto-Lobhudelei: drei (drei!) Mails in Job-Sachen verschickt, eine kann man wohl als Initiativbewerbung ansehen. Sehr leckeres Abendessen (Mac’n’cheese, die cleaneating-Fraktion weint in ihren Quinoasalat, aber es gibt einfach nichts besseres als massive Käsegerichte um wunde Seelen zu schmieren) früh fertig gehabt. 3-4 Kinderäquivalente in den Schlaf gekuschelt. Plus Sport und ein übertragenes und ausgeschnittenes Schnittmuster.

Tag 917 – To-sew-Liste.

Ich bin total aus dem Häuschen gerade, weil ich meinen ersten Simplicity 7498-Rock fast fertig habe. (Fast, weil: der Reißverschluss fehlt noch. Weil der Nähfuß noch fehlt. Ist aber bestellt [der lokale Einzelhandel so: „Müssen Sie im Netz bestellen.“], wird morgen verschickt, kommt also vermutlich Montag an.) Und er ist so schön. Und so wie ich das ohne Reißverschluss beurteilen kann, sitzt er auch richtig gut. Und da ich den (Stilbruch!) aus dunklem, glatten, leicht glänzendem Jeansstoff genäht habe, fühle ich mich auch total wohl damit und gar nicht, als hätte ich mir ne Verkleidung genäht. Jetzt noch ne Bluse dazu.

(Oh stimmt, säumen muss ich den ja auch noch.)

Und damit mir nicht langweilig wird, hier (außer der Bluse, die vermutlich diese hier werden wird) noch zwei Projekte, eins eilig, eins für die Defense.

(Doch nicht grün, weil eilig. Jetzt also Mitternachtsblau. Und muss noch gewaschen werden, deshalb liegt es hier noch rum.)

Tag 914 – Nanu? Wer bist denn Du?

Michel und ich haben heute ein Ich-bin-Ich gebastelt, das heißt, irgendwann musste Herr Rabe einspringen, weil mich das total abgenervt hat, Basteln eben! Orrr. Herr Rabe ist da viel geduldiger. Es ist auch recht hübsch hässlich geworden, aber Michel ist überglücklich und schläft jetzt mit seinem Ich-bin-Ich im Bett. Die Stoffe hat er aus meinem Fundus selbst ausgesucht und auch die Knöpfe für die Augen, die, man sieht es auf dem Bild kaum, unterschiedlich groß sind. Dadurch macht das Ich-bin-Ich jetzt quasi so: o.O und das passt ja hier sehr gut zu uns.

Falls Sie nicht wissen, was ein Ich-bin-Ich ist, das ist die Figur aus diesem Buch, das ich schon allein aufgrund seiner Sprachmelodie sehr mag:

(Kommt fast ohne pädagogische Keule aus. Einzig der Spruch „Und wer das nicht weiß, ist dumm. Bumm.“ ist halt schlimm ableistisch und dumm auch ausgerechnet eins der Worte, die ich beiden Kindern (Michel macht’s vor, Pippi plappert nach) abzugewöhnen versuche. Aber sonst: Super Buch, gerade zum laut (Vor-)Lesen.)

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Auto-Lobhudelei: im Kleinen viel geschafft (ich hab aus Teig für Berliner Knüppel viel schönere Schnittbrötchen gemacht, als aus dem Schnittbrötchenteig neulich), trotzdem für mich gesorgt und ich fühle mich jetzt tatsächlich bereit für die Woche.

Tag 913 – Nähere Ausführungen zum Sport.

Nun, ich hatte das ja angekündigt, dass ich wieder mehr Sport machen wolle, schon allein um an diesen eintönigen und zum Teil furchtbar frustrierenden Tagen gerade auch mal auf andere Gedanken zu kommen (und nicht meinen Frust an Menschen aus dem Internet auszulassen). Ich wusste nicht, was genau ich machen wollen würde, irgendwas auf YouTube, weil Fitnessstudio grad finanziell schwierig und wegen Vertragslaufzeiten und Tralala auch einfach ungünstig wäre. Tanzen geht nicht mehr und der Angestellten-Sport auch nicht, weil ich ja offiziell nicht mehr Angestellte der Uni bin. (Mir fällt grad ein: eine Einschränkung vorweg. YouTube ist natürlich nix, wenn man echt gar keine Motivation aufbringen kann, oder sich nicht pushen kann, wenn kein Trainer einen beaufsichtigt. Denn ob ich mitturne oder Chips essend auf dem Sofa sitze, während das Video läuft, kontrolliert natürlich nur das Kind, das die Chipskrümel findet keiner.) Ich fragte ein bisschen auf Twitter rum, ob jemand was empfehlen könne und die Reaktionen waren insofern interessant, als dass ich einige Tipps nur über Direktnachrichten bekam, offenbar ist es für mache unpassend, im Internet öffentlich sichtbar Sportvideos zu empfehlen. Also, äh, für mich nicht, und deshalb kann ich hier jetzt auch ganz offen schreiben: Ich habe Fitnessblender gewählt. Die wurden von mehreren Leuten empfohlen und waren außerdem auf Platz eins eines „the 5 best free fitness channels on YouTube“ (oder so) Artikels auf Buzzfeed (oder so, keine Ahnung, ist auch nicht so wichtig). Ich probierte also zwei, nein, drei Videos aus, während ich hier mit den kranken Kindern hockte und mir gefiel das Unaufgeregte auf Anhieb. Aber dazu später, denn…

Ich habe das Gefühl, die Wahl von „Fitness“ erklären zu müssen. Denn es ist ja so: „For free“ könnte ich jede Menge anderen Sport machen. Sogar draußen. Ich könnte Langlauf machen! Grade jetzt im Winter und während ganz Norwegen wegen Olympia vorm Fernseher klebt haben wir dafür hier ja die besten Bedingungen. Aber ich kann ja echt nicht gut Skifahren und alleine traue ich mir das einfach noch nicht zu – da habe ich zu große Angst, mich zu verlaufen und vor allem mir den Hals zu brechen und erst gefunden zu werden, wenn Tiere meine gefrorenen Körperteile zufällig zum nächsten Parkplatz geschleppt haben. Ich könnte auch Laufen gehen! Äh nein. Einfach nein. Ich hasse Laufen. Ich gehe gern zu Fuß, aber in schnell und mit Schwitzen und so… Nee, echt nicht. Dieses Läufer-High kommt bei mir nie, ich habs echt oft genug probiert, was kommt ist das Gefühl, meine Lunge auszuhusten und dass mein Herz mir aus dem Hals hopst. Da kann das hundertmal „mehr als ein Sport“ sein, wie Laufende gern nur ganz dezent missionarisch behaupten, ich finds einfach scheiße. Und überhaupt: Tanzen ist auch „mehr als ein Sport“ (nämlich eine Kunstform), Yoga ist „mehr als ein Sport“ (nämlich Meditation), Boxen ist „mehr als ein Sport“ (Strategie-Dings, ich gebe zu, da begebe ich mich auf dünnes Eis), vermutlich ist auch Curling oder Hockey oder Handball „mehr als ein Sport“, weil LEIDENSCHAFT!!!1elf!. Lebensgefühl. Self-Care (grade als Mutter muss man ja auch obendrein noch für sich selbst sorgen… hoppla, da musste ich ein bisschen brechen).

Ich hingegen wollte einfach Sport. Gern mit Schwitzen, gern keine 2 Stunden pro Einheit, gern so, dass man auch mal Muskelkater bekommt, zusammenfassend: den Körper spüren und dass der was getan hat. Yoga ist mir zu wenig Schwitzen, für alles mit Kraft fehlt mir das Equipment (was nur bedingt stimmt, aber dazu gleich), eigentlich will ich auch nicht abnehmen (im Sinne von Gewicht verlieren, ich mag schon lieber, wenn meine Muskeln auch sichtbar sind) und fände deshalb jetzt täglich Cardio irgendwie nicht so zielführend. Die drei Tests bei Fitnessblender waren ein HIIT (High Intensity Interval Training, also in kurzen Intervallen irgendwas sauanstrengendes machen, dann ganz kurze Pause mit weiter bewegen, nächste Übung…), ein Pilates-Workout und ein Butt/Thigh/Lower Back Blabla toning irgendwas. Leider verbrachte ich zum Teil deutlich mehr Zeit mit der Suche nach einem geeigneten Workout, als mit dem Workout selbst, weil YouTube so eine bescheidene Suche hat. (Ich glaube bei Fitnessblender auf der Homepage geht es viel besser, aber das habe ich noch nicht ausprobiert.) Aber erstmal zu den Videos: erster wichtiger Punkt für zwanghafte Tänzerinnenseelen wie mich: es gibt keine Musik. Wenn Musik läuft, muss ich mich im Takt bewegen und dabei powere ich mich oft wirklich übermäßig aus, das geht einfach nicht für mich, dass dann „meinem Tempo anzupassen“. Nix da, Takt it is! Dann zu den Trainern: Kelly und Daniel sind ein Personal-Trainer-Ehepaar, die (Hurra!) aussehen, wie normale Menschen. Und reden wie normale Menschen. Und (weil sie alles meistens ungeschnitten so mitmachen, wie man es eben auch durchturnt) mal schnaufen, oder kurz Pause machen müssen, rot werden, eben: normale Menschen. Nebenher sind sie natürlich super trainiert, fast immer super gut drauf und trinken am Tag jeder vermutlich sechs Liter Wasser, aber wer würde ihnen das übel nehmen, es ist ja ihr Job. Die Videos sind prinzipiell alle kostenfrei verfügbar, aber man kann sich komplette Trainingsprogramme kaufen, die dann 2 bis 8 Wochen lang jeden Tag (mit Erholungstagen) ein Video präsentieren. Damit, und mit ihrem Ernährungs-Tralafitti (dazu auch gleich) verdienen die beiden ihr Geld und vermutlich gar nicht mal wenig. Nun, und weil ich ein (im Grunde) fauler Mensch bin, der außerdem keine Ahnung von Trainingsplänen hat und gern bereit ist, für gute Arbeit auch Geld zu bezahlen, habe ich mir nach den ersten Testläufen so ein vier-Wochen-Programm gekauft, und zwar eines, das ohne Gerätschaften (also: Gewichte) auskommt und das einen guten Mix aus all den vielfältigen Trainingsvideos versprach.

Jetzt bin ich halb durch mit dem Programm und liebe es. Es ist wirklich ausgewogen und durchdacht. Es ist immer Warm-Up und Cool-down dabei und zwar fokussiert auf die Körperteile, die man grad trainiert hat. Die Videos innerhalb eines Programms wiederholen sich nicht, natürlich wiederholen sich aber einzelne Übungen. Die Extra-Credit-Challenges machen aus einem gut machbaren 35-Minuten-Workout schnell mal ein total auspowerndes 45-Minuten-Workout, aber das ist ja auch so gedacht und diese Extra-Credit-Dinger muss man ja auch nicht machen. Wenn man die weglässt kommt man auf eine durchschnittliche Workout-Dauer von ca. einer halben Stunde, aber eben: jeden Tag. In den Videos ist (für mich überflüssiger) Schnickschnack wie die geschätzten verbrannten Kilokalorien angezeigt, und das sind, grob geschätzt, am Tag etwa 180 (untere Grenze), mal mehr, selten weniger. Zu jedem Workout-Tag gibt es eine kleine Einführung, eine wirklich sehr ausführliche gibt es einmal am Anfang. Man kann in dem Programm Tage überspringen, wenn man anderen Sport gemacht hat, wenn man aber nur keine Zeit oder Lust hatte, soll man da wieder anfangen, wo man aufgehört hat. Es gibt einen übersichtlichen Kalender und allerlei Schnickschnack wie Rezepttipps. Das reine Trainingsprogramm ist für mich nahezu perfekt: Ich brauche kein Zeug, trainiere meinen ganzen Körper, arbeite an Kraft und Kondition (und habe gelernt, was für zornige Kraftübungen man nur mit dem Körpergewicht und Anarbeiten gegen die eigenen Muskeln machen kann) und mich jeden Tag motivieren fällt mir leichter, als mich zwei Mal die Woche aufzuraffen (wenn es keine festen Termine sind). Am besten wäre es wohl tatsächlich, ich würde direkt am Morgen sporteln, weil ich mich dann den Rest des Tages ganz aufgeräumt und viel ausgeglichener fühle, aber das wiederum scheitert am gemütlichen Bett. Die ersten Tage des Programms waren hart, ich hatte üblen Muskelkater und noch keine Routine, aber jetzt macht es mir richtig Spaß. Nachdem ich gestern von meinen definierteren Muskeln schrieb erklärte mir übrigens eine Freundin, das sei auf den Wasserverlust zurückzuführen, die beanspruchten Muskeln ziehen Wasser aus dem umgebenden Gewebe (?) und treten dadurch deutlicher hervor. Das kann sehr gut sein, denn seit ein paar Tagen habe ich ständig Durst und möchte am liebsten einen kleineren See pro Tag aussaufen. Und weil ich eben eh schon schlank bin und an Armen und Schultern kein sichtbares Fett habe, reichen schon knappe zwei Wochen um sichtbarere Muskeln zu zaubern.

Bin ich also restlos begeistert? Fast. Denn die Fitnessblender-Menschen kommen halt gleich mit der Lifestyle-Keule. Du sollst nicht nur täglich sporteln, wegen health und so (von da ist es nur ein ganz kurzer Weg zu „Leute die wegen Übergewicht krank sind, sind undiszipliniert und selber Schuld an ihrer Krankheit“ und das finde ich einfach sehr gefährlich), „lean“, also schlank zu sein, ist auch das erklärte Ziel (ahhhh, kurz vor Bodyshaming) und generell ist das ja auch alles „mehr als ein Sport“, nämlich Lifestyle und du sollst auf jeden Fall jetzt auch clean eaten. Da kriege ich ja schon Zuviel, weil ich da an Avocados und Ziegen-Hüttenkäse denken muss, aber ich erkläre mal kurz, worum es dabei geht. Ich habe nämlich trotz meiner Abneigung den Clean-Eating-Part der Sportprogramm-Einleitung auch gelesen, context is for kings und so. Also, ganz vereinfacht ist clean eating das Bestreben, möglichst wenig prozessierte Lebensmittel zu essen. Möglichst alles soll so gegessen werden, wie es vom Baum/Strauch/Busch fällt, an/in/auf der Erde wächst, vom Tier kommt, etc. Garen ist schon erlaubt, das wäre dann raw food, kann man bei dem meisten Obst und Gemüse sicher machen, bei Kalbsleber würde ich das aber lassen. Käse ist ok, Brot ist ok, aber dann bitte aus Vollkorn, Nudeln auch, Reis (Vollkorn!), Kartoffeln: alles gut. Was nicht ok ist: Schmierkäse, Tütensaucen, Chips, Frühstücks-„Cerealien“ und generell alles, was irgendwie chemisch anmutet oder absurd viele Inhaltsstoffe hat. Mein Fazit nach dem Lesen der Einleitung war übrigens: Hey, wir essen schon voll clean. Wir machen das meiste selbst, Nutella ist hier absurd teuer: Yeah, clean eating! Heute war sogar ne Avocado im Salat! Wo ich halt anfange, schlimmes Augenzucken zu kriegen, ist, wenn da steht „Honig ist besser als Zucker“, weil, nein. Und nochmals nein. Und generell, wenn jeder Ausflug in Richtung „normales Essen“ als Cheating oder Treat dargestellt wird. Das macht mir so ein ganz ungutes Gefühl im Magen und das kommt nicht vom Avocadosalat. Essen ist so toll und Essgewohnheiten so vielfältig. Niemand hört gern über sein Abendessen, das sei ja jetzt „eine Belohnung“ oder gar „ein Ausrutscher“. Man muss aber sagen, dass dieser Teil des Fitnessblender-Konzepts in den Videos nur am Rande vorkommt, wenn sie am Ende sagen, man solle so schnell wie möglich was essen und zwar „real food“. Nicht so unreal wie Schokokekse, obwohl, vielleicht enthalten die dann ja auch unreal Kalorien?

Abschließendes Fazit: Minus den Ernährungskram und Minus das unausgesprochene „alle haben schlank zu sein zu wollen“: Find ich richtig gut. Ich freue mich auf jeden Fall schon mal auf die nächsten zwei Wochen. Und mein Bett, um meinen heute doch mal wieder arg geschundenen Körper auszuruhen.

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Auto-Lobhudelei: Ohne zu verrecken 40 Minuten sehr anstrengendes und anspruchsvolles Training durchgezogen

Tag 912 – Ächz.

Heute Morgen sang ich noch Loblieder auf mein Sportprogramm und dass das ja jetzt gar nicht mehr so schlimmen Muskelkater macht wie am Anfang noch und dank meiner schnell wachsenden Muskeln* sieht man an Schultern, Armen und oberem Rücken schon Erfolge und im unteren Rücken merke ich dass er mir viel seltener wehtut und olé olé, super Sportprogramm.

Dann kam die 10-Minuten Total Abs Burnout Pilates Extra Credit Challenge** I’m Anschluss ans Total Upper Body Workout. Heute Nachmittag dachte ich noch, hmm, fühlt sich alles recht müde an. Dann fing der Körper beim Vornüberbeugen an, lustige Zuckungen zu produzieren.

Und dann hatte ich die brillante Idee, geliehene Schnittmuster auf in meinem unerschöpflichem Fundus*** gefundenen Schnittmusterpapier zu übertragen. Erst kroch ich dafür auf dem Boden herum, aber als Herr Rabe mich ächzend und fluchend vom Boden hochkommen sah, räumte er mir den Esstisch frei. Da stand ich dann in leicht vorgebeugter Haltung und jetzt bin ich fertig mit dem Abmalen, aber meine Abs**** sind jetzt auch wirklich für die nächste Woche so dermaßen ausgeburnt.

Morgen geht’s weiter. Mit dem Sport und den Schnittmustern auch.

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Auto-Lobhudelei: heute viel erledigt bekommen, sogar eine Bewerbung verschickt, obwohl meine Motivation dies zu tun heute auf einem Tiefpunkt war. Dafür eine Post-doc-Stelle in Kopenhagen gefunden, auf die ich mich auf jeden Fall bewerben werde. Das Thema ist nämlich sehr ähnlich zu dem, was ich hier in der Doktorarbeit gemacht habe und es ist ein industrieller Post-doc. Win -win.

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*Mir wurde schon zu viel Testosteron unterstellt, ich nehme ja an, dass meine Muskeln einfach immer ungefähr konstant da sind, aber bei längerer Nicht-Benutzung nicht mehr gut ansprechbar sind und dann auch nicht so sichtbar. Da braucht es nicht viel, um alte Formen wieder herzustellen. Wirklich irgendwas verändert hat sich nämlich nicht, nur etwas definierter ist es halt geworden.

** Diese Extra-Credit Challenges sind Zusatzaufgaben, die man machen kann, aber nicht muss. Ich sehr aber nur „Challenge“ und schreie sofort reflexhaft „Accepted!“. Ich arbeite daran, das abzustellen.

*** Ich hab das ja alles von meiner Oma geerbt, en bloc alles was in der Nähe der Nähmaschine lag. Ich muss nie, vermutlich die nächsten 10 Jahre auch nicht, Gummilitze kaufen. Und Nähgarn in fast allen Farben habe ich auch immernoch. Und eine Tonne Knöpfe. Und eben auch, etwas überraschend, eine Packung Schnittbogenpapier von Burda und ca. 1990. Praktische Sache! Danke, Oma!

****Abs sind Abdominal muscles also Bauchmuskeln. Burn out in dem Zusammenhang heißt, dass die Muskeln wirklich beansprucht werden sollen, bis man nicht mehr kann.

Tag 911 – Karriereberatung: Ich war dabei!

Und es war, wie ich es vorhergesehen hatte: sinnlos und furchtbar.

Aber fangen wir vorne an. Das NAV (das Norwegische Amt für Arbeit und Soziales) hat ja, obwohl ich im Fragebogen zu meiner Arbeitslosigkeit extra den Haken bei „Möchten Sie ein persönliches Gespräch haben?“ auf „Ja“ gesetzt habe, einfach bestimmt, dass ich alleine einen Job finden kann. Zackbumm. Nix Gespräch. Aber, so schlug es die Sachbearbeiterin, zu der ich via fancy online-dialog Kontakt hatte, vor: es gibt eine kommunale Karriereberatung, die sei kostenlos und da könne ich ja mal hingehen.

Nun, ehe mir Untätigkeit vorgeworfen wird, machte ich also einen individuellen Termin mit den Karriereberatern und ging zusätzlich heute zu einem Kurs „CV, Bewerbung, Vorstellungsgespräch“, in der Hoffnung irgendwas abzugreifen, das nicht auf den einschlägigen Websites schon zigfach steht, allerdings in der Erwartung, dass es eben genau das sein würde: eine Wiederholung der „schlauen“ Tipps, über die Personaler*Innen ganz sicher schon nur noch müde gähnen.

Zuerst mal über die Gruppe: Neun Personen mit guter Ausbildung. Eine Juristin, eine BWLerin, eine ITlerin, Ich, eine Bauingenieurin, eine, die 10 Jahre lang irgendwo in der Verwaltung (öffentlich) war, eine mit >30 Jahren Berufserfahrung als Buchhalterin, einer, der 20 Jahre lang ein Hotel in Mossul geleitet hat. Nur eine Person hatte keinen Uniabschluss oder ewig lange Erfahrung und die suchte auch hauptsächlich Zimmermädchen-Jobs. Also 9:1. Auch 9:1: 9 Frauen, 1 Mann. 9 Ausländer*Innen, 1 Norwegerin. Und wir alle saßen da nun, weil wir keinen Job kriegen. Man könnte meinen, das spiegele eventuell die „Problemfälle“ auf dem Norwegischen Arbeitsmarkt wieder: gut ausgebildete oder sehr erfahrene Menschen aus dem Ausland, die übereinstimmend von ähnlichen Schwierigkeiten berichten: Berufsabschlüsse nicht anerkannt, Norwegisch reicht nicht um nen Fuß in die Tür zu kriegen, zu alt, Name ist nicht grad Sissel… Und dann noch ne Frau. Aber das bin nur ich, ich höre da gern das Gras wachsen, es stach mir nur ins Auge. Am Engagement haperte es jedenfalls bei uns allen nicht, sonst würde man seinen frustrierten Hintern ja nicht zu so ner Veranstaltung schleppen. Nunja, es schien die Vortragenden jedenfalls nicht zu bekümmern, oder sie haben beide ein gutes Pokerface.

Aber kommen wir zu den Inhalten: pfffffffft. Haben Sie das gehört? Das war der Inhalt. Ich musste spätestens ab der Hälfte echt auf meine Wangen beißen um nicht laut loszulachen. Insgesamt wollte ich einfach wie Loriot ab und zu „Ach.“ in den Raum werfen. Ach was, dauernd. Ich greife mal ein paar Punkte auf:

  • Think outside the box! – Vielleicht wär ja Busfahrerin was, die suchen immer.
  • Initiativbewerbungen rulen total. Also ehrlich: wenn ein Hotel Rezeptionisten einstellt, werden die Stellen quasi nie ausgeschrieben!
  • Immer zu den Firmen hingehen und das Gesicht zeigen, wenn man das macht und seinen CV dalässt: ein Bild von sich auf den CV (sonst egal, Geschmackssache, solange es nicht ein Foto vom letzten Besäufnis mit den Kumpels ist).
  • Ein Bewerbungslog führen (ähhhh, das hat NAV auf der Homepage, das schien denen allen gar nicht klar zu sein).
  • Wenn der CV eh schon voll ist, kann man auf „Persönliche Eigenschaften“ verzichten. Sonst unbedingt ein paar Plattitüden raushauen Schlüsselworte wie Engagiert, Durchsetzungsstark, Kreativ, whatever da hinschreiben. GUT DASS MEIN CV EH SCHON SO VOLL IST! Obwohl ich kurz darüber nachgedacht habe, in Zukunft in die Kopfzeile (da ist Platz für ein Zitat vorgesehen, das dann, glaube ich, in schicker Schrift und grau dargestellt wird) zu schreiben „I get shit done.“
  • LongJohn1992@hotmail.com oder suessesmausi20@gmail.com sind keine guten E-Mail-Adressen für solche Zwecke.
  • Schule vor der 10. Klasse interessiert keine Sau.
  • Ob du verheiratet bist, wieviele Kinder du hast, ob du katholisch bist, was deine Eltern gearbeitet haben: interessiert keine Sau.
  • Aus leidvoller Erfahrung konnte ich dann noch beitragen: Achtung! Manche Firmen wollen auch gar keine Info zu anderen Dingen wie Alter, Foto, Geschlecht, … Muss man halt drauf achten, wird sonst peinlich.
  • Für jede Stelle ein neues Anschreiben schreiben.
  • Drauf achten, dass nicht in Bewerbung B noch die Anschrift oder der Name von Bewerbung A steht.
  • Buzzword-Bingo mit der Stellenausschreibungen machen: Wenn die jemanden suchen, der engagiert, offen für Neues und mit innovativen Problemlösungsstrategien arbeitet, dann ist man wortwörtlich genau das.
  • ABER UM HIMMELS WILLEN NICHT VERSTELLEN!
  • Und nicht aus dem Internet abschreiben.
  • Sich auf das Interview vorbereiten. Mal auf die Homepage gehen.
  • Sich Fragen ausdenken.
  • Pünktlich sein.
  • Wissen wo man hin muss und wie man da hin kommt.
  • Nur Kopien der Zeugnisse mitbringen, keine Originale.
  • Nicht gleich nach Geld fragen.
  • Nochmal Buzzword-Bingo mit der Ausschreibung spielen.
  • Sauber und ordentlich angezogen sein.
  • „Dress for the job you want.“ (Ich stelle mir dann immer vor, wie ich da im Kittel auflaufe. Gut, dass ich eh nicht mehr ins Labor will, wenn es sich vermeiden lässt. Und man weiß ja nie, an wen man gerät. Wäre ich Personalerin, ich würde mich über jemanden kaputtlachen, der im Kittel kommt und sagt, „they always tell you to dress for the job you want, so I did, but as we’re not sitting in the lab right now, I’ll take this off for the moment“, weil, hey, ganz mein Humor! Aber mit Humor ist das ja so ne Sache. Das kann total schnell nach hinten losgehen.)
  • Händedruck soll fest sein.
  • Augenkontakt!
  • Sei ganz du selbst! Es sei denn, du bist zu schüchtern, oder zu bossy, dann sei Batman nicht ganz so sehr du selbst.

Also insgesamt echt nichts, was man nicht auch auf jeder x-beliebigen Bewerbungs-Tipps-Website findet. Damit die Zeit nicht ganz vergeudet war, ging ich rund um den Termin ein bisschen spazieren, das war auch schön. (Und geschminkt hatte ich mich sehr schön. Ha!)

Aber ein Gutes gibt es ja doch noch zu sagen: Da ich meinen Bewerbungsfrust immer recht ungefiltert ins Internet kübele, kam ich heute in Kontakt mit einer Dame, deren Unternehmen immer gute Leute sucht, die (grob) sowas können wie ich. Und überhaupt kriege ich immer so viel Unterstützung hier. Dafür bin ich wahnsinnig dankbar und das wiegt so sinnfreie Veranstaltungen wie heute tatsächlich mehr als auf.

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Auto-Lobhudelei: Veranstaltung ohne Lachkrämpfe und „Ach.“ zu rufen überstanden, Nachmittag und Abend alleine mit den Kindern gut hinbekommen, alle liegen jetzt satt, sauber und in den Schlaf gekuschelt* in ihren Betten und ich habe nicht rumgebrüllt, das war auch schon mal anders. Außerdem indirekt die Bestätigung bekommen, dass meine Bewerbungen schon so passen wie sie sind, aber das ist ja nicht Auto- sondern Außen-Lobhudelei.

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*dabei noch souverän Michel getröstet, den urplötzlich die große Trauer überkam, weil er am Dienstag eigentlich noch Hunger gehabt hatte, als er ins Bett gegangen ist. Kinder sind manchmal recht merkwürdig.

Tag 910 – Ausgelaugt.

Der Tag war so mittelgut, aber dann telefonierte ich fast anderthalb Stunden mit… jemandem und jetzt muss ich ganz dringend ins Bett und hundert Jahre schlafen. Mindestens.

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Weil es nötig ist: ich möchte hier keine Gesundheitstipps geben, aus ganz vielen Gründen. Ich bin total für Vertrauen in Ärzt*Innen. Ich bin total gegen Google als Informationsquelle für „mündige“ (muhahaha, was ein Euphemismus in dem Zusammenhang) Patient*Innen. Ich führte das auch schon mal aus. Und weil ich wirklich, wirklich keine Tipps hier haben möchte, werde ich Kommentare, die solche beinhalten, in Zukunft löschen oder nicht mehr freischalten.

Eine Kommentatorin hat dazu schlaue Dinge gesagt, was man machen kann kurz bevor man bei der Google Suche „linkes Nasenloch juckt Krebs“ auf Enter drückt.

Richtiger wäre der Ansatz (für eventuelle Betroffene): Schämt euch nicht mit Symptomen zum Arzt zu gehen, die euch nur „komisch“ vorkommen. Man darf zum Arzt weil man müde ist. Man darf zum Arzt weil man traurig ist. Man darf zum Arzt, weil man nicht versteht warum der Körper das ein oder andere macht. Viele Leute machen den Fehler, nur dann zum Arzt zu gehen, wenn sie bereits eine mehr oder weniger genaue Vorstellung haben, worunter sie leiden. Aber man darf auch eine Praxis betreten, wenn man sich einfach nur unsicher ist.

Und damit wäre auch alles gesagt.

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Auto-Lobhudelei: ich habe heute mit dem Restaurant gesprochen, bei dem ich das Defense-Dinner haben möchte (das hatte ich… hmmm, prokrastiniert ist das falsche Wort, vermieden zu tun), habe bei der Preisangabe pP keinen Herzinfarkt erlitten, werde trotz des wirklich nicht unsaftigen Preises das Rundum-Sorglos-Paket nehmen und damit meinen Geiz überwinden (nur über die Weinmenge muss ich mir noch Gedanken machen) und dann hab ich ja auch noch dieses Telefonat getätigt.

Tag 909 – Auto-Lobhudelei Deluxe.

Nun, es ist ja so:

Ich bin krank. Es ist nicht meine Schuld, es ist auch nicht der Ärztin schuld, aber im Moment geht es mir körperlich nicht gut. Und das jetzt einfach mal so sein zu lassen, und mich so sein zu lassen, das ist mein fester Entschluss und gleichzeitig meine Challenge. Ich bin da nicht gut drin, meine Schwächen anzunehmen. Ich finde mich in gertenschlank schöner als nicht und kann absolut nicht fassen, wie man innerhalb einer einzigen Woche so zulegen kann. Ich hoffe noch auf Wasser oder Verstopfung oder irgendwas, was auch genauso schnell wieder verschwindet. Aber ich versuche, nicht zu hadern. Ich versuche, nicht damit zu hadern, dass ich extremst müde und antriebslos herumhänge und klopfe mir für die Kleinigkeiten, die ich schaffe, auf die Schultern. (Ein dicker Schulterklopfer fürs Schulterklopfen!) Heute habe ich 50 Minuten Sport gemacht, davon 20 Minuten HIIT und 30 Minuten „alle Muskeln fallen ab“-Pilates. Ich habe ein Brot gebacken und ein Kleid genäht. Ich könnte jetzt auch alles aufzählen, was ich machen wollte, aber dann nicht geschafft hab, weil mir beim Öffnen der CV-Datei schon die Tränen kommen und ich einfach so hundemüde bin, ich niemanden anrufen mag, eigentlich möchte ich mit niemandem reden – aber das bringt ja nix. Die Selbstdisziplin lässt mich eben noch Dinge tun, es ist nicht so viel und manch einer, inklusive mir selbst, mag es lächerlich wenig vorkommen, aber: ich bin krank. Es wird weggehen. Bis dahin ist es eben so und alles was noch geht ist gut. Das muss ich jetzt nur noch selbst glauben, aber vielleicht hilft es ja, das aufzuschreiben.

(Und die optischen 5 Kilo Bauchspeck, die gehen sicher wieder weg. Und auch die Defense-Präsentation werde ich irgendwann machen können, ohne dass die Diss mich so anpiekt, das nichts mehr geht. Es wird irgendwie werden.)