Tag 84 – Weiter wachsen

Mein liebes großes Kind,

drei Jahre. Sogar schon drei Jahre und drei Wochen bist du jetzt alt. Das letzte Jahr ist wie im Flug vergangen. An deinem zweiten Geburtstag waren wir am Meer, das Wetter war grau aber wir hatten uns und mitgebrachte Muffins und Spaß. Du hast deine ersten ernsthaften Versuche mit richtigen Klos gemacht zu dieser Zeit. Gestern bist du das erste mal ohne eine Schlüpferwindel ins Bett gegangen – weil du das so wolltest. Ich habe dich gefragt, zum ersten mal, ob du überhaupt eine Windel anziehen willst, und du sagtest nein. Ohne zu überlegen. Und ich sagte ok, dachte aber ehrlich gesagt „Ach du scheiße!“. Aber ich hab dir vertraut, noch nicht aus tiefer Überzeugung heraus aber ich habe mir gedacht, wenn du das entscheidest, wird es wohl klappen. Und das tat es auch. Heute bist du wieder ohne Windel ins Bett gegangen. Du hast gesagt, du bist schon ein großer Junge. Und das stimmt. Du machst so vieles schon alleine. Heute bist du auf den Klositz geklettert, weil du an die Klobürste wolltest. Mein erster Impuls war „Waaahhhhh“, aber du wolltest unbedingt und ich hab dich gelassen. Du hast super gut das Klo saubergemacht, genau wie ich das machen würde. Als du danach den Bürstenteil angefasst hast und ich gesagt habe, du musst dann jetzt Hände waschen, hast du das sofort gemacht. Wir sind ein gutes Team.
Meistens. Manchmal weigerst du dich auch standhaft, Dinge zu tun, die du eigentlich schon kannst. Du sagst dann, du musst noch weiter wachsen, du bist noch nicht groß. Und auch das stimmt. Bei vielen Sachen brauchst du einfach noch Hilfe oder möchtest Hilfe haben. Reißverschlüsse sind zum Beispiel oft noch schwierig zusammenzufummeln, hoch und runter ziehen geht aber schon alleine. Du kannst auch deine Schuhe selbst anziehen, aber wenn der Klettverschluss wirklich fest geschlossen sein soll, damit der Schuh nicht vom Fuß rutscht, brauchst du Hilfe. Morgens willst du am liebsten behandelt werden wie ein kleines Baby, und das ist auch meistens ok. Dann sitzt du auf meinem Schoß und ich puste jeden Löffel von deinem Frühstück kalt. Ich muss dich aus- und anziehen, obwohl das zu jeder anderen Tageszeit prima alleine klappt. Und irgendwie genieße ich das sogar ein bisschen. Denn dass du schon so groß bist ist auch für mich oft toll und manchmal ein bisschen doof.

<3 –
Deine Mama

Tag 78 – Budussy

Ich bin furchtbar müde, dabei hab ich den ganzen Tag nix gemacht. Also fast nix. Das liegt am Baby: Es hat sich gestern das erste mal herumgedreht (Ja! Es hat es endlich geschafft! „Endlich“ – mit 3 Monaten und 5 Tagen. Ich bin ganz stolz und gerührt und auch ein bisschen wehmütig.) aber den Rest des Tages war es davon so überwältigt, dass es super viel geschlafen hat. Heute morgen hat es dann wieder schwerst gearbeitet an der Drehung, gestern hatte es nur eine Plastikwindel an und heute mit Stoffwindel waren natürlich erschwerte Bedingungen gegeben. Ich hab dem Baby dann geholfen und es auf den Bauch gedreht, aber damit ist es jetzt nicht mehr zufrieden, jetzt soll es gefälligst sofort auch vorwärts gehen.
Kurzer Exkurs in die Babyzeit des Kindes: Als das Kind sich damals (mit viereinhalb Monaten, ich hab das extra nachgeguckt gestern) auf den Bauch drehen konnte, war es damit erstmal eine Weile zufrieden. Also so in etwa einen Monat konnte man es gut mit irgendeinem rasselnden/knisternden/klingelnden Dings beschäftigen, das man ihm in Bauchlage in die Hand drückte. Erst dann fing es an, ihm langsam langweilig zu werden und es fing an zu robben, es hatte da eine sehr interessante Technik die aussah wie eine Robbe (tadaa). Sitzen konnte es von selber mit ca. 8 Monaten, krabbeln ca. einen Monat später. Nach jeder neu gelernten Sache gab es eine Phase des Ausbaus der Fähigkeit, bis dann das nächste dran war.
Nicht so beim Baby. Es will alles und das auch bitte gleichzeitig. Kaum schafft es sich seine Hände in den Mund zu stecken, versucht es sich meine Hände in den Mund zu stecken. Alles was mit den kleinen Ärmchen herangerafft werden kann, wird Richtung Gesicht und weit geöffneten Mund gezogen. Wenn es meine Hände ansieht, kann man quasi sehen, wie sich die Synapsen in seinem Gehirn verknüpfen, so aufmerksam ist es dabei. Und dann kommen auch schon seine Hände und greifen (!) nach meinen Fingern. Ja, Greifen wird natürlich auch schon geübt, etwas festhalten, was man ihm gegeben hat oder das es zufällig in die Hände bekommen hat klappt schon ganz gut, jetzt wird direkt zugepackt. Also versucht, zuzupacken. Denn das klappt natürlich genauso wenig wie das vorwärts bewegen in Bauchlage, aber davon will das Baby nichts wissen. Und da die Frustrationstoleranz bei Babys nicht allzu großzügig bemessen ist, sind unsere Tage momentan von Gemecker geprägt (nicht echtes Geschrei, nur so eine Dauerunzufriedenheit), gefolgt von Fressattacken und langen Schlafepisoden. Dass das alles zusammenhängt ist mir auch klar, aber das schlaucht halt auch mich ganz schön. Und teilweise komme ich dann eben auch zu gar nix, so wie heute. Nach der morgendlichen Plackerei musste das Baby mich dann nämlich erstmal aussaugen, um dann zu schlafen (auf mir drauf, ohne Chance es abzulegen), um dann nochmal ausgiebig zu speisen, und dann wieder einzuschlafen. Ich habe derweil 8 Folgen „Girls“ gesehen. Damit habe ich alleine heute mehr Sex gesehen, als ich in den letzten drei Monaten… ach lassen wir das. (Und ein neues Wort gelernt, siehe Titel.)


Herrn Rabes Firma ist heute in ein anderes Gebäude umgezogen. Deshalb wars auf der Arbeit etwas chaotisch und nicht so schlimm, dass er in seiner Mittagspause zur Polizei musste, um Unterlagen zur Registrierung des Babys nachzureichen. Dabei bemerkte er dann auch, dass er noch den Kindergartenrucksack des Kindes in seinem Rucksack hatte. Da dieser Fauxpas aber tatsächlich eine absolute Ausnahme war, weil Herr Rabe nämlich alles andere als ein Idiot Dad ist, fände ich es ja total gut, wenn er was zum #noIdiotDad vom Nuf schreiben würde. Nur mal so.


Festgelesen beim Gewünschtesten Wunschkind über (Klein-)Kinder und Kooperation. Ist hier ja auch so ne Baustelle (wo nicht?). Sehr gute Artikelserie zum Thema, Leseempfehlung für alle Babyeltern. Am besten ist es nämlich, wenn man die frühkindliche Kooperationsbereitschaft nicht erst versehentlich abgewöhnt, das ist einleuchtend, aber im Falle des Kindes wohl zu spät :/ .

Tag 75 – Wir drehen an der Uhr herum

Juppheidi, endlich wird die Uhr wieder auf Normal gestellt. Wir sind ja allesamt Eulen und finden nichts furchtbarer als frühes Aufstehen, deshalb kommt uns das sehr entgegen. Dafür krieg ich jedes Jahr schon im Februar die Krise, dass ja bald wieder die Sommerzeit anfängt und fange dann Anfang März damit an, meine Aufstehzeit sukzessive so zu verschieben, dass ich quasi viele kleine Umstellungen hab, statt einmal eine komplette Stunde, die mir meinen Biorhythmus versaut. Trotzdem fühlt sich die Sommerzeit für mich falsch an. IMMER. BIS OKTOBER.

Ab morgen ist alles wieder gut, denn
– Die Zeit, zu der wir gut aufstehen können, heißt nicht mehr 10 Uhr, sondern 9 Uhr (und das klingt schon viel weniger Assimäßig)
– Die Zeit, zu der wir (Erwachsenen und Baby) müde und bettschwer sind, heißt nicht mehr 23 Uhr sondern 22 Uhr (und das klingt schon viel weniger verantwortungslos)
– Die Zeit, zu der wir das Kind ohne Theater ins Bett bekommen, heißt nicht mehr 20 Uhr, sondern 19 Uhr (und das klingt nach weniger Stress am nächsten Morgen, zumal ja auch gilt:)
– Die Zeit, zu der wir das Kind wecken müssen, heißt zwar weiterhin 7 Uhr, ist aber ja quasi 8 Uhr

Insgesamt: Voll geil.

Trotzdem habe ich keinerlei Verständnis dafür, dass etwas das eine große Mehrheit der Deutschen nicht will und das auch nachweislich keine Stromersparnis bringt, wie ursprünglich beabsichtigt war, trotzdem beibehalten wird. Es ist doch Bullshit, dass „einheitliche Uhrzeiten für die reibungslose Abwicklung des Binnenmarktes [in Europa] unerlässlich sind“ (wikipedia sagt, dass das beim letzten Mal der Grund für die Ablehnung eines Alleingangs war). Oder ist der Handel mit Großbritannien irgendwie gestört, weil die ne andere Zeit haben? Finden denn die Leute in, sagen wir mal, Spanien die Zeitumstellung so geil? Kann ich mir nicht vorstellen. Vielleicht wärs ja gar kein Alleingang? Brüssel? Hallo? Kann mal bitte einer den Quatsch abschaffen???

Ach ja, noch was: Nein, die Sonne geht nicht früher unter morgen. Also ja, schon, irgendwas um die zwei Minuten oder so. Aber es heißt nur die Uhrzeit anders. Wir stellen auch nicht die Zeit um. Sondern die Uhr. Die Kinder wecken uns nicht ne Stunde früher. Neinneinnein, die Uhrzeit HEIßT NUR ANDERS! (Sehen Sie, ich fange schon an zu schreien, das ist ein emotional sehr stark belastetes Thema für mich!)


Was völlig anderes: Das Baby ist jetzt in der Stan-Phase. Es sieht, wenn es erzählt, ganz exakt so aus:
Stan(M2)*
und bald werden wir alle Piratenschiffe besitzen.

*(Quelle: http://monkeyisland.wikia.com/wiki/File:Stan(M2).gif)

Tag 73 – Gehacktes

Der Tag war so lang und ich so müde dass ichs fast nicht zum Ballett geschafft hätte wegen fehlender Motivation. Ich war aber doch da und es war super gut. Werde sicher Muskelkater haben morgen, aber egal, wir haben heute 45 Minuten an der Stange gearbeitet und dann noch mal 45 Minuten nur an der Choreografie. Ich tanze zwar bei der Show nicht mit, aber so ein intensives Arbeiten an einem Stück finde ich nach wie vor gut. Und auch, das dann am Ende ca. tausend mal durchzuorgeln, bis einem der Schweiß richtig läuft. Wunderbar.


Das Kind fand es ganz und gar nicht gut, dass ich zum Tanzen wollte, weil es dachte (glaube ich jedenfalls), dass ich nicht wiederkomme. Das ist natürlich absurd, aber für das Kind deshalb ja nicht weniger schrecklich. Es war dann halbwegs ok, nachdem ich ihm versichert habe, dass ich ihm noch nen Gute-Nacht-Kuss gebe, wenn ich wiederkomme. Hab ich natürlich dann auch gemacht, aber es hat schon geschlafen, zählt das trotzdem?


Beim Statistikkursübungaufgabenbesprechungstermin festgestellt, dass ich nicht der einzige Idiot bin, der an der ein oder anderen Stelle einen Hirnknoten bekommt. Gleichzeitig festgestellt, dass meine Ergebnisse nur deshalb falsch waren, weil ich eine falsche Taste am Taschenrechner gedrückt hatte. Ich bin also Schrödingers Idiot: Doch nicht doof (weil im Prinzip der Lösungsweg ja richtig war) und doch doof (weil falsche Taste gedrückt). Hmm.


Mit Baby beim Baby-TÜV gewesen. Es hat die 95er-Perzentilkurve fürs Gewicht verlassen und ist jetzt „nur noch“ zwischen der 75er und 90er, was laut der Gesundheitsschwester „kein Grund zur Besorgnis“ ist. Ich soll trotzdem einmal extra fürs Wiegen kommen und blablabla. Wärs mein erstes Kind, würde ich mir jetzt Sorgen machen. Blöde Kuh. Außerdem hat die auch die Impfspritzen quasi in Zeitlupe ins Baby geschoben. Blöde Doofkuh. Sonst ist das Baby aber top entwickelt, super stark (wusste ich ja schon) und super fokussiert (wusste ich auch schon).


Im Kindergarten beim Abliefern des Kindes zur Unterschrift auf einem Zettel genötigt worden. Den Zettel hatte ich seit drei Tagen zu Hause vergessen, unterschrieben hatte ich auch noch nix, hatte das aber vor, ehrlich! Es geht drum, dass der Kindergarten eine heimliche, geschlossene Facebookgruppe hat, in der bisher Fotos vom Kindergartentag der Kinder geteilt wurden. Und jetzt hat jemand entdeckt, dass man Facebook ja hacken kann!!! Und dann könnte jemand, der „Facebook hackt“, ja die Bilder von (dreckigen, in Regenkleidung im Matsch spielenden) Kindern verkaufen und dann könnte der Käufer damit schlimmen Schindluder treiben! So wurde es uns jedenfalls auf dem Elternabend gesagt. Ich konnte mich grade noch so zusammenreißen, meine Hand nicht laut in mein Gesicht klatschen zu lassen. (Also wenn Sie jetzt unbedingt Bilder vom Kind  sehen wollen, müssen Sie nur Facebook hacken, ich hab das jetzt unterschrieben, dass ich mir des Risikos bewusst bin.)

Tag 70 – Update-Tag

Es ist Zeit, mal ein paar lose Erzählsprünge wieder aufzugreifen:

  1. Die eingelaufene Wolle. Ich habe panikartig das Internet nach Tips durchforstet und dann meine eigene Version eines Rettungsplans zusammengebastelt. Der ging so:
    – Einen Eimer mit lauwarmem Wasser füllen. Darin den letzten Rest Haarkur im Hause Rabe auflösen. Dann noch ca. 10 Hübe aus der Flasche „Mildes Waschgel Kopf bis Fuß“ für Babies. Es soll eine ordentlich seifige Soße sein.
    – Die Wollsachen reintun und ca. 45 min drin lassen.
    – Die Sachen auswringen, nicht ausspülen und dann mit Handtüchern ausstopfen. Es sollte so in etwa die Form haben, die es hinterher (wieder) haben soll:
    2015-10-15 22.27.18
    (Das Platzieren neben Puzzles ist nicht essentiell für den Erfolg.)
    – Komplett trocknen lassen. Dauert relativ lange.
    – Testen, obs wieder passt. Dann mit wenig (gutem) Wollwaschmittel waschen und zwar NICHT IM SYNTHETIKPROGRAMM!!Einself!
    Beim Schlafi hats geklappt, durch das Verfilzen ist er jetzt aber noch wärmer geworden und auch etwas kratzig. Aber als schön warme Schicht in Trage oder Kinderwagen geht er auf jeden Fall noch. Die Strumpfhose hats nicht gerettet :(
    2015-10-18 13.40.10
  2. Das Baby braucht zum Rumdrehen nur noch minimale Hilfestellung. Also man muss ihm einen Finger hinhalten, dann zieht es sich daran rum. Das ist sehr putzig, es ist ja noch sehr klein, also noch nicht mal drei Monate, und dann liegt da dieses Minibaby und reckt den Kopf in die Höhe und freut sich nen Ast. Es versucht auch direkt, vorwärts zu kommen. Hachz. Heute ist es dann so halb aus Versehen aus der Bauchlage wieder auf den Rücken zurückgerollt. Ein kurzer erschrockener Blick, dann halb kaputtgelacht. (jetzt wo das besser geht, muss das Baby auch nicht mehr nachts Dauerstillen. Das finde ich sehr angenehm.)
    2.1 Habe Bahntickets bekommen. Sogar im Kleinkindabteil. Fehlt nur noch wer, der mich und die Kinder vom Flughafen zum Berliner Hbf begleitet mit all unserem Geraffel…
  3. Es blieb scheinbar bei der einen Panikattacke meiner Mutter. Vorerst.
  4. Wir haben inzwischen herausgefunden, dass das Baby es gerne sehr warm hat und deshalb wohl im Beistellbett schlechter schläft als direkt in meinem Arm. Jetzt haben wir den warmen Winterschlafsack für den Kinderwagen ins Beistellbett gelegt, das Kopfteil soweit zugeschnürt, dass es auch am Kopf schön muckelig ist und so kann das Baby bis zum ersten Stillen zumindest gut schlafen. Gestern nacht konnte ich es sogar nach dem ersten Stillen wieder zurücklegen und es schlief dann nochmal bis 5:30 Uhr so. Unfassbar, was das für meinen Schlaf für einen Unterschied macht!
  5. Das Kind war beim Zahnarzt, allerdings mit Herrn Rabe weil ich während der verwirrenden Telefoniererei meinen Statistikkurs vergessen hatte. Das Kind machte bei der Ärztin erstmal 10 Minuten den Mund nicht auf. Irgendwann dann doch, alle Zähne da, alle Zähne ok, Schnuller bitte nur zum Einschlafen wegen Überbiss, Wasser ist das beste Getränk überhaupt. Dann hat das Kind einen Elefanten bekommen und war sehr stolz.

So, ich glaube, das wars, oder möchten Sie noch was wissen? Nur zu, fragen Sie ruhig!

Tag 66

Mannmannmann, schon wieder so spät. Wo ist denn nur der Tag hin? Ich bin auch zum Umfallen müde, gut, dass ich schon im Bett liege.

Das Baby hat gerade mal wieder irgend so einen Entwicklungsschub. Seit Montag, wo es ja überraschend versucht hat sich herumzudrehen und das auch mehrmals fast ganz alleine schaffte, will es spätestens alle zwei Stunden stillen und braucht dann ewig lang. Manchmal sogar beide Seiten, was sehr ungewöhnlich ist. Jedenfalls schläft es sich da nicht so gut, wenn man alle zwei Stunden ne halbe benuckelt wird. Mein Geisteszustand leidet extrem ein bisschen darunter. Außerdem nöckelt das Baby auch viel rum, es kaut auf meinem Finger (Kauleisten-Jucken?) und die Hand-Augen-Koordination ist sehr viel besser geworden. Eigentlich will es glaub ich am liebsten morgen loslaufen. Mir hinterher. Wenn man es auf die Beine „stellt“, freut es sich nen Ast und fängt sofort zu erzählen an. Das ist sehr niedlich, aber scheinbar sehr sehr anstrengend grad für das Baby selbst und das muss es den Eltern natürlich mitteilen. Naja. Die ersten Schübe sind ja noch kurz.


Heute früh sind die Großeltern abgereist. Das Hotel in dem sie waren liegt auf dem Weg zum Kindergarten. Um 08:30 waren wir verabredet, ich sollte erst das Kind wegbringen und dann die Großeltern vom Hotel zum Bus bringen. Um 08:02 passierte ich mit Kind das Hotel und meine Schwiegereltern lauerten mir schon auf. Hätten die Koffer schon runter gebracht und ausgecheckt. Ob ich zehn Minuten später wieder da sein könne, wegen des Busses (der Bus fährt alle 10 Minuten, braucht 30 zum Flughafen, der Flug ging um 11:30 Uhr. Denken Sie sich den Rest). Ich hab also das Kind beim Kindergarten nur über den Zaun geworfen nur sehr kurz verabschiedet und war 9 Minuten später wieder am Hotel. Also um 08:13 Uhr, immer noch 17 Minuten bevor wir ursprünglich verabredet waren. Ich sagte nichts. Dann gingen wir zum Bus, zu einer anderen Haltestelle, als ich dachte oder Sinn machte, aber ich sagte nichts. Es kam sofort ein Bus, was gut war weil viel länger hätte ich nicht nichts sagen können. Und so saßen meine Schwiegereltern dann zwei Minuten vor der Zeit, zu der wir verabredet waren, schon im Bus.


Heute mittag war auf mein Anregen hin ein Treffen der Barselgruppe, also die Muttis mit den Babys. Einige sind vielleicht doch interessanter, als bisher gedacht. Eine zum Beispiel, sie kann nicht älter sein als ich, eher jünger denke ich, hat eine 22-Jährige Stieftochter. Dafür ist die mit den Zwillingen viel älter als ich dachte (und sie aussieht, ehrlich, so will ich mit 39 bitte auch aussehen. Aber genug der Oberflächlichkeiten). Eine hat ein Familienbett und testet glaube ich auch ihre Bullshittoleranz, jedenfalls kamen von ihr so Konfliktvermeidungsallgeimeinplätze wie „Jaja, da muss jede Familie den Weg finden, der für sie passt…“. Hätte auch von mir sein können, der Satz.


Dem Baby ne neue Wollstrumpfhose gekauft. Die eingelaufene ist nicht zu retten. Die hat jetzt die Puppe an.


Heute Nachmittag war dann noch Elternabend im Kindergarten. Wir sollen den Kindern die Haare täglich prophylaktisch Läusekämmen. Jaja. Klar, mache ich*. Des Weiteren wird es weiterhin kein warmes Essen geben, sondern an den Brotdosen festgehalten. Ok für mich. Und wir mussten einen dämlichen Tanz lernen, ich wollte mir dabei gerne was in die Nase rammen, aber das ging nicht, also tanzte ich fröhlich lächelnd den doofen Kindertanz (Wenn schon Scheiße, dann Scheiße mit Schwung!).


Danach wars es zu spät für Ballett. Und fürs Kind auch, es machte ein Theater beim ins Bett bringen, als würde Herr Rabe ihm die Haut bei lebendigem Leib abziehen. Morgen bin ich wieder dran. Ich freu mich schon*.


Morgenn ist Muttisport, dann evtl Mittagessen, und dann ein berufliches Meeting zu meinem Projekt (an dem andere auch mitarbeiten, also zumindest indirekt, ist kompliziert, unser nicht vorhandenes Organigramm). Ich bin ein bisschen nervös, weil nicht ganz sicher, ob mein Hirn noch gut genug funktioniert oder vielleicht auch mit eingelaufen ist.

*ganz sicher nicht.

Tag 63 – Don’t turn around

Anleitung zum Babysein, 2. Übung: Wie man sich nicht auf den Bauch dreht

  1. In Rückenlage beide Beine anwinkeln und rhythmisch hin und her schwingen. Den Kopf dabei in die jeweils andere Richtung bewegen und laut „gäääähäääähäää“ singen.
  2. Aus der Rückenlage beide Fersen und den Schultergürtel fest in den Untergrund stemmen. Hüfte leicht anheben. Rhythmisch wiederholen, dabei wegen der Anstrengung sehr bald zu meckern anfangen.
  3. In Rückenlage eine Hand mit den Augen fixeren. Jetzt die Hand in Schulterhöhe auf der Liegeunterlage immer weiter vom Körper wegschieben. Den Kopf auf die Seite drehen. Vor Aufregung alle anderen Körperteile vergessen. In dieser Position (Arm ausgestreckt, Hand zur Faust geballt, Kopf zur Seite, die Hand anstarren) möglichst lange verharren.
  4. Ähnlich wie 3. Abwandlung: Zweiter Arm und Schulter bewegen sich mit dem Kopf in Richtung der angestarrten Hand. Hüfte und Beine aber in jedem Fall unbeweglich liegen lassen.
  5. Ähnlich wie 4. Abwandlung: Hüfte in gleiche Richtung wie Kopf drehen. Beine anwinkeln. Vor Schreck aus dieser so erreichten Seitenlage sofort wieder zurückrollen und nach Betreuungspersonal Ausschau halten.
  6. Ähnlich wie 5. Abwandlung: Nicht zurückrollen sondern entschlossen weiterarbeiten. Hierzu den Kopf weiter drehen, das Gesicht in die Unterlage bohren. Beine rhythmisch strecken und wieder anziehen. Dabei nörgeln.
  7. Ebenfalls Ähnlich wie 5. Abwandlung: Nicht zurückrollen. Gesicht in Unterlage bohren, Hüfte langsam weiter in Richtung des ausgestreckten, unteren Armes rollen. Den unteren Arm langsam ausgestreckt zum Körper ziehen, bis er einen Wall am Bauch bildet. Auf dem Arm liegen bleiben und lautstark das Betreuungspersonal alarmieren.

Heute #12von12 gemacht. Ging ganz gut. Besser als #wib auf jeden Fall.


Wollte ein Update auf El Kapitän machen. Davor wollte ich aber erstmal ein Backup machen, diese Meldung „Kein Backup seit drölfzig Tagen“ klang irgendwie zunehmend vorwurfsvoll in letzter Zeit. Backup dauerte lange. Dann nicht mehr genug Platz auf der Festplatte. Erst Kram evakuieren (externe Festplatte hing ja noch dran). Dann Download des Updates: dauerte ewig lang, das Baby ist derweil auf meinem Schoß weggepennt, aber das war auch klar nach der ganzen Turnerei vorher. Dann irgendwann endlich fertig, nur noch anhaken, auf welcher Festplatte denn installiert werden soll. Ja, natürlich auf der Mac-Festplatte, jaja. Nee geht aber nicht, weil Filevault gerade Daten verschlüsselt. Aber das tut es seit, ungelogen, Monaten und ich glaube es hat sich aufgehängt oder so, der Balken wird jedenfalls auch nicht voller. Voll angepisst aufgegeben. Heute Nacht darf das Macbook dann man anbleiben, vielleicht hilfts ja was. Sonst weiß ich auch nicht.


Wollte Statistikkurs-Hausaufgaben machen. Habe aber die falsche Ausgabe vom Buch (Hardcover statt Paperback), die Nummerierung der Aufgaben ist da anders. Bin außerdem zu geizig, mir für 97,98 € das richtige Buch zu kaufen. Also Dozenten ne mail geschrieben, ob er die Nummerierung in meiner Ausgabe weiß. Bisher keine Antwort.


Muss eigentlich heute um Mitternacht die Bahntickets für den Weihnachtsurlaub buchen. Hahaha. Haha.

Tag 59

Kindergartenferien heute und morgen. Kind schläft bis 07:45 Uhr und will dann Action. Baby schläft bis 10 und ich jubele ein bisschen weil sonst wär ich wohl schon vor neun abgedreht. So gibts immerhin Kaffee, Klo und Frühstück für mich.

Szenenwechsel. Das Kind will unbedingt ein Kickboard zum Geburtstag. Sowas kann man schlecht ohne Ausprobieren kaufen. Entschließe mich, mit Kind und Baby zum Sportladen zu fahren, Kickboards ausprobieren. Bereite das Kind darauf vor, dass es ein eventuell erworbenes Kickboard erst am Sonntag zum Geburtstag bekommt. Das Kind täuscht Verständnis vor.

Szenenwechsel. Nach gefühlten tausend Stunden sind alle Beteiligten satt und haben saubere Pos. Wir machen uns auf den Weg zum Auto. Das Kind hopst vor Freude auf dem Gehweg. Ich will das Auto öffnen, es reicht dabei, den Griff an der Fahrer- oder Beifahrertür anzufassen („Keyless Go“). Ich fasse den Griff an. Nichts passiert. Ich fasse nochmal an. Nichts passiert. Ich reiße hektisch am Türgriff herum, das Baby japst in seinem Maxicosi wegen dem Wind, das Kind krakeelt „Mein Kindersiiiitz! Einsteigäääään!!!“. Die Tür öffnet sich nicht. Ich fluche ziemlich laut und ziemlich deutsch-fäkal-sexuell und fummel den „echten“ Schlüssel aus dem Funkschlüsselgehäuse. Damit lässt sich immerhin die Fahrertür öffnen. Ich stecke den Schlüssel ins „Schloss“ und drücke auf den Power-Knopf. Nichts passiert. (Man könnte an dieser Stelle meinen, ich fahre das Batmobil, doch weit gefehlt, es ist ein Toyota Prius II.) Ich beschließe, mich nicht aufzuregen und definitiv nicht zu heulen. Erkläre dem Kind, dass wir dann jetzt halt Bus fahren. Bringe den MaxiCosi hoch, Baby in den Kinderwagen, Herr Rabe informieren, dass irgendwas mit dem Auto oder meinem Schlüssel nicht stimmt und dann auf zum Bus.

Szenenwechsel. Dem Kind eine neue schicke Hose kaufen. Es will unbedingt eine orangene Kordhose. Von mir aus.

Szenenwechsel. Wir kaufen Batterien für den Autoschlüssel. Ich hoffe inständig, dass es nur die Batterie ist.

Szenenwechsel. Wir haben ein Kickboard gefunden, das Kind hat sofort gesagt, dass es das haben will, es ist auch recht günstig. Ich bestehe drauf, dass wir es erst probefahren. Organisiere einen ca. 20-Jährigen Verkäufer mit Freddy Mercury-Schnäuzer, der mir eins von den Dingern auspackt und zusammenbaut. Das Kind steigt auf und fährt los. Sieht super aus. Muss danach das Kind mit Gewalt wieder von dem Probekickboard losschweißen. Besteche das Kind mit Eis. Dann können wir eins von den noch eingepackten Kickboards kaufen.

Szenenwechsel. Einen Meter hinter der Kasse will das Kind das Kickboard auspacken. Diskussion. (Heißt es Diskussion, wenn die eine Seite nicht argumentiert und auch keine Argumente annimmt?) Wiederhole das Eis-Versprechen. Betone erfolglos, wie schön Vorfreude ist. Das Kind hört irgendwann auf zu schreulen und geht unter Schluchzen zum Kiosk. Wir kaufen Eis und Kaffee. Frieden.

Szenenwechsel. Wieder zu Hause. Baby hat Hunger, Kind muss aufs Klo, Kind will Kickboard auspacken, spielen, kacken, lesen, „das Baby soll jetzt nicht Milch trinken!“ und das alles gleichzeitig. Ziehe die Notbremse: Sendung mit dem Elefanten.

Szenenwechsel. Herr Rabe kommt nach Hause. Seine Diagnose des Autoproblems: Batterie leer. Jemand (Er!) hatte Montag nach dem Fußball wohl das Standlicht angelassen. Wir haben kein Batterieladegerät, noch nicht mal ein Überbrückungskabel, das haben wir alles zusammen mit dem Bulli (schnüff) verkauft. Freunde mit notorisch kaputter Karre anrufen. Ja, können das Ladegerät heute Abend abholen. Herr Rabes Eltern informieren, dass sie doch den Bus vom Flughafen nehmen müssen.

Szenenwechsel. Das Kind schläft an Herrn Rabe gelehnt einfach ein. Eigentlich wollten sie grade rausgehen und dann die Großeltern vom Bus abholen. Das Kind ist über das Aufwecken nicht erfreut.

Szenenwechsel. Schwiegerelternbesuch. Muss man sonst wohl nicht viel mehr zu sagen.

Szenenwechsel. Kind im Bett, Baby brüllt, Kind weint, Herr Rabe ist das Ladegerät abholen, mir platzt der Arsch ein bisschen und ich fange an zu flennen, weil ich sososo kaputt bin. Kind weint noch mehr. Erkläre, dass auch ich irgendwann nicht mehr kann und dass mich das doll nervt, wenn das Baby brüllt und dann noch das Kind rumheult und versucht das Baby zu übertönen. Das Kind versteht das (Halleluja!) und weint nur noch ein ganz bisschen. Ich schaukele das Baby, halte die Hand des Kindes und summe vor mich hin. Das Kind schläft ein.

Szenenwechsel. Das Baby brüllt herum. Herr Rabe versucht, die Batterie aus dem Auto auszubauen. Ich atme.

Szenenwechsel. Jetzt. Baby nörgelt, Beistellbett ist offensichtlich immer noch scheiße. Herr Rabe schläft.

Gute Nacht.

Tag 58

Ich kann jetzt die erste Strophe von „Hurra for deg“. Jetzt bin ich quasi Geburtstagsfertig, abgesehen vom Kuchen, den ich noch backen muss, was aber ja heute auch noch nicht so sinnhaftig gewesen wäre.


Nachdem ich gestern um viertel vor zwölf dachte, ich würde jetzt das Licht ausmachen, nachdem ich noch kurz vielleicht ein klitzekleines Blögchen…
… machte ich das Licht dann doch erst um halb eins aus, weil ich mich bei essential unfairness festgelesen hatte. Gehen Sie dahin und lesen Sie, meine Damen und Herren, das ist ein sehr sehr feiner Blog, den die Lareine da betreibt (und ich will auch was über attachment parenting von ihr lesen!). Jedenfalls konnte ich nicht sofort einschlafen und nach ca. 15 Minuten in der Dunkelheit liegen fiel mir auch noch ein, dass wir das Lammfleisch ja noch in der Küche stehen hatten und vergessen hatten es einzufrieren. Da ich jobbedingt leider weiß, wie schnell sich Bakterien auf rohem Fleisch bei Raumtemperatur vermehren, stand ich dann halt noch mal auf (Herr Rabe schlief natürlich wie ein Stein) und packte die 9,6 kg Fleisch in Tüten und dann in den Gefrierschrank. Koteletts, Rippen, Beine und den Rest. Immerhin waren wir dieses Jahr darauf vorbereitet, unsere Jahresration Fleisch auf einmal zu bekommen, sodass der Platz im leergegessenen Fach tatsächlich reichte (und es musste noch nicht einmal der Schnaps ausziehen). Ergebnis der Aktion war dann aber exorbitante Müdigkeit heute morgen. Da half es auch nicht, dass das Kind tatsächlich noch in seinem eigenen Bett lag, als ich wach wurde.


Heute wurde der Nobelpreis für Chemie vergeben und ihn bekommen drei Forscher, die an DNA-Reparaturmechanismen geforscht haben. Das ist, womit ich arbeite. Der eine (Tomas Lindahl) war hier noch im Frühjahr und hat auf dem Symposium zum 70. Geburtstag von Hans einen Vortrag gehalten. Hans hat die Arbeitsgruppe DNA-Reparatur sehr lange geleitet, einer seiner ersten Doktoranden war damals Geir, und der ist jetzt mein Chef. Tomas Lindahl hat Basenexzisionsreparatur entdeckt, das Protein an dem ich mir die Zähne ausbeiße forsche ist ein wichtiges Enzym in diesem Zusammenhang. Oder vielleicht auch nicht. Es ist kompliziert. Aber das heißt, dass das Thema jetzt mehr Aufmerksamkeit bekommt, was wiederum heißt, dass Geld fließen wird, was (bittebittebitte) heißt, dass mein Projekt verlängert werden kann, sodass ich nicht am Ende vom Geld immer noch keine Ergebnisse habe und dann keine Dissertation schreiben könnte und dann wären drei Jahre für die Katz. Insofern freue ich mich sehr über den Nobelpreis. Mehr als letztes Jahr, als die Mosers den Nobelpreis für Medizin bekamen. Die Mosers sind von der gleichen Universität und der gleichen Fakultät wie wir. Ihre Labore sind in einem anderen Gebäude des selben Krankenhauses. Sie haben herausgefunden, wie im Hippocampus von Ratten (und Menschen) die Orientierung im Raum organisiert wird. Das ist verrückte Scheiße, verblüffend einfach und einleuchtend und so fancy Videos kann man dann auch machen, wie die Ratten mit ihren kleinen Helmchen (also einer Elektrode direkt im Hippocampus, aber das sagen wir mal besser nicht so laut) in Kästen herumlaufen und immer mal hier und da schnüffeln und dann funken die entsprechenden Gehirnzellen herum und am Ende hat man eine feine, kleine „Karte“ des Kastens. Das war natürlich für die Uni und die Fakultät total super, dass der Nobelpreis an die ging, aber leider kann man hier jetzt keinen Schritt mehr tun, ohne über die Mosers in irgendeiner Form zu stolpern. Das nervt dann doch irgendwann. (Beispiel gefällig? Shiny happy people.)


Heute das erste mal Nordlichter gesehen. Leider noch zu dunkel und zu grün für Fotos, und wir wohnen auch in der Stadt, da ist zu viel light pollution. Aber immerhin habe ichs jetzt mal gesehen und kann sagen, dass es schon sehr schön und erhebend ist.


Das Baby ist eine unfassbare Fressmaschine heute. Ich habe das Gefühl, dass es  bereut, am Sonntag einmal 6 Stunden am Stück nicht getrunken zu haben und holt das jetzt auf. Ich muss deshalb jetzt auch Schluss machen hier und der Haushalt wartet auch noch mit diversen Aufgaben. Meh.

2015-10-07 14.43.03
Essen ohne Baby vollkleckern. Check! (Oh Hilfe, ich muss zum Frisör!)

Tag 54 – Familienbett auf 1,60m?

Damals. Ich war schwanger mit dem Kind. Und wurde von einer Kollegin gefragt, ob Herr Rabe denn auch was bauen würde für das Baby, denn „Das machen Männer doch so.“ Davon, dass Männer das so machen war ich genauso überrascht wie Herr Rabe, aber da wir schon länger nach einem Beistellbett für unser Bett gesucht hatten und in unserem Preissegment nicht fündig geworden waren, baute Herr Rabe tatsächlich ein wunderhübsches Beistellbettchen, passend zur geschenkten Kokosfaser-Super-Babymatratze. Ich nähte ein paar Spannbettlaken dazu und als das Kind dann geboren war, legten wir es in das Bettchen und es schlief da selig und wenn es Hunger hatte, rollte ich mich zu ihm oder es zu mir und ohne richtig aufzustehen wurde gestillt und dann räumte ich meistens das Baby wieder zurück. Als das Kind zu groß wurde für das kleine Bett, bekamen wir ein Babybett mit Gittern geschenkt, montierten die eine Gitterseite ab und stellten es an unser Bett. Es waren so zwar ca. 10 cm Höhenunterschied zwischen den Matratzen, aber da das Kind zu dem Zeitpunkt eh angefangen hatte, mir nachts hinterherzurobben, fand ich das ganz gut, denn unser Bett war nur 1,40 m breit und mit Kind fand ich das sehr eng. Dann zogen wir nach Norwegen und bekamen ein 1,60 m breites Bett, eine 2,40 m breite Bettdecke und das Kind sein eigenes Zimmer. Da schlief es auch fortan ein, mal mit mehr und mal mit weniger Mühe, irgendwann war es uns zu doof, nachts mehrmals in seinem kalten Zimmer zu stehen bis es wieder eingeschlafen war, also holten wir es zu uns ins Bett wenn es aufwachte. Irgendwann kam es von alleine, wir mussten nur die Türen auflassen. Das war für uns alle so völlig in Ordnung und eigentlich fand ich das kuscheln im Bett auch meistens schön (das Kind schläft manchmal sehr unruhig und so ne kleine Faust die einen mit einem unvermitteltem Schlag ins Gesicht aus dem Tiefschlaf reißt… naja, denken Sie sich den Rest). Auch als ich wieder schwanger war, ging es so weiter, das Kind kam irgendwann des Nachts zu uns getapert, legte sich zwischen uns (den Bauch schirmte ich mit einem Stillkissen gegen eventuelle Tritte ab) und schlief weiter. Wir importierten fürs neue Baby das Beistellbett, das hatte ja schon beim Kind so prima geklappt. Als dann das Baby geboren wurde, mochte ich es die ersten Nächte nicht wirklich von mir weglegen und diesmal ließ ich mir auch nix einreden und genoss einfach die Nähe. Nach ca. einer Woche legten wir das Baby das erste mal ins Beistellbett, in einem der winzigen Schlafsäcke, es sah ganz bezaubernd aus. Leider war das Baby in seinem eigenen Bett sehr unruhig, wühlte herum und fing schnell an zu meckern. Also kam es wieder in unser Bett. Da war es allerdings mit dem Schlafsack viel zu warm, also ohne Schlafsack unter unsere riesige Decke. Wir probierten es immer mal wieder mit dem „eigenen“ Bett, aber das Baby möchte gerne maximalen Körperkontakt mit mir. Manchmal beruhigt es sich nur auf meiner Brust. Das Problem ist nur: ich kann so nicht schlafen. Ich kann mich nicht so bewegen, wie ich gerne möchte, ich verharre in einer Position teils stundenlang, dabei bewege ich mich sonst im Schlaf recht viel. Außerdem bin ich in ständiger Alarmbereitschaft: ist dem Baby zu warm? Zu kalt? Legt sich das Kind gerade aufs Baby? Haut oder tritt das Kind im Schlaf? Und, mein absoluter Albtraum: liegt das Baby unter der Decke* und erstickt? Zusätzlich zu den zwei- bis dreistündlichen Schlafunterbrechungen durch Stillen ist das irgendwann ziemlich belastend, nicht richtig zur Ruhe zu kommen. Zu viert auf 1,60 m ist es zudem wirklich eng und ich habe schonmal vorsorglich Platzangst vor der Zukunft, wenn das Kind sechs Jahre alt ist und immer noch jede Nacht zu uns ins Bett kriecht, wo dann aber ja schon ein Dreijähriges liegt…
Was ich mir wünsche, um die Schlafsituation für mich wieder angenehmer zu gestalten? Dass das Baby bitte bitte in seinem Beistellbett schläft. Und ein größeres Bett. Für die Zukunft.

*Heute morgen kam ich nach dem Kaffee kochen ins Schlafzimmer um den Rest der Familie zu wecken und bekam fast einen Herzinfarkt, weil das Baby unter die Decke gerutscht war. Nix passiert. Aber jetzt wird das mit dem Beistellbettchen nochmal extra forciert!