Tag 1079 – Ferientag 15. Vom Streit.

Heute war ein echt blöder Tag, die Kinder haben sich benommen wie die Äxte im Wald, ich kam zu nix so richtig und motzte und schimpfte nur rum und Michel hat mit Edding aufs Regal gemalt und den Lattenrost aus dem Bett gehoben und dann, als Herr Rabe wie so ein Samariter die Stimmung durch Seebesuch gedreht hatte, legte Michel noch einen 1a Wutanfall nach dem Essen hin. Wenigstens weiß ich jetzt, dass er genauso unter seiner eigenen Wut leidet wie seine Umgebung und dass er Angst hat, er könne nur Polizist werden, weil die auch immer wütend sind*. Ich habe ihm versprochen, dass wir morgen, wenn alle etwas ausgeschlafener sind, mal zusammen überlegen, wie er mit seiner Wut besser umgehen kann, weil ihm das hinterher dann immer sehr leid tut, wenn er zum Beispiel Sachen wirft oder uns wehtut, aber in dem Moment einfach sehr, ja, wütend halt ist. Nach dem Abendabschluss musste ich dann natürlich extra doll mit ihm kuscheln und weil Pippi eigentlich auch von mir ins Bett gebracht werden wollte, musste ich auch noch Schlaflieder summen und dabei hab ich mich dann selbst auch gleich in den Schlaf gesummt. Schmierig von Sonnencreme und mit Brille auf, die ich mir in meine Nase gedrückt habe. Tjanun.

Heute keine Auto-Lobhudelei, es war echt ein Kacktag.

___

*Ich hab ihm nicht gesagt, dass gerade Polizisten und co ihr Temperament gut unter Kontrolle haben müssen. Wohl aber, dass Polizisten nicht sauer sind, sondern eher streng, wenn sie müssen. Und meistens nett, weil sie eben gar nicht streng sein müssen.

Tag 1077 – Ferientag 13. Von Eile.

„Mama! Guck! Mama!“ rief Michel heute früh, noch mit seinem niedlichen Schlafgesicht*, riss den Mund auf und präsentierte mir seinen Wackelzahn. Der jetzt schon sehr doll wackelt und an dessen innerer Kante es ein bisschen blutete**.

Den ganzen Tag hatte Michel dann auch kein anderes Thema. Was wenn der Zahn nachts ausfällt? Tut er nicht, sagte ich, die fallen aus wenn man dran rum rupft oder beim Essen. Aber dann kann er ja nichts mehr essen! Gar nichts! Doch doch, sagte ich, ich püriere dir einfach alles oder ich kaufe gleich so Babygläschen, dann geht das schon***. Neeeein, sagte Michel.

Was wenn es wehtut? Oder wenn es doll blutet? Tut es nicht, sagte ich, die fallen aus, wenn sie so weit sind, wenn der neue Zahn den alten rausschiebt, dann tut das nicht so doll weh und blutet auch nicht so doll****.

Aber was machen wir mit dem Zahn wenn die Zahnfee ja nicht kommt*****? Den tun wir in ein Döschen, sagte ich. Aber das brauchen wir dann jetzt! sagte Michel.

Und so googelte ich heute nach Zahndöschen, weil es halt nach demWackelgrad zu urteilen eilt nur von norwegischen Anbietern und ich sah das rosahellblaue Kitsch-Grauen. Herrje. Oder, was ich auch wirklich schlimm finde: eine Dose mit Extra Loch in der Mitte für den Nabelschnurrest. Ähm, Moment, den Nabelschnurrest? Das vertrocknete, leicht müffelnde Dings aus toten Zellen, das damals in Michels Fall einfach ums Verrecken nicht abgehen wollte, bis der Kinderarzt mit einer ordentlichen Dosis Peroxid der bakteriellen Besiedlung Einhalt gebieten musste? Das hätte ich aufheben sollen? Um es dann knapp sechs Jahre in dieser Dose mit der niedlichen Babygravur im Deckel aufzubewahren, um dann nach und nach die Milchzähne reinzustecken? Entschuldigung, aber: IGITT. I-GITT. Aber außer dem und was mit einem Bärchen und Herzchen drauf gab es halt in Norwegen nur die Möglichkeit, die Zähne zwecks Konservierung der Stammzellen für sehr viel Geld einlagern zu lassen, weil man ja aus Stammzellen jedes Gewebe züchten kann, aber da rollen sich mir die Fußnägel bis zum Anschlag hoch, wenn ich solche Geldmacherei sehe, denn soweit ich weiß (ich habe jetzt keine Lust zu recherchieren und zu verlinken) ist es nach wie vor nicht mal eben möglich, mehr als ein paar Klumpen differenzierter Zellen (also quasi simpelstes Gewebe, zum Beispiel Herzmuskelzellen) zu erzeugen. Klar kann man Nervenzellen machen, oder Gehirnzellen, geht alles, aber was nicht geht sind die komplexen Netzwerke verschiedener Gehirnzelltypen (Spoiler: es sind nicht alle Gehirnzellen gleich!) in einer Petrischale wachsen zu lassen, geschweige denn die Klumpen irgendwie sinnbringend irgendwo hinzutransplantieren. Das ist also schon mal Humbug und dann kommt noch dazu, dass sich (wieder meines googlefaulen Wissens nach) kein Therapieansatz mit eigenen Stammzellen bisher als erfolgversprechend erwiesen hat. Ergo: lagern Sie von mir aus Stammzellen aus Nabelschnurblut oder Milchzähnen ein, wenn Sie Geld übrig haben und nicht wissen wohin damit. Aber versprechen Sie sich lieber nicht davon, dass ihr Kind damit so ne Art Superduperextraversicherung gegen Krebs oder wasweißich hat.

Ähm, hups, da ist es kurz mit mir durchgegangen, jedenfalls haben Michel und ich dann in einem Spielzeugladen diese kleine Tupperdose gekauft und wenn ich wieder Zugang zu meinen Stoffen habe, mache ich da noch ein Pölsterchen rein und gut ist.

___

Auto-Lobhudelei: recht souverän diesen Dosenkauf mit hyperaufgeregtem Michel überstanden.

___

* „puffy“ trifft es wohl. Naaww.

** jetzt verstehe ich meine Mutter, die sich unsere Wackelzähne immer gar nicht so richtig anguckte.

*** man kann Kinder nie früh genug an Ironie heranführen

**** von Wurzelkorrosion erzähle ich ihm dann, wenn der Zahn draußen ist.

***** ganz heikles Thema. Vermutlich kommt sie, ein mal, und bringt ein kleines Geschenk.

Tag 1074 – Drei Jahre.

Ach, kleine Pippimaus, da bist du schon drei Jahre alt. Eine kleine Maus bist du trotzdem noch. Eine kleine Maus mit großen Füßen. Eine freche Maus, manchmal und eine Maus, die sehr genau weiß, was sie will. Du setzt dich durch, auf alle Weisen, die einer frisch Dreijährigen zur Verfügung stehen. Das sind jetzt nicht unbedingt die Verhaltensweisen, die im Allgemeinen unter Erwachsenen als „sozialverträglich“ gelten, aber im Kindergarten geht das schon noch. Manchmal geht mir kolossal auf den Keks, dass du permanent mit deinem Bruder streitest, aber dann wieder badet ihr zusammen und macht Quatsch, oder ihr steht morgens schon mal auf und spielt oder ihr gebt euch Küsschen und Umarmungen und dann vergesse ich kurz vor lauter hachzen, dass ihr euch gleich wieder die Köppe über irgendwas einhaut. Aber überhaupt und schon seit ewig machst du einfach alle Rübennasigkeit durch geradezu übermäßige Niedlichkeit wett. Dein Papa und ich sagen ganz oft, wenn ihr schon im Bett seid, „Die ist so niedlich!“, wenn wir deine Geschichten teilen. Weils halt einfach wahr ist. Da werden Bärchen aufs Klo gesetzt und gewickelt und schlafen gelegt, Ich werde fürs erfolgreiche Anziehen meiner Socken gelobt oder es wird jedem ganz fair das Essen zugeteilt. Hachja.

Was anderes, was dich ausmacht, ist deine ausgeprägte Selbständigkeit. Du willst alles alleine machen, gut, das ist für dein jetziges Alter ziemlich typisch, aber du ziehst das halt durch. „Gå vekk, Mama!“ kriege ich dann zu hören. Dann kletterst du alleine in den Autositz und wurschtelst deine Arme in die Gurte. Oder du ziehst dich selbst an. Oder du schläfst alleine ein. Heute hast du ein Peppa Wutz-Nachtlicht bekommen und du wolltest allein einschlafen, ich „durfte“ neben dem Bett sitzen. So bist du irgendwann eingeschlafen:

Jetzt also allein einschlafen. Vor zwei Wochen: keine Windel mehr. Von einem Tag auf den anderen und seitdem kann ich die Malheurs immernoch an einer Hand abzählen. Einen Schnuller wolltest du ja eh nie (das fing früh an mit der Willensstärke!) und es braucht wirklich nicht die ständige Versicherung deinerseits, dass du auch gern zur Schule gehen möchtest um zu wissen: du bist schon ein ziemlich großes Kind. Ein kleines, zartes, großes, wildes, fröhliches und ganz und gar wunderbares Kind. Ich freue mich darauf, dich noch größer werden zu sehen, ich bin sicher, da kommen noch viele Geschichten und Anekdoten, die uns „Die ist so niedlich!“ seufzen lassen.

Ich hab dich sehr lieb!

Murch –

Deine Mama

Tag 1073 – Nacht.

Die letzte Nacht war gelinde gesagt furchtbar. Alle Kinder und alle Erwachsenen wach. Als Michel nach „Ich hab so Duuuhuuurst aber ich kann mir gar nicht selbst Wasser holen!“ (Spoiler: Wohl.) dann auch noch als ich grade wieder eingeschlafen war FÜNF MAL SEHR LAUT niesen musste, wünschte ich mir wirklich einen mittelgroßen Hammer um mich selbst damit bewusstlos zu schlagen. Dass ich um halb acht Uhr morgens dann wegen Rückenschmerzen wach war (man schläft mit Michel zusammen in Michels Bett jetzt nicht sooooo gut) machte es nicht besser, meine Laune und meine Produktivität waren heute durchgehend ziemlich im Keller. Aber was hilfts, morgen hat Pippi Geburtstag und trotz des Terrors letzte Nacht so war ich mit Michel Geschenke und Pappe für eine Krone kaufen. Wegen allgemeiner Trägheit am Nachmittag sitzen Herr Rabe und ich jetzt aber immer noch hier in der Küche und backen Kuchen und basteln Kronen, morgen wird gefeiert, es kommen sogar Gäste (in unsere Dreiviertel leere Wohnung, das wird sicher ganz super!) und ich freue mich so dermaßen auf das Bett, man glaubt es kaum.

Was anderes: Ich habe Nanette geschaut, auf Netflix. Das ist ganz großartig, schauen Sie das ruhig. Erwarten Sie aber keine 08/15 Standup-Comedy. Eigentlich ist das gar nicht lustig.

Und jetzt: bald gute Nacht (noch 2 x Brötchen backen).

___

Auto-Lobhudelei: Michel einigermaßen diplomatisch davon abgebracht, Pippi eine Babypuppe zu kaufen. Und klipp und klar gesagt, dass ich keine Barbie kaufen werde.

Tag 1072 – Ferientag 10. Vom Laufen.

Läuft bei uns (hahaha, das war ja ein grandioser Scherz, nicht wahr?). Das NAV hat die Übernahme der Umzugskosten genehmigt. Ich muss also nicht noch schnell nen LKW-Führerschein machen.

Michel, Pippi und ich waren heute etwa 15.000 Schritte spazieren, das heißt, Michel ist Fahrrad gefahren und Pippi hat sich im Kinderwagen schieben lassen. Wir sind zu meiner Ex-Arbeit gegangen, haben da mit Ex-Kollegin N. einen sehr gemütlichen, langen Kaffee getrunken (die Kinder haben Eis gegessen und sich dann auf dem Spielplatz der Kinderklinik unfassbar eingesaut, wie sich das halt gehört), dann sind wir über Ila in die Stadt gegangen, weil Michel unbedingt Enten sehen wollte. In der Stadt haben wir beim AtB-Kundencenter vier alte Buskarten abgegeben und spektakuläre 17 Kronen (also ca. 1,80 Euro) Restguthaben herausbekommen, dann haben wir in einem Krams-und-Gedöns-Laden Partytröten für Pippis Geburtstag gekauft, sind über Herr Rabes Arbeit zur Apotheke gegangen (dann mit Herrn Rabe) und haben zum drölfzigsten Mal nach meinem bestellten Medikament gefragt, haben Sofas probegesessen* und Bier gekauft, haben ein Paket abgeholt (vielen lieben Dank, liebe Cousinen K. und S. samt Familien! Wir haben uns total gefreut!) und dann haben wir den Tagesausklang beim Burgeressen begangen.

Ein gänzlich wunderbarer Tag.

___

*Michel hat der Verkäuferin erstmal erzählt, dass wir für den Umzug einen LKW brauchen. Überhaupt ist Michel mal wieder im Dauererzählmodus, das ist ja schon sehr niedlich.

Tag 1071 – Ferientag 9. Von Erleichterung.

Drei Banken gegeneinander ausgespielt, wie so ein erwachsener Mensch mal wieder. Dabei herausgekommen ist:

  • ein Zinssatz knapp unter dem, was ich für die allerbilligste Bank in so einem Banken-finder gefunden hatte (die allerbilligste Bank war eine der dreien)
  • Eine große, renommierte Bank mit echten Filialen (da flog die allerbilligste Bank)
  • Keine Einrichtungsgebühr
  • Erster Monat abschlagsfrei (wegen der Miete, die wir eventuell bis September weiter zahlen müssen, während leider zeitgleich mein Gehalt erst Mitte September kommt)
  • Super günstige Versicherungen, viel günstiger als das, was unsere bisherige Versicherung uns kostet und angeboten hat* (da flog eine andere große Bank trotz nettem Kontakt und großer Bemühungen um uns raus)

Ich bin damit sehr zufrieden.

  • Dazu kommt
    • Sondertilgung bis zu einem gewissen Betrag jederzeit und kostenlos möglich
      Laufzeitänderung/Änderung der Höhe des Abschlags/Änderung des Datums des Geldeinzugs jederzeit und kostenlos online möglich
  • Und ehrlich, nicht nur wegen der Ultra schnellen Bearbeitung mag ich Norwegen ja dann doch manchmal sehr.
  • Heute Nachmittag haben wir also diesen Vertrag unterschrieben und damit zugesichert, dass wir bis nächsten Mittwoch die Anzahlung auf das Konto überweisen werden. Da war das noch… naja, möglich, indem wir die Kinderkonten leerräumen und den Rest des Monats halt von Dosenfisch und den 2,5 kg Weizenvollkornmehl aus dem Vorrat leben. Aber dann trudelte am Nachmittag die Unterstützung seitens der Familie ein. Puh. Die Freude über den absurd hohen Kontostand währte nur kurz, dafür ist das Konto für das Eigenkapital jetzt gefüllt. Wir können auch am 31. noch essen und morgen bestelle ich einen Kühlschrank. Uff. Uff, uff, uff.
  • Als Tagesabschluss waren wir heute Abend dann noch mit meiner Ex-Kollegin N. angeln, denn das hatte sich Michel immer gewünscht, aber sie fährt am Samstag für zwei Wochen nach Grönland und deshalb drängte die Zeit. Wir haben nichts gefangen, aber schön war es trotzdem. Vielleicht auch grade weil wir nichts gefangen haben, denn irgendwas töten und dann ausnehmen und so, hmm, das ist nicht so mein Ding. Mir ist sehr bewusst, dass das passieren muss, bevor man Tiere essen kann, ich bin aber dankbar, dass ich das im Normalfall eben nicht selbst erledigen muss sondern Profis das für mich machen. Aber das nur am Rande, Michel war jedenfalls unheimlich glücklich, dass er ENDLICH angeln war. Außerdem wackelt jetzt sein Zahn schon recht doll. Da kann man schon mal sehr stolz sein, so als Fünfjähriger.
  • ___
  • Auto-Lobhudelei: Innerhalb von 40 Stunden einen Hauskredit klargemacht. Ich brauche heute nicht lobhudeln, ich *bin* die fierceste Queen heut.
  • ___
  • *die Versicherung hat mir auch eiskalt und ohne Absprache einfach eine zweite Hausratversicherung in mein Online-Portfolio gepackt. Also zusätzlich zu der, die wir schon haben, ohne die alte zu löschen. Das ist jetzt nicht so ganz tolle Kundenbindung, liebe Versicherung.
  • Tag 1066 – Schränke weg, Backenzähne da.

    Wir haben den ganzen Tag lang gepackt, vornehmlich im Schlafzimmer. Herr Rabe und ich schwanken beide zwischen „SO VIEL ZEUG OH MEIN GOTT!“ und „Ach, so viel ist das echt gar nicht.“ sowie „NUR NOCH ZWEIEINHALB WOCHEN ACH DU SCHEISSE WIE SOLLEN WIR DAS SCHAFFEN!“ und „Ach, eigentlich sind wir schon echt weit und zweieinhalb Wochen recht viel Zeit.“. Jedenfalls wurde heute weiter reduziert, ich habe drei riesige Taschen voll Zeug zum Fretex-Container geschleppt und einen Kinderschlafsack und zwei Schränke verschenkt. Jetzt sieht unser Schlafzimmer voll groß aus.

    Die Kinder sind entsprechend der Situation gelangweilt, Eltern, die den ganzen Tag Sachen in Tüten und Kisten stecken sind keine gute Unterhaltung. Michel wird dann gern extra anhänglich und sitzt zum Beispiel oben auf der Leiter und nölt vor sich hin. „Orrrrr, was soll ich machen? Mir ist soooooo langweilig! Mama! Was. Soll. Ich. Machen??? MAMA! LAAANGWEILIG!“. Heute kroch er mir auf den Schoß. „Mama? Was machen wir noch?“ „Ich weiß nicht, kitzeln vielleicht?“ sagte ich und kitzelte ihn durch und wie er da so lachte sah ich mehr Zähne als ich erwartet hatte. Er hat sich nämlich klammheimlich zwei bleibende Backenzähne oben wachsen lassen und unten guckt auch einer schon raus. Hatte ich gar nicht bemerkt. Und der Schneidezahn wackelt auch nach wie vor, jetzt aber der daneben auch. Schwupps, großes Kind mit Wackelzähnen. Apropos großes Kind: er hat von seiner Kindergartenfreundin so eine Art Liebesbrief bekommen und es gar nicht geschnallt. Sie hat sich und ihn gemalt, wie sie im Bett liegen und Händchen halten und um sie rum ist ein Haus und obendrüber steht „Kjærestehus“, also „Pärchenhaus“. So niedlich, ich falle um. Und bald Schule. Der kleine große Zwerg*.

    ___

    Auto-Lobhudelei: klar kommuniziert, dass ich vor Überforderung schreiend im Kreis laufen möchte und Anweisung brauche, was ich tun soll.

    ___

    *Nach all dem Genöl über die Wut des Wutzwerges muss ich ja jetzt auch mal loswerden: es ist grad viel viel besser. Als wäre es für ihn auch einfacher mit dem konkreten „in drei Wochen ziehen wir daundda hin“ umzugehen als mit dem Rumgeeier und dem Damoklesschwert davor. Wer kann’s ihm verdenken, ich jedenfalls nicht. Aber ich freue mich, auch vor allem für ihn, dass er jetzt entspannter ist.

    Tag 1062 – Ferientag 2. Vom Großwerden.

    Die Ferien sind für mich sehr anstrengend, aber das zu erzählen wäre jetzt auch irgendwie nur Selbstbemitleidung, deshalb hier was von grad:

    *Türklapp umständlich, es ist also Pippi*

    Pippi: *taps an Wohnzimmer vorbei* „Klo.“

    Ich: *gehe hinterher, ziehe ihr die trockene Windel aus, setze sie aufs Klo*

    Pippi: *puller*

    Ich: „Bist du wachgeworden, weil du pullern musstest?“

    Pippi: „Ja.“

    Ich: „Prima!“

    Pippi: *mit halb geöffneten Augen, zerzausten Haaren und grütziger Stimme* „High Five!“

    Ich: „Soll ich dich wieder ins Bett bringen?“

    Pippi: *nickt*

    Ich: *trage Pippi ins Bett* „Soll ich mich zu dir legen?“

    Pippi: „Nei. Geh weg.“

    Ich: „Willst du alleine einschlafen?“

    Pippi: *nickt, zuppelt schon am Ohr*

    Ich: „Ok… Darf ich dir noch nen Kuss geben?“

    Pippi: *macht mit geschlossenen Augen Kussmund*

    Ich: *Küsschen, verlasse Raum*

    What the… ich meine, das andere Kind will immernoch nicht alleine einschlafen und schläft auch nicht durch, sondern kommt zum Kuscheln zu uns. Äh. What?

    ___

    Heute echt nix Lobzuhudeln. Habe immerhin geschafft, alle eingecremt und angezogen aus dem Haus zu bekommen und dann eine Blutprobe zapfen zu lassen, aber die Umstände waren… naja. Heute nicht meinen brillanten Tag als Mutter gehabt.

    Tag 1061 – Ferientag 1. Von Möbeln.

    Die Kinder haben ja jetzt Ferien, die Putzhilfe aber nicht und deshalb hat Michel heute der Putzhilfe eine halbe Stunde lang ohne Punkt und Komma seine Lebensgeschichte und die all seiner Freunde erzählt. Das war recht putzig. Dass wir danach los mussten, fand die Putzhilfe aber glaube ich gar nicht mal soooo schlimm.

    Wir wollten nämlich das Bett abholen. Dann war aber die Frau alleine im Laden und der Sohn noch nicht da, der sollte erst in einer halben Stunde kommen und dann aber direkt das Bett holen. Nun, ich hatte eh Mordshunger und dachte, ich fahre mit den Kindern die 5 Minuten nach Hause, esse was und komme dann wieder.

    Pustekuchen. Ich habe mich in der Trondheimer Innenstadt so dermaßen in den Einbahnstraßen verfranst, dass ich am Ende beschloss, dass es einfacher wäre, zurück zum Bettenladen zu fahren und noch… drei Minuten auf den Sohn zu warten. Ja, ich bin 25 Minuten sinnlos umhergegurkt, weil ich zu stolz war, Google Maps zu befragen.

    Jedenfalls holten wir dann einfach das Bett ab, Pippi lief auch nur einmal auf die Straße, während ich ein Paket ins Auto wuppte, da wurde ich dann zur Keifmama und dann zur „mir egal ob du brüllst, ich schnalle dich genau jetzt im Auto an!“-Mama und Pippi wurde zum Wutzwerg. Michel nicht, der durfte wegen der umgeklappten Rückbank vorne sitzen und war sehr stolz.

    Naja und weil ich zur Selbstüberschätzung neige, habe ich danach das Bett selbst aufgebaut (kein Problem) und unter das schon vorhandene halbhohe Bett bugsiert (PROBLEM! PROBLEM!), in einem winzigen Raum und mit zwei aufgekratzten Kindern. Tolle Idee, jaja.

    Abends dann noch zum Möbelschweden, Lattenrost und Matratze kaufen, Sofas probesitzen und dann doch Nudeln im Restaurant statt zu Hause essen, weil einfach genervt und erschöpft.

    Jetzt steht alles, die Kinder schlafen auch schon drin und wir Erwachsenen sind sehr platt.

    Ist ja auch irgendwie nicht so schlau, kurz vorm Umzug noch neue Möbel anzuschaffen, ne? Aber gut, es war halt Glück, dass überhaupt grad ein Bett da war.

    Morgen machen wir aber glaube ich echt Ferien und sonst nix.

    ___

    Auto-Lobhudelei: hab’s dann am Ende ok hinbekommen.

    Tag 1054 – Die gute Nachricht zuerst…

    … Pippi hat heute morgen gesagt, sie will „Auch ein Ssslüppa anziehn. Wie Michel. Und Pappa.“. Vor ein paar Wochen haben wir ihr ja schon Unterhosen gekauft, weil ich die Hoffnung hegte, das vielleicht bald mal verstärkt in Angriff nehmen zu können. Also zauberte ich einfach einen Schlüpfer aus der Schublade und machte ein kleines Mädchen sehr stolz. Weil sie wieder Fieber hat, konnte ich den ganzen Tag Argusaugen auf sie haben, aber sie machte das wirklich toll, sagte Bescheid, ging aufs Klo, Highfive, Fistbump, Splschh!. Als wir rausgingen, wollte ich sie zu einer Windel überreden, aber sie wollte nicht. Ich packte also einen halben Schrank an Wechselklamotten ein und wir gingen raus – aber sie sagte sogar auf dem Spielplatz Bescheid und pullerte mit Hilfe ins Gebüsch. Es klappte wirklich den ganzen Tag – bis sie mit Michel fernsehen durfte, das war dann zu fesselnd. Aber danach ging es auch wieder gut. Ich bin ganz baff, von Michel war ich anderes gewohnt. Mal sehen, wie es mit den Ssslüppan hier so weitergeht, es lässt sich jedenfalls vielversprechend an.

    ___

    Auch gute Nachricht: Ich habe mit zwei Banken gesprochen, die uns beide einen Finanzierungsbeweis ausstellen werden. Damit können wir dann auf Haus/Wohnung/Borettslag*/whatever bieten. Yeah!

    ___

    Schlechte Nachricht: noch nix vom Chipsmann gehört. +++ UPDATE! Inzwischen schon, ich habe jetzt schriftlich, was ich Freitag schon mündlich bekam. Nämlich die Zusage, dass ich den Job zu meinen Konditionen (gnihihi) hab, wenn sich der Finanzmann nicht querstellt. Immerhin. +++ Außerdem: Haussuche nervt zunehmend. Diese Weitwinkelobjektivaufnahmen! 25 Meter lange Treppen, 3 Meter tiefe Arbeitsplatten, 2 Fenster die aussehen, als wäre eins nur halb so groß wie das andere. Wenn das Objekt nicht so der Knüller ist, gibts gerne noch drülfzig Bilder von Blumenvasen und anderen Dekogegenständen oder auch der Umgebung. Ja boah, toll, ihr habt nen Spielplatz aus dem Baujahr der Siedlung, grandios, hätte nicht schon meine Mutter darauf spielen können. Uhhh, Wahnsinn, Garagen. Oh, ein Kochbuch und ein Eierkarton. Man kann also ein Kochbuch auf den Tisch legen, DAS IST JA DER HAMMER DAS MUSS ICH HABEN! Immer ist der Kamin an, immer sind alle Türen auf, immer sind da diese beknackten Retro-Leitern im Bad, über die lässig ein (!) helltürkises Handtuch hängt und es stehen auch immer brennende Kerzen überall. Der Aussagegehalt dieser Bilder ist null. Dann kommen noch die Planskizzen dazu, ohne Maße und so grob, dass man auch einfach schreiben könnte „Haus hat Räume, davon sind mache viereckig“. Der letzte Schrei sind 3-D-Planskizzen, die hasse ich besonders, weil da gerne in nem 7,5 qm großen Besenschrank Schlafzimmer ein Doppelbett eingezeichnet ist, das in der Realität bei entsprechender Skalierung etwa der Größe eines durchschnittlichen Couchtischs entsprechen dürfte. Und diese blumigen Umschreibungen – „naturnah“ (= am Arsch der Welt) – „charmant“ (= alt) – „Platz für smarte Regallösungen“ (= Zimmer ist so klein, da passt auch ein Kinderbett nur hochkant rein) – „pflegeleicht“ (= weißes Plastik) – „klassisch“ (= bieder) und so weiter und so fort. Ein Trauerspiel. Und der eine Bankmensch meinte heute, im Juli wäre es immer dünn gesägt mit Objekten, Mitte August wird es dann wieder mehr. Tja, äh, hmm, WIR HABEN DOCH KEINE ZEIT! Aber ich glaub es ist nur PMS und schlecht geschlafen geschuldet, das mich das grad alles so annervt, dass ich am liebsten Finn.no einfach kleinhacken möchte, wenn ich noch einmal so ein Bild sehen muss, für das jemand mit reichlich Vordergrundunschärfe durch einen locker gebundenen Blumenstrauß in einer türkisfarbenen 45-Kronen-IKEA-Vase eine „pflegeleichte“ Küche fotografiert hat. Hoffentlich hat das bald ein gutes Ende. Ach ja und lieber Körper: ne Nacht mit mehr als fünf Stunden Schlaf wäre auch mal wieder ganz nett.

    ___

    Auto-Lobhudelei: Recht entspannt hingenommen, dass ich mit Pippi auf dem Schoß mit zwei Banken sprechen musste. Gespräche auch gut hinbekommen.

    ___

    *Borettslag ist… äh… kompliziert. Man kauft sich sozusagen ein Wohnrecht auf Lebenszeit, das man auch vererbt und so, aber man kann eben nicht mit seiner Wohnung machen was man will, sondern muss bei wichtigen Dingen (und auch vielem Kleinscheiß, das ist halt wie so ein Verein, da wird auch geregelt, wie hoch die Hecke am Reihenhaus sein darf und wann man die schneiden darf** und so) erst die Eigentümergemeinschaft befragen. Für äußerliche Veränderungen ist auch die Gemeinschaft zuständig und wenn die Eigentümerversammlung beschließt, dass jetzt alle Balkons kriegen, dann hängt man da mit drin, ob man das will oder sich leisten kann oder nicht. Dafür gibt es die Wohnungen oft sehr viel günstiger, als „Selveier“, also nur einer selbst gehörende Häuser.

    **Da fällt mir ein, das in unserem Mietvertrag in unserer Wohnung in Bielefeld damals drinstand, wir dürften Nadeldrucker zwischen 22:00 Uhr und 08:00 Uhr nicht benutzen, und auch sonst sollten wir sie auf einem Filzuntersatz platzieren. Damals = 2009.