Tag 1729 – Heiße Phase.

Der Autokauf nähert sich seiner Abschließung. Heute haben wir eines angeguckt, mehr angeguckt, probegefahren und dann haben wir Pippi damit abgeholt und dann hat das Auto getanzt und jetzt will Pippi es haben. Kein Problem, liebes Kind, wir verschulden uns doch gerne noch mehr für dich!

Jedenfalls hab ich dann heute auch noch für morgen früh ein Meeting abgeblasen und wir gucken uns ein weiteres an, das wäre das bessere Angebot in einer Farbe, die mir besser gefällt, ich suche den Haken, mal gucken, ob wir ihn morgen finden.

Und dann kaufen wir ein Auto, das von außen schon groß ist, von innen aber noch viel größer und es muss sich nie mehr wer zwischen die Kindersitze quetschen, wenn mal mehr als wir vier fahren. (Und es hat mehr Computerschnickschnack als alle Computer hier im Haus zusammen und japp, das finde ich super.)

Ein wenig damit im Zusammenhang steht: die norwegische Wirtschaft ist am Arsch. Heute wurde der Leitzins auf 0 gesenkt. Ab 25.5. wird dann auch unser Kreditzins fürs Haus gesenkt – zum 3. mal in 2 Monaten. Vermutlich muss ich, als Staatsbedienstete, schon froh sein, wenn mir bei der nächsten zentralen Gehaltsverhandlungsrunde, die schon wegen Covid19 verschoben wurde, nicht der Lohn gekürzt wird.

Die aktuellen Zahlen lassen sehr hoffen. Auf vieles. Aber die Wirtschaft wird brauchen, um sich von Covid19 zu erholen. Trotz Ölfonds und allem. Auch wenn wir hier jetzt auch wieder aufmachen, langsam und hoffentlich sicher.

Ich hoffe, alles was wir in den letzten zwei Monaten gelernt haben, reicht, um eine zweite Welle zu verhindern. Dass das Testen und das Tracen und das konsequente in-Quarantäne- Stecken reicht.

Ich hoffe, wir können ab Herbst wieder Inspektionen durchführen.

Ich hoffe, wir kommen ohne Babysitterfamilie zurecht, bis es einen Impfstoff oder eine wirklich gute Behandlung gibt. Ich baue auf zweiteres, ehrlich gesagt. Bauchgefühl, kein Insiderwissen. Irgendwas, das eine Infektion im Keim erstickt (ungleich Impfung). Sowas wie die Behandlungen gegen HIV. Aber auch das wird dauern.

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Was ganz anderes: das bekommt morgen Michels Corontänefreund zum Geburtstag:

Und das ist Michels:

Das hat sich Michel quasi komplett selbst ausgedacht, weil jetzt wieder Kulturschule ist (in Mini-Gruppen und draußen) und die Lehrerin die einfache Version davon hatte: eine kleine Gemüsedose (hier: Mais) gefüllt mit was klapperndem (hier: getrocknete Erbsen) und einem aufgeklebtem Deckel (hier: Hut/Caps). Michel hat erfunden, Herr Rabe hat umgesetzt. Die sind ein tolles Team und ich hab die alle sehr lieb.

(Nicht dass Sie denken, Pippi käme hier nicht mehr vor: die arme Maus hat dank ständiger Händewascherei so trockene Hände, dass es aussieht wie Neurodermitishaut. Ist es nicht und es juckt auch nicht, aber es sieht wirklich schlimm aus und fühlt sich auch schlimm an und weil das alles gereizt ist, ist es auch sonnenempfindlich und das ist wegen Covid19 auch schlecht, weil die ja dauernd Draußenlegionäre sind. Arme, arme Maus.)

Tag 1727/1728 – Geburtstagstag.

Gestern, kurz rekapituliert:

Um kurz nach fünf stand Michel vor meinem Bett und um kurz nach halb sechs beschloss ich in Michels Bett, dass ich offenbar nicht noch mal einschlafen werde. Dabei war ich hundemüde. Aber so ist das in dieser Pandemie, andere machen täglich Yoga und lernen ne Fremdsprache, wieder andere drehen total am Aluhut und tanzen gegen simpelste Hygienemaßnahmen an, ich kann hauptsächlich schlecht schlafen, das aber sehr gut. Mit verquollenen Augen (vom wenigen Schlaf) quälte ich mich aus dem Bett und machte einen schnellen Spaziergang, 45 Minuten bei 5 Grad, frisch aber immerhin erfrischend. Und hinter der Sonnenbrille, die es jetzt auch morgens schon braucht, sieht ja auch keiner, wie zerknautscht ich morgens aussehe. Der Tag plätscherte dann so dahin, ich machte Kleinscheiß bei der Arbeit und sabberte danach Autos im Internet an. Vielleicht guckte ich auch noch Videos auf YouTube, wie aufgedrehte Amerikaner Autos vergleichen. Vielleicht habe ich auch in einem Autoforum Fragen gestellt. Das mit dem Auto wird jedenfalls konkret. Vielleicht bekommt mir die Pandemie nicht. Abends dann Twitter-Kneipe mit Dalgona Kaffee in der Friday afternoon-Version. Sehr lecker, aber von der Konsistenz her eher gewöhnungsbedürftig. Kann mir das auch gut mit kalt aufgeschäumter Milch vorstellen. Macht auf jeden Fall SEHR wach. Und dann kommt man schlecht ins Bett. Und kann dann nicht schlafen. Und repeat.

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Heute Herr Rabes Geburtstagstag. Tusch und Konfetti! Er bekommt von mir den ersten Termin außerhalb seiner normalen Arbeitszeit, den ich vor eineinhalb Wochen bei einem Friseur abmachen konnte: nächsten Mittwoch. Und ein paar Bügelperlensechsecke und ein -herz von Pippi, das ich gestern Abend noch bügeln musste, woraufhin ich heute morgen von Pippi umarmt wurde und sie mir zuflüsterte (!) „Danke, dass du das noch gebügelt hast!“. Die Rübennase. Hachz.

Ich brachte dann heute früh die Kinder weg und buk zum Kaffee-nach-dem-Mittagessen einen schwedischen Kladdkaka mit leicht abgewandeltem Rezept, was gut geklappt hat;

  • 4 Eiweiß steif schlagen und dann 2 dL Zucker einrieseln lassen
  • 200 g Butter und 200 g dunkle Schokolade schmelzen (aber nicht zu warm werden lassen!)
  • Butter-Schoko-Suppe und die 4 Eigelb in die Eiweißmasse rühren
  • 2,5 dL Mehl und 1 TL Backpulver über die Ei-Schoko-Fettpampe sieben und unterheben
  • In eine nach Gusto vorbehandelte Springform geben
  • 15 min bei 200 Grad im wie durch Zauberhand gut vorgeheizten Backofen backen.

Der Kuchen ist innen drin jetzt nicht durch. Nicht mal annähernd. Und das muss so. Man isst den Kuchen noch lauwarm und dann zerläuft er. Dazu Schlagsahne oder Vanilleeis. Angst vor Salmonellen oder Kalorien sollte man halt nicht haben.

Kann ich nicht täglich essen, ist manchmal aber geil. Und heute mit Herrn Rabe war es fast ein bisschen wie in dem kleinen Café am Stortorget in Stockholm.

Happy Birthday, Herr Rabe <3

Tag 1726 – Achtung, Achtung.

Heute beim Spaziergang* an den überall grad wie verrückt wuchernden und blühenden Buschwindröschen erfreut.

Überhaupt, hach, Frühling! Eine meiner Kolleginnen nimmt mir sogar ein paar Ringelblumen ab, jedenfalls *falls* wir uns mal wieder sehen. Dann hat die auch was von meinem Frühling und vor allem hat sie dann im Sommer viele hübsche Blümel.

Jedenfalls habe ich Buschwindröschen gegoogelt, warum weiß ich gar nicht so recht, wahrscheinlich wollte ich nur wissen, ob die hier invasiv sind oder so, und dann bämm: „Alle Pflanzenteile sind giftig.“

Jetzt wissen Sie das auch. So klein und niedlich und so gemein.

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Herr Rabe hatte seinen ersten Arbeitstag im neuen Job. Herr Rabe ist jetzt Consultant und in seinem ersten Projekt direkt erst mal systemrelevant. Trotzdem arbeitet Herr Rabe von zu Hause aus, was für alle Beteiligten ungewohnt ist aber schon gehen wird. Muss ja.

Abends hat Herr Rabe dann versucht, von seinem alten Arbeitsrechner (der ja dem ehemaligen Arbeitgeber gehört und demnächst zurückgegeben werden muss) all die Aufkleber abzukriegen, die er da drauf geklebt hatte. Wozu so eine Flasche Billigvodka, die im Schrank versauert, alles gut ist.

Man kann damit auch gut den zum dritten Mal runtergefallenen Bronzer (Make-up) pressen. Generell gut, Hochprozentiges niederer Qualität im Haus zu haben.

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Sonst war nix.

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* Espressobohnen kaufen. Zu Fuß. (Kalt war’s.)

Tag 1725 – 18 Eiweiß.

Ich präsentiere hier unsere Lösung für 18 Eiweiß. Die ersten ca. 6 wanderten in einen Schneekuchen mit Haselnüssen, weil nicht mehr genug Walnüsse da waren. Sehr lecker, nicht zu süß, sehr zu empfehlen. Einziges Problem: wegen Gier nicht rechtzeitig ein Foto gemacht.

Schneekuchen ohne Eigelb.

Heute wanderte der Rest der Eiweiße (ca. 12) in einen Angel Food Cake, nach einer Mischung aus Rezepten, aber das Internet ist voll von Rezepten dazu, wenn man Googleaffin ist. Das war eine aufregende Sache, unter anderem weil meine Ringkuchenform wohl kaputt ist.

Hängend auskühlen. Man sieht es nicht, aber er balanciert auf dem inneren Ring.
Sieht vielversprechend aus.
Innenansicht, beim Schneiden leicht zusammengedrückt.

Also das ist mal ein etwas anderer Kuchen. Hauptsächlich süß und ich glaube, ich weiß jetzt, aus was Löffelbisquit ist. Es schmeckt fast genau wie Löffelbisquit, hat aber eine ganz andere Konsistenz, nämlich eher fluffig, ein bisschen klebrig und im Mund ein bisschen gummimäßig. Kann man machen, aber man sollte süß schon mögen, es ist halt quasi Baisers mit ein bisschen Mehl.

Während der Angel Food Cake gemacht und gebacken wird, kann man eins a Haartönung einwirken lassen. Hallo, Lilac. Passt auch super zu Pippis Krönchen!

Prinzessinnenselfie.

Apropos Pippi: die hat sich heute früh, aus akuten Entzugserscheinungen heraus, erstmal eine „Schwitz“ (Switch) gebastelt. Mit Yoshi.

Das war das lange Wochenende. Gleich noch einen letzten Pulli aufhängen, der eine extra Runde mit Entfärber brauchte, nachdem ein Kleid ein wenig abgefärbt hatte, dann die Kindersachen zusammen suchen und dann ab ins Bett, damit der Morgen morgen nicht ganz so schlimm wird.

Tag 1724 – Hausmütterchen.

Ich habe, nicht nur gefühlt, den ganzen Tag mit dieser sogenannten Care-Arbeit verbracht. Frühstück machen, Kuchen backen, Wäsche waschen, Einkaufen, Abendbrot machen. Zwischendurch zwei Spülmaschinen ausräumen, zwei mal die Küche saugen, zwei Maschinen Handtücher und co. aus dem Trockner zusammenlegen. Das klingt jetzt lustig, aber ich habe nicht übel Lust, jetzt einen kleineren Briefkasten in die Luft zu jagen. Kann auch sein, dass letzteres an der thematisch passenden Unterhaltung zum Abend liegt.

Ein sehr guter Film, sehr zu empfehlen, für die (meist jungen) „Also ich hab ja noch NIE Benachteiligung erfahren!“-Frauen und die „Aber Frauen können doch alles werden!“-Männer und vor allem für alle „Aber gesetzlich gesehen herrscht doch Gleichberechtigung“. Grad mal hundert Jahre alt sind unsere Rechte. Manche bestehen weiterhin nur auf dem Papier – die sind im Zweifel als erstes wieder weg.

Heute war wirklich kein guter Equal-Care-Tag. Das wird hoffentlich schnell wieder besser.

Tag 1723 – Extrem-Rumhänging.

Wir haben heute den ganzen Tag gegammelt. Wirklich, den ganzen Tag. Jogginghose, Onesie, Leggings. Ich habe Brötchen und Brot gebacken, das wandert jetzt noch in den Tiefkühler. Kuchen gibt es doch erst morgen. Pizza haben wir selbst gemacht und die war sehr lecker.

Geärgert habe ich mich nur kurz, als die Switch beim Yoshi-Endboss einfach ausging, weil der Akku leer war.

Abends mit fünf Damen (nicht der Twitter-Kneipe dieses Mal) ein Glas Wein über viele Stunden gestreckt getrunken, das war sehr schön.

Zitate des Tages:

Pippi (die nicht angezogen werden wollte): „Du sollst mich nicht anfassen! Du weißt doch – Coronavirus!“

Ich zu Michel: „Was heißt Brot auf Englisch?“ – „Bread.“ „Und was heißt backen?“ „Weiß ich nicht, bei Minecraft kann man nicht backen.“

Tag 1722 – Sofa in den Mai.

Morgen ist Backtag, heute war Draußenblumen-Düngetag (die Neuen) unsere Putzhilfe kommt wieder (und hält Abstand von uns) und deshalb ist es hier jetzt sauber und ich fühle mich etwas spießig, aber gut.

Arbeitsmäßig habe ich gemacht, was Abstand, nicht ganz so zügig, wie ich wollte, aber es kam auch einiges dazwischen. Ich konnte zum ersten Mal überhaupt was besser als meine Pharmazeuten-Kolleg*innen, es war mir ein inneres Fest, nämlich: Antikörper-Linker-Payload-Konstrukte. Endlich!

Michel und Pippi sind beide schon wieder gewachsen. Michels Hosen sind zum Großteil etwas hochwasserig und entweder ist sein Spider-Man-Schlafanzug extrem eingelaufen (beim ca. 15. mal Waschen) oder auch die Arme sind erheblich gewachsen. Nach ein paar Tagen mit Wachstumsschmerzen wundert das jetzt nicht so wirklich. Allerdings frage ich mich echt, wo die noch hinwollen, wir als Eltern sind ja beide nicht riesig groß. Wir haben auch eigentlich andere Hobbies als den Kindern ständig neue Hosen zu kaufen, weil sie schon wieder unfreiwillig Knöchelfrei tragen.

Im Moment fällt wieder ganz stark auf, wie unterschiedlich Pippi und Michel sind. Michel lügt selten und wenn dann schlecht. Pippi erfindet komplette Geschichten, wie sie sich die Hände gewaschen hat, mit Seife! aber wenn man dann fragt „soll ich mal an deinen Händen riechen?“ sagt sie „orrrrr nein!“ und zockelt von dannen, Hände waschen. Dann hört man Wasser und Geplätscher aus dem Bad, aber wenn man sie dann kurz drauf noch mal zum Hände waschen nötigt, weil sie auf dem Klo war, kommt erstaunlich viel Dreck runter und das Handtuch war auch noch ganz trocken. Dieses Kind hat es faustdick hinter den Ohren, wenn es drum geht, durchzusetzen, was sie (nicht) will. Ich sehe interessante Zeiten auf uns zu kommen.

So, jetzt werde ich noch ein bisschen Yoshi spielen und dabei ein halbes Glas Wein trinken und dann bin ich reif fürs lange Wochenende.

Tag 1721 – Langweilig.

Wenn ich ja Langeweile genießen könnte, ne? Heute hatte ich 1,5 langweilige Meetings und dazwischen viel langweilige Doofaufgabe, die ich rausschiebe, bis der Zeitdruck die Motivationslosigkeit überwiegt.

Man könnte auch mal wieder Sport machen, hahahahaha.

Morgen. Morgen muss die langweilige Doofaufgabe fertig werden, möglichst bis mittags.

Pippi wollte ich heute morgen verkaufen, Michel heute Nachmittag. Pippi wegen Starrsinn, Michel wegen Hangryness. Pippi hat das von ihrem Vater geerbt, ganz sicher.

Wegen Yoshi zu spät ins Bett. Andererseits – who cares ob ich um acht oder um neun vorm Rechner sitze? Spoiler: Es wird eh neun, es muss ja noch wer die Kinder wegbringen.

Irgendwie war diese Woche bisher keine gute Absprachenwoche. Vielleicht kriegen wir das ja nächste Woche besser hin, ich hoffe es jedenfalls. Vielleicht bin ich auch erst mal zuständig, damit Herr Rabe in seinen neuen Job reinkommen kann. Wohl von zu Hause aus. Es sind verrückte Zeiten.

Tag 1720 – Das war’s schon?

Es hat geregnet. Zum ersten Mal seit Wochen. In der neuen Regentonne sind jetzt etwa 50 L Wasser. Und dann hat es einfach aufgehört. Schon! Huff, hoffen wir mal, dass das reicht für die Pflanzen und die Landwirtschaft.

Immerhin reichte es um den norwegischen Blitz-Frühling auszulösen. Erfahrungsgemäß sind jetzt maximal 2 Wochen lang Frühling, dann ist alles grün und dann ist kurz alles gelb von Pollen und dann wieder grün. Bis Anfang September, dann wird Herbst.

Seltsam irgendwie, dass auch dieses Jahr das alles läuft wie gehabt. Wie alles: wir werden ganz normal Urlaub nehmen *müssen* zum Beispiel. Vermutlich werden Auslandsreisen halt nicht zugelassen sein, aber jetzt waren wir dieses Jahr schon einmal 5 Wochen mit den Kindern zu Hause, ohne Planschbecken oder die Möglichkeit, im See zu baden, das geht auch noch mal. Und vielleicht, mit Glück, kriegen wir ja noch ne Hütte irgendwo in Norwegen gemietet, damit uns nicht die Decke auf den Kopf fällt.

Heute Nacht hatte ich einen doofen Traum und war deshalb den ganzen Tag in einer seltsamen Stimmung. Ich frage mich, wann das aufhört, wie lange muss die Schulzeit zurückliegen, damit ich nicht mehr von der Schule träume? Oder müssen mehr einschneidende oder prägende Sachen im Leben passieren, damit sich das Unterbewusstsein daran nachts abarbeiten kann und nicht auf die ollen Kamellen zurückgreifen muss? Kann mir wer das erklären?

Völlig verständnislos blicke ich nach NRW. May the odds be ever in your favor.