Tag 2306 – Erholungstag.

Euphemismus für „hab bei der Arbeit nicht viel auf die Reihe bekommen“. War einfach viel letzte Woche und heute wäre frei nehmen vermutlich sinnvoll gewesen.

Michel geht es den Umständen entsprechend gut. Bisher hat er Husten und Kopfschmerzen. Gestern glaubte er, Fieber zu haben, aber zwei verschiedene Thermometer waren anderer Meinung. Er kann seine kleine Schwester und sein Lego mit unverminderter Kraft anschreien, insofern geht es ihm wohl nicht allzu schlecht. Wenn Sie ihn allerdings fragen, ist er mindestens dem Tode nah.

Pippi und ich haben weiterhin nichts und Herr Rabe hat Schrödingers Corona offenbar auch niedergerungen.

Mehr gibt es von heute eigentlich nicht zu erzählen. Die übermäßige Olympia-Berichterstattung in den norwegischen Medien nervt mich kolossal und ich hoffe, es ist bald vorbei. Schlittschuhlaufen können wir (leider) auf dem eigenen Parkplatz, wo sich eine zentimeterdicke Eisschicht gebildet hat, die durch immer wieder antauen, drauf regnen und dann wieder überfrieren wirklich spiegelglatt ist. Gestern habe ich Müll rausgebracht und – mein lieber Scholli. Wenn man wirklich gar keinen Halt mehr hat und aus dem Stand wegen ganz leichter Abschüssigkeit anfängt zu rutschen, ist das nicht mehr lustig. Jedenfalls nicht, wenn man mehr als 6 Jahre alt ist und fürchtet, sich Steißbein oder ähnliches zu brechen. Jetzt schneeregnet es erst mal auf die Eisbahn, mal sehen, was sich dann morgen für ein Bild ergibt.

Tag 2394 – Hurra!

Was sagt es über mich aus, dass ich weiß, dass ein vedtak (Beschluss) nicht varslet (angekündigt) werden muss, wenn er auf ein søknad (Antrag) hin erfolgt? Dass ich norwegisches Verwaltungsrecht zumindest ein bisschen kann. Berufsschaden. Jedenfalls bekam ich heute ein uvarslet vedtak in meiner Digipost, norwegischer geht es halt auch einfach nicht.

Wie ich mal meine Aufenthaltserlaubnis verlor, weil ich sie nicht mehr brauchte.

Ich bin also seit heute, dem 2.2.22, Norwegerin. Zack! Jetzt muss ich noch rausfinden, wo das Passkontor ist und dann kann ich bald einen norwegischen Pass haben.

Einer meiner ersten Wege daraufhin führte mich zur norwegischen Institution Nummer 1: „Polet“. Da sind ja immer nette Leute, die sich an einem Mittwoch Nachmittag sehr langweilen und eine deshalb sehr gerne beraten, und so kaufte ich eine kleine Flasche Cremant. Die teilten Herr Rabe und ich uns heute Abend.

Nur echt mit Fähnchen.

Davor musste ich mir das aber noch auf eine zweite Art verdienen, und ich kann jetzt vermelden, dass sämtliche IT-Projekt-Defects ins System eingetöckelt sind, 25 Stück insgesamt. Weil ich am Ende ein wenig müde, ziemlich aufgeräumt und deshalb etwas albern war, nannte ich den letzten Defect sinngemäß „Lead Inspector – Es kann nur einen geben!“. Nachdem ich noch eine lange Mail mit allen unseren Fragen und Anmerkungen, die keine Defects sind, geschrieben hatte, schmiss ich feierlich meine 3 Seiten Stichpunkte-To-Do dazu weg.

Die Befriedigung, die Seiten aus dem Block reißen zu können, ersetzt kein „Löschen“-Knopf.

Was für ein Tag!

Tag 2388 – Die großen Fragen.

Soll das „Superfylke“ Viken aufgelöst werden? Willkommen in norwegischer Kommunalpolitik, da wird noch jedes Parteimitglied gefragt, wie seine Meinung ist. Viken ist, das muss man vielleicht dazu sagen, noch ganz jung, ein Baby unter den Fylke, grad mal zwei Jahre alt. Es entstand aus der Zusammenlegung von Akershus, Buskerud und Østfold (und zwei Kommunen aus Vestfold). Deshalb ist Viken riesig. Ein Riesenbaby. Wir sind der nördliche Zipfel, dann gehts quasi grade runter bis nach Halden, und im Westen bis ganz nach Geilo und Hemsedal. Oslo liegt zwar mittendrin, ist aber nicht dabei. Knapp 450 km (5 h Autofahrt) von West nach Süd-Ost, 200 km (2 h 45 min) nach Nord-Ost, von da zurück nach Westen 250 km (3,5 h). Kleine Kommunen haben da nicht viel Einfluss Blablabla und deshalb soll jetzt das wieder geteilt werden. Nur kostet sowas ja Geld. Viel Geld. Geld, das man grad erst für die Zusammenlegung der 3 vorherigen Fylke verballert hat.

Darüber müssen wir jetzt abstimmen.

Ich weiß nicht, ob ich echt politische Zustände haben will, bei der jede Entscheidung der vorherigen Regierung sofort um 180 Grad umgekehrt wird, wenn eine neue Regierung an die Macht kommt. Nicht bei sowas, das im Grunde nur Geld verbrennt und ein paar Dorfbürgermeistern das Gefühl gibt, nicht nur ein winziges Rädchen in einem großen Getriebe zu sein, sondern ein minimal größeres Rädchen in einem etwas kleineren Getriebe.

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P.S. Nein, ich weiß nicht viel über Getriebe und es ist durchaus möglich, dass da gar keine Rädchen drin sind.

Tag 2377 – Mehr Luxusprobleme.

Hoffentlich bleibt alles heile. Draußen heult ein ordentlicher Wind, der auch schon ein Kind geweckt hat (immerhin ein höfliches, es sagte „Gute Nacht“ bevor es sich in unser Bett quetschte). Traditionell fallen bei Wind gerne Mülltonnen um, das ist noch zu verschmerzen, aber ich hoffe, es bleiben alle Dachpfannen auf dem Dach und alles, was so auf der Terrasse überwintert, wo es hingehört.

All das sind aber auch schon wieder wettermäßige Luxusprobleme, immerhin ist bei uns kein Orkan (wie an der Küste), der Flughafen ist in Betrieb (anders als in Trondheim) und wir haben Strom (im Gegensatz zu vielen anderen).

Extremwetter, so schön.

So, und bevor ich mir den Wochenendeffekt des ausgeruht seins gleich wieder versaue, mache ich jetzt das Licht aus und die Augen zu.

Tag 2363 – Kalt, kalt, kalt!

First things first: Wir sind gut zu Hause angekommen. An der Fähre bekamen wir erst 2 Schnelltests in die Hand gedrückt, für uns Erwachsene, und es hieß, die Kinder (da nicht geimpft und genesen zählt da scheinbar irgendwie nicht???) müssten sich vor Ort testen lassen. Das vor Ort testen ging mit norwegischer Effizienz vonstatten, will sagen: es dauerte ewig, bis wir mal zu der Teststation vorgerückt waren (dabei waren wir vielleicht so das 15. Auto, das von der Fähre kam). Aber man meckert hier nicht, man drängelt nicht, man wartet einfach. Das mag ich tatsächlich, in Deutschland sind alle immer hektisch und haben’s eilig. Als wir dann endlich dran waren, bekamen wir noch mal 2 Schnelltests in die Hand gedrückt, um die Kinder zu Hause zu testen. Die Einreiseregistrierung wollte überhaupt niemand sehen. Hach ja, Norwegen, man muss es lieben.

Alle Schnelltests waren negativ. Huff.

Zu Hause angekommen war es aber vor allem eins: kalt. Wir hatten die Heizung heruntergedreht, als wir gefahren sind, um so viel Strom wie möglich zu sparen (ich weiß jetzt, dass es ca. 40 kWh am Tag braucht, um unser Haus gegen -12 Grad Außentemperatur auf +10 Grad Innentemperatur zu heizen). Alle Heizungen wurden aufgedreht, im Kamin geheizt und nach nur 2 Stunden konnte man tatsächlich ohne Mütze im Haus rumlaufen. Was man aus den Schränken holt ist aber nach wie vor kalt.

Die zwei Stunden nutzten wir mit viel Bewegung, um alles auszupacken und die Einkäufe zu verräumen. Außerdem musste noch neue Plastikfolie in die Meerschweinbox getackert werden, bevor ich die Damen aus ihrer Pension abholen konnte. Selbiges war dann aber sehr schön, denn ich konnte mein Auto mal wieder fahren, allein, und dabei Musik hören. Auf dem Rückweg mit Schweinegesellschaft, die zufrieden Heu schnurpsend im Hamsterknast Transportkäfig neben mir auf dem Beifahrersitz saßen. Eine Stunde allein sein – Nach 10 Tagen in konstanter Gesellschaft eine Wohltat.

Norwegische Landschaft heute auch eher reizarm.

Morgen geht es schon wieder los. Mit Homeschooling und ohne Arzttermin, weil die Ärztin in Quarantäne ist. Es ist nur morgen Homeschooling, damit alle Kinder morgen 1 (einen) Schnelltest aus der Schule holen und zu Hause machen können. Well. Ich habe einfach gar keine Ansprüche daran, dass irgendein Stoff gemacht wird, dann wird das einen Tag lang schon gehen.

2022: Es kann nur besser werden.

Tag 2349 – Die Robbe.

Die Kinder kamen neulich aus dem Hort und wollten, dass wir auch mal machen, was sie dort gegessen hatten: ein traditionelles, norwegisches Weihnachtsessen namens Ribbe. In Norwegen ist das so: an Heiligabend isst man Ribbe oder Pinnekjøtt, und der Graben zwischen den zwei Gruppen ist tief. Eine kleine Gruppe mit sehr absonderlichem Geschmack isst noch Lutefisk. Niemand mag die Lutefisk-Fraktion, da ist man sich einig, man bekriegt lieber mit aller Kraft die jeweilige Gegenseite des Pinnekjøtt-Ribbe-Konflikts. Darüber kann man Familienfehden vom Zaun brechen, an deren Ende sich Teenager vergiften würden, wären wir noch im 16. Jahrhundert. Im 21. Jahrhundert versuchen dann gerne Frauen um die 40, sowohl ihren eigenen Vater als auch ihren eigenen Ehemann zufrieden zu stellen, indem sie beide Gerichte zubereiten. Wie ungeheuer fortschrittlich wir hier doch sind.

Jedenfalls stellte mich der Wunsch der Kinder vor eine Herausforderung, ich mag nämlich gar nicht so gerne Ribbe. Eigentlich gar nicht. Ribbe ist Rippe vom Schwein, also Knochen, eine recht dünne Schicht ziemlich stark mit Fett durchwachsenem Fleisch, eine dicke Schicht Fett und dann die Schwarte. Die Schwarte wird, wenn sie gut gemacht ist, wie beim Krustenbraten aufgebläht und knusprig. Oft ist sie aber gummiartig und labberig. Das galt es zu vermeiden, also bat ich eine vertrauenswürdige Quelle um ein Rezept und bekam es.

Heute war der Tag der Tage. Gestern hatte ich schon (mit Autokorrekturfail) mit Michel das übertrieben große, kleinste bestellbare Stück Fleisch gewürzt.

Die weitere Vorgehensweise war ähnlich wie beim Krustenbraten, außer, dass man hier noch aus Alufolie einen Keil bastelt, auf dem man das Fleisch dann so drappiert, dass das Fett aus der Kruste ablaufen kann. Es ist halt ein wirklich großes Stück Fleisch, und im Unterschied zu einem Krustenbraten auch nicht (grob) zylindrisch, sondern flach.

Ich schreibe das Rezept hier jetzt nicht hin, weil das Ergebnis zwar gut aussah, aber ich beim nächsten mal definitiv lieber wieder einen stinknormalen Krustenbraten mache.

As good as it can be.

Die Kruste ist richtig toll geworden, aber der Rest ist mir einfach viel zu fettig, selbst wenn man die dicke Fettschicht zwischen Kruste und Fleisch wegschneidet. Ich bin echt nicht zimperlich bei Fett, aber das hätte auch Robbe sein können, das wäre in meiner Vorstellung nicht wesentlich fettiger. (Mein Kollege, besagter mit dem Rezept, sagt, er habe mal Robbenfleisch angeboten bekommen, aber das gehöre zu den wenigen Dingen, die er ohne zu probieren abgelehnt habe, weil er die Farbe eklig fand. Aber das nur am Rande.) Die Kinder mochten es dann auch nicht soooo gerne. Der einzige, der nicht völlig underwhelmed war, war Herr Rabe. Was gut ist, denn wir haben noch 2/3 des Stückes übrig, für die nächsten Tage.

Ich bleibe Team Pinnekjøtt. Die Kinder bleiben Team Dasmagichnicht. Und Heiligabend gibt es wegen Virusvariantentralala und Reisegehampel aller Voraussicht nach Würstchen und Kartoffelsalat.

Tag 2329 – Kurzgeschichten.

In Deutschland, zumindest in manchen Ecken auf Twitter, scheint der Lack weiter im Angebot zu sein. Manchmal schicken mir Leute da was aus Absurdistan (ich lese immer noch nicht aktiv da, genau wegen solcher Leute, wenn ich mich sowas dauerhaft aussetze, ist es nicht mehr lustig sondern macht mich regelrecht fertig), wie zum Beispiel, dass Leute sich nicht gut damit fühlen, ihre Kinder off-Label (doppelt off-label, weil U5 und mit Erwachsenenimpfstoff) auf einem Parkplatz von einer Person impfen zu lassen, die nicht mal ihren Namen nennt. Die Impfperson beteuert, Ärztin zu sein, und ein Account aus dem Internet beteuert das auch. Legit! Dass die Elternperson unter diesen Bedingungen doch lieber nicht mit ihrem Kind an dem Experiment „ist es Comirnaty, Kochsalz oder aufgelöstes Backpulver?“ teilnimmt, finde ich überhaupt nicht verwunderlich, das kam jetzt vielleicht falsch rüber. Nein – Da machen random Menschen aus dem Internet diese Elternperson runter, als würde sie ihr Kind in der Wüste in einer Schlucht voller hungriger Koyoten zurücklassen. Die Kirche im Dorf lassen ist da schon lange nicht mehr.

Kurzes Update zum Stand der Gesundheit: ich möchte am liebsten nur schlafen und meine Nase tut immer noch weh. Heute musste ich in einem Meeting Protokoll schreiben und das war ein ernüchterndes Erlebnis – ich kann mich einfach nicht konzentrieren. Völlig unmöglich: einen Satz zum vorherigen Agendapunkt zuende schreiben und gleichzeitig dem nächsten Agendapunkt zuhören. Haha, nice try. Einzige Beruhigung (Spaß, überhaupt gar nicht beruhigend sondern überaus beängstigend), ist, dass es allein in unserem Kaff allein aus der letzten Woche vermutlich ca. 75 Personen so gehen wird, denn so viele voll geimpfte haben letzte Woche allein hier Covid nachgewiesen bekommen. Dass sich Hausstandsmitglieder von infizierten (meist Kindern) testen lassen müssen, ist ja noch neu, also vermutlich ist die Dunkelziffer immer noch hoch. 75, in unserem Kaff, sind viele. Wir haben halt eine Pandemie. Trotzdem tun alle so, als wäre das alles kein Problem, easy peasy bisschen Corona haben ist doch nicht schlimm, wenn man geimpft ist… doch. Ist es. Ich hatte noch Glück, ich kenne auch Leute, die liegen nach zwei Wochen immer noch im Bett und sind schon froh, dass sie inzwischen wieder selbst das Hörbuch am Handy wechseln können. [This is fine-gif]

Ich hab mir nahtlose, bügellose, verschlusslose BHs gekauft. Homeoffice-BHs. Ich erhoffe mir größtmögliche Bequemlichkeit, beim gleichzeitigen Vermeiden von Haut auf Haut und leichten Entgegenwirken der Schwerkraft. Ich werde berichten. Vom Anprobieren bin ich erst mal sehr angetan, ich glaub das sind so Dinger, die manche Menschen nachts tragen (da hab ich keine Meinung zu, macht man, wie man mag, ne? Es ist mir auch egal, ob Sie überhaupt BHs tragen oder nicht, wirklich).

Für die Weihnachtsferien ist ein Schweinesitter organisiert. Vermutlich rentiert sich das sogar (leider kein Scherz), denn dann können wir eine Woche lang die Heizung runterdrehen. Strompreise sind DAS Gesprächsthema. Jeden Tag neue Rekorde, heute waren wir bei 53 Cent/kWh, das ist… absurd teuer für unsere Verhältnisse. Es wird dann gerne gesagt, wir müssten uns an „europäische“ Strompreise gewöhnen, ich kann mich aber aus Deutschland nicht an 500€-Stromrechnungen (im Monat) erinnern, irgendwie, was aber diesen Winter so das ist, auf das wir uns einstellen müssen (und mehr, wenn es so weitergeht, zahlen wir im Januar/Februar ca. 1000€ für Strom). Winter geht bis einschließlich März, mit Pech muss man bis weit in den Mai rein viel heizen. Lustige Anekdote: im Büro ging heute aus unerfindlichen Gründen kurz das Licht aus, was jemand trocken mit „Tja, Strom ist halt teuer“ kommentierte.

Galgenhumor können wir, auf allen Gebieten.

Tag 2326 – Windmühlen.

Der Schulelternrat hat von der Schulleitung den Auftrag bekommen, zu diskutieren, ob Weihnachtsfeiern mit den Eltern und sonstigen Interessierten stattfinden sollten. Ja, das lesen Sie richtig, die Schulleitung selbst hat offenbar keine Lust, das zu entscheiden. Wir haben das also heute diskutiert und ich bin jetzt sehr müde, weil das hier halt Norwegen ist. Ich hab mir den Mund fusselig geredet bzw. die Finger wund getippt, aber niemanden überzeugt. Ich hoffe, die Leiterin vermittelt wenigstens unseren Dissens weiter, und sagt nicht „Wir finden Weihnachtsfeiern alle supi!“ zur Schulleitung.

Unsere 7-Tages-Inzidenz in unserem Kaff ist derweil bei 550, norwegenweit ist sie bei 350 (das schließt ja immer auch die dünn besiedelten Gebiete mit ein), die Krankenhäuser füllen sich, aber weil die Regierung nicht aus dem Quark kommt mit Regeln, kommen die Kommunen nicht aus dem Quark mit Regeln und damit kommen auch Schulelternräte nicht aus dem Quark mit Regeln. Denn „die Kommune ist auf grünem Niveau“* „die Kinder kriegen es doch eh irgendwann“** und „die Kinder sind doch eh schon den ganzen Tag in Schule und Hort“***.

Ach ja, Boosterdosen für alle ab 45 und Kinder werden erst mal nur geimpft, wenn sie schwere Vorerkrankungen (Krebs, Immunschwäche, Organtransplantationen) haben, „damit diese Kinder ein normales Leben leben können“. Will ich sehen, wie ein beispielsweise organtransplantiertes Kind ein normales Leben lebt, während außer Covid auch noch RS-Virus, Noro, Grippe und (in Pippis Stufe) Windpocken umgeht. Und Krätze.

Was ganz anderes: diese Weihnachtskonzerte, auf die man als Eltern muss, das ist auch sowas wie ein Generationenvertrag, oder? Wir hatten da heute ein recht lorioteskes Erlebnis. Ich glaube nicht, dass meine Schulkonzerte damals so… äh… herausfordernd für die Selbstbeherrschung waren. Ich glaube, lachen kommt nicht gut bei sowas, aber das ist nicht so einfach, wenn jede Instrumentengruppe in einem ganz eigenen Tempo vor sich hintutet, während jemand völlig random ab und zu mit Klanghölzern dazwischenklönkt. Drei Haselnüsse für Aschenbrödel kriegt dadurch ganz interessante Dimensionen, fast wie Jazz, sage ich Ihnen. Ja, ich verstehe ja, dass viele dieser klassischen Kirchen-Weihnachtslieder auch noch in wenig gefälligen Rhythmen und heutzutage komischen Melodieführungen geschrieben sind, mit 6 bis 13 Jahren ist „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ sicher nicht ohne, aber Jingle Bells fällt für mich jetzt nicht unter diese Kategorie. Michel hat das eine Stück, was er mitgespielt hat, aber super gemacht und ist einen Meter gewachsen.

Und ja, ich denke eigentlich gehört auch sowas abgesagt, bei einer Inzidenz von über 500.

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*sollte sie aber vielleicht nicht sein

**ja, aber das muss man doch deshalb nicht unnötig befeuern, und dann auch noch direkt vor Weihnachten, wo man vielleicht ältere Verwandschaft treffen möchte

***ja, aber zusätzliches Risiko kann man doch trotzdem meiden? Man macht doch auch nicht auf der trockenen Wiese Lagerfeuer, bloß weil der Wald daneben eh schon brennt? Außer man will kontrolliert abbrennen, aber das traue ich den Schulelternratsmitgliedern nicht zu, so weit zu denken. Der Politik (Immunitätslücken schließen, bevor die Eltern anfangen, ernsthaft nach Impfungen für ihre Kinder zu verlangen) hingegen schon.

Tag 2320 – Es werde Licht.

Uff, Ende November in Norwegen, es gibt schöneres. Es ist kalt, aber schneit nicht, es ist nass, und vor allem ist es dunkel. Da hilft auch alles künstlich zugeführte Vitamin D nichts. Noch vier Wochen, dann wird es wieder heller.

Strom, immer so ein Thema. Jetzt verrät mir die App, dass bei uns Beleuchtung, was so ziemlich das einzige Thema ist, an dem wir noch, ohne erstmal was zu investieren, Strom sparen können, im Schnitt 3% unseres monatlichen Stromverbrauchs ausmacht. Tja, hmm. Vielleicht kann ich dann aufhören, mich ständig zu ärgern, dass die Kinder immer überall Festbeleuchtung machen und anlassen. Großverbraucher, nicht überraschend: Heizung, Warmwasser, Autos. Alles nichts, bei dem man in der Menge wirklich sparen kann. Kalt duschen kommt nicht in die Tüte, im Kalten sitzen auch nicht, die Autos tanken nun mal Strom. Letztere laden wir bereits nachts, wenn der Strom am billigsten ist. An unserem Stromverbrauch 2019-2021 sieht man aber sehr schön zwei Dinge: wann wir Carona bekommen haben (Verbrauchssprung), wann wir den Durchlauferhitzer bekommen haben (kleine Einsparung) und dass Cardos den Kohl nicht fett macht, im Gegenteil, dadurch dass wir ein bisschen weniger Carona laden müssen, sparen wir Strom. Es ist halt schon auch ein Unterschied ob ein Auto mehr oder weniger Strom pro 100 km verbraucht. Wir haben nahezu die beiden Verbrauchsextreme vor der Haustür stehen, obwohl Cardos ja schon älter ist und modernere E-Autos in seiner Größe sicherlich noch effizienter sind. Jedenfalls, ich schweife ab, was ich eigentlich sagen wollte: wir haben dieses Jahr einen geringeren Verbrauch als letztes Jahr zur gleichen Zeit (war es da kälter?), die Rechnung ist aber doppelt so hoch und mehr. Es ist frustrierend. (Gleichzeitig bin ich froh, dass wir das jeden Monat direkt merken und nicht irgendwann eine Jahresendabrechnung mit einer ganz bösen Überraschung kommt.)

Gesundheitlich geht es eindeutig bergauf. Herr Rabe war auf den Beinen und hat unter anderem Post von der Post geholt und Kleinigkeiten eingekauft, ich war auf den Beinen und habe mich darauf sogar lange genug halten können, um Geige zu spielen. Danach habe ich aus Gründen „how to play chords on violin“ gegoogelt und festgestellt, dass ich das intuitiv richtig mache, nur noch zu langsam bin. Wie immer zu langsam.

Was die Kinder angeht habe ich nur eine Anekdote von Michel zu teilen. Ich glaube nämlich langsam, dass er ohne uns im Grunde besser schläft, als wenn wir ewig neben ihm sitzen bleiben. Weil er, solange wir da sitzen, einen so leichten Schlaf hat, dass er SOFORT, wenn wir irgendwann aufstehen (egal, wann das ist), senkrecht im Bett sitzt und fragt, was wir wollen. Heute sogar ganz eindeutig im Schlaf, denn auf meine Antwort „runter zu Papa, soll ich die Tür auflassen, damit du uns hören kannst?“ kam nur unzusammenhängendes Gestammel zurück, und kaum lag er wieder, schnarchte er. Wenn ich aber irgendwann genervt aufgebe und er allein, mit Musik an, Nachtlicht und offener Tür einschläft (wenn auch unter Protest und manchmal leider auch Heulen und Zähneklappern), schläft er meistens die ersten Stunden wie ein Stein und manchmal sogar im eigenen Bett die ganze Nacht durch. Aber dass diese Erkenntnis von allein kommt, oder irgendeine magische Hirnreife eintritt und mein Baby seinen Schnuller selbst an den Weihnachtsmann schicken will (hoppla, falsches Alter), darauf warten wir bei Michel vielleicht einfach vergebens. Was ok ist, so ist er halt, er braucht da mehr Vorgaben und Regeln als manch ein anderes Kind. Vielleicht führen wir demnächst mal eine neue Regel ein, die in die Richtung geht, dass wir vorlesen, noch x Minuten kuscheln und dann seine Einschlafmusik anmachen und gehen. Ich glaube, das würde uns allen gut tun. Ich glaube aber auch, dass Michel von der Idee nicht begeistert sein wird, weil sich in seinem Kopf schon sehr festgesetzt hat, dass er alleine nicht einschlafen kann.

Tag 2260 – Noch platter.

Sport, also, warum macht man das überhaupt. Au Füße. Au alles.

Ich hoffe wenigstens auf guten Schlaf zur Belohnung.

Ansonsten ist Homeoffice ja auch ganz schön, Homeoffice alleine hat auch was für sich. Das muss alles in die Planung der teilweisen Rückkehr ins Büro mit einfließen.

Michel hatte heute wie jeden Dienstag Korps und fand das zwar nach dem Hort erst eine totale Zumutung, nachdem er was gegessen hatte gar nicht mehr so schlimm und dann war es wie immer gut. Was haben sie gemacht? „Na Musik.“ Ja, ach so. Hinterher meinte er zu mir, ich könne mich doch auch beim Korps anmelden, einem für Erwachsene und mit Geigen. Das gäbe es nämlich. „Meinst du ein Orchester?“ Ja, das meinte er. Aber Korps für Erwachsene mit Geigen find ich auch gut.

(Tatsächlich hab ich da schon öfter drüber nachgedacht, aber ich hab so unregelmäßig Zeit, das macht mich als Ensemblespielerin nun nicht sonderlich attraktiv. Naja, mal gucken.)

Mehr war heute nicht. Doch – ich hab eine Erinnerung bekommen, doch bitte mal wieder zur Gebärmutterhalskrebsvorsorge zu gehen. Sind schon wieder drei Jahre rum, na sowas. Mache ich natürlich, man muss hier in Norwegen jede Vorsorge mitnehmen, die man kriegen kann.