Tag 673 – Baustellen-Update.

Die Bauarbeiten sind im Prinzip jetzt fertig. Im Prinzip, weil gewisse Dinge eben nur zu 60-80% fertig sind, oder einfach total falsch gemacht wurden. Unsere Vermieter sind auch schon auf 180 und weigern sich momentan, Bob den Baumeister zu bezahlen, weil der so viel Murks gemacht hat. 

Beispiele gefällig?

  • Die Tür zum vorderen Flur ist nach wie vor zu kurz und knarrt auch immer noch. Außerdem fehlen an der Innenseite (also der Wohnungsseite) noch Leisten. Die Leisten an der Außenseite passen nicht und sind stümperhaft zusammengestückelt worden. Außerdem wurde auf der Außenseite der komplette Rahmen lackiert, ohne den vorher anzuschleifen. Einfach drübergejaucht. Ergebnis: Rumgesaut, Nasen und sehr dicke Lackschichten, die sicherlich eher früher als später abplatzen werden.
  • Im hinteren Flur fehlt auch nach wie vor ein Regal, was das Regal von vorher ersetzt. Das ist aber Vermietersache. Trotzdem leben wir seit April mit überall in der Wohnung verteilten Schuhen, weil wir die im Flur nirgends mehr lassen können außer auf dem Boden.
  • Die Leisten an der hinteren Tür (im Bad) wurden nicht lackiert. Unbehandeltes Holz in einem Feuchtraum. Mal sehen, wie lange das gut geht.
  • Im Abstellkämmerlein fehlt Fußboden, da liegt nur Pappe. Außerdem haben die da ja eine Wand versetzt. Das heißt, da liegt jetzt ein Streifen Mauerwerk frei. Und jedes Mal, wenn man die Tür öffnet oder schließt, rieselt es fröhlich aus diesem Mauerwerk. (Angeblich soll das irgendwann noch verputzt werden. Vielleicht sollen wir das machen. Man weiß es nicht und ich sehe es auch eigentlich nicht ein.)
  • Ebenfalls im Abstellkämmerlein: das Rohr des Wassertanks ist rundherum nicht mit dem Mauerwerk abgedichtet. Ich dachte, es geht bei diesen Umbaumaßnahmen explizit darum, isolierte Brandkammern zu schaffen, ohne offene Stellen zur nächsten Kammer. Deshalb wurde ja auch
  • Im Wohnzimmer das eine Licht abgeklemmt. Ist auch immer noch so. Gut, jetzt ist Sommer, aber bis zum WInter hätte ich da schon gerne wieder was.
  • In der Dachbodenkammer wurde auch eine neue Tür eingesetzt: die knarrt auch und schließt nur widerwillig. Außerdem fehlt da auch noch eine Leiste auf dem Fußboden.
  • Die Krönung: Heute „durfte“ ich feststellen, dass der neu installierte Feuermelder, der (sofern er nicht abgeschaltet wird) auch direkt nach fünf Minuten in allen Wohnungen losschrillt und die Feuerwehr alarmiert*, mit dem Feuermelder der Dachgeschosswohnung verbunden ist. Unsere Nachbarin oben briet nämlich, während die Kinder duschten, wohl irgendwas etwas scharf an und plötzlich heulte hier die Sirene los. Die Kinder so O-O, ich so „Ahhhh“, die Nachbarin so *schlurfschlurf, ausschalt*. Und das Gleiche passierte dann nochmal, während ich versuchte, Pippi zum Schlafen zu bringen. Außerordentlich grandioses timing. Und natürlich ist es nicht nur ärgerlich, wenn der Rauchmelder uns aus dem Bett wirft, wenn die Nachbarin beim Kiffen zu nah am Rauchmelder steht, es wäre auch mehr als ärgerlich, wenn mal bei uns Alarm wäre und sie stellt den aus, weil es sie nervt, dass es heult. 

Tja. So sieht es aus. Blöd sieht es aus.

Brandschutzeffekt mit Pappe über der Tür: fraglich.


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*Und wegen dem unsere Hausratsversicherung jetzt einen Tucken billiger werden müsste.

Tag 672 – Ein bisschen mimimi. 

So viel zu lesen. 

So viel* zu schreiben. 

So wenig Zeit. 

Abwechselnd der Gedanke „jaja, das geht, irgendwie“ und dann „niemals wird das klappen“ inklusive Haareraufen. 

Vermutlich sollte ich viel zu Fuß gehen, aber ich habe doch keine Zeit! Anderthalb Stunden täglich vertrödeln**, das geht doch nicht!

Morgen ist der Mann nachmittags und Abends nicht da. Mir graut schon davor. Ich hab keine Geduld mit den und für die Kinder grad. 

Übermorgen ist der Workshop, inklusive zwischendurch losrasen, Pippi holen und dann noch eine Runde Vorträge*** anhören. Während derer sie hoffentlich still da sitzt. Obwohl ich ja auch den Veranstalter*Innen wirklich gerne unter die Nase reiben will, dass das mistig geplant ist, erst um 11 anzufangen und dann bis 18 Uhr durchzukloppen. Und dann Abendessen von acht bis zehn, danach Skybar und Zeug und am nächsten morgen um halb neun geht’s weiter. Ey, das halte ich doch selbst ohne Jetlag nicht durch!

Genug Mimimi. Nützt ja alles nix. Die gefühlt tausend Reviews lesen sich auch nicht von allein. 

*Ist gar nicht so viel. Echt nicht. 25 Seiten, das ist NIX. Memme, ich. 

**Jajaja, mir ist schon klar, dass das gut investierte Zeit ist, wenn ich dafür den Rest der Zeit fokussierter arbeiten kann. Und es wäre auch voll gut für alles, wenn ich nicht morgens schon am Verkehr teilnehmen müsste, weil ich mich im Moment wirklich am laufenden Band über ausnahmslos alle anderen Menschen, die wie auch immer auf der Straße unterwegs sind, aufrege. Aber! Ach…

***Arne Klungland kommt. Fangirl-Alarm. Und auch „der käme in Frage als Opponent“-Alarm. Hosepinkel-Alarm. 

Tag 671 – #12von12 im Juni ’17

Es ist der 12. des Monats, wie ich schon um elf oder so bemerkte. Das heißt, wer mag, macht 12 Fotos von seinem Tag und verlinkt sie beim Kännchen-Blog

Heute etwas arbeitslastig, ich entschuldige mich schon mal dafür, aber so ist es nun mal eben. Noch vier Wochen, dann ist Urlaub. Jetzt ist schreiben. 

Der Tag ging denkbar bescheiden los, mit einem Vortrag nach dem ich mir unsäglich dumm vorkam. Auf Twitter wurde ich daraufhin dazu aufgefordert, einen Schreibehashtag einzuführen, der auch mein Impostor-Syndrom gut unterstreicht. Spoiler: am Ende des (Arbeits-)Tages habe ich einen. 

Menschen, die auf Inhaltsverzeichnisse starren. Mensch nicht abgebildet. #1von12 von #12von12 #PhDFreuden #mimimi #ichkanndasnicht #hashtagvorschlägewerdengerneangenommen


Tja. Mit Labor war ich ja dann am Freitag doch nicht mehr ganz fertig geworden. 

Noch 178.713 Proben trocknen. #2von12 von #12von12


Korridorromantik an Mittagessenbox. #3von12 von #12von12


Nach dem Essen hat mein Chef endlich Zeit. Hier das Ergebnis. (Schön, ne, wie meine durch und durch positive Art auch da dazu führt, lieber modification als damage zu verwenden.)

Ich war beim Chef. Es hat jetzt einen Titel (oben links). #4von12 von #12von12


Das feile ich dann noch mehr aus, strukturiere grob und, ähh, denke viel. Zwischendurch räume ich prokrastinatorisch meinen Schreibtisch auf. Und mir fällt auch ein Hashtag ein. 

So. Das war so ca. was ich heute schaffen wollte. #5von12 von #12von12 #ImpostDoc #Feierabend


Um zwei Minuten vor Briefkastenleerung bin ich bei der Post um endlich den Wahlregisterantrag und den Versicherungsbrief zu verschicken. 

Noch schnell zur Post. #6von12 von #12von12 #btw2017


#Nachhausewegselfie aus dem Trøndersommer #7von12 von #12von12 Diese große Straße direkt vor unserer Haustür wird Ende des Monats testweise für Durchgangsverkehr gesperrt. Dann muss auch keiner mehr auf dem Bürgersteig Fahrrad fahren.


Zu Hause liegt ein Zettel im Briefkasten, dass wir ein Paket abholen sollen. Ich gehe also nochmal zu (einer anderen) Post. 

… und Post Nummer 2. Die Kinder erwartet ein Paket von der Tante. #8von12 von #12von12


Das Paket enthält Geschenke für Pippis 2. Geburtstag, das lassen wir also schnell verschwinden. Herr Rabe kommt mit Pippi nach Hause, Michel ist mal wieder mit zu seinem Kumpel gegangen. Herr Rabe düst direkt wieder los zum Friseur, Ich koche, Pippi macht… scheiß. Unter anderem isst sie das erste Kaugummi ihres Lebens, weil ich ihr die Packung nicht schnell genug wieder entreißen kann. Und Herr Rabes Manschettenknöpfe muss ich auch unter der Bank wieder hervorholen, wo sie irgendwie gelandet waren. Dafür werde ich dann auch noch vorwurfsvoll angesehen. 

Die Manschettenknöpfe vom @fr4be sind sehr traurig. #9von12 von #12von12 😭 #Pareidolie #pareidolia


Herr Rabe ist wieder da und wir essen. Es gibt Tomatensuppe. Pippi kürt mich zur besten Mama der Welt. 

Die dritte Portion Tomatensuppe kann man auch gut als Haargel verwenden. #10von12 von #12von12


Tjanun. Während ich Pippi umziehe und reinige holt Herr Rabe Michel ab. Dann bringe ich erst eine Dreiviertel Stunde lang Pippi und weitere 15 Minuten Michel ins Bett. Herr Rabe fährt zum Sport. Ich suche auf meinem Computer meine Masterarbeit und finde sie nicht, was logisch ist, weil ich damals den Computer noch nicht hatte. Aber die externe Festplatte aus Masterarbeitszeiten, die habe ich noch. Irgendwo. Ich suche ca. 10 Minuten nach der Festplatte, dann 2 nach dem Stromkabel der Festplatte und dann 5 Minuten auf der Festplatte nach den richtigen Dateien. Und dann – Heureka – kopiere ich alles nach ShareLaTeX und jetzt ist es in der Wolke und kann nicht mehr verloren gehen. (Und ich kann von überall dran arbeiten und überhaupt. Ich liebe ShareLaTeX.)

Auf uralter externer Festplatte tatsächlich meine Masterarbeit gefunden. Hurra! #11von12 von #12von12 #LaTeX #shareLaTeXlove #ImpostDoc (Warum Hurra? Weil mir das eine Menge Formatierungsarbeit erspart. Und eine Möglichkeit der Prokrastination eliminiert.)


Ich ändere dann nur noch grad den Zeilenabstand, freue mich an meinem hübschen Layout und der schönen Schrift und überhaupt waren das damals wohl investierte Prokrastinationsanfälle, in denen ich mir das alles hübsch machte. (Und dann denke ich kurz an einen Freund von uns, der sehr interessiert an Calligraphie ist und der für seinen PhD-Thesis-Font knapp 1000 US- $ ausgab. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Und dann ist es auch schon Zeit fürs Bett. 

ZähneputzenabinsBett. #12von12 von #12von12

Nein, ich putze meine Zähne normalerweise nicht in der Küche, aber Herr Rabe duscht gerade und in unserem Bad gibt es keinen Foto-Winkel, aus dem man ihn nicht selbst oder im Spiegel sieht. 

Und jetzt werde ich mich mal fix selbst Einschlafbegleiten. Das kann ich ja so langsam. 

Tag 670 – Sie wollte das Kinderfestival verbloggen, doch was dann geschah, konnte keiner glauben!

Wir waren dieses Jahr wieder auf dem Juba Juba Kinderfestival. Es war wieder sehr schön. Aber ausführlich berichten kann ich jetzt nicht mehr, nach sechs Stunden draußen und teils in der prallen Sonne brutzelnd bin ich nämlich so müde, dass ich während Michel malte fast und während ich Michel ins Bett brachte ganz einpennte. 

Hoffentlich hilfts was, wenn ich jetzt einfach schlafe. Mich gruselt es ein wenig vor morgen. Eigentlich doll. Um genau zu sein, möchte ich schreiend im Kreis laufen, aber ich bin zu müde. Was ja auch irgendwie ein gutes Zeichen ist. Bestimmt. 

Tag 669 – Alter Hut. 

Herr Rabe und ich gucken jetzt Star Wars (Michel sagt immer mit norwegischem Diphtong Star Worsch und es ist SO NIEDLICH!) und deshalb kann ich jetzt grad nicht mehr schreiben. 

Aus Gründen holte ich jedoch heute an anderer Stelle diesen Artikel wieder hervor, las ihn und war, ähh, beeindruckt ob meiner eigenen, ehemaligen Besonnenheit. Also den kann man ruhig nochmal lesen, der ist auch noch aus der Zeit, in der so 30 Leute meinen Blog lasen, also viele von ihnen kennen den vermutlich noch gar nicht. 

Tag 668 – Freitag Abend.

Die Sonne scheint. 

Bei der Arbeit kurz vorm Durchdrehen gewesen. Am Ende keinen Nerv mehr gehabt, noch zwei bis drei Stunden auf das vollständige Trocknen der Proben zu warten, alles eingefroren, Montag muss ich also doch noch die letzten drei Prozent im Labor machen, aber: die Sonne scheint.

Auf dem Nachhauseweg überall Jogger*Innen, Fahrrad fahren nervt total, alle irre, aber: die Sonne scheint.

Beim Laden mit den schönen Kinderklamotten ist Sale, es ist aber auch wirklich nur das runtergesetzt, was keiner jemals für den vollen Preis kaufen würde, aber: die Sonne scheint.

 Grillzeug gekauft, horrende Preise werden hier ja für Fleisch generell aufgerufen, wenns dann auch noch Bio sein soll, wirds vollends absurd, aber: die Sonne scheint und das heißt, man kann grillen. Das ist hier ja jetzt wirklich nicht andauernd so.

Mit den Kindern im Garten gegrillt. Michel laberte den (kinderlosen) Nachbarn von ganz unten wirklich mehrere Schnitzel an die Backe, die waren aber total cool dabei und lachten nur ein bisschen in sich hinein, als Michel dann auch noch seine Stocksammlung anschleppte und wirklich jeden einzelnen Stock vorzeigte und beschrieb, was an dem jetzt besonders sei. Manchmal ist der so niedlich, da möchte ich den fressen. Und die Sonne schien dabei, seine Löckchen lockten sich, Pippi lief durch den Garten und war Dreckspatzkönigin und alles war ganz wunderbar.

Jetzt sitze ich auf dem Sofa, mit Rotwein und Netflix* und Nagellackentferner und meine Füße stecken im Fußbad, weil sie dank Babyfüßen sich gerade wie verrückt pellen und dabei leider auch jucken. Aber: die Sonne scheint. Tatsächlich immer noch.

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*auf dem iPad, Herr Rabe spielt sein Ballerspiel hoch komplexes Assassination-Strategiespiel auf der Playstation, an der der Fernseher hängt.

Tag 667 – Liegengebliebenes. 

Während ich bei der Arbeit in unschönen Hauruck-Aktionen* die zwei Versuche zu Ende bringe und versuche, zweimal die Woche zum Sport** zu kommen, bleibt alles andere irgendwie liegen. Und ich hasse es. 

  • Brief an die Versicherung zurückschicken, bei der ich die Riester-Rente*** habe. Weil ich ja schon seit, ohhhh, 2014 gar nicht mehr unmittelbar zulagenberechtigt bin. Brief liegt seit zwei Wochen fertig auf meinem Schreibtisch. 
  • Mich als Auslandsdeutsche registrieren lassen, um mich dann ins Wahlverzeichnis  für die Bundestagswahl eintragen zu lassen. Gnäh. Auch längst überfällig. 
  • Meine Kreditkartendaten bei Apple wegen abgelaufener Karte aktualisieren. Apple droht schon damit, meinen iCloud-Speicher auf das  winzige default-Datenvolumen zurückzusetzen. 
  • Meine gmail-Accountdaten in Mail aktualisieren, damit es endlich aufhört, über die ungültigen Verbindungsdaten zu nörgeln.
  • Kindergartenbeitrag überweisen!!1Elf!
  • Aus Gründen: eine email zwei emails schreiben. 
  • Ebenfalls aus Gründen: ein Päckchen schicken. 
  • Den Frankfurt-Urlaub etwas mehr planen. 
  • Auf Blogs kommentieren. 
  • Mir diverse Musik von Herrn Rabe ziehen, aber dafür muss ich ja meinen Computer anmachen und da war ja was…
  • … mir irgendwas zu der Batterie-Problematik des Computers überlegen. 

Bestimmt müsste mir eigentlich noch mehr einfallen, aber meistens denke ich gar nicht dran, bis mir dann irgendwas in die Hände fällt und ich denke: ach ja. Da war ja noch was. 

    * zum Beispiel hab ich heute nur eine Probe von je drei Replikaten gemessen, bevor ich daraus mRNA isoliert habe. Wird schon passen. 

    ** weiterhin faszinierend. Und mein Ehrgeiz ist ja sehr simpel gestrickt: wenn ich gegen wen gewinnen kann, reicht das als Ansporn. Heute: ca. Fünfhundert Wiederholungen einer Bauchmuskelübung gemacht, aber immer schön weitergelächelt, damit der Schauf- und Fluch-Mann neben mir nichts mitbekommt. 

    ***yes, so spießig sind wir. Ist aber jetzt zurückgestuft auf 10€/Monat, wegen eben der mangelnden Zulageberechtigung. 

    Tag 666 – Heute ist das Ende aller Tage!

    Eigentlich war ich grade drauf und dran Ihnen zu gestehen, dass ich grad einen kleinen Bloghänger habe, aber in Verbindung mit dem Titel könnte das zu der irrigen Annahme führen, dass ich gar nicht mehr bloggen mag. Dem ist nämlich selbstverständlich nicht so! Ich habe nur im Moment das Gefühl, nichts Spannendes zu erzählen zu haben. Heute so: Arbeit (Todbringende Langeweile, DNA und RNA aus 68 Proben isoliert, aka. Gerenne zwischen 2 Zentrifugen, elendiges Gefummel mit den Spin-Columns, die ganze Zeit den Geruch vom Mercaptoethanol in der Nase, sechs. Stunden. Lang.), Sonnenschein, schröckliche Blasen an meinen Füßen. Dreckige und glückliche Kinder, die im Moment täglich mit allerlei wilden Storys aus dem Kindergarten kommen („Mama? Die haben alle ihre Scheiden* gezeigt. Das wollte ich nicht sehen. Da bin ich weggegangen.“). Ein Eis in der Pause und immernoch Lammkeulenreste, aber so Lammkeule (generell fast alles. Auf jeden Fall alles an Fleisch. Kalter Braten ist das geilste. Ich esse aber wirklich fast alles auch kalt gerne) kann man ja auch super einfach so kalt essen und gebraten im Kühlschrank hält die sich auch ne Weile. 

    Aber jetzt schwafle ich ja auch nur rum und da sind wir wieder beim Ausgangspunkt: nix zu erzählen. 

    Dabei hätte man den Titel super ausschlachten können. 

    Passender Weise lese ich gerade** dieses Buch:


    Tom Egeland ist der Dan Brown Norwegens, die Bücher sind alle so „biblische Archäologen-Krimis“, spannend, ja, aber jetzt nichts, wo ich sagen würde, absolut jede*r muss das gelesen haben. Da gäb’s eh nur ein Buch von dem ich das sagen würde und das ist *trommelwirbel*: ‚Im Westen nichts Neues‘ von Erich Maria Remarque.  Jedenfalls geht’s in Lucifers Evangelium nicht direkt um ein von Lucifer geschriebenes Evangelium, sondern um eine lang verschollene, Alttestamentarische Apokryphe über den gefallenen Engel Lucifer und natürlich gehen Leute über Leichen, um dieses Dokument in die Finger zu kriegen und vor allem die unfassbare Bedrohung für das Christentum, wenn bekannt würde, dass… auszuräumen. Wie gesagt, ein okayes Buch. Kurzweilig, aber nicht so spannend, dass es mich vom Schlafen abhält. Grade also genau das Richtige. 

    Und mit Tageszahlaktuellem Bezug, was will man mehr?

    *Auf Norwegisch gibt’s nur ein Kinder-Wort für Geschlechtsteile: Tiss. Übersetzt wäre das sowas wie ein Piller-Teil. An dem Vorfall waren aber diesmal nur Mädchen beteiligt. Das letzte Mal warens nur Jungs. Die kleinen Kinder (also Pippi und Konsorten) zeigen sich gerne gegenseitig ihre Bäuche, das wiederum stelle ich mir ja sehr niedlich vor.

    **auch schon ne Weile. Momentan schaffe ich selten mehr als vier, fünf Seiten am Abend, bevor mir die Augen zufallen. 

    Tag 665 – Der Plan.

    Diese Woche mache ich die Experimente fertig.

    Nächste Woche sichte ich noch mal die Artikel und schaue mir andere Doktorarbeiten an. Donnerstag und Freitag ist dann „Genome Dynamics Workshop“. Genome dynamics könnte man auch als Oberthema nehmen, um die zwei völlig unterschiedlichen Themen in eine Arbeit zu pressen  einer Arbeit zusammenzufassen. Außerdem: grobe Struktur anlegen und ein LaTeX-Dokument mit den richtigen Seitenmaßen anlegen (wegen der komischen Unidruckerei, das Format ist kein DIN, sondern „B5“.)

    Die drei Wochen danach: 4-5 Seiten am Tag schreiben. Das wird viel, das weiß ich. Es wird aber auch machbar, das weiß ich auch. Been there, done that, meine Masterarbeit von 115 Seiten (ok, da waren ca. 15 Seiten Verzeichnisse bei) schrieb ich in vier Wochen. 

    Und Sie alle dürfen dann live mitverfolgen, wie ich vermutlich täglich mehrmals schreiend im Kreis laufe, ist das nicht schön? Das ist superschön. Jetzt muss ich aber vorschlafen gehen, vor mir liegen gelinde gesagt anstrengende Wochen.

    Tag 664 – WmDedgPfMo ’17

    Heute ist nicht nur Pfingstmontag, sondern auch der allerletzte Feiertag vor Weihnachten in Norwegen! Und es ist der 5. und deshalb fragt Frau Brüllen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

    Tja. Ehrlich gesagt frage ich mich am Ende dieses Tages, ob es sowas wie PMS auch um den Eisprung rum gibt. Denn heute morgen gings mir noch richtig schlecht, jetzt nicht mehr. Komische Sache, aber lesen Sie selbst:

    Ich wurde um 03:43 vom Spruch „Papaaaaa, ich hab mir ausepullert!“ Geweckt. Das ist putzigstes Nortsch a la Michel. Es folgte eine wache halbe Stunde.

    Dann werde ich wieder geweckt, um 07:28. Eigentlich eine okaye Zeit für Familien mit Kleinkindern,  das weiß ich. Ich fühle mich trotzdem wie vom Laster überrollt. Und merke, dass ich in einer Pfütze liege. Die nächste viertel Stunde zähle ich nicht so grad zu den Sternstunden meiner Elternschaft, ich ranze Michel ziemlich grob an, schmeiße ihn (verbal) aus dem Bett, reiße schimpfend Bettlaken und Matratzenschoner vom Bett, stopfe alles in die Waschmaschine und schimpfe derweil wirklich grob mit Michel, weil ich so so sooooooo gerne noch eine Stunde geschlafen hätte, aber alle Betten, die in Frage kommen könnten, nass sind. Michel verzieht sich irgendwann lieber ins Wohnzimmer und spielt vor sich hin, ich schmolle auf dem nackten Bett und friere (die Bettdecke ist auch nass) und hasse alles und die Welt. Ich rolle mich zusammen und wäre am liebsten an Ort und Stelle wieder eingeschlafen, aber dazu bin ich zu, ja was eigentlich, kraftlos. Und mir ist auch zu kalt, aber ins Wohnzimmer zu gehen und mir eine Decke zu holen übersteigt wirklich alle meine Kräfte. Irgendwann kommt Michel und wir vertragen uns wieder. Ich heule mich via Telefon bei einer Freundin aus und irgendwann habe ich genug Kraft zusammengekratzt um aufzustehen. So nach… ner Stunde.

    Ich stehe also auf und fange an, das Frühstück zu machen. Friere Brot ein und Brötchen. Mir fällt ein, dass wir ja Lammkeule machen wollten und ich nehme sie aus dem Gefrierfach und lege sie ins Bad, da ist es am wärmsten. Ich tue alles sehr mechanisch und freudlos, aber immerhin hab ichs gemacht. Herr Rabe und Pippi stehen auch auf und machen Kaffee. Dann Frühstück. Emotionslos. M. Geschrieben, dass wir jetzt wach sind (keine Lüge) und sie H. Gerne vorbeibringen kann (Lüge). H. wird gebracht und die Kinder nehmen direkt das Wohnzimmer auseinander. Ich stopfe den Matratzenschoner in den Trockner und die Bettdecke in die Waschmaschine. Derweil heule ich mich bei Herrn Rabe aus. Warum pullert Michel ins Bett? Er knirscht auch mit den Zähnen! Bestimmt ist er gestresst! Aus meiner Sicht gibt es dafür zwei mögliche Erklärungen: entweder ich übertrage meine Stress auf ihn, oder ich übertrage nur den angenommenen Stress auf ihn, sehe also Stress bei ihm, wo keiner ist. Diese Ansicht vertritt Herr Rabe und sagt: Michel schläft manchmal wie ein Stein, der wird einfach nicht wach, wenn er muss. Ich weiß es doch auch nicht. Wir schmieden jedenfalls einen groben Plan: da mich die Ungewissheit, was ab 19.08. passiert, offenbar an den Rande des Wahnsinns und darüber hinaus treibt, gehen wir einfach spaßeshalber davon aus, dass dann alles vorbei ist. Ich werde bis zum Juliurlaub versuchen, die ca. 60 Seiten Einleitung meiner Thesis zu schreiben. Ich werde die angefangenen Experimente noch fertig machen und dann keine neuen mehr, bis Geld „auf dem Tisch“ liegt. Und das werde ich morgen meinem Chef sagen. 

    Danach gehe ich duschen, kombiniert mit Rasur und Babyfuß-vorbereitendem Fußbad. Ich bin zwar danach kein neuer Mensch, aber immerhin fühle ich mich schon nicht mehr ganz so wertlos. Ich stecke meine Füße in Babyfuß-Tüten. Michel und H. Kommen an, mit Erdbeerresten zwischen den Zähnen und behaupten, sie hätten nichts gemacht. Pippi kommt angelaufen, wie eine Erdbeere riechend und kräht freudestrahlend und schmatzend „Piiiist!“ (eigentlich „spist“ = gegessen). Wir lachen alle, haben sich die Rübennasen doch echt unbemerkt ne komplette Packung Erdbeeren reingezogen. 

    M. Kommt zurück und wir wollen raus. Alles dauert ewig. Am Ende nimmt M. Schon mal H. Und Michel mit und wir packen unseren Kram zusammen. Mittendrin schläft Pippi ein. Herr Rabe legt sie ins Bett. Ich sehe sie an und brauche all meine Willenskraft, um mich nicht einfach danebenzulegen und nie mehr aufzustehen. Herr Rabe sagt, ich solle mit rauskommen, das täte mir sicher gut. Widerstrebend leiste ich dem Folge. Quasi auf dem Weg hole ich den Matratzenschoner aus dem Trockner, stecke die Bettdecke hinein und wasche den Bettbezug. Drei Maschinen Wäsche. Vier, wenn man die nächtliche mitrechnet. 

    Im Flur ärgere ich mich sehr über die Holzspäne, die überall auf dem Kinderwagen liegen, weil die blöden Handwerker der blöden Nachbarin die Platten für deren blöden Fußboden da im Flur gesägt haben, ohne vorher irgendwas beiseite zu räumen.

    Pippi wird wach, als wir sie ins Auto setzen. Im Endeffekt hat sie vielleicht 20 Minuten geschlafen. Wir fahren zur Ringvebukta. Es gibt kaum noch Parkplätze, so überlaufen ist es da. Gefühlt alle Familien mit Kindern sind da. Ich will nach Hause. Stattdessen schmeiße ich mit Pippi Steine ins Wasser. Nach zwei Kaffee aus der Thermoskanne fühle ich mich halbwegs imstande mit M. Zu sprechen. Wir lästern total unfein ein bisschen über ein paar andere Kindergarteneltern und deren Kinder. Das tut ein bisschen gut. Langsam fühle ich mich menschlich und nicht mehr wie ein unfähiger Haufen Rotz.

    Auf dem Rückweg zum Auto bekommt H. Einen Trotz- und Wutanfall, der die Trotz- und Wutanfälle meiner eigenen Kinder für mich wieder in Perspektive setzt. Das ist bestimmt fies, das zu sagen, aber: Ich bin so froh, dass auch andere Kinder so sind (und schlimmer, manchmal), wie meine. Es sind Kinder. Die sind so. Selbst die, deren Eltern gefühlt viel bessere sind als ich.

    Wir fahren nach Hause. Ich bin immer noch müde, aber nicht mehr so, dass ich mich einfach auf den Fußboden legen möchte. Stattdessen mache ich Waffelteig. Den von Kleine Fluchten (*wink*). Dazu gibt es Kaffee und einen leichten Knoblauchduft, weil ich nebenher die Marinade für die Lammkeule fertig mache. Herr Rabe schnippelt ein bisschen am Fleisch herum und wir schieben die Keule in den Ofen. Die Kinder gucken Sendung mit dem Elefanten und ich lackiere mir die Fingernägel. Dreifarbig. In apfelgrün (schön), orange (schön) und gelb, das nicht deckt und deshalb nicht so wirklich schön wird. Pippi schläft fast vor dem Fernseher ein und Herr Rabe versucht, sie ins Bett zu bringen. Michel ist sauer, weil er mit seinem Papa spielen wollte. Als Ablenkung lackiere ich ihm auch die Fingernägel. Herr Rabe kommt mit der schreienden Pippi wieder aus dem Kinderzimmer. Sie wolle von mir ins Bett gebracht werden. Hektisch schmiere ich Überlack auf die Nägel der rechten Hand und dirigiere dann Pippi zurück ins Bett, ohne irgendwas anzufassen. Es klappt einigermaßen und ich schaffe es sogar, sie unfallfrei zuzudecken. Wir gucken die Gute-Nacht-App an, danach erzählt sie mir noch was und dann schläft sie relativ fix ein. Ich denke über den Tag nach und habe Mühe, mein eigenes Verhalten vom Morgen nachzuvollziehen. 

    Nachdem Pippi schläft, beziehe ich die Betten. Dann lege ich mir und den Kindern Anziehsachen raus. Ich packe meine Sportsachen und die Schwimmtasche für den Schwimmkurs von Michel. Und wundere mich selbst ein wenig über meine Energie.

    Es gibt essen. Lammkeule und Bohnen, wegen der späten Waffelmahlzeit verzichten wir auf die Kartoffeln. Für die Erwachsenen gibts außerdem jeweils ein Becks. Michel ist sehr müde und es ist etwas anstrengend mit ihm. Er will auch wieder keine Nachtwindel anziehen. Ich schnaube nur innerlich, als Herr Rabe ihm das genehmigt.

    Herr Rabe bringt Michel ins Bett, ich packe Papiermüll und Glasmüll zusammen. Die Sonne scheint. Herr Rabe kommt aus dem Kinderzimmer und ich mache mich auf den Weg, den Müll wegzubringen und Geld für die Putzhilfe zu holen.

    Im Flur ärgere ich mich sehr über die Holzspäne, die überall auf meinem Fahrrad und in meinem Helm liegen, weil die blöden Handwerker der blöden Nachbarin die Platten für deren blöden Fußboden da im Flur gesägt haben, ohne vorher irgendwas beiseite zu räumen.

    Ich bringe den Papiermüll und den Glasmüll zur Entsorgungsstation. Fahre zur Tankstelle und hole Geld. Kaufe Eis um kleinere Scheine herauszubekommen. Bekomme einen niegelnagelneuen 200-Kronen-Schein und frage mich, was das wohl für ein Fisch da drauf ist, bestimmt ein Dorsch, denke ich, die Norweger sind so, die drucken ihren Dorsch auch auf Geldscheine. 

    Als ich über die Ampel fahre, fällt mein Fahrradschloss aus der Halterung. Die scheint nicht mehr zu halten. Damit hat sich wenigstens auch geklärt, wie ich mein altes Schloss verlieren konnte. Ich sinniere darüber, wieso es mir morgens (und gestern und vorgestern) noch so kacke ging und jetzt ist alles wie weggeblasen? Ich schiebe es auf Hormone, was besseres fällt mir einfach nicht ein.


    Zu Hause esse ich Eis und lese über den Geldschein nach. Es tun sich ungeahnte Welten des Designwahnsinns auf: hinten auf den neuen Geldscheinen sind Balken. Diese symbolisieren in ihrer Länge die Skala der Windstärken, mit zunehmendem Geldwert werden die Balken länger. Das Oberthema der neuen Scheine ist „das Meer“. Der 200er trägt den Titel „Das Meer, das uns Nahrung gibt.“ Drauf ist tatsächlich ein Dorsch und ein paar Heringe, denn „dies sind die Fische, um die sich die meisten Mythen ranken“. Jaja, mystische Heringe hier. Außerdem ist drauf: ein Fischernetz und ein Fischerboot, hinten, also angeblich ist da eins, ich sehe es nicht. Der Papageientaucher (der Vogel) ist auf jedem neuem Schein als Wasserzeichen, und auch die Ankerkette ist auf jedem Schein. Ich habe Spaß. Und dann schreibe ich anderthalb Stunden lang den Tag auf. Das wird mir morgen früh möglicherweise leid tun.