Tag 1238 – Hallo, ich bin die Neue.

Meinen ersten Tag als Inspektør soweit ganz gut überstanden. Ich war pünktlich da, aber zu verwirrt, um mich anzumelden, aber da war auch noch eine andere, und die war auch nicht angemeldet, ha. Und die durfte trotzdem rein, pfft. Ich jedenfalls nicht, aber ich wurde auch ohne Voranmeldung von meiner neuen Teamleiterin E. abgeholt, musste mich dann eben noch über das fancy Bildschirm-Dingsi eintragen und mir einen Aufkleber ausdrucken lassen. Dann gingen wir rein und WHOAAAA! So schick! So hell, so Holz und Glas und Metall und alles offen und WHOAAA! Ich bekam den Mund kaum zu. Natürlich gibt es auch eine Garderobe, wo man seine Straßenschuhe ablegt und irgendwas zwischen Birkenstock und Pumps anlegt, wie man halt mag. Ich hatte meine Schuhe schon in der Lobby getauscht, stellte also nur meine Tüte da ab und zog meinen Mantel aus. Dann wurde mir mein Büroplatz gezeigt, der ganz am Ende des, äh, Raumes (? Ist es trotzdem ein Raum, wenn es eine Wendeltreppe und diverse Meetingraum-Glaskästchen in der Mitte hat?) liegt und natürlich wurde ich schon Leuten vorgestellt. Mein Arbeitsplatz ist auch so ein fancy modernes Ding, ich hab zwei Bildschirme und komme mir jetzt fast wie eine IT-lerin vor. An meinem Arbeitsplatz stand auch schon ein Namensschild, es lag da ein Computer mit meinem Namen und ein Telefon und eine SIM-Karte und ein Gutschein für den Kaffeeladen unten im Haus. Ich war ganz verzückt, stellte aber nur meine Tasche ab und ging mit meiner neuen Chefin in den Meetingraum „Curie“*. Vorher stellte sie mich noch der Kaffeemaschine vor, die recht anständigen Kaffee braut, auch der Espresso ist in Ordnung. Hach!

Dann erklärte mir E. das gar nicht mal so einfache System von Gruppen und „lag“** und Leiter*Innen und irgendwie anderen*** Leiterinnen und Abteilungen und demnächst werde ich wohl dann auch den Oberchef kennen lernen. Weiter ging es mit den Hauseigenen SOPs und dem dazugehörigen Datenmanagementsystem und äh, Ja, Behörde halt. Alles sehr… strukturiert. (Das kommt mir Ja sehr entgegen, nur jetzt so am Anfang ist es erst mal viel.)

Ehrlich gesagt war ich danach schon recht gar, aber es stand ja noch die Begrüßungsrunde an. Vom dritten bis in den sechsten Stock arbeiteten wir uns durch die Abteilungen und irgendwo bei den Jurist*Innen spätestens war mein Kopf so voll mit neuen Gesichtern, dass die in meiner Erinnerung nun alle gleich aussehen und Siv Irgendwas heißen. Immerhin ging mir nach dem fünften Mal „Ich fange in der Kontroll-Abteilung an.“ – „Sie ist GMP-Inspektør.“ selbst auch „Ich bin GMP-Inspektør!“ über die Lippen. Und die Reaktion war immer „Oh, DAS ist gut!“, weshalb ich einen hohen Workload auf mich zukommen sehe. Äh, ich meine natürlich, mein lag.

Nach der Begrüßungsrunde war ich außerdem sicher, dass ich tatsächlich so eine der jüngsten da bin und da sicher 70% Frauen arbeiten. Wobei unsere Abteilung noch verhältnismäßig viele Männer beschäftigt.

Danach war es erst 11 und ich eigentlich reif fürs Heiabettchen, aber ich hatte ja noch gar nicht meinen fancy Arbeitsplatz eingeweiht und mich eingeloggt in das heilige Intranet. Ich sage mal so: 274 E-Mails. Morgen*** muss ich dringend ein paar lustige Regeln aufstellen nach denen die Mails sortiert werden. Sowas wie „wenn es an alle@Behörde geht und ich nur im CC stehe, schieb es in diesen Ordner of Doom in den ich nur schaue, wenn ich sonst wirklich gar nichts zu tun habe, also nie“.

Aber hey, immerhin ging alles, Windows 10 ist des Teufels aber da werd ich nicht gefragt. Grad als ich drauf und dran war, wen anzufallen vor Hunger sprangen alle auf und riefen „Lunsj!“ und damit hatte sich auch mein vergeblicher Versuch, das Wifi auf meinem Handy ans Laufen zu kriegen, erledigt.

Kantine. Gut und verhältnismäßig günstig, ein bisschen was**** tut auch die Behörde dazu. Ich hatte leckere Tomatensuppe und Salat und dabei hab ich einer Gruppe Menschen Ü50 erklärt, in was ich meinen Doktor gemacht hab und die waren dann doch schnell ziemlich abgehängt. Hihi.

Danach stritt ich mich weiter mit meinem Computer und dem Wifi am Handy, was leider auch meine Patin, K.-M. nicht beheben konnte. Sehr seltsam, es geht einfach nicht, bei drülfzig Diensten kann ich mich mit meinem Login und Passwort (das ich, dank hundertfünfzig fehlgeschlagenen Wifi-Verbindungsversuchen, auch schon auswendig kann) anmelden, nur da nicht. Irgendwann hab ich auf und suchte erst mal nach einer Steckdose, um das neue Telefon zu laden. Haha. Der Schreibtisch ist so fancy, und ich so trottelig, dass mir erst mein Kollege (und heute noch, aber morgen nicht mehr, lag-Leiter) J. zeigen musste, wie ich die Abdeckung vom versteckten Kabelkanal öffnen kann, um an die Mehrfachsteckdosenleiste zu kommen. Gleich voll professionellen Eindruck gemacht.

Nach dieser schweißtreibenden Aktion kam, was kommen musste: Fototermin für die Zugangskarte. Oh je. Ob es nun am Lichteinfall, an meiner vornehmen Blässe oder an zu viel Highlighter lag: ich war eine Lichtgestalt. Mein Gesicht war eigentlich nur ein weißer Fleck, darunter dunkles Kleid, darauf aschblondes Haar. Erst als ich meine Brille abnahm, ging es halbwegs und so kann ich morgen früh eine Karte abholen, auf der ich völlig untypisch keine Brille aufhab, immernoch sehr sehr hell aussehe und leicht verwirrt dreinschaue. Huff.

Zurück an meinem Arbeitsplatz hatte J. meinen Einarbeitungsplan soweit fertig gestellt, der morgen mit seiner Nachfolgerin als lag-Leiter abgesprochen und dann von ihr unterzeichnet wird. Der Plan umfasst 4 Seiten in tabellarischer Form und da ist von Brandschutz bis Verwaltungsrecht alles mögliche dabei und auch von „am besten gestern“ bis „irgendwann dieses Jahr noch“. Mir wird ganz sicher nicht langweilig werden. Morgen muss ich erst mal all die Menschen, die mir Dinge beibringen sollen (Brandschutz zum Beispiel, am besten gestern!) zu Meetings einladen, denn das müssen die Neuen alles selbst machen, jaja, damit sie es lernen.

Kurz zusammengefasst: ich fühle mich da sehr wohl. Alle waren ganz ganz nett zu mir, niemand scheint meine Qualifikation anzuzweifeln, es hat alles Hand und Fuß und Regeln und Ansprechpartner*Innen und hach. Es war einfach wirklich gut, wenn auch viel. Bester Indikator: keine Kopfschmerzen trotz all der neuen Siv Irgendwasse. Ich werd jetzt gleich wie ein Stein schlafen.

Morgen auch Bilder. Wir haben einen Fahrstuhl mit Spiegel!

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*Nicht, dass Sie denken, die hätten da alle solche Namen. Einer heißt zum Beispiel auch „Kreativität“.

**Ein lag ist eigentlich eine Mannschaft oder Gruppe, hier vielleicht am ehesten als Projektgruppe zu verstehen. Das mit den lag ist echt irre, es gibt über 100 aktive lag zur Zeit, weil jeder in 2-10 lag ist und da… zu beiträgt. Ähm.

***as if. Aber bald.

****entsprechend etwa 3 Mittagessen im Monat, aber das ist auch schon mehr als es an der Uni je gab und eh mehr als ein Chef, der einem aus Dominanzgehabe raus das eigene Essen wegisst.

Tag 1237 – Vorbereitung ist alles!

Oh je, ich bin so schrecklich aufgeregt. Morgen geht es los, um neun beginne ich mein Leben als Inspektør. Anziehsachen und Make-up liegen bereit, die neue (zu Weihnachten bekommene) Arbeitstasche ist gepackt, ein Beutel mit schickeren Schuhen auch*. Fingernägel sind in neutralem Altrosa lackiert. Bahnticket ist gekauft. Kopfhörer fürs neue fancy Telefon, das vor lauter Fancyness nicht mal mehr nen Stöpsel für handelsübliche Kopfhörer besitzt, sind bestellt, ebenso wie eine Bankkarte, damit ich an das viele Geld, das ich scheffeln werde, auch überhaupt drankomme**. Wenn sich jetzt noch mein Kopf davon überzeugen ließe, das Kino abzustellen, wäre das ganz prima, dann könnte ich vielleicht auch schlafen und müsste nicht Angst haben, morgen wie ein Zombie auszusehen. Grad am 1. Tag ist das ja etwas ungünstig, weil ja bestimmt Fotos von mir gemacht werden für Zugangskarte und wasweißichnoch. Wahhh!

Auch nicht der Entspannung zuträglich: es stürmt recht stark, es heult ums Haus, Michel kann nicht schlafen, draußen fallen die Mülltonnen um und um die Raketenbatterienreste muss man sich nun auch nicht mehr sorgen, die sind sicher sehr gut verteilt oder bis in den Fluss geflogen. Eben war ganz kurz der Strom weg. Gut, dass ich mich eh vom Handy wecken lasse. Ach ja. Wecker sollte ich wohl stellen.

Ich freu mich so. Und bin so aufgeregt.

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*Ich stöckle nicht über die jetzt auch noch vom Sturm glattpolierte Eisfläche, die wir nach Schnee und dann Tauwetter und Regen und dann wieder Minusgraden hier überall haben, zum Bus. Damit bin ich, da möchte ich drauf wetten, in bester Gesellschaft mit den allermeisten anderen Menschen hier, die zur Arbeit schickeres Schuhwerk tragen. Für Herrenschuhe gibt’s hier auch so Gamaschen aus Gummi und mit Spikes im Profil, das ist die Alternative um sich mit den schicken Lederschuhen nicht wegen mangelnden Profils auf die Fresse zu legen oder sich im Regen das Leder zu versauen.

**also ich habe natürlich Bankkarten. Aber eben bisher nicht für dieses Konto. Das aber nun das Konto ist, das ich als Gehaltskonto angegeben habe.

Tag 1216 – Schnipsel.

Bis jetzt noch ein Schnittmuster zusammengeklebt und ausgeschnitten (habe jetzt viele, hahaha, Schnipsel). Ich hasse das. Aber abpausen und dann ausschneiden ist auch ätzend. Es ist wohl gehupft wie gehoppelt.

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Weihnachtsfeier der Grundschulklassen 1A und 1B. In der Turnhalle. Es war furchtbar. Gut, dass ich schon Triptane intus hatte, als ich ankam, denn da hätte ich sicher Migräne bekommen. Hatte ich aber schon mittags.

Aber (mit ihrer Erlaubnis!): das ist, weshalb ich Michels Klassenlehrerin so mag.

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Beobachte sehr gespannt meinen Körper. Es wäre jetzt langsam so die Zeit, wo ein neuer Zyklus anfangen müsste, ich hatte auch PMS (aber nicht so schlimm wie auch schon) und eben heute Migräne, manche Signale, die ich gewohnt bin, sind da wie immer, manche fehlen aber völlig. Es ist spannend.

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Heute eine lange Mail bekommen, von der neuen Arbeit. Ehrlich gesagt mache ich jede neue Mail von deren HR mit Herzklopfen und dem ganz kurzen Gedanken „jetzt bin ich aufgeflogen und sie wollen nun doch nicht mehr!“ auf. Impostor-Syndrom geh kacken, ey. Es war aber dann eine Willkommens-Mail, mit ganz viel Information, was zu der „Vorher“-Phase des dreiphasigen Einstiegsprogramms gehört. Ich weiß jetzt also, wann mein Gehalt gezahlt wird, wieviele Urlaubstage ich hab und welche Tage ganze und halbe Feiertage sind, was es so für Sport- und soziale Aktivitäten gibt, an denen ich teilnehmen kann und wo ich überall Rabatt bekomme, wenn ich meinen Ausweis, den ich dann auch bekommen werde, dort vorzeige. Dann wurde ich noch gebeten, allen möglichen Kram zu unterschreiben (unter anderem, dass ich keine Aktien bei Pharmaunternehmen habe) und mir ein Handy auszusuchen. Hammer. Laptop, Handy und Rabatt bei ner Reinigung. Wie so eine richtige Erwachsene! Ich freue mich immer noch so tierisch doll auf und über den Job! Hach.

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Morgen ist der Termin mit dem Insolvenzverwalter. Morgen _erst_ muss man sagen, denn am Freitag ist die Verhandlung, alle Ansprüche müssen bis dahin gestellt sein. Ich vermute ja, dass der Chipsmann schon ganz viel über mich und den Techniker erzählt hat, was wir für schlechte Menschen sind und dass der Insolvenzverwalter deshalb erst jetzt Zeit für uns hat. Ist mir egal, ich habe heute alle Unterlagen fertig gemacht, alles noch mal kopiert und dann noch so Sachen ausgedruckt, die den Chipsmann selbst mal von seinen unrühmlichen, unangenehmen und nicht unbedingt gesetzestreuen Seiten zeigen. Ich bin sehr froh, da nicht allein hin zu müssen, sondern dass der Techniker da sein wird. Wenn der Chipsmann da ist, kriegen die ne Szene, die sich gewaschen hat, egal ob er da ist oder nicht, hoffe ich, nicht in Tränen auszubrechen. Das ganze Thema macht mich nach wie vor sehr emotional und allein das Ausfüllen der Anträge und das Zusammensammeln der Krankschreibungen etc katapultiert mich in diesen ganzen Wahnsinn zurück, inklusive der Schlafstörungen und der permanenten Angst vor allem und jedem. Hoffentlich hört das bald auf.

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Babysitter-Suche gestaltet sich schwieriger als ich gehofft hatte. Das ist nicht schön und ich will das nicht!

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Jetzt aber ab ins Bett. Weil müdemüdemüde und morgen geht unser neues, smartes Licht nun wieder um sechs Uhr auf, das tut ein wenig weh.

Tag 1197 – Die Chipsfabrik ist tot!

Heute war Insolvenzeröffnung. Ich war ein bisschen aufgeregt, im Nachhinein ganz unnötig. Es war so eine Enttäuschung, dass ich, hätte ich nicht vorher eine wunderbare halbe Stunde und einen guten Kaffee mit dem eplefrøken gehabt, die zwei Stunden Autofahrt wohl bereut hätte.

Im Prinzip lief das nämlich so:

Richterin: „Wer ist denn alles da?“

Chipsmann, Techniker und Ich sagen unsere Namen auf.

Richterin: „Der Vorstandsvorsitzende also nicht?“

Chipsmann: „Nein.“

Richterin: „So, Herr Techniker. Sie sind derjenige, der den Konkurs der Chipsfabrik begehrt. Warum?“

Techniker: „Die zahlen meinen Lohn nicht.“

Richterin: „Wie viel denn?“

Techniker: „Drei Kühe.“

Richterin: „Und bei Ihnen, Frau Rabe?“

Ich: „Brutto 9 Kühe. Und der Italiener kriegt auch noch mal 3.“

Richterin: „Herr Chipsmann, was sagen Sie dazu?“

Chipsmann: [langes umständliches Geschwafel, abgelesen von einem Brief] „Stimmt, also ich komme zwar nur auf insgesamt 9 Kühe netto, aber ja, bezahlen können wir auch das nicht.“

Richterin: „Gut. Dann ist die Insolvenz hiermit festgestellt. Das Gericht bestellt Den Anwalt als Insolvenzverwalter und beraumt das nächste Treffen für den 14.12. an.“

und das war’s dann auch schon.

Der Techniker und ich haben dann noch mit Dem Anwalt telefoniert, weil wir schnell ein physisches (!) Treffen mit ihm wollen, um diesen ganzen Schlamassel zu zerpflücken, und ein bisschen gegen das zu arbeiten, was ihm der Chipsmann sicher an Lügen und Schummeleien auftischen wird. Heute zückte er schon wieder diesen von vorne bis hinten falschen und betrügerischen Businessplan, ich dachte ich spinne.

Interessant war an dem Treffen: die Chipsfabrik ist aus den Räumlichkeiten geflogen, am 31.10. Dabei hatte der Chipsmann immer behauptet, die Vermieter seien total auf seiner Seite. Offensichtlich nicht. (Und da wollte er mich wirklich gerne weiter beschäftigen. Es ist doch einfach nicht zu glauben!) Und in dem langen Blabla und dem Brief, den er vorgelesen hat, kam mir die Zahl zu ausstehenden Lohnnebenkosten irgendwie seltsam klein vor. Heute Abend fand ich raus, wieso: ich bin nie als deren Arbeitnehmerin registriert gewesen, das Finanzamt weiß also gar nicht, dass ich da gearbeitet habe. Das ist, mit Verlaub, eine Riesenscheiße, die sie da schon wieder angerichtet haben. Versicherung, Krankenversicherung, Sozialabgaben, Steuern… alles nix! nix bezahlt!

Es sieht jetzt also ein bisschen aus, als hätte ich da schwarz gearbeitet. Wenn Sie mich denn bezahlt hätten, was sie ja taktvoller Weise nicht getan haben.

Jetzt hoffe ich, der Insolvenzverwalter kann mich nachregistrieren.

Oh the joys.

Darauf einen Ginlikör. Von dem ich seine Likörigkeit nicht auf dem Schirm hatte, deshalb Eis.

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Auto-Lobhudelei: ganz cool geblieben wärend der Verhandlung.

Tag 1196 – Feiertag.

War heut den ganzen Tag etwas durch. So viel Freude! Ich freu mich so, eh schon, und dass Sie sich alle so mitfreuen ist wie die ganz fette Kirsche auf der eh schon fetten Torte. Vielen Dank für all Ihre Glückwünsche und überhaupt dass Sie hier mitfiebern und mitleiden und sich auch mitfreuen. Das ist für mich ganz überwältigend. (Ich muss jetzt aufhören, sonst heule ich schon wieder.)

Ein paar kleine Erklärungen: die Behörde ist eine Behörde. Ich bin also beim Staat angestellt. Ein Beamtentum wie in Deutschland gibt es hier nicht, aber es hat schon eindeutig Vorteile, für den Staat zu arbeiten. Einer ist, dass kein Bekloppter einfach mit erfundenem Bullshit Phantasiegeld eintreibt und dann Leute anstellt, die er nie bezahlen kann. Aber auch abgesehen von diesen Basics ist das schon alles sehr ok da. Weiterhin ist die Behörde in Oslo. Direkt an der T-Bahn-Haltestelle Helsfyr, für die Ortskundigen. Man kommt da sehr gut hin, es fahren vom Bahnhof da drei T-Bane-Linien hin, also kommt eigentlich immer eine. Von Tür zu Tür brauche ich, ohne Kinder wegbringen, eine Stunde, das ist knackig, aber machbar, wir müssen also nicht umziehen und ich möchte das auch auf gar keinen Fall. Deshalb wohnen wir ja auch hier, wo der schnelle Zug häufig fährt und ich habe mir schon so oft auf die Schulter geklopft, dass wir nicht nach Årnes gezogen sind, denn da hätte es außer der Nähe zur Chipsfabrik nix gegeben und Pendeln für uns beide wäre unmöglich geworden. Weil ich aber ja dann beruflich Kontroletti bin, werde ich viel unterwegs sein. Viele der zu inspizierenden Unternehmen sind im (sehr großen) Großraum Oslo, aber eben nicht alle. Wir sind zum Beispiel auch für die Kontrolle der Krankenhausapotheken zuständig, logischerweise gibt es Krankenhäuser auch ganz im Norden, im Westen oder ganz im Süden. So allzu viele ganz feste Routinen wird es hier also rund um Kindergarten-Schule-Bring-Hol-Dienste nicht geben und ich spiele ohnehin schon mit dem Gedanken, wieder eine Karri Poppins anzustellen. Genauso wie eine Putzhilfe, weil ich ganz sicher nicht nach einer Woche in der ich etwa 60 Stunden unterwegs war (wenn ich in Oslo bin und nicht in Trondheim oder so) am Wochenende dann noch die halbe Bude putze (die andere Hälfte würde dann ja Herr Rabe machen, aber der reißt sich da auch nicht drum). Trotzdem freue ich mich sehr auf den Job, weil er, zumindest glaube ich das, einfach perfekt zu mir passt. Heute kam übrigens das Angebot per Mail, das ich dann telefonisch angenommen habe. Die Abteilungsleiterin hat sich ehrlich gefreut, dass ich zugesagt habe, ich glaube das wird richtig gut. Und ich kriege eine*n Paten*Patin! Ein Startpaket und all that Jazz! Der Kontrast zur Chipsfabrik könnte wirklich größer nicht sein.

Dann kann ich da wohl nicht im Kapuzenpulli auflaufen und brauche deshalb einen Stapel neue Klamotten. Aber das ist eine andere Geschichte, die zu erzählen ich jetzt zu müde bin. Ich bin aber sicher, dass ich davon berichten werde, die Nähmaschine stöhnt schon.

Tag 1195 – 12. Woche.

Schwangerschaften werden ja meistens erst der Öffentlichkeit mitgeteilt, wenn die ersten 12 Wochen rum sind. Die meisten begründen das damit, dass ja noch sooo viel passieren kann und da ist ja auch was dran, die meisten Fehlgeburten passieren in den ersten 5 Wochen und dann ebbt es langsam ab, bis man bei 12 Wochen bei einer einigermaßen konstant niedrigen Fehlgeburtenrate angelangt ist. Ich bin auch so. Und zwar, weil ich mit dem Mitleid nicht umgehen könnte. Erst die große Freude, die noch größere Hoffnung, dann plötzlich die große Trauer und dann muss man Mitleid aushalten. Ich bin da schlecht drin, im Aushalten. Da bin ich sogar im Mund halten besser, und das kann ich auch schon nicht gut. Jedes „oh nein, das tut mir so leid“ reibt noch mal Salz in die Wunde. Und deshalb habe ich die Schwangerschaften auch kaum jemandem erzählt, bevor die ersten, magischen 12 Wochen um waren.

Und deshalb habe ich auch kaum jemandem von dieser einen Bewerbung erzählt, die schon die 7. an dieses Unternehmen war. Weil ich da so gern hinwollte, bewarb ich mich auf alles mögliche (und weniger mögliche, ich meine, Qualitätskontrolle für Patientendaten-Software? Seriously?) bei denen, aber diese Stelle, die passte wirklich perfekt zu mir. Also bewarb ich mich. Vor 12 Wochen war das nun. Um 23:47 Uhr.

Ich machte mir gar nicht mal so viele Hoffnungen, aus Gründen, man stumpft etwas ab, das muss man auch, sonst ziehen einen die endlosen Absagen sehr runter. Aber dieses Mal klingelte tatsächlich nach eineinhalb Wochen das Telefon und ich wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Und alle so yeah? Nee, weil das sollte erst in weiteren vier Wochen stattfinden. Nach dem Deutschland-Urlaub. Also versuchte ich, da nicht zu viel drüber nachzudenken, aber der Punkt „Lernen“ stand auch da schon auf meiner To-Do-Liste.

Dann war ich bei dem Interview. Ich hatte gelernt, ich hatte viele Überlegungen in mein Outfit gesteckt und trug aus strategischen Gründen (ja, tatsächlich, so berechnend kann ich sein) ein Herrenparfum. Und wäre ich nicht später dieser Frau in die Karre gefahren, wäre das ein ziemlich guter Tag gewesen. Das Interview lief nämlich gut, ich redete mich nicht um Kopf und Kragen wie auch schon, sondern war nach den ersten zwei Sätzen ganz entspannt und antwortete auf die allermeisten Fragen ganz souverän. Nur Fragen danach, weshalb ich denn jetzt schon wieder den Job wechseln wolle, wo ich doch in der Chipsfabrik grad erst angefangen habe, die waren sehr unangenehm und meine Antworten schwammig. Ich war überrascht, wie… normal und locker die Leute drauf waren, wo doch alles bis ins Detail durchorganisiert war und das auch sein muss, wir reden hier halt nicht von irgendwem. Besonders lustig fand ich einen kurzen Disput zwischen der Abteilungsleiterin und dem HR-Menschen über „wann wollen Sie sich denn für einen Kandidaten entschieden haben?“, der HR-Mensch meinte nämlich „spätestens zum 1. November“ und erntete von der Abteilungsleiterin eine hochgezogene Augenbraue und ein „naja, vielleicht schaffen wir Anfang November“. Das Interview ging etwas länger als angesetzt war und die Stimmung war so entspannt, dass ich mich sogar traute, am Ende das zu tun, was ich irgendwo bei LinkedIn gelesen hatte, das man ruhig mal machen soll: zu sagen „Ich möchte diese Stelle wirklich sehr gerne haben.“

Danach: Grillenzirpen. Es. War. Schrecklich. Wirklich. Richtig. Schlimm. Die reinste Folter. Und irgendwann (nach einer Woche) hielt ich es nicht mehr aus und schrieb eine Mail. Vorher rief ich alle möglichen Menschen an, aber ohne Erfolg, jedenfalls schrieb ich einfach ganz mutig sowas wie „Danke fürs Interview, wie kommt ihr denn so voran mit dem Prozess?“. Und, ohne Witz, 10 Minuten später klingelte mein Telefon. Ob ich einen Persönlichkeitstest machen könne? Ich dachte erst, das war ein Test, wer sich meldet, kommt weiter, aber inzwischen denke ich, dass die Mühlen einfach sehr langsam mahlen. Denn es ging ja noch weiter. Ich machte direkt am nächsten Tag den Test, einen Logik-Test (verbales Schlussfolgern) und einen Arbeitsverhaltenstest. Ich bekam eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse und nicht nur von ich weit überdurchschnittlich gut in verbalem Schlussfolgern (Ach!), nein, mein Arbeitsverhalten ist auch genau so, wie es für diese Art Stelle gebraucht wird. Ich bin tatkräftig, ergebnisorientiert und regelversessen, komme gut alleine klar, will Verantwortung, scheue Konflikte nicht und ich brauche das Gefühl, was sinnvolles zu tun. Hurra, dachte ich.

Es folgte: Grillenzirpen! Ich wurde fast bekloppt. Haare ausraufend schrieb ich nach wieder knapp einer Woche wieder eine Mail, ob denn das Testergebnis angekommen sei? Ja, war es. Es müsse besprochen werden und dann würden sie sich melden zwecks zweitem Interview. Bis diese Einladung zum 2. Interview, schon mit den Worten, ich hätte ja ein beeindruckendes Testergebnis, dann kam, dauerte es aber noch mal übers Wochenende. Interview am Freitag.

Dieses Interview lief rundum super. Die Abteilungsleiterin entschuldigte sich dafür, dass alles so lange gedauert hätte und meinte, es sei sehr gut gewesen, dass ich mich gemeldet hätte. Wir besprachen die Testergebnisse und die HR-Frau meinte, jemanden der so ein gutes Ergebnis in diesem Logik-Test gehabt hat hätte sie in 10 Jahren mit diesem Test noch nicht gehabt und ich würde außerdem ungewöhnlich hoch in der „Konsistenz“ scoren, was etwa sagt, dass meine Persönlichkeit sehr gefestigt ist. Wir besprachen alles weitere, ich traute mich zu sagen, dass ich mir einen Eintritt zum 1.1. wünsche und nicht schon zum Dezember (weil ich noch ein bisschen heilen möchte, aber das habe ich nicht gesagt) und die Damen erklärten mir sogar, was nun passiere und wenn ich den Vertrag zugeschickt bekäme, müsse ich innerhalb einer Woche antworten. Ich wertete das alles als gutes Zeichen, und als ich mich im Foyer von der HR-Frau nach etwas Geplänkel über Dialekte (sie ist aus Kristiansund und ich habe es erkannt, dass es eben ijje [nicht, in Dialekt] Trøndersk ist, sondern so wie meine eine Trondheimer Ex-Kollegin spricht) verabschiedete sagte sie mit einem Augenzwinkern „Wir sehen uns garantiert wieder.“

(Sie ahnen schon, was dann kam, oder? Genau.) Grillenzirpen. Sie ahnen auch, was ich tat? Genau. Ich schrieb eine Mail. Da letzten Mittwoch eine Frist für eine weitere Stelle in der gleichen Abteilung auslief, nutzte ich das als Vorwand um zu fragen, ob sie sich bis dahin wohl entschieden haben wollen, denn sonst würde ich mich zur Sicherheit auch darauf bewerben. Als Antwort bekam ich „Wir können die Entscheidung des Betriebsrates nicht vorwegnehmen, dieser tagt am Mittwoch. Bewirb dich doch einfach und dann kannst du die Bewerbung, wenn du ein Angebot bekommst, zurückziehen.“ Ok, also habe ich mich beworben. Zum 8. mal. Leider bekam ich dann am Mittwoch (aber dieses mal immerhin ohne dass ich selbst aktiv werden musste, was ich auch als gutes Zeichen wertete, sie wollten mich offenbar bei Stange halten) eine Mail, dass das Treffen des Betriebsrates auf Montag Nachmittag verschoben sei.

Es begann das Große Atmen. Herrje. Geduld ist nicht meine Stärke. Gut dass es am Wochenende so viel Ablenkung gab. Heute konnte ich mich nicht so gut ablenken und verbrachte den Großteil des Tages als mehr oder weniger nervöses Wrack, bis um 15:34 das Telefon klingelte.

Gratulation.

Wir möchten Ihnen die Stelle anbieten.

Vertrag kommt mit der Post und per mail, formelle Antwort bitte schriftlich auf Papier, informell gerne asap irgendwie. Sie freuen sich.

Ich konnte kaum reden und brach nach dem Auflegen in Tränen aus, aus Erleichterung und Freude, aber ich sagte mehrmals etwas hölzern, dass ich mich sehr freue. Und dann ging ich Champagner Prosecco kaufen.

Bald nicht mehr Alleinverdiener.

Ich bin also ab 1. Januar 2019 bei der Norwegian Medicines Agency beschäftigt und kontrolliere die Einhaltung der nationalen und internationalen Richtlinien in pharmazeutischen Produktionsbetrieben. In Norwegen und wo auch immer (außerhalb Europas) norwegische Betriebe produzieren.

Cheers!

(Sektduschengeräusch.)

Tag 1178 – Schniefhust (und eine Erleichterung).

Uns hat alle die Spontanerkältung erwischt. Von „bis auf ein bisschen Halskratzen ganz ok“ auf „Nase fühlt sich an wie mit Watte ausgestopft und läuft unaufhaltsam, Husten und Gliederschmerzen“ in ca. 2 Stunden. Nämlich genau so lange, wie Michel in der Kinderdisco war.

Er hatte da viel Spaß mit (dank?) seiner „coolen Frisur“.

Ich war heute mal wieder in geheimer Mission unterwegs und bin jetzt die letzte Verbindung zur Chipsfabrik los. Also, abgesehen davon, dass da noch zwei (eigentlich aus Gründen drei, aber das ist… kompliziert) Gehälter ausstehen natürlich. Aber für die muss ich mit keinem da mehr reden, da muss ich letztlich nur noch die Füße hochlegen und auf den Konkurs der Firma warten.

Ach, eigentlich war es ein guter Tag. Ein sehr guter. Und ich freue mich jetzt einfach auf die nächste Woche, ich werde meine Nähmaschine und mein Sportprogramm wiederbeleben und hier im Haus rödeln und es uns endlich fertig hübsch machen. Also, solange alle bis dahin wieder fit sind, natürlich.

Tag 1174 – Letzte Male.

Heute zum letzten Mal die Pille genommen, außerdem zum letzten Mal den Arbeitscomputer geleert. Jetzt muss ich das Ding nur noch elegant loswerden und zwar ohne, dass gewisse Leute denken, sie hätten mit gewissen Praktiken Erfolg, und aber bitte auch ohne dass ich für die nächsten fünf bis zwölf Monate Arbeitssuche das Damoklesschwert „wir haben Ihren letzten Arbeitgeber kontaktiert“ über mir schweben habe.

Das ist nicht zu schaffen und ich habe darüber heute schon sehr viel mehr Tränen vergossen als gut ist oder ich auch nur zugeben möchte.

Leider war auch die Polizei keine Hilfe. Ich bräuchte wohl ne Anwältin, aber die einzige, damit der ich Kontakt hatte, riet auch dazu, ihn halt gewinnen zu lassen.

Und da sind wir wieder an dem Punkt, an dem ich gern wer anders wäre. Jemand, den Unrecht nicht so auf die Palme bringt. Der Niederlagen nachdem die Gegenseite gefoult und geschummelt hat einfach einsteckt. Der den Verrückten einfach gewinnen lassen kann um (vielleicht? hoffentlich?) fortan seine Ruhe zu haben.

Aber ich bin nicht so und es ist scheiße. Ich hab mal (übers Fahrrad fahren) gewitzelt, dass man mir auf meinem Grabstein „Aber sie hatte Vorfahrt!“ meißeln könnte, aber man könnte das auch größer fassen und „Aber sie war im Recht!“ nehmen, ich kann’s halt nicht gut, das Nachgeben. Nicht mal wenn die Gegenseite vermutlich einfach wirklich nicht richtig tickt und dementsprechend diese ganzen Logik- und Rechtsschlussfolgerungen gar nicht gelten.

Gnah. Wo ist der spontane sechswöchige Karibikurlaub mit der Familie wenn man ihn mal braucht?

Tag 1169 – Wut, Angst, mehr Wut.

Es gibt vieles, das verstehe ich einfach nicht. Mein Horizont ist zum Beispiel zu eingeschränkt um zu verstehen, dass Leute sich nicht an Deadlines halten oder meinen es sei ok 2 Stunden eher oder später als verabredet zu Besuchen aufzulaufen.

Ich verstehe auch nicht, dass es Leute gibt, die fern jeder Realität sich die Welt machen wiedewiedewie sie ihnen gefällt. Die gegenüber der einen Person sagen, sie seien ja für nichts verantwortlich, leider leider, nur Berater hier, krieg nicht mal was bezahlt, so arme Wurst, dann aber wiederum meinen, sie könnten Dinge einfordern. Die zwar gaaaaar kein Geld haben, deshalb weder die Angestellten noch sonst irgendwelche noch so kleinen Rechnungen bezahlen können, aber die Firma, die gehört ihnen, zu 50%, und damit auch die Entscheidungsgewalt über die Arbeitskräfte, nämlich. Aber Konkurs melden, das können sie die Firma nicht, noch nicht mal die Firmenpost abholen. Die kündigen, aber dann weiter Projektleiter sein wollen.

Oder doch, ich verstehe das schon, ich verstehe das wie ich Leute verstehe, die Konflikte lösen, indem sie dem Gegenüber eins auf die Mappe hauen. Es ist halt eine kindische Art, sich die Rosinen aus dem Verantwortungskuchen herauszupicken. Macht ja, Verpflichtungen nein. Immer Bestimmertag haben, ohne den Abwasch nach dem Kindergeburtstag machen zu müssen. Geiles Leben. Hätte ich auch gern.

Ich bin aber nicht mehr 7 und weiß dass das nicht geht. Mit 72 sollte man das erst recht wissen.

Was man mit 72 auch wissen sollte, auch mit 7 oder mit 17: wenn dir wer sagt, du sollst nicht vorbei kommen, dann steh nicht einfach plötzlich vor der Tür.

Das nächste Mal rufe ich nämlich die Polizei. Da hilft dir dann auch keine Drohung, wem du alles erzählen willst, was für ein schrecklicher Arbeitnehmer ich bin.

Tag 1154 – Back in the game (for now).

Heute habe ich gearbeitet. Haha. Ja, doch, echt. In der Chipsfabrik, mit dem Chipsmann. Ich weiß jetzt, wie der italienische Kollege es da ausgehalten hat, ohne verrückt zu werden: er wusste, dass er da bald weg ist. Mir ist jetzt, mit der Kündigung in der Tasche, alles einigermaßen egal. Der Chipsmann kann seine Ideen ventilieren, er kann leugnen, Sachen gesagt zu haben, er kann von mir aus sogar versuchen, Verantwortung auf mich abzuwälzen, er kann versuchen mir Angst zu machen, damit ich einknicke und gewisse Dinge rückgängig mache, kann er alles machen: ist mir egal. Bald bin ich da weg. Mit Glück noch diese Woche und dann ist es gegessen, falls Pippi sich morgen früh wirklich als zu warm erweist* vielleicht noch bis Ende des Monats, aber das halte ich dann auch noch durch und wenn nicht, gehe ich halt wieder zur Ärztin. Er kann mir nichts und ich lasse nicht zu, dass er mich kaputt macht. Das ist jetzt mein Mantra.

Morgen sowieso erstmal wieder kein normaler Arbeitstag, denn ich habe… was vor, ich möchte noch nicht so viel drüber reden. Donnerstag auch nicht normal, denn es kommt hoher Besuch in die Firma (möchte ich auch noch nicht so viel drüber reden), Freitag normal, ab Montag will der Chipsmann in Tromsø sein. Oder in Finnsnes. Oder sonstwo, jedenfalls nicht in der Chipsfabrik.

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*Montag soll ja die Mandel-OP sein, dafür muss sie aber gesund sein. Ein fiebriger Infekt, der jetzt ganz schnell wieder abklingt wäre da vielleicht noch im Rahmen, eine fette Erkältung eher nicht. So ein Mist, dabei dachte ich im Urlaub, als sie fröhlich vor sich hin schnodderte noch „besser jetzt als nächste Woche“. Hrmpf.