Tag 1134 – «Tun Sie was für sich!»

Den Rat in der Titelzeile habe ich von der Ärztin am Montag bekommen. Und ich nehme das selbstverständlich total ernst. Vielleicht nicht so, wie sie denkt, aber, hell yeah, ich tue was für mich. Nachdem ich gestern durch diese ganze Ausschlagsache irgendwie zerfasert herumrödelte ohne wirklich an irgendein Ziel zu kommen, habe ich heute morgen im Auto beschlossen: Wenn du nach Hause kommst, machst du eine To-Do-Liste. Denn ich kenne mich ja, das schlimmste Gefühl ist das, SO VIEL zu tun zu haben, nicht zu wissen, wo man anfangen soll, es ist einfach SO VIEL und am Ende tue ich davon irgendwie nix. Wenn ich aber eine Liste habe, auf der jeder Pups draufsteht, ist es plötzlich kein unbezwingbarer Berg mehr. Es ist nur eine Liste. Und mit jedem Pups, den ich lasse tue, kann ich was durchstreichen. Ich liebe To-Do-Listen. Eine To-Do-Liste zu haben und mich damit selbst zu sortieren und auf Spur zu setzen, war ein Akt ganz ungewohnter Self-Care.

Meine Liste ist drei Seiten lang. Jetzt sind Sie geschockt, nicht wahr? Keine Angst, die To-Dos passten eigentlich alle auf eine, aber dann habe ich sie thematisch in die Bereiche „Arbeit“, „Haus“ und „Planen“ aufgedröselt. So habe ich nämlich gleich noch den Automatismus „heute hast du NIX geschafft“ abgewürgt, wenn ich in Wirklichkeit Staubgewischt (Haus) und bei Amazon hundertdreiundsiebzig Wanduhren angeschaut (Planen: „Einkaufsliste Deutschland“) habe. Die Liste „Arbeit“ habe ich mit Deadlines und ca. zu investierender Zeit pro Schritt versehen, weil sich das da halt irgendwie anbot. (Btw: morgen ist der Tag an dem ich eigentlich mein Gehalt ausbezahlt bekommen müsste, sind Sie auch schon alle so gespannt ob das wohl kommt?) Die Liste „Haus“ hingegen habe ich in einem Dringlich-Wichtig-Plot dargestellt. Die Liste „Planen“ ist mit Abhängigkeiten ausgestattet. Ein bisschen von allem. Ich mag das.

Dann habe ich meinen Kaffee ausgetrunken und mein Werk betrachtet und genickt und dann habe ich mit den Punkten mit höhestem dringlich-wichtig-rating auf der Haus-Liste angefangen und… geputzt. Fertig geputzt. Das finden sicher viele weder dringlich noch wichtig, ich fand es beides und darauf kommt es an. Wie geil ich es finde, wenn es hier sauber ist, hätte ich noch vor ein paar Jahren nie im Leben geglaubt. Dass ich den Tisch und den Teppich und überhaupt alles pedantisch rechtwinklig ausrichte, das schon. Aber dass mich ein paar Sofafussel auf der Fensterbank so derartig nerven, dass ich freiwillig den Staubsauger hole… (noch ein btw: Niemand *braucht* einen Zentralstaubsauger, aber es ist schon ganz nett zu haben. Kein hinterherzerren des Staubsaugers mehr, nichts verheddert sich im eigenen Kabel, keine grade so zu kurzen Kabel mehr, man dengelt nicht überall gegen…) Jedenfalls: sauber! So befriedigend. Kein Schaumbad der Welt hätte mich so zufrieden stellen können.

Auch abgehakt: Diverse Mails geschrieben („Arbeit“, aber nur im weitesten Sinne Chipsmann-Sachen), die Filter der Lüftungsanlage gewechselt („Haus“) und direkt ein Abo abgeschlossen, über das wir jetzt alle halbe Jahr ein neues Filterset bekommen. Badewannen recherchiert (uhhhh, da gibt es ja schicke Sachen. Wird die Vernunft über die Löwenfüße siegen? Es bleibt spannend hier.) und eine Nachricht an Michels Lehrerin in sein Nachrichtenbuch* geschrieben (beides „Planen“).

Ansonsten: Mit Michel das große und das kleine R geübt (groß geht gut, klein… naja), mit Michel Pippi vom Kindergarten und dann Herrn Rabe vom Bahnhof abgeholt. Herr Rabe hat sich angesteckt und ist auf dem Sofa direkt eingeschlafen, also habe ich auch gekocht und, ja, ich fühle mich heute ein bisschen wie die Supermutti schlechthin, und, ja, heute finde ich das gut. Viel schaffen, das Gefühl, was zu tun, ein sauberes Haus, mit reichlich Luft eingehaltene Deadlines: das ist für mich wirklich Self-Care und viele Kleinigkeiten machen in der Summe echt viel aus.

___

Mal wieder Zeit für Auto-Lobhudelei: Einen Weg gefunden, mir selbst klarzumachen, dass ich nicht nichts mache.

___

*Die Schüler*Innen, Eltern und Lehrer*Innen kommunizieren über ein kleines Büchlein, das in der Mappe im Schulrucksack liegt. Michel hat ja bald Geburtstag und da müssen wir mal horchen, ob die Schule irgendwelche beknackten meiner Meinung nach nicht zielführenden Regeln hat, wen man einladen *muss*. Ja, das haben hier nämlich viele Schulen, meistens „die ganze Klasse“ oder „alle Jungs/Mädchen“, alternativ kannste deine Party halt quasi heimlich machen, dann darfste aber nicht in der Schule drüber reden. Weil niemand 23 Sechsjährige zu Hause erträgt, kann man Räume in der Schule leihen. ROMANTISCH! Und so besonders, gar nicht alltäglich oder so. Ja, nee. Und als würde so weniger gemobbt. Hahaha. Aber die Norweger*Innen, die glauben das wirklich, dass das ein sinnvoller Schritt gegen Mobbing ist. Nunja, zurück zum Thema: Die Lehrerin wird das nun irgendwann, wenn Michel wieder zur Schule kann (vermutlich morgen), lesen und dann antworten.

Tag 1132 – Warum?

Wir haben heute wegen des kranken Michels ein bisschen jonglieren müssen. Natürlich hätte ich Michel auch mitnehmen können, um Pippi in den Kindergarten zu bringen und sie wieder abzuholen, aber ich hatte heute auch einen lang angesetzten Arzttermin und Elterngespräch in Michels Schule. Also blieb Herr Rabe zu Hause und machte Home Office* und sprang für meine außerhäusigen Termine mit der Kinderbetreuung ein.

Erstmal: so große Kinder sind ja schon ganz praktisch, wenn sie „nur“ verrotzt sind, „tote Brakterien im Mund“ haben, ein ganz bisschen fiebrig sind und gerne Hörspiele hören (und noch lieber Grizzy und die Lemminge schauen). Ab und zu mal neuen Tee gereicht, einen Apfel geschnitten, ein Brot geschmiert, ansonsten ist es sehr wartungsarm geworden, das Kind.

Dann: der Arzttermin. Bei einer Ärztin, die nicht meine Hausärztin ist, sondern eine Vertretung, weil meine Hausärztin in Elternzeit ist. Tjanun. Der Termin war ziemlich skurril, angefangen von der Zeit im Wartezimmer, in der plötzlich vier Polizistinnen und Polizisten hereinkamen, ganz kurz mit der Empfangsdame schnackten und dann recht zügig in den Behandlungsbereich gingen, bis zum Gespräch mit der Ärztin: „Warum sind Sie hier?“ – „Weil ich eine Schilddrüsenüberfunktion habe.“ – „Aha. Warum?“. Jaaaahahahaha, Moment ich frag grad mal kurz… Hallo Schilddrüse? WARUM, SCHILDDRÜSE? Warum diese Scheiße, echt mal, was hab ich dir denn getan? Oh, echt, meinst das war zu viel Stress? Mit Schwangerschaften hin und her und dann Umzug nach Norwegen, PhD-Scheiß, Mann-arbeitslos-Scheiß**, hab ich die Schwangerschaften erwähnt? Ok, sehe ich ein. … Die Schilddrüse sagt, sie sei anfällig für Stress.

Das hab ich natürlich nicht so gesagt. Und nach einem Blick in meine Patientenakte*** war ihr dann auch vieles klarer und sie schickte mich zum Blut abnehmen. Vorher fragte sie aber noch mal nach der aktuellen Krankschreibung und… stellte ganz unauffällig mit der Frage gleich eine Packung Kleenex auf den Tisch. Da hab ich wohl nen Heulsusen-Vermerk in der Akte seit letzter Woche. Hupsi.

Als ich ging lungerten die Polizistinnen und Polizisten noch in der Praxis herum, sahen aber sehr entspannt aus.

Ach ja: beste Blutabnahme. Kaum was gemerkt, nix zu sehen. Hab ich der Laborantin gleich gesagt, dass sie das sehr gut mache. Sie war sehr geschmeichelt und verwundert, dass wer das gleich beim Stechen bemerkt.

Das Elterngespräch war sehr viel weniger skurril. Höchstens, dass ich wohl Michel sehr ähnlich sehe (ich sehe das gar nicht, wirklich nicht, er sieht halt aus wie er…) und dass er sehr gut konzentriert und fokussiert arbeiten könne, das verwundert mich bei meinem Ich-springe-bei-10-Minuten-Hausaufgaben-drei-mal-auf-und-mache-irgendwas-Kind dann doch etwas. Aber in der Schule ist er wohl nicht so. Alles andere war wenig überraschend, Michel ist ein tolles Kind, das die anderen Kinder mit enthusiastischen Vorträgen über Dinosaurier unterhält, am liebsten mit seinem Kumpel J.-Michel spielt, aber alle mitspielen lässt, die ordentlichste Schrift hat er nicht, er erzählt lieber, was er alles basteln möchte, als das dann wirklich umzusetzen****, er redet gut und ein bisschen Trøndersk und manchmal sagt er auch, was Worte auf Deutsch heißen, wenn er das lustig findet. Seine Klassenlehrerin***** ist jedenfalls mit ihm zufrieden.

Ansonsten heute Kinderzimmer und Loft aufgeräumt und gesaugt und mir bei irgendwas anderem, nichtigen, meine Schulter so arg verrenkt, dass ich seit Stunden mit Wärmekissen im Nacken auf verschiedenen Polstermöbeln liege um den Schmerz unter Kontrolle zu kriegen, der um den Kopf rum bis zur Nase zieht. Super.

Mal sehen, ob Michel morgen wieder zur Schule kann, Herr Rabe geht jedenfalls wieder arbeiten.

____

*Herr Rabe arbeitet: mit vielen Leuten auf Englisch telefonieren, dazwischen Sachen in seinen Computer tippen. Endlich weiß ich das.

**Das war vor der Blog-Zeit, als wir nach Norwegen gezogen waren. Erst war Herr Rabe noch in Elternzeit und dann ein paar Monate arbeitslos. Und wir hatten nur mein Doktorandinnengehalt. Uffz. Das war nicht schön.

***Die habe ich extra komplett überführen lassen, nicht nur das sogenannte Kern-Journal. Ich hab aber nie eine Rechnung über das Überführen bekommen. Hmm.

****Hahaha, mein Kind. Die Lehrerin hat aber notiert, dass ich finde, dass er sehr kreativ im Erfinden von Sachen und Geschichten ist und dass er Erfinder****** werden will

*****Eine von zweien

******besser als Wissenschaftler! Erfinder finde ich eine gute Berufswahl.

Tag 1131 – Sonntag.

Heute ungeplant total gechillten Tag gehabt. Michel war nämlich eigentlich auf einen Geburtstag eingeladen, fühlte sich aber schon seit dem Morgen ziemlich mies und nachdem er eine Stunde vor der Party eine halbe Paracetamoltablette bekam, damit Fieber* und Kopfschmerzen besser werden, war auch der Geburtstag gestrichen. Herr Rabe fuhr mit ihm hin, sie lieferten das Geschenk ab und kamen dann direkt wieder zurück. Als Ersatz für die bestimmt vielen Kuchen, die es da gegeben hätte, und weil ich einfach Lust auf Kuchen hatte, habe ich dann einen Marmorkuchen gebacken**, wir haben zu Hause herumgetrödelt, haben alle ausgiebig gebadet*** und geduscht, Michel ist auf dem Sofa eingeschlafen, dann wieder aufgewacht und wollte kuscheln, also haben wir gekuschelt, Pippi hat auf den Autostellplatz gepullert**** und das spannendste war wohl, dass nachmittags jemand anrief, bei dem ich einen Kubikmeter Holz bestellt habe und meinte, er könne dann jetzt kommen. Wir haben jetzt also Holz und so kalt ist es noch gar nicht, aber einfach weil wir’s können haben wir unseren Kamin angemacht. Unseren eigenen Kamin. In unserem eigenen Haus. Das ist immernoch einigermaßen unglaublich. Auch dass wir einen Stellplatz haben, auf den Kinder pullern können. Und eine Gartenhütte, in die ein Kubikmeter Holz passt. Ok, Möbel am Kamin wären noch ganz nett. Aber erstmal kann man auch auf dem Boden***** sitzen und Wein trinken und den eigenen Kamin bewundern.

___

*Die Kinder haben das einzige Fieberthermometer, das es noch in diesem Haus gab, verschlürt. Aber erstens sehr ich auch so, wenn mein Kind Fieber hat und zweitens würde er von mir auch gegen „nur“ Kopfschmerzen ohne Fieber was bekommen.

**Rezept hat mich nicht überzeugt, geschmacklich top, optisch und von der Konsistenz her aber nicht so, deshalb verlinke ich das mal nicht.

***Naja Pippi halt. Es gibt aber grad ne Badewanne mit Löwenfüßen für 6000 Kronen, hab ich im Prospekt gesehen. Das wär doch mal was. Im unteren Bad ist ja noch Platz******

****nach der Dusche und während ich in der Küche mit den Broten zugange war, marschierte sie einfach raus, nur mit Schuhen und ihrem Kapuzenhandtuch bekleidet, eigentlich um „draußen [zu] schlafen“, uneigentlich muss sie dann aber einfach auf den Parkplatz gepillert und ihr Handtuch als Tarnung draufgelegt haben. Ich erwischte sie grade noch rechtzeitig, bevor sie, weiterhin nur mit Schuhen bekleidet, ein Sofakissen und eine Decke auf den Parkplatz schleifen konnte. DIESES KIND, EY!

*****Parkett! Ich gehöre jetzt zu Leuten, die Parkett haben. Wie so Erwachsene!

******Wobei da die Wäscheständer stehen und da stehen sie sehr gut, aber eine Badewanne will ich trotzdem haben.

Tag 1130 – Betreutes Sammeln.

Im August wollte ich ja eigentlich einen Pilzkurs angefangen haben. Der fiel dann aber aus, weil es zu wenige Interessenten gegeben hatte und vor allem waren Ende August noch gar keine Pilze zu finden. Der Sommer hier war einfach zu trocken für Pilze. Als Ausgleich für den ausgefallenen Kurs boten die Veranstalter aber einen gemeinsamen Pilzsammelausflug an, und zwar heute. Ich hatte den Kindern extra eingeschärft, sie sollen nichts anfassen, das wir nicht freigegeben haben, und dass da vermutlich nur Erwachsene sind und sie sich benehmen sollen. Dann waren da aber insgesamt 26 Leute und viele Kinder, unter anderem ein grade 2-Jähriges, dessen Eltern – nicht so wie wir Supereltern *hust* – auch keine Trage dabei hatten. Die Tour ging ca. 3 km in den Wald, da machten wir Pause* und Zeige-Runde mit all unseren gesammelten Pilzen. Die Devise war: sammelt alles, bei dem ihr wissen wollt, was es ist, nicht nur das, bei dem ihr eh schon wisst, ob man es essen kann oder nicht.

Wir haben wirklich einiges gelernt heute, obwohl die Ausbeute wirklich mager war. Es reichte grade mal für zwei Portionen Pilzragout. Aber wir haben was neues ausprobiert, nämlich Apfeltäublinge und die sind echt super lecker. Die Kinder hatten auch Spaß und haben ein „Waldmuseum“ aufgebaut. Inklusive Elchkacke (oben links).

So haben wir es auch geschafft, Pippi nur kurz Mittagsschlaf machen zu lassen, und sie schläft hoffentlich heute dann mal wieder durch. Das wäre schön.

Ich hab auch zum ersten Mal selbst richtige Rösti gemacht. Ist gar nicht schwer.

Doch, war ein schöner Ausflug. Und sobald es mal wieder ein bisschen geregnet hat, bin ich im Wald und suche Pilze. Jetzt wo ich wieder weiß, wie das geht.

___

*Norweger*Innen schleppen auch komplette Mittagessen in den Wald, mit Brot, Butter, Marmelade, Käse und dem obligatorischen, möglicherweise in Norwegen erfundenen, Käsehobel. Wir hatten ne Rolle Mariekjeks und Wasser.

Tag 1129 – Eines schläft…

Das andre wacht.

Michel sagte um halb zehn (ja, spät, aber immerhin sagte er es dann selbst), er wolle ins Bett.

Pippi leider nicht.

Pippi schlief nämlich auf dem Sofa von der Kindergartenheimkehr bis mir der Milchreis auf den letzten Metern doch noch angebrannt war. Das war ziemlich lang. So lang, dass sie dann vom Harndrang auch nicht wach wurde. Aber genau deshalb haben wir ja ein IKEA-Sofa gekauft, bei dem man alle Bezüge problemlos abnehmen und waschen kann. Heute habe ich mir für diese Entscheidung nachträglich noch mal sehr fest auf die Schulter geklopft. Nachdem ich die Waschmaschine mit drei Bezügen (dem vom Sitzkissen, dem vom Rückenkissen und dem vom Armlehnenkissen) gefüllt hatte.

Naja, jedenfalls ist Pippi seither halt wach. Wir haben zusammen eine Folge „The Marvellous Mrs Maisel“ geschaut, aber sie war immernoch wach. Ich habe ihre Lightning McQueen-Easy-to-build-Legofigur drülfzig mal zusammen- und wieder auseinandergebaut. Hab gekuschelt und gespielt und dann hab ich mich irgendwann durchgesetzt, dass sie wenigstens einen Schlafanzug anzieht. Jetzt ist sie weiterhin sehr wach und ich bin zum Umfallen müde. Wie macht sie das denn bloß? Vielleicht sollte ich auch mal nachmittags noch ne Stunde schlafen.

Schlaf doch liebes Kind. Und bitte morgen nicht wieder um halb sieben auf der Matte stehen, ja?

Tag 1128 – Kleines Update.

Vorgestern habe ich die Schnecke aus ihrem Haus gepult. Im Internet hatte ich mir diverse Seiten angesehen auf der Suche nach Tipps und war dabei über einen Satz gestolpert: „Dass eine Schnecke tot ist, erkennen Sie sofort am durchdringend fischigen Aas-Geruch.“ Ich sag mal so: ja. Börgs. Igitt. Bah. Pfui.

Also die Schnecke war tatsächlich sehr tot. Ich habe sie schlussendlich einfach (draußen) wieder aufgetaut und dann sehr viel Salz ins Haus auf den Körper geschüttet. So hab ich sie dann (Draußen!) liegen lassen und zweimal (Draußen!!!) das Salz gewechselt, danach hatte sich der Teil, den ich sehen konnte, weit genug vom Haus gelöst, dass ich mit meiner Pinzette mehr anrichten konnte als sie kaputt zu bohren. Es war dann doch noch überraschend schwer, aber ich habe es geschafft, den Körper feste zu packen (DRAUSSEN!!!) und dann herauszudrehen. Mein Magen wollte zwar teilweise davonrennen aber ich war stärker. Und auch das letzte Stück… Gedärm oder so hab ich komplett rausbekommen. Dann habe ich (OHNE DURCHS HAUS ZU GEHEN) den Körper in den Biomüll geworden, ganz schnell zugeknotet und alles in der entsprechenden Tonne entsorgt. Einen Topf mit Wasser hatte ich schon bereitgestellt, da warf ich Haus und Pinzette rein. Ich kochte alles zwei mal 5 Minuten bei volle Möhre saugender Dunstabzugshaube (halt leider drinnen) ab. Danach roch alles ganz leicht nach gekochtem Eiweiß, aber kein Vergleich mehr zu vorher. Das Haus habe ich dann draußen getrocknet und heute mit Öl eingerieben und jetzt liegt es erstmal auf dem Kamin und wartet drauf, dass mir Deko-Inspiration kommt.

Herrje, das war echt eklig.

Den anderen Schnecken geht es aber gut. Bis jetzt auch kein neuer Erdmückenbefall. Vielleicht hilft ja das Küchentuch, das ich um die Box gelegt hab, doch.

Auch ein Update: die Orchidee blüht wieder! Es waren am Abfallen der Blüten Wollläuse schuld, weshalb ich die kompletten Blütenstiele einfach abgeschnitten habe. Dann habe ich die Orchidee inzwischen vier oder fünf mal mit einem Gießmittel gegen saugende Schädlinge behandelt. Orchideen nehmen ja immer nur so Minimengen Flüssigkeit über die Wurzeln auf, da erschien mir „häufig hilft viel“ am sichersten. Die Orchidee hat das erstaunlich gut mitgemacht, während eine Calanchoe leider an dem Gießmittel eingegangen ist.

Tag 1126 – Evakuierung.

Heute morgen habe ich die Reißleine gezogen und das einzige Vernünftige gemacht, was mir grad blieb. Auf dem Weg zur Arbeit schon anfangen zu weinen, ist nicht gut, inzwischen allen misstrauen ist nicht gut, was für Blüten dieses Misstrauen getrieben hat, ist mir zu peinlich um es aufzuschreiben. Nicht mehr schlafen können ist nicht gut, bei jedem Gespräch über die Arbeit die Contenance verlieren und wie ein Kindergartenkind zu weinen anfangen ist mit Mitte 30 gar nicht gut. Alles nicht gut und deshalb habe ich mich heute aus der Firma evakuiert. Die nächsten zwei Wochen* ist also wieder spazieren gehen angesagt.

Außerdem habe ich heute die Babyschnecken aus der Box mit den Großen Schnecken evakuiert. Jedenfalls die vier, die ich lebend wiedergefunden habe. Eine habe ich beim Hochnehmen der Box versehentlich am Deckel zermanscht, der Rest war verschwunden, nachdem zwei der drei ruhenden Schnecken aufgewacht sind und in der kleinen Box herumgegraben haben. Diese dünnen Babyhäuser sind ja noch so empfindlich, wenn da eine Babyschnecke zwischen große Schnecke und Boxwand gerät, war’s das. Seufz. Die vier Babys sind jetzt jedenfalls in einer eigenen Box.

Hui, die Schlaftablette wirkt. Huiuiui. Äh. Gute Nacht!

___

*erstmal. Dann sehen wir (also der Arzt und ich) weiter.

Tag 1124 – Unverfängliches Kuchenrezept.

Wir sind jetzt vollständig Norwegisiert. Ich habe nämlich die Fußböden mit Grønnsåpe (zu Deutsch: Schmierseife) gewischt* und ohne jemals in einer norwegischen Jugendherberge gewesen zu sein, weiß ich, dass es bei uns jetzt riecht wie in einer norwegischen Jugendherberge. Und weil ich mal auf einer Disputation den besten Apfelkuchen der ganzen Welt gegessen habe, wollte ich aus unseren neulich neben der Schule gepflückten Äpfeln auch einen solchen Kuchen backen. So kam ich durch googeln zu Omas Apfelkuchen, und das Rezept übersetze ich hier mal für Sie. Es war schon ganz nah dran an dem besten Apfelkuchen der ganzen Welt, das nächste Mal würde ich wohl einen Esslöffel von der Apfelsaft-Zucker-Zimt-Matsche aus der Tüte in den Teig rühren, das dürfte den etwas flachen Geschmack des Teiges beleben. Und vielleicht ein fitzelchen Zitronenschale.

Aber hier das Rezept:

Backofen auf 180 Grad vorheizen.

  • 4 säuerliche Äpfel (unsere waren so klein, dass ich 6 genommen habe) schälen, entkernen und in schmale Schnitze schneiden, mit
  • 5 Esslöffeln Zucker und
  • 2 Esslöffeln Zimt in eine Plastiktüte geben und gut schütteln
  • 200 g weiche Butter und
  • 200 g Zucker schaumig schlagen, dann nach und nach
  • 4 Eier unterrühren.
  • (Vor dem Mehl würde ich dann wohl einen Löffel vom Apfel-Zimt-Schlonz unterrühren.)

    • 170 g Mehl mit
    • 1 Teelöffel Backpulver und in Abweichung vom Rezept
    • 1 Prise Salz mischen und über die Buttermischung sieben, dann unterheben und mischen.

    Eine Springform mit ca. 24 cm Durchmesser fetten und (wenn man mag und dran glaubt, dass es gegen anbacken hilft) mit irgendwas ausstreuen. Die Hälfte des Teiges in die Form geben und verteilen. Dann die Hälfte der Apfelschnitze mit der schmalen Seite nach unten in den Teig drücken. Darauf die zweite Hälfte des Teiges verteilen und in diese wiederum die zweite Hälfte der Äpfel drücken.

    • 2 Esslöffel Hagelzucker darüber streuen (das habe ich vergessen)
  • Etwa 50 Minuten in der (gefühlten) Mitte des Ofens backen.
  • Lauwarm mit Schlagsahne servieren.
  • Schon wirklich sehr lecker.
  • ___
  • *Hinterher hab ich dann gelernt, dass man das AUF GAR KEINEN FALL MACHEN SOLL!!1elf! Hups.
  • Tag 1123 – Arbeit, Arbeit.

    Heute haben wir alle viel gearbeitet, außer Pippi, die war die meiste Zeit wütend und unausstehlich. Ich habe die Badezimmer geputzt, vier Maschinen Wäsche gewaschen, zwei Wäscheständer voll gehängt, eine Trocknerladung angestellt und dann war für die Badezimmerteppiche leider kein Platz mehr und die hängen jetzt überm Treppengeländer. Ich habe außerdem einen großen Topf Apfelmus gekocht, das leider im Nachgang bitter ist. Ich muss morgen, wenn es ganz ausgekühlt ist, nochmal probieren und entscheiden, ob es wirklich so schlimm ist. Bei Apfelmus bin ich ja pingelig, wenn das nicht so schmeckt wie bei Oma, find ich’s blöd. Und das hier sieht nicht mal so aus, nachdem ich versucht habe, es mit Karamell zu retten. Jetzt ist es halt Karamellfarben. Hmm.

    Herr Rabe hat Pappe weggebracht, mit Michel ein Buch über Meerschweinchenhaltung aus der Bibliothek ausgeliehen, war einkaufen, hat das Auto innerlich gereinigt und war viel sehr genervt von der dauerheulenden Pippi. Da bin ich ja immer ein bisschen froh, dass ich nicht die einzige bin, die das auf die Palme bringt.

    Michel hat auch gearbeitet. Gestern kam er nämlich an und meinte, ob er Geld verdienen könne, wenn er für uns was arbeitet. Nun ist unser Rasen komplett tot (da wächst sozusagen kein Gras mehr, muhahaha), die traditionelle Aufgabe für Kinderarbeit ist also raus. Ich habe ihm auch gleich gesagt, dass ich alltägliche Dinge von ihm einfach langsam erwarte, so wie Spülmaschine einräumen, Klamotten selbst in den Wäschesammler und den Schrank bringen, Tisch abwischen, etc. Aber ich fand, er könne mal das Auto saugen, das wäre eine gute Sache, da könne er auch ein bisschen sein Taschengeld mit aufstocken. Also hat Michel heute das Auto gesaugt, bis in die kleinsten Ecken und weil ich mit Herrn Rabe keinen Preis abgemacht hatte, hat er wie ich finde ziemlich gut dran verdient. Aber es ist schon ok, ich hoffe ja auch, dass er gesehen hat, wie viel Krümel und Zeug* da immer drin liegen und dann vielleicht nicht so rumkrümelt. Wäre zu hoffen. Vielleicht krümelt er jetzt auch extra, damit er öfter saugen kann.

    Schön war heute, mit meiner Tante und vorher auch mit meiner Mutter zu telefonieren und mich über die Situation auf der Arbeit auszuheulen. Da ist ja alles so absurd, allein heute hat mein Chef einen abgesprochenen Telefontermin mit einem Professor, mit dem er eigentlich gern kooperieren würde** einfach nicht eingehalten. Professionalität ist nicht so seins. Mal sehen, wer daran nun wieder schuld war.

    Morgen werde ich weiter an meinem Mini-Gewächshaus bauen, das hat mich heute einiges an Nerven gekostet. Ich hab es auch nur deshalb nicht „Verf*cktes Scheißdrecksding“ genannt, weil Michel ganz eifrig zu helfen daneben stand. Es war auch gut, dass er da stand, weil mir sonst das ganze Alu-Glas-Konstrukt vermutlich auseinandergefallen wäre. Und nein, das ist nicht von Ikea, ich glaube, bei Ikea hätte ich mich lange nicht so aufgeregt, die machen wenigstens verständliche, komplette und sinnvolle Anleitungen.

    ___

    *Unser Auto ist, für eine Familie mit zwei noch recht kleinen Kindern, eigentlich immer erstaunlich sauber. Weil mich und auch Herrn Rabe auch leichtes Chaos im Auto schon sehr schnell stört. Zum Beispiel liegt im Kofferraum nur, was wir wirklich auf der Fahrt brauchen, sowie eine Not-Einkaufstüte. Ich bin da echt pingelig, bei meinem Auto.

    **was schon allein deshalb einigermaßen lächerlich ist, weil wir einfach nichts, aber auch wirklich gar nichts, zu bieten haben.

    Tag 1121 – Trauriges Schneckenupdate.

    Heute Abend habe ich mich endlich aufgerafft, die Schneckenerde zu tauschen. Wir haben nämlich wieder ausufernden Erdmückenbefall und das macht mich ja irre, diese Minifliegen ü-ber-all. Aber egal, jedenfalls hatte ich schon vorher so einen Verdacht, und der hat sich leider bestätigt: eine meiner Schnecken ist leider gestorben. Ich hatte das vermutet, weil sich alle anderen eingegraben hatten, vermutlich um in Trockenruhe zu gehen (das hat sich in mindestens 2 Fällen auch bestätigt), aber diese eine lag auf der Erde, mit der Öffnung nach unten, tagelang. Das Futter wurde nie angerührt. Heute hab ich also endlich mal nachgesehen und sie hat sich sehr weit ins Haus zurückgezogen, aber keinen Deckel gemacht (wie die 3 anderen), ein Stückchen Fuß guckte noch raus, aber auf vorsichtiges anpieksen tat sich absolut gar nichts, allerdings sah ich beim Anpieksen ein paar kleine Maden am Fuß. Yierks.

    Für den Fall, dass ich mich vertue und die Schnecke doch noch lebt, habe ich das ganze so schonend wie möglich beendet und sie ins Gefrierfach gelegt. Und jetzt fühle ich mich furchtbar, weil ich das nicht früher bemerkt habe. Und was ich mit der Schnecke dann mache, weiß ich auch noch nicht. Das Haus würde ich gerne behalten, kann man die wohl einfach auskochen? Ist das sehr makaber? Eigentlich schon. Hmm.

    Auch total blöd: beim Erde herausholen habe ich ein Gelege gefunden. Das hätte ich wohl besser vor ein paar Tagen schon finden sollen, aber ich gebe zu meiner Verteidigung an, dass die Schnecke, die das Gelege zu verantworten hat, sich obendrauf eingegraben hat und schlafende Schnecken soll man ja nicht stören, ne? Jedenfalls habe ich da vielleicht, ganz vielleicht, nicht nur Eier (allerdings zu 99%, ich würde sagen, gerade noch so Eier) eingefroren dieses Mal. Die, die sich im Haus der Mama-Schnecke versteckten, waren schon deutlich größer und da hab ich es ganz einfach nicht übers Herz gebracht. Wir haben nun also vier minus eine plus acht Schnecken*. Und ich fühle mich wegen des Rests wie der letzte Mensch. Da passt man einmal nicht auf.

    RIP, große Schnecke. Und willkommen, Familienzuwachs. Ich passe ab jetzt besser auf, dass ihr euch nicht vermehrt, versprochen.

    (Wirklich noch winzig, winzig klein. Beim ersten Bild täuscht die Perspektive, die sind ca. 3-5 mm groß. Und bei der Mama mache ich mir ein wenig Sorgen, weil die auch deutlich weiter im Haus ist, als die anderen beiden ruhenden. Allerdings machte die das schon die letzten zwei Winter so. Vielleicht hat sies lieber kuschelig.)

    ___

    *Bevor Sie jetzt alle hier schreien: klar würd ich die auch weggeben (zumindest so 5-6), allerdings sollte es zum Verschicken auch nachts noch >10 Grad haben, das ist es hier jetzt nicht mehr. Und ein wenig warten müsste man auch noch, damit sie etwas größer werden. Aber vielleicht Anfang Oktober? Da sind wir möglicherweise alle, auf jeden Fall aber Herr Rabe für kurz eh in Deutschland.