Tag 352 – Der Dinosaurier. 

Michel hat von seiner Tante ein Dinosaurierei geschenkt bekommen. Und das war super. Michel steht ja eh ziemlich auf Dinosaurier (und Drachen, Dukkeldile, Haie, Zrebras, Ellifanten und eigentlich alles, was jemals auf der Erde rumgekreucht ist) und dann so ein Ei zum selbst ausbrüten – der Hammer. 

Ich habe das grade mal gegoogelt, es gibt die in Deutschland auch, wir hatten glaube ich eines von dieser Marke. Die Tante kaufte das Ei in Canada (?), die Verpackung ist schon weg, so einfach ist das also nicht mehr nachzuvollziehen. Aber die Größe und die Zeitangaben passen. 

Das funktioniert nämlich so: das Dinosaurierei wird in eine große Schale mit Wasser gelegt. Der Dino drinnen (man weiß nicht, was schlüpft, also extra spannend!) quillt dann auf, gleichzeitig löst sich die Schale etwas auf, kriegt irgendwann Risse und nach zwei Tagen „schlüpft“ der Dinosaurier, also er ist dann weit genug aufgequollen und die Schale instabil genug geworden, dass die Schale bricht. Von der Chemieseite hab ich da keine Ahnung, ich sag mal so: irgendwas mit Polymeren. Klingt schlau. 

Danach muss der Dino noch ein bis zwei Tage in frischem Wasser liegen bleiben. (Dabei wuchs Michels Stegosaurus nochmal ganz ordentlich.) Und fertig ist der selbst ausgebrütete Dino! Etwas glibschig bleibt er, und er schrumpft auch wieder, aber nur sehr langsam und das ist bestimmt durch neues Einlegen in Wasser zu beheben. 


Und jetzt zum Erfahrungsbericht: voll super. Michel war natürlich Mega aufgeregt und klebte förmlich an der Dinoei-Schüssel. „Da! Da so Risse sind, kumma, Mama! Da!“. Als dann am zweiten Morgen der Dino endlich geschlüpft war, war er komplett aus dem Häuschen. Sein eigener Baby-Dino. Von der Tante ordentlich angeheizt („Du bist jetzt ein Dinosaurier-Papa, da musst du guuuuut auf dein Baby aufpassen…“) fühle er sich direkt total verantwortlich und als wir dann zum Zelten fuhren und den Dino in seiner Schüssel zurückließen, müssten wir uns im Auto die Geschichten anhören, wie traurig der Dinosaurier jetzt ist, weil er alleine ist und er (also Michel) nicht da ist und der Dinosaurier doch auch in den Zoo gehen und Tiger angucken und im Zelt schlafen will. 

Umso größer die Freude, als wir nach Hause kamen und der Dino riesig groß geworden war! Erstmal wurde er abgetrocknet, im Handtuch rumgetragen und dann wurde ihm die Welt gezeigt. Also, unsere kleine Wohnungs-Welt, aber immerhin. Auch die (Selbst-)Gespräche (Michel quasselt momentan von früh bis spät, Herrn Rabe und mir fallen langsam die Ohren ab) handelten erstmal nur noch vom Dinosaurier. Der Dino wurde gefüttert und umsorgt. Mit ins Bett genommen. Es war wirklich total niedlich. (Und vor allem hält er das auch aus. Fühlt sich jetzt an, wie ein großes, leicht wabbeliges Gummitier.)

Langer Rede kurzer Sinn: Dinoeier sind super. Wenn sie mal einem Kind in der Dinophase eine Freude machen wollen: Dinoeier. 

Tag 351 – Nörgel

Kacklaune weil Erkältung und PMS (hoffentlich), höllischen Schmerzen im rechten Handgelenk bei fast allem und überhaupt. Arbeit doof, die Zellen wollen einfach nicht so wie ich, die RNA auch nicht (Polyklonale Antikörper sind des Teufels, ich sage es Ihnen!) und das was ich für meine Kollegen gemacht hab, hab ich wegen unzureichender Information falsch gemacht und muss es jetzt morgen im richtigen Puffer nochmal machen. Immerhin geht der Beta-Zähler jetzt wieder. Und kaum zu glauben aber wahr: die Proben, die ich im Juni LETZTEN JAHRES noch kurz vor meinem Mutterschutz mit einem riesigen Aufwand erstellt habe, sind jetzt ENDLICH analysiert worden. Also, gemessen, nicht analysiert, der Analysator muss das machen, das kann ich nicht selbst (zu viel Informatik). Mal sehen, wann ich die Daten dann kriege. Nächstes Jahr oder so. 

Was gut war: Meine Proben wurden gemessen, ich habe jetzt haufenweise RNA, mit der ich Quatsch machen kann und außerdem habe ich sehr niedliche Kinder. Ja. 

Tag 349 – Wie es war in Bildern. 

Wir sind wieder da, liegen in richtigen Betten mit richtigen Matratzen und wir haben W-LAN und so. Die gefühlten sechs Tonnen Einkäufe sind auch verräumt, also hier die versprochene Nachlieferung an Bildern.

Erstmal was vom Campingplatz.

13725714_538316236363902_1718644377_n

Schon schön hier. 😍

Noch eine Bemerkung zur Hardware: Das Zelt ist gut, blitzschnell ‚aufgebaut‘ und für drei Erwachsene geräumig. Für 2 Erwachsene, ein wühlendes Kleinkind und ein kuschliges Kleinstkind ist es so lala geräumig. Aber dann gibt’s irgendwann, wenn die Kinder groß genug sind um im eigenen Zelt zu schlafen, das Update auf ein weiteres Zelt nur für die Kinder. Dunkel ist es innen auch. Luftig nur, wenn man die Belüftungklappen aufmacht: dann ist es aber nicht mehr dunkel. Ab sechs Uhr morgens hat man also trotzdem Pest oder Cholera.


Dann wären wir ja im Zoo, davon gibt es wenige Bilder, weil ich beschäftigt war mit den Kindern, dem Kinderwagen, den Wasserflaschen, den Bananen…

Aber im Freizeitpark hatte ich ungewollt viel Zeit, zum Beispiel um dieses „Kunstwerk“ zu bewundern.


Vor dieser Bahn stand ich gefühlte Ewigkeiten, weil Herr Rabe  Michel eine Runde nach der anderen darauf drehen wollte – aber nicht alleine.

Währenddessen regnete es auch ein bisschen. Pippi findet die Regenpelle aber eher so mittel.


Dann drehten Herr Rabe und Michel noch eine Runde mit einem Zug durch den gesamten Zoo. Pippi wuchs derweil an einem potthässlichen Zug-Dings fest (Züge! Überall Züge in diesem Park!)


Detailaufnahme.


Währenddessen wurde mein Gehirn von der dämlichen Musik püriert und ich war auch irgendwie sehr froh um die Tetanusimpfungen von Pippi.

Nach dem Park wollten die Kinder unbedingt Baden. Es war echt kalt. Das juckte die Zwei aber nicht im geringsten. Heute sind wir alle erkältet. Tjanun.

Michel hat seine Badehose selbst angezogen.

Nach dem Baden grillten wir unter anderem Würstchen aus Quorn: einer Proteinmatsche aus irgendeinem Pilz. Schmeckt ganz ok, aber die Tofuwürstchen die wir immer haben finde ich besser. Michel ist das egal, Hauptsache es sieht aus wie Pølse, dann isst er es auch. Die norwegischen Pølse kaufen wir nur nicht weil wegen Fleischabfälle, zusammengematscht mit Salz und Wasser… Nee, dann lieber Tofu. Oder eben Quorn.

Die Kinder waren dann früh im Bett, wir saßen noch vorm Zelt und tranken schwedisches Bier (nur 11:40 SEK! Und die Marke, die sich im Auslandssemester durch extensives Testen als beste in der Geschmack-Kater-Bilanz herausgestellt hat, gibt es noch! <3). Das war sehr schön.

Heute wurde dann nur noch gepackt, eingekauft (der Durchschnitts-Norweger kauft billiges Fleisch. Wir kaufen Käse, Olivenöl, Essig, Milch, Eier, Limettensaft, Speisefarbe und Schokolade. Alle kaufen Alkohol) und Abfahrt. Die Fahrt zog sich dann eeeeeewig. Schon alleine an zwei Baustellenampeln standen wir gut 15 Minuten (jeweils!). Führt übrigens auch nicht grad zu guter Rotphasen-Compliance, die Ampelphasen möglichst lang zu machen *hust*. Und für Eltern mit einem Wieso-bewegt-sich-das-Auto-denn-nicht-ich-schrei-jetzt-alles-zusammen-Kind ist sowas eine Zumutung. Zusätzlich goss es einen Großteil der Fahrt wie aus Kübeln, ich bekam wegen schlagartig beschlagender Scheiben im Tunnel dezent Panik und überhaupt, blöde Fahrerei.

Nun ja. Wir sind jedenfalls wieder zu Hause, haben eine der 10 SEK/kg Zucchinis gesessen, Michel hat seinen Dinosaurier fertig ausgebrütet und zeigt ihm jetzt die Welt (da schreibe ich mal gesondert drüber) und das ist sehr niedlich, die Schnecken leben auch noch, also: alles gut. Und wenn nicht, hilft Ignorin.

Tag 348 – Penis!

Heute ziemlich viel Peniscontent über den Tag verteilt. Lag zum Einen an der etwas merkwürdigen Musikauswahl des Frösö Zoo-Tivolis (deutscher Ballermann-Schlager. Grauenvoll. Gehirnzerfressend. Sexistisch ohne Ende, gegenüber Männern (dauergeil und gefühlskalt) und Frauen (nur gutaussenhend und gut zu f***en, nen Charakter haben die nicht) gleichermaßen. Und sexually explicit. Sehr.) und zum Anderen an, ach, lassen wir das. 

Schweden jedenfalls ist sehr schön (wie immer), total günstig (aus norwegischer Perspektive) und auch das Wetter ist bisher bestens. Der Zoo war so, naja, Zoo halt, eingesperrte Tiere und so, dafür aber sehr sauber und groß und die Tiere machten einen sehr gesunden und faulen Eindruck. Der Tivoli im Zoo war grauenhaft. Rostige Gefährte, schreckliche Beschallung, überteuert. 

Morgen geht’s zurück und dann werden auch Bilder nachgeliefert. Ich hab nämlich weder W-Lan noch ist der Akku voll genug zum Hochladen. 

Tag 346 – Geschafft. 

Heute so:

06:45 Pippi ist wach. Nicht schlimm, der Zeitplan für heute ist eng getaktet.  

07:15 Brühstück überbrüht, Pippi gewickelt und angezogen, selbst auf dem Klo gewesen. Pippi ist nörgelig.

07:45 Pippi ist wieder eingeschlafen – auf mir. Wir kuscheln und ich lese dabei meinen Feedreader leer. 

08:15 Ich bringe Pippi wieder ins Bett. 

08:20 Während ich Brotzutaten abwiege, kommt Michel angelaufen. Danach meine Schwägerin. Ich wiege und knete und so. 

09:00 Frühstück ist fertig, Michel hat Kohldampf, Herr Rabe und Pippi müssen erst noch geweckt werden. 

09:10 alle sind endlich beim Frühstück. Alle außer mir: ich muss das Brot wirken und Brötchenzutaten abwiegen (eng getaktet!)

10:00 Mit dem Frühstück fertig. Brot einschießen. Zwischendurch den Brötchenteig immer mal wieder kneten. 

11:00 Brot ist fertig.

11:30 Brötchen wirken und formen. Platenkuchenteig ansetzen. Ich fange an die Familie aus dem Haus zu beschleunigen. 

11:50 ENDLICH sind alle weg. Ich räume auf. 

12:30 Brötchen Ladung eins einschießen. Mit zunehmender Hektik aufräumen und saugen. Frei rumfliegendes Gedöns, ca. 12 Paar Schuhe von mir und die gefühlten tausend Kramboxen von Herrn Rabe werden ins Schlafzimmer geworfen und die Tür zugenagelt. 

12:50 Brötchen fertig. Platenkuchenteig irgendwie aufs Backblech kriegen. Sehr viel Fluchen. Unschöne Haar-Staubschicht vom Waschbecken grob abwischen. Zwischendurch ruft Herr Rabe an und will Sachen wissen. Ich würge ihn ab. 

12:55 Brötchen Ladung zwei einschießen. Weiter hektisch aufräumen. 

13:00 Im Affenzahn unordentlich die Beine rasieren. In noch größerem Affenzahn duschen. 

13:15 Brötchen fertig. Haare Föhnen, Gesicht einkremen, huschhusch MakeUp drauf. Mein Kleid hat einen Fleck (Schnodder? Sabber?) auf der Schulter. Plan-B-Kleid überwerfen. 

13:20 Herr Rabe und Pippi sind wieder da. Pippi schläft. Herr Rabe tut Dinge. 

13:25 Herr Rabe beginnt, die Geburtstagskrone für Pippi zu basteln. Ich drücke Dellen in den Platenkuchenteig, verteile dann Unmengen Butter drauf, bedecke alles mit (wie sich später herausstellen wird zu wenig) Zucker und Mandelblättchen. 

13:35 Platenkuchen in den Ofen schmeißen. Es klingelt. Es sind nicht Michel und die Schwägerin, leider, sondern meine Kollegin A. mit 2-Jähriger Tochter. 

13:45 Mit Kollegin unterhalten und derweil blind Haarwachs in die Haare schmieren. Es klingelt wieder: Michel und Schwägerin. 

13:55 Michel dazu überredet, die Joggingbuchse gegen eine lochfreie Jeans einzutauschen. Platenkuchen fertig. Ist etwas zu braun geworden, sieht aber sehr lecker aus. Obendrauf wird ein Becher Schlagsahne verteilt, das zischt schön in den kleinen brutzelnden Butterseen. Pippi wird wach und von Herrn Rabe ins Geburtstagskleid umgezogen. 

14:05 Ich mache Kaffee und es klingelt. Die letzten Gäste. Puhhhhh. 

14:30 Alle haben Kaffee und scheinen zufrieden. Ich schneide die Brownies und den Platenkuchen, packe alles auf Teller, die Kinder (3, 2 und 2 x 1) nehmen glücklich die Bude auseinander. 

14:40 Singen, Kaffee, Kuchen. Reden. Geschenke auspacken. Schön. 

16:00 Die beiden einjährigen sind nölig und müde. Pippi möchte stillen. Die letzten Gäste gehen nach Hause. 

16:20 Familie Rabe kollabiert geschlossen auf dem Sofa. Pippi stillt und döst dabei ein bisschen rum. Wir gucken Shaun das Schaf auf Netflix. Die Schwägerin schläft ein. Ich beantworte Geburtstagsglückwünsche. 

17:00 Huch, so spät schon? Wir beenden das Fernsehen. Herr Rabe räumt ein bisschen auf, ich wickle Pippi, Michel geht nochmal aufs Klo.

17:50 alle sind wieder abmarschbereit. 

18:05 Ankunft im Restaurant. Essen. Musik aus Lautsprechern, fordernde, hungrige Pippi, laute Gespräche am Tisch hinter uns, Gespräche an unserem Tisch: mein System meldet Reizüberflutung. 

18:25 Vorspeise. Und Bier. Ab da geht’s. Das Essen ist sehr lecker. Pippi tunkt ihren Zeigefinger in meine Soße und leckt ihn dann ab. Das ist sehr niedlich. Michel schläft fast auf der Bank ein. 

19:50 Das Essen ist vorbei und wir gehen nach Hause. Auf dem Weg lese ich meine WordPress Nachrichten und seufze innerlich etwas auf. 

20:10 Pippi ist im Schlafi und hat Zähne geputzt, ich gehe mit ihr ins Schlafzimmer. Sie schläft nach 5 Minuten Stillen wie ein Stein. Ich beantworte Blog-Kommentar-Kommentare. Dann fange ich an, den Eintrag von heute zu schreiben. 

20:45 Michel, im Schlafi, Zähnegeputzt und Vorgelesen kommt ins Bett. 

21:00 Jetzt. Michel hampelt und erzählt immer noch. Wo nimmt er diese Energie her? Ich könnte auf der Stelle einschlafen. 

Tag 345 – Ein Jahr. 

Hallo,

Mama sagt, sie ist heute zu emotional, deshalb schreibe ich heute mal selbst. 

Ich bin jetzt ein Jahr alt. Ein Jahr alt sein ist schon cool, glaube ich. Heute zum Beispiel gab es sehr viel Kuchen zu essen. Und Eis. Und ich durfte so viel Käse essen, wie ich wollte. Ich glaube, dass ist so, wenn man eins ist, dann ist das Leben nur noch Kuchen und Käse. 

Überhaupt war heute toll. Alle haben gesungen. Ich mag das, wenn gesungen wird und tanze dann auch gerne mal wild dazu. Und es gab Geschenke! Ich habe jetzt eine Spielküche und ganz viel Holzgemüse und jede Menge neue Anziehsachen. Aber die Küche ist schon einfach der Hammer. Da kann man nämlich die Türen auf und zu machen und das Holzgemüse reinlegen und rausnehmen und reinlegen und rausnehmen und immer so weiter. Leider schmeckt das Holzgemüse nicht so gut, aber man kann ja nicht alles haben. 

Geburtstagsausnahme.


Was man zum Beispiel nicht gleichzeitig haben kann: Finger zum dran festhalten und frei laufen. Damit die anderen nicht merken, dass ich in echt schon ganz selbst laufen kann, tue ich so, als könnte ich das nicht. Manchmal vergesse ich, dass ich ja so tun will, und dann mache ich ein, zwei, drei Schritte. Aber sobald wer guckt, fällt mir mein Plan wieder ein und ich lasse mich auf den Po plumpsen und weine laut, um von den Schritten abzulenken. Warum ich lieber an den Händen laufen will ist doch klar: das geht viel schneller, als alleine! Das geht sogar schneller als Krabbeln und vor allem tut das dann auch draußen nicht so weh an den Knien. Schlau von mir, oder?

Ich kann auch schon zweieinhalb Sachen sagen. ‚Mamamamamama‘, das heißt Essen. So wie ‚Hamm‘ und ‚hmmmmmhmmmmhmmmm‘. Ein wichtiges Wort ist auch ‚Nane‘. Es heißt Banane und das ist ja auch Essen. Essen ist wichtig. Ich kann auch ‚Das‘ sagen und dabei auf Sachen zeigen. So richtig mit dem Zeigefinger. Dann krieg ich das meistens. So geht das nämlich. Und für den ganzen Rest hab ich die Universalworte ‚Da‘, ‚Dei‘ und ‚Gödeldödeldö‘. Da müssen die großen Leute eben mal ein bisschen nachdenken, was ich meine. 

Ich bin eigentlich immer gut drauf, außer wenn ich nachts aufwache oder ganz müde bin oder voll Hunger hab. Aber sonst hab ich echt immer gute Laune. Klar, am besten ist es, wenn alle da sind und sich um mich kümmern. Aber wenn nur alle da sind, ist auch schon gut. Mama hab ich ganz besonders lieb, weil die kuschelig ist und Milch macht und schön singt. Michel habe ich ganz besonders lieb, weil der ganz viel Quatsch mit mir macht und tolle Spielzeuge hat und mich ganz oft von seinem Eis probieren lässt. Papa hab ich ganz besonders lieb, weil der so eine große Nase hat, in die ich gerne morgens reinkneife, weil der so schön beim Kuscheln brummt und weil der die besten Bauchpupse macht, das kitzelt so schön. Außer Mama, Papa und Michel mag ich noch meine Kaubürste, Duplomännchen und Baden. Baden ist das allertollste. Ich fand Baden lange total kacke, aber jetzt finde ich das richtig gut und will niiieee mehr aus der Badewanne raus. Wieso war ich eigentlich heute noch nicht Baden? Vielleicht sollte ich nochmal Himbeeren „essen“, dann haben sie keine Wahl, hehe. 
Ich glaube, ich muss jetzt Schluss machen. Vielleicht ein paar Himbeeren essen *zwinker* und danach von Käse und Kuchen träumen. Käsekuchen, hat das eigentlich schon mal wer erfunden? Das wäre großartig. 

In diesem Sinne, herzliche Grüße –

Eure Pippi

Tag 344 – Gewaltige Worte. 

Es folgt: ein kleiner Abriss, wieso mir bei dem Satz „Erziehung ist Gewalt“ ein paar Synapsen abplatzen. 

Disclaimer: mir ist total egal, wie ihr eure Kinder erzieht oder eben nicht erzieht. Echt. Aber wer mir unterstellt, meinen Kindern Gewalt anzutun, dem möchte ich zumindest mal sagen dürfen, wie ich ‚Gewalt‘ für mich definiere. Das tue ich mit diesem Text. 

Zunächst einige Worte zum Hintergrund. Ein gegenwärtiger Trend unter den (Blogger-)Eltern scheint zu sein, nach dem Konzept „Unerzogen“ zu leben. (Jetzt höre ich sie schon wieder schreien, dass es kein Trend sei. Also gut, es gab vermutlich schon immer Leute, die so lebten. Früher hieß das mal antiatoritäre Erziehung oder Laissez Faire. Was natürlich was vöööööllig anderes ist, schon klar. Aber jetzt haben plötzlich viele von den unerzogen lebenden Muttis Familien Blogs. Wirklich jede Woche werden mir ein, zwei Artikel mit teils haarsträubendem Inhalt von mir bis dato gänzlich unbekannten Blogs in die Timeline gespült.) Unerzogen heißt, dass man nicht erzieht. Punkt. Gar nicht. Nein, auch nicht „Eis gibt’s nicht sieben mal am Tag“ oder „Wenn morgen Schule ist, geht’s vor Mitternacht ins Bett“. Aber auch kein „Schönes Bild hast du da gemalt“, denn auch Lob ist verpönt. Rituale und Routinen (je nach, wie soll ich es nennen, Extremismusgrad?) auch. Von Tadel, Drohung oder gar Strafe mal ganz zu schweigen. (Nachzulesen, wenn Sie’s auch nicht glauben können, zum Beispiel hier, aber ich übernehme keinerlei Verantwortung für die Folgen des Lesens!) Alle erzieherischen Maßnahmen werden als Manipulation eingestuft und mit Gewalt gleichgesetzt

Und *zack* Synapsen ab. 

Seriously? Erziehen = Manipulation = Gewalt?

Rituale = Manipulation = Gewalt???

Was für eine hirnrissige Definition von Gewalt ist denn das?

Ja, ich erziehe meine Kinder. Ja, ich lobe sie für (mir wünschenswert erscheinendes) Verhalten und besonders große Bemühungen. Ich tadele sogar manchmal. Ja, wenn mein Kind mich haut, sage ich, dass ich das blöd finde und wir in unserer Familie uns nicht gegenseitig hauen. Ich gehe nicht einfach weg, wie es bei einigen unerzogen lebenden Familien dann gehandhabt wird  (und strafe das Kind mit Liebesentzug?). Ja, damit manipuliere ich meine Kinder. Ich möchte (mir wünschenswert erscheinende) bestimmte Verhaltensweisen bei meinen Kindern verstärken, und ja, ich wünsche mir auch, dass manches unschönes Verhalten recht schnell wieder abgestellt wird oder sich am besten gar nicht erst einschleift. Manipuliere ich damit am Wesen meiner Kinder herum? Untergrabe ihre Selbstwirksamkeit? Zerstöre ihr Selbstvertrauen? Ich denke nicht. Tue ich meinen Kindern Gewalt an? Ich verbitte mir diese Unterstellung!

Warum stört mich das Wort Gewalt in dem Zusammenhang so? Es ist ganz einfach: es ist extrem negativ besetzt und dadurch, dass etwas eigentlich neutrales und alltägliches wie Erziehung mit Gewalt gleichgesetzt wird, wird an den Stellen, an denen tatsächliche, von der Gesellschaft als solche wahrgenommene, Gewalt passiert, diese nivelliert. Vielleicht wird es mit einem Beispiel deutlicher. 

  • Familie Rabe hat ein Abendritual erzieht ihre Kinder und tut ihnen damit Gewalt an.
  • Familie Möwe sperrt die Kinder, wenn diese nicht spuren, in den Keller und tut ihnen damit total krasse Gewalt an. 
  • Mutter Adler verhaut regelmäßig Papa Adler und die Kinder, wenn sie besoffen ist. In dieser Familie herrscht ultrakrasse schreckliche Super-Gewalt. 

Verstehen Sie? Es gibt keine Steigerung von Gewalt. Man hat schon für das Alltägliche das Extreme als Bezeichnung gewählt. Alles, was danach kommt, steht begrifflich auf der gleichen Stufe. 

Mich erinnert das Ganze an das Lied Krieg des Farin Urlaub Racing Teams. Er singt davon, wie er im Schnäppchenkrieg ist, dann im Verkehrskrieg. Am Ende heißt es

Es ist Krieg, wenn ein Mensch auf den andern schießt,

bis das Blut knöchelhoch durch die Straßen fließt.

Es ist Krieg wenn der eine den andern besiegt,

darum kriegen wir niemals genug von Krieg.

Auch hier: durch die alltägliche Verwendung der Kriegsmetapher wird das tatsächliche Grauen des Krieges klein gemacht, fast verniedlicht. Umso größer der Kontrast zum ‚echten‘ Kriegsszenario. Interessant finde ich auch die Interpretation Farin Urlaubs, die häufige Verwendung des Wortes Krieg sei auf die Sieger-Position, die jeder jederzeit innehaben wolle, zurückzuführen. Vielleicht ist es ja mit der Gewalt das gleiche: dadurch, dass alle anderen als  „gewaltvoll handelnd“ bezeichnet werden, was ja, wie schon erwähnt, extrem negativ konnotiert ist, gehört man zum erlesenen und in sich geschlossenen Kreis der ‚Guten‘. Vielleicht. 

Und noch was:

Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Nein. Aber Kinder sind auch kein Gras und das Aufwachsen eines Menschen sowie die Persönlichkeitsentwicklung eines solchen ja auch kaum mit dem Wachstum eines Grashalmes zu vergleichen. 

Tag 343 – Sommer!

Morgen wird Sommer. Also morgen wird der Sommer sein, vielleicht übermorgen noch ein bisschen, aber ich mache mir nicht allzu große Hoffnungen, dass es dann wochenlang schön bleibt. Da man so kurze Sommer ja nutzen muss, werde ich morgen nur super fix zur Arbeit fahren, meine Zellen ein bisschen betüddeln und dann wieder abdüsen und den Tag mit der Familie und meiner Schwägerin, die heute spät abends noch kommt, am See oder am Fjord verbringen. Mit allem drum und dran und Grillen und Baden und allem Scheiß. Das wird toll und dafür liebe ich Norwegen sehr: jeder, der morgen bei der Arbeit länger als unbedingt nötig rumhängt, wird schief angeguckt werden. Anwesenheitskultur? Nicht bei 28 Grad! 

Und damit ich morgen wirklich nur die paar Futzisachen machen muss, habe ich heute den ganzen Rest der To-Do-Liste weggearbeitet, die Proben die ich gestern gemessen hab ausgewertet, in die Tischkante gebissen und die Hälfte der Daten aus der Auswertung geschmissen hübsch fertig gemacht mit Diagramm und allem Schnubbeldibupp und an die „Auftraggeber“ geschickt. Gedöns vorbereitet für Freitag (auch da werd ich nicht allzu lange arbeiten, es ist ja Pippis Geburtstag) und dann habe ich eineinhalb Stunden damit zugebracht, den Kram, den ich in den letzten zwei Wochen gemacht habe in mein Laborjournal nachzutragen. Manche Sachen lerne ich wohl einfach nie. Zum Beispiel, dass es viel einfacher (und genauer und schneller) ist, am Ende vom Arbeitstag 5 Minuten was aufzuschreiben, als dann hinterher ewig dazusitzen und zu überlegen „Wann hab ich denn nochmal das gemacht? Am Donnerstag? Nee, kann nicht sein, weil dann hätte ich ja am Freitag…“. Alle paar Wochen nehme ich mir wieder aufs Neue vor, es nicht wieder schleifen zu lassen und Tadaaa: sechs, acht Wochen später sitze ich wieder kopfkratzend in meinem Büro. 

Egal. Morgen ist Sommer. 

(Ich habe sogar, weil sonst keiner da war, als ich nach Hause kam, schon mal meine Sommerkleider gebügelt. Ja, Mehrzahl, dann ziehe ich mich eben dreimal um morgen. Jahaaaa, gebügelt! Ich! habe gebügelt*. )

*hier Tom Hanks in Cast Away vorstellen, wie er ausruft „ICH habe FEUER gemacht!“.