Was macht der Papa eigentlich so den ganzen Tag

Wuhu! Angestiftet von Frau Rabe zum betrunken bloggen. Naja, sagen wir mal angeheitert. Denn ich hatte heute traditionelle Norwegische Weihnachtsfeier. Aber dazu später mehr.

Los geht’s irgendwann in der Nacht von Freitag auf Samstag. Das Baby machte Radau, es konnte nicht wieder einschlafen. Also stand ich auf, lief mit dem Baby auf dem Arm durch die Wohnung und hüpfte solange auf dem Sitzball, bis das Baby wieder eingeschlafen war. Dann legte ich mich vorsichtig mit dem Baby auf dem Arm wieder ins Bett um auch weiter zu schlafen. Irgendwann wurde das Baby wieder wach, weil Hunger und wurde von mir an Frau Rabe weitergereicht.

Gegen halb neun machte das Baby erneut Radau. Also stand ich mit dem Baby auf, machte eine frische Windel drum und versuchte es zu beruhigen. Da dies nicht funktionierte ging ich wieder ins Schlafzimmer um das Baby an Frau Rabe zurückzugeben. Daraufhin wachte das Kind auf und wollte aufstehen. Beschwerte sich aber sofort über den kalten Fußboden und musste auf den Arm. Dann saßen wir erstmal eine Weile auf einem Stuhl und das Kind wurde langsam wach, während wir kuschelten und ich ein Buch vorlas. Achja, sein Adventskalender-Geschenk für den 5. hatte das Kind da natürlich schon ausgepackt.

Dann haben wir Frühstück gemacht (Brötchen aufbacken, Kaffee kochen, Tisch decken) und gegessen. Im Anschluss hab ich ein Feuer im Kamin angemacht, das Baby in den Schlaf geschuckelt und dann dem Kind die Sendung mit der Maus angemacht. Während Frau Rabe in der Dusche stand, habe ich weiter Fotos der letzten 12 Monate sortiert, denn es soll auch dieses Jahr zu Weihnachten wieder ein Familienjahrbuch für die Großeltern geben. Das ist ein ziemlicher Aufwand, aber es lohnt sich.

Während das Kind auf dem iPad sich selber durch die Maus-Clips in der Maus-App klickt (finde ich immer wieder beeindruckend, 3 Jahre und kann das schon ganz alleine) konnte ich auch die Zeit nutzen und Duschen. Dann Holz im Kam in nachgelegt und neues Holz aus dem Keller hochgeschleppt.

Irgendwann später mit Kind und Baby losgezogen zum Einkaufen. Da wir im Supermarkt recht schnell fertig waren, haben das Kind und ich beschlossen noch ein bisschen weiter zu gehen und für Frau Rabe neue Schnürsenkel zu kaufen. Dann hatte das Kind schlimm Hunger und wir mussten etwas Gebäck kaufen und verzehren. Zum Schluss des Ausflugs noch kurz zur Post um die Ecke und ein Paket von den Großeltern vom Nikolaus abholen.

Wieder au Hause (so gegen halb fünf) erst mit dem Kind ein bisschen gespielt und Zug gebaut. Dann in Schale geschmissen, denn meine Firma hatte zum „Julebord“ (traditionelles Norwegisches Weihnachtsessen) geladen. Ein Willkommener Anlass für alle, sich sehr schick anzuziehen und dann ordentlich einen zu heben.

Zuerst ging ich noch zu einem Arbeitskollegen, zum Aufwärmen. Das war sehr nett und ich habe herausgefunden, dass er eine alte analoge Leica besitzt und seine schwarz-weiß Filme selber entwickelt. Der alte Hipster. Dieser Kollege ist wirklich sehr nett, leider zieht er Ende Januar nach Oslo. Aber Frau Rabe möchte ja auch nach Oslo ziehen. :)

Später dann weiter in das große Hotel, wo das Julebord veranstaltet wurde. Pünktlich um kurz vor 19 Uhr waren wir dort. Wir gaben direkt unsere Jacken an der Garderobe ab und wurden dann auch schon zu Tisch gebeten. Dort gab es schon Wein und Bier, und so saßen wir und warteten darauf, dass wir zum Büfett gelassen wurden. Achja, weil Weihnachten mach‘ ich immer ne Ausnahme von meiner sonst eher vegetarischen Lebensweise.

Im folgenden so ungefähr was ich gegessen habe:

  1. Direkt mit dem warmen Hauptgang angefangen: Pinnekøtt, Ribbe, mit Kartoffeln, Rotkohl und norwegischem Sauerkraut.
  2. Zwischengang mit einem Teller voll Sushi. Hier in Norwegen nur mit Lachs. Der ist aber auch wirklich sehr frisch und gut.
  3. Eine Runde Spekemat, also Gepökeltes oder Geräuchertes. Es gab u.a. Elchsalami, Lamm-Schinken und Lamm-Roastbeef, Fenchelsalami, sowie auch ital. und spanische Schiken. Außerdem gab es sehr lecke Zuckerschoten in Knoblauch-Marinade und ich probierte sogar eine in Knoblauch gegarte Schnecke.
  4. Fisch: Geräucherter Lachs mit Zitronenpfeffer, eingelegter Lachs, eingelegter Heilbutt, sowie verschiedene Sorten Sild (eingelegter Hering).
  5. Dessert: Multbeeren-Sahnepudding. Kekse. Dunkle Schokolade mit Nüssen. Blaubeer-Küchlein, Himbeer-Küchlein, Mousse au Chocolat Törtchen. Vanille-Buttercreme auf Mandelboden. Hausgemachte Pralinen mit Whiskey-Note.

Eigentlich hatte ich dann noch einen Käsegang geplant, aber ich war zu voll um das noch auf mich zu nehmen. Stattdessen verlängerte ich den ungenießbaren Norwegischen Kaffee (weil schon mind. 2 Stunden auf der Heizplatte) mit einem Aquavit und etwas Zucker. So konnte man den trinken.

Nach dem Essen bekam jeder noch zwei Bons für weitere Getränke, von denen ich einen in ein lokales Weizenbier investierte. Den anderen verschenkte ich dann weiter bevor ich so gegen eins nach Haus ging.

Jetzt sitz ich hier, Artikel geschrieben. Muss ich gleich noch bei Frau Brüllen verlinken und dann noch den Nikolaus machen und was in die Schuhe stopfen. (Ob wohl schonmal ein „Nikolaus“ nach der Weihnachtsfeier in die Schuhe gekotzt hat? Also nur mal so interessehalber. Mir gehts prima. Hoffe nur, dass ich morgen etwas ausschlafen kann.)

Tag 117 – WMDEDGT Dezember 2015

Heute ist wieder der 5. Dezember und d.h. Frau Brüllen möchte wieder von uns wissen was wir eigentlich den ganzen Tag so tun. Heute ist ja ein Samstag, deshalb entfällt der ganze Alltagskram wie in den Kindergarten bringen und so dafür ist unser Tag aber trotzdem ganz schön voll. 

Der Tag fing um 8:30 Uhr an als mich das Baby laut brüllend weckte. Es war allerdings durch nichts zu beruhigen und wurde relativ schnell vom genervten Herrn Rabe weggeschleppt. Ich kuschelte also noch ein bisschen mit dem Kind während Herr Rabe das Baby mit einer frischen Windel versorgte und zu bespaßen versuchte. Nach circa einer halben Stunde gab Herr Rabe aber alle Bespaßungsversuche auf und beschloss dass das Baby wohl Hunger haben müsse. Ich bekam also das immer noch brüllende Baby zurück. Es ließ sich aber weiterhin nicht durch Stillen beruhigen und so schaukelte ich es meckernd wieder in den Schlaf. Das Kind hatte das Gebrüll sehr schnell verscheucht und ich hörte Herrn Rabe und das Kind zusammen Frühstück machen, während ich bei Twitter rumhing. 

Nach einem ausführlichen gemeinsamen Frühstück setzte ich ein Kochstück und einige Kartoffeln für die heute zu backenden Brötchen an und ging dann duschen. Herr Rabe betreute derweil die Kinder was im speziellen so aussah, dass das Kind Mausclips auf dem iPad sehen durfte und das Baby wieder in den Schlaf geschuckelt auf dem Sofa schlief. Heute gönnte ich mir mal eine etwas ausführlichere Körperpflege (also mit Beine rasieren und so) und brachte mir danach aus dem Badezimmer direkt eine Maschine Wäsche zum Zusammenlegen mit. Die legte ich dann zusammen und scheuchte deinen Mann und Kinder auf um endlich das Haus zu verlassen. Herr Rabe und ich hatten nämlich abgemacht dass er mit den Kindern einkaufen gehen würde und ich würde in der Zwischenzeit wie der Teufel alles putzen was ich in der kurzen Zeit schaffen kann.

Als Mann und Kinder endlich die Tür hinter sich zugemacht hatten war es auch schon Zeit aus den gekochten Kartoffeln und Mehl einen Autolyseteig zu kneten was ziemlich schwer war (Ja, Sie lesen richtig, kein Wasser!). Danach gab es ein lecker Käsebrot für mich und dann machte ich mich daran das Badezimmer zu putzen. Dieses hatte es bitter nötig, unsere Babysitterin ist im Klausurenstress und konnte die letzten Wochen nicht kommen. Da wir ja immer mit Babysitterin putzen war das Putzen also lange nicht geschehen. Ich putzte also so vor mich hin und war gerade rechtzeitig fertig als die Familie zurück kam und das Kind natürlich sofort aufs Klo musste.

Das Kind spielte dann mit Herrn Rabe eine Weile Zug, das Baby hatte Hunger und war kuschelbedürftig und ich machte den Teig für die Brötchen fertig. Danach machte Herr Rabe sich für seine Weihnachtsfeier fertig und schmiss sich in seinen neuen dreiteiligen Anzug. Ich bewunderte das Resultat (ich stehe ja heimlich auf Männer in Anzügen) und machte mich dann daran das Kind davon abzuhalten Herrn Rabe hinterherzurennen. Nach einiger Heulerei (Paaaapaaaaa!!!) beruhigte sie das Kind einigermaßen bei der Aussicht noch Keksteig zu machen. Erst mussten wir aber mit seiner Spielküche Kekse backen die verdächtig nach Teilen des Maulwurfmemorys aussahen. Das inzwischen wieder meckernde Baby steckte ich in die Manduca und schaukelte es nach Kräften in den Schlaf während ich mit dem Kind Memorykekse backte. Dann war es an der Zeit die Brötchen zu kneten. Während ich knetete setzte das Kind das komplette Badezimmer (das frisch geputzte) und die halbe Küche unter Wasser. Es spielte Würstchen warm machen und Kartoffeln kochen und abgießen auf dem Küchenfußboden. Da ich aber durch die Brötchen und das Baby keine Kapazitäten mehr frei hatte verschob ich das Schimpfen auf nie. Wir putzten dann gemeinsam den Küchenfußboden und fingen an Keksteig zu machen. Das Kind war natürlich mit Feuereifer dabei und half mir beim Abwiegen und vor allem beim Umfüllen der Zutaten in die Rührschüssel (und es ging auch nur ein klitzekleines bisschen daneben). Es gab nur einen kleinen Disput darüber ob man einfach so Butter essen kann (ich bin der Meinung nein, das Kind sieht das etwas anders). Den Keksteig verfrachteten wir dann in den Kühlschrank, nicht ohne dass er vom Kind noch Mals mit einem Gesicht versehen worden war, und die Brötchen wurden in den Ofen geschoben. Dann „machte“ ich uns Abendessen, für mich gab es den Rest von gestern, das Kind wollte das nicht und wollte lieber Käsebrot mit Weihnachtskäse essen. Weihnachtskäse eine norwegische Spezialität die das Kind und Herr Rabe sehr mögen (ich nicht so). Das Essen zog sich dann ziemlich, das Baby wurde zwischendrin auch noch gestillt, und danach war es höchste Zeit fürs Bett.

Kind bettfertig bekommen und Baby wickeln stellte sich als Herausforderung heraus, aber irgendwann hatte ich dann doch beide in ihren Schlafanzügen. Dem Kind das Feuerwehrbuch vorgelesen und das Baby derweil ein bisschen nuckeln lassen damit es ruhig ist und das Kind gut einschlafen kann, noch zweimal Elefant dudeln lassen und dann war das Kind auch schon eingeschlafen. Seither diktiere ich der WordPress App diesen Artikel was tatsächlich überraschend gut funktioniert. Und jetzt werde ich mich auch mal Bett fertig machen bis auf Zähneputzen. Das mache ich lieber nachdem ich noch einen großen Kakao getrunken habe. Und vielleicht gucke ich noch den Borowski Tatort von letzter Woche.

Und was machen Sie so den ganzen Tag? Ich bin ja auch mal gespannt ob der Herr Rabe heute Nacht noch besoffen von seiner Weihnachtsfeier bloggt ;)

Tag 116 -300 mL Milch auf ein Babyvollbad

Heute nur sehr kurz, weil das Baby ins Bett möchte. Beziehungsweise wissen wir das nicht so genau, das Baby ist seit ein paar Tagen total angepisst dauernd und von allem, ob das jetzt von der Erkältung kommt weiß der Himmel, aber die macht es sicher nicht besser. Super nervig ist allerdings, dass es 1. keinen Bock auf Stillen hat und oft erst nach Jahrmarktartigem Unterhaltungsprogramm trinken mag (und dann aber auch fix wieder brüllt und sich wegbiegt und so) oder eben im Halbschlaf, was aber auch schwierig ist wegen 2. nicht einschlafen kann. Einschlafstillen ist ja eh so ein Mythos an den das Baby nicht glaubt und im Moment (also seit ein paar Tagen eben) müssen wir für jedes Einschlafen das Baby herumschleppen oder auf dem Pezziball hüpfen bis wirs am Kopf kriegen. Das mag nachmittags um drei noch ganz ok sein, nachts um eins ist es das dann nicht mehr. Zumal das Baby auch bis es endlich schläft meckert, sich die Finger zu weit in den Hals schiebt, würgt, hustet, röchelt, kneift und kratzt. Deswegen probieren wir heute mal ein alternatives Einschlafprogramm: Früh mit Baby ins Bett und dann da bleiben, damit es nicht durchs „Wir Großen gehen dann jetzt auch mal ins Bett“ nochmal so aufdreht.

Ach so, ja, Baden in Muttermilch hat ganz gut geklappt, wenigstens gab’s nicht die ganze Zeit Gebrüll. Danach wollte das Kind auch mit Milch baden, ich hab es ein bisschen verarscht um Konflikte zu vermeiden habe ich Kuhmilch in den Muttermilchbeutel gefüllt und die durfte es dann in sein Badewasser kippen. Merke: Wenn man mit Milch im Wasser badet, wird die Haut nicht so schrumpelig wie sonst. Das heißt, das Kind kommt überhaupt gar nicht mehr aus der Wanne raus. Nienieniemals.

Tag 115 – Behindernd. 

Heute ist internationaler Tag der Menschen mit Behinderungen und da passt es ja, dass ich gestern schon über was schreiben wollte wo ich dann aber drüber weggekommen bin. Ich bin nämlich gestern bei Facebook über eine Werbung gestolpert. Die Kinder-Outdoormarke Vossatassar veranstaltet einen Adventskalender und man sollte da so nen Beitrag kommentieren und konnte dann Regenzeug oder so gewinnen. Jedenfalls hatte eins von den Kindern auf dem Bild offensichtlich Trisomie 21. Völlig unkommentiert, einfach zwischen den anderen Kindern. Und ich so: YEAHHHHH! EIN BEHINDERTES* KIND, HIER, INKLUSION UND SO!!! Und dann ganz schnell der Gedanke, wie scheiße das doch eigentlich ist, dass mir sowas so auffällt. Dass es eben immer noch heraussticht aus der Masse der heile-Welt-alle-gleich-süß Kinderwerbung. Geht man mal davon aus, dass übern ganz großen Daumen jede elfte in Deutschland lebende Person als schwerbehindert gilt, ist es doch mehr als verwunderlich, dass ein Kind mit Trisomie 21 in einer Werbeanzeige ins Auge fällt wie ein Osterhase unter Weihnachtsmännern. Ich finde es schlimm, wenn ich lese oder höre, wie wenig Inklusion tatsächlich passiert, wie viele Steine Menschen mit Beeinträchtigungen ständig in den Weg gelegt werden. Ich schäme mich sehr dafür, als Teenager oft das Wort „behindert“ als Synonym für „doof“ benutzt zu haben („schwul“ übrigens auch und haben Sie schon mal versucht, sich eine schlechte (Sprach-)Gewohnheit abzutrainieren? Das ist sehr schwer. Aber der Mühe Wert.). Ich finde schade, dass man nicht mehr Vielfalt sieht im Alltag. Dass den einen beeinträchtigten Dozenten an der Uni, der seinen Rollstuhl mit einem Pusteball (?) steuert, wirklich jeder kennt, statt dass man sagen muss: welchen meinst du denn? Denn rein statistisch gesehen müsste es überall verschieden beeinträchtigte Menschen geben. Jede/r elfte eben. 

Was jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung ist, ist der ungezwungene Umgang mit Beeinträchtigungen. Und da finde ich eben die Werbung oben ganz toll. Ein Kind unter vielen. Die Firma hat übrigens dazu gesagt, dass sie Daniel als Model ausgewählt hat, weil ihnen der Blog der Mama so gefallen hätte. Ich freue mich auch immer über die Geschichten von Noah bei der Sendung mit dem Elefanten. Denn Beeinträchtigungen werden erst durch die Umwelt und deren Barrieren zu Behinderungen. 

Für mehr Vielfalt!

Wer weiterlesen möchte, sehr umfangreiche Informationen gibt es bei leidmedien.de. Über das Leben mit einem schwerstbehinderten Kind in Deutschland schreibt sehr berührend Mareice Kaiser vom Kaiserinnenreich, da habe ich mich schon viele Male festgelesen. Besonders die Rubrik „behinderte Momente“ Ihres Blogs geht mir immer sehr zu Herzen. 

*Behindert ist eigentlich ein doofes Wort, siehe oben. Ich versuche noch, es mir abzugewöhnen, hier lasse ich es stehen um die Impulshaftigkeit meiner Reaktion zu unterstreichen. 

Tag 114 – Geschafft

Heute war die Statistikkursklausur. Die war aus mehreren Gründen tricky. Zuerst mal war die am ungefähr unwahrscheinlichsten Ort der Welt: Einer großen Sportwettkampfhalle, die sich einfach mal auf keinem der drei Campi (Campusse?) befindet. Dort wurden heute ca. drölfzig Klausuren zeitgleich geschrieben, das heißt, nachdem ich mir die Hacken abgerannt hatte (habe ich erwähnt, dass es sehr vereist ist zur Zeit?) und um 08:53 Uhr die Halle erreichte, lief ich erst mal zielsicher in den falschen Raum, da stand dann natürlich nicht mein Name auf der Liste, also rannte ich herum und checkte verzweifelt das Internet auf meinem Telefon. Den richtigen Raum fand ich dann um 08:59 Uhr und ich schwitzte auch nur ein bisschen. Ich wäre gerne früher da gewesen, aber zu diesem unwahrscheinlichen Ort brauche ich länger und das war nicht eingeplant gewesen. Nun ja, ich habe es ja geschafft, bekam den letzten Platz und sofort die Aufgaben.

Hrmhrm. Kann ich… Blaue Bälle, rote Bälle, jo… Hmm… Ok, das hier ist doof, das hab ich doch irgendwo aufgeschrieben? Blätterblätter… Nee doch nich, aber ich glaub das ging so… Wurzel oder nicht Wurzel, das ist hier die Frage… Och menno, wieso ist denn jetzt hier 13 und Wurzel aus 13 als Antwortmöglichkeit gegeben, das ist doch doof… Egal, erst Quadrat und dann wieder Wurzel, zack, passt schon… Oh das ist wieder einfach… Schreibschreib… mal 0. Oh. Mal 0. Dann ist ja das ganze Ding 0. Hääää? Das macht keinen Sinn. Schwitz. Schwitzschwitzschwitz. Nee, Formel ist richtig. Blätterblätter. Schwitz. AHHHH! 1- übersehen. OK. 1-0=1. Macht zwar nicht viel mehr Sinn, aber so isses halt. Weiter zu den langen Aufgaben. Rechnerechne. Jo, das geht so. Hupsi, Ergebnis sieht komisch aus. AHHHH! Standardfehler ist nicht Standardabweichung, genau, dann is das hier ja so und das durch das ist… Hrmhrm, accept H null, no difference blablabla, ok confidence interval, WTF wieso steht der kack Wert denn nicht in der Tabelle??? Hab ich doch die falsche Formel genommen? Nee, die andere Formel ist auch nicht sinniger… Ach verdammt, ich laber jetzt hier rum und mach das kleinere Intervall, dann isses noch sicherer, geht ja nur drum, dass das auch über 0 geht, so zack. Oh hier, schön Männer gegen Frauen, wer überlebt am längsten? Testtest, rechnerechne, hmm ok hier auch accept H null, no difference, blablabla. Was will er denn hier? Da steht ja die Lösung schon in der Frage? Will der mich verarschen? Nä, hier, zack, in other words the intervall is given by the probability blabla, muss man nix rechnen, is ja auch mal schön. Oh, erst halb elf und fertig. Alles fein abschreiben auf das hochoffizielle Durchschlagpapier und weg damit. Viertel nach elf. Etwas mehr als die Hälfte der Zeit.

Dann bin ich durch den Nieselschneeregen und die Kälte und über das Eis zur Bibliothek gelaufen, hab da dann (im Stehen, weil irgend so eine doofe Veranstaltung war und nix zum sitzen frei) die ganzen bunten Klebis aus dem Statistikbuch wieder rausgefummelt und das Buch abgegeben. Juhu, anderthalb Kilo weniger nach Hause schleppen. Kurz in der Krankenhausapotheke nach Nasentropfen für das verrotze Baby geguckt: Äh Mist, mit Wirkstoff gibts hier nicht für Babys und Salzwasserlösung ist ausverkauft. Wäre auch überteuert, so schwer ist das ja nun nicht: 9 g Salz auf 1 L kochendes Wasser. Abkühlen lassen. Tadaa, Isotone Kochsalzlösung, kann man die Nase mit beträufeln oder Inhalieren oder als Kontaktlinsennotfallspüllösung verwenden. Aber eigentlich hätte ich lieber was mit Wirkstoff gehabt, das arme Baby kann nämlich kaum noch aus der Brust trinken vor lauter Schleim im Rachen und in der Nase. Morgens hatte es sich komplett verweigert, da musste ich also auch noch unter Zeitdruck (der Bus! der Bus!!!) die übervolle Brust leerpumpen. Hurra. Als ich wieder zu Hause ankam, hatte es immer noch nichts getrunken, konnte aber auch wieder nicht stillen und brüllte mich frustriert und hungrig an.

Netterweise bekam ich sehr schnell sehr viele Tips und nach Absaugen des Schleims aus der Nase konnte das Baby immerhin ein bisschen von der morgens abgepumpten Milch aus einer Spritze nuckeln. Damit spülte es den Rachen auch noch halbwegs frei und konnte danach stillen. Und seitdem steht hier ein Topf mit Thymianaufguss auf dem warmen Ofen und wir inhalieren einfach alle mit dem Baby mit. Riecht ja auch gut. Trotzdem war das Abendessen irgendwie etwas geschmacksarm. Ich hab kaum die Tomaten aus dem Risotto geschmeckt, was schade ist, weil ich dieses Tomaten-Mozzarella-Risotto wirklich sehr gerne mag. Nun ja. Außerdem haben wir dank der morgens abgepumpten Milch und der gestern aus dem Gefrierschrank in den Kühlschrank transferierten 2 Portionen jetzt sehr viel Muttermilch übrig. Endlich können wir mal Quatsch damit machen, wie zum Beispiel sie dem Baby in die Nase tröpfeln (gegen den Rotz) oder dem Baby auf den nach wie vor manchmal wunden Po schmieren oder vielleicht baden wir morgen das Baby mal drin, in der Hoffnung dass es das besser findet, wenn wenigstens das Badewasser lecker schmeckt.

Tag 113 – .

Sagen wir mal so: ich hoffe sehr, dass heute der Zenit meiner Erkältung war und es morgen besser wird. Sonst wird das schwierig mit der Klausur (zumal ich mangels Stimme höchstens pantomimisch Fragen zu den Aufgaben stellen könnte). Ich liege auch tatsächlich schon im Bett um meine Chancen auf Besserung zu maximieren. Muss aber noch mal aufstehen und meinen Schal holen, glaube ich. 

Tag 112 – Das Kranksein nutzen

Weil mein Hals kratzt als hätte ich ne Muskatreibe geschluckt, bin ich heute nicht zum Sport gegangen. Also schon wieder nicht. Das letzte Mal war ich dann vor drei Wochen da. Schlimmschlimm. Und da sich auch das Baby die Rotzerei eingefangen hat und rumschnorchelt und Schnodderblasen produziert und etwas unleidlich ist, war ich auf einen nervigen Babytragetag gefasst. Aber siehe da: das Baby wollte eigentlich den ganzen Tag schlafen (obwohl es glaub ich kein Fieber hat, ich hab nicht gemessen, aber es schien mir nicht so) und so konnte ich vier (!!!) meiner Übungsklausuren durchorgeln und wenn jetzt nicht irgendwas totaaaal verrücktes* drankommt, sollte ich dem gewachsen sein. Hurra! Fertig gelernt! Ich freu mich und werde morgen möglicherweise zum Stoffladen fahren, um das zu feiern. Ich muss nämlich eh zum Arzt und mir Blut abnehmen lassen und der Stoffladen ist da in der Nähe. 

Neulich schickte uns meine Mutter Adventskalender. Ich wusste das nicht vorher, es kam mir aber sehr gelegen, weil ich das völlig vergessen hatte. 

Jedenfalls ist der fürs Kind von Playmobil und so eine riesige Box, die zu 90% aus Luft besteht. Und da wir ja fast die Hälfte der Adventskalenderzeit in Deutschland sind, müsste ich also den halbleeren aber immer noch riesigen Adventskalender mitschleppen. Das war uns zu doof und deshalb packten Herr Rabe und ich (und das Baby, aber das sabberte und rotzte eigentlich nur alles voll) heute alles aus und in Geschenkpapier wieder ein. So sieht es schöner aus und lässt sich besser mitnehmen. 

  
Merke: die nächsten Wochen wird nix getoastet. 

Unser Adventskalender ist übrigens mit 24 Sorten Kaffee. Ich werde berichten. 

*Power of Hypothesis Tests wäre sowas Verrücktes. Da renkt sich mein Hirn aus irgendwie. 

Tag 111 – Schnaps? Schnaps!

Wochenende ohne Bilder. Fertig.

Heute waren wir bei einem Weihnachtsmarkt im angrenzenden Hippie-Viertel. Ich mag das da sehr, bin ja auch ein kleines bisschen selber Hippie. Jedenfalls trafen wir des Kindes neue Hausärztin da und kauften für jeden von uns eine neue Mütze von ihr, deren Erlös an eine in Syrien arbeitende Hilfsorganisation geht. Dann kaufte ich noch zwei Fensterweihnachtssterne mit Glitzer und bunt, einen für mich und einen für meine Mutter als Weihnachtskleinigkeit. Dann wollten wir alle, immer noch gesundheitlich etwas angeschlagen, nach Hause.

Abends dann mit meiner Mutter geskypt. Wir wünschen uns nichts zu Weihnachten, wir haben alles was wir brauchen und noch viel, viel mehr, und so sagten wir ihr, sie könne das Geld, was sie sonst für Geschenke für uns ausgeben würde, spenden, das fänden wir schön. Sie sagte „Och nö, das find ich doof.“ Und faselte zwei Sätze später, dass sie ja sooo ne gute Idee für uns hätte und ich ahne was es sein wird und mich gruselts jetzt schon. Eigentlich gruselts mich schon vor der ganzen Weihnachtszeit, sie fängt schon wieder an, mich zu verplanen, ungefragt, und das kann ich absolut nicht ab. Zumal ich mich doch arg frage, inwiefern ich, ja immerhin mit zwei Kindern im Schlepptau und vermutlich ohne Auto, dabei helfen soll, einen Weihnachtsbaum zu kaufen…


 

Ich muss lernen, aber mindestens ein Kind will dauernd was von mir und mein kümmerliches bisschen Selbstbeherrschung geht gerade dafür drauf, hier nicht sämtliche meiner Mitbewohner unter 1 m Körpergröße anzuschreien. Aber verdammt noch mal, ich muss doch lernen!!! Langsam werde ich etwas verzweifelt.

Tag 110 – Alle Krank

Das Kind hat Herrn Rabe und mich angesteckt. Jetzt sind wir beide verrotzt, er hustet auch, ich hab dafür Kopfschmerzen. Dem Kind geht’s sehr viel besser, kein Fieber mehr, fast normaler Appetit, wollte heute unbedingt „Fußballen“, war dann aber nach 20 Minuten Fußball spielen ziemlich fertig. Aber Husten hat es noch, nicht zu knapp und wacht davon auch nachts öfter weinend auf. Deshalb gehen wir jetzt auch einfach ins Bett, damit die akkumulierte Schlafmenge bei uns Großen trotzdem halbwegs passt. 

Tag 109 – Morgens 

Letzten Sonntag bekam ich eine Nachricht meiner lieben Freundin A. A.’s Tochter M. ist so alt wie das Kind und vor drei Wochen wurde T., die kleine Schwester von M. geboren. Bis jetzt war noch der Papa von M. und T. tagsüber da, aber der muss wieder arbeiten, deshalb auch die Nachricht, die sie an mich, die *hust* Koryphäe auf dem Gebiet „Alltagsbewältigung mit zwei Kindern“ richtete:

A.: Ab Morgen bin ich zwei Kids „alleine“😱
A.: Oh Gott
A.: Panik!!
A.: Wie bekommt man das hin😳?

Ich: Ja Hmm also äh
Ich: Hier so: ich versuche mich aus dem Bett zu schleichen, ohne dass das Baby aufwacht.
Ich: Das klappt selten.
Ich: Dann mach ich mich fertig
Ich: „Fertig“ haha. Ich ziehe ne Jogginghose an und putze mir die Zöhne und setze ne Mütze auf.
Ich: Dann mache ich Frühstück für das Kind und wenns super gut läuft noch seine Brotdose und wenns fantastisch läuft weil beide Kinder weiterhin schlafen mach ich mir nen Kaffee.
Ich: Dann wecke ich das Kind und der frühstückt dann und ich zieh ihn an und putze ihm die Zähne. Das Baby schlafend in den Kinderwagen und los geht’s zum Kindergarten.
Ich: Da sind anderthalb Stunden rum.
Ich: Nach’m Wegbringen versuche ich bei Gelegenheit zu duschen/Haare zu waschen/ zu Frühstücken/ Kaffee zu machen.
Ich: Und meistens klappt das alles mal gar nicht und beide Kinder stehen mit mir auf, wollen bespaßt werden, müssen gewickelt werden, können mit einem Mal nicht mehr alleine essen und so weiter. Dann gibt’s keinen Kaffee und potentiell schlechte Laune. 😐
Ich: Und dann kommen wir auch oft erst auf den letzten Drücker im Kindergarten an.

A.: Du kannst einen wunderbar aufheitern mit deinen Beschreibungen😄
A.: Ich, schon bevor es soweit ist vorm Nervenzusammenbruch, dann kommt deine Alltagsbeschreibung und relativiert sich alles ein wenig!!
A.: Danke😘

(Bitteschön liebe A. Dafür haben wir uns ja. Muttifreundinnen 4-ever <3 !)