Tag 58

Ich kann jetzt die erste Strophe von „Hurra for deg“. Jetzt bin ich quasi Geburtstagsfertig, abgesehen vom Kuchen, den ich noch backen muss, was aber ja heute auch noch nicht so sinnhaftig gewesen wäre.


Nachdem ich gestern um viertel vor zwölf dachte, ich würde jetzt das Licht ausmachen, nachdem ich noch kurz vielleicht ein klitzekleines Blögchen…
… machte ich das Licht dann doch erst um halb eins aus, weil ich mich bei essential unfairness festgelesen hatte. Gehen Sie dahin und lesen Sie, meine Damen und Herren, das ist ein sehr sehr feiner Blog, den die Lareine da betreibt (und ich will auch was über attachment parenting von ihr lesen!). Jedenfalls konnte ich nicht sofort einschlafen und nach ca. 15 Minuten in der Dunkelheit liegen fiel mir auch noch ein, dass wir das Lammfleisch ja noch in der Küche stehen hatten und vergessen hatten es einzufrieren. Da ich jobbedingt leider weiß, wie schnell sich Bakterien auf rohem Fleisch bei Raumtemperatur vermehren, stand ich dann halt noch mal auf (Herr Rabe schlief natürlich wie ein Stein) und packte die 9,6 kg Fleisch in Tüten und dann in den Gefrierschrank. Koteletts, Rippen, Beine und den Rest. Immerhin waren wir dieses Jahr darauf vorbereitet, unsere Jahresration Fleisch auf einmal zu bekommen, sodass der Platz im leergegessenen Fach tatsächlich reichte (und es musste noch nicht einmal der Schnaps ausziehen). Ergebnis der Aktion war dann aber exorbitante Müdigkeit heute morgen. Da half es auch nicht, dass das Kind tatsächlich noch in seinem eigenen Bett lag, als ich wach wurde.


Heute wurde der Nobelpreis für Chemie vergeben und ihn bekommen drei Forscher, die an DNA-Reparaturmechanismen geforscht haben. Das ist, womit ich arbeite. Der eine (Tomas Lindahl) war hier noch im Frühjahr und hat auf dem Symposium zum 70. Geburtstag von Hans einen Vortrag gehalten. Hans hat die Arbeitsgruppe DNA-Reparatur sehr lange geleitet, einer seiner ersten Doktoranden war damals Geir, und der ist jetzt mein Chef. Tomas Lindahl hat Basenexzisionsreparatur entdeckt, das Protein an dem ich mir die Zähne ausbeiße forsche ist ein wichtiges Enzym in diesem Zusammenhang. Oder vielleicht auch nicht. Es ist kompliziert. Aber das heißt, dass das Thema jetzt mehr Aufmerksamkeit bekommt, was wiederum heißt, dass Geld fließen wird, was (bittebittebitte) heißt, dass mein Projekt verlängert werden kann, sodass ich nicht am Ende vom Geld immer noch keine Ergebnisse habe und dann keine Dissertation schreiben könnte und dann wären drei Jahre für die Katz. Insofern freue ich mich sehr über den Nobelpreis. Mehr als letztes Jahr, als die Mosers den Nobelpreis für Medizin bekamen. Die Mosers sind von der gleichen Universität und der gleichen Fakultät wie wir. Ihre Labore sind in einem anderen Gebäude des selben Krankenhauses. Sie haben herausgefunden, wie im Hippocampus von Ratten (und Menschen) die Orientierung im Raum organisiert wird. Das ist verrückte Scheiße, verblüffend einfach und einleuchtend und so fancy Videos kann man dann auch machen, wie die Ratten mit ihren kleinen Helmchen (also einer Elektrode direkt im Hippocampus, aber das sagen wir mal besser nicht so laut) in Kästen herumlaufen und immer mal hier und da schnüffeln und dann funken die entsprechenden Gehirnzellen herum und am Ende hat man eine feine, kleine „Karte“ des Kastens. Das war natürlich für die Uni und die Fakultät total super, dass der Nobelpreis an die ging, aber leider kann man hier jetzt keinen Schritt mehr tun, ohne über die Mosers in irgendeiner Form zu stolpern. Das nervt dann doch irgendwann. (Beispiel gefällig? Shiny happy people.)


Heute das erste mal Nordlichter gesehen. Leider noch zu dunkel und zu grün für Fotos, und wir wohnen auch in der Stadt, da ist zu viel light pollution. Aber immerhin habe ichs jetzt mal gesehen und kann sagen, dass es schon sehr schön und erhebend ist.


Das Baby ist eine unfassbare Fressmaschine heute. Ich habe das Gefühl, dass es  bereut, am Sonntag einmal 6 Stunden am Stück nicht getrunken zu haben und holt das jetzt auf. Ich muss deshalb jetzt auch Schluss machen hier und der Haushalt wartet auch noch mit diversen Aufgaben. Meh.

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Essen ohne Baby vollkleckern. Check! (Oh Hilfe, ich muss zum Frisör!)

Tag 57 – Hurra for deg!

Ich verspüre einen gewissen Druck beim Verfassen des heutigen Eintrags, nachdem mir die gute @Kleckerwingeln hier ein paar neue Leute hingespült hat. Hrmhrm. Ich reiße mich mal zusammen und bin ganz natürlich. *hüstel* *fummelt sich im Gesicht rum* *macht hektische Gesten*


Das Kind hat ja bald Geburtstag und ich bin total euphorisch am Vorbereiten. Gestern hab ich ja schon essentielles Zubehör besorgt, heute folgte der nächste Streich: Inhalt für die Goodiebags und was zum Anziehen für mich. Ich hab nämlich nix zum Anziehen!!!Einself! Es kommen nämlich einige Leute, die ich noch nie vorher gesehen hab (Eltern von Kindern aus dem Kindergarten), und ich stille ja, will aber nicht unbedingt gleich allen meine Brüste unter die Nase halten. Sich mal eben zurückziehen wird aber wohl auch schwer werden. Und praktischerweise hat da grad so ein neuer Laden aufgemacht mit Schwangerschafts- und Stillkleidung, die nicht nach Stillkleidung aussieht. Halleluja. Noch schlimmer, als Unbekannten meine Brüste präsentieren finde ich nämlich wenn jeder auf der Straße erkennen kann, wie ich mein Baby ernähre. Nun ja, ich war also in diesem Laden und die Sachen sind so toll, ich hätte alles aus dem Laden kaufen können. Allerdings hätte ich dann erst eine Bank überfallen müssen. Nach langem Hin und Her und nachdem ich ungefähr den ganzen Laden anprobiert hatte (die Verkäuferinnen haben sogar das Baby herumgeschoben in der Zeit!) hab ich mich dann für ein Kleid und einen Pulli entschieden. Ich kann mich also auf dem Geburtstag zwischendurch umziehen und zwei hinreißende Auftritte auf der Showtreppe hinlegen. Ich habe also ein Backup, falls mich das Baby eine Minute vor Anpfiff vollkotzt oder ich in den Schokoladenkuchen falle oder so. Und was ich Weihnachten anhaben werde, weiß ich auch schon. Allerdings muss ich da erst noch drauf sparen. Wie lange kann man eigentlich von Nudeln ohne alles leben, ohne Mangelerscheinungen zu bekommen?

Als weitere Vorbereitung habe ich dann zu Hause begonnen, das norwegische Geburtstagslied auswendig zu lernen. Die Norweger haben nämlich eine Entsprechung zu „Wie schön, dass du geboren bist“, also ein Geburtstagslied mit mehreren Strophen von denen alle nur die erste können. Und ich find das Lied super. Ich finde auch „Wie schön, dass du geboren bist“ gut, aber das werden die Norweger wohl nicht kennen, während „Hurra for deg“ alle kennen, singen können und zum Teil sogar mittanzen. Was ich meine, kann man sich hier ansehen (alle Strophen und mit Tanz und ich fresse nen Besen, wenn diese Menschen nicht Grundschullehrer sind) oder etwas schöner gesungen von diesen jungen Männern, die sich grundlos durch ihre hübschen Gesichter streicheln. Die Melodie ist auch sehr eingängig, ich neige ja ohnehin und zu meinem Leidwesen sehr zu Ohrwürmern und so summe ich schon den ganzen Tag herum, aber der Text ist nicht so ganz ohne. Wir reden hier von einem Text, den jeder Erstklässler in Norwegen beherrscht und ich tue mich schwer damit, wenigstens die erste Strophe mitsingen zu können*. Das muss diese Stilldemenz sein, von der alle reden. Gut, dass das Kind sowieso viel lieber will, dass wir „Zum Geburtstag viel Glück“ singen. Da bin ich textsicher.

Hurra for deg som fyller ditt år!
Ja, deg vil vi gratulere!
Alle i ring omkring deg vi står,
og se, nå vil vi marsjere.
Bukke, nikke, neie, snu oss omkring,
danse for deg med hopp og sprett og spring.
Ønske deg av hjerte alle gode ting!
Og si meg så, hva vil du mere?

Gratulere!

(Übersetzung:
Ein Hoch auf Dich, der du Geburtstag hast!
Ja, Dir wollen wir gratulieren!
Wir stehen alle in einem Kreis um dich,
und sieh, nun wollen wir marschieren.
Verbeugen, nicken, biegen, uns herumdrehen,
tanzen für Dich mit Hopsern und Sprüngen und Rennen.
Wünschen Dir von Herzen alle guten Dinge!
Und sag mir doch, was willst du mehr?

Herzlichen Glückwunsch!)

* Es wäre natürlich ziemlich nerdy-streberhaft witzig, wenn wir hinterher die einzigen wären, die alle drei Strophen können. Hähä. Hä. Aber wir wollen mal nicht übertreiben.

Tag 56 – WMDEDGT 10/15

Da heute der 5. ist, hat Frau Brüllen zum WMDEDGT (Was machst du eigentlich den ganzen Tag?) aufgerufen. Schon alleine, weil ich mich das auch oft frage, hab ich mich diesmal zum mitmachen entschieden. Also denn…

  • 07:00/07:04 – 07:18/07:22 Die Wecker klingeln und ich drücke diverse Male auf Snooze, was gar nicht so einfach ist, weil das Baby seit der letzten Mahlzeit um 05:30 auf mir schläft und der Wecker neben meinem Kopf liegt.
  • 07:30 Ich stehe auf. Ich wälze das Baby von mir und dann mich aus dem Bett. Das Baby fängt umgehend an zu meckern, also nehme ich es mit. Der Klempner, der die Dusche reparieren soll, hat sich für 8 Uhr angekündigt und das letzte Mal, als er das tat, war er um viertel vor schon da. Ich möchte dann ungern noch im Schlafshirt sein.
  • 07:48 Ich bin mit Baby wickeln und anziehen fertig. Ich selbst bin noch im Schlafshirt. Aber immerhin war ich schon auf dem Klo.
  • 07:58 Ich bin vollständig bekleidet (Schlüpper, Socken, Stillshirt, Pulli, Joggingbuchse), habe mein Gesicht gewaschen und die Zähne geputzt. Duschen dürfen wir nicht, weil der Boden absolut trocken sein muss. Ich starte eine Maschine Windeln und schiebe dann den Wickeltisch von der Dusche weg vor die Waschmaschine.
  • 08:05 – 08:12 Ich mache Kaffee und bereite mein Müsli vor. Ich bin unkonzentriert beim Milch aufschäumen: der Kaffee wird zu heiß.
  • 08:15 Ich fange an zu frühstücken. Das Kind schleppt Spielzeugtiere an und teilt mir alle zu, bis auf den Papagei, das ist seiner. Ich freue mich.
  • 08:20 Der Klempner kommt. Auch ihm werden alle Tiere gezeigt und auch ihm wird erklärt, dass der Papagei dem Kind gehört. Der Klempner freut sich nicht und reagiert überhaupt kaum. Einmal sagt er „Papagei, ja.“.
  • 08:22 Das Kind stellt sich einen Hocker ins Bad und setzt sich hin, um dem Klempner zuzuschauen. Das Baby hat Hunger und ich freue mich sehr darüber, weil sich seit gestern meine Brüste wie steinharte, heiße Kugeln anfühlen, weil das Baby nicht trinken wollte. Wir stillen. Erleichterung. Ich esse weiter mein Müsli.
  • 08:23 Herr Rabe entfernt das protestierende Kind aus dem Bad.
  • 08:23 – 08:30 Ich lausche dem Kind-Anzieh-Prozedere im Flur.
  • 08:31 Herr Rabe und das Kind sind unterwegs. Das Baby ist satt und fröhlich. Ich packe mich wieder ein und lasse das Baby Bäuerchen machen. Es spuckt und lacht.
  • 08:33 Der Klempner kommt aus dem Bad und sagt, er sei fertig. Angekündigt waren zwei Stunden Dauer der Reparaturarbeiten. Aus Schaden klug besehe ich mir das Ergebnis. Ist ok. Ich bitte den Klempner, noch die Bohrlöcher von der alten Dusche zu verschließen. Er spritzt klares Silikon in die Löcher. Ich atme. (Irgendwann schreib ich diese Dusch-Odyssee noch komplett auf.)
  • 08:35 – 09:00 Ich gehe mit dem Baby wieder ins Bett und nehme den Kaffee mit. Der hat jetzt auch eine trinkbare Temperatur. Ich lese ein bisschen im Internet herum und schaffe es nach unzähligen Versuchen, ein annehmbares Selfie von mir, dem Baby und dem Kaffee zu machen, auf dem das Baby nicht zu erkennen ist. Ich richte das Bild als Twitter-Profilfoto ein und dutzel noch einen Hintergrund dazu. Dabei trinke ich den Kaffee aus. Das Baby schläft auf mir ein.
  • 09:00 – 10:30 Ich lese Purity, es ist wirklich sehr sehr gut. Kaputte Charaktere, etwas weniger Normalos als sonst bei Franzen, eher Freaks. Kaputte Beziehungen. Wie immer aus verschiedenen Warten erzählt, jede Sicht mit eigenem Stil. Hachz. Franzen for Literaturnobelpreis.
  • 10:30 – 11:00 Ich dödel noch ein bisschen im Internet rum, schreibe einer Freundin, verabrede mich mit einer anderen morgen zum Lunch und mit einer dritten morgen nachmittag zum Shoppen.
  • 11:00 Das Baby wacht auf und hat Hunger. Dankbarkeit, dass auch die andere Seite sich nach dem Stillen nicht mehr so hart anfühlt.
  • 11:14 – 11:22 Ich nehme das Baby mit ins Bad, stelle den Wickeltisch wieder um, wechsle die Windel, lass es dabei nackt strampeln mit einer Plastikwindel als Backup unterm Po. Schlau bin ich, denn
  • 11:18 Das Baby kackt. Merke: Tran stinkt auch verdaut noch nach Tran.
  • 11:28 Ich habe meine Sportklamotten an. Minus die Hose, die ziehe ich da erst an, ich lasse aus Faulheit die Joggingbuchse an. Ich räume die Wäsche in den Trockner, träufele etwas Teebaumöl auf einen der Waschlappen, schmeiße ihn auch in den Trockner und starte das Programm. Teebaumöl killt jeden Geruch, sogar Tran.
  • 11:35 – 11:45 Ich esse sehr schnell eine kurz aufgewärmte Portion vom Abendessen von Samstag: Kartoffel-Kohl-Lasagne. Dazu viel Tee, weil Durst.
  • 11:45 – 11:50 Ich packe den restlichen Kram zusammen, den ich zum Sport brauche. Also ein Tuch zum Baby drauflegen, Spucktuch, Schnuller, Wollsocken fürs Baby, meine Sporthose und eine Flasche Wasser. Wickelset und Unterlage sind noch im Rucksack.
  • 11:55 Wir brechen auf zur Bushaltestelle. Baby meckert den Kinderwagen zuerst an und starrt dann gebannt das Waschschild im Verdeck an.
  • 11:57 – 12:05 Warten auf einen Bus in die richtige Richtung.
  • 12:05 – 12:11 Busfahrt.
  • 12:11 – 12:16 Fußweg zum Fitnessstudio.
  • 12:15 Baby schläft ein.
  • 12:17 – 12:29 Ich schleppe das Kinderwagenoberteil die Treppe hoch, ziehe mich um, mache unseren Platz im Kursraum fertig, chille ein bisschen. Das Baby schläft.
  • 12:29 Das Baby wacht auf. Ich hole es.
  • 12:30 – 13:15 Muttisport, Krafttraining. Mit Terrabändern und Baby rumwuppen und Singen und allem. Wenn ich das Baby grad nicht als Hantel brauche, lege ich es auf den Bauch. Es drückt sich prima hoch und kann sogar die Arme schon wieder unter den Körper ziehen. Ich bin stolz.
  • 13:17 – 13:19 After-Workout-Stillrunde. Das Baby trinkt aus Gruppenzwang ca. 2 Minuten und grinst mich dann an. Wir gehen umziehen.
  • 13:25 Aufbruch beim Fitnessstudio. Die meisten Muttis stillen noch. Das Baby pennt nach 2 Minuten Kinderwagen fahren ein. Ich beschließe, mir einen Kaffee zu holen.
  • 13:30 – 13:40 Kaffeeholprozedere bei 7Eleven. Mir fällt beim Betrachten der leuchtenden Schildchen auf, dass mein rechtes Auge und mein rechtes Brillenglas schon wieder nicht mehr zusammenpassen.
  • 13:42 Es ist so schönes Wetter, dass ich beschließe, zu Fuß zu gehen. Nach Hause lohnt zwar jetzt nicht mehr, aber dann geh ich halt einkaufen.
  • 13:42 – 14:15 Mit größtmöglicher Langsamkeit gehe ich Richtung Kindergarten.
  • 14:15 – 14:30 Fußweg zum Supermarkt.
  • 14:25 Kurze Verwirrung, da Textnachricht von dritter Freundin: „Bin auf dem Weg“. Sie hatte sich mit dem Shoppingtag vertan. Blöd, morgen kann sie nämlich nicht.
  • 14:30 – 14:40 Baby meckert. Wir kaufen Geburtstagskram fürs Kind. Nicht-gegendert und ohne Disney. Pappteller, Plastikbecher, kleine Tütchen für Goodiebags.
  • 14:40 – 14:45 Baby meckert noch immer. Wir kaufen Käse und Bananen, ich schuckel-schiebe den Kinderwagen.
  • 14:45 – 14:55 Ich lasse mich schuckelnder Weise in der Apotheke zu Zahnpasta für empfindliche Zähne und entzündetes Zahnfleisch beraten. Kaufe Zahnpasta, die das zehnfache der Billigzahnpasta kostet, die ich sonst benutze. Lerne, dass man die Zahnpasta nur ausspucken soll, nicht nachspülen.
  • 14:52 Baby schläft wieder ein.
  • 14:55 – 15:10 Fußweg zum Kindergarten.
  • 15:10 – 15:20 Das Kind ist noch auf dem Klo. Ich bin umringt von Kindern, die das Baby angucken wollen. So beliebt war ich noch nie…
  • 15:25 Aufbruch vom Kindergarten. Das Wetter ist noch schön, das Baby schläft, das Kind will auf den Spielplatz.
  • 15:25 – 15:35 Fußweg zum Spielplatz.
  • 15:35 – 16:45 Spielplatz. Treffe auf Helikoptereltern und einen Fahrradfahrer in fast-professioneller Montur, der im Park hält um eine Zigarette zu rauchen. Das Kind malt mit einem Stock „Drachen“ in den Algen-Belag des Brunnens. Dann fällt der Stock ins Wasser und das Kind macht sich daran, Schuhe und Socken auszuziehen, um den Stock zurückzuholen. Ich schreite ein und sage, dass ich nach Hause möchte. Das Kind protestiert kurz dagegen, nicht im Brunnen baden zu dürfen. Dann gehen wir. Zu Hause gucke ich aufs Thermometer: Es sind 6°C.
  • 16:50 – 16:52 Das Kind verlangt nach Hustensaft. Genau genommen verlangt es nach einer Lakritzschnecke, mit der wir es zur Einnahme des Hustensafts bestechen. Hustensaft wird genommen.
  • 16:55 – 17:25 Das Kind ist müde. Wir gucken Sendung mit der Maus. Das Kind isst Lakritzschnecke. Das Baby stillt. Wir alle kuscheln.
  • 17:30 Herr Rabe kommt nach Hause und fängt an zu kochen.
  • 17:35 – 17:55 Das Kind springt ihm vor den Füßen rum, will auf den Arm oder helfen oder spielen oderoderoder. Dreimal fängt es wegen nichts an zu weinen und ich muss es trösten. Es ist wirklich, wirklich kaputt.
  • 17:58 Ich höre: „Fass das nicht an, der Topf ist heiß!“ – „Wääähhhh!!!“ Das Kind kommt angelaufen. Nichts passiert, aber es weint und will kuscheln. Wir kuscheln.
  • 18:00 Das Kind ist eingeschlafen.
  • 18:10 Herr Rabe zeiht das schlafende Kind um und bringt es ins Bett. Das Essen ist fertig.
  • 18:15 – 18:50 Wir essen gemütlich und reden über den Tag. Das Baby schläft auf mir und ich tropfe es mit Suppe voll.
  • 19:00 – 19:30 Herr Rabe geht sein Fahrrad reparieren. Ich und das Baby wechseln eine Windel und wandern dann wieder aufs Sofa. Ich dödel nochmal ein bisschen im Internet herum.
  • 19:30 – 21:40 Ich schreibe einhändig den Tag auf, weil ich mit der anderen Hand das Baby halte und/oder schuckel. Es dauert tausend Jahre. Zwischendurch muss ich stillen und einmal aufs Klo, mit Baby denn
  • 19:45 Herr Rabe bricht auf zum Fußball.
  • 21:30 Herr Rabe kehrt zurück und zieht sich um. Auch er darf nicht duschen. Wir stinken gemeinsam.
  • 21:40 – 21:51 Ich schreibe beidhändig den Rest des Tages auf. Das geht viel schneller. Herr Rabe liegt mit dem Baby im Bett. Ich gehe da jetzt auch hin, nachdem ich mir mit meiner neuen Zahnpasta die Zähne geputzt hab. Die Wäsche leg ich morgen zusammen.

Gute Nacht :)

Tag 55

Heute war Backtag, und das Beste daran: ich durfte fast die ganze Zeit alleine backen. Es macht nämlich nicht ganz so viel Spaß in der Küche wenn man dauernd über drölfzig Duplosteine nebst Kind fällt oder alles im Wippschritt erledigen muss, weil man ein Baby umgebunden hat. Aber Herr Rabe hat das Kind und das trinkunwillige Baby auf den Spielplatz geschleppt und ist da laaange geblieben. <3

Ich habe wieder Berliner Knüppel gebacken, in der Geister-Version, damit sie beim Aufbacken noch schön braun werden können. Ich halte mich inzwischen nicht mehr sklavisch an Rezepte, erstens nehme ich grundsätzlich weniger Salz, zweitens ist das Mehl hier anders und ich brauche dadurch weniger Wasser, drittens gibts auch kein Typenmehl, deshalb ergänze ich manchmal das Weizenmehl mit reinem Weizengluten um auf die Klebekraft zu kommen und viertens weiß ich halt was mir/uns schmeckt. Zu den Brötchen tue ich z.B. noch einen zweiten Vorteig für die leicht herzhafte Note: 60 g Weizenmehl, 30 g Wasser, 1 Teelöffel Weizen-Anstellgut (= Sauerteig), 2-4 h bei Raumtemperatur anspringen lassen, dann 12-14 h in den Kühlschrank. Und aus dem Ganzen (doppeltes Rezept) mache ich dann 20 Brötchen.

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Außerdem hab ich ein Abend-Brot gemacht. Weil es superlecker ist, hauptsächlich. Und auch weil es zwei Sauerteige benötigt, ich also meine beiden Sauerteige gleichzeitig pflegen kann (Sauerteig muss regelmäßig geführt werden, sonst verliert er seine Triebkraft oder wird irgendwann sogar schlecht). Und als weiteren Pluspunkt kommt Altbrot (aka. Semmelbrösel) mit rein, sodass ich langsam unseren Semmelbröselberg abtragen kann (und mir gefällt der Gedanke, dass das Altbrot immer älter wird, wenn ich aus dem Brot dann wieder Semmelbrösel mache und dann wieder Brot damit backe und dann wieder…). Abwandlungen: irgendwie waren nur noch 120 g Grieß da, also ergänzt mit 30 g Weizenmehl. Nüsse in Brot find ich doof, also weggelassen. Weniger Wasser. Plus ein Teelöffel Gluten (unser Mehl hier ist Kuchenmehl, also ca. Type 550).

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Ich muss auch sagen, dass sich die Anschaffung eines teuren Lavaton-Backsteins echt gelohnt hat. Der Stein muss nur mit aufgeheizt werden, das dauert nicht viel länger als ohne Stein (!), dann backe ich eine viertel Stunde bei voller Temperatur, also hier 250°C und dann mache ich den Ofen aus und lasse das Brot noch 45 min im Ofen. Und dann ist es fertig. Das spart ungemein Energie, nach ca. einem halben Jahr mit einmal pro Woche backen hab ich den Preis von dem Backstein wieder raus.

Zum Abendbrot gabs dann auch noch Quiche, nicht dass der Ofen auskühlt zwischendurch :)

Und kaum waren Brot und Brötchen im Gefrierschrank, ruft unser Schaf-Freund an. Dienstag kommt unser Lamm. Mjammijammi und Möp gleichzeitig, denn der Großteil des Lamms muss ja auch in den Gefrierschrank *summt Tetris-Melodie*.

Tag 54 – Familienbett auf 1,60m?

Damals. Ich war schwanger mit dem Kind. Und wurde von einer Kollegin gefragt, ob Herr Rabe denn auch was bauen würde für das Baby, denn „Das machen Männer doch so.“ Davon, dass Männer das so machen war ich genauso überrascht wie Herr Rabe, aber da wir schon länger nach einem Beistellbett für unser Bett gesucht hatten und in unserem Preissegment nicht fündig geworden waren, baute Herr Rabe tatsächlich ein wunderhübsches Beistellbettchen, passend zur geschenkten Kokosfaser-Super-Babymatratze. Ich nähte ein paar Spannbettlaken dazu und als das Kind dann geboren war, legten wir es in das Bettchen und es schlief da selig und wenn es Hunger hatte, rollte ich mich zu ihm oder es zu mir und ohne richtig aufzustehen wurde gestillt und dann räumte ich meistens das Baby wieder zurück. Als das Kind zu groß wurde für das kleine Bett, bekamen wir ein Babybett mit Gittern geschenkt, montierten die eine Gitterseite ab und stellten es an unser Bett. Es waren so zwar ca. 10 cm Höhenunterschied zwischen den Matratzen, aber da das Kind zu dem Zeitpunkt eh angefangen hatte, mir nachts hinterherzurobben, fand ich das ganz gut, denn unser Bett war nur 1,40 m breit und mit Kind fand ich das sehr eng. Dann zogen wir nach Norwegen und bekamen ein 1,60 m breites Bett, eine 2,40 m breite Bettdecke und das Kind sein eigenes Zimmer. Da schlief es auch fortan ein, mal mit mehr und mal mit weniger Mühe, irgendwann war es uns zu doof, nachts mehrmals in seinem kalten Zimmer zu stehen bis es wieder eingeschlafen war, also holten wir es zu uns ins Bett wenn es aufwachte. Irgendwann kam es von alleine, wir mussten nur die Türen auflassen. Das war für uns alle so völlig in Ordnung und eigentlich fand ich das kuscheln im Bett auch meistens schön (das Kind schläft manchmal sehr unruhig und so ne kleine Faust die einen mit einem unvermitteltem Schlag ins Gesicht aus dem Tiefschlaf reißt… naja, denken Sie sich den Rest). Auch als ich wieder schwanger war, ging es so weiter, das Kind kam irgendwann des Nachts zu uns getapert, legte sich zwischen uns (den Bauch schirmte ich mit einem Stillkissen gegen eventuelle Tritte ab) und schlief weiter. Wir importierten fürs neue Baby das Beistellbett, das hatte ja schon beim Kind so prima geklappt. Als dann das Baby geboren wurde, mochte ich es die ersten Nächte nicht wirklich von mir weglegen und diesmal ließ ich mir auch nix einreden und genoss einfach die Nähe. Nach ca. einer Woche legten wir das Baby das erste mal ins Beistellbett, in einem der winzigen Schlafsäcke, es sah ganz bezaubernd aus. Leider war das Baby in seinem eigenen Bett sehr unruhig, wühlte herum und fing schnell an zu meckern. Also kam es wieder in unser Bett. Da war es allerdings mit dem Schlafsack viel zu warm, also ohne Schlafsack unter unsere riesige Decke. Wir probierten es immer mal wieder mit dem „eigenen“ Bett, aber das Baby möchte gerne maximalen Körperkontakt mit mir. Manchmal beruhigt es sich nur auf meiner Brust. Das Problem ist nur: ich kann so nicht schlafen. Ich kann mich nicht so bewegen, wie ich gerne möchte, ich verharre in einer Position teils stundenlang, dabei bewege ich mich sonst im Schlaf recht viel. Außerdem bin ich in ständiger Alarmbereitschaft: ist dem Baby zu warm? Zu kalt? Legt sich das Kind gerade aufs Baby? Haut oder tritt das Kind im Schlaf? Und, mein absoluter Albtraum: liegt das Baby unter der Decke* und erstickt? Zusätzlich zu den zwei- bis dreistündlichen Schlafunterbrechungen durch Stillen ist das irgendwann ziemlich belastend, nicht richtig zur Ruhe zu kommen. Zu viert auf 1,60 m ist es zudem wirklich eng und ich habe schonmal vorsorglich Platzangst vor der Zukunft, wenn das Kind sechs Jahre alt ist und immer noch jede Nacht zu uns ins Bett kriecht, wo dann aber ja schon ein Dreijähriges liegt…
Was ich mir wünsche, um die Schlafsituation für mich wieder angenehmer zu gestalten? Dass das Baby bitte bitte in seinem Beistellbett schläft. Und ein größeres Bett. Für die Zukunft.

*Heute morgen kam ich nach dem Kaffee kochen ins Schlafzimmer um den Rest der Familie zu wecken und bekam fast einen Herzinfarkt, weil das Baby unter die Decke gerutscht war. Nix passiert. Aber jetzt wird das mit dem Beistellbettchen nochmal extra forciert!

Tag 53 – A-Phase

Das Kind aus dem Kindergarten abholen ist im Moment immer mein Projekt des Tages. Es ist ja schön, dass es gerne in den Kindergarten geht, so gerne, dass es gar nicht mehr nach Hause will. Es ist auch schön, dass es immer selbständiger wird, einerseits was praktische Fähigkeiten (also Schuhe anziehen, Jacke anziehen, Helm aufsetzen usw.) aber andererseits auch was Entscheidungen treffen (also diese Jacke, diese Schuhe, ich hab aber jetzt Hunger) angeht. All das macht am Ende das Leben mit dem Kind einfacher, aber der Weg dahin scheint mir grad unendlich lang. Denn dieser Weg ist mit unfassbarer Langsamkeit, Unentschlossenheit, Misserfolgen und Wutausbrüchen gepflastert. In der Zeit, die das Kind braucht um sich Schuhe auszusuchen, kann ich das ganze Haus putzen. Und am Ende muss ich ihm die Sommercrocs wieder ausreden, es folgt ein Wutausbruch sondergleichen. Vorauswahl treffen hilft dabei mäßig. Und hat es dann endlich Schuhe/Jacke/wasauchimmer gefunden, braucht es ca. tausend Stunden um sich anzuziehen. Besonders im Kindergarten treibt mich das schier in den Wahnsinn, denn das Treppenhaus da ist winzig klein, ständig wollen andere Eltern hoch oder mitsamt ihrer nicht in einer Zeitlupe gefangenen Kinder wieder runter, meistens brüllt das Baby herum, ich hab Hunger oder muss aufs Klo oder bin einfach nur geschafft vom Tag. Antreiben scheint statt Beschleunigung des Aufbruchs den gegenteiligen Effekt zu haben, das Kind wird nur noch langsamer in seinem Tun oder es fällt ihm ein, dass es unbedingt JETZT seine Weintrauben aus der Brotdose essen muss oder es muss nochmal ganz dringend aufs Klo. Oder es teilt mir mit, dass es halt nichts anziehen will. So. Will es nicht. Gut, da in unserer Beziehung ein „Ich will das aber!“ das „Ich will aber nicht!“ einer anderen Partei nicht automatisch wegen irgendwelcher Hierarchien schlägt, hilft ja nur Argumentieren und aufs Beste – also Verständnis – hoffen. Heute zeigte ich also die Vorteile von Bekleidung bei den hiesigen Witterungsbedingungen auf. Das Kind war sich aber seiner Sache sehr sicher. Und so fuhr es dann ohne Schuhe nach Hause.

2015-10-02 16.02.33
(
Die Jacke hat es nur an, weil ihm auf halbem Weg dann doch klar wurde, wie kalt sich 8 Grad bei Sturm und Regen anfühlen.)

Der Vorteil der Aktion war, dass wir schon nach 2 Minuten Diskussion aufbrechen konnten. Der Nachteil ergab sich zu Hause, als ich die dreckigen und nassen Socken in die Wäsche wandern ließ und das Kind einen Wutausbruch bekam, weil die Socken ja gar nicht dreckig seien. Bzw, wenn die Socken in die Wäsche müssen, dann der Schlüpfer aber auch. Und so erklären sich dann auch die sich meterhoch auftürmenden Wäscheberge im Hause Rabe.

P.S. Jemand liest sich scheinbar grad den ganzen Blog durch. Herzlich Willkommen, fühl die wie zu Hause, ich hoffe, dich stört das Chaos nicht! <3

Tag 52

Heute war wirklich nichts los hier, außer dass ich wegen eines ausgefallenen Lunchdates viel Zeit hatte und endlich ein paar überfällige Anrufe erledigt hab. So wird denn jetzt Montag auch endlich (!!!) der Klempner kommen und unsere Dusche fertig machen, hat ja auch nur sieben Monate gedauert. Außerdem schickt das alte Gesundheitszentrum die Unterlagen vom Kind an das neue Gesundheitszentrum. Damit der alte Hausarzt die Unterlagen an den neuen Hausarzt schicken darf, muss ich ein Formular ausfüllen und beim nächsten Besuch mitbringen. Ich muss aber eh übernächste Woche wieder zum Blut abnehmen da hin, da kann ich das dann abgeben. Dann gab es eine einigermaßen absurde Situation mit zwei Zahnarztpraxen und dem neuen Gesundheitszentrum. Weil das Kind ja drei wird, muss es nämlich zum Zahnarzt und der ist dann hoffentlich super super nett und macht, dass das Kind keine Angst vorm Zahnarzt bekommt. Oma hat schlimm Angst vorm Zahnarzt, Mama gar nicht, ich sag mal so, keine Angst haben ist auch für die Zahngesundheit besser. Aber egal, jedenfalls hatte mir das Gesundheitszentrum beim letzten mal als ich da war gesagt, ich solle Zahnarzt A anrufen und einen Termin für das Kind ausmachen.

Tante: Zahnarztpraxis A, sie sprechen mit schrwblbr, was kann ich für Sie tun?
Ich: Hallo, ähh, ich wollte nur wissen, ob Sie für mich zuständig sind, wir sind beim Gesundheitszentrum X.
Tante: Ahh, ähh, weiß ich nicht, ich frag mal grad.
Im Hintergrund: Uopolos galopolos helsestasjonuopolos? – Ähh oupolos galopolos blurblblurbladetannklinikkopolos!
Tante: Nee, da müssen Sie bei Zahnarztpraxis B anrufen, die ist für sie zuständig.

Anruf bei Zahnarzt B.
Tante: Zahnarztpraxis B, abliglugl am Apparat?
Ich: Ja, guten Tag, mein Kind wird bald drei und wir sind aber umgezogen und haben das Gesundheitszentrum gewechselt und ich weiß nicht, wer jetzt für uns zuständig ist.
Tante: Ja, hmm, Geburtsdatum?
Ich: 11.10.2012
Tante: Name?
Ich: Das Kind.
Tante: Wollen wir mal sehen… Ja, hmm, sie haben vorher daundda gewohnt und jetzt wohnen sie wo?
Ich: Straßenname Hausnummer.
Tante: Nein, da sind wir nicht zuständig. Das ist Zahnarztpraxis A.
Ich: Aber da hab ich grad angerufen und die wussten von nichts!
Tante: Ja, da kann ich nichts machen, das geht nach Straße und sie sind hier bei uns falsch, tut mir leid.
Ich: Ja hmm, ok, kann man nichts machen.

Anruf beim Gesundheitszentrum X (vielleicht hab ich ja auch was falsch verstanden).
Tante: Gesundheitszentrum?
Ich: Ja, hallo, ähh, Sie hatten beim letzten Mal gesagt, ich soll Zahnarztpraxis A anrufen und einen Termin für mein Kind ausmachen, aber die haben jetzt gesagt, ich soll Zahnarzt B anrufen aber B sagt, ich soll A anrufen und jetzt weiß ich auch nicht.
Tante: Ja, hmm, Geburtsdatum?
Ich: 11.10.2012
Tante: Name?
Ich: Das Kind.
Tante: Wollen wir mal sehen… Ja, hmm, sie haben vorher daundda gewohnt und jetzt wohnen sie wo?
Ich: Straßenname Hausnummer.*
Tante: Ahhh, ja, nee, da ist das tatsächlich Zahnarzt A, der ist für Sie zuständig, das geht nämlich nach Straße weil wir mit einem anderen Gesundheitszentrum zusammengelegt worden sind und die Zahnärzte sind aber die selben geblieben.
Ich: Ah ja. Ok. Vielen Dank.

Anruf bei Zahnarztpraxis A. Leicht abgenervt.
Tante: Zahnarztpraxis A, schubldiblubl am Apparat?
Ich: Ja, hallo, ich hatte eben schon mal angerufen, wegen dem Kind und da sagten Sie ich soll bei Zahnarzt B anrufen, aber der ist nicht zuständig wir wohnen nämlich…
Tante: Ähh, da haben sie bestimmt mit meiner Kollegin gesprochen…
Im Hintergrund: Uopolos nervigetrullauopolos? – *schluffschluffschluff*
Tante2: Jaaa?
Ich: Ja, äh, also ich hatte vorhin schonmal angerufen und ich bin jetzt ganz sicher, dass sie für uns zuständig sind, wir wohnen nämlich daundda!
Tante2: Ja, hmm, Geburtsdatum?
Ich: 11.10.2012!
Tante2: Name?
Ich: Das. Kind!
Tante2: Wollen wir mal sehen… Ja, hmm, sie haben vorher daundda gewohnt und jetzt wohnen sie wo?
Ich: Straßenname Hausnummer!
Tante2: Ja, das stimmt, da sind wir zuständig, aber wir haben noch keinen einberufen von den Dreijährigen, wollen Sie trotzdem schon mal einen Termin haben?
Ich: *denkt: nee, ich ruf aus Spaß bei drölfzig Leuten an, ist eigentlich total egal, ich hab nur sonst nix zu tun* Ja, das wäre gut.
Tante2: Wie wärs denn mit morgen, 10:30 Uhr?
Ich: Äh, was? Morgen? Nee, morgen ähhhh da hab ich, nee, das geht nicht.
Tante2: Wie wärs am 14. um 14:20 Uhr?
Ich: Ja, das klingt besser.
Tante2: Dann kriegen Sie ne Terminbestätigung per SMS einen Tag und eine Stunde vorher.
Ich: Super!

Hoffentlich sagt der Zahnarzt, dass das Kind mal aufhören soll mit dem Schnuller. Es nimmt den zwar nur noch nachts, aber vielleicht hat der Arzt da mehr Autorität als die blöden Eltern…

*Völlig absurd, das abzufragen, es ist ja nicht so als gäbe es hier Datenschutz! Ist doch eh alles registriert! Gnaaa, norwegische Bürokratie.

Tag 51

Hei, Ich bins wieder, das Baby.

Ich habe entdeckt, das da an meinem Körper so Dinger dran sind. Oben die Dinger kenne ich schon länger, ich versuche sie immer in den Mund zu kriegen, aber das klappt nur manchmal. Wenn es nicht klappt, schimpfe ich mit den Dingern, aber das interessiert die nicht. Aber der Milchmensch hält mich ja immer über dieses weiße Teil und sagt „pullerpuller?“ und freut sich dann total, wenn ich piller, und da hab ich gesehen, unten am meinem Körper sind auch so Dinger! Die sehen witzig aus, wie eine dicke Fleischwurst mit mehreren Enden. (Moment mal, ich hab noch nie eine Fleischwurst gesehen, aber egal, wenn ich das Wort Fleischwurst so höre stelle ich mir vor, dass das so ähnlich aussieht wie die Dinger unten an mir dran.) Das ist doch mal total verrückt! Immer wenn ich die sehe, muss ich die ganz fasziniert anstarren und kann mich gar nicht losreißen. Der Milchmensch findet die scheinbar auch ganz toll, jedenfalls macht der immer lustige Sachen mit denen, pupst mit dem Mund dagegen und so. Hauptsache, der Milchmensch isst die nicht auf, bevor ich etwas mehr Kontrolle über meine Gliedmaßen hab, weil ich nämlich gar nicht abwarten kann, diese Dinger in den Mund zu kriegen! Weil die einfach witzig aussehen!

Heute hat mich der Milchmensch wieder zu diesen vielen Leuten geschleppt, wo einer immer vorne steht und ganz viel erzählt, auf ner komischen Sprache die der Milchmensch auch manchmal spricht. Alle anderen da scheinen zu schlafen in der Zeit, jedenfalls sagt sonst keiner was. Ich finde das sehr langweilig da und schlafe meistens dann auch einfach, aber heute bin ich zwischendurch aufgewacht weil ich ganz doll Hunger hatte und danach war ich ja wach (ich weiß auch nicht was die anderen Babys immer von „Einschlafstillen“ erzählen, was soll das denn sein bitte?) und dachte so, ach kack mal ordentlich. Hab ich auch gemacht, aber ich hab mir das total super überlegt: damit der arme Milchmensch nicht so viel dem langweiligen Menschen vorne zuhören muss, kacke ich einfach drei mal und tue hinterher jedes mal so, als wär ich fertig, damit der Milchmensch mir eine frische Windel verpasst. Irgendwie guckte der Milchmensch nach dem zweiten mal ganz komisch und sagte was von „keine Windeln mehr dabei“, deshalb hab ich mir beim dritten mal extra Mühe gegeben und ganz viel rausgedrückt. Dann war der Milchmensch ein bisschen panisch und hat mir am Ende mein Spucktuch um den Po gewickelt! Krass, oder? Ich meine, das ist ein Spucktuch, kein Kacktuch! Aber weil das ja dann scheinbar doch ein Kacktuch geworden war, hab ich da etwas später dann auch noch mal reingekackt. Aber da waren wir schon zu Hause. Ich meine, der Milchmensch ist ja auch irgendwie selber schuld, soll er doch einfach nicht so viele Bohnen und Kohl und sowas essen.

So, jetzt hab ich Hunger.

Bis bald –

das Baby

Tag 50

Wieder so ein Hasstag. Warum?

  • Kopfschmerzen
  • Baby brüllt viel, ist eigentlich nur an der Brust zufrieden –> man kommt zu nix
  • Erste Mahlzeit um 13:30 Uhr
  • Kaffee um 15:00 Uhr
  • Kind hustet, hat letzte Nacht entsprechend schlecht geschlafen (und ich auch) und wird auch diese Nacht schlecht schlafen (und ich auch)
  • Baby rotzt auch wieder rum
  • Komplette Ladung Wäsche stinkt nach Fisch wegen „tollem“ Öko-Waschmittel, das Tran-Geruch nicht wegbekommt
  • Kind zu spät im Bett –> Heulerei wegen jedem Scheiß (Der Duploturm ist falsch gebaut! Wäääähhhhhh!!! Das muss so wie Oma das gemacht hat! Wääähäähäää! Nein, mit Tür!!! Wähähähähääääääää!!! (Wenn ich nur wüsste, was das Kind meint…))
  • Morgen dämlicher Statistikkurs…
  • … falls ich nicht Recht behalte und das Kind über Nacht Fieber ausbrütet, dann zu Hause mit nöligem Baby und krankem Kind

So, das sind genug Gründe um direkt und ohne Umwege ins Bett zu gehen. Gute Nacht.

Ach ja: Und irgendwer oder -was hat gegen unseren Kinderwagen gepinkelt! Im Hausflur! Das war überhaupt die Krönung! Ich denke mal es war ne Katze oder so. Ich hoffe wirklich, dass unsere Nachbarn uns nicht so sehr hassen.

2015-09-29 15.23.42
Beweisstück A. Pinkelspur an Kinderwagen.

Gut, dass man mit Feuchttüchern alles wegbekommt.

Tag 49

Es ist kalt, feucht und die Blätter fallen von den Bäumen. Dann wird es jetzt wohl Herbst. Ich persönlich finde Herbst ja gut eigentlich, schließlich ist mir im Sommer immer zu heiß und als hellweißer Hauttyp bin ich auch ungern in der Sonne. Allerdings hat sich das geändert, seit wir in Norwegen wohnen, weil hier der Sommer, wenn auch viel zu kurz, so doch klimamäßig perfekt ist. Will sagen, 25 Grad, Sonnenschein, ein bisschen Wind vom Fjord (riecht fast wie Meer). Dadurch hat der Herbst aber auch all seinen „Puhhh, endlich nicht mehr so heiß“-Charme verloren und dementsprechend finde ich jetzt 8 Grad und Morgennebel nur mäßig schön. Vor allem, weil das jetzt so weitergeht bis Dezember, dann gibts Schnee, der ist dann bis März (oder Mai), Frühling lässt ewig auf sich warten und ist entweder sehr sehr kurz (2014) oder sehr sehr lang und regnerisch und doof (2015). Herbst: 4 Grad und Regen. Tolle Aussichten. Und Stillbedingt kann ich Wollpullis nicht tragen, dann hat das Baby dauernd Wollfussel im Mund und außerdem kann man die so schlecht hochschieben, dann hat man so ne dicke Wollwurst unter den Achseln und kann das Baby kaum noch erahnen. Alles irgendwie suboptimal. Oder ein Grund, doch mal Stillkleidung zu kaufen. Aber dann sieht man immer sofort: Aha! Die stillt also (noch)! Meh.

Was aber gut ist am Herbst: endlich ist es kalt genug, de Baby seine von Freundin A. selbst gestrickte Bommelmütze aufzusetzen und Die. Ist. So. Süß.

2015-09-28 12.12.14 2015-09-28 12.11.27
Liebe Freundin A.: vielen vielen Dank nochmal! <3 (Das Kind will übrigens, dass du zu seinem Geburtstag kommst. Ich glaube, es ist ein bisschen verliebt in dich!)

Falls Sie sich fragen, warum ich da einen Waschlappen zwischen mich und das Kind geklemmt habe: Ich schwitze viel und das Kind hatte dann nach dem Tragen immer so nen Schwitzeschmadder im Gesicht, bis ich diese geniale Technik entwickelt hab. Hilft auch etwas um eventuelle Babykotze aufzufangen. Jedes Kind in unserem Haushalt bekommt zur Geburt 40 Waschlappen (aus dem großen gelb-blauen Möbelhaus). Damit werden dann Popos abgewischt, als Windeleinlage genommen, der Wickeltisch abgedeckt, Schwitzerei vermieden, Stillsabberei vermieden, Babykotze weggemacht, später Essen aus dem Gesicht entfernt (Und vom Tisch, Essplatz, Stuhl…), Schnodder weggemacht, Kindergartendreck abgerubbelt und manchmal benutzen wir sie sogar als Waschlappen.

Man kann bei schlechtem Wetter auch prima in der Wohnung verstecken spielen. Allerdings ist das Kind da scheinbar noch zu doof klein für.

2015-09-26 15.05.09

War noch was heute? Ach ja, ich bin jetzt Vollmitglied in dem pinken Muttisport-Fitnesstudio. Und ich werde jetzt anfangen, dieses Buch zu lesen. Meine Erwartungen sind nach „The Corrections“ und „Freedom“ extrem hoch. Ich werde berichten.

2015-09-22 14.23.15