Tag 1039 – Die 45-Minuten-Bluse.

Jeah, Klickbait-Titel! In Wirklichkeit hab ich deutlich länger dafür gebraucht, aber mit Übung sind 45 Minuten gut machbar. Im Grunde ist der Schnitt nämlich so easy, dass man ihn kaum Schnitt nennen kann. Aber sehen Sie vielleicht erstmal hier, was meine Inspiration war. Eigentlich war ich nämlich drauf und dran, einfach ne Bluse zu kaufen. Meine bevorzugte Marke für seriösere Kleidung, die trotzdem noch keine Niere kostet, ist seit jeher Esprit und die einzigen paar seriösen Kleidungsstücke, die ich besitze, sind alle von da. (Und ich winke an der Stelle mal in die Schweiz.) Leider sind die paar Sachen, die ich hab, aber alle eher langärmlig und warm, ich hätte halt gern noch was sommerlicheres. Esprit gibt’s hier aber im Laden eh nicht und online-Shopping ist irgendwie nicht so ganz meins, und dann kommt noch erschwerend hinzu, dass ich bei vielen „simplen“ (in Modesprech: clean) Sachen inzwischen sofort denke: das kann ich auch selbst machen. Wenn ich es selbst mache, habe ich noch Spaß dabei und in irgendeinem krassen Niedriglohnland muss niemand für mich Kleidung nähen*. Bisher kam dabei immer heraus, dass ich das Kleidungsstück nicht gekauft, aber auch nicht nachgenäht hab, weil, ach. Weil halt. Diesmal aber schon.

Das Ergebnis sieht so aus:

Der Schnitt ist mega einfach und sieht im Grunde aus wie ein Tetris-L. Die untere Kante habe ich außen noch abgerundet, sodass Vorder-und Rückteil wie ein U geformt und nur bis zur Rundung vernäht sind, sieht man hier nicht, aber dadurch kriege ich halt kein Enge-Problem über den Hüften.

(Weil durch die Falten der Kragen enger ist, muss eine Lösung her, das über den Kopf zu kriegen.)

Das Ganze geht dann ca. so: man nehme einen leichten und ganz weich fallenden Stoff, hier gewebte Viskose. Schneide alles zu, Vorne, hinten, Belege nach Wahl (je nach Halsausschnitt, für den Kragen mit Falten braucht es vorne einen schmaleren Beleg, dafür hinten zwei breitere Teile, für den Fake-Hemdkragen hinten schmaler, vorne zwei breitere Teile), ergibt 5 Teile. Für mich reichen da 65 cm Stoff dicke. Bei Webstoffen alle „offen bleibenden“ Kanten versäubern, also alle, die nicht mit einem anderen Stoffteil vernäht werden. Für Version 2 die Falten am Halsausschnitt vorbügeln und mit Nadeln fixieren, dann Schulternähte schließen**, Schulternähte am Beleg schließen, Belege annähen*** (Obacht bei dem „V“-Ausschnitt an Version 1, auf jeden Fall den Stoff bis zur Naht einschneiden, auch wenn’s die Nerven kitzelt, sonst wird’s ömmelig!). Die Naht unterm Arm schließen**, die Seitennähte schließen, unten säumen, die Ärmel entweder normal säumen oder zweimal umschlagen, bügeln und mit ein paar Stichen unauffällig fixieren. Für Version 2 hinten einen Knopf annähen und eine Garnschlaufe andutzeln. Fertig ist die Laube, äh, Bluse.

Das ist jetzt natürlich kein toll figurnaher Schnitt, soll es aber auch nicht sein. Dadurch dass der Ärmel nicht durch eine Naht abgesetzt ist, ich aber gar nicht aussehe wie ein T, ziehen sich da natürlich Falten an den Schultern, was, wie ich finde, nochmal einen lässigeren Look macht. Ich liebe die Kombination aus feinem Stoff und lockerem Schnitt, ich mag wie es fällt vor allem so in den Rock gestopft. Für mich ist das eine super Möglichkeit, seriös (und modisch! also bis nächste Woche, da ist dann wieder was anderes modisch) auszusehen ohne mich zu verkleiden. So können Sommer-Vorstellungsgespräche kommen. Und hell yeah, ich habe das selbst gemacht. Ganz allein. Auf dieser Welle des Größenwahns reitend werde ich mir noch so eine Bluse machen. Aus Seide. Version weiß ich noch nicht.

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Auto-Lobhudelei: fast nahezu halbwegs cool die einigermaßen eskalierenden Kinder ertra… begleitet.

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*Wobei das recht kurz gedacht ist, das ist mir schon klar. Zum Beispiel werden meine Stoffe sicher nicht in Norwegen gewebt und gefärbt und die Frau in der Fabrik in Bangladesh arbeitet sich sicher den Arsch wund, aber ja auch nicht zum Spaß, sondern die ernährt damit vielleicht fünf Kinder und die klapprige Mutter und wenn jetzt deren Job wegfällt, weil keiner mehr das Zeug kauft, ist das erstmal Käse, so ohne irgendeine Arbeitslosigkeits-Absicherung. Aber ne gute Lösung dafür kann wiederum meiner Meinung nach nicht von mir verlangt werden, da müssen in allererster Linie die Staaten ran, in denen Niedriglohnarbeit ein akzeptiertes Geschäftsmodell ist.

**Für nach außen gekrempelte Ärmel empfehlen sich da französische Nähte, also erst links auf links nähen, umkrempeln und die Nahtzugabe der ersten Naht mit einer zweiten Naht rechts auf rechts sozusagen in einer Tasche einschließen. Umbügeln, fertig.

***Bei Version 2 habe ich die Belege angenäht, bevor ich die Schulternähte geschlossen hab und fand das deutlich einfacher.

Tag 1038 – NORGER 1:0.

Die Blusenfotos müssen warten, dafür habe ich inzwischen zwei Blusen nach meinem selbst ausgedachten Schnitt, mit unterschiedlichen Halsausschnittvarianten und ich muss dieses Erfolgsgefühl noch ein bisschen auskosten.

Zu etwas anderem: Fußball. In Russland rennen zahllose Männer hinter Bällen her und weltweit gucken sich noch viel zahllosere Menschen das an und fühlen da vermutlich was. Ich nicht so. Fußball, generell jedes Sportevent, dass ich nur in 2D erfahre, finde ich langweilig. Sterbenslangweilig sogar. Ich mag manchmal mit Leuten zusammensitzen und sowas gucken, wenn es Bier und Grillwürstchen gibt und (und auch echt nur dann) wenn weiterhin normale Erwachsenenunterhaltungen möglich sind. Von Gegröle und vielen Schiedsrichtern kriege ich ganz schnell derbe Pickel und Galle und muss dann leider gehen. Und was absolut gar nicht geht, ist das dauernde Geschwafel über Fußball, beim Bäcker, bei der Bank, bei der Fußpflege und während die Kosmetikerin die Fußball-bedingten Pickel ausdrückt: „Hammses gestern gesehen? Das war ja was, also!“. Da hilft es dann leider nicht mehr weiter, meinen innerlichen Happy Place aufzusuchen. Man kommt ja auch fix in Erklärungsnot. „WAAAAS DU GUCKST KEIN FUSSBALL? NICHT MAL ZUR WM???“ Öhömm, möchte ich da antworten, erst recht nicht zur WM! Dieses ganze Schland-Gehabe ist mir zutiefst zuwider. Jeder Hinz und Kunz freut sich insgeheim, dass man endlich mal wieder ein bisschen stolz auf sein Land sein darf, und jede*r rechtsangehauchte Politiker*in freut sich ein bisschen, dass es wieder ein bisschen normaler geworden ist, dieser Nationalstolz, Flaggen überall und naja, dass nicht alle die Nationalhymne mitsingen wird man ja wohl noch thematisieren dürfen. Das alles finde ich zum Kotzen. In den Ligen kommen noch die absurden Fußballergehälter und Transaktions-Summen dazu, da könnte ich mich ewig drüber aufregen, genauso darüber, dass Männerfußball in Schland der Inbegriff der Männlichkeit ist und Frauen, die sich anmaßen, Profi-Fußballerinnen werden zu wollen werden verlacht und müssen nebenher noch irgendeinen Brotjob machen, weil Damenfußball eben nicht wie die hässliche kleine Schwester vom „richtigen“ Fußball gesehen wird, sondern eher wie das hässliche Hühnerauge am kleinen Zeh der Oma des „richtigen“ Fußballs.

Glücklicherweise leben wir jetzt in Norwegen. Die Norweger sind nicht soooo toll im Fußball. Man kann auch die norwegische Flagge voll schlecht mit Schminkstiften abbilden, höchstens stempeln und, ach, so wichtig ist es ja nicht, dass jetzt jede Versicherung ein eigenes Set an Norwegen-Fandingsis verteilt. Ich sage ihnen: das ist echt schön so. So kann ich sogar Fußball-WM einigermaßen ertragen, Bier und Grillwürstchen in angenehmer, nicht-grölender Gesellschaft tun ihr übriges. Da ich ja auch nicht arbeite, entfällt das „Hei, Gratulerer!“ an Tagen, nachdem die Deutsche Mannschaft (offensichtlich) wieder gegen irgendwen gewonnen hat, es werfen sich nicht mal meine brasilianischen Ex-Kollegen vor mir (in meiner Funktion als Die Deutsche) in den Staub. So ist halt auch ganz schön, doch.

Bis dann wieder Winter ist und norwegische Langläufer im Kreis durch irgendwelche mehr oder weniger künstlich beschneiten Landschaften gleiten, alle Norweger in den Mittagspausen vorm Fernseher kleben und keinerlei Gespräche über nicht-Wintersport mehr möglich sind. Dann ist es nicht mehr ganz so schön, denn Langlauf im Fernsehen übertrifft den Langeweilefaktor von Fußball noch mal um Längen.

Irgendwas ist halt überall.

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Auto-Lobhudelei: trotz Unlust und Kopfschmerzen Sport gemacht und, also, die Blusen. Hach.

Tag 1037 – Zu müde zum Erzählen.

Morgen ausführlich und mit Bildern, heute nur ganz kurz bevor mir die Augen zufallen: ich hab zum ersten Mal was richtig from scratch genäht, nur nach nem Bild und meinen Maßen. Und es hat geklappt. Hurra!

Pippi war heute das erste Mal ohne uns irgendwo anders. Nämlich beim 3.Geburtstag ihres Freundes M., dem Sohn der Leiterin des Kindergartens. Wären die fremder gewesen, hätte es vermutlich lange nicht so reibungslos geklappt. So bekam ich sie nur unter Protest überhaupt da weg. Und trug dann ein „Trampolin!“-murmelndes, schlafendes Bündel die Treppe hoch. Für Pippi war es aber wohl doch sehr sehr aufregend, sie schläft unruhig und redet, weint und motzt im Schlaf. Hachja. Auch dieses Baby wird langsam groß.

Tag 1036 – Endlich mal wieder!

Mein Kind zurück! Es war ganz toll und jetzt ist er ganz platt. Und weil er nämlich jetzt ein großer Junge ist, wollte er auch direkt zum ersten Mal allein zu Hause bleiben, als ich Pippi vom Kindergarten abholte. Und weil ich eine starke Mutter bin (und er unten nicht an die Türklinke kommt, also in keinem Fall das Haus verlassen kann) durfte er das dann auch. Mit viereckiger Tante an und Apfelschorle auf dem Tisch. Hat super geklappt. Mein Großer! Hachz.

Aber eigentlich wollte ich sagen: Was genäht. Wieso vergesse ich immer, wie gut mir das tut? Wie entspannend das ist. Genau wie Sport, irgendwie ist der innere Schweinehund da echt stark. Aber wenn man nicht immer im Netz rumhängen will und keine Nerven mehr für Bewerbungen hat, respektive wenn man die Oberarme kritisch beäugt ob die Muskeln schon schrumpfen, dann kann man ja beides wieder aufnehmen, man kriegt zwar Muskelkater (wie Sau, tatsächlich, Hupsi…) und braucht zum Zuschneiden plötzlich ewig, aber es klappt dann ja doch alles und am Ende hat man nen neuen Rock.

Den müsste man mal bügeln, aber da man den erstmal waschen muss, ist das witzlos. Ich wollte ihn aber unbedingt heute schon zeigen.

Das ist übrigens ein Ella-Hack. Also das Ella-Kleid von Pattydoo aber nur der Rock. Den Streifen, den man zwischen Oberteil und Rock machen kann, habe ich deutlich verbreitert und als Bündchen genommen. Weil ich das Bündchen außerdem mit Vlieseline verstärkt hab und auch gern möchte, dass der Rock *genau da* sitzen bleibt und nicht beim Tragen runter wandert (mein Ella-Kleid tut das, der Viskosejersey ist halt schwer und zieht runter, da bräuchte es eigentlich was stabilisierendes in der Taille), hat er auch einen nahtverdeckten Reißverschluss und weil ich ein Trottel bin ist der nun an der rechten Seite statt an der linken oder hinten, wo ich ihn eigentlich haben wollte. Aber egal. Der Rock schwingt ganz wunderbar und ich find ihn super so. Beim nächsten mal mache ich noch Taschen dran.

Ach ja: ein Hoch auf den Stoffklebestift! Super Teil, grade an so etwas friemeligen Stellen echt eine Erleichterung, verglichen mit Nadeln. Ich mag ja die Wonderclips auch sehr, aber dafür braucht man halt immer ne Kante. Und ich brauche auch mehr Wonderclips.

(Das Foto hat Herr Rabe gemacht und der hat gesagt, ich soll „so die Hüfte rausmachen“, vorher sah es nämlich irgendwie sehr… breit aus alles, dabei ist der wirklich gar nicht breit oder massiv. Hmm.)

Auf jeden Fall werde ich mindestens noch eine Ella nähen, wieder als Kleid, aber mit kurzen Ärmeln und einem… hmm, vermutlich runden Ausschnitt. Ich mag das Schnittmuster. Und ich hab im Winter so einen tollen Jersey gekauft, ich freu mich schon!

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Auto-Lobhudelei: Herrn Rabe nicht umgebracht, als er 40 Minuten vor Ladenschluss des Stoffladens am anderen Ende der Stadt dann endlich von der Arbeit kam. Und ich noch keinen Reißverschluss hatte.

Tag 1035 – #12von12 im Juni ‘18.

Heute ist der 12. des Monats und wie immer heißt das: wer mag macht 12 Bilder von seinem Tag und wirft sich in die Sammlung bei Caro von Draußen nur Kännchen.

Joa, also der Tag fing sehr früh an, ich hatte ja ein wenig befürchtet, dass wir Michel nicht aus den Federn kriegen würden, aber die magischen Worte „Es ist Førskoletur!“ ließen ihn förmlich wie so einen Jack-in-the-box aus dem Bett hüpfen. Er war dann furchtbar aufgeregt, dass er den Zug verpassen könnte und sprang herum, das war eeeetwas nervig vorm ersten Kaffe und um kurz nach sechs, aber Nunja. Zur Verabschiedung weckten wir Pippi, es gab noch eine kleine Umarmungs-Eskalation und dann zog er mit Herrn Rabe von dannen:

Ich machte Pippi, die sehr traurig war, nicht mit zur Førskoletur zu fahren, fertig und das Fieberthermometer bestätigte mir, was ich auch schon vermutet hatte: die erhöhte Temperatur von gestern früh hatte sich über Nacht endgültig verzogen und da sie gestern auch eigentlich fröhlich und fit war und gern in den Kindergarten wollte, durfte sie auch. Aber natürlich muss alles selbst gemacht werden.

Wir waren um viertel vor acht in der KiTa, das ist das letzte mal auch… ich glaub das ist noch nie passiert. Pippi ist auf dem Laufrad aber inzwischen auch echt fix unterwegs.

Auf dem Rückweg fotografiere ich im Park die zunehmende Verwahrlosung da. Es waren drei Bilder, die ich bei Instagram und dann auch bei der Kommune hochlud (wer weiß, vielleicht ist denen das ja auch alles gar nicht bewusst, Norweger sind ja jetzt eher nicht so die, die bei Unannehmlichkeiten direkt losmotzen), ich erspare Ihnen mal das Bild von der vollgekotzten Rutsche und die wuchernden Puste- und Butterblumen sind ja eigentlich sogar ganz hübsch, aber wenigstens in den Brunnen könnten sie mal wieder Wasser machen, finde ich.

Zu Hause habe ich dann etwas getrödelt und dann ein Workout herausgesucht. Ich war in letzter Zeit zwar viel zu Fuß unterwegs, aber wegen allem möglichen fiel das Workout öfter aus als das es stattfand. Da muss wieder Grund rein und heute startete ich mit 25 Minuten HIIT. Das war schön. Vor allem hinterher.

Danach Duschen, Kaffee machen, Arbeiten. Ich betrachte Bewerbungen schreiben als Arbeit. Als Highlight des Tages hat sich der Mann neben der Chipsfabrik endlich gemeldet, wann ich morgens frühestens in Oslo sein könnte, sie würden nämlich gern ein ausführlicheres Interview mit mir führen und danach zu der Chipsfabrik fahren, die ist aber eine Stunde entfernt und wenn ich nachmittags wieder zurückwolle, müssten wir eben früh starten. Ich Morgenmensch (NICHT!!!) werde also nächste oder übernächste Woche mit dem ersten zweiten Flieger des Tages mal wieder nach Oslo fliegen. Die Vorstellung trübt nur ein ganz kleines bisschen die Freude über die Nachricht.

Nach einiger Zeit brauche ich eine Pause und die Apotheke hat mir eine SMS geschrieben, dass meine Medikamente abholbereit seien. Ich wundere mich ein wenig, letzte Woche kam mir das noch alles totaaaaaaal kompliziert vor, das eine Medikament aus dem Ausland zu bestellen. Und das andere Medikament habe ich inzwischen bei einer anderen Apotheke abgeholt, weil ich mit meinem Vorrat nicht übers Wochenende gekommen wäre und diese andere Apotheke hatte die erste extra angerufen, um „das Rezept freizugeben“ (was auch immer das heißt). Naja, jedenfalls hätte ich letzteres Medikament dann heute haben können, das andere dauert noch etwa eine Woche. Damit der Ausflug nicht ganz ziellos war, mache ich noch einen Frisörtermin aus, bevor mein Frisör in zwei Wochen in seinen vierwöchigen Sommerurlaub aufbricht. Und weil das Wetter grad ganz schön ist (lies: es regnet nicht und in der Sonne muss ich die Windjacke überm Pulli doch aufmachen) gehe ich noch eine kleine Extra-Runde. Und stelle wieder einmal fest: Ich liebe meine Chucks.

Zu Hause arbeite ich weiter, ich schreibe insgesamt vier Bewerbungen und schlage mich mit drei verschiedenen Bewerbungsportalen herum. Man könnte meinen, man erreicht da irgendwann so einen gewissen Stoizismus, bei mir haben 33 Bewerbungen seit Januar (plus Chipsfabrik) da aber noch nicht genug Aggression weggeschliffen.

Herr Rabe und Pippi kommen nach Hause und ich koche. Also Essen.

Und dann gibt es essen. nämlich Zucchini-Pilze-Frischkäse-Pasta. Ist ganz lecker, aber jetzt keine mega Erleuchtung. Halt ne cremige Sahnesoße ohne Sahne. Und Foodbloggerin werde ich in diesem Leben auch nicht mehr.

Pippi ist zum Umfallen müde und ich bringe sie nach dem Essen direkt ins Bett. Vorher höre ich bei Herrn Rabe noch mal nach, ob die im Kindergarten vielleicht was von der Førskoletur gehört haben…? Herr Rabe sagt, Zitat, „Ich habe mich beherrscht und nicht nachgefragt.“ Gut, ich bin also nicht das einzige Helikopterelter hier.

Im Bad kriege ich endlich eins meiner grauen Haare gepackt. Das habe ich schon öfter versucht, ich hab nämlich einige davon. Zuerst habe ich sie bemerkt, als ich meine Haare das letzte Mal blau gefärbt habe, da waren nämlich ein paar Haare nicht nur in den Spitzen blau, sondern komplett gefärbt. Ich freue mich, zumindest noch, endlich ein bisschen Weis(s)heit.

Pippi schläft, es ist noch früh, vier Bewerbungen reichen für den Rest der Woche mehr als dicke, also schneide ich Stoff zu, trinke dabei sehr langsam ein Glas Wein und sehr viel schneller einen Liter Wasser und probiere auch gleich mal den Stoffkleber aus. Die Streifen auf dem Stoff sollen nämlich beim Nähen wirklich genau aufeinandertreffen und da darf nix verrutschen. Der Kleber riecht nach Hubba Bubba, funktioniert aber einwandfrei. Bin gespannt, wie sich das morgen nähen lässt.

Wegen der Streifen und weil ich mir echt Zeit lasse dauert das alles ganz schön lange, aber egal, ich hab ja nix mehr vor heute. Beim Küche aufräumen und bettfetig machen schaue ich noch eine Folge Lemony Snicket zu Ende. Die Socken lasse ich heute zum Schlafen lieber an, es ist echt fies kalt.

(Fun Fact: beim Zehen-Hampeln habe ich mir außen am linken kleinen Zeh was gezerrt. Autsch.)

Jetzt Bett, es wird auch echt Zeit. Vielleicht haben sich ja morgen früh mal die von der Førskoletur gemeldet.

Tag 1034 – Zeittunnel!

Nicht nur habe ich mich seit Tag 1028 grob verzählt – zwei mal! – nein, mein kleines Baby ist irgendwie mal kurz zu einem großen Jungen geworden, der morgen auf seine erste richtige Übernachtungsfahrt geht. Morgen wird Michel, der doch eben noch in seiner grotesk dicken Stoffwindel durch die Gegend rollte, auf Førskoletur (Vorschulausflug) fahren. Er freut sich unglaublich und ist tierisch aufgeregt, was man an der gesteigerten Häufigkeit von durch ihn provozierten kleineren und größeren Dramen ganz gut ablesen kann. Heute haben wir gepackt, was gar nicht so einfach war mit nöliger, leicht fiebriger Pippi und unglaublich aufgekratztem Michel, der einen mittleren Nervenzusammenbruch bekam, weil wir die Packliste im Kindergarten vergessen haben. Nicht, dass wir die nicht auch als Mail hätten, das zählt eigentlich nicht, das ist ja nicht der Zettel und buuuhuhuhuhuuuuuu, alles schlimm. Nun ja. Nach längerem Gesuche hatten wir dann das Wichtigste zusammen, nämlich Herrn Rabes Isomatte (die ist kleiner als meine, meine ist riesig), meinen Schlafsack (Michel hat ja so einen Kinderschlafsack von Decathlon, zum Übernachten in einer Hütte ist der super, aber die schlafen in einem Lavvo (ähh, Jurte? So ein festeres Zelt halt) und in der Nacht sollen die Temperaturen bis auf 1 Grad (!!!) runtergehen, da finde ich dann meinen dicken Schlafsack mit Comfort-Temperaturbereich bis -3 Grad doch angebrachter. Wir haben dann voll professionell noch das Fußende mit einem alten Haargummi von mir abgeschnürt, damit das Kind keine kalten Füße kriegt und nicht drin verschwindet, ich habe Michel die Geheimtasche gezeigt und spätestens seit Pippi unbedingt auch reinwollte, war Michel dann vom Schlafsack überzeugt) und sogar die vermaledeite Sitzunterlage, die ich in der ganzen Wohnung gesucht habe und schlussendlich bei den Schlittschuhen im „Keller“*fand. Memo an mich: Schlittschuhe da wegräumen, Sitzunterlagen in den Flur in die Box WO SIE HINGEHÖREN. Wir haben Wechselsachen und Schlafanzug eingepackt, Michel mit Engelszungen zum wenigstens Mitnehmen einer Fleecehose überredet, die Anziehsachen für morgen früh liegen bereit, Michel hat noch etwa dreitausendmal kundgetan, dass er seinen „Parkdress“ echt scheiße findet (wie ein Winteranzugeinteiler, nur ohne Futter, schützt also gegen Wasser von oben und Wind und NUR BABYS TRAGEN DAS!!!), ich habe drei Packungen Maoam** verpackt und in den Rucksack geschmuggelt, Pippi hat mit ihrem Plastik-Telefon „Bilder“ von Michel (und Selfies, Öhömm) gemacht, es ist quasi alles bereit. Morgen noch die Brotdose aus dem Kühlschrank und die Toilettensachen aus dem Bad in den Rucksack verfrachten und dann schauen wir um ca. viertel vor sieben mal, ob ich wirklich schon bereit bin, mein Baby einfach so mit einem Zug in einen hunderte Kilometer entfernten Wald fahren zu lassen. Schnüff.

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Auto-Lobhudelei: die durch das leichte Fieber „gewonnene“ Pippi durch die Gegend geschoben (2 Stunden, ca. 15.000 Schritte, eine halbe Flasche Pustefix und ein Kaffee in der Thermotasse) und mit ihr viel Spaß gehabt. Dabei nur wenig Sorgen gemacht. Aber Spatzen Croissantkrümel*** aus meiner Hand holen lassen. Hachz.

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*Nicht der richtige Keller, sondern ein Lagerraum von ~2qm auf unserer Etage und da haben die Schlittschuhe auch einfach gar nix verloren. Seit wir mal in einer Kellerwohnung gewohnt haben, die logischerweise keinen Keller hatte, nennen wir diese Art Lagerräume „Keller“. Mit Luftkommata.

**In der Vorschulgruppe sind ja nur zwei andere Kinder und Michel hatte sich heute morgen überlegt, dass er morgen gerne den anderen beiden eine süße Kleinigkeit schenken möchte. Und sich, natürlich. Nämlich „Am liebsten Kaugummi, oder ein Überraschungsei, oder Smarties. Da kannst du eins von aussuchen, Mama!“. Die Idee fand ich gut, das Bestimmerische daran aber nicht, also gibt es jetzt halt für jeden so ein kleines Maoam-Päckchen. Eingepackt, damit es auch für Michel eine Überraschung ist.

***So eine bin ich nämlich. Füttere Wildtiere mit insgesamt ca. 2 g Feingebäck und bringe meinem Kind dabei „Erpel“, „Spatz“, „Krähe“ und „Möwe“ bei. Und dass man ganz still sein muss, wenn man will, dass die Spatzen sich trauen, was aus der Hand zu holen.

Tag 1033 – Viel Gebacken und ein bisschen Kindergedöns.

Wenn der Sommer halt wieder sehr Trøndermäßig ist (also: um die 12 plus minus 5 Grad, plus minus Regen), macht man halt den Backofen an und backt gegen die mäßige Laune an. Heutige Ausbeute: zwei Brote und ein Rhabarberkuchen. Und zwei Flaschen Rhabarbersirup*. Herr Rabe hat jetzt gelernt, dass man Rezepte immer ganz lesen sollte, denn im letzten Satz könnte sowas stehen wie „Kuchen in der Form auskühlen lassen“. Lecker war’s trotzdem, auch wenn es eine leichte zerflossene Matsche war, die sich halt besser mit dem Löffel als einer Gabel essen ließ. (Kein Foto. War echt optisch nicht so ganz schön.)

Michel hat heute gelernt, dass er keinen Rhabarber mag (wie hätte es auch anders sein sollen, dieses Kind ernährt sich ja konsequent vitaminarm). Pippi hat gelernt, dass sie „Rababa“** schon mag, aber nicht, wenn Michel das verweigert. Und nicht roh, aber dann mag ich den ja auch nicht.

Generell ist das mit Michel grad wieder einigermaßen anstrengend. Weil einfach alles zu einem Wutanfall führt. Egal was, es ist ein Drama. Zum Beispiel: da war ja Rhabarber auf dem Kuchen. Ekelhafter, alles verseuchender Rhabarber. Streusel, Vanillecreme und Boden mochte er zwar, aber bekam schon mal vorsorglich einen Heul- und Wütanfall, weil das ja sicher quasi unmöglich sein würde, den Rhabarber zu entfernen. Anderes Beispiel: er möchte dauernd Sachen haben. Teure Sachen, zum Beispiel einen Lego-Zug oder das Lego-Batmobil. Wir erklären dann, dass wir das nicht einfach so kaufen (Schreul!!!), er sich das aber ja zum Geburtstag wünschen kann (Schreuuuuuldasistaberjanochsoooooolange!). Wir erklären „Geld“ und „Wert“ und auch, dass wer alles immer sofort bekommt, Sachen vermutlich nicht wertschätzen lernt (Schreulwüttob!!!). Solche Situationen, und davon gibt’s ja im Leben mit Kindern ständig welche, führen halt momentan direkt zum Tobsuchtsanfall. Ich würde ja gerne behaupten, dass ich gar nicht weiß, woher er das hat, aber sagen wir’s mal so: der ist ich mit der Impuls- und emotionalen Kontrolle eines Fünfjährigen. Juchhe. Hoffentlich finden wir alle noch einen Weg, damit mit weniger Schreien umzugehen. Erstmal haben wir heute abgemacht, dass er ab den Sommerferien ein wöchentliches Taschengeld bekommt, damit er ein besseres Gefühl für den Wert von Geld bekommt. Vielleicht hilft’s ja. Wegen der Höhe haben wir ja null Ahnung, da kann man’s ja auch wieder nur falsch machen, aber wir fanden, dass der Gegenwert von einem im normalen Laden gekauften, normal großen Eises ganz gut ist. Das sind dann ca. 25 Kronen (etwa 2,70€) das kommt mir irre viel vor (ich bekam 1 DM damals!) aber Norwegen heute ist halt nicht Deutschland vor 27 Jahren und für 10 Kronen kriegt man hier nicht mal eine Packung Hubba Bubba (das kaufte ich damals dann für meine Mark, oder eben zwei (!) Kugeln Eis beim Bäcker oben an der Straße), das kann’s ja auch nicht sein irgendwie. Die Zuckerwatte beim Juba Juba Festival neulich kostete 50 (!!!) Kronen. So zum Vergleich.

Pippi versucht hingegen immer, ihren Willen zu kriegen, IMMER, jetzt hat sie zum gewöhnlichen Repertoire einer knapp Dreijährigen*** noch die Drohung „… eller så sier jeg ifra!“ (frei übersetzt: „… sonst petz‘ ich!“) hinzugefügt, sicher ein Kindergarten-Ding. Ist halt nur lustig, wenn sie das bei uns versucht, wem will sie da denn petzen? Ihrem Teddybär?

Insgesamt also alles vermutlich ziemlich normal hier, nur mit Rabarbra.

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Auto-Lobhudelei: Recht gelassen die meiste Wut hingenommen. „Begleitet“, sagt man in Erzieher*Innen-Sprache.

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*gestern habe ich Rhabarber gekauft, weil ich eigentlich 1 kg einfrieren wollte, bis die norwegischen Erdbeeren kein Vermögen mehr kosten. Morgen muss ich dann also noch ein Kilo Rhabarber kaufen um es einzufrieren.

**Wir sind Westfalen, Rabaabaa. So.

***Also auch Schreulen und Hauen und sich auf den Boden werfen.

Tag 1032 – Hilfsbereit.

„Michel? Magst du mit zum Einkaufen kommen und mir helfen?“

„Nein, ich bleibe hier. Papa und ich müssen Aufräumen und Putzen!“

Echt so passiert. Es gab auch einen großen Geschwisterstreit um den Swiffer, weil beide unbedingt putzen wollten. Ich löste das dann, indem ich Pippi davon überzeugte, dass sie mir beim Einkaufen helfen muss, weil ich sonst ganz sicher die Erdbeeren vergesse.

Ich könnte jetzt natürlich so tun, als wären wir die ultimativ tollsten Supereltern der ganzen Welt, die das mit der intrinsischen Motivation fördern einfach voll raus haben, oder aber dass unsere Kinder einfach die hilfsbereitesten und empathischsten überhaupt sind, aber die Wahrheit ist ganz einfach:

Wir haben Michel versprochen, dass er, wenn die Bude sauber ist, Ninjago gucken darf. Und wenn Michel putzt, will Pippi das auch.

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Auto-Lobhudelei: Ich kämpfe weiterhin gegen das Loch, bisher einigermaßen erfolgreich, aber das ist echt ein Langstreckenlauf, sowas liegt mir ja gar nicht. Ich halte den Kopf oben, mit Mühe zwar, aber eben. Vielleicht ruft ja doch noch wer an.

Tag 1031 – Nervositäts-Ablenkungs-Programm.

Heute habe ich Bad und Küche geputzt. Dafür gab es drei Gründe:

  1. Die Putzhilfe hat Urlaub und kommt erst am 19. wieder,
  2. Die Putzhilfe hat auch Höhenangst und steigt nicht auf Leitern oder Hocker oder dergleichen (wofür ich gar nicht mal undankbar bin, die ist hier ja meist allein und auch schon etwas älteren Semesters, ich bin nicht so scharf drauf die mit nem Beinbruch hier zu finden),
  3. Ich brauchte Ablenkung davon, dass weder der Mann neben der Chipsfabrik noch der Fahrradladen sich nochmal gemeldet haben (und aus Gründen sollte das weder Social Media noch Bewerbungen schreiben sein).

Jetzt sind Bad und Küche sehr sauber, auch wieder auf den Schränken und auf dem Waschmaschine-Trockner-Turm. Die Schnecken haben einen Satz frischer Erde und ich habe ein Gelege gefunden und eingefroren*. Wir haben für das Wochenende wieder Brötchen, die habe ich auch noch schnell gebacken. Nur angerufen oder sich sonstwie gemeldet hat noch keiner. Naja. Morgen könnte ich noch Saugen, Wischen und auf den tausend kleinen Regalen im Wohnzimmer staubwischen. Die Wäsche verräumen, den Kinderkram endlich ins Netz stellen und dann wollte ich ja auch seit ewig noch was nähen. Oh und Altpapier muss auch weg – unter anderem die zweieinhalb Ordner durchgeackerter ICH-Guidelines. Vielleicht ist mir das auch zu wenig rituell. Mal sehen.

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Auto-Lobhudelei: produktiv umgesetzt, meine Hummeln im Hintern.

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*nein, nicht um die aufzuheben. Um die… zu töten. Ca. 200 Schneckenembryos habe ich also heute auf dem Gewissen.

Tag 1030 – Bett-Tag.

Diese furchtbare Erkältung macht mich fertig und im Gegensatz zu gestern war ich heute einigermaßen vernünftig und bin nach einer größeren Einkaufsrunde (deshalb nur einigermaßen vernünftig) wieder ins Bett gegangen. Mit Tee und Buch, das hab ich jetzt auch durch, aber erlebt hab ich halt nix.

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Auto-Lobhudelei: Dings, Selfcare.