Tag 986 – Alltag einer Arbeitssuchenden.

Heute ein großes Auf und Ab. Morgens noch neben Pippi auf dem Laufrad hergehachzt, zu Hause dann aber doch erstmal gelernt und nicht direkt Sport gemacht – ein Fehler, weil ich so als die Recruiterin von vorletztem Freitag anrief, grad sehr konzentriert Zeug zu Guter Herstellpraxis las. Die hatte zwar gute Neuigkeiten, denn ich darf zu einem zweiten Interview nächste Woche kommen, und außer mir darf das nur eine weitere Person, was bestimmt in einem anderen Kopf als meinem total positiv klingt, aber es ist halt nächste Woche und mein Gehirn irgendwo in allgemeinen Aspekten zur Wichtigkeit von Qualitätsmanagementsystemen verloren, deshalb sagte ich etwas unbedacht, ich sei nächste Woche leider Mittwoch verreist und käme erst Donnerstag zurück. Oh wo ich denn sei, ach, London, wie schön, hmm, aber vielleicht könnte ich ja auf dem Rückweg, wenn ich eh nen Zwischenstopp habe, und überhaupt und by the way, was ich denn da machen würde, ob ich in anderen Bewerbungsverfahren weit gekommen wäre? Tja. Jemand(TM) ist ja „too honest for her own good“ und sagte also wies ist: Dass ich in London am Auswahlverfahren für eine Stelle bei einer Behörde teilnähme, dass das alles noch sehr in den Sternen stünde und ich aber total viel grad lerne, das ich auch bei der Stelle in Oslo gut einbringen könnte und gerne würde. Nunja, und danach fühlte ich mich ziemlich mies, das ging auch durch Sport nicht weg. Einmal diplomatisch geschickt sein und die glauben lassen, sie wären die einzig wahre Stelle für mich… Hrmpf.

Ich lernte noch irgendwie weiter und dann kam die Familie zurück, als ich grad aus der Tür und Spazieren gehen wollte, das war irgendwie vom Timing her auch blöd. Immerhin kochte ich dann sehr leckeres Abendessen und alles schien halbwegs ok, bis ich (Volltrottel, echt mal!) in Michels Hörweite zu Herrn Rabe sagte: „Weißt du was mir eingefallen ist? Wenn wir zu Ende Juli die Wohnung kündigen wollen würden, müssten wir das bis nächsten Montag tun.“ Dann hatte ich einen sehr aufgelösten Fünfjährigen auf dem Schoß, der einfach nur hier wohnen bleiben will, seine Freunde behalten will, auf die Stadtteilschule gehen will. Das bricht mir je-des-mal das Herz. Immerhin konnte ich selbiges dann nach dem Kinder ins Bett bringen bei Herrn Rabe ausschütten und dann gings wieder, da kam mir tatsächlich sehr gelegen, dass ein verabredeter Telefontermin sich etwas nach hinten schob. Dieser Telefontermin war dann sehr nett und überaus hilfreich, denn ich sprach mit jemandem, die auch in einer EU-Agentur arbeitet und die fragte mich viele Dinge, die sie in dem Test vermuten würde, vieles konnte ich beantworten, einiges aber auch nicht. Überraschung, bei der EU arbeiten Menschen und die leiten Ausschüsse und sind aus Ländern und so. Menschen, mit Namen. Sollte man vielleicht wissen, wer so wo für „public health“ zuständig ist und was dieses „public health“ eigentlich umfasst. *hüstel*. Nunja, ansonsten war das aber wirklich nett, ich bin einigermaßen beruhigt und weiß, wo ich nochmal was nachlesen sollte und hoffe jetzt für die nette Gesprächspartnerin, dass die Stimmzettel ganz schnell fertig werden.

(Stillleben Lernchaos.)

Jetzt aber Bett. Vielleicht nehme ich mir noch so ne kleine Guideline mit, als Nachtlektüre. Öhöm.

Tag 978 – Gemischtes.

Heute war ich beim NAV. Das kam so:

Ich habe seit inzwischen 5 Wochen kein Arbeitslosengeld bekommen. Es wurde mir ja von Anfang an klargemacht, dass ich in den zwei Wochen vor der Disputation kein Arbeitslosengeld bekäme, weil ich in der Zeit „in Ausbildung“ sei und deshalb ja keine Jobsuche betreiben könne (dass ich auch in der Zeit Bewerbungen abgeschickt hab: Schwamm drüber, ne?). Ich müsse das dann in den „Meldekarten“ entsprechend angeben. Die Meldekarten muss man alle zwei Wochen ausfüllen, aber online dauert das keine fünf Minuten, ist also echt kein großes Ding. Und normalerweise geht das dann auch fix, dass man das Geld bekommt, also so etwa 2-3 Tage. Nun. Ich füllte diese Meldekarten rund um die Disputation also entsprechend aus und halte für den Zeitraum zwei Wochen vor der Disputation „in Ausbildung“ an. Und dann gingen die zwei Meldekarten zur „manuellen Behandlung“. Ganz toll, vielen Dank auch, dachte ich mir, aber sonst auch nix weiter. Bis dann jetzt für die neue, ganz stinknormale Meldekarte auch kein Geld kam. Da sah ich heute morgen nach und fand heraus, dass die quasi in der Pipeline hinter den anderen beiden feststeckt, die nicht bearbeitet wurden. Ich grmpfte also und rief die Hotline an. Die Dame bei der Hotline teilte mir dann freundlich mit, dass die zwei Meldekarten „durchgefallen“ seien und deshalb auch die dritte nicht bearbeitet wurde. Moment, durchchgefallen? Ja, weil ich „in Ausbildung“ angekreuzt hatte. Das „in Ausbildung“ gilt nur für „vom NAV aberkannte Kurse und Studien“. AHA! Das hätte mir ja auch mal wer sagen können, nicht wahr? Ich hätte da, so die Dame weiter, „Abwesend“ anhaken müssen. Obwohl ich ja sehr anwesend war. Tjanun. Und da gäbe es jetzt leider nur die Möglichkeit, das zu korrigieren, indem ich persönlich da hinginge und mit meiner Betreuerin spräche. Ich grmpfte noch viel mehr, ging aber heute Mittag da hin. Und war schockiert. Ich kam direkt von der Eingangstür in einen Raum voller Leute, die scheinbar ungeordnet herumstanden. Einige sag ich an Computern mitten im Raum stehend Dinge tun, einige sitzend auf Sofas, zwischendrin auch welche am Drucker, und hier und da Leute mit roten Westen. Ich dachte zuerst, ich wäre in den abschließenden Mingling-Teil irgendeines Seminars geraten und wollte schon wieder umdrehen, aber irgendwie kam mir seltsam vor, dass die Leute so scheinbar gar nicht mingelten. Und auch nichts offenkundig gemeinsam hatten. Ich blieb also unentschlossen einfach stehen und besah mir das ganze. Die roten Westen (mit dem Charme einer Bauarbeiterkluft) hatten eine Aufschrift mit „NAV.no – 24/7 geöffnet“ (oder so), die schienen also hierher zu gehören. Und wuselten manchmal zielgerichtet herum, dann aber wieder nicht und guckten aufmerksam Leute an. An einem Ende des Raumes war so eine Art Tresen, an dem mehrere Leute standen und dahinter mehrere rote Westen, also schien es mir ratsam, mal zu schauen, ob das ein Empfang oder sowas war (ich suchte die ganze Zeit nach einer Gelegenheit, eine Nummer zu ziehen, weil das in Norwegen ja immerimmerimmer so ist, dass man einfach eine Nummer zieht und dann die Nummer aufgerufen wird und fertig). Und wie ich da so versuchte, die Schlange am Tresen zu erkennen, rief eine der roten Westen „Wir haben hier keine Schlangenordnung!“. WHAAAAAT? Keine Nummer, keine Schlange, soll man die im Ernst einfach ansprechen? Bis ich mich gesammelt hatte, war die rote Weste natürlich besetzt. Dann drängelte sich jemand vor (oder so, gab ja keine Schlange, aber ich bin ganz sicher, dass die nach mir gekommen sind) aber die nächste rote Weste war dann meine. Der erzählte ich also – mitten im Raum, umgeben von Leuten (!!!) – meine Geschichte und sie fragte nach meinem Ausweis. Ich habe keinen Lichtbildausweis mit meiner Personnennummer drauf, also zog sie dann mit meinem Führerschein plus Krankenversicherungskarte (meinem einzigen Ding mit der Personnennummer drauf, abgesehen vom offiziellen Registrierungsbeweis) von dannen. Bis sie wiederkam, hörte ich unfreiwillig die komplette Geschichte des sehr laut sprechenden, älteren Rumänen mit, der vorgestern erst angekommen ist und noch eine Personnennummer braucht. Weil er noch keine Arbeit hat, hat ihn der Skatteetaten schon weggeschickt und er verstand nicht, wieso ihm niemand eine Nummer zuteilen wollte, ohne die doch in Norwegen nichts funktioniert. Kurz bevor er wirklich sauer wurde, kam meine rote Weste zurück, mit zwei Zetteln zur Korrektur der zwei Meldekarten. Die füllte ich auf der Sitzfläche eines Stuhls aus und gab sie ihr unterschrieben und mit der falschen Jahreszahl (Hupsi, aber ist ja auch noch so neu, das Jahr…) versehen zurück, sie sagte Danke und dass das jetzt korrigiert wäre und das war’s. Dann war ich wieder draußen. Auf der Pro-Liste also eindeutig: Geht fix, deren System.

Trotzdem, liebes NAV: warum?!? Warum keine Nummern? Wir mögen Nummern ziehen! Das ist fair, das kann wirklich fast jede*r, selbst Leute mit richtig schlechter Sozialkompetenz schaffen es, ne Nummer zu ziehen und im Zweifel eben draußen oder in der Ecke eines der schicken Sofas sich unsichtbar machend darauf zu warten, dass sie dran sind. Dieses System, was ihr da habt, ist echt (wie jemand auf Twitter sagte) Apple Store gone wrong. Für Leute mit psychosozialen Problemen ein echtes Hindernis, für alle anderen mindestens unfair und total unübersichtlich, keine Privatsphäre, und dass die Mitarbeiter*Innen da nicht komplett irre werden, ist echt ein Wunder.

So.

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Pippi wollte heute nach der KiTa nicht nach Hause laufen. Aber auch nicht Laufrad fahren. Was ich also tragen musste. Plus die schwere und volle Tasche Kram aus der KiTa (unter anderem der Winteranzug, mit dem Michel, als ich kam, auf den Knien über den gestreuten Asphalt robbte und meine Fresse, das Ding hat über 100€ gekostet und hat jetzt Löcher in den Knien. War. (und bin) ich. sauer.). Also beide Arme voll und bockige Pippi, die einfach stehen blieb. Viele unserer Nachbarn aus dem Viertel kennen jetzt die deutsche Mutti, die ihr Kind anschreit. Und ein paar deutsche Flüche.

Nach sowas möchte ich echt immer gern aufn Arm oder direkt ins Bett.

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Sport gemacht und, weil ich ein neues Sportprogramm angefangen habe, den „Physical Fitness Test“ wiederholt, allerdings ohne Laufen, ich laufe ja nicht. (Ich gehe. 19256 Schritte heute.) Und ich muss schon sagen: ich bin stolz auf mich. Die >-Zeichen heißen, dass noch ein paar mehr gegangen wären, aber es mir zu blöd wurde.

(Ach ja: Push-ups sind Liegestütze, in dem Fall ganz normale und nicht auf den Knien, sondern auf den Füßen, Squats sind Kniebeugen, Plank heißt, dass man sich auf Unterarme und Zehen aufstützt und den Rest halt wie ein Brett macht, also vom Boden weg, aber flach, in einer Linie von den Schultern bis zu den Fersen abfallend ohne, dass der Po angehoben wird. Flexibility wird da bestimmt, indem man quasi eine Klappmesser-Übung macht und musst, wie weit man mit den Händen an den Fersen vorbei strecken kann (oder, wenn man nicht bis zu den Füßen kommt, halt -x cm). Ich glaube, das ist bei mir nah am maximal erreichbaren, bei dieser Übung bin ich schon sehr flexibel, ich lege den kompletten Oberkörper auf meinen Beinen ab und die Unterarme auf den Boden neben die Waden, was soll da noch groß gehen, wenn meine Arme nicht durch gewisse Laufradtragereien noch deutlich länger werden?)

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Ein lustig aussehendes Brot gebacken, nach einem Rezept von Ketex.

(Ich glaube, die Teiglinge lagen ein bisschen sehr nah aneinander, deshalb haben die beim Aufgehen im Ofen so eine Art Brücke gemacht und sich gegenseitig hochgedrückt. Aber sonst tadellos, wir werden sehen, wie es schmeckt, so schwierig, wie’s im Rezept klingt, fand ich es jetzt nicht.

Tag 975 – Ein kurzes Statement zum Stand des Humors.

Vorstellungsgespräch also. Mal wieder. Man wird ja tatsächlich entspannter dabei. Also, ich jedenfalls. Vielleicht war ich auch einfach müde, die Möglichkeit besteht durchaus. Aber es lief auch im Vorfeld alles gut und entspannt, keine abgesagten Flüge, alles ganz nach Plan. Im Endeffekt war ich dann 10 der Nervosität geschuldete Minuten zu spät vor Ort und staunte kurz über das super schicke Gebäude (Googeln Sie mal „Forskningsparken Oslo“, wenn es Sie interessiert), wurde dann aber von der Recruiterin eingesammelt und… kurz gebrieft. Kann man anders nicht nennen. Die hätten einen sehr guten fachlichen Eindruck von mir, ich solle dies und jenes noch betonen und dann würde das sicher gut laufen. Äh. Okay! Gut, mache ich, ganz beratungsresistent bin ich ja doch nicht.

Im Gespräch lernte ich dann meine eventuelle zukünftige Chefin (M.*) kennen (die live, in Farbe und zum Anfassen viel, VIEL weniger biestig netter ist, als sie auf Fotos und anhand ihres CV wirkt. Nach kurzem Geplänkel über das Wetter (warm) und das Wetter vor ein paar Tagen (kalt) ging es los. Und zwar damit, dass ich gefragt wurde, was die Firma denn so mache. Ich war da etwas, äh, überrascht von, aber meine Hausaufgaben hatte ich ja gemacht und umriss kurz die Firmenstruktur, die Produkte und die naturwissenschaftliche Idee dahinter. Alles, was ich nicht erwähnt hatte wurde von der M. ergänzt und ab da war es eigentlich ein ganz entspanntes Gespräch, ich kann das alles gar nicht mehr so wiedergeben, aber es ging zu 95% nicht um Fachliches, sondern um mich als Person. Ich hatte wirklich den Eindruck, dass es der M. hauptsächlich drum ging, herauszufinden, ob ich als Mensch ins Team passen würde. Wie meine Arbeitsweise so wäre. Wie ich damit umgehen würde, wenn meine schönen Pläne durch Feuerlösch-Notwendigkeiten durchkreuzt würden. Wie ich in einem, vorsichtig ausgedrückt, noch in der Strukturierung befindlichen System voraussichtlich klarkäme. Was ich davon halten würde, mit regulativen Behörden zusammenzuarbeiten**. Ob ich mich auch vors, sagen wir mal, PEI stellen würde, um eine von uns geplante Studie vorzustellen***. Oder nach China fliegen und den Lieferanten inspizieren****.

Gipfeln tat das ganze dann in einer Frage nach meinem Humor. Weil der Chef im Empfehlungsschreiben meinen „good humor“ betont. Ähäm. Joa, also mein Humor ist besonders lustig, quasi grandios witzig, best humor, it’s true. Sagte ich nicht, sondern dass mein Humor ziemlich ironisch und manchmal auch sarkastisch ist, ich aber auch und vor allem über mich selbst lachen kann. Ah, eine Frage kam noch: was ich denn, abgesehen von Arbeit und Kindern, noch so für Interessen hätte. Ja, echt, die hat mich nach meinen Hobbies gefragt! Und da saßen wir nicht erst seit 10 Minuten und sie wollte Zeit schinden, damit ich mich nicht allzu schlecht fühle, das war nach eineinhalb Stunden Gespräch.

Ich hänge übrigens gar nicht die ganze Zeit im Internet rum. Ich habe lange Ballett gemacht, mache gern lange Spaziergänge mit Ziel, nähe meine eigene Kleidung und backe unser Brot. Falls Sie demnächst mal von einer M. aus Oslo gefragt werden.

Vorsichtiges Fazit: So ähnliche Gespräche hatte ich ja auch schon (mit denen hier und mit der Kröte ja eigentlich auch*****), es ist natürlich möglich, dass sie wen haben, der/die fachlich besser geeignet ist, weil er/sie/* halt schonmal genau das gemacht hat. Das wäre für mich jetzt blöd, weil das wär schon echt cool****** da. Aber dann hätten sie vermutlich nicht nach meiner unglaublichen Witzigkeit gefragt.

P.S. Der Rest vom Tag war dann auch echt super, mit der Osloer Freundin A. nämlich und der absolut unfassbar niedlichen MM <3

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Auto-Lobhudelei: souverän gerockt.

Auto-Lobhudelei Nachtrag: Das auch erkannt und nicht kleingeredet und mich auch nicht dafür entschuldigt.

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*Alle heißen immer M., aber das sind echt alles unterschiedliche Ms!

**Äääähähähähä, you have no idea. Sagte ich nicht. Ich sagte „Denen gehts ja auch nicht drum, dass hier direkt zugemacht wird. Die Behörden wollen ja auch innovative, gute, wirksame und sichere Medikamente.“

***Ich habe den PhD-Vortrag überlebt, also… klar!

****Nicht beim ersten mal alleine, aber ganz grundsätzlich: warum nicht?

*****Habe endlich Nachricht bekommen und bin 2. in der „Liste“, was ziemlich genau das ist, was ich erwartet hatte und ich bin auch nicht traurig.

******Cool, weil viel Verantwortung, vielfältige Aufgaben und, ach, ich hab ja ein Herz für minikleine Firmen. Und super interessante Produkte, auch von der regulatorischen Seite her (siehe **) echt spannend. Risiko: Das *kann* alles in den klinischen Studien noch ordentlich in die Hose gehen.

Tag 973 – Und Frau Rabe? Lernt.

Und das macht richtig Spaß. Ich bin in so einem Flow, es ist ja auch alles nicht gänzlich neu, aber eben zum Teil… 11 Jahre her, dass ich das mal in der Uni hatte, seitdem hat sich tatsächlich auch hier und da was getan. Den Stift habe ich schon zu 2/3 leergeschrieben und heute musste ich neues Druckerpapier kaufen, weil ich unseres aufgebraucht habe. Morgen werde ich zur Arbeit gehen, da noch mehr Zeug ausdrucken* und mir Blut abnehmen lassen und dann geht es weiter mit dem Thema Clinical Trials.

(Wer schreibt, der bleibt. Wollte ich lange nicht einsehen, ist bei mir aber ganz eindeutig so.)

Neues vom Fitbit: hab mich heute geärgert, dass meine Workouts nicht erkannt werden. Werde die in Zukunft halt manuell aufzeichnen. Aber mal im Ernst, was denkt das Ding denn, was ich tue, dass mein Puls plötzlich und dann über 35 Minuten konstant über 120 und in der Spitze bei 165 liegt? Meerschweinchen streicheln**? Grrrr.

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Auto-Lobhudelei: Joa, läuft. (Ok, etwas ausführlicher: ich bin grad saufroh und auch echt stolz auf mich, dass ich wieder produktiv und motiviert und engagiert sein kann, sein will und auch bin.)

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*Ich betrachte es als Karriereförderung, die mir ja sonst, trotz prinzipieller Verpflichtung dazu, von der Uni nicht zuteil wurde. Und fühle mich nur ein klitzekleines bisschen schlecht.

**Es war dieses workout und es war wirklich, wirklich anstrengend (wie der Name schon sagt: brutal) und das Fitbit sagt gar nix dazu, dass kann einen dann schon mal aggressiv machen.

Tag 972 – Easy Peasy.

Heute morgen fiel mir mein halbvolles Kaffeeglas runter und zerschellte auf dem Boden. Ich stand also in einer Kaffeepfütze voller Scherben. Hinter mir die neugierigen Kinder. Alle auf Socken, natürlich. Das gab ein paar ordentliche Flüche am frühen Morgen.

Aber, Überraschung: nach einem wütenden Workout sah alles schon viel besser aus. Ich setzte mich also frisch geduscht und mit frischem Kaffee an den Tisch und arbeitete systematisch die ersten zwei Kapitel des einen Buches durch. Marschierte dann im Stechschritt zum Kindergarten, Elterngespräch. Marschierte zurück. Lernte. Fuhr zum Staples und kaufte ratzfatz zwei Ordner, einen Gelroller* und eine Rolle Paketklebeband, auf dass wir Pakete nicht mehr mit Gaffatape zukleben müssen. Fuhr zurück, holte die Kinder ab. Ließ mich von Michel breitschlagen, H. zu kontaktieren, ob er zu uns kommen mag**. Machte zu Hause schnellschnell was ungesundes zu Essen (Pommes mit „Fiskekake“ also so ner Art Fischfrikadellen), das sich die Kinder aber begeistert und in Massen reinschaufelten. H. kam und die Kinder spielten sehr schön und leider ohne Pippi, die mir dementsprechend am Bein hing. Michel und H. wollten unbedingt Mario Kart spielen, ich machte Aufräumen zur Bedingung und so schnell war noch nie aufgeräumt. Dann brach ich mir tierisch einen beim Einrichten der Controller ab, kriegte es aber doch irgendwie hin. Pippi bekam den Controller der Play-Station (war ja aus) und war sehr glücklich damit. Dann spielten die Jungs Mario Kart um die letzten Plätze, während H.s Mutter (inzwischen zum Abholen eingetroffen) und ich kaum an uns halten konnten, denen nicht die Controller aus der Hand zu reißen und zu zeigen, wie das richtig geht.

Dann zwei Kinder ins Bett bugsiert. Michel überzeugt, in seinem Bett eingemummelt zu warten, bis Pippi eingeschlafen ist, dann käme ich zu ihm. Schon bevor Pippi schlief, hörte ich ihn schnarchen. Pippi schlief auch fix ein und ich ging wieder an die Lernsachen. Ich weiß jetzt grob, wie die Agentur, bei der ich mich beworben hab, organisiert ist, welche Organe an welche delegieren, welche Befugnisse die überhaupt haben und wer das echte Sagen hat (die Europäische Kommission). Puh.

Jetztist der Kopf voll und Zeit fürs Bett.

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Auto-Lobhudelei: trotz schlechten Start nen guten Tag und viel Spaß beim Lernen gehabt.

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*Skandal: mein ~ 10 Jahre alter Eppendorf-Pipettenkuli schreibt nur noch so mittelgut und ich muss ziemlich doll aufdrücken, das bescherte mir schon nach 30 Minuten Schmerzen. Mein guter Kuli! Schnüff.

**Irgendwie dachte ich, dienstags hätte der eh Taek-Won-Do und die Anfrage somit ungefährlich. Tjanun, so kann man sich täuschen.

Tag 971 – Endlich wieder.

Mein Gehirn funktioniert wieder. Wie sehr das in Mitleidenschaft gezogen war, ob jetzt durch den Stress oder die Schilddrüsensache oder beides, merke ich jetzt erst so richtig. Jetzt kann ich mir nämlich wieder Sachen merken. Normalerweise bin ich wie ein Schwamm, sauge Wissen, vor allem triviales (Öhömm), im Vorbeigehen auf. „Das war mal bei der Maus, das geht so…“ ist so ein typischer Satz von mir. Eigentlich. In den letzten sechs Monaten ging das nicht. Als wäre der Kopf vernagelt konnte ich mir die simpelsten Sachen nicht mehr merken. Trägt übrigens nicht grad zur Stärkung des eh immens pre-doc-geschädigten Selbstwertgefühls bei, wenn man zwei Minuten nach dem Meeting schon jede Info, die man nicht notiert hat, vergessen hat. Aber jetzt ist das weg, endlich, und statt wie früher(TM) aus Spaß auswendig zu lernen, welche berühmten Molekularbiolog*Innen wann welche Nobelpreise verliehen bekommen haben, füttere ich mein Schwamm-Hirn zur Abwechslung mal mit Basiswissen zur EU und dann werde ich mir diese zwei klitzekleinen Büchlein vorknöpfen*. 3 Wochen noch.

(Ich muss vielleicht doch morgen zu staples und mir zwei A5-Ordner kaufen.)

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Auto-Lobhudelei: alles geschafft. Alle Fitbit-Tagesziele zum Teil doppelt erledigt, Workout gemacht (ok, die zwei Punkte sind ein bisschen redundant), das Lernpensum abgesteckt und die Materialien beschafft, für Michels Freundin in Windeseile ein Stirnband genäht, Kinder abgeholt, Stirnband eingepackt, Michels Wunsch-Klamotten finden geholfen, ihm die Haare schick gemacht, mit Pippi gestritten und trotzdem nur 3 Minuten zu spät (Michel war schon ganz panisch) Michel beim Kindergeburtstag abgeliefert.

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*Hahaha, lustig, wie ich das so schreibe, als hätte ich keinen exakten Plan, wann ich was machen werde, ne? In Wirklichkeit ist der Plan so: Eine (volle) Woche für Drug Development, eine volle Woche für das Eudra-Book (da aber mit dem Internet nebendran, ich will nur wissen, wie generell Prozesse ablaufen und wer für was zuständig ist). In Woche drei dann und auch nebenher schon mal immer mal wieder statt Twitter Wikipedia lesen über „Die EU“. Allein heute habe ich echt viel Zeug gelernt, zum Beispiel, dass die EU drei Präsidenten hat**. Nämlich einen des Rats, einen des Parlaments und einen der Kommission. (Und grad sind alle drei Männer. Überhaupt waren das seit 2009*** ausschließlich Männer.)

**Das wussten Sie natürlich schon alle. Ich nicht. Und Sie wissen natürlich auch, weshalb

***2009 ein wichtiges Jahr für die EU war und was am 9. Mai ist.

Tag 968 – Aufregend!

Ein bisschen in eine Tüte atmen ist da wohl erlaubt: ich bin mit meiner Bewerbung bei einer EU-Behörde eine Runde weiter gekommen. Huiuiuiuiui! An 2.5. werde ich da einen schriftlichen Test machen müssen. Die Themengebiete habe ich auch schon bekommen und sie sind alle vage bis total vage („EU-Test“) formuliert. Ich werde also die nächsten vier Wochen ziemlich viel lernen.

Auch heute: erfahren, dass der Chef* wegen der Kröte angerufen wurde und die sehr beeindruckt von mir waren (ach.). Weiter aber nix von der Kröte gehört.

Ebenfalls heute: 11672 Schritte laut Fitbit, 8338 laut Telefon. Ich hab mir ja schon länger gedacht, dass das lügt. Auch putzig: das Fitbit erkennt „Zu Fuß nach Hause gehen“ als moderates Training. Öhömm. Meine Herzgesundheit ist aber bei 38-42 (Kartoffeln, das Fitbit-Äquivalent zu Frau Brüllens Stress-Bratwürschtl). Und ach ja: falls Sie auf der Suche nach einem Schlafphasen-Weckdings sind: *das* können die Fitbits nicht, fragen Sie mich nicht, warum nicht, die Community bemängelt das seit Jahren. Ich ärgere mich tatsächlich, dass ich das nicht wusste. (Das können aber auch nur ganz wenige Activity tracker und vermutlich ist es deshalb doch gar nicht so einfach zu implementieren, wie die wütende „ICH KAUF NIE WIEDER SO EINEN SCHEISS!“-Community so zu wissen meint.)

Auch: die Fahrrad-Ersatzteile einfach komplett selbst im Internet bestellt und mir einen Stinkefinger in Richtung lokaler Einzelhandel gedacht.

Ach ja und Michel heute früh: „Mama, weißt du was? Wenn ich dann den Zahn verliere, dann tun wir den in ein Glas mit Wasser und dann KOMMT DIE ZAHNFEE UND DANN KRIEGE ICH EIN GELDSTÜCK!!!1elf!!“. Ich finde die Zahnfee ja blöd, aber ich fürchte, das bringe ich nicht übers Herz, die Zahnfee für ihn sterben zu lassen.

Jetzt Kopfschmerzen, war wohl alles ein bisschen viel heute.

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Auto-Lobhudelei: mich nicht wie der letzte Honk angestellt beim Mario Odyssey** spielen. (Aber die Steuerung ist für Generation GameBoy trotzdem erstmal ne Herausforderung.). Und drei Liter Wasser getrunken (dafür schon vom Fitbit ordentlich gefeiert worden).

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*Ich nenne den einfach weiter so.

**Macht schon sehr viel Spaß. Doch. Am meisten die Ausflüge in die 2D-Welt.

Tag 960 – Geplatzte Träume.

Bei beiden Schwangerschaften hab ich bis nach der 12. Woche gewartet, es Leuten zu erzählen (Ausnahme beide Male: meine jeweiligen Chefs, wegen Chemikalien/schwer heben), weil ich mit dem betroffenen Schweigen, was ich nach einer Fehlgeburt erwarten würde, nicht umgehen könnte und erst recht nicht mit Mitleid. Ich mag nicht bemitleidet werden. Das lässt mich mich schwach fühlen. (Jajaja, da „könnte man jetzt mal genauer hinschauen“, will ich aber nicht und das hier ist ja auch keine Gruppentherapie, nicht wahr?). Also bitte kein Mitleid, wenn ich jetzt sage: ich hatte mich auf eine echte Traumstelle beworben, war da sogar in die erste (Telefon-)Interviewrunde gekommen und heute haben sie abgesagt. Das tut weh, weil Traumstelle, das tut extra weh, weil mir wieder aufgegangen ist, dass es genau das ist, was ich will, und eben nichts anderes und jetzt ist es *puff* einfach geplatzt*. Solche Stellen kommen auch echt nicht oft in meinen Radarbereich. Klar, ich mache weiter, jaja, ich gebe nicht auf (vielleicht doch, aber noch nicht sofort) aber heute war Fluchen und Selbstmitleid angesagt. Warum erzähle ich Ihnen das, wenn ich doch eh kein Köpfchengetätschel haben will? Weiß ich doch auch nicht.

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Auto-Lobhudelei: am Telefon noch die Fassung gewahrt.

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* ach ja und extra bitter: beim Nachschauen im Bewerbungsportal der Firma sah ich am Montag schon, dass ich für 2 andere Stellen auf die ich mich dort beworben hatte, auch nicht mehr in Frage komme, aber auch keine Absage bekommen habe. Sowas kann ich ja eh gut haben. Meine Güte, HR-Leute: you had one job.

Tag 954 – So war’s (ohne Gnihihi).

Nun, also so war das gestern alles. In Langform.

Erstmal: ich habe geschlafen wie ein Stein. Ich habe nicht mitbekommen, dass Michel wohl nachts noch herumgetigert ist und auch nicht, das Pippi in unser Bett kam. Als der Wecker um sechs klingelte, war ich aber sofort wach. Und mein Kopf tat immernoch weh. Und in meinem Kopf sofort wieder Gedanken. Ahhhh! Ich stand also auf, nahm eine Ibuprofen und eine komplette Betablockertablette (sonst nehme ich ja eine halbe und auch erst nachmittags, aber man kann ja mal ne Nebenwirkung gezielt ausnutzen, wenn man abschätzen kann, wie stark die ausfallen wird. Der Arzt hat mir übrigens 1,5 Tabletten als Tagesdosis verschrieben, aber das befördert mich direkt in den Tiefschlaf.) und dann… machte ich erstmal Sport. Eigentlich war es ja eh noch viel zu früh für alles. Also Sport. Mechanisch alles mitgemacht, 35 Minuten, dann Duschen, Hautpflege, Kaffee, nicht denken, nicht denken, nicht denken. Schminken, nicht denken, Anziehen, Kaffee trinken, nicht denken. Irgendwann war es viertel nach acht, ich räumte meinen Kram zusammen, die Kinder waren auch wach, ebenso die Schwägerin, ich schaffte es sogar mit etwas Mühe einen Smoothie als Frühstück runterzuwürgen. Ich packte noch meine Schuhe ein und machte mich mit dem Bus auf zur Arbeit.

Um neun traf ich mich da mit meiner Freundin A., die sich für Kaffee und Ablenkung angeboten hatte. Das war super. Ich traf noch mit meinem Kaffee in der Hand die Opponenten vor dem Hörsaal, machte ein bisschen pseudo-entspannten Smalltalk (während ich an diesem Punkt am liebsten irgendwo in Ruhe hyperventiliert hätte und dann war es auch schon Zeit, den Laptop anzuschließen. Das machte ich, ich bekam auch noch einen Laserpointer von der Administratorin, der lief auch (zum Pointen jedenfalls, mit dem Mac wollte der auch nicht kooperieren), dann kam das Komitee herein und ich schüttelte nochmal offiziell alle Hände. Ich hatte noch Zeit fürs Klo und schaute im Spiegel in ein wohlgeschminktes Gesicht, dem man weder den flauen Magen noch die bohrenden Kopfschmerzen ansah. Gut. Also, naja, so mittelgut. Wieder im Hörsaal nahm ich eine weitere Ibuprofen und dann wurde ich in den Vorbereitungsraum gebeten. Da muss ich sagen, es fühlte sich an als würde ich zum Schafott geführt. Im Vorbereitungsraum sagte uns der Acting Dean dann, in welcher Reihenfolge wir in den Raum und aus dem Raum rausgehen müssen, wer wo sitzen soll und so weiter. Ich balancierte auf der äußersten Kante des Stuhls und hörte mich Witzchen reißen, nach außen voll locker und entspannt, Innen eher so „Ich kotz gleich vor Aufregung hier ins Waschbecken“. Ich sah ein paar Leute ins Gebäude gehen. Dann war es Zeit. Um 10:12 gingen wir runter. Der Komiteevorsitzende – Asbjørn, ein Opamäßiger, netter Typ, der das so ca. Alle drei Monate durchexerziert – sprach beruhigende Dinge, ich erinnere mich nur an „die meisten finden es hinterher eigentlich ganz schön“. Ich war mit der Kontrolle meines Magens beschäftigt und damit, auf meinen Schuhen nicht umzuknicken oder die Treppe runterzufallen. Vor der Tür wurde mir dann mitgeteilt, dass ich das Mikro über die Ohren machen müsse, wegen Dings, und meine Proteste von wegen Unbequem wurden einfach überhört. Das Mikro kam über die Ohren und die Brille obendrauf, die saß dann schief, aber tjanun. Um exakt 10:15 ging unsere kleine Prozession (Dean, 1. Opponent, 2. Opponent, Komiteevorsitzender, ich) dann in den Hörsaal, alle aufstehen, alle hinsetzen, alle auf die vorher angewiesenen Plätze. Der Hörsaal war jetzt relativ voll. Waahhh. Der Dean sagte seine magischen Formeln auf und dann hörte ich „R. Rabe? Please.“

Trial lecture. Das lief wie mehrmals geprobt. Im Prinzip jedenfalls. Mit mehr Aufregung. Und mit dem Bioinformatikprof in der fünften Reihe, der dauernd einschlief. Ich finde mich ja sachlich gut und korrekt, aber nicht sehr unterhaltsam, auch nicht sehr frei gesprochen sondern eher vorgelesen, aber, hey, egal. Genau 40 Minuten und 12 Sekunden redete ich.

Applaus.

Zwei Fragen von den Opponenten, die ich schon wieder vergessen habe. Alle marschieren aus dem Raum. Menschen kommen raus und umarmen mich und sagen Sachen wie „one down, one to go“ und „Good Job“. Mein Chef lobt die gute Zusammenfassung des Themas und die PI die Übersichtlichkeit der Folien und dann gehen wir Mittagessen. Ich stehe ein paar Meter neben mir. Was gab es zu Essen? Ich weiß es, ah doch: Penne Arrabiata. Mein Kopf hämmert. Mein Hals tut weh. Es soll jetzt schnell vorbei sein bitte.

Wieder im Hörsaal. Irgendein Mist ist damit dem Laptop passiert, ich sehe nur den sich drehenden Ball. Ich werde panisch und Herr Rabe übernimmt, ich muss wieder aufs Klo, und auch der Lippenstift will nach dem Essen dann doch mal gefixt werden. Der erste Opponent kommt und will seine Präsentation auf den Hörsaalrechner laden, das geht natürlich nur mit einem Zugang, also meldet sich die Administatorin eben an. Ich bin geflasht von der Tatsache, dass der ne Präsentation gemacht hat. Wow. Als die Präsentation auf dem Computer ist, gehen wir wieder raus und warten auf den Rest des Komitees. Jetzt geht es also um die Wurst. Der Dean kommt im Harry Potter Umhang. Zu meiner Defense. Ernsthaft, meine Defense. Wie verrückt ist das denn? („Sehr verrückt!“ antwortet mir mein schmerzender Schädel.)

Ich halte also auch den zweiten Vortrag. Es gehen Dinge schief. Bei einer Folie bei der ein Übergang von einem Bild aufs nächste sein sollte, geht das erste nicht weg. Bei einem Bild fehlt ein Teil. Ich gehe verhältnismäßig souverän damit um, nach außen jedenfalls, kein Beinbruch. Und hyperventilieren bringt jetzt auch nichts. Nach ziemlich genau 30 Minuten ist es vorbei. Ich atme. Applaus.

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Opponent 1 stellt Fragen. Gute Fragen. Die erste ist so simpel, dass sie mich fast aus der Bahn wirft, aber er – Vollprofi halt – stellt mich direkt zurück aufs Gleis und ab da diskutieren wir recht angeregt über die Thesis, die Paper und andere Paper, die vor kurzem herauskamen. Ich bilde mir ein, nicht die einfältigsten Antworten der Welt gegeben zu haben. Nach 45 Minuten ist es vorbei und wir machen eine kurze Pause.

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Ich nehme ein Triptan. Das hat ja alles keinen Zweck.

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Opponentin 2: fragt auch Fragen. Andere, aber auch gute Fragen. Während der 1. Opponent eher auf Demethylation herumgeritten ist, stellt sie Fragen nach den Effekten. Krankheiten. Funktionen. Auch sie fragt „Was glaubst du, wie das und das geregelt ist.“. Sie fragt aber auch, welches Experiment ich gerne noch in den Manuskripten gehabt hätte. Und was mein Plan ist. („Get a job?“ brachte zumindest Leute zum Lachen.). Irgendwann zwischendurch merke ich, wie mein Kreislauf wegsackt, weil das Triptan wirkt. Ich bleibe aber trotzdem stehen.

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Fertig. Gibt es Fragen aus dem Auditorium? (Hint: ich war noch nie bei einer Defense, bei der es eine gegeben hätte.)

Meine Schwägerin hat eine. Nämlich ob sowas in der Art auch eine Rolle bei oxidativem Stress spielen würde. Ja, natürlich. Oxidative Stress ist noch häufiger als alkylierender und macht auch Mutationen. Genau wie für alkyldamage haben wir für oxidierte Basen auch Reperaturpathways.

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Alle sind fertig. Applaus. „The committee will inform the Dean of the faculty about the outcome“. Ich will meinen Laptop abbauen, aber mir wird bedeutet, dass wir wieder ausmarschieren sollen. Wir gehen aus dem Raum.

Als erstes gratuliert mir der Acting Dean. Frau Doktor Rabe, sagt er. Gratulerer. Dann das Commitee. Ich sei ja ganz ruhig gewesen (haahahahahahaha). Super gemacht. Leute kommen aus dem Raum. Drücken mich. „Good Job!“ „You did very well!“ „Kjæmpebra jobba!“ sagen sie. Nach fünf Umarmungen könnte ich vor Erleichterung auch einfach losheulen.

Dr. Rabe.

Ist jetzt halt echt so.

(Und Feier und so verbloggen mache ich morgen, wenn mir nicht mehr die Augen zufallen.)