Tag 856 – Ach, ach, ach.

Mein Tag in Abrissen:

  • Aufgestanden nach dreieinhalb Stunden Schlaf, mit Kopfschmerzen ähnlich wie Kater.
  • Schmink, Anzieh, Pack, Auscheck, Frühstück mit Businesskaspern, morgens um vor sechs am Flughafen halt. Nicht meine Zeit, ich kann da auch noch nix richtiges essen.
  • Hurra, Pressbyrån verkauft auch um sechs Uhr morgens schon Ibuprofen.
  • Lange Schlange an der Sicherheitskontrolle. Sehr lange. Trotzdem entspannt geblieben.
  • Mit frischem Kaffee ins Flugzeug. Zu dösen versucht. Nix.
  • Mein Herz, wie auch schon gestern Nacht, versucht mir aus dem Hals zu hüpfen.
  • Gerädert in Frankfurt angekommen. Ohne über Los zu gehen direkt zum neuen Gate. Mit Last Call das Gate erreicht.
  • Hops nach Stuttgart.
  • Glanzleistung des Tages: Ich erblicke einen Menschen, der auf jemanden zugeht, der ein Schild mit „MPI XXX“ in der Hand hält. Mein Gehirn ist aus und ich renne auf den Menschen zu „Hallo, ich muss genau da* auch hin, können Sie mich vielleicht mitnehmen?“ und dann sage ich das nochmal auf Englisch, denn der Mensch ist Franzose und kann kein Deutsch.
  • Ich und der französische Professor werden vom Privattaxi nach XXX gefahren.
  • Im Taxi nehme ich endlich den Beta-Blocker. So sollte die maximale Wirkung zu Anfang des Gesprächs da sein. Kann ich gut gebrauchen, ich bin so aufgeregt, dass mir schlecht wird. Meine Hände zittern, das Herz hopst. Dazu Kopfschmerzen. Mir geht es eigentlich echt nicht gut.
  • Ich bin 30 Minuten zu früh (dank Taxi) und fixe Make-up, Deo und Schuhe im Klo. Außerdem esse ich den Lufthansa Frühstücks-Cookie.
  • Gespräch.
  • Oh damn.
  • Mir geht es nicht gut, ich bin hypernervös, wirke unerfahren, unsicher, vielleicht fahrig, bin ich ja auch.
  • Gefühlt rede ich mich um Kopf und Kragen.
  • Nach der zweiten Gesprächsrunde möchte ich mich unterm Tisch verstecken. Meine Hände zittern jetzt wie bei ner Parkinson-Patientin.
  • Dritte Runde: HR-Dame. Das war schön. Ich bin vermutlich zu offen, aber schlimmer kann ich’s echt nicht mehr machen.
  • Es ist vorbei. Ich hole meine Sachen. Ich vermeide, mir im Gesicht rumzufummeln, weil ich merke, wie ich zittere und jeder wird es sehen, wenn ich meine Hände nicht verstecke.
  • Damn, jetzt merke ich auch die Migräne.
  • Fuck ey, verkackt, weil krank und da uneinsichtig.
  • Selbes Klo. Migränetablette einwerfen.
  • Jetzt merke ich erst die Müdigkeit. Ich möchte mich zusammenrollen und schlafen.
  • Ich habe kein Bargeld. Ich gehe zu Fuß zum Bahnhof. 45 Minuten.
  • XXX ist echt hübsch.
  • Ich finde den Bahnhof nicht.
  • Ich hole mir einen Döner.
  • Ich finde den Bahnhof doch noch und fahre mit dem Bus über tausend Käffer zum Flughafen. Ich döse und esse abwechselnd, ich fühle mich kacke und gleiche meine Erscheinung dem an.
  • Super nervige Kosmetikverkäufer wollen mir heillos überteuertes Zeug andrehen.
  • Flug. War. Ich döse.
  • Abgeholt von Tante, Leid geklagt.
  • Grünkohl mit Mettwurst. Viel Liebe!
  • Quatsch, Tee, Opi-Gespräche mit dem Onkel, der Tante und einem meiner Cousins. Mein Cousin und ich sind uns einig: Opi sah als junger Mann EXAKT aus wie Pete Campbell.
  • Abschminken, oh jöss, meine Haut, Tablette, bloggen, Bett.

Ich danke Ihnen echt allen für die Daumen. Und ich verfluche meinen Stoffwechsel.

Auto-Lobhudelei: alles irgendwie durchgezogen trotz widrigster Umstände. Und die Sache mit dem Taxi war preisverdächtig.

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*nicht genau da, ein bisschen den Hügel hoch und ums Eck. Aber genau genug.

Tag 855 – Plan F bis M.

Ich bin nicht in Deutschland. Ich bin in Stockholm im Flughafenhotel, weil mein Flug von Trondheim nach Oslo und auch der von Oslo nach Kopenhagen gestrichen wurde. Um 06:55 Uhr morgen früh soll ich nach Frankfurt fliegen, aber, haha, es schneit die ganze Zeit. Ich möchte Schnaps, aber die Minibar ist teuer und ich sollte, just in case, vielleicht morgen nicht verkatert sein.

Und oben drauf Schilddrüsenscheiß, ich stehe also quasi im Bett, bin hypernervös und kann nicht schlafen, das klappt doch morgen zu 105% nicht, gnaaaahhh. GNAAAHHHH! Gnah. (Ja, nee, Optimismus ist aus. Pragmatismus kann ich anbieten: im Zweifel muss ich halt mit dem Eisen Telefonkonferenz machen, in der Hotellobby oder so.)

Gnah.

Tag 853 – Growin‘ up like a boss.

Ich hatte es ja schon angedeutet: die Telefongespräche mit den Schweden waren nicht so ganz erfreulich. Es ging um Geld, aber nicht nur, ich schlug zum Beispiel andere Möglichkeiten, mir unter die Arme zu greifen, vor und es wurde einfach alles abgeblockt. Machen wir nicht, haben wir nie, werden wir nie, friss oder stirb, das war der Tenor. Ich hatte meinen Betrag ja nun genannt und war entschlossen, bei einem bestimmten Betrag darunter nein zu sagen und so kam es dann auch. Heute im Bus auf dem Weg zur Arbeit musste ich den Schweden leider mitteilen, dass ich zu deren letztem Wort leider keine Möglichkeit sehe, darauf eine Zukunft in einem anderen Land aufzubauen. Badumm, Tssss. Tja schade, dann viel Glück und schon war ich raus aus dem Bus. Leicht zittrig ging ich zur Arbeit und wurde natürlich sofort von allen möglichen Leuten gefragt, ob ich was von dem Job gehört hätte und die Reaktionen auf mein „Ich hab grad abgesagt“ rangierten von Verständnis über mehr oder weniger gut geheucheltes Verständnis bis zu entsetztem „Du bist verrückt!“. Tjanun. Können sich alle gern da bewerben und sich dann tot arbeiten und mit dem Lohn grad so über die Runden kommen, vom Umzug und der damit verbundenen Kohle und vor allem den Nerven mal ganz zu schweigen. Trust me, ich bin schon mal in ein fremdes Land gezogen und musste alles selbst organisieren, das ist absolut nicht ohne und, Jöss, ist das denn so schwer sowas zu sagen wie „wir können ja mal Angebote für Expat-Agenturen einholen“? Damit wär ich doch schon viel zufriedener gewesen.

(bester Mann.)

Egal, jedenfalls brennt mir natürlich das Feuer jetzt wieder etwas spürbarer unterm Po. Und während ich so mein zweites Drittel Daten hin und her schob und plottete und rechnete und rätselte, fasste ich den Entschluss, mit Eisen Nummer 2 ein bisschen zu pokern. Von einem kleinen Raum im Keller des „Banksals“, wo wir heute Instituts-Weihnachts-Mittagessen hatten, rief ich also mein zweites Eisen an und sagte (wahrheitsgemäß), ich hätte nun ein anderes Angebot vorliegen, sei aber weiterhin sehr interessiert an der Stelle und (nicht so ganz wahrheitsgemäß) möchte nichts entscheiden ohne nochmal mit ihnen gesprochen zu haben. Und überhaupt, es hätte sich kurzfristig ergeben, dass ich Donnerstag in Deutschland sein könnte. (Ich kam mir schon total souverän vor, ich stand quasi neben mir und bewunderte mich für meinen Mut und meine sympathische Offenheit und so.) tja, und wie soll ich sagen: der Recruiter rief etwas später wieder an, zu welcher Uhrzeit ich denn könne, wann mein Rückflug ginge und was ich denn so verdienen wollen würde. Bei letzterem hat er mich offen gestanden kalt erwischt, ich hatte keine Ahnung von den deutschen Verhältnissen, das sagte ich auch und dann sagte ich, was ich in Norwegen anstreben würde und was das in Euro wäre. Und er lachte mich zumindest nicht aus, sondern klang als wäre das eine okaye, möglicherweise sogar recht niedrige Forderung. Es sieht also so aus, als hätte ich mich quasi dreist selbst zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen (möglicherweise bin ich die geborene Chefin. Für Projektmanagement sollte es jedenfalls reichen). Am Donnerstag. DIESEN Donnerstag. Wenn ich (morgen, hoffentlich) die Bestätigung für den Termin bekomme, buche ich die Flüge, fliege dann Mittwoch nach der Arbeit nach Deutschland, übernachte bei einem Bekannten, rede Donnerstag mit dem Eisen, fliege dann nach Hannover, übernachte bei meinem Onkel, fahre mit meinem Onkel am Freitag zu der Beerdigung meines Opas, verpasse das KiTa-Weihnachtsfest und die kleine Arbeitsgruppen-Weihnachtsfeier, gehe mit der Familie essen, fahre wieder nach Hannover und fliege zurück nach Trondheim.

Und dann schreib ich meine Thesis fertig und alles wird gut.

(Nach dem Weihnachts-Mittagessen ging ich übrigens wieder zur Arbeit und plottete das letzte Drittel Daten, das während des Essens angekommen war. Von nix kommt ja nix, ne?)

Auto-Lobhudelei: Bwaaahahaha. Heute fand ich mich mal rundum saucool und erwachsen. Steht alles da oben. Selbstzweifel dann ab morgen wieder oder wenn ich in nem halben Jahr immer noch arbeitslos bin. Aber heute habe ich auf die Entscheidung, den Schweden abzusagen, den Sekt aufgemacht, den ich am Dienstag nach dem Angebot gekauft habe.

Tag 852 – Wiedada.

Pippi und ich sind gut wieder nach Hause gekommen. Der Start in Zürich war zwar wie befürchtet wegen des Wetters (Schnee, Wind, bah) wirklich furchtbar holprig, aber Pippi versteht das ja zum Glück noch nicht und guckt unbeirrt Peppa Wutz. Da wir wieder eine halbe Stunde Verspätung hatten, investierte ich in Pizza im Flugzeug, statt nervös mit Pippi unterm Arm in Gardermoen irgendwas zu Essen zu jagen, wäre dann am Ende fast wurscht gewesen, weil wir in Gardermoen grenzwertig lange drauf warten mussten, dass unser aufgegebenes Gepäck vom Zoll kontrolliert wurde und wir in den national transfers Bereich durften, aber sowas kann man ja vorher nicht wissen. So nutzte ich die Zeit, um Wein und Mascara* zu kaufen und Foundations zu swatchen, war auch schön.

„Jaaaa! Baby Peppa Wutz drückt!“

Dann große Wiedersehensfreude mit Michel und Herrn Rabe, nach Hause kommen, Pippi ins Bett bringen und dann endlich meine Omi anrufen, denn, das ist traurig und leider nicht unerwartet, aber dann doch überraschend: mein Opi ist gestorben. Ich denke da noch dran rum und möchte das auch nicht breittreten. Aber nach dem Gespräch mit meiner Omi müsste ich dann doch nochmal meine Mutter anrufen und das war, also, äh, interessant. Jedenfalls, falls auf Ihrer Terrasse zufällig eine Packung Pinnekjøtt herumliegt, so bereiten Sie das zu:

  1. Das Fleisch über Nacht einweichen (bei Zimmertemperatur, es geht natürlich auch gekühlt, aber dann dauert es eben länger). Einfach die Folie abziehen und die Packung mit Wasser auffüllen, unter anderem deshalb ist das Fleisch da so locker drin gepackt. Ich schütte nach ein paar Stunden einmal das Wasser weg und nehme frisches, das muss man aber nicht zwingend machen.
  2. Die Pinnekjøtt-Pinne in einem großen Topf wie ein Rost oder ein Gitter auslegen. So drei Lagen Pinne reichen dicke. Darauf das eingeweichte Fleisch stapeln. Dann so viel Wasser in den Topf gießen, dass es grad so nicht an das Fleisch herankommt.
  3. Deckel drauf und köcheln lassen, bis das Fleisch von den Knochen fällt. Das dauert, mindestens 2 Stunden, ich rechne eher mit 4. Natürlich wenn das Wasser verkocht ist, welches nachfüllen.
  4. In der Zwischenzeit kann man Beilagen vorbereiten, klassisch wäre Kålrotstappe, also Steckrübenpürree. Dazu eine halbe Steckrübe, zwei Kartoffeln und zwei, drei große Möhren schälen, in Stücke schneiden, in Salzwasser kochen, abgießen und stampfen. Mit (Trick 17) dem salzigen, fettigen Sud unten aus dem Pinnekjøtttopf, Pfeffer und eventuell einem Schluck Sahne oder Milch abschmecken. Wer ein Problem mit stückigem Brei hat, kann auch einfach Kartoffeln und Knäckebrot/Baguette dazu machen.
  5. Das Fleisch kann man, wenn man mag, nochmal kurz im Ofen grillen, dann ist es weniger schlonzig und etwas knusprig, ich finde es so am leckersten.
  6. Nö, keine Soße und das Fleisch wird auch nicht noch mal gewürzt.

Voila! Sie haben ihr erstes norwegisches Weihnachtsessen zubereitet!

Dazu passt Arvesølvet, hinterher, zum Verdauen. Der muss übrigens nicht kalt sein, kann aber.

Auto-Lobhudelei: Entspannt geblieben. Vorm Fliegen, beim Fliegen, am Telefon.

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*den Clinique-Mascara kaufe ich immer im Duty-Free Shop, weil der hier sonst noch teurer wär als eh schon. Heute war ich mal mutig und hab einen anderen gekauft als sonst. Aber trotzdem von Clinique, bei Mascara bin ich echt eigen. Vorher war ich bestimmt 5 Jahre lang dem Manhattan-Mascara „Volcano explosive Volume waterproof“ treu. Hachja.

Tag 851 – Partey!

Ich gebe ja zu, nach den Schilderungen der letztjährigen Feier hatte ich etwas Angst. Weil, also, meine Kinder sind noch recht klein und ich wohne in dem Land, in dem jedweder Alkohol absurd hoch besteuert wird, ich vertrage echt fast nix und richtig lange feiern schaffe ich auch gar nicht mehr, glaube ich.

Im Endeffekt war es dann aber wirklich sehr sehr schön, ganz entspannt, lustig und es gab echt viel leckeres Essen, das eine sehr gute Grundlage für Wein und Sekt und Co. bildete. Pippi war am Anfang der Party nach Verweigerung eines Mittagsschlafs zu zivileren Zeiten an Little L.s Schulter eingeschlafen und hielt echt gut durch, bis sie sich irgendwann in den Kopf gesetzt hatte, dass sie meinen Bauch sehen wolle, „Mama Bauch zeigen! Mama Bauch zeigen jeeeeetzt!!!“, ich das aus diversen Gründen nicht wollte und wir so einen kleinen Disput hatten. Am Ende zeigte ich ihr meinen Bauch auf dem Klo. Dann brachte ich sie (eine anstrengende dreiviertel Stunde lang) ins Bett und als ich wieder kam, gingen leider kurz drauf die meisten Gäste, aber wir räumten noch bei Wein und Unterhaltung auf, starteten die Spülmaschine zum sicher 15. mal seit gestern morgen und arbeiteten Glitzerstaub noch ein bisschen tiefer in die Maserung des Holztisches, statt ihn wie geplant wegzuwischen (ok, letzteres war ich ganz allein). Dann erfuhr ich noch ein paar Sachen über Herrn (und Frau) Brüllen, ich sach mal… life goals. Jetzt bin ich ganz aufgeräumt und liege im Bett neben dem Schnorchelmädchen und denke mir: doch, ich hatte schon viel viel schlechtere Ideen, als diesen Kurztrip.

Anekdote: wie Pippi das Glas mit den Kuchen-Dekokügelchen in die Finger bekam und anschließend zwei Frauen auf dem Boden rumrobbten um die Kügelchen aufzusammeln und wegzufegen. Mein educated guess lautet: bis März werden hier noch ab und an Dekokügelchen auftauchen, bis Juni werden Dinge glitzern.

Andere Anekdote: wie Pippi beim Malen mit einem Filzstift über das Buch hinaus malte, auf den Tisch und die Brüllen-Kinder schon gleich die Luft zwischen den Zähnen reinzogen und meinten „Das war jetzt gar nicht gut!“ und ich das Übergemalte einfach wegwischte, weil ich mir kaum vorstellen kann, dass jemand wie Frau Brüllen Stifte im Haushalt zulassen würde, die nicht abwaschbar sind.

Auto-Lobhudelei: echt wenig geschimpft heute, obwohl Pippi zwischenzeitlich im Übermüdet-Modus war.

Tag 850 – Voila!

Oder wie wir hier in relativer Nähe zu Frankreich sagen: je ne regrette rien.

Es war vielleicht eine relativ Banane Idee, hier jetzt grad herzukommen. Und der Gedanke kam mir oft in den letzten drei Wochen, herrje, ich habe da gar keine Zeit für. Jedes Mal folgte aber der Gedanke: und deshalb erst recht, du brauchst diese Minipause. Die zweite Stimme hatte sehr recht. Schon lange nicht mehr so viel gelacht, und das nicht nur wegen meiner absoluten Unfähigkeit, Augen auf Marshmallows zu kleben. Pippi fühlt sich auch pudelwohl, spielt viel mit Lego (die Star Wars-Sets und die Hubschrauber haben es ihr angetan, und Q. erklärt natürlich bereitwillig, wo welche Klappen aufgehen und welche Hebel man drücken muss, damit Männchen hoch und runter fahren. Mein Ziel ist es, bis zur Abfahrt herauszubekommen, zu welchem Set die Prostituierte gehört, die heute von Pippi als Fahrerin des Polizeitrucks eingesetzt wurde), futtert Mandarinen und verfolgt die Katze.

Mit Frau Brüllen macht auch Glitzernagellack entfernen mehr Spaß als alleine. Morgen dann noch mehr Essen vorbereiten (freuen Sie sich auf essbaren Glitzerstaub, das wird sicher super… messy) und dann: Partaaayyy. Wir gönnen uns hier.

Auto-Lobhudelei: (gestern vergessen, tjanun) ich habe die Schweden angerufen und auch noch bei einer anderen Firma angerufen. Das Gespräch mit der anderen Firma war sehr gut, das mit den Schweden eher enttäuschend, denn deren Einstellung ist am ehesten mit „musste halt wissen, was dir das wert ist, herkommen zu dürfen“ zu beschreiben. Hab deshalb 18% auf deren Xtausend draufgeschlagen und mich noch hinterher geärgert. Ich hätte noch mehr verlangen sollen. Pfft. Aber, hey, angerufen und freundlich, aber sachlich verhandelt. Jetzt weiter warten.

Tag 849 – Ich kann nicht, wenn wer zuguckt.

…

(Frau Brüllen, das Geburtstagskind, sitzt hier am gleichen Tisch, das ist zu aufregend.)

Ich kann ja die Reise beschreiben.

Aufregend wars!

Erst verpassten wir den Flugbus, Pippis Beine sind eben echt kurz und manche Busfahrer warten auch nicht auf kurzbeinige Menschen. Im Bus fiel mir dann aber noch ein, dass der erste Flug ja nur nach Oslo geht, und national sind die Gepäckaufgabezeiten echt entspannt. Es war dann auch kein Problem, wir hatten ja auch nur den „da kann absolut nix schief gehen, selbst wenn der Bus doppelt so lange braucht wie geplant, reicht es noch“ Bus verpasst und der nächste kam 10 Minuten später.

Dann wurden wir zwar an der 13 Minuten langen Schlange bei der Sicherheitskontrolle vorbeigelassen, aber zu dem Preis dass uns alle regulär Wartenden mit Blicken töteten und dann auch jede meiner drei Boxen auf Sprengstoffdrogenmesseranthrax gefilzt wurde. Dabei war da nun wirklich nix „falsch“ dran, die Flüssigkeiten waren im Tütchen, die Elektronikdinge gesondert gepackt, wir hatten keine üppigen Schals oder Kragen an und Pippi ging brav alleine durch den Metalldetektor. Nicht mal die Piepse-Schuhe hatte ich an.

Am Gate gab es dann ein kleines bisschen Trara, weil Pippi den Flughafen-Buggy, mit dem sie ihre Wasserflasche herumfuhr, absolut nicht zurücklassen wollte. Und als ich sie packte und trug, mussten wir noch durch eine andere Schranke, weil halt und es gab noch mehr Trara. Im Flugzeug war dann aber wieder alles ok. Bis auf, dass wir nicht starten durften, wegen Nebel in Oslo. Und sich das zog. Und ich nervös wurde, weil die Umsteigezeit mit 1 h 20 zwar ok, aber nicht üppig bemessen war. Im Endeffekt starteten wir mit 30 Minuten Verspätung und kreisten nochmal 15 Minuten irgendwo vor Oslo herum, die Landung ging nicht so schnell wie geplant und die Umsteigezeit war auf 23 Minuten zusammengeschrumpft. Ich hatte eine Stewardess nach dem Anschlussflug gefragt und sie hatte „det ordner seg sikkert“, also „Das klappt bestimmt“ geantwortet. Ich sags mal so: hätte ich die Stewardess irgendwo in Gardermoen nochmal erblickt, ich hätte sie erwürgt. Oder doch nicht, weil keine Zeit, ich rannte mit Pippi auf dem Arm von Terminal B nach Terminal D, es wurde die ganze Zeit schon „gate closing“ angezeigt, ich sah _0_ Flughafenpersonal, das nicht in Shops angestellt war, kurz: es war unschön. Und ich bekam, als ich im Flugzeug angekommen war, Wasser angeboten, weil meine Rübe knallrot und mein Gesicht auf Panik eingestellt war. Dann wollte sich Pippi nicht anschnallen und ich fluchte so dermaßen, dass vom älteren Herrn hinter mir „Tztztz“ zu hören war. Pippi war eben auch um halb sechs aufgestanden und jetzt um zehn wieder müde. Als das Flugzeug dann (mit Verspätung, haha, „det ordner seg“ in Wettersprache) in der Luft war, gingen Pippi und ich einmal aufs Klo und dann schlief sie wie ein Stein ein und ich musste sie zur Landung wieder wecken.

(Kein Pulli mehr, viel zu warm!)

Dann war nach der Landung unser Koffer wirklich der allerletzte auf dem Band und ich war kurz besorgt, ob unser Weihnachtskäse und das Erbsilber jetzt irgendwo in Gardermoen herumlägen, aber ab dann war alles ganz wunderbar. Hui, so ein Tesla beschleunigt fix, Pippi kann sich mit den Armen aus den Kindersitzgurten wursten, aber mal ehrlich: Leute, die einem beim Abholen Kaffee in die Hand drücken, die! DIE! <3

Anekdote: Wie wir Little L. Von der Schule abholen wollten und Pippi ca. 5 Jungs in L.s Alter auf dem Bolzplatz sah und einfach losstiefelte, in ihrem knallroten Onesie in Größe 92, um mit den Jungs Fußball zu spielen. Die waren etwas irritiert, kickten dann aber ein bisschen mit ihr und am Ende durfte „Er“ den Ball sogar behalten, den hatten die Jungs nämlich auch nur gefunden. Pippi war stolz wie Oscar und knutschte ihren Ball ordentlich ab, aber unsere geballte Mütterpower und der magische Satz „sollen wir mal gucken ob die Katze noch da ist?“ Überzeugten Pippi dann doch, ohne den Ball wieder mit nach Hause zu kommen. Dieses Kind! Hachz.

Ansonsten habe ich einer Brüllenschen Listenaufschreibung beigewohnt und die Katze gestreichelt und Pippi mag Frau Brüllen gern genug, damit ich allein aufs Klo gehen kann. Doch, doch, ganz wunderbar :)

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Halbe Betablocker sind gute Betablocker!

Tag 848 – Huiiiiii!

Heute sind zwei, nein, drei, nein, vier! Dinge:

– ich habe gepackt, Pippi und ich fliegen morgen früh zu Frau Brüllen, *kreiiiiisch* ich bin total aufgeregt und deshalb ging das mit dem Packen suuuuuuper langsam und bestimmt habe ich die Hälfte vergessen und die andere Hälfte wird auslaufen.

– ich war heute morgen beim Arzt, mein Kopf hat sinnlose Zahlen gespeichert, darin ist er gut: TSH <0,01, fT4 31,2, fT3 19,0, TRAS 3,9, a-TPO 660. Einheiten weiß ich nicht, ist auch Wurst, die sind bis auf den TSH alle zu hoch, bis auf den a-TPO nicht dramatisch, aber zu hoch. Ich bekam Neo-Mercazole verschrieben, dazu noch Beta-Blocker, holte das direkt aus der Apotheke und fuhr zur Arbeit. Nahm alles und… katapultierte mich versehentlich mit dem Beta-Blocker fast in den Tiefschlaf. Jöss, so müde war ich ja ewig nicht. Um halb drei gab ich alles auf und fuhr nach Hause, wo ich erstmal für eine Stunde schlief wie erschossen. Ab jetzt nur noch ne halbe am Morgen.

– Die Kinder abgeholt und direkt mit beiden neue Gummistiefel für Michel gekauft. Gummistiefel mit Löchern in der Sohle sind so sinnvoll wie gar keine Gummistiefel. Aber, hey, betäubte Frau Rabe ist entspannte Frau Rabe und es ging alles relativ smooth über die Bühne, sogar das Anprobieren lief ok. Vielleicht lags auch an den Keksen, die ich eingepackt hatte und mit denen ich Pippi eiskalt bestach, nicht alles im Laden anzugrabbeln.

– kurz bevor ich die Arbeit verließ, noch das zweite Drittel Daten bekommen. Naja, dann hab ich wenigstens was zu tun im Flugzeug.

***vergessen: Auto-Lobhudelei. Ähm, das mit dem Einkaufen war mein lichter Moment heute.

Tag 846 – Es ist wieder da.

Der Montag aller Montage, denn um halb zehn bekam ich eine Nachricht, dass ein neuer eDialog mit meinem Arzt für mich vorläge. Ich loggte mich da also fix ein und:

Aus dieser Nachricht lassen sich folgende zwei schlechte Nachrichten entnehmen: 1. wurden, obwohl ich doch extra noch rumdiskutiert und -genervt hatte, nur zwei von fünf erforderlichen Werten gemessen. Zu Morbus Basedow gehören nämlich: TSH stark erniedrigt, freies T4 und freies T3 erhöht (das ist eigentlich ein Feedback-Mechanismus: TSH kurbelt zwar die Produktion von T3/T4 an, die wiederum hemmen aber die Freisetzung von TSH. Bei Morbus Basedow werden aber aus anderen Gründen wie bekloppt T3 und T4 produziert, TSH wird dadurch trotzdem gesenkt), weshalb nur fT4 gemessen wurde weiß der Himmel (oder die Arzthelferin). Und dann gehören noch die Antikörper dazu: da gibt es TSH-Rezeptor-Auto-Antikörper (TRAK, oder hier TRAS), der tut quasi so als wäre er TSH, bindet an den Rezeptor und veranlasst so die Ausschüttung von immer mehr fT3 und fT4. Und es gibt noch anti-TPO (Thyreoperoxidaseantikörper), der ist zwar nicht beweisend für MB, ist aber trotzdem auch oft erhöht. Ohne die Antikörper ist also zu einer *Autoimmun*hyperthyreose nicht so viel zu sagen. Nachdem man sicher 20 Blutproben zu diesem klinischen Bild abgeliefert hat, weiß man sowas. Bei mir waren beide Antikörper immer noch leicht erhöht, obwohl ich seit zweieinhalb Jahren keine Schilddrüsenblocker mehr nehme und trotzdem einen normalen Stoffwechsel hatte. Also normale fT4, fT3 und TSH-Werte.

Jetzt halt nicht mehr, das ist schlechte Nachricht 2: fT4 ist zu hoch (sorry Twitter, doch nicht 39, aber trotzdem deutlich über dem Referenzbereich) und TSH wieder nicht mehr messbar, weil zu wenig.

Und so fühle ich mich ja auch.

Und das heißt jetzt für mich:

Wieder Arztmarathon, dauernde Blutentnahmen, lange auf Besserung der Symptome warten, nebenher eine Doktorarbeit schreiben, es ist Weihnachten, und HOFFENTLICH KOMMT DIE VERFLUCHTE AUGENSCHEISSE NICHT WIEDER.

Hups, sorry, doch etwas emotional geworden.

Aber wie soll ich denn auch reagieren, nachdem ich beim (Haus-!!!)Arzt erst 15 Minuten in der Warteschleife hänge und mir dann mit den Worten „so dringend ist es nicht, aber Sie dürfen am Mittwoch kommen, eigentlich haben wir ja bis Weihnachten keine Termine mehr“ abgespeist werde und dann noch drum bitten muss, dass das Blut für die fehlenden Werte doch im Krankenhaus (erneut) abgenommen werden könnte? Dann hätten wir die Ergebnisse Mittwoch früh, bittebitteliebguck? Ich schätze, der Arzt und auch seine Sprechstundenhilfen mussten noch nie ein Jahr lang jeden Abend Salbe in die Augen schmieren, weil die nachts einfach aufgingen und austrockneten, sonst hätten sie Verständnis für meine Panik und meine Verzweiflung gehabt und würden mir nicht am Telefon indirekt vorhalten, dass es ja nicht so dringend sei und die Praxis ja so voll.

Meine Fresse.

Als Krönung des Ganzen musste ich dann übrigens in der Blutabnahmestelle des Krankenhauses über eine Stunde warten, traf meine einzige Freundin (die hat das Gleiche, es wär lustig wäre es nicht so scheiße) und brach in Tränen aus, und musste zu guter Letzt mit der Krankenschwester WIEDER HERUMDISKUTIEREN WEIL DER HAUSARZT DIE BLUTPROBEN EBEN NICHT ONLINE BESTELLT HATTE.

Langer Rede kurzer Sinn: es war ein richtig beschissener Tag, ich habe keine Zeit für diesen Mist, NEIN, ICH WERDE MICH NICHT KRANKSCHREIBEN LASSEN, JA, ICH WEISS, DASS ICH UND DIESE EINSTELLUNG DARAN SCHULD SIND, JA VERDAMMTE SCHEISSE.

Hups, schon wieder emotional. Und böse Fäkalwörter benutzt.

Aber ich kann’s echt nicht mehr hören.

Ich werde übrigens auch kein Selen, Vitamin B Oder D Oder Bachblüten oder Schüsslersalze nehmen, nur falls Sie schon kommentieren wollten. Ja, ich habe im Prinzip gute Ärzte hier. Nur halt nicht in der Hausarztpraxis.

Ich werde den Arzt am Mittwoch um Neo-Mercazole und Beta-Blocker bitten, sowie darum, dass die Blutproben im Krankenhaus genommen werden, weil ich wirklich, wirklich keine Zeit habe, jede Woche zwanzig Minuten in der Praxis zu sitzen, bis ich dann mal an den Tresen darf, wo ich dann mein Sprüchlein aufsage, um dann nochmal eine halbe Stunde im Wartezimmer zu sitzen (umgeben natürlich von all den Magen-Darm-Grippe-Windpocken-Nasen), und dann schicken die das ans… Krankenhaus zur Analyse. Also, die 2/5 der Werte, die bestimmt werden sollen. Nach Weihnachten können wir so Späße gern wieder machen, da ist mir egal, ob ich erstmal ne Woche lang Wartezimmerseuchen auskurieren muss, aber bis dahin: No. Way.

Und übrigens: laboratorieresultater ist ein Wort, genau wie Laborergebnisse.

Auto-Lobhudelei: ich hab nur kurz wegen der ganzen Geschichte auf dem Klo geheult* und mich dann zusammengerissen und mit einer Einstellung die inzwischen nur noch f*ck it ist und kein „ich will das super gut machen, das ist mein Lebenswerk, was sollen sonst die Leute von mir denken???“ mehr die Einleitung zum Manuskript fertig geschrieben. Und, wichtiger, ich hab das mit den blöden Blutproben organisiert, also den Job der Arzthelferinnen gemacht, bittegern, Wanna get shit done? Ask your Graves-friend!

F*ck it.

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*und dann zu Hause noch mal und ordentlich. Herr Rabe erinnert sich nämlich noch an die Augensalbe und auch die Rennerei, um das nicht lieferbare Neo-Mercazole zu bekommen, und die fünfzehn Schwangerschaftstests, weil mein Zyklus keiner war, und den Haarausfall und die Pickel. Der versteht das.

Tag 845 – Familiensonntag.

Gettin‘ shit done? Nicht heute. Aber trotzdem (oder gerade deshalb?) ein schöner Tag. Wir haben zusammen Kekse gebacken und verziert*, haben rumgehangen und viel nix gemacht. Alle haben mit ihren Adventskalendern gespielt, also gab es TipToi-Gedudel und Legomännchenhelmaufsetze-Genöl, ich habe mir die Fingernägel lackiert und Herr Rabe hat abends zwei Whiskys getestet.

Sonst war nix und das tat mal echt gut.

Auto-Lobhudelei: Hab fünfe grade sein lassen, Hurra! Und schlau wie ich bin hab ich mir so einen Schlafgut-Tee mit maximal aufgeblasener Placebo-Verstärkungs-Verpackung (think: dunkelblau, mit Mond und Sternen und den Worten „Snore“, „Peace“, „Calm“ UND „Sleep“ vorne drauf) gekauft und werde den gleich trinken, die nächste Woche hat nur drei Arbeitstage, da muss ich fit sein. Also: Top-Ich hat Tee gekauft, Top-Ich trinkt den auch. Top!

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* und dabei festgestellt, dass Pippi auch eher zur gründlichen Sorte gehört: zwar braucht sie für zwei Kekse 20 Minuten, danach sind die aber rundherum gleichmäßig mit einer zentimeterdicken Schicht Zuckerguss bedeckt. Faszinierend dabei: wie sauber sie bei sowas bleibt. Kennen wir von Michel jetzt eher nicht so, also das eine wie das andere.