Tag 395 – Dieser Titel ist im Nebel verschwunden. 

Die einzige Möglichkeit, mir den Herbst hier schön zu machen, ist Pilze sammeln im Wald. Also zogen wir heute los, fanden nach ziemlich viel Sucherei genug Pfifferlinge fürs Abendessen, fanden sogar drei Steinpilze (die aber schon so schneckenzerfressen waren, dass wir sie einfach da ließen), stapften durchs Moos und prökelten mit Stöckern an merkwürdig aussehenden Pilzen herum. Sogar Michel fand es gut, bis auf die letzten zehn Minuten, da hatte er keinen Bock mehr.

Andererseits: es ist Herbst und bald wird es hier wieder dauernd dunkel und kalt und grau sein. Das nimmt mich grade mehr mit, als es sollte. Ich glaube, ich sollte wieder mit den Vitamin-D-Tabletten anfangen. Und Feuerholz bestellen.

Tag 394 – Riesling. 

Es war ja heute die am Montag mit dem Slogan „Socializing ist wichtig!“ angekündigte Shrimp-Party. Auf der Dachterasse, weil es da schön ist und heute, weil heute das Wetter schön sein sollte.


2 Stunden vor der Party goss es in Strömen auf das auf der Dachterasse wegen Dachdeckerarbeiten installierte Baugerüst.

30 Minuten vor der Party hatte es immerhin aufgehört zu regnen und weil Norweger auch ein klitzekleines bisschen stur sind, wurden stoisch Stühle und Tische unter dem Baugerüst aufgebaut.

Pünktlich zur Party wurde das Baugerüst dann sogar von ein paar Sonnenstrahlen beschienen. Und trotz totaler Unlust meinerseits war es dann doch sehr nett, der Chardonnay machte sich auch sehr gut zu den Shrimps und weckte ein paar tief verbuddelte Alleinunterhalter-Skills in mir. Dann trank ich aber leider auch ein Glas Plastikbecher Riesling (lieblich! Ich hätte es beim ersten Schluck wissen und lassen sollen!) und aß zwei Stück Schokolade dazu (Gesichtspalme galore!) und ab da konnte ich der Migräne leider beim Wachsen zusehen, trotz zwei Becher schwarzen Kaffees und Unmengen von Leitungswasser. Zur Heimfahrt nahm ich eine von den Ultra starken griechischen Flughafen-Ibuprofen-Tabletten, legte mich zu Hause aufs Sofa, kuschelte versehentlich Michel in den Schlaf und jetzt hab ich nur noch eine viertel Migräne und mir ist auch nicht mehr übel, den Rest erledigt hoffentlich der Schlaf.

Wofür man seine Doktorarbeit im Zweifel auch nutzen kann: die Dame, die diese hier schrieb, bekam kürzlich ein Baby, das sehr viel spuckt. Ihr Mann nahm die Bücher mit (man muss ja immer drölfzig drucken lassen und was soll man sonst damit machen? Auf der Straße verscherbeln „Ich hab ein Baby, ich muss Windeln kaufen, prekäre Verhältnisse in der Wissenschaft…“?) um das Babybett am Kopfende etwas anzuheben, damit das Kind hoffentlich etwas weniger spuckt und die Eltern hoffentlich ein klitzekleines bisschen mehr schlafen lässt.

Tag 393 – Kann weg. 

Eigentlich heute auch viel Gutes passiert, zum Beispiel kommt ganz vielleicht unter Umständen eventuell mein Name auf ein Paper in Nature. Aber dann war auch so viel Mist, das fing schon beim fertig machen für den Kindergarten und der totalen Eskalation eines Streites um Socken (Michel wollte die von gestern, mit denen er auch ins Bett gegangen war, anlassen, ich sagte nein) an und ging über einen total misglückten aber echt wichtigen Teilversuch weiter (und jetzt muss ich wieder erst Gedöns bestellen und dann drei Schritte zurück und die wiederholen und grrrrrrr…) und dann hörte ich noch was, das mich gar nicht betrifft und trotzdem total wütend macht: dass sich manche Kindergärten wohl wegen irgend welcher fadenscheiniger Versicherungssachen weigern, die Kinder mit Sonnencreme einzuschmieren. Mein Gehirn hat da einen Kurzschluss bei der ‚ALTER, SONST GEHTS ABER NOCH???!!!?!‘-Stufe, ich kann gar nicht recht erklären, warum, vielleicht ist heute einfach so ein Tag, an dem mein innerer Dreijähriger die Oberhand hat und der nun mal wegen Socken Sonnencreme jetzt Theater machen will.

Deshalb trinke ich jetzt gleich einfach einen Kakao und schreibe vielleicht morgen über die Ballettstunde.

Tag 392 – Es war einmal…

… ein junges Pärchen, das war sehr verliebt. Und weil sie so verliebt waren verlobten sie sich schon recht bald. Erstmal nicht offiziell, dann aber auch irgendwann richtig mit Antrag und Ring und dem ganzen kitschigen Scheiß.

Alsbald stellten sie fest, dass alles, worauf ‚Hochzeit‘ oder ‚Ehe‘ oder ‚Braut‘ steht, ziemlich teuer war. Brautkleid, Brautschuhe, Hochzeitseinladungen, Eheringe – alles kostete direkt das doppelte oder mehr vom Äquivalent ohne Ehegedöns drauf. Vor allem die Eheringe stellten das junge Paar auf eine harte Probe, denn nicht nur waren alle Ringe die sie sahen sehr sehr teuer, sondern vor allem fanden sie sie auch sehr sehr hässlich.

Eines schönen Tages stand jedoch die junge Braut in einem Designladen in Stockholm vor einer Glasvitrine. Da drin waren Ringe ganz nach ihrem und ihres Verlobten Geschmack. Der Designer stand auch dabei. Sie suchte denn auch alsbald den Designer in seinem Ateljer auf, in Begleitung des Verlobten, und gemeinsam entschieden sie sich schnell für eine Variante: nicht zu eckig, nicht zu platt, ganz schlicht, keine Steinchen, aus Titan und mit einem schmalen Streifen aus Platin. Und weil da nicht Ehe oder sonstwas dranstand, kostete der ganze Spaß gerade mal 4000 Schwedische Kronen (bei einem Wechselkurs von 1:11 damals). Der Designer empfahl noch eine Bekannte für die Gravur, denn Titan gravieren machen nicht viele, und so bekam das Pärchen noch eine wunderschöne handgemachte Inschrift in ihre Ringe. An einem der letzten Tage ihres Aufenthalts in Stockholm holte die junge Braut die gravierten Ringe ab und war sich sicher, dass diese traumhaften Ringe die Ehe besiegeln und sicher für immer halten würden.

Fast forward 5 Jahre.

Das Platininlay des Ringes der Braut fängt an, sich aus dem Ring zu lösen. Ein winziger Spalt ist aufgetaucht. Fortan nimmt sie den Ring zum Duschen und Spülen und Eincremen ab, damit es nicht schlimmer wird und sich kein Schmodder in den Spalt setzt.

Fast forward 2 Jahre.

Es ist trotzdem schlimmer geworden. So schlimm, dass jedes Mal, wenn sich die Frau unbedarft in die Haare fasst, sich ein  einzelnes Haar in dem Spalt verklemmt und unsanft aus der Kopfhaut gerissen wird. Und so schreibt die Frau den Designer an, dessen Ateljer es glücklicherweise noch gibt, ob er das reparieren könne. Klar, antwortet der, am Besten käme sie einfach vorbei.

Die Frau googelt kurz nach Möglichkeiten, mit Kind und Kegel nach Stockholm zu kommen, gleicht die Ergebnisse mit dem Sparkonto ab und schickt den Ring seufzend per Post.

Murch!

Und weil sich die Hand ohne den sieben lange Jahre getragenen Ring ganz nackt anfühlt, kramt sie zu Hause den Verlobungsring wieder hervor, poliert das Angelaufene mit Zahnpasta und einem Wattepad weg und trägt jetzt den so lange, bis der Ehering wieder da ist.

Wieder was angezogen.

To Be continued.  (Update: der Ring ist laut Post angekommen. Puh.)

Tag 389 – Wilde Pinguine. 

Wir haben heute einen richtigen Sonntagsausflug gemacht, nach Rønningen, das ist quasi mitten im Wald. Schon auf dem Weg ergaben sich interessante Gespräche mit Michel: 

*wir fahren über eine Kuppe*

Michel: „Oahhh, ich kann ganz weit gucken! Bis nach Afrika!“

Wir: „hmmhmm…“

Michel: „In Trondheim gibt es auch ein Afrika.“

Ich: „Nee, Michel, Afrika ist ja ein Kontinent und…

Michel: *unterbricht mich* „In Afrika gibt es wilde Tiere. Und Dschungel. Wir fahren jetzt auch so Dschungel. Da auch wilde Tiere.“

Ich: „Ja, wilde Amseln…“

Herr Rabe: „… und Eichhörnchen…“

Michel: „… und vielleicht Bär.“

Wir haben dann noch nicht mal Eichhörnchen gesehen, was vermutlich am total überlaufenen Wanderweg zur Hütte lag. Es war nämlich „Komm raus- Tag“ mit Ponyreiten und Hindernisrennen und tausend Lagerfeuern und allem Tamtam an der Hütte. 

Da waren wir gerade los gelaufen. ca 500 m später musste Herr Rabe das Fahrrad doch wieder zum Auto zurück bringen.


Dank Michels Kumpel E. den wir auf dem Weg trafen, wurde der Weg nicht so lang (3 km hoch und runter sind mit Kleinkindern ja mitunter ein mehrstündiges Unterfangen und eine Meisterleistung der Motivationskunst – so man denn ankommt) und man konnte wieder jede Menge Norweger auf Outdoor-Modenschau beobachten. Weil einfach so den gut ausgebauten (siehe Bild) Weg in Jeans oder ähnlichem gehen, das geht für Norweger*Innen nicht. Da muss man mindestens ne hautenge Sporthose oder so ne Funktions-Tourhose (siehe Herr Rabe, der alte Norweger, auf dem Bild) anhaben, Stirnband, Woll- oder Funktionsshirt und KEINE Wanderschuhe, das machen nur (deutsche) Touristen, sondern Lauf- oder sonstige Sportschuhe. Als Assessoire eignen sich ähnlich ausstaffierte Kinder aller Altersstufen, (Rasse-)Hunde oder Beeren- und Pilzesammel-Ausrüstung (natürlich professionell). 

Genug gelästert, die Veranstaltung war dann sehr nett, Michel ritt eine Runde nach eeewigem Anstehen auf einem Pony und war sehr glücklich darüber, dass das Pony sogar die Blumen, die er extra zu diesem Zweck auf dem Weg schon gepflückt hatte, brav auffraß, es gab Waffeln und Kaffee und mitgebrachte Brötchen für alle, alles hübsch. Etwas ärgerte ich mich über das Kinderschminken, weil die Hälfte der abgefertigten Mädels als rosa Tiger da rauskam. Ja, Sie haben das richtig gelesen, ROSA. Diese Generation Kinder glaubt vielleicht nicht, dass Milch von Lila Kühen kommt, aber dafür dass die weiblichen Tiger rosa sind WEIL HALT! Ich finde, Kinderschminkmenschen sollten den Anstand besitzen und sich so einem Bullshit verweigern. Es gibt doch so viele schöne rosa Schmetterling-Blume-Fee-Gesichter, das muss doch reichen. Später sah ich dann noch ein Mädchen, dass einen rosa Batman-Schatten auf dem Gesicht hatte, aber da war mein Gehirn wohl schon wieder durch die Rosaplosion aller Orten abgestumpft, jedenfalls regte ich mich nicht auf. 

(Wenn meine willensstarke kleine Pippi irgendwann in die Rosa-Phase kommt muss ich mir entweder meinen Geschmack amputieren lassen, meine Augen ausstechen oder mir irgendwelche Nerven-Durchhalte-Drogen zusammenbrauen.)

Zurück zum Thema: irgendwann waren wir wieder am Auto, Herr Rabe hatte sogar noch ein paar Pfifferlinge gefunden, die Verabschiedung von E. ging wegen ausgepowertem Michel überraschend gut und so fuhren wir nach Hause. Insgesamt waren wir fünf Stunden draußen, im Wald, an der frischen, herbstlichen (wäääähhhhhh!!!) Luft und dass niemand im Auto einschlief, ist ein Wunder. 

Danach Resteessen mit Pfifferlings-Add-On und Pinguinpulliprojekt. 

Der wirre Blick ist der Uhrzeit geschuldet.

Tag 388 – Tagwerk.

Dank Herr Rabe und seiner Kinderbetreuungsskills habe ich jetzt zwei neue T-Shirts. 

Nämlich Lucille und Shelly. Für große Worte bin ich jetzt gerade viel zu platt, deshalb lasse ich einfach Bilder sprechen, die Bilder sind zwar auch schlecht, weil ich die selbst machen musste, weil Herr Rabe schon schlief, aber was solls. Also hier:

Nummer eins: Shelly, als Kurzarm-Version, weil meine T-Shirts alle Löcher haben.


Shelly geht wirklich ganz einfach, allerdings würde ich beim nächsten Mal, weil ich ja jetzt weiß, dass das mit dem Kragen schon so passt, doch die Ärmel-und Seitennaht in eins Schließen, nachdem der Ärmel schon eingepasst ist. Das führt sonst zu Gemurkse in der Achsel *hust*.


Kragen-Detail.


Nummer zwei: Lucille, auch als Kurzarm-Version und erstmal schlicht, zum Üben. Vielleicht mache ich noch ne Blume oder ne Schleife dran.


Kleiner Tipp: Oberarmumfang > Handgelenkumfang, die 23 cm Armbündchen reichen bei der Kurzarmversion so eben, wenn der Stoff sehr stretchy ist (so wie dieser). Sonst gefällt mir der Schnitt sehr gut, obwohl ich meistens nicht so auf gerafftes stehe (vor allem an den Schultern).


Was bleibt zu sagen? Hmm, vielleicht dass die Größe bei beiden S ist, das passt gut (gruselig aber wahr: ich bin wieder bei fast der gleichen Figur wie vor Pippi (ja, als ich die Hyperthyreose hatte und furchtbar abnahm, genau!) und deutlich schlanker als vor Michel), dass ich mich wie bei allen Schnittmustern wieder gefragt habe, ob XXL-tragende Menschen wirklich automatisch auch immer längere Arme haben, dass die Stoffbedarf-Abgaben wohl auf Größe XXL berechnet sind und ich jetzt massig Stoff übrig habe und dass ich mir, hoffentlich morgen schon, einen Lucille-Rollkragenpulli mit Pinguinkragen machen werde. Weil, Pinguine! 

Tag 387 – So lala, so lala. 

Viele Ups and downs heute. 

Aufwachen um fünf wegen ach lassen wir das, jedenfalls schnell ins Bad gesprintet und danach nicht wieder richtig einschlafen können. Kann man machen, ist aber blöd. 

Ich durfte Pippi im Kindergarten lassen. Hurra. Sie war sogar kurz begeistert, ihre Bezugserzieherin zu sehen und wollte zu ihr auf den Arm. Dann lachte sie kurz und  als ihr das auffiel, geriet sie direkt in einen Loyalitätskonflikt gepaart mit dem üblichen Trennungsschmerz und weinte. Allerdings bekam ich sehr schnell eine Nachricht vom Kindergarten, dass sie sich schnell beruhigt hätte und spielt und lacht. 

Arbeit war dann aber nur so mittelgut, es geht alles soooo laaaangsaaaaaam und es nervt mich unendlich. Obendrein ein Meeting (immerhin mit Kuchen) und Lab Duty, also Dinge kalibrieren (mach ich gerne), putzen (mach ich generell nicht gerne, aber am liebsten noch im Labor), Sachen auffüllen (ist etwas nervig, aber im Großen und Ganzen ok) und Lösungen herstellen und abfüllen (mag niemand, deshalb ist die Liste herzustellender Sachen immer lang und es greift die Verantwortungsdiffusion, leider fühle ich mich oft mehr verantwortlich als andere und deshalb mache ich gefühlt immer viel viel mehr als viele andere). Und Zack, war der Tag auch wieder rum, ich druckte noch schnell (halb legal) ein zwei Schnittmuster aus, die ich mir aus Langeweile während irgendeiner Inkubationszeit herausgesucht hatte und fuhr nach Hause. 

Zu Hause festgestellt, dass die Ibuprofentablettenwirkung vom Morgen alle war und eine neue genommen. Trotzdem mit Menstruationskrämpfen from hell zum Stoffladen gefahren. 

Im Stoffladen voll günstig genau ausreichende, schlichte Stoffreste für die Schnittmuster  bekommen. Dann noch dies… Und das… Oh, Pinguine! Und Füchse! Zack, 400 Kronen. Naja, hätte schlimmer kommen können. Ist schon oft schlimmer gekommen, könnte man auch sagen. 

Zu Hause fröhliche Pippi und eskalierender Michel, weil Pippi zwei seiner dreitausend Duplosteine hatte. Dann fröhlich kleine Fressmaschine Pippi (Herr Rabe hatte gekocht) und eskalierender Michel, weil wir ihm nur eine Portion Nudeln ohne Soße abgenommen hatten und dann die restlichen Nudeln mit der Soße vermischt hatten und uns in seinen Augen dadurch als absolute Unmenschen qualifizierten. Dann fröhliche kleine Schlafanzug-Pippi und eskalierender Michel, weil Bettzeit. Dann sehr schnell zwei schlafende Kinder. 

Ehrlich, diese A-Phase raubt mir noch den letzten Nerv. Es ist meine tägliche Zen-Übung nicht das Kind an die Wand zu nageln  möglichst wenig herumzuschreien. Wann hört das nur endlich auf?

Wegen schlafender Kinder wenigstens genug freie Zeit gehabt, um für das erste Shirt den Stoff (den ich natürlich schon gewaschen habe, irgendwann am Abend) zuzuschneiden. Das wird schön morgen. Wenn Falls die Kinder mich Nähen lassen. 

Tag 386 – Gemischtes. 

Jo, der Muskelkater von gestern ist schon fies. 

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Das eine von zwei Hardcore-Experimenten weiter gemacht und dann weiter gegeben. Beide hängen jetzt bei der gleichen Person, wobei Experiment A darauf wartet, dass das „gute“ Gerät repariert wird, während Experiment B hoffentlich morgen schon weiter gemacht werden kann. Dieses Schneckentempo regt mich ein bisschen auf. Meinen Chef aber auch. 

So halb lustig: die Proben, die ich vor meiner Elternzeit in vierwöchiger Arbeit erzeugt hab, wurden endlich analysiert. Bisher kamen 2 (!!!) Proteine raus. 2!!! Es ist zum Heulen. (Ich hätte eher so 200 bis 2000 erwartet. 2 heißt: da ist ganz gründlich was schief gelaufen. Vielleicht ist es eben doch nicht so gut, die Proben ein Jahr in der Truhe liegen zu haben…)
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Blöder Anruf aus dem Kindergarten: Pippi hat wieder Fieber. Meh. Also hingefahren: fühlte sich zwar warm an, war aber fröhlich und wirkte eindeutig nicht krank. Sie haben aber 38,1 Grad gemessen. Tja. Den Rest des Nachmittags und Abends war sie topfit, spielte und aß wie ein Scheunendrescher und war auch nicht anhänglich oder sonstwas. Vorm Ins-Bett-Gehen maß Herr Rabe nochmal ihre Temperatur: 36,5 Grad. Sie ist einfach nicht krank und war es vermutlich auch (heute) nie. Das muss ich jetzt „nur“ noch morgen früh dem Kindergarten erklären, der hat nämlich (aus völlig nachvollziehbaren Gründen, die trotzdem dauernd missachtet werden)  eine 24-h-Fieberfrei-Regel. Das wird bestimmt ein Spaß morgen früh. 

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Michels Autonomiephase ist anstrengend. Sehr. 

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Ballett: so schön. Leider sehr sehr voll. Noch viel leiderer: eins der Mädels, ein (wie ich finde) ausgesprochen sympathisches und schönes, hat sich ein wirklich hässliches Tattoo einer Libelle machen lassen. In den Nacken. Ich finde Tattoos oft schön, aber das ist echt misslungen und dann auch noch an so ner Stelle, die man eben nur mit langem Haar bedecken kann. Vermutlich einfach ein schlechter Tätowierer, aber sie muss jetzt erstmal ne Weile damit rumlaufen. 

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Herr Rabes Bruder heiratet im Oktober zum zweiten Mal dieselbe Frau (diesmal kirchlich, vor 9 Jahren war standesamtlich) und wir fahren alle hin. Ich hab eh schon keinen Bock wegen Stress und den, ähhhhh, interessanten Familienfeiern der Familie Rabe (das schreib ich mal gesondert auf, das wird sonst hier zu lang). Heute bekam dann Herr Rabe von seiner einen Schwester eine Nachricht: ob er für einen Sketch, den sie mit der anderen Schwester aufführen möchte, den Erzähler spielen könnte. Einen Sketch aus so ner Art westfälischem Witzebuch. Ich kann gar nicht sagen, wie grauenvoll ich Sketche finde und AUS GUTEM GRUND habe ich bei meiner eigenen Hochzeit alles in die Richtung gehende untersagt und MIT RECHT weigern die eigenen Kinder meiner Schwägerin sich, bei sowas mitzumachen. Aber das wird wohl eine Hochzeit mit Sketchen und „witzigen“ (aka sexistischen, Fremdscham-erzeugenden) Spielchen. Ich brauche Schnaps. 

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Apropos Schnaps: ich dachte heute übers Stillen nach und ich frage mich wirklich, ob es bei Kühen auch so ist, dass Abpumpen die Milchproduktion anregt, Ausstreichen (also Melken) aber nicht. Und ob das überhaupt auch bei Menschen mal wer untersucht hat, ob das echt so ist, oder nur ein Ammenmärchen. Falls jemand darauf Antworten hat: es interessiert mich wirklich ganz im Ernst!

Tag 381 – Mäßig. 

Der Tag fing zu früh an, war dann stressig, dann kurz gemütlich (ich hab ein winziges Baby gesehen! Es stillte die ganze Zeit und ich dachte tatsächlich nur ‚gut dass das vorbei ist‘!) und dann wieder ultra stressig. Dann wollte ich mir zum Bloggen ein bisschen Mut antrinken und dann war aber der Rotwein schlecht geworden und überhaupt ist Pippi noch wach und hängt in der Trage an mir dran und das sind alles eher mäßig gute Vorraussetzungen zum Schreiben  komplexerer Texte (oder längerer Listen). 

Tag 378 – Verkehr.

Zur Arbeit habe ich mir eine Strecke ausgesucht, auf der relativ wenig Verkehr herrscht. Ich muss nicht an den ganz großen Straßen lang, es geht durchs Grüne und es gibt wenige Ampeln.

Trotzdem rege ich mich jeden Tag auf, und das liegt an den anderen Verkehrsteilnehmern. Menschen, die

  • ihre Klingel am Fahrrad nicht benutzen. Nie. Auch nicht, wenn sie ein langsames Kleinkind an einer engen Stelle auf einem Bürgersteig überholen wollen. Lieber materialisieren sie sich plötzlich neben dem Kind, das sich natürlich erschreckt und fast auf die Straße fällt. Leute, benutzt eure *grobe Flüche einfügen* Klingel!
  • einen auf dem Fahrrad (ohne zu klingeln natürlich) kurz vor ner Kreuzung links überholen und sich dann noch beschweren, wenn sie beim Handzeichen zum Abbiegen meinen Arm fast ins Gesicht kriegen.
  • verwirrt im Bakklandet herumstolpern und grundsätzlich auf den Fahrradwegen gehen, sodass die Fahrradfahrer übers Kopfsteinpflaster hopsen müssen. (Und dabei ist da schon alles passiv-aggressiv gekennzeichnet mit „Danke, dass du GUT Fahrrad fährst“ auf dem Fahrradweg und „Danke, dass du GEHST“ auf dem Gehweg.)
  • Pokemon Go-spielend ohne zu gucken auf die Straße stolpern (fast wäre ich bei denen für natürliche Auslese…).
  • auf das Klingelzeichen reagieren, indem sie sich umdrehen und erstmal eine riesige Kurve in eine unvorhersehbare Richtung quer über den Weg machen, während sie mich unverwandt ungläubig anstarren (noch nie ne Klingel gehört oder was? Ach ja, wahrscheinlich nicht…).
  • auf das Klingelzeichen reagieren, indem sie abrupt stehen bleiben und ihre Kumpels und Kumpelinen hektisch am Arm erst in die eine, dann in die andere Richtung ziehen. Gerne reagieren die Kumpels und Kumpelinen wie im Punkt davor.
  • gar nicht auf das Klingelzeichen reagieren, weil sie Ohrstöpsel tragen.
  • riesige SUVs fahren und deshalb meinen, die Straße gehöre Ihnen allein (wenn man weiß, was die an Steuern für die Karren zahlen, ist das auch fast so).
  • nicht wissen, dass Fahrradfahrer auf der Straße im Großen und Ganzen die gleichen Rechte haben wie Autofahrer (Rechts vor Links zum Beispiel).
  • generell große Probleme mit Rechts vor Links haben (und da ist der Klassiker „an allen vier Ecken steht wer, wer darf fahren?“ noch gar nicht mal inbegriffen).
  • mich dann aus Großzügigkeit oder weil ich tatsächlich von Ihnen aus gesehen Vorfahrt habe, vorbeiwinken wollen, während von „meinem“ Rechts die Autos vorbeibrausen. Und die dann noch kopfschüttelnd losfahren, wenn ich weiter warte.
  • plötzlich direkt vor einem und ohne zu blinken in eine Parklücke einscheren.
  • plötzlich direkt vor einem aus einer Parklücke ausscheren.
  • plötzlich direkt vor einem eine Vollbremsung hinlegen.
  • an der Straße ohne vorher mal zu gucken unvermittelt die Fahrertür aufreißen.
  • mich hinter dem Müllwagen verhungern lassen, weil Hauptsache sie kommen dran vorbei.

Und mein Sonderpreis geht an

  • Den Fahrradfahrer, der heute seine Vorausfahrerin während der zeitlupengleichen Fahrt mit einer Handkamera filmte, der dabei wegen mangelnder Konzentration auf den restlichen Verkehr fast zwei Omis ummähte und anschließend fast selbst von einem ausparkenden Handwerkerauto (s.o.) gerammt wurde.
  • Den Menschen, der seinen Fahrradanhänger im wirklich übervollen Fahrradkäfig neben seinem Fahrrad an sein Fahrrad anschloss und somit für ein Fahrrad DREI Fahrradparkplätze belegte. Arsch. echt.

Also, Fahrrad fahren an sich finde ich gut. Wenn bloß die Anderen nicht wären.

In diesem Sinne: