Tag 95 – Ein Mond!

Bei dem Entwicklungsgespräch im Kindergarten am Mittwoch wurde uns, neben viel Positiven, auch mal wieder bestätigt, dass das Kind ungern lange auf seinem Po sitzt und irgendwas macht, zum Beispiel malt oder bastelt. Nach fünf Minuten wird es ihm langweilig und dann kommt beim Malen oft „Du malen!“ inklusive Bestellung der absonderlichsten Motive. Außerdem wollte der Kindergarten wissen, wie wir zu Hause Grenzen setzen, das Kind wolle nämlich gerne alles bestimmen und bekäme dann Wutanfälle, wenn es seinen Willen nicht erfüllt bekäme. Wir bestätigten, dass das auch bei uns der Fall sei, wenn wir uns mal durchsetzen müssen, beschrieben ein bisschen unsere Situationen (Zähneputzen, Bettzeit, Essen…) in denen es potentiell knallt und wie wir damit umzugehen versuchen. Im Grunde finde ich ja fast schon gut, dass das Kind seine A-Phase auch im Kindergarten auslebt, immerhin scheint es sich da so sicher zu fühlen, dass es nichts „verstecken“ muss und einfach es selbst sein kann. Der Kindergarten fand das auch nicht außergewöhnlich oder so, in dem Alter ist das ja komplett normal. Aber natürlich hat ein Kindergarten nicht immer die Möglichkeit, mit jedem einzelnen Wutzwerg Kompromisse zu schließen, zu reden und die Gefühlsausbrüche zu begleiten. Davon wollte ich aber gar nicht schreiben, ich schweife ja total ab. Heute morgen nämlich habe ich einen möglichen Grund für das momentan wieder ziemlich anstrengende Verhalten des Kindes: es lernt grad ganz viel. Scheinbar. Sehen Sie hier:

In diesem Bild sind zwei Entwicklungssprünge versteckt.

Ja, das sieht aus wie eine normale Kinderkrakelei. Für uns sind aber zwei Dinge neu. Das krömpelige Ding im linken unteren Bildquadranten nämlich, das grün übermalte schwarze, sehen Sie das? Das hat das Kind nach Ansage „Mond male jetzt.“ unter höchster Konzentration gemalt. Und ist dann total ausgeflippt vor Freude, weil tatsächlich etwas dabei rausgekommen ist, dass wie ein Mond aussieht. Und ich bin gleich mit ausgeflippt, ehrlich gesagt. Ein Mond! MEIN KIND HAT EINEN MOND GEMALT! Der Wahnsinn. Und weil der Mond ja ziemlich klein ist, sollte ich dann noch einen großen Mond malen (und einen Stern). Als ich mit Kaffee machen fertig war, zeigte mir das Kind das Bild und hatte den großen Mond ausgemalt, fast ohne übermalen! Ohne Scheiß, vor vier Wochen noch fragte mich Herr Rabe, ob es eigentlich normal sei, dass das Kind immer noch nur Gekrakel „malt“, alle Farben bunt durcheinander und grooooße Bewegungen über das ganze Blatt (und darüber hinaus). Aber jetzt kann das Kind mit einem mal sowohl einfache Formen malen als auch Dinge ausmalen*. Ist das Auge-Hand-Koordination? Irgendwie so was, es hat nämlich auch heute mit mir Ball gespielt und kann plötzlich den Ball fangen! Vor zwei Wochen noch klappte das in ca. einem von zehn Malen, heute eher so zwei Drittel. Ganz ehrlich: wenn ich plötzlich so viele grundlegende Dinge lernen würde, wäre ich emotional wohl auch etwas aus der Balance.


Was ganz anderes: Work in Progress.


Die Ohren sehen mehr aus wie kleine Hörnchen, aber ich bin trotzdem sehr stolz auf mich. Beim Nähen bin ich nämlich (positiv ausgedrückt) Autodidakt, vielleicht nicht komplett unbegabt aber ein Kurs würde sicher nicht schaden. Hatte ich bisher aber keine Zeit zu.

*Falls Sie sich fragen: das große in der Mitte ist ein Boot mit Auspuff und Fenster. Da sag ich jetzt mal nichts zu.

Gebloggt: Tag 91 – Vom nackten Po

Heute war ich mit dem Baby beim Arzt. Es hat nämlich inzwischen seit geraumer Zeit einen Ausschlag am Po, eigentlich nicht am Po, sondern in der Windel quasi direkt unterhalb vom Bauchnabel abwärts, ein bisschen auch an den Beinen. Erst dachten wir, es sei allergisch gegen das Waschmittel. Also probierten wir weniger Waschmittel. Dann anderes Waschmittel. Extra Spülgang. Alle Cremes die wir haben (und das sind einige, glauben Sie mir). Ich hab sogar für über 10 € eine kleine Tube echtes Bepanthen gekauft. Trotzdem wurde es nicht besser, höchstens mal anders, aber rot und unangenehm aussehend blieb es. (Es stört das Baby übrigens überhaupt gar nicht.) Vor einer Woche beschlossen wir dann mal konsequent auf Wegwerfwindeln umzusteigen, um zu sehen ob das was bringt. Die Antwort ist ein klares Jain, es sieht nicht mehr so schlimm aus, die Haut ist nicht mehr ganz so gereizt, aber der Ausschlag an sich ist immer noch da. Also: Arzt. Irgendwann is auch mal genug.

Die Ärztin (leider hatte mein eigentlicher Hausarzt keinen freien Termin heute) hatte dann auch schnell eine Diagnose parat: Windelausschlag. Ich so: Ahhhhhh! Mensch, da wär ich ja nie drauf gekommen! Ausschlag in der Windel ist Windelausschlag! Faszinierend! Aha. Und dann bekamen wir eine Salbe aufgeschrieben, die auch das Kind schon mal hatte und nicht vertragen hat, irgendwas gegen Pilzinfektionen mit Kortison drin, gegen die „Entzündung“. Ich finde nicht, dass es noch entzündet aussieht, aber nun gut, ich bin ja keine Ärztin. Ich finde es jedenfalls auch ziemlich unschön, dass ich mein Baby mit Steroiden einschmieren soll, die nur eventuell was bringen und eventuell wächst dem Baby davon auch ein Schnurrbart. Und gratis obendrauf der Bonustipp an alle Eltern: So oft wie möglich ohne Windel lassen. Ich frage mich dazu ja folgende Dinge:
1. Wie warm ist es bei denen in der Wohnung?
2. Wieviele Handtücher etc. besitzen diese Menschen?
3. Was für Bodenbelag haben die?
4. (Bei Kindern, die schon mobil sind) Haben die meine geheime (jetzt nicht mehr) Geschäftsidee umgesetzt und einen Saug-/Wischroboter entwickelt, der automatisch immer dem Kind hinterherfährt?
Aber ich will ja nichts unversucht lassen, also schmierte ich eine ca. 0,2 Nanometer dicke Schicht der fiesen Creme auf einen Teil der „betroffenen Hautpartien“, legte dem Baby nen Handtuch unter den Po, drehte die Heizung auf Sauna und harrte, bewaffnet mit einem Stapel weiterer Handtücher, der Dinge die da kommen sollten*. Das Baby pullert tatsächlich ziemlich viel herum, soviel kann ich Ihnen schon mal verraten. Und es lacht dabei. Es kann das auch in jeder erdenklichen Position. Das spaßigste ergab sich aber aus der Kombi rutschiges Handtuch – glatter Laminatfußboden – unausgereifte Koordinationsfähigkeiten des Babys. Es schob sich nämlich durch sein Gezappel in Bauchlage ständig nach hinten weg, manchmal auch noch leicht im Kreis, es machte richtig Strecke dadurch und sah sehr witzig aus mit seinem nackten Po und den Michelinmännchenbeinen und dem vor Anstrengung roten Kopf. Leider fand das Baby das nicht ganz so witzig, weil es sich immer weiter von seinem Spielzeug entfernte. Dafür fand es dann aber gut, auf meinem Schoß sitzend seine Speckfüße bewundern zu können. So hatten wir alle was davon.

*Der erfahrene Leser fragt sich jetzt, was denn aus dem Abhalten geworden ist. Das ist irgendwie wegen nicht-Funktionierens eingeschlafen. Wir probieren es jetzt aber mal wieder.

Tag 89 – A-Phase continued

Ein doofer Tag. Früher waren Wochenenden mal super geil, was ist daraus eigentlich geworden? Am Wochenende machen wir immer all den doofen Kram, den wir sonst nicht gebacken kriegen. Einkaufen, Putzen, Sachen reparieren, you name it. Dazu kam heute noch absolute Kotzlaune des Kindes. Vor 50 Jahren hätte man das wohl frech genannt (und ihm wahrscheinlich den Hintern versohlt). Vor 25 Jahren hätte man gesagt, es testet seine Grenzen (und vermutlich dazu gesagt, dass man da auf keinen Fall nachgeben darf, weil das Kind sonst zum Tyrannen wird). Wir heute nennen es Autonomiephase. A-Phase heißt sie heimlich bei Herrn Rabe und mir (ergänzen Sie das A-Wort nach Belieben). Wir sind alle voll verständnisvoll und so, nehmen das Kind mit seinen widersprüchlichen Gefühlen an und ernst und reagieren liebevoll und vorhersehbar. Naja. Also wir versuchen es. Leicht ist das nämlich nicht, wenn man von früh bis spät für alles angeschrien wird, man absichtlich geärgert wird und das Kind ständig Streit mit einem sucht. Um dann, wenn man (vorhersehbar) nein zu Maoam vorm Frühstück sagt, komplett auszuticken und einen Wutanfall allererster Güte hinzulegen. Oder halt einfach mal ne halbe Stunde extrem laut zu weinen, einfach so und ohne zu sagen, was los ist/war oder wie man helfen kann oder was es denn möchte. Da liegen irgendwann die Nerven auf Elternseite auch blank. Heute nachmittag dann folgende Situation:

Herr Rabe und das Kind machen den Ofen sauber.
Herr Rabe: „Nicht mit den Füßen da in das Wischwasser bitte, das ist ganz dreckig.“
Kind: „Da im Eimer Füße waschen!“ *latscht rein*
Herr Rabe: „Arrggh Kind, was soll denn das, ich hab doch extra gesagt, du sollst da nicht reintreten, guck mal jetzt bist du ganz nass und hier ist auch alles nass und überhaupt!“
Kind: „Wääääääähhhhhhhhhh!!!“ *rennt zu mir*
Ich: „Kind, was ist denn heute los mit dir, ich hab das Gefühl du machst heute nur Quatsch um uns zu ärgern.“
Kind: „Ja.“
Ich: „Willst du dich mit uns streiten?“
Kind: „Njaaeeeaaa…“
Ich: „Ich finde das doof, wenn wir streiten. Ich fände das besser, wenn wir nicht streiten und sauer aufeinander sind. Wollen wir nicht lieber alle nicht streiten und nicht sauer sein?“
Kind: „Ja.“

Tatsächlich hielt das dann etwa dreißig Minuten vor mit dem nicht-streiten und nicht-ärgern, aber die dreißig Minuten waren echt erholsam. Trotzdem bin ich nach so einem Tag komplett fertig. Keine Energie mehr und auch keine Emotionen mehr. Ausgelaugt. Herr Rabe macht mir grade einen Kakao und ich hatte mir fest vorgenommen, danach noch ein bisschen Statistikkurskram zu machen, aber ich glaube, daraus wird nichts. Morgen ist ja auch noch ein Tag. (Morgen wollte ich gerne nähen, ich habe heute Stoff für eine Babyjacke gekauft und der ist schon in der Waschmaschine damit´s morgen gleich losgehen kann. Das werd ich dann morgen entscheiden,was wichtiger ist. Oder wie mein Geisteszustand ist.)

Tag 86

Heute morgen mal wieder festgestellt, dass das Kind immer langsamer wird, je mehr man es hetzt. Unfassbar, wie langsam so ein Kleinkind werden kann ohne Moos anzusetzen. Im Endeffekt mit dem Auto zur 700 m entfernten KiTa gefahren, ich Umweltsau. Aber wenn man um 09:28 vor dem Haus steht und um 09:30 da sein sollte, weil Mittwochs Ausflugstag ist und sie um 09:30 aufbrechen, ergibt sich da ein Zeitproblem. Schuld daran dass ich das Kind hetzen musste war übrigens das Baby bzw. dessen undichte Windel im eigentlich geplanten Moment des Aufbruchs. Ein chaotischer Start in den Tag.


Beim Gefängnis angerufen. Das Gefängnis hat nämlich das billigste Feuerholz hier in Trondheim. Freitag werde ich da hinfahren und 10 Säcke á 60 L Holz abholen, für 350 NOK (ca. 40 €). Dann können wir endlich unseren Kamin wieder beheizen, jetzt wo Herr Rabe bei YouTube gelernt hat, wie man das voll supi hinkriegt ohne alle 5 Minuten dran rumzustochern (was mich wahnsinnig macht).


Mittagessen mit Kollegin. Kollegin ist krankgeschrieben wegen Stress. Sie ist alleine für alle Bestellungen des Instituts verantwortlich, also ca. 200 Leute sagen ihr, was sie brauchen, sie bestellt das dann, bucht die Kosten auf die Projekte, nimmt die Bestellungen in Empfang und verteilt sie an die richtigen Empfänger. Das alles auf ner 70 %-Stelle, weil getrennterziehend mit 3 Kindern (4, 7 und 10 Jahre). Im Endeffekt hat sie seit September letzten Jahres 130 % gearbeitet (10-12 Sundentage, wenn der Ex die Kinder hat etc.). Jetzt hatte sie ein Feedbackgespräch mit ihrem Chef, es sollte darum gehen, wie man sie entlasten kann, also konkret ob und ab wann man eine weitere 50 %-Kraft einstellen könnte. Statt dessen ging es dann darum, wie sie im Homeoffice noch mehr arbeiten kann, wenn sie mit kranken Kindern zu Hause ist. Was sie gar nicht will. Jetzt ist sie krankgeschrieben, weil sie aus der Besprechung rausging und nicht mehr atmen konnte. Nein, auch in Norwegen ist nicht alles rosig…


Statistikkurs, letzte Vorlesung. War.


Statistikaufgaben gemacht, geht halbwegs. Hab mir ne app runtergeladen für die komplizierteren Rechnungen, sogar eine die Geld gekostet hat (ich bin da sonst extrem geizig). Macht leider nicht was ich will und ich weiß nicht warum. Seufz.


Das Baby schläft super viel. Ich glaube es ist, weil es sich jetzt ziemlich zuverlässig auf den Bauch drehen kann, das muss erstmal verdaut werden. Leider krieg ich es nicht so ganz hin, die Schlafpausen für mich zu nutzen (also vielleicht auch mal zu schlafen oder so) sondern mache da Quatsch wie Statistikaufgaben, Wäsche zusammenlegen und Gefängnisse anrufen.


Schon wieder vergessen, einen Termin für Dezember bei der allerbesten Friseurin der Welt zu machen. Ngaaaaa. Stilldemenz ist kein Mythos, ich sag es Ihnen. Dabei hab ich diesen Termin sehr sehr nötig. Haarausfall nach ner Geburt ist nämlich leider auch ganz und gar kein Mythos und ich beginne, etwas lustig auszusehen mit meinen dezent kahlen Schläfen.


Sauerteige angesetzt, damit ich morgen beim WMDEDGT wenigstens ein bisschen was zu tun habe. Sonst wär das eher so: Kind wegbringen, Stillen, Wickeln, Stillen, Wickeln, Stillen, Wickeln, Ballet, Bloggen, Bett.


Nacht vier, die das Kind ohne Windel verbringt. Hat bisher zwei von drei Nächten geklappt (das eine mal war eigentlich nur ein winziges bisschen, ehrlich!) und ich kann es kaum fassen!!!Einself! Vielleicht ist der kleine Zwerg tatsächlich komplett trocken?!? (Das jetzt hier zu schreiben ist der Härtetest. Murphy und so, Sie verstehen.)

Tag 84 – Weiter wachsen

Mein liebes großes Kind,

drei Jahre. Sogar schon drei Jahre und drei Wochen bist du jetzt alt. Das letzte Jahr ist wie im Flug vergangen. An deinem zweiten Geburtstag waren wir am Meer, das Wetter war grau aber wir hatten uns und mitgebrachte Muffins und Spaß. Du hast deine ersten ernsthaften Versuche mit richtigen Klos gemacht zu dieser Zeit. Gestern bist du das erste mal ohne eine Schlüpferwindel ins Bett gegangen – weil du das so wolltest. Ich habe dich gefragt, zum ersten mal, ob du überhaupt eine Windel anziehen willst, und du sagtest nein. Ohne zu überlegen. Und ich sagte ok, dachte aber ehrlich gesagt „Ach du scheiße!“. Aber ich hab dir vertraut, noch nicht aus tiefer Überzeugung heraus aber ich habe mir gedacht, wenn du das entscheidest, wird es wohl klappen. Und das tat es auch. Heute bist du wieder ohne Windel ins Bett gegangen. Du hast gesagt, du bist schon ein großer Junge. Und das stimmt. Du machst so vieles schon alleine. Heute bist du auf den Klositz geklettert, weil du an die Klobürste wolltest. Mein erster Impuls war „Waaahhhhh“, aber du wolltest unbedingt und ich hab dich gelassen. Du hast super gut das Klo saubergemacht, genau wie ich das machen würde. Als du danach den Bürstenteil angefasst hast und ich gesagt habe, du musst dann jetzt Hände waschen, hast du das sofort gemacht. Wir sind ein gutes Team.
Meistens. Manchmal weigerst du dich auch standhaft, Dinge zu tun, die du eigentlich schon kannst. Du sagst dann, du musst noch weiter wachsen, du bist noch nicht groß. Und auch das stimmt. Bei vielen Sachen brauchst du einfach noch Hilfe oder möchtest Hilfe haben. Reißverschlüsse sind zum Beispiel oft noch schwierig zusammenzufummeln, hoch und runter ziehen geht aber schon alleine. Du kannst auch deine Schuhe selbst anziehen, aber wenn der Klettverschluss wirklich fest geschlossen sein soll, damit der Schuh nicht vom Fuß rutscht, brauchst du Hilfe. Morgens willst du am liebsten behandelt werden wie ein kleines Baby, und das ist auch meistens ok. Dann sitzt du auf meinem Schoß und ich puste jeden Löffel von deinem Frühstück kalt. Ich muss dich aus- und anziehen, obwohl das zu jeder anderen Tageszeit prima alleine klappt. Und irgendwie genieße ich das sogar ein bisschen. Denn dass du schon so groß bist ist auch für mich oft toll und manchmal ein bisschen doof.

<3 –
Deine Mama

Tag 78 – Budussy

Ich bin furchtbar müde, dabei hab ich den ganzen Tag nix gemacht. Also fast nix. Das liegt am Baby: Es hat sich gestern das erste mal herumgedreht (Ja! Es hat es endlich geschafft! „Endlich“ – mit 3 Monaten und 5 Tagen. Ich bin ganz stolz und gerührt und auch ein bisschen wehmütig.) aber den Rest des Tages war es davon so überwältigt, dass es super viel geschlafen hat. Heute morgen hat es dann wieder schwerst gearbeitet an der Drehung, gestern hatte es nur eine Plastikwindel an und heute mit Stoffwindel waren natürlich erschwerte Bedingungen gegeben. Ich hab dem Baby dann geholfen und es auf den Bauch gedreht, aber damit ist es jetzt nicht mehr zufrieden, jetzt soll es gefälligst sofort auch vorwärts gehen.
Kurzer Exkurs in die Babyzeit des Kindes: Als das Kind sich damals (mit viereinhalb Monaten, ich hab das extra nachgeguckt gestern) auf den Bauch drehen konnte, war es damit erstmal eine Weile zufrieden. Also so in etwa einen Monat konnte man es gut mit irgendeinem rasselnden/knisternden/klingelnden Dings beschäftigen, das man ihm in Bauchlage in die Hand drückte. Erst dann fing es an, ihm langsam langweilig zu werden und es fing an zu robben, es hatte da eine sehr interessante Technik die aussah wie eine Robbe (tadaa). Sitzen konnte es von selber mit ca. 8 Monaten, krabbeln ca. einen Monat später. Nach jeder neu gelernten Sache gab es eine Phase des Ausbaus der Fähigkeit, bis dann das nächste dran war.
Nicht so beim Baby. Es will alles und das auch bitte gleichzeitig. Kaum schafft es sich seine Hände in den Mund zu stecken, versucht es sich meine Hände in den Mund zu stecken. Alles was mit den kleinen Ärmchen herangerafft werden kann, wird Richtung Gesicht und weit geöffneten Mund gezogen. Wenn es meine Hände ansieht, kann man quasi sehen, wie sich die Synapsen in seinem Gehirn verknüpfen, so aufmerksam ist es dabei. Und dann kommen auch schon seine Hände und greifen (!) nach meinen Fingern. Ja, Greifen wird natürlich auch schon geübt, etwas festhalten, was man ihm gegeben hat oder das es zufällig in die Hände bekommen hat klappt schon ganz gut, jetzt wird direkt zugepackt. Also versucht, zuzupacken. Denn das klappt natürlich genauso wenig wie das vorwärts bewegen in Bauchlage, aber davon will das Baby nichts wissen. Und da die Frustrationstoleranz bei Babys nicht allzu großzügig bemessen ist, sind unsere Tage momentan von Gemecker geprägt (nicht echtes Geschrei, nur so eine Dauerunzufriedenheit), gefolgt von Fressattacken und langen Schlafepisoden. Dass das alles zusammenhängt ist mir auch klar, aber das schlaucht halt auch mich ganz schön. Und teilweise komme ich dann eben auch zu gar nix, so wie heute. Nach der morgendlichen Plackerei musste das Baby mich dann nämlich erstmal aussaugen, um dann zu schlafen (auf mir drauf, ohne Chance es abzulegen), um dann nochmal ausgiebig zu speisen, und dann wieder einzuschlafen. Ich habe derweil 8 Folgen „Girls“ gesehen. Damit habe ich alleine heute mehr Sex gesehen, als ich in den letzten drei Monaten… ach lassen wir das. (Und ein neues Wort gelernt, siehe Titel.)


Herrn Rabes Firma ist heute in ein anderes Gebäude umgezogen. Deshalb wars auf der Arbeit etwas chaotisch und nicht so schlimm, dass er in seiner Mittagspause zur Polizei musste, um Unterlagen zur Registrierung des Babys nachzureichen. Dabei bemerkte er dann auch, dass er noch den Kindergartenrucksack des Kindes in seinem Rucksack hatte. Da dieser Fauxpas aber tatsächlich eine absolute Ausnahme war, weil Herr Rabe nämlich alles andere als ein Idiot Dad ist, fände ich es ja total gut, wenn er was zum #noIdiotDad vom Nuf schreiben würde. Nur mal so.


Festgelesen beim Gewünschtesten Wunschkind über (Klein-)Kinder und Kooperation. Ist hier ja auch so ne Baustelle (wo nicht?). Sehr gute Artikelserie zum Thema, Leseempfehlung für alle Babyeltern. Am besten ist es nämlich, wenn man die frühkindliche Kooperationsbereitschaft nicht erst versehentlich abgewöhnt, das ist einleuchtend, aber im Falle des Kindes wohl zu spät :/ .

Tag 77 – Ikke lov! *kann Spuren von mütterlicher Gefühlsduselei enthalten*

Mein liebes großes Kind,
Ich weiß, du glaubst ich seh das nicht, aber ich weiß genau, wie lieb du das Baby hast. Mir platzt jedes Mal fast das Herz wenn du angerannt kommst und aufgeregt rufst „Baby wach ewort!“ oder „Oh Nein! Baby weint!“, als hätte ich das nicht schon selbst mitbekommen. Wenn wir uns morgens anziehen, um zum Kindergarten zu gehen, fragst du ständig, ob auch das Baby mitkommt. Das Baby muss natürlich auch Mütze, Jacke und Handschuhe anziehen, so wie du. Wenn wir zum Tanzen gehen, soll auch das Baby ein Kleid anziehen, damit es gut mittanzen kann. Deine Kindergartenkumpels dürfen das Baby noch nicht mal ansehen, geschweige denn streicheln. Das Baby soll mit dir zusammen baden. Wenn du spielst, fahren deine Autos auch über das Baby und wenn das Baby unter seinem Spieltrapez liegt, stupst du das Bärchen an, damit es klingelt. Du erklärst dem Baby, dass es Sachen nicht in den Mund nehmen darf oder nicht hauen darf oder mich nicht beim Stillen beißen darf. Dass es nicht an seinen Fingern lutschen soll. Alles was du nicht darfst wird beim Baby von dir mit einem empörten „Ikke lov!“ kommentiert, „Nicht erlaubt!“. So gibst du dein Wissen weiter. Und wenn du denkst, ich sehe nicht hin, nimmst du manchmal seine kleine Hand in deine etwas größere. Oder streichst ganz vorsichtig mit zwei Fingern über die weichen Babyhaare. Da wird mir immer ganz warm ums Herz und ich bin unheimlich stolz, ein so unfassbar tolles und liebevolles und empathisches Kind zu haben.

Heute hast du das Baby, das meckerte, weil es sich auf den Bauch drehen wollte und nicht weiterkam, einfach herumgedreht. Unendliche Dankbarkeit sprach aus dem Blick des Babys. Überhaupt bist du für das Baby das Allergrößte. Wenn du da bist, kann es seinen Blick kaum von dir losreißen. Wenn du weinst, weint es mit. Ich bin sicher, es hat dich genauso lieb, wie du es.

Sicher werden auch noch andere Phasen kommen. Ihr werdet euch streiten, wie es nur Geschwister können. Und dann werdet ihr euch vertragen, wie es auch nur Geschwister können. Und das ganze mehrmals täglich. Aber diese besondere Beziehung zwischen euch, die bleibt. Ob ihr es wollt oder nicht.

<3 Deine Mama (die einen kleinen Bruder hat, den du nicht kennst)

Tag 75 – Wir drehen an der Uhr herum

Juppheidi, endlich wird die Uhr wieder auf Normal gestellt. Wir sind ja allesamt Eulen und finden nichts furchtbarer als frühes Aufstehen, deshalb kommt uns das sehr entgegen. Dafür krieg ich jedes Jahr schon im Februar die Krise, dass ja bald wieder die Sommerzeit anfängt und fange dann Anfang März damit an, meine Aufstehzeit sukzessive so zu verschieben, dass ich quasi viele kleine Umstellungen hab, statt einmal eine komplette Stunde, die mir meinen Biorhythmus versaut. Trotzdem fühlt sich die Sommerzeit für mich falsch an. IMMER. BIS OKTOBER.

Ab morgen ist alles wieder gut, denn
– Die Zeit, zu der wir gut aufstehen können, heißt nicht mehr 10 Uhr, sondern 9 Uhr (und das klingt schon viel weniger Assimäßig)
– Die Zeit, zu der wir (Erwachsenen und Baby) müde und bettschwer sind, heißt nicht mehr 23 Uhr sondern 22 Uhr (und das klingt schon viel weniger verantwortungslos)
– Die Zeit, zu der wir das Kind ohne Theater ins Bett bekommen, heißt nicht mehr 20 Uhr, sondern 19 Uhr (und das klingt nach weniger Stress am nächsten Morgen, zumal ja auch gilt:)
– Die Zeit, zu der wir das Kind wecken müssen, heißt zwar weiterhin 7 Uhr, ist aber ja quasi 8 Uhr

Insgesamt: Voll geil.

Trotzdem habe ich keinerlei Verständnis dafür, dass etwas das eine große Mehrheit der Deutschen nicht will und das auch nachweislich keine Stromersparnis bringt, wie ursprünglich beabsichtigt war, trotzdem beibehalten wird. Es ist doch Bullshit, dass „einheitliche Uhrzeiten für die reibungslose Abwicklung des Binnenmarktes [in Europa] unerlässlich sind“ (wikipedia sagt, dass das beim letzten Mal der Grund für die Ablehnung eines Alleingangs war). Oder ist der Handel mit Großbritannien irgendwie gestört, weil die ne andere Zeit haben? Finden denn die Leute in, sagen wir mal, Spanien die Zeitumstellung so geil? Kann ich mir nicht vorstellen. Vielleicht wärs ja gar kein Alleingang? Brüssel? Hallo? Kann mal bitte einer den Quatsch abschaffen???

Ach ja, noch was: Nein, die Sonne geht nicht früher unter morgen. Also ja, schon, irgendwas um die zwei Minuten oder so. Aber es heißt nur die Uhrzeit anders. Wir stellen auch nicht die Zeit um. Sondern die Uhr. Die Kinder wecken uns nicht ne Stunde früher. Neinneinnein, die Uhrzeit HEIßT NUR ANDERS! (Sehen Sie, ich fange schon an zu schreien, das ist ein emotional sehr stark belastetes Thema für mich!)


Was völlig anderes: Das Baby ist jetzt in der Stan-Phase. Es sieht, wenn es erzählt, ganz exakt so aus:
Stan(M2)*
und bald werden wir alle Piratenschiffe besitzen.

*(Quelle: http://monkeyisland.wikia.com/wiki/File:Stan(M2).gif)

Tag 74 – Ahhhrrgggg!

Das… muss… doch… irgendwie… gehen! Verdammte Kacke, wieso geht das denn nicht? Ahhhhrrrrrrgggggg!
Noch mal von vorne: Also erst Beine anwinkeln und und Arme anziehen, ganz klein machen. Jetzt die Beine auf die eine Seite… geschafft! Jetzt lieg ich schon mal auf der Seite. Jetzt die Hüfte noch ein bisschen weiter… ja… noch ein GESCHAFFT! Alles vom Bauchnabel abwärts liegt auf dem Bauch! Aber hier die Schultern, die kommen noch nicht mit. Der kack Arm ist immer im Weg! Milchmeeeensch! Hilf mir!!! Verdammt, wieso kommt die denn nich??? Ah, da isse ja. Ey, nee, du sollst mir helfen, nich „Das schaffst du schon!“ sagen! Schaff ich ja eben nich, siehste nich, dass ich mich hier voll abracker? Orrrrr… Ok, ich bohr noch ein bisschen mit dem Kopf rum, aber das hilft ja auch nich, wenn der scheiß Arm immer im Weg ist!!! So, jetzt ess ich den auf, an der Hand fang ich an. Kann er ja mal sehen, was er davon hat. Und falls ers immer noch nich rafft, motz ich ihn einfach voll. Ha! Oh, das hat der Milchmensch falsch verstanden, jetzt hält sie doch die Hand hin. Egal, solche Gelegenheiten darf man nicht ungenutzt verstreichen lassen. Zack, Finger gepackt und einmal beherzt ziehen und… RUM! Ich lieg auf dem Bauch! Hahaha, ich habs geschafft! Aber ich lieg schon wieder auf dem Arm, das darf doch nicht wahr sein! So ein Mist, wie soll ich den da jetzt wegkriegen??? Vielleicht so ein bisschen schaukeln und am Arm ziehen? Ich probiere mal… NEEEEIIIIN! Jetzt bin ich aus Versehen weiter gerollt und lieg wieder auf dem Rücken! Ey, mir reicht jetzt aber mal sowas von, ich ruf jetzt den Milchmenschen und mach solange Terror, bis sie mich auf sich schlafen lässt.

MfG –

Baby (angepisst)

Tag 73 – Gehacktes

Der Tag war so lang und ich so müde dass ichs fast nicht zum Ballett geschafft hätte wegen fehlender Motivation. Ich war aber doch da und es war super gut. Werde sicher Muskelkater haben morgen, aber egal, wir haben heute 45 Minuten an der Stange gearbeitet und dann noch mal 45 Minuten nur an der Choreografie. Ich tanze zwar bei der Show nicht mit, aber so ein intensives Arbeiten an einem Stück finde ich nach wie vor gut. Und auch, das dann am Ende ca. tausend mal durchzuorgeln, bis einem der Schweiß richtig läuft. Wunderbar.


Das Kind fand es ganz und gar nicht gut, dass ich zum Tanzen wollte, weil es dachte (glaube ich jedenfalls), dass ich nicht wiederkomme. Das ist natürlich absurd, aber für das Kind deshalb ja nicht weniger schrecklich. Es war dann halbwegs ok, nachdem ich ihm versichert habe, dass ich ihm noch nen Gute-Nacht-Kuss gebe, wenn ich wiederkomme. Hab ich natürlich dann auch gemacht, aber es hat schon geschlafen, zählt das trotzdem?


Beim Statistikkursübungaufgabenbesprechungstermin festgestellt, dass ich nicht der einzige Idiot bin, der an der ein oder anderen Stelle einen Hirnknoten bekommt. Gleichzeitig festgestellt, dass meine Ergebnisse nur deshalb falsch waren, weil ich eine falsche Taste am Taschenrechner gedrückt hatte. Ich bin also Schrödingers Idiot: Doch nicht doof (weil im Prinzip der Lösungsweg ja richtig war) und doch doof (weil falsche Taste gedrückt). Hmm.


Mit Baby beim Baby-TÜV gewesen. Es hat die 95er-Perzentilkurve fürs Gewicht verlassen und ist jetzt „nur noch“ zwischen der 75er und 90er, was laut der Gesundheitsschwester „kein Grund zur Besorgnis“ ist. Ich soll trotzdem einmal extra fürs Wiegen kommen und blablabla. Wärs mein erstes Kind, würde ich mir jetzt Sorgen machen. Blöde Kuh. Außerdem hat die auch die Impfspritzen quasi in Zeitlupe ins Baby geschoben. Blöde Doofkuh. Sonst ist das Baby aber top entwickelt, super stark (wusste ich ja schon) und super fokussiert (wusste ich auch schon).


Im Kindergarten beim Abliefern des Kindes zur Unterschrift auf einem Zettel genötigt worden. Den Zettel hatte ich seit drei Tagen zu Hause vergessen, unterschrieben hatte ich auch noch nix, hatte das aber vor, ehrlich! Es geht drum, dass der Kindergarten eine heimliche, geschlossene Facebookgruppe hat, in der bisher Fotos vom Kindergartentag der Kinder geteilt wurden. Und jetzt hat jemand entdeckt, dass man Facebook ja hacken kann!!! Und dann könnte jemand, der „Facebook hackt“, ja die Bilder von (dreckigen, in Regenkleidung im Matsch spielenden) Kindern verkaufen und dann könnte der Käufer damit schlimmen Schindluder treiben! So wurde es uns jedenfalls auf dem Elternabend gesagt. Ich konnte mich grade noch so zusammenreißen, meine Hand nicht laut in mein Gesicht klatschen zu lassen. (Also wenn Sie jetzt unbedingt Bilder vom Kind  sehen wollen, müssen Sie nur Facebook hacken, ich hab das jetzt unterschrieben, dass ich mir des Risikos bewusst bin.)