Tag 427 – Wie krass ist das denn?

Vor Monaten sagten hier Menschen, ich solle doch den Montag nach Portugal frei nehmen, damit ich Zeit hätte, Michels Geburtstag vorzubereiten. Hätte ich mal auf Sie da draußen gehört! Stattdessen war ich natürlich heute arbeiten, machte natürlich jede Menge Zeug und zwei Überstunden, um dann schon total gerädert hier noch Kuchen zu backen, zu dekorieren und Herrn Rabe für seine Einpackkünste zu bewundern. 

Tja, und jetzt wird morgen mein Baby schon vier, ich kann es selbst kaum glauben, aber es ist wohl so. Vor vier Jahren um diese Zeit wartete ich immer noch auf irgendein Zeichen, dass es bald losgehen würde, es passierte aber einfach nix und ich fürchtete mich schon ein bisschen vor dem Frauenarzttermin am nächsten Morgen um acht, bei 41+0, weil ich nicht wirklich scharf auf eine Einleitung war. Tja, und dann war Michel plötzlich doch noch vor acht da, also rief Herr Rabe erst seine Eltern, dann meine Mutter und dann den Frauenarzt an und dann stießen wir mit der Besten auf das alles an, den ganzen verrückten Scheiß, der in den letzten paar Stunden passiert war, ich legte Michel das erste Mal an, er saugte direkt und sie sagte zu mir: Jetzt kriegst du so richtige Muttinippel. 

Damit hatte sie Recht. 

Und damit, was sie zwischen zwei Presswehen zu mir sagte, auch. 

Gleich bist du Mama! Wie krass ist das denn?

Tag 426 – Die Hochzeit. 

Heute die Langfassung, nachdem ich ausgenüchtert bin. 

Diese Hochzeit war ja einfach mal komplett anders, als alle anderen Hochzeiten auf denen ich überhaupt je war, und so langsam sind das ja auch einige. Sie war nämlich extrem durchgeplant von einem richtig echten Weddingplanner. Sowas kenne ich nur aus dem Fernsehen. Ehrlich. Meine Freunde machen sowas nicht, schon alleine weil es einen Haufen Geld kostet. Aber naja, diese (meines Onkels) Seite der Familie hat ja Geld. Es wurde also nichts dem Zufall überlassen. Von der Deko über das Essen (Probeessen zwei Tage vorher!) über die letzte Anpassung des Brautkleids am Vorabend zum Anschneiden der Torte auf einem beleuchteten Tisch mit Wunderkerzen mit dem Logo-Schriftzug der beiden Namen dran. Menükarten mit dem gleichen Design wie die Einladungkarten, Tischkarten, Sitzplan. Es gab sogar ne Hochzeitsprobe! Am faszinierenden fand ich aber, dass man von dem ganzen Brimborium im Hintergrund während der Feier selbst fast gar nichts merkte. Vermutlich macht das einen guten Weddingplanner aus: dass man ihn und seine Arbeit als Gast nicht bemerkt. 

Die Trauung selbst war tatsächlich traumhaft schön, im Innenhof der Pousada unterm Orangenbaum. Zuerst marschierten die Trauzeugen und Brautjungfern (jaja, natürlich, je drei, und die Damen hatten ähnliche, aber nicht gleiche Kleider an, wie es muss.) zu Musik ein, dann der Bräutigam mit seiner Mutter (zum Allzeit-Karaoke-Schmetterklassiker „Wonderwall“) und dann die Braut mit ihrem Vater. Die Musik war eine tatsächlich gelungene Kombi aus Aufnahme und Live-Stehgeiger, mit E-Violine und vollem Emo-Körpereinsatz. 

Den geringsten Redeanteil an der Trauung hatte die Standesbeamtin, die kurz zu Anfang was sagte, dann gab es je eine Rede vom Vater der Braut, von der Mutter des Bräutigams, vom Best Man und der Maid of Honour (die mir etwas leid tat, weil ihr zwei Monate altes Baby auf dem Arm des Papas die ganze Zeit wie am Spieß brüllte). Dann Trauzeremonie mit sämtlichen Formeln die es gibt bis auf das Ding mit dem Schweigen. Plus jeweils selbst geschriebene Vows von Braut und Bräutigam (in Heftchen mit dem Hochzeits-Design, natürlich), Ringtausch (die Ringe wurden von der zweijährigen Tochter der Maid of honour gebracht, und alle so: aaaaawwwwwwww!!!, es war aber auch so unheimlich süß) und Kuss und fertig. Klingt jetzt voll nüchtern, wenn ich das so schreibe, aber ich sachs mal so: ich brauchte sehr sehr viele Taschentücher und das lag nicht (nur) an der Sonne, die mir voll in die Augen schien. Und auch nicht daran, dass ich „bei Hochzeiten immer heule“, wie es ja vielen geht, mir nicht so, ich gehe ja auch immer erstmal nicht von einer Verbindung für immer und ewig aus, noch nicht mal (oder vor allem nicht?) bei meiner eigenen Hochzeit. Aber es war schon sehr schön, vor allem die Reden und überhaupt, das Ganze, so ein schönes Kleid, mit Schleier und dem ganzen Scheiß, den ich nie haben wollen würde, aber hier passte es einfach. Dann passt auch Heulen. 

Nach der Trauung gab es nach den obligatorischen Gratulationsschlangen erstmal Snacks und Getränke, ich fokussierte mich auf Snacks, weil ich sonst wohl wen angefallen hätte vor Hunger. Das Paar machte dann weiter Fotos, es wurde überhaupt wahnsinnig viel fotografiert und gefilmt, später wurde das etwas nervig, als nicht nur ein Fotograf, sondern auch ein Videograf und ein Beleuchtungsheini mit einer grellen Lichtstange zwischen den Tanzenden auf der Tanzfläche herumhüpften. Jedenfalls war mit den Snacks quasi ein sechsstündiger Fressmarathon eingeläutet, mit vier Gängen und dann noch Hochzeitstorte, von der ich mein Stück da schon nicht mehr aufessen konnte, weil ich sonst echt einfach geplatzt wär. Das Essen war größtenteils echt sehr gut, der Nachtisch war bombastisch gut, dazu musste man etwas aufpassen, dass man nicht zu schnell den Wein trank, weil die Kellner das Glas immer voll hielten. 

Wie das aber ja so ist, ist das Interessante bei sowas eher das Drumrum, deshalb hier ein paar Highlights aus den Tischgesprächen:

  • Mein („kleiner“) Cousin, der sich aufregte, dass die kulturlosen Kanadier alle schon ihre Jackets ausgezogen hatten, obwohl der Bräutigam seins noch anhatte. Er ging dann echt hin und machte die an, worauf einer von denen mit ihm zum Bräutigam ging, der nur sagte „You know, I don’t give a f*ck.“. 
  • Mein („großer“) Cousin https://twitter.com/rabensalat/status/784496913231990784
  • Meine Mutter (natürlich), die sich nur mit Mühe von der Idee abbringen ließ, man könne die Army-Kanadier bestimmt zum Pazifismus bekehren, wenn man nur gewaltfrei kommunizieren würde. Bei der Vorstellung, wie meine Mutter zu den Army-Kanadiern marschiert (die sich ja alle für lange Jahre, teilweise Lebenszeit, verpflichtet haben!) und denen sagt „Dass ihr Soldaten seid, macht mich sehr traurig, ich möchte gerne verstehen, warum ihr das System Konflikt wertschätzt!“ muss ich immer noch lachen. Das Beste war dann aber folgender Dialog zwischen meiner Mutter und meinem Cousin, der meine Auffassung teilte, dass die Army-Kanadier eine wie gewaltfrei auch immer geäußerte Kritik an der Armee mit großer Sicherheit als Angriff auf sie selbst und ihre Lebensentscheidung interpretieren würden: https://twitter.com/rabensalat/status/784526587224096769
  • Die kleine Ringträgerin, die total begeistert davon war, dass ihr jemand vier Gabeln, drei Messer und drei langstielige Weingläser gedeckt hatte. Und ihr Papa, der panisch versuchte, ihr ohne Geschrei das meiste davon abzuluchsen. Dafür viel <3.

Danach eben mehr Fotos, mehr Wein, Hochzeitstorte (Uffz) und dann: Party. Da dann endlich auch größere Durchmischung der Gäste, noch mehr Wein (eieiei), irgendwann Whisky (der ging noch) und danach ein Zeug, was aussah wie Whisky und mir einfach in die Hand gedrückt wurde, ich ohne Hinterfragen herunterstürzte, das Gesicht ob des definitiv nicht Whisky-igen Geschmacks verzog und naja, danach war ich sehr lustig. Ich fragte den Typen, der mir das gegeben hatte noch, was das war und bekam die Antwort „I don’t have a clue. It sure tasted like the sum of bad life decisions.“. Möglicherweise war es Captain Morgan. Ist ja auch egal, danach war es wirklich lustig, es kam dann noch zu der Sache mit den Anklebe-Schnurrbärten, der Sache mit des Kanadiers Handy in diesem Tümpel (und vier Männern, die sich weigern, das wieder rauszuholen, weil is ja voll eklig, so Wasser. Aber Leute abknallen. Naja, Schwamm drüber.) und der Sache mit dem Wein auf und in meinen Schuhen. Ich schaffte es, der Braut auf der Tanzfläche für ein Foto ein Getränk in die Hand zu drücken, das Tanzen im Hochzeitskleid mit alkoholischem Getränk in der Hand ist eine Familientradition, die ich vor sieben Jahren startete. Zu dem Zeitpunkt trank sie aber schon gar nichts mehr, weil es ihr nicht soooo gut ging, also leerte ich das Glas auch noch. Die Musik war echt schräg, aber es wurde trotzdem viel getanzt, bis um drei Uhr die Party für beendet erklärt wurde. 

Wir, also der Rest, der den Diskoschluss nicht als willkommene Gelegenheit zum ins-Bett-Gehen nutzte, nahmen dann noch die angebrochenen Flaschen aus der Bar mit (jaja, dämlich…) und setzten uns auf die Terrasse, einer der Kanadier heulte sich bei mir aus, wie unheimlich schlecht es ihm ginge, seine Frau hat sich von ihm getrennt und lässt sich scheiden, die 18 Monate alte Tochter sieht er deshalb nur alle zwei Wochen für vier Tage, es ist alles ganz schrecklich. Vielleicht strahle ich so große Mütterlichkeit aus, dass man mir sowas erzählt. Oder er hatte sich eine andere Reaktion erhofft, vielleicht in Richtung „warmer Schlafplatz neben Frau“ anstatt „Oh, I’m sorry to hear that!“. Kurz drauf war der Wein leer und nur noch Portwein da (bläh), da fand ich es sinnvoll, ins Bett zu gehen. 

Insgesamt war es wirklich eine wunderbare Hochzeit. Und mein besonderes <3 geht an:

  • Die Freundin meines Cousins, die sicher 1,85 m groß ist und mit unheimlichem Selbstbewusstsein krass hohe Schuhe trug und damit sogar meinen Cousin deutlich überragte, der 1,90 m groß ist. (Und die den Brautstrauß fing, zwinkerzwinker.) 
  • Die Portugiesische Cousine, die trotz Gipsbein mit Krücken wild tanzte und bis zum Schluss durchhielt. (Und die das coolste Kleid von allen anhatte.) 
  • Den Bad-life-decisions-Typen, der irgendwann aus Solidarität mit den barfuß tanzenden Damen die Schuhe auszog. Der auch echt gut tanzen konnte und drauf bestand, die Dame zu sein: wenn ich mich schon nicht führen lasse dann aber richtig. 
  • Die 87 Jahre alte Oma des Bräutigams, die konsequent mit allen Anwesenden Portugiesisch sprach. 

Ach ja, doch, war schön. Und jetzt bin ich gleich wieder zu Hause, bei meinen Babies, das ist noch viel schöner. 

Tag 425 – Kater. 

Ähm ja. Das mit dem nicht so viel trinken hat nicht ganz so gut geklappt. Kurzzusammenfassung: die Trauung war sehr schön, das Essen größtenteils super, die Gespräche so hmm, alles war Bombe durchgeplant, die Party war trotz echt nicht so guter Musik echt gut. 

Ich fischte das Handy eines der Armykanadier aus einem Tümpel, da war viel Moos involviert und ich muss jetzt mein Kleid waschen. Aus einem nicht mehr ganz vollständig zu rekonstruierenden Grund sind meine Schuhe gebadet in Wein, ich habe Sonnenbrand vom verkaterten Rumschimmeln heute, eine Blase auf dem großen Zeh vom Tanzen und bin nach vier Stunden „Schlaf“ letzte Nacht unendlich müde. Und zufrieden. Und müde. Morgen um sechs geht mein Flug. 

Fundstück auf dem Handy heute morgen.

Sparklers. Falls Sie sich fragen, wie Wunderkerze auf Englisch heißt.

Alles ca. 1000 mal schicker, als unsere Hochzeit damals war.

Tag 424 – Portugal. 

Ich bin ja jetzt in Portugal. Genau genommen bin ich in einer Pousada oben auf einem Berg hinter einem Kaff hinter einem etwas größeren Kaff hinter Porto. Oder, wie ich es gestern bei der Ankunft nannte: 

Die Reise hierher war ok, lang halt, und anstrengend auch, die letzte Etappe mit der S-Bahn und dann die allerletzte mit dem Taxi zogen sich gefühlte Ewigkeiten, aber ich kam irgendwann doch an und wurde von meiner Mutter und meiner Tante empfangen. Großes Hallo und Sachen ins Hotelzimmer (ich wohne direkt in der Pousada, das kostet ein Schweinegeld, aber man gönnt sich ja sonst nichts, nicht wahr?) bringen, die Kleider aufhängen, dann: Menschen treffen. 

  • Meine Mutter: hat jetzt künstliche Wimpern. Ich brauchte mich schon keinem mehr vorstellen, ich bin „die Tochter“. Offensichtlich hat sie die letzten Tage allen von mir erzählt. 
  • Meine Tante: angeheiratet, zweite Frau von meinem Onkel, deshalb nicht die Mutter der Braut, die lebt leider nicht mehr. Trotzdem so aufgeregt wie die Mutter der Braut wohl wäre und außerdem angenervt vom Organisieren von allem. 
  • Mein Onkel: tiefenentspannt. Ich bin ewig dankbar, dass er mir zwei Bananen holte, nachdem mir um sieben (ja eigentlich schon acht) eröffnet wurde, Essen gäbe es erst in einer Stunde. 
  • Meine Omi: beängstigend dünn und noch beängstigender schusselig. In dauerndem Nörgel-Modus über die Pousada/den Service/das Essen. Emily Gilmore, nur älter. 
  • Mein Opi: dement halt. Es ist hart, das mit anzusehen. Furchtbar dünn, Kurzzeitgedächtnis eigentlich nicht mehr vorhanden, dazu ein unfassbar großes Veilchen mit Pflaster auf der Augenbraue, weil er am Dienstag gestürzt ist. 
  • Meine angeheiratete Cousine und ihr chilenischer Freund (Barbier, mit vielen Tätowierungen. Meine Omi findet ihn unmöglich.), die sind lustig. <3
  • Meine tatsächliche Cousine (die Braut): aufgeregt, aber glücklich. 
  • Ihre Freundinnen samt Familien (Kinder: 2 Monate, 10 Monate, 2,5 Jahre): die kenne ich noch von vor 15 Jahren (also die Freundinnen, nicht die Kinder), die sind auch nett und lustig. 
  • Der Bräutigam und seine Freunde: schwieriges Thema. Ich kenn den ja gar nicht, ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, wer da nachher meine Cousine heiratet. Gestern Unterhaltung mit seinem Mentor bei der Armee, der ihn gerne als Armee-Anwalt im Irak oder Afghanistan oder so hätte. Great opportunity, honour und so. Der Pazifist in mir sitzt weinend in der Ecke, der Pazifist an meiner Außenseite nickt, lächelt und schluckt alle Kommentare runter, es bringt doch einfach mal gar nix, mich hier mit Armee-Menschen anzulegen. 
  • Meine Cousins samt Freundinnen traf ich erst heute, mein kleiner Cousin (den wir in Wien trafen) ist sehr nett wie immer, meinen großen Cousin hab ich erst nicht erkannt, weil er jetzt eine lange Wallemähne hat, aber nicht wie so ein Mettler oder Hippie, sondern wie der Münchner Schnösel, der er ja auch ist. Seine Freundin wurde mit „Diejana“ vorgestellt, das sorgte für Verwirrung, weil ich „Die Anna“ verstanden hatte, meine Omi „Diana“ („Die hat aber rein deutsche Vorfahren!“) und mein kleiner Cousin sagte „Die Jana“. Letzteres stellte sich in einem längeren Gespräch mit ihr als Richtig heraus. Außerdem ist sie Lehrerin, Gymnasium, Geschichte, Deutsch, SoWi und verbeamtet in Lüneburg. Knapp 30, sehr nett und erstaunlich gewitzt, schlau und bestimmt für meinen Cousin, der sonst auch gerne mal reine Deko-Mädchen anschleppte. Also, damals, als wir noch mehr Kontakt hatten. 

Dieses ganze Familiendings ist für mich sehr anstrengend, deshalb lieber noch ein paar Fotos von der Location, dazu ein paar Verdrängungsmechanismen und ein Bad, dann bin ich fertig für die Trauung nachher. (Dann ist meine Hauptaufgabe, mich nicht abzuschießen. Ich hab absolut keinen Nerv auf nen Kater morgen.)

So, auf geht’s. Trauung in 15 Minuten. 

Impressionen aus dem Ort, No.1

Impressionen aus dem Ort, No.2

Die Kirche, direkt an dem ehemaligen Kloster. Imposant, he?

Eingang, links geht es rein, geraudeaus zum einen Innenhof.

Der eine Innenhof von der anderen Seite.

Mein Zimmer mit Erkerfenster samt Steinpritschen fürs kontemplative Gebet.

Essenssaal, mit um 8:45 noch jungfräulichem Frühstücksbüffet auf ehemaligem Altar (auf dem früher vermutlich Jungfrauen geopfert wurden oder so).

Anderer Innenhof, in dem die Trauung sein wird.

Granatapfelbaum.

Es gibt sogar einen Pool.

Vor lauter Traumhochzeit kommts mir gleich schon hoch.

Orangengarten.

Hier wird wohl nachher getanzt.

Hübsche Blumen.

Tag 423 – Weshalb ich manchmal froh bin, dass mein Körper meine Pläne durchkreuzte. 

Es ist mal wieder Zeit für einen Disclaimer: ich werde im Folgenden meine Gedanken zu sehr dicht aufeinander geborenen Kindern beschreiben. Ich will in keinster Weise sagen, dass alle Eltern mit Kindern in kleinem Abstand überfordert sind, oder dass irgendwelche Abstände generell  schlechter oder besser wären. Nur meine Gedanken. K? K.

Heute in der Metro vom Flughafen in Porto in die Stadt saß eine Familie. Beziehungsweise saß nur die Mutter, der Vater stand. Auf dem Schoß hatte die Mutter ein ca. anderthalb Jahre altes Kind, neben ihr turnte ein ca. zweieinhalb Jahre altes Kind herum und ein ca. vierjähriges Kind flitzte dauernd von Mama zu Papa und zurück. Ja, genau, das ist so ziemlich so dicht zusammen as it can be. Die Kinder waren allesamt niedlich und machten ihrem Alter entsprechend Quatsch. Der Große baumelte an den Sitzen, der Mittlere  stand auf dem Sitz und drückte sein Gesicht an die Scheibe, der Kleine wusste nicht so ganz was er wollte, zog sich an Mamas Nase hoch und ließ sich dann wieder hinplumpsen. Der Kleine machte auch Kindstypische Geräusche, aber alles im Rahmen, keins der Kinder störte irgendwie krass oder benahm sich total daneben oder brüllte alles zusammen. 

Die Mama sah müde aus. Sehr müde. Grunderschöpft. 

Und ich dachte: das hätte ich sein können. Ich wäre genau so. Ganz genau so. Ich wollte immer vier Kinder und ein Alterabstand von maximal zwei Jahren erschien mir erstrebenswert. Als Michel dann ein Jahr alt war, war ich in der Probezeit, außerdem war mein Zyklus kein Zyklus sondern das reinste Chaos, dazu hatte Herr Rabe keinen Job, kurz: wir verhüteten kräftig weiter. Als Michel dann anderthalb war war klar, wieso mein Zyklus komisch war: ich hatte eine Schilddrüsenüberfunktion, musste Hemmer nehmen, mit aktiver Hyperthyreose soll man bitte nicht schwanger werden und Sorgen hatte ich plötzlich auch genug andere. Kurz: wir verhüteten kräftig weiter. Dann war Michel zwei und die Stoffwechsellage halbwegs ok, der Zyklus aber nach wie vor nicht zyklisch. Ich dachte ehrlich, an dem Tag wäre noch keine „Gefahr“ schwanger zu werden. Tjanun, ein Dreiviertel Jahr später war Pippi da. 

Aber eigentlich wollte ich das immer anders. Dichter beieinander sollten die Kinder sein, damit sie „noch miteinander spielen können“. Meine eigene Familie und die heute im Zug hat mir gezeigt: ach Quatsch. Wenns passt, dann passts. Fast drei Jahre Altersunterschied bei Michel und Pippi führen jedenfalls im Moment noch nicht dazu, dass sie nicht miteinander spielen können. Der Große der Familie heute kam bestens mit dem Kleinsten zurecht und umgekehrt. Der Mittlere hingegen ärgerte seine beiden Brüder bei jeder Gelegenheit, piesackte den Kleinen und sprang dem Großen auf den Rücken. Die Mama schien das schon gewohnt. Müde wies sie den Mittleren zurecht, versuchte ihn anders zu beschäftigen, versuchte ihm Aufmerksamkeit zu geben, was aber sofort von einem der anderen durchkreuzt wurde. Sie gab dem Kleinsten Blaubeerweingummi und zog ihm hundertmal die Schuhe wieder an, die er sofort wieder auszog. Sie versuchte den Großen im Zaum zu halten, der kreuz und quer über die Sitze und Passagiere stieg und wirkte bei all dem einfach nur erschöpft und resigniert. Der Vater stand etwas unbeteiligt rum und beschäftigte sich immer nur mal kurz mit dem Großen, wenn der vom Generve des Mittleren die Nase voll hatte. Aber mindestens 90% der Zeit und 100% der Erziehungsarbeit waren Ding der Mutter. Sie war immer liebevoll, verstehen Sie mich da nicht falsch, aber ich hatte das Gefühl, sie wird keinem der Kinder wirklich gerecht, Ihrem Partner vielleicht nicht und sich selbst sicher nicht und sie weiß das. So wirkte sie auf mich. Als wüsste sie, das das alles nicht optimal läuft, dass drei Kinder unter vier, die zeitgleich an einem hängen, unheimlich viel ist, vielleicht manchmal zu viel. Als wüsste sie, dass der Satz „Hör auf!“ wenn zehnmal pro Minute in drei verschiedene Richtungen ausgesprochen längst zu einer hohlen Phrase verkommen ist. Und ich weiß: ich wäre genau so*. Ich wäre genau so müde, resigniert und latent traurig. Genauso verliebt in meine Kinder. Und am Rande des Wahnsinns. Knapp drei Jahre Altersunterschied kann ich stemmen. Mehr wäre vermutlich auch ok. Weniger auch, aber es wäre anstrengender. Heute bin ich dankbar, dass mein Körper den ursprünglichen Plan so nicht mitgemacht hat. Und ich bin Pippi dankbar, dass genau sie sich zu genau dem Zeitpunkt einfach eingeschlichen hat. 

*das, meine Damen und Herren nennt man Projektion: ich dichte meine vermeintlichen Unzulänglichkeiten der anderen Mutter an, um dann von außen drüber herzuziehen. Ist natürlich bestimmt alles nicht so, es ist ja auch nur eine Momentaufnahme, von außen betrachtet. Weiß ich ja alles.

Tag 422 – WMDEDGT Oktober ’16 (Turbo edition)

Wheeeee, schon so spät, jetzt aber zackig! Hier, Dings, Frau Brüllen, Tagebuchbloggen.

  • Aufgestanden irgendwie zu knapp. Michel wollte noch kuscheln.
  • Kinder fertig machen, Michel langsam, Pippi gefräßig.
  • Kinder zum Kindergarten bringen, Michel gesprächig. Michel will kein Dieb sein, weil man dann ins Gefängnis kommt. Ich bin darüber froh.
  • Zur Arbeit fahren, schweinekalt.
  • Arbeitarbeitarbeit, nix besonderes. Räume Schreibtisch auf und nehme mir Artikel mit, die ich in den nächsten Tagen vermutlich nicht lesen werde.
  • Ich checke für die Flüge ein. Dann suche ich mir Bahnverbindungen in Porto raus und schreibe sie total Oldschool auf einen Zettel, weil das Einloggen in meinen Google-Account aus diversen Gründen fehl schlägt (wo ist das Pipe-Zichen auf einer norwegischen Tastatur?).
  • Kurz Feueralarm, nutze ich um mir einen Kaffee zu holen.
  • Arbeitarbeit.
  • Nach Hause fahren.
  • Kleider anprobieren. Man weiß ja nie, was einem nach Schwangerschaft und Stillzeit noch so passt. Passt aber. Puh.
  • Kinder abholen. Michel langsam, Pippi gefräßig. Hat wieder nix gegessen zum Mittag, futtert mir aber noch  in der Umkleide die Brotdose leer.
  • In den Briefkasten gucken: Mein Ring ist wieder da! Ich war schon mittelmäßig besorgt.
  • Hände waschen, leere Brotdosen verräumen, Klamotten auf Haken verteilen, anfangen zu spülen, dann Krisenintervention im Wohnzimmer: Pippi hat Michels Haus auseinandergebaut.
  • Herr Rabe kommt und übernimmt die Kinder: ich kann weiter spülen. Hurra.
  • Essenplan wird umgeworfen: wir kriegen nächste Woche neues Lammfleisch, Parole: Gefrierschrank leer essen. Wir tauen Pickert auf.
  • Die Mikrowelle übernimmt das mit dem Auftauen, ich packe derweil meinen Ring aus. Der ist wie neu, es liegt eine Karte mit einem ganz lieben Gruß von Lars (dem Designer) dabei, aber keine Rechnung. Ähm.
  • Pippi sitzt schon wieder auf dem Tisch und schmeißt eine Flasche Wasser um. Ich wische und vergesse darüber kurz die nicht vorhandene Rechnung.
  • Das Essen ist warm. Wir essen. Michel nicht, der will Brot, weigert sich aber standhaft das höflich zu formulieren („ICH WILL JETZT SOFORT BROOOOOOT!“), woraufhin wir uns standhaft weigern, ihm ein Brot zu schmieren. Alles eskaliert.
  • Eine Stunde später: Michel hat immer noch nichts gegessen. Ich frage ihn: „Möchtest du ein Brot?“, er sagt „ICH WILL DAS NICHT SO HÖÖÖÖÖREN!“.
  • Eine weitere viertel Stunde später antwortet er auf die gleiche Frage mit ja.
  • Michel kriegt Brot, muss dabei auf meinem Schoß sitzen.
  • Ich schiele auf die Uhr. Bettzeit und Packzeit. Eigentlich. Michel isst noch. Pippi turnt rum.
  • Bettzeit wird ausgerufen. Ich lese Michel das „Wir sind jetzt vier“ Buch vor, er will das unbedingt. Im Kindergarten sprechen sie grade darüber, wie der Körper so von Innen aussieht und ja, auch darüber, wo die Babys herkommen.
  • Zehn Sekunden nach Schließen der Buchdeckel schläft Michel wie ein Stein. Ich höre Pippi begeistert „DAAAAAA!!!“ rufen.
  • Kleider bügeln. Ich hasse bügeln.
  • Packen. Herr Rabe schaukelt Pippi in den Schlaf. Dann geht er noch mit ihr Milch kaufen, die reicht nicht mehr für morgen.
  • Geld (Euro) und Pass zusammensuchen.
  • Geschenk basteln: Das Paar wünscht sich nichts. Ich komme diesem ungewöhnlichen Wunsch fast nach und schreibe auf eine weiße Karte mit Zitronensaft Sachen, dann bastle ich mit tatkräftiger Hilfe von Herrn Rabe eine Teelicht-Tüte aus Brotpapier, mit ausgeschnittenen Buchstaben-Herzen-Dingen. Ich habe gebastelt. Ich.
  • Während Herr Rabe noch Buchstaben ausschnitzt dusche ich und entferne hastig diverse Haare an mir.
  • Runterladen des neuen Blink-182-Albums, das ich bei Amazon als CD gekauft habe.
  • Sichern von tausend Folgen Lila Podcast.
  • Tag aufschreiben, dabei den letzten Pickert essen, mit Apfelmus. Essen Sie Pickert mit Apfelmus, das ist sehr lecker.
  • Jetzt gleich ZähneputzenabinsBett, morgen klingelt der Wecker um viertel nach fünf. Uff.

Tag 421 – Zeitsprung.

Tadaaaaaa! Ich hab das Blogbuch endlich bestellt. Dafür hab ich heute während ewig langer Inkubationszeiten die durcheinandergeratenen Posts wieder auf Linie gebracht, mich dabei über die Entdeckung gefreut, dass man „einfach“ das Veröffentlichungsdatum der Posts ändern kann (so einfach ist es nicht, man muss schon wissen, wie man das Fenster findet, wo das geht), mich dann geärgert, dass ich ganz offensichtlich einen Post von Weihnachten komplett gelöscht hab (klassischer Mausrutscher), mich dann nochmal etwas geärgert, dass ich zwei Tage doppelt hab und dann hab ichs auch schon hochgeladen. 

Erst dachte ich, dass es schon cool ist, wenn man die Links als QR-Codes hat, aber dann waren das plötzlich 30 Seiten voller QR-Codes hinten im eh schon 420 Seiten langen Buch, das gefiel mir nicht. Außerdem war ein Beitrag zu viel mit reingerutscht, das gefiel mir auch nicht, das soll schließlich Bitteschön dann auch mit dem ersten Jubiläum abschließen. Also löschte ich das Ganze und lud es mit den Änderungen neu hoch. Dann passte alles und ich bestellte. 

So wird es von außen aussehen.


Wie man an dem folgenden Bild unschwer erkennen kann, habe ich bei Into Real Pages bestellt, weil mir das Layout* besser gefiel und es günstiger schien als Blog2Print. Tjanun, das mit dem günstiger war eine Fehlannahme, am Ende des Bestellprozesses erschien dann doch eine recht stattliche Summe, aber mit extra Sommer-Gutscheincode ging es halbwegs. Vorgezogenes Weihnachtsgeschenk an mich selbst. Rechtfertigung ist alles. 

Payment successful, aber mein Konto weint trotzdem.


Jetzt heißt es hoffen, dass das Buch nur vier Tage zum Drucken braucht und nicht sieben und auch nur zwei Tage zum Liefern und nicht fünf und dann ist alles geritzt!

Was man jetzt hier nicht sieht: wie total niedlich der amerikanische Hipster-Slang der Webseite ins deutsche übersetzt ist.

Außerdem hab ich mich entschlossen, die zwei doppelten Tage einfach zu korrigieren. Es gibt daher Tag 419 und 420 nicht. Nächstes Jahr beim neuen Blogbuch bestellen werde ich mich dann vermutlich wieder fragen, was ich da vermurkst hab, aber dann hoffentlich diese Erklärung finden. Future me: des passt scho. 

* Team Form! 

Tag 418 – Schluss mit Nörgeln. 

So, nachdem gestern Panik war, ist heute Tatendrang. Deshalb hatte ich auch einen ziemlich produktiven Tag. 

  • Das Holz kam und ich hatte tatsächlich auch genug Bargeld schon morgens geholt (und Michel rechtzeitig im Kindergarten und so!). Der Holzheini, der ein ganz netter war, fuhr mit dem Hänger ganz and Haus, gab mir dann die Säcke an und ich stapelte sie im Flur. 21 mal 80 L und 6 mal 60 L. Weil das Holz aber viel trockener ist als das vom letzten Jahr war, ging das erstaunlich gut. 
  • Ich habe bestellt: bei Amazon (Piep-Ei und diversen Schnick-Schnack), bei der online-Apotheke (30 Euro für ne komplette aufgestockte Hausapotheke. Das.ist.nix. Medikamente sind in Norwegen so teuer, hier hätte ich sicher das Fünffache bezahlt. Oder mehr. Wenn man bedenkt, dass es von vielen Dingen nur das „Original“ gibt und keine Generika… doch, mehr.), bei Paulas Choice, mit Rabattcode (mal sehen ob diesmal alles klappt…).
  • Ich war bei IKEA und hab Michel ein Geburtstagsgeschenk zum Auspacken besorgt UND ES GLEICH EINGEPACKT!!! 
  • Ok, ich hab auch noch ein paar andere Dinge bei IKEA gekauft, unter anderem ein Bügelbrett, damit sich der arme Herr Rabe nicht seinen Rücken kaputtbügelt auf unserer ollen Möhre von Bügelbrett-Erbstück.
  • Danach war ich sogar noch bei Clas Ohlsson und hab eine neue Halogenbirne für meinen WeckerSlashNachtlicht gekauft, der gestern runtergefallen war UND ICH HAB SIE GLEICH REINGEMACHT! UND DANACH DIE ZWEITE WEGGERÄUMT!!!1elf!
  • Ich habe Herrn Rabe die Pistole auf die Brust gesetzt: ich werde vor Portugal das Blogbuch bestellen. Wenn seine Bilder bis dahin nicht hochgeladen sind, fehlen sie halt. 
  • Ich habe meine Cousine und nebenher noch jemanden aus diesem Internet um Infos zum Transport vom Flughafen zur Hochzeitslocation gebeten. 
  • Ich habe mir – wieder mit Unterstützung aus diesem Internet – ein Geschenk für meine Cousine überlegt, damit ich nicht mit ganz leeren Händen mein Nichts überreiche. Muss ich dann jetzt nur noch basteln. 
  • Ich habe M. für morgen eingeladen zwecks Planung von Michels und H.s Geburtstag. 
  • Irgendwann zwischendurch war ich auch noch beim Friseur (holla, das war nötig. Aber ja auch generalstabsmäßig geplant: vor einer Woche Strähnchen blondiert, Samstag den Rest gefärbt, heute geschnitten. Wenn ich muss, kann ich total organisiert sein.).
  • Und ich hab die Schnecken endlich wieder in ihr Terrarium umgesetzt, dabei ein paar Bilder für die Schneckenversenderin gemacht UND DEN ZWEITEN SACK BLUMENERDE HAB ICH AUCH DIREKT WEGGERÄUMT UND DANACH GESAUGT!!!

Das Ganze natürlich die ganze Zeit mit Pippi im Schlepptau, die aber heute kein Fieber mehr hatte und deshalb morgen wieder in den Kindergarten gehen kann. 

So groß sind sie schon. Selbst Baby-Schnecke ist ganz ordentlich gewachsen.

Eine tanzt immer aus der Reihe.

Hmmm, Aubergine!

Zwei Minuten später: die großen Schnecken haben die Auberginenscheibe umgerissen und dabei Baby-Schnecke begraben.


Als letztes ein Hinweis zu Ihrem eigenen Besten: falls sie auch so einen Feed-Reader haben, der ihnen jede Änderung an einem Artikel als bahnbrechend neuen Artikel verkaufen will, oder ihr Handy jedes Mal plüngelt, wenn wir hier husten: entfernen Sie den Rabensalat für die nächsten zwei Tage. Operation „alles Umräumen“ startet hier sehr bald und wird hoffentlich bis Mittwoch Abend abgeschlossen sein: dann sind sie wieder Safe und wir machen nie mehr so nen Quatsch. Versprochen. Also: bis Mittwoch Abend dann! 

Tag 417 – Fließband. 

Michel guckt zu viel Sendung mit der Maus. 

„Mama, ich muss eine Maschine haben.“

„Hmm?“

„Ja, eine Maschine, zum Kastanien transportieren!“

„Wo sollen denn die Kastanien hin?“

„Zu einer anderen Fabrik. Mit einem Fließband. In so einer Box. Können wir ein Fließband machen?“

„Was macht denn die Fabrik mit den Kastanien?“

„Ich hab das im Fernsehen gelernt. So wie mit den Kleiderbügeln. Die machen das so ab und dann so klein und dann machen die andere Sachen da draus. Mit einem Fließband. Ich muss auch ein Fließband haben.“

„Und die Fabrik macht dann Kleiderbügel aus deinen Kastanien?“

„Ja. Kann ich jetzt ein Fließband haben? Die Kastanien müssen in so einer Box auf dem Fließband transportiert werden!“

(Da sag noch einer, Fernsehen macht blöd. Mein Kind, noch nicht vier, sagt „transportieren“. Problem bei dem ganzen ist: wenn wir hier keinen Maus-getreuen Maschinenpark haben, ist die Wut groß. So nen Quatsch-Fließband tuts da nicht.)

Pippi geht’s besser, aber noch nicht gut. Wir waren nicht bei der Notfallpraxis, aber wenn morgen früh das Fieber wiederkommt, gehe ich mit ihr zum Arzt. Weil ja morgen das Holz (2000 L!) geliefert wird, hab ich mir eh frei genommen, da ist doch so ein Arzttermin eine willkommene Abwechslung*.

*Ironie. Ich hab total viel zu tun und komm zu nix. Ahhh, und Donnerstag nach Portugal. PANIK!

Tag 416 – Fiebermaus. 

Pippi hat weiterhin Fieber. Bis morgen muss das besser sein, sonst wäre es der vierte Tag mit >39 Grad, und da wäre dann wohl mal ein Besuch bei der Notfallpraxis angezeigt. Das macht aber keinen Spaß, nicht mal im Ansatz, meist sitzt man da lange rum, zwischen all den Leuten mit ihren Virenschleuderkindern oder ihren gebrochenen Gliedmaßen oder ihren Platzwunden (ja, alles schon da gesehen), dann kommt man nach so zwei Stunden irgendwann mal dran, CrP-Test, kurz in den Hals und die Ohren geschaut: hmmhmm, irgendeine Diagnose (vielleicht), irgendeine Medizin (noch vielleichter) und Tschüss. 

Wenn sie davon ja wenigstens gesund würde, würd ichs ja sogar machen. Es geht ihr nämlich echt schlecht. Wegen dem Fieber, das wir mit Ibuprofen/Paracetamol im Wechsel bekämpfen, wenn wirs nicht mehr mit angucken können, macht ihr Kreislauf oft schlapp. Ergebnis ist ein kaltes Kind mit glühendem Kopf, blauen Lippen und eiskalten Händen und Füßen. Heute Nacht gipfelte es in Schüttelfrost und einer Runde Mama vollkotzen. Zum Glück wirklich nur mich, ich bin ja abwaschbar, wir mussten nicht noch das Bett abziehen oder so. (Eindeutig ein Argument gegen ein Familienbett. Echt jetzt. Einer wach: alle wach. Einer kotzt: alle müssen raus.) Nach einem Zäpfchen schlief sie dann bis heute früh um halb zehn. Beim Abendessen brach sie dann nochmal, da wars aber nach einem Schleimhustenbiszumwürgen-Anfall. Also insgesamt echt nicht schön und sie tut mir furchtbar leid, auch wenn ich mir langsam auch vorstellen könnte, mal wieder was anderes zu machen, als mein 9,5 kg – Kind 24/7 an mir kleben zu haben.