Tag 952 – The day before the day…

Huiuiuiuiuiuiui. Aufgeregt. Dabei klappt soweit alles recht gut, Chef sagt das wird schon und morgen sei ich dann Dr. Rabe, was weird ist, weil das ist meine Schwägerin ja. Bei der Arbeit heute mittelmäßige Geheimniskrämerei und eine nette Anfrage, was ich mir denn wünschen würde. Ich mag das ja, wenn Leute nachfragen, anstatt irgendwas zu besorgen, das eventuell total daneben greift. Meine Antwort war übrigens „Ich mag Silberschmuck, vor allem Ohrringe, vor allem lange, bin aber sehr geizig und würde mir nie nicht-günstigen Schmuck selbst kaufen.“ und jetzt bin ich sehr gespannt, was sie draus machen.

Karte für den Chef auch besorgt. Herr Rabe hat meine Bluse fertig gebügelt. Ich habe meine Fingernägel lackiert* und dann Feuer im Ofen angemacht und danach einen Fingernagel nochmal neu lackiert. Sogar die Kinder habe ich fast entspannt ins Bett bekommen. Und dann wegen Kopfschmerzen** das eigentlich geplante Bier abgesagt und trotz Kopfschmerzen noch 5 Artikel überflogen. Man weiß ja nie. Außerdem ist es ganz gut zu wissen, was die Steckenpferde der Opponenten sind.

Inzwischen bin ich ziemlich sicher, dass ich überleben werde. Dass ich nicht in den Papierkorb kotze kann ich aber grad noch nicht garantieren.

Für die Daumendrückfraktion: ich freue mich wirklich über Ihre guten Gedanken. Morgen dann ab 10:15 für 45 Minuten und dann nochmal ab 12:15 für etwa drei Stunden.

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Auto-Lobhudelei: bisher nicht geheult vor Aufregung, auch nicht gebrochen, nicht mal aufgehört zu essen.

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*Nach Qual der Wahl fiel letztere auf einen hellblau-türkisen Schimmerlack von Orly, der passt gut zum Kleid und beißt sich nicht mit der Bluse.

**Aufregungs-Malessen. Habe auch Halsschmerzen und einen fetten Pickel an der Wange.

Tag 951 – Hydroxdings.

So langsam setzt die Nervosität ein. Ach was, „so langsam“, mit Macht setzt die ein. Essen, schlafen, alles nebensächlich, arbeitarbeit zackzack. Nicht mal Lust auf Schminken hatte ich gestern und heute (und bin tatsächlich bis auf Mascara ungeschminkt aus dem Haus gegangen, das ist inzwischen für mich auch sehr ungewohnt). Aber dafür habe ich heute eigentlich alles geschafft, was ich wollte: den Vortrag habe ich auf exakt (!) 40 Minuten runtergekürzt, ohne dass man’s großartig merkt. Leider kann ich jetzt halt nix mehr zu Viren erzählen, das ist schade, Viren sind nämlich echt interessant, faszinierend, wie die sich zusammen mit ihren Wirten entwickelt haben… aber tjanun, mit Viren wäre das halt alles zu lang.

Zu Hause dann Essen gemacht, Besuch aus Deutschland empfangen, noch mehr Besuch aus Deutschland empfangen und den dann direkt mitgeschleift in die Uni: vor Internet-Publikum und im Hörsaal die Probevorlesung proben. Lief schon mal besser als der Probe-Defensevortrag, technisch immernoch nicht ganz perfekt aber geht schon. Das Online-Publikum war auch nett zu mir, es waren am Ende noch alle wach, das ist ja schon mal was. Nach den Rückmeldungen werde ich nochmal an den Einstiegsfolien feilen, bzw nicht an den Folien selbst, sondern an der Sprache dazu, das ist alles noch sehr… präzise. Zu präzise. Und an anderer Stelle fehlen dann ein, zwei Erklärungen, und schwups, hat man das Publikum schon früher abgehängt als nötig, nur weil wir unsere Nomenklatur als so selbstverständlich hinnehmen, dass wir glauben, da nix mehr zu sagen zu müssen.

Morgen werde ich also einige Fachbegriffe rauswerfen und gegen normale Sprache ersetzen und dann kriegt auch am Donnerstag niemand plötzlich Schluckauf oder Augenzucken, weil ich hydroxo statt hydroxy gesagt hab. Weil, „this site in the middle binds this site at one end and forms a loop, then the ends here bind each other and the loop in the middle falls off“: kein hydroxy, kein attack, kein 5′-3′-Zeug.

Geht alles. Ist alles aufregend.

Huiuiui.

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Auto-Lobhudelei: tatsächlich nicht schreiend im Kreis gerannt sondern den Druck genutzt. Getting shit done. Geht jetzt wieder.

Tag 948 – Keine Zeit.

Hui, die Zeit rennt. Der Vortrag ist immernoch nicht fertig, aber eigentlich schon zu lang, aber es hilft ja jetzt auch nichts, ich muss ihn erst fertig machen und dann kürzen. Das Kleid ist auch noch nicht fertig, es ist alles nur so mittelentspannt grad. Dazu ein halb krankes Kind und eins, dem die Decke auf den Kopf fällt, das das aber nicht einsehen will. Hrmpf. Ich murmle also hübsch mein Mantra „Es wird schon hinhauen“ und versuche, den zeitlichen Druck so gut es geht zu nutzen ohne mich hetzen zu lassen. Und ohne die Kinder allzu doll und zu oft anzuschreien. Klappt alles eher mäßig aber man wächst mit seinen Aufgaben, ne?

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Update von gestern: Antibiotikum scheint zu wirken und nicht ganz so schlimm zu schmecken, nach einiger Diskussion und mit ein bisschen Zwang und Bestechung hat Pippi alle drei Dosen heute genommen.

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Auto-Lobhudelei: mir erfolgreich eingeredet, dass ich nicht die schlechteste Mutter der Welt bin, auch nicht die zweitschlechteste, vielleicht, wenn ich mir Mühe gebe, nicht mal im untersten Drittel. Außerdem das Futter fürs Kleid zusammengebaut, gewaschen und gebügelt. Uff.

Tag 945 – Alternative Splicing.

95% aller menschlichen Gene unterliegen alternativem Splicing, wussten Sie das? Ha. Jetzt wissen Sie’s. (Ist auch logisch, wir haben auch nur rund 20.000 Gene aber über 250.000 verschiedene Proteine*, die müssen ja irgendwoher kommen.) jedenfalls bin ich mit dem Vortrag jetzt beim Alternativen Splicen angekommen und das geht alles zu langsam und nervt mich.

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Die zweite wichtige Bewerbung heute abgeschickt. Öfter mal was neues: gar keine Möglichkeit, irgendwelche Dokumente hochzuladen. Alles direkt ins online-Formular getippt und auch schon vorgefertigte Sektionen – Motivation und Skills, Abeitserfahrung 1 bis N mit relevanten Tätigkeiten… für jedes ein eigenes Feld. Aber ist jetzt weg, hurra.

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Pippis periodisches Fiebersyndrom ist weiterhin periodisch. Aber jetzt gerade ist Herr Rabe der designierte Kinderaufpasser. Pippi geht es auch eigentlich ganz gut damit, sie sieht zwar käsig aus und ist schlapp, aber solange sie noch permanent singt ist eigentlich alles gut.

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Michels Skikurs ist glaube ich ein voller Erfolg. Nach dem Skitag neulich war er nur so mittelmäßig angetan vom Skilaufen, aber jetzt, nach drei Tagen kommt nur noch die übliche Kinderantwort auf die Frage „Wie war das Skilaufen?“ – „Gut.“.

Vielleicht kann der Erzieher mir das ja auch beibringen?

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Heute Sport statt Nähen, meine Augen wollten einfach nichts mehr tun, was Fokussierung auf irgendwas in 20-30 cm Abstand erfordert. Schade, dass ich mich grad zwischen den beiden Dingen (und Schlaf) oft entscheiden muss, andererseits: totales Luxusproblem. Aber Sport ist schon super. Vielleicht muss ich doch gar nicht so viel schlafen? (Spoiler: doch.)

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Mein Douglas-Paket ist da! Hurra! Ich bin jetzt also endlich im Besitz eines vernünftigen Bronzers. Und eines blauen Eyeliners, Eiskönigin, Sie wissen schon. Übrigens finde ich bei Douglas super gut, dass sie es schaffen, die Produkte komplett ohne Extra-Plastik zu verpacken. Keine Luftpolsterfolie, kein Klebeband… Trotzdem war alles tadellos „festgedrückt“ mit so einem Papp-Dings.

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So, hundemüde, Licht aus. Mal sehen, ob ich heute besser schlafen kann. Mein Körper und mein Geist haben die letzten Tage wieder Schwierigkeiten gehabt, runterzukommen. Eine Woche (und ein Tag) noch, dann ist es vorbei. Geschafft.

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Auto-Lobhudelei: Letzten Rest Bewerbungsmotivation erfolgreich umgesetzt, zäh aber kontinuierlich am Vortrag gearbeitet. Gesportelt, obwohl mir 50 Minuten absurd lang vorkamen (in echt waren dann nur die letzten 20 Sekunden des jeweils 2. Beins bei den Pilates-Übungen unglaublich lang).

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*Note to self: Nachgucken, ob diese Zahl Isoformen beinhaltet.

Tag 942 – Lessons learned.

Der Tag hat nie genug Stunden. Ich panike ein bisschen vor mich hin, der zweite Vortrag, das Kleid, das alles, uiuiui und eigentlich nur noch ne Woche Zeit.

Aber von vorn. Ich habe gelernt: Bewerbungen auf den letzten Drücker machinist nicht gut. Zwei wichtige stehen aber an. Wirklich so so so wichtige, dass das nicht bis nach der Defense warten kann. Die wollte ich heute schreiben, aber das… wurde nichts. Egal. Ich mache die eine morgen früh als erstes und die zweite, hmm, irgendwann morgen. Zumindest kann ich meinen CV da schon mal hochladen. Frist dafür ist Mittwoch 24:00 Uhr.

Was ich auch gelernt habe: Vortrag muss oft durchgegangen werden. Zweiter Vortrag sollte deshalb nächste Woche Montag stehen, dann habe ich Dienstag zum üben und Mittwoch zum Panik schieben.

Und das dritte: Nicht einfach drauflosnähen. Heften und Abstecken rules. Das ist zwar gefühlt sinnlose Arbeit, weil man das ja alles eh wieder rausmacht, aber im Endeffekt spart man sich so viel Frust, das ist es allemal wert. In das Kleid für die Party käme ich vermutlich gar nicht rein, wenn ich das einfach genäht hätte, wie das Schnittmuster sagt. Nachdem ja die Bluse in 10 viel zu groß war, ist das Kleid nämlich in 12 am Hintern echt eng*. Echt richtig eng. Möglicherweise wird sitzen schwierig, so eng. Und dabei habe ich jetzt schon alles rausgelassen, was ging. Nun. So ist es eben. Immerhin war ich diesmal nicht quasi schon fertig und hatte alles mit für immer haltenden drölfzigfach-Stichen genäht, sondern halt nur geheftet.

Noch was, nicht gelernt, eher festgestellt: immer wenn ich denke, ich hätte mich vielleicht endlich an dieses Zyklus-Ding gewöhnt, mit PMS aus der Hölle und Mittelschmerz und Stimmungs- und Libidoschwankungen wie aus dem Lehrbuch „Die hysterische Frau“ von 1920, kommt irgendwas neues. Diesen Monat neu im Programm: furchtbar schmerzhaft geschwollene Brüste. Sorry für das TMI, aber hui, mir geht das so auf die Nerven. Ich möchte nicht mehr hormongesteuert sein.

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Ich muss mich bei Ihnen allen für zwei Dinge bedanken: die Glückwünsche und den Zuspruch. Es kommt alles an und ich freue mich sehr und werde mit Herrn Rabe nochmal einen Plan B erarbeiten, wenn sich bei mir nicht zeitnah was tut.

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Auto-Lobhudelei: mich nur wenig geärgert.

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*und im Schulter- und Brustbereich trotzdem zu weit. Vielleicht bin ich einfach sehr unförmig?

Tag 940 – Pleiten, Pech und Pannen.

Heute Probevortrag vor Kollegen und Chef gehalten und wie soll ich sagen? Es war schrecklich.

Ich war eigentlich gut vorbereitet und 15 Minuten vor der Zeit da, um die Hardware zu checken. Meine Kollegin meinte, an den lokalen Rechnern ginge der Presenter Mode nicht, ich meinte aber, das besser zu wissen und war dementsprechend überrascht, als es tatsächlich einfach nicht ging. Obwohl ich, wie ich dachte, alles „richtig“ angeklickt hatte, sah ich auf meinem Bildschirm genau das gleiche wie auf der Leinwand: die Folie. Sonst nichts. Meine tollen Notizen – nix da. Und so frickelte ich bis drei Minuten vor der Zeit herum und schloss dann doch meinen Mac an. Das ging immerhin.

Dann kamen Leute, aber der Chef nicht.

Meine Kollegin nutzte die Zeit um mich mit unbedachten Kommentaren a la „but in neurons are a lot of [some weird lesion] and this has an impact on [some brain disease] and there you also have deregulation of [some pathway], DIDN’T YOU KNOW THAT?!?“ ordentlich tief ins Impostor-Loch zu stoßen. Dann kam der Chef und ich startete die Präsentation aber auf der vierten Folie, der ersten mit mehr als „wir befinden uns jetzt hier im Talk“ drauf, gingen plötzlich Dinge schief, die Animationen spielten sich selbst ab und ich fand nicht schnell genug, woran es lag, da war der Chef schon rausgerannt, seinen Laserpointer holen. Weil mit LaserpointerSlashSteuerungsdingsi, da passiert sowas nicht. Schon klar. In der Zwischenzeit fand ich ein Kästchen „Nächste Folie“ das aus irgendeinem Grund auf 40,27 Sekunden eingestellt war und offensichtlich spielt das dann die Animationen entsprechend schnell ab, um dann nach 40,27 Sekunden die Folie zu wechseln. Das stellte ich also stattdessen „beim Klicken“ ein und dann nach Ausprobieren fand ich auch noch das Häkchen „für alle Folien übernehmen“ und gut wars.

Dann kam der Chef mit seinem Laserpointer zurück und schloss den an und es ging wieder der Presenter Mode nicht. Arrrg. Jetzt konnte ich zwar die Präsentation auf meinem Laptop steuern, die Leinwand juckte das aber nicht mehr. Inzwischen waren aber noch zwei Kollegen gekommen, die mit einem abfälligen „Ugh, Mac.“ Unbedingt nochmal den stationären Rechner ausprobieren mussten. Sie taten, was ich vorher auch schon getan hatte, zeigten mir den „Split Screen“ Mode und ich noch so „ja, aber das tut nicht was es soll!“ aber das fanden sie dann auch schnell selbst noch raus. Und erklärten mir dann, das sei eben falsch eingerichtet, das würde beides durchs gleiche Kabel laufen und deshalb geht das halt nicht, aber Mac? Ugh, so kompliziert! Tja.

Ich startete also alles wieder vom Mac von vorne und inzwischen war auch eine halbe Stunde rum.

Dann schaffte ich es, vor den 8 Leuten aus meiner Arbeitsgruppe, die ich ja explizit dazu aufgefordert hatte, mir Feedback zu geben, so nervös zu werden, dass ich stotternd und rot werdend Pause machen und ein halbes Glas Wasser exen musste. Meine Fresse, Körper, so geht das nicht, wenn du sowas machst, werfe ich mir am Defensetag die doppelte Dosis Betablocker schon morgens ein. Insgesamt trank ich übrigens einen Liter Wasser während der folgenden eineinviertel Stunde, in denen ich immer so ein bis zwei Folien vortrug und dann diskutierte, was besser sein könnte. Das Feedback war eigentlich nicht zerschmetternd, aber in der Masse dann doch… Ahhhhh! Insgesamt: Folien zu voll, zu viel, zu klein. Ja, agree, aber was rauswerfen? Ich erklärte, weshalb ich das eine paper so präsentierte, wie ichs tat: Ich habe das Gefühl, wenigstens was im Titel steht sollte ich angerissen haben. Aber da steht alles. Das paper hat fast 100 Einzelabbildungen, ich hatte vielleicht 20 oder so, naja, jetzt sind es eben nur noch 15. Kollegin wusste auf meine Erklärung übrigens auch nichts mehr zu sagen. Dann, richtig peinlich, ist ein Typo im Titel des einen Papers und der ist jetzt auch in allen 80 gedruckten Ausgaben verewigt, und den Namen meiner Polnischen Kollegin habe ich auch falsch geschrieben. Auch verewigt. Damn. Die eine Kollegin (die weiß alles, also, sie weiß tatsächlich viel, und tut das auch sehr gern kund (s.o.) und auch die, die die Opponentin hasst) wollte dann noch vom einen Paper runter „weil sie da ja nichts gemacht hat“. Geiles Gefühl. Doch, echt.

Tja. Ich hab dann nochmal den ganzen Nachmittag damit verbracht. Während ich zu Hause auf die STromzähleraustauschmenschen gewartet habe, die schon längst dagewesen waren, ohne dass ich das gemerkt hatte.

Doch, richtig super der Tag.

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Auto-Lobhudelei: Der Simplicity-Rock hat endlich einen Reißverschluss und fast einen Saum, also, er ist abgesteckt aber selbst ich lerne aus Fehlern und nähe sowas nicht noch nach einem Glas Wein. Aber ich hatte ihn an und er ist wunderschön.

Tag 939 – Durchwachsen.

Mein Tag war heute… puh. Im Prinzip gut. Trotzdem habe ich eine halbe Stunde alleine in einem Gruppenraum gesessen und geheult, weil gefühlt niemand versteht, dass meine Situation grad echt scheiße ist. Ich kann das „der Traumjob kommt bestimmt“ nicht mehr hören, denn: was, wenn nicht? Nach über 40 erfolglosen Bewerbungen finde ich, diese Frage ist doch durchaus berechtigt. Sollen wir dann trotzdem hier in Trondheim bleiben? Und bei dem Gedanken kamen mir die Tränen.

Ansonsten war heute alles super gut. Weshalb ich mal wieder Hormone vermute, die machen, dass ich alles schwarz sehe. Das Thema für die Probevorlesung ist gut. Die Druckfahne der Diss kam an und ist gut. Der Vortrag ist jetzt nur noch 27 Minuten lang – gut! Lippenstift gut, Frauentag… ok, Sport gemacht, alles gut. Trotzdem möchte ich hier einfach weg und habe schlichtweg Panik davor, dass ich, sollte ich wirklich eine auf 1 Jahr befristete Vertretungsstelle bekommen, es mir und vor allem den Familienmitgliedern allzu häuslich einrichte. Weil ich nicht will, dass die hier Wurzeln schlagen. Fertig aus. Ich hasse diese Stadt und wäre besser nie hergekommen. So.

Aber wenn man eh schon schlechte Laune hat, kann man auch unliebsame Dinge tun.

Mehr Foto gibt’s (noch) nicht. Ich muss an allen Ecken und Enden nochmal von Hand ran. Aber immerhin, vermutlich muss ich doch nicht nackt disputieren.

Tag 938 – Hamamblabla.

Mein Tag war etwa so:

  • Alleine in der leeren Wohnung hocken und der Wand meinen Vortrag erzählen. Lief bescheiden. War viel zu lang. Ich kürzte.
  • Irgendwann losgeeist und etwas zu spät aufgebrochen zum Hamam. Natürlich hinter einem auf 45 km/h gedrosselten Hutzelauto festgeklemmt, das grad mal 40 fuhr. Mörderisch gestresst beim Hamam angekommen. Das hatte mir Herr Rabe übrigens zu Weihnachten geschenkt und ich hatte es bisher nicht geschafft, den Gutschein einzulösen. Achtsamkeit und so. Jaja.
  • Hamam. Geiler scheiß. Ich wurde von vorne bis hinten gepampert, gewaschen, gepeelt*, massiert, meine Haare wurden gewaschen und mein Gesicht bekam eine Maske, ich kriegte dauernd Obat und Wasser gereicht… Hach. Wirklich wunderbar.
  • Dann fuhr ich zurück und machte mich wieder an den Vortrag. Dieses Mal schreibe ich alles aus. Alles. Sogar „Hallo“.
  • Die Kinder kommen mit Herrn Rabe und sind unzufrieden und müde und ich muss arbeiten und Herr Rabe kocht, alles eskaliert und schon ist meine tiefenentspanntheit hin:
  • Viele, viele Bügelperlen wieder einsammeln.
  • Essen, Michel ins Bett bringen**, wieder Vortrag.
  • Jetzt. Müde. Aber mit dem Vortrag fertig, fast rechtzeitig, bevor ich morgen um 08:15 das Thema für die Probevorlesung bekomme.

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Auto-Lobhudelei: Fertig mit Ausschreiben.

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*Hier wahlweise „abrasives Peeling“-Geschimpfe oder „waaaas, da kriegt man irgendwelche Hautpflege einfach draufgeklatscht?!?“ vorstellen und dann verkneifen. Ich hab vermutlich 1 kg Haut dagelassen, das Peeling schien also bitter nötig gewesen zu sein.

** Der will momentan immer, dass ich ihm sein „Speziallied“ vorsinge, dass ich mir ausgedacht habe, als er ein Baby war, ich singe das aber nicht vor, wenn Herr Rabe in Hörweite ist, das ist mir irgendwie peinlich. Heute Abend ging das aber, weil Pippi noch länger zum Essen brauchte.

Tag 937 – No pressure.

Ich habe heute den Druck meiner Dissertation in Auftrag gegeben. Weil es dazu einige Missverständnisse gab, hier mal eine kleine Erklärung, wie das hier (also an der Medizinischen Fakultät der NTNU) so läuft.

Man hat ja seine Diss zur Begutachtung sowohl elektronisch als auch ausgedruckt abgegeben. Das geht dann an die Opponenten und die begutachten den das Ganze und schreiben mehr oder weniger hilfreiche Kommentare zurück. Meine waren sehr hilfreich und umfassten zum Beispiel auch „bei Paper 2 sind die Abbildungen sehr klein“. Ich habe daraufhin nachgefragt, ob ich die Änderung „größere Abbildungen in Paper 2“ beantragen muss, denn Änderungen am Manuskript müssen eigentlich vor dem Druck von der Fakultät genehmigt werden und dann in einer Errata-Liste in der Thesis festgehalten werden. Meinen Fall betrifft das aber nicht. Gut!

Was im Gegensatz zum Manuskript noch mal geändert werden musste (auch ohne Erratum), ist das Entfernen der Titelseite. Die wird nämlich von der Druckerei erstellt und sieht für alle gleich aus. Genau wie der Umschlag. Und nein, eine andere Druckerei als die zwei von der Uni genehmigten darf ich nicht nehmen, aus genau dem Grund nämlich, dass das alles standardisiert ist.

Jo, hübsch hässlich.

Dann muss man noch eine Zusammenfassung auf Norwegisch schreiben, die direkt hinter die erste Seite kommt und unter der auch nochmal steht, wer man ist, wer’s betreut hat, wer’s finanziert hat und dass die Arbeit als verteidigungswürdig eingestuft wurde. Plus Datum, Ort und Uhrzeit der Disputation. An die Fakultät muss man dann nochmal diese Zusammenfassung auf Norwegisch und, wie ich heute feststellen durfte, auch auf Englisch schicken. Das packen die dann in ihre Alumnews und so, deshalb muss das auch ganz einfach geschrieben sein. An so Populärwissenschaftlichem Tralala habe ich aber ja großen Spaß, das war also nicht das Problem. Zumindest auf Englisch nicht.

So, und jetzt hat man also kein Titelblatt mehr, dafür die Zusammenfassung drin, dann kann man das jetzt bei der Druckerei hochladen. Vorher muss man sich noch eine ISBN-Nummer generieren, das geht aber ganz einfach über einen Link auf der Druckereiwebseite. Dann trägt man alles mögliche im Formular bei der Druckerei ein, Name, Institut, Englisch/Bokmål/Nynorsk… sowas eben. Dann wird das Titelblatt generiert und der Umschlag und man kann nochmal kurz über das Layout seufzen. Und dann, endlich, lädt man sein PDF hoch. Man sollte wirklich, WIRKLICH nur ein PDF haben (und nicht acht, wie eine gewisse Person), weil man nämlich jetzt erstens die Gesamtzahl der Seiten und zweitens die farbigen Seiten angeben muss. Und das wird eine elendige Rechnerei bei mehreren Dokumenten und wenn man dann noch Kontroletti-Neigungen hat, tippert man im Kommentarfeld nochmal ganz genau ein, welche Seiten von welchem Dokument genau denn nun farbig sein sollen. Es gibt dann auf der finalen Hochlade-Seite noch ein Feld, nämlich „Wieviele Ausgaben werden von wem bezahlt?“. Nun, die Antwort auf diese Frage ist im Prinzip einfach: die Fakultät will 80 Ausgaben und die sollen aus Projektmitteln bezahlt werden. Bei ~350 NOK pro Ausgabe wird das dann ne Stange Geld, ja. Man kann natürlich noch selbst für 350 NOK das Stück eine für die Oma/Nachbarin/Altpapiertonne drucken lassen, aber erfahrungsgemäß bleiben eh reichlich Exemplare übrig. Bei der Disputation liegen nämlich die gedruckten Ausgaben aus und jede*r, der*die da ist, nimmt sich eine. Eine landet beim Chef im Büro, eine in der Bibliothek, die restlichen 20-40 landen im Kopierraum und fristen da ein trauriges Dasein, bis in 3 Jahren mal ein Masterstudent eine aus der Kiste holt. Aber theoretisch könnten ja auch 75 Leute zur Disputation kommen. (Oder 85, in den Hörsaal passen 90 Leute.) Deshalb 80.

In die zwei Felder trägt man also ein: Kandidat 0, Institut 80, darunter noch die Projektnummer, fertig. Und in ein paar Tagen kommt dann die Druckfahne.

Shit’s getting real.

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Auto-Lobhudelei: vernünftig gewesen und Räume gebucht, um die Präsentationen zu üben.