Tag 973 – Und Frau Rabe? Lernt.

Und das macht richtig Spaß. Ich bin in so einem Flow, es ist ja auch alles nicht gänzlich neu, aber eben zum Teil… 11 Jahre her, dass ich das mal in der Uni hatte, seitdem hat sich tatsächlich auch hier und da was getan. Den Stift habe ich schon zu 2/3 leergeschrieben und heute musste ich neues Druckerpapier kaufen, weil ich unseres aufgebraucht habe. Morgen werde ich zur Arbeit gehen, da noch mehr Zeug ausdrucken* und mir Blut abnehmen lassen und dann geht es weiter mit dem Thema Clinical Trials.

(Wer schreibt, der bleibt. Wollte ich lange nicht einsehen, ist bei mir aber ganz eindeutig so.)

Neues vom Fitbit: hab mich heute geärgert, dass meine Workouts nicht erkannt werden. Werde die in Zukunft halt manuell aufzeichnen. Aber mal im Ernst, was denkt das Ding denn, was ich tue, dass mein Puls plötzlich und dann über 35 Minuten konstant über 120 und in der Spitze bei 165 liegt? Meerschweinchen streicheln**? Grrrr.

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Auto-Lobhudelei: Joa, läuft. (Ok, etwas ausführlicher: ich bin grad saufroh und auch echt stolz auf mich, dass ich wieder produktiv und motiviert und engagiert sein kann, sein will und auch bin.)

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*Ich betrachte es als Karriereförderung, die mir ja sonst, trotz prinzipieller Verpflichtung dazu, von der Uni nicht zuteil wurde. Und fühle mich nur ein klitzekleines bisschen schlecht.

**Es war dieses workout und es war wirklich, wirklich anstrengend (wie der Name schon sagt: brutal) und das Fitbit sagt gar nix dazu, dass kann einen dann schon mal aggressiv machen.

Tag 972 – Easy Peasy.

Heute morgen fiel mir mein halbvolles Kaffeeglas runter und zerschellte auf dem Boden. Ich stand also in einer Kaffeepfütze voller Scherben. Hinter mir die neugierigen Kinder. Alle auf Socken, natürlich. Das gab ein paar ordentliche Flüche am frühen Morgen.

Aber, Überraschung: nach einem wütenden Workout sah alles schon viel besser aus. Ich setzte mich also frisch geduscht und mit frischem Kaffee an den Tisch und arbeitete systematisch die ersten zwei Kapitel des einen Buches durch. Marschierte dann im Stechschritt zum Kindergarten, Elterngespräch. Marschierte zurück. Lernte. Fuhr zum Staples und kaufte ratzfatz zwei Ordner, einen Gelroller* und eine Rolle Paketklebeband, auf dass wir Pakete nicht mehr mit Gaffatape zukleben müssen. Fuhr zurück, holte die Kinder ab. Ließ mich von Michel breitschlagen, H. zu kontaktieren, ob er zu uns kommen mag**. Machte zu Hause schnellschnell was ungesundes zu Essen (Pommes mit „Fiskekake“ also so ner Art Fischfrikadellen), das sich die Kinder aber begeistert und in Massen reinschaufelten. H. kam und die Kinder spielten sehr schön und leider ohne Pippi, die mir dementsprechend am Bein hing. Michel und H. wollten unbedingt Mario Kart spielen, ich machte Aufräumen zur Bedingung und so schnell war noch nie aufgeräumt. Dann brach ich mir tierisch einen beim Einrichten der Controller ab, kriegte es aber doch irgendwie hin. Pippi bekam den Controller der Play-Station (war ja aus) und war sehr glücklich damit. Dann spielten die Jungs Mario Kart um die letzten Plätze, während H.s Mutter (inzwischen zum Abholen eingetroffen) und ich kaum an uns halten konnten, denen nicht die Controller aus der Hand zu reißen und zu zeigen, wie das richtig geht.

Dann zwei Kinder ins Bett bugsiert. Michel überzeugt, in seinem Bett eingemummelt zu warten, bis Pippi eingeschlafen ist, dann käme ich zu ihm. Schon bevor Pippi schlief, hörte ich ihn schnarchen. Pippi schlief auch fix ein und ich ging wieder an die Lernsachen. Ich weiß jetzt grob, wie die Agentur, bei der ich mich beworben hab, organisiert ist, welche Organe an welche delegieren, welche Befugnisse die überhaupt haben und wer das echte Sagen hat (die Europäische Kommission). Puh.

Jetztist der Kopf voll und Zeit fürs Bett.

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Auto-Lobhudelei: trotz schlechten Start nen guten Tag und viel Spaß beim Lernen gehabt.

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*Skandal: mein ~ 10 Jahre alter Eppendorf-Pipettenkuli schreibt nur noch so mittelgut und ich muss ziemlich doll aufdrücken, das bescherte mir schon nach 30 Minuten Schmerzen. Mein guter Kuli! Schnüff.

**Irgendwie dachte ich, dienstags hätte der eh Taek-Won-Do und die Anfrage somit ungefährlich. Tjanun, so kann man sich täuschen.

Tag 971 – Endlich wieder.

Mein Gehirn funktioniert wieder. Wie sehr das in Mitleidenschaft gezogen war, ob jetzt durch den Stress oder die Schilddrüsensache oder beides, merke ich jetzt erst so richtig. Jetzt kann ich mir nämlich wieder Sachen merken. Normalerweise bin ich wie ein Schwamm, sauge Wissen, vor allem triviales (Öhömm), im Vorbeigehen auf. „Das war mal bei der Maus, das geht so…“ ist so ein typischer Satz von mir. Eigentlich. In den letzten sechs Monaten ging das nicht. Als wäre der Kopf vernagelt konnte ich mir die simpelsten Sachen nicht mehr merken. Trägt übrigens nicht grad zur Stärkung des eh immens pre-doc-geschädigten Selbstwertgefühls bei, wenn man zwei Minuten nach dem Meeting schon jede Info, die man nicht notiert hat, vergessen hat. Aber jetzt ist das weg, endlich, und statt wie früher(TM) aus Spaß auswendig zu lernen, welche berühmten Molekularbiolog*Innen wann welche Nobelpreise verliehen bekommen haben, füttere ich mein Schwamm-Hirn zur Abwechslung mal mit Basiswissen zur EU und dann werde ich mir diese zwei klitzekleinen Büchlein vorknöpfen*. 3 Wochen noch.

(Ich muss vielleicht doch morgen zu staples und mir zwei A5-Ordner kaufen.)

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Auto-Lobhudelei: alles geschafft. Alle Fitbit-Tagesziele zum Teil doppelt erledigt, Workout gemacht (ok, die zwei Punkte sind ein bisschen redundant), das Lernpensum abgesteckt und die Materialien beschafft, für Michels Freundin in Windeseile ein Stirnband genäht, Kinder abgeholt, Stirnband eingepackt, Michels Wunsch-Klamotten finden geholfen, ihm die Haare schick gemacht, mit Pippi gestritten und trotzdem nur 3 Minuten zu spät (Michel war schon ganz panisch) Michel beim Kindergeburtstag abgeliefert.

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*Hahaha, lustig, wie ich das so schreibe, als hätte ich keinen exakten Plan, wann ich was machen werde, ne? In Wirklichkeit ist der Plan so: Eine (volle) Woche für Drug Development, eine volle Woche für das Eudra-Book (da aber mit dem Internet nebendran, ich will nur wissen, wie generell Prozesse ablaufen und wer für was zuständig ist). In Woche drei dann und auch nebenher schon mal immer mal wieder statt Twitter Wikipedia lesen über „Die EU“. Allein heute habe ich echt viel Zeug gelernt, zum Beispiel, dass die EU drei Präsidenten hat**. Nämlich einen des Rats, einen des Parlaments und einen der Kommission. (Und grad sind alle drei Männer. Überhaupt waren das seit 2009*** ausschließlich Männer.)

**Das wussten Sie natürlich schon alle. Ich nicht. Und Sie wissen natürlich auch, weshalb

***2009 ein wichtiges Jahr für die EU war und was am 9. Mai ist.

Tag 968 – Aufregend!

Ein bisschen in eine Tüte atmen ist da wohl erlaubt: ich bin mit meiner Bewerbung bei einer EU-Behörde eine Runde weiter gekommen. Huiuiuiuiui! An 2.5. werde ich da einen schriftlichen Test machen müssen. Die Themengebiete habe ich auch schon bekommen und sie sind alle vage bis total vage („EU-Test“) formuliert. Ich werde also die nächsten vier Wochen ziemlich viel lernen.

Auch heute: erfahren, dass der Chef* wegen der Kröte angerufen wurde und die sehr beeindruckt von mir waren (ach.). Weiter aber nix von der Kröte gehört.

Ebenfalls heute: 11672 Schritte laut Fitbit, 8338 laut Telefon. Ich hab mir ja schon länger gedacht, dass das lügt. Auch putzig: das Fitbit erkennt „Zu Fuß nach Hause gehen“ als moderates Training. Öhömm. Meine Herzgesundheit ist aber bei 38-42 (Kartoffeln, das Fitbit-Äquivalent zu Frau Brüllens Stress-Bratwürschtl). Und ach ja: falls Sie auf der Suche nach einem Schlafphasen-Weckdings sind: *das* können die Fitbits nicht, fragen Sie mich nicht, warum nicht, die Community bemängelt das seit Jahren. Ich ärgere mich tatsächlich, dass ich das nicht wusste. (Das können aber auch nur ganz wenige Activity tracker und vermutlich ist es deshalb doch gar nicht so einfach zu implementieren, wie die wütende „ICH KAUF NIE WIEDER SO EINEN SCHEISS!“-Community so zu wissen meint.)

Auch: die Fahrrad-Ersatzteile einfach komplett selbst im Internet bestellt und mir einen Stinkefinger in Richtung lokaler Einzelhandel gedacht.

Ach ja und Michel heute früh: „Mama, weißt du was? Wenn ich dann den Zahn verliere, dann tun wir den in ein Glas mit Wasser und dann KOMMT DIE ZAHNFEE UND DANN KRIEGE ICH EIN GELDSTÜCK!!!1elf!!“. Ich finde die Zahnfee ja blöd, aber ich fürchte, das bringe ich nicht übers Herz, die Zahnfee für ihn sterben zu lassen.

Jetzt Kopfschmerzen, war wohl alles ein bisschen viel heute.

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Auto-Lobhudelei: mich nicht wie der letzte Honk angestellt beim Mario Odyssey** spielen. (Aber die Steuerung ist für Generation GameBoy trotzdem erstmal ne Herausforderung.). Und drei Liter Wasser getrunken (dafür schon vom Fitbit ordentlich gefeiert worden).

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*Ich nenne den einfach weiter so.

**Macht schon sehr viel Spaß. Doch. Am meisten die Ausflüge in die 2D-Welt.

Tag 960 – Geplatzte Träume.

Bei beiden Schwangerschaften hab ich bis nach der 12. Woche gewartet, es Leuten zu erzählen (Ausnahme beide Male: meine jeweiligen Chefs, wegen Chemikalien/schwer heben), weil ich mit dem betroffenen Schweigen, was ich nach einer Fehlgeburt erwarten würde, nicht umgehen könnte und erst recht nicht mit Mitleid. Ich mag nicht bemitleidet werden. Das lässt mich mich schwach fühlen. (Jajaja, da „könnte man jetzt mal genauer hinschauen“, will ich aber nicht und das hier ist ja auch keine Gruppentherapie, nicht wahr?). Also bitte kein Mitleid, wenn ich jetzt sage: ich hatte mich auf eine echte Traumstelle beworben, war da sogar in die erste (Telefon-)Interviewrunde gekommen und heute haben sie abgesagt. Das tut weh, weil Traumstelle, das tut extra weh, weil mir wieder aufgegangen ist, dass es genau das ist, was ich will, und eben nichts anderes und jetzt ist es *puff* einfach geplatzt*. Solche Stellen kommen auch echt nicht oft in meinen Radarbereich. Klar, ich mache weiter, jaja, ich gebe nicht auf (vielleicht doch, aber noch nicht sofort) aber heute war Fluchen und Selbstmitleid angesagt. Warum erzähle ich Ihnen das, wenn ich doch eh kein Köpfchengetätschel haben will? Weiß ich doch auch nicht.

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Auto-Lobhudelei: am Telefon noch die Fassung gewahrt.

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* ach ja und extra bitter: beim Nachschauen im Bewerbungsportal der Firma sah ich am Montag schon, dass ich für 2 andere Stellen auf die ich mich dort beworben hatte, auch nicht mehr in Frage komme, aber auch keine Absage bekommen habe. Sowas kann ich ja eh gut haben. Meine Güte, HR-Leute: you had one job.

Tag 954 – So war’s (ohne Gnihihi).

Nun, also so war das gestern alles. In Langform.

Erstmal: ich habe geschlafen wie ein Stein. Ich habe nicht mitbekommen, dass Michel wohl nachts noch herumgetigert ist und auch nicht, das Pippi in unser Bett kam. Als der Wecker um sechs klingelte, war ich aber sofort wach. Und mein Kopf tat immernoch weh. Und in meinem Kopf sofort wieder Gedanken. Ahhhh! Ich stand also auf, nahm eine Ibuprofen und eine komplette Betablockertablette (sonst nehme ich ja eine halbe und auch erst nachmittags, aber man kann ja mal ne Nebenwirkung gezielt ausnutzen, wenn man abschätzen kann, wie stark die ausfallen wird. Der Arzt hat mir übrigens 1,5 Tabletten als Tagesdosis verschrieben, aber das befördert mich direkt in den Tiefschlaf.) und dann… machte ich erstmal Sport. Eigentlich war es ja eh noch viel zu früh für alles. Also Sport. Mechanisch alles mitgemacht, 35 Minuten, dann Duschen, Hautpflege, Kaffee, nicht denken, nicht denken, nicht denken. Schminken, nicht denken, Anziehen, Kaffee trinken, nicht denken. Irgendwann war es viertel nach acht, ich räumte meinen Kram zusammen, die Kinder waren auch wach, ebenso die Schwägerin, ich schaffte es sogar mit etwas Mühe einen Smoothie als Frühstück runterzuwürgen. Ich packte noch meine Schuhe ein und machte mich mit dem Bus auf zur Arbeit.

Um neun traf ich mich da mit meiner Freundin A., die sich für Kaffee und Ablenkung angeboten hatte. Das war super. Ich traf noch mit meinem Kaffee in der Hand die Opponenten vor dem Hörsaal, machte ein bisschen pseudo-entspannten Smalltalk (während ich an diesem Punkt am liebsten irgendwo in Ruhe hyperventiliert hätte und dann war es auch schon Zeit, den Laptop anzuschließen. Das machte ich, ich bekam auch noch einen Laserpointer von der Administratorin, der lief auch (zum Pointen jedenfalls, mit dem Mac wollte der auch nicht kooperieren), dann kam das Komitee herein und ich schüttelte nochmal offiziell alle Hände. Ich hatte noch Zeit fürs Klo und schaute im Spiegel in ein wohlgeschminktes Gesicht, dem man weder den flauen Magen noch die bohrenden Kopfschmerzen ansah. Gut. Also, naja, so mittelgut. Wieder im Hörsaal nahm ich eine weitere Ibuprofen und dann wurde ich in den Vorbereitungsraum gebeten. Da muss ich sagen, es fühlte sich an als würde ich zum Schafott geführt. Im Vorbereitungsraum sagte uns der Acting Dean dann, in welcher Reihenfolge wir in den Raum und aus dem Raum rausgehen müssen, wer wo sitzen soll und so weiter. Ich balancierte auf der äußersten Kante des Stuhls und hörte mich Witzchen reißen, nach außen voll locker und entspannt, Innen eher so „Ich kotz gleich vor Aufregung hier ins Waschbecken“. Ich sah ein paar Leute ins Gebäude gehen. Dann war es Zeit. Um 10:12 gingen wir runter. Der Komiteevorsitzende – Asbjørn, ein Opamäßiger, netter Typ, der das so ca. Alle drei Monate durchexerziert – sprach beruhigende Dinge, ich erinnere mich nur an „die meisten finden es hinterher eigentlich ganz schön“. Ich war mit der Kontrolle meines Magens beschäftigt und damit, auf meinen Schuhen nicht umzuknicken oder die Treppe runterzufallen. Vor der Tür wurde mir dann mitgeteilt, dass ich das Mikro über die Ohren machen müsse, wegen Dings, und meine Proteste von wegen Unbequem wurden einfach überhört. Das Mikro kam über die Ohren und die Brille obendrauf, die saß dann schief, aber tjanun. Um exakt 10:15 ging unsere kleine Prozession (Dean, 1. Opponent, 2. Opponent, Komiteevorsitzender, ich) dann in den Hörsaal, alle aufstehen, alle hinsetzen, alle auf die vorher angewiesenen Plätze. Der Hörsaal war jetzt relativ voll. Waahhh. Der Dean sagte seine magischen Formeln auf und dann hörte ich „R. Rabe? Please.“

Trial lecture. Das lief wie mehrmals geprobt. Im Prinzip jedenfalls. Mit mehr Aufregung. Und mit dem Bioinformatikprof in der fünften Reihe, der dauernd einschlief. Ich finde mich ja sachlich gut und korrekt, aber nicht sehr unterhaltsam, auch nicht sehr frei gesprochen sondern eher vorgelesen, aber, hey, egal. Genau 40 Minuten und 12 Sekunden redete ich.

Applaus.

Zwei Fragen von den Opponenten, die ich schon wieder vergessen habe. Alle marschieren aus dem Raum. Menschen kommen raus und umarmen mich und sagen Sachen wie „one down, one to go“ und „Good Job“. Mein Chef lobt die gute Zusammenfassung des Themas und die PI die Übersichtlichkeit der Folien und dann gehen wir Mittagessen. Ich stehe ein paar Meter neben mir. Was gab es zu Essen? Ich weiß es, ah doch: Penne Arrabiata. Mein Kopf hämmert. Mein Hals tut weh. Es soll jetzt schnell vorbei sein bitte.

Wieder im Hörsaal. Irgendein Mist ist damit dem Laptop passiert, ich sehe nur den sich drehenden Ball. Ich werde panisch und Herr Rabe übernimmt, ich muss wieder aufs Klo, und auch der Lippenstift will nach dem Essen dann doch mal gefixt werden. Der erste Opponent kommt und will seine Präsentation auf den Hörsaalrechner laden, das geht natürlich nur mit einem Zugang, also meldet sich die Administatorin eben an. Ich bin geflasht von der Tatsache, dass der ne Präsentation gemacht hat. Wow. Als die Präsentation auf dem Computer ist, gehen wir wieder raus und warten auf den Rest des Komitees. Jetzt geht es also um die Wurst. Der Dean kommt im Harry Potter Umhang. Zu meiner Defense. Ernsthaft, meine Defense. Wie verrückt ist das denn? („Sehr verrückt!“ antwortet mir mein schmerzender Schädel.)

Ich halte also auch den zweiten Vortrag. Es gehen Dinge schief. Bei einer Folie bei der ein Übergang von einem Bild aufs nächste sein sollte, geht das erste nicht weg. Bei einem Bild fehlt ein Teil. Ich gehe verhältnismäßig souverän damit um, nach außen jedenfalls, kein Beinbruch. Und hyperventilieren bringt jetzt auch nichts. Nach ziemlich genau 30 Minuten ist es vorbei. Ich atme. Applaus.

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Opponent 1 stellt Fragen. Gute Fragen. Die erste ist so simpel, dass sie mich fast aus der Bahn wirft, aber er – Vollprofi halt – stellt mich direkt zurück aufs Gleis und ab da diskutieren wir recht angeregt über die Thesis, die Paper und andere Paper, die vor kurzem herauskamen. Ich bilde mir ein, nicht die einfältigsten Antworten der Welt gegeben zu haben. Nach 45 Minuten ist es vorbei und wir machen eine kurze Pause.

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Ich nehme ein Triptan. Das hat ja alles keinen Zweck.

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Opponentin 2: fragt auch Fragen. Andere, aber auch gute Fragen. Während der 1. Opponent eher auf Demethylation herumgeritten ist, stellt sie Fragen nach den Effekten. Krankheiten. Funktionen. Auch sie fragt „Was glaubst du, wie das und das geregelt ist.“. Sie fragt aber auch, welches Experiment ich gerne noch in den Manuskripten gehabt hätte. Und was mein Plan ist. („Get a job?“ brachte zumindest Leute zum Lachen.). Irgendwann zwischendurch merke ich, wie mein Kreislauf wegsackt, weil das Triptan wirkt. Ich bleibe aber trotzdem stehen.

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Fertig. Gibt es Fragen aus dem Auditorium? (Hint: ich war noch nie bei einer Defense, bei der es eine gegeben hätte.)

Meine Schwägerin hat eine. Nämlich ob sowas in der Art auch eine Rolle bei oxidativem Stress spielen würde. Ja, natürlich. Oxidative Stress ist noch häufiger als alkylierender und macht auch Mutationen. Genau wie für alkyldamage haben wir für oxidierte Basen auch Reperaturpathways.

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Alle sind fertig. Applaus. „The committee will inform the Dean of the faculty about the outcome“. Ich will meinen Laptop abbauen, aber mir wird bedeutet, dass wir wieder ausmarschieren sollen. Wir gehen aus dem Raum.

Als erstes gratuliert mir der Acting Dean. Frau Doktor Rabe, sagt er. Gratulerer. Dann das Commitee. Ich sei ja ganz ruhig gewesen (haahahahahahaha). Super gemacht. Leute kommen aus dem Raum. Drücken mich. „Good Job!“ „You did very well!“ „Kjæmpebra jobba!“ sagen sie. Nach fünf Umarmungen könnte ich vor Erleichterung auch einfach losheulen.

Dr. Rabe.

Ist jetzt halt echt so.

(Und Feier und so verbloggen mache ich morgen, wenn mir nicht mehr die Augen zufallen.)

Tag 952 – The day before the day…

Huiuiuiuiuiuiui. Aufgeregt. Dabei klappt soweit alles recht gut, Chef sagt das wird schon und morgen sei ich dann Dr. Rabe, was weird ist, weil das ist meine Schwägerin ja. Bei der Arbeit heute mittelmäßige Geheimniskrämerei und eine nette Anfrage, was ich mir denn wünschen würde. Ich mag das ja, wenn Leute nachfragen, anstatt irgendwas zu besorgen, das eventuell total daneben greift. Meine Antwort war übrigens „Ich mag Silberschmuck, vor allem Ohrringe, vor allem lange, bin aber sehr geizig und würde mir nie nicht-günstigen Schmuck selbst kaufen.“ und jetzt bin ich sehr gespannt, was sie draus machen.

Karte für den Chef auch besorgt. Herr Rabe hat meine Bluse fertig gebügelt. Ich habe meine Fingernägel lackiert* und dann Feuer im Ofen angemacht und danach einen Fingernagel nochmal neu lackiert. Sogar die Kinder habe ich fast entspannt ins Bett bekommen. Und dann wegen Kopfschmerzen** das eigentlich geplante Bier abgesagt und trotz Kopfschmerzen noch 5 Artikel überflogen. Man weiß ja nie. Außerdem ist es ganz gut zu wissen, was die Steckenpferde der Opponenten sind.

Inzwischen bin ich ziemlich sicher, dass ich überleben werde. Dass ich nicht in den Papierkorb kotze kann ich aber grad noch nicht garantieren.

Für die Daumendrückfraktion: ich freue mich wirklich über Ihre guten Gedanken. Morgen dann ab 10:15 für 45 Minuten und dann nochmal ab 12:15 für etwa drei Stunden.

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Auto-Lobhudelei: bisher nicht geheult vor Aufregung, auch nicht gebrochen, nicht mal aufgehört zu essen.

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*Nach Qual der Wahl fiel letztere auf einen hellblau-türkisen Schimmerlack von Orly, der passt gut zum Kleid und beißt sich nicht mit der Bluse.

**Aufregungs-Malessen. Habe auch Halsschmerzen und einen fetten Pickel an der Wange.

Tag 951 – Hydroxdings.

So langsam setzt die Nervosität ein. Ach was, „so langsam“, mit Macht setzt die ein. Essen, schlafen, alles nebensächlich, arbeitarbeit zackzack. Nicht mal Lust auf Schminken hatte ich gestern und heute (und bin tatsächlich bis auf Mascara ungeschminkt aus dem Haus gegangen, das ist inzwischen für mich auch sehr ungewohnt). Aber dafür habe ich heute eigentlich alles geschafft, was ich wollte: den Vortrag habe ich auf exakt (!) 40 Minuten runtergekürzt, ohne dass man’s großartig merkt. Leider kann ich jetzt halt nix mehr zu Viren erzählen, das ist schade, Viren sind nämlich echt interessant, faszinierend, wie die sich zusammen mit ihren Wirten entwickelt haben… aber tjanun, mit Viren wäre das halt alles zu lang.

Zu Hause dann Essen gemacht, Besuch aus Deutschland empfangen, noch mehr Besuch aus Deutschland empfangen und den dann direkt mitgeschleift in die Uni: vor Internet-Publikum und im Hörsaal die Probevorlesung proben. Lief schon mal besser als der Probe-Defensevortrag, technisch immernoch nicht ganz perfekt aber geht schon. Das Online-Publikum war auch nett zu mir, es waren am Ende noch alle wach, das ist ja schon mal was. Nach den Rückmeldungen werde ich nochmal an den Einstiegsfolien feilen, bzw nicht an den Folien selbst, sondern an der Sprache dazu, das ist alles noch sehr… präzise. Zu präzise. Und an anderer Stelle fehlen dann ein, zwei Erklärungen, und schwups, hat man das Publikum schon früher abgehängt als nötig, nur weil wir unsere Nomenklatur als so selbstverständlich hinnehmen, dass wir glauben, da nix mehr zu sagen zu müssen.

Morgen werde ich also einige Fachbegriffe rauswerfen und gegen normale Sprache ersetzen und dann kriegt auch am Donnerstag niemand plötzlich Schluckauf oder Augenzucken, weil ich hydroxo statt hydroxy gesagt hab. Weil, „this site in the middle binds this site at one end and forms a loop, then the ends here bind each other and the loop in the middle falls off“: kein hydroxy, kein attack, kein 5′-3′-Zeug.

Geht alles. Ist alles aufregend.

Huiuiui.

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Auto-Lobhudelei: tatsächlich nicht schreiend im Kreis gerannt sondern den Druck genutzt. Getting shit done. Geht jetzt wieder.