Tag 1044 – No Drama, Baby!

Wenn man sehr emotional ist und darüber schreibt, wie alles den Bach runter geht, sind ganz viele ganz plötzlich ganz interessiert. Ich finde ja, das hat was von Katastrophentourismus, aber tjanun. Falls Sie wegen Drama hier sind, muss ich Sie heute eh enttäuschen. Jetzt grade, in diesem Moment, an diesem Tag, in dieser Woche geht es mir nämlich gut. Richtig gut. Es geht immernoch alles den Bach runter, ich repariere keine Fahrräder, die Kinder streiten, mein Fuß tut weh und gestern habe ich den Ofen angemacht, weil es so scheiße kalt hier ist, aber jetzt gerade kann ich damit umgehen, die Einzelteile und auch die Summe machen mich nicht so kaputt und so verzweifelt und so kraftlos wie sonst.

Ich versuche, diesen Zustand nach Kräften zu genießen und nicht daran zu denken, dass er vermutlich nur vorübergehend ist. Spätestens beim nächsten PMS kommt wieder die Depri-Hormon-Keule. Aber vielleicht, ganz vielleicht, geht das kaputt sein ja doch einfach weg. Ganz ganz vielleicht auch ohne die magische Veränderung, die ein Job oder ein Umzug oder beides hoffentlich mitbringen würde. Ich wünsche es mir ganz vorsichtig.

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Auto-Lobhudelei: mich geschont. Physisch wie psychisch. Mich nicht mal von einem Denk- und einem Flüchtigkeitsfehler beim Nähen aus der Ruhe bringen lassen.

Tag 1043 – Kurze Notizen.

„Aktiv arbeitssuchend“ sein ist nicht nur nervig, sondern unter Umständen auch richtig teuer. Zum Beispiel durfte ich ja dieses Event Bzw. die Reise dahin komplett selbst zahlen, weil wegen isso. Auch Mitgliedschaften in diversen Netzwerken sind zwar zum Teil preislich reduziert, kosten aber schon noch was. Kurse die mir weiterhelfen würden (oder zumindest nicht alle meine Gehirnzellen fressen und mich alles anzünden wollen lassen würden) muss ich, genau, selbst bezahlen. Und dann kommen da noch so vermeintlich alberne Aspekte zu wie: nicht jede*r hat Klamotten im Schrank, die man zu Interviews anziehen kann und manch eine*r hat ne Frisur die regelmäßig nachgeschnitten werden will. Meine zum Beispiel will das und da mein Friseur ab nächster Woche für vier Wochen im Urlaub ist, ließ ich heute locker flockige 700 Kronen da. Memo an mich: Für die nächste absehbare Jobsuche-Phase frühzeitig Langhaarfrisur planen und anlegen.

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Woran man merkt, welches Kind abends aus dem Kinderzimmer getappt kommt, bevor es da ist? Pippi schießt die Kinderzimmertür (generell alle Türen, es liegt also nicht an mir, dass:), Michel nicht.

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Pippi wächst wohl bald mal wieder. Die hat ja eh schon so große Füße und jetzt grad futtert sie Unmengen, zu jeder Mahlzeit, und keine Kohlenhydrate, sondern Proteine, Proteine, Proteine. Käse ohne Brot, Veggie-Würstchen aber keine Pommes, Fischstäbchen, Milch, Joghurt… und nachts wieder Bananen. Wir hatten sie schon von den Nacht-Bananen entwöhnt, es ist also anzunehmen, dass es nur wieder ne kurze Phase ist.

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Auch Pippi: geht jetzt ab und an aufs Klo. Und pullert dann auch. Ok, sie findet auch sehr spannend, dass sie auf dem Klo sitzend recht gut ihre Vulva untersuchen kann. Aber hey, sie ist fast drei, das mit dem Klo fände ich langsam echt gut, und dass sie wissen will, was da zwischen den Beinen alles ist, was man sonst ja schlecht selbst sieht, ist ja normal. Auch wenn ich heute das Angebot „Mama Pippi auch kitzeln?“ schmunzelnd ablehnte und hinterherschob, dass überhaupt gar keiner sie da kitzeln soll, außer ihr selbst. Und sie selbst auch besser nur, wenn ich nicht direkt daneben sitze.

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Michels unangenehmer Freund wird vielleicht doch nicht auf derselben Schule anfangen. Es gab da wohl einen unschönen Vorfall mit dem Alkoholiker-Vater und seitdem hat die Mutter das alleinige Sorgerecht, die Mutter wohnt aber inzwischen in einem anderen Stadtteil und der kleine Bruder wird ja, wie alle Kinder des Kindergartens (s.u.), nach den Ferien den Kindergarten wechseln – in einen bei denen in der Nähe. Dass Michels Freund also in die dortige Stadtteilschule geht, ist recht wahrscheinlich. Ich bin nicht soooo traurig. Also, ich fühle mit dem Kind wegen des Vorfalls und der generell bescheidenen Situation, aber ich finde schön, dass mein Kind das vielleicht nicht mehr ausbaden muss, was Erwachsene an diesem Kind verkackt haben.

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Unsere KiTa macht ja zu, es regt mich eh kolossal auf, aber sie sind jetzt schon seit zwei Wochen massiv am Abreißen und das finde ich echt unmöglich. Da gehen noch Kinder hin, ey, und denen wird sozusagen der Kindergarten unterm Hintern demontiert. Ich möchte da echt mal den Verantwortlichen bei der Kommune die Meinung sagen, diese ganze Aktion ist von vorne bis hinten mies.

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Auto-Lobhudelei: heute mehrere Job-Mails geschrieben, bei denen ich höflich, aber direkt mal nach dem Status gefragt hab. Auch: auf meinen Körper gehört und meinen Fuß geschont, der tut nämlich weh und mag weder gehen noch hopsen. Werde wohl einige Oberkörper-Workouts machen in den nächsten Tagen.

Tag 1042 – Neun Jahre.

Seit neun Jahren und ein paar Stunden sind Herr Rabe und ich jetzt verheiratet. Um diese Zeit vor neun Jahren saßen wir in unserer Küche, wo wir mit Freunden bestellte Pizza gegessen hatten und tranken Bier. Herrje, was waren wir jung. Und herrje, was war das toll. So „früh“ zu heiraten, also jung und nach grad mal guten eineinhalb Jahren Beziehung, war im Nachhinein betrachtet eine der besseren Ideen, die wir so hatten.

Auch wenn uns in den letzten Jahren auch nicht immer die Regenbogen pupsenden Einhörner um die Ohren flogen (Danke, liebe Jette, für diesen Ausdruck!), haben wir doch immer zusammengehalten. Wir haben uns und wir haben uns lieb. Und unseren Hochzeitstag vergessen wir beide grundsätzlich und „feiern“ auf der Couch. So kann’s gern noch neun…undfünfzig Jahre weitergehen. Oder mehr. Murch!

Tag 1041 – Der Bauch und ich.

Neulich bekam ich zu diesem Foto hier den Kommentar, ich hätte einen schönen Bauch. Und ich antwortete, dieser Bauch sei das Produkt von guter Grundfitness, dann zwei Schwangerschaften, zweimal Schilddrüsenscheiß und jetzt sechs Monaten Training. Das wurde als Verteidigung verstanden, dabei war es gar nicht so gemeint gewesen. Seitdem wollte ich das mal näher ausführen, und heute, als ich in einer Umkleidekabine so ein hautfarbenes Ganzkörper-Shaping-Dings anhatte, fasste ich den Entschluss, das auch zu tun.

Also. Mein Bauch. Einstmals war er super trainiert, ganz flach und vor allem fest. Das ist aber wirklich schon sehr lange her, nämlich schätzungsweise 15-18 Jahre. Dann bekam ich ohne erkennbaren Auslöser so ein kleines (also wirklich ein sehr kleines) rundes „Frauenbäuchlein“. Also halt eine kleine Minikugel unterm Bauchnabel, an einigen Tagen und in einigen Phasen deutlicher zu sehen als an/in anderen. Anfangs störte mich dieses Bäuchlein total, weil man das sah, wenn ich saß, das rollte sich und plötzlich konnte man auf die Idee kommen, das sei keine Kugel sondern eine Rolle. Ich fühlte mich unwohl und versuchte das wegzutrainieren, mit mäßigem Erfolg. Irgendwann fand ich mich damit ab, dass mein Bauch halt, egal wie trainiert ich war, nicht wieder ganz flach wurde, aber so richtig happy war ich nicht damit.

Dann bekam ich ein Kind, der Bauch wurde riesig, bekam Schilddrüsenscheiß und der Bauch ging tatsächlich ganz weg, bekam noch ein Kind und der Bauch wurde wieder riesig, bekam wieder Schilddrüsenscheiß, bemerkte es aber rechtzeitig, sodass sich der Gewichtsverlust dieses Mal in Grenzen hielt und dann trainierte ich viel, auch den Bauch, vor allem aber die gesamte Rumpfmuskulatur, und dann ist jetzt.

Wie ist mein Bauch jetzt? Nun, optisch nicht so viel anders als damals mit meinem Frauenbäuchlein. Etwas breiter ist er geblieben, weil sich die Rektusdiastase nicht wieder ganz geschlossen hat, etwa einen Zentimeter habe ich da also jetzt mehr. Der Bauchnabel sieht etwas anders aus. Je nach Zyklusphase, Blasenfüllstand und dem zeitlichen Abstand zur letzten Mahlzeit habe ich ein mehr oder weniger deutliches Frauenbäuchlein unterhalb und mehr oder weniger erkennbare Bauchmuskeln oberhalb des Nabels. Die Haptik hingegen hat sich im Vergleich zu früher deutlich verändert, denn mein Bauch ist jetzt weich. Über den Bauchmuskeln spannt sich jetzt keine straffe Teenie-Haut mehr, sondern man kann die wattige Haut-Speckschicht munter hin- und herschieben und darin herumwalken (etwas, das die Kinder auch gerne tun, das ich aber meist sehr schnell unterbinde). Wenn ich beim Sport im Vierfüßlerstand stehe, hängt dieser Teil des Bauches richtig runter, wie bei einem Beuteltier. Also, so stelle ich mir das vor, wenn sich ein Beuteltier so hinstellen würde, dass da dann einfach der Beutel runterhängt.

Tatsächlich gucke ich in den Spiegel (und das tue ich oft, ich bin einigermaßen eitel), pieke ein bisschen in den weichen Bauch, bohre mich manchmal zu den Muskeln durch und freue mich darüber, wie fest die sind und dann schaue ich ganz genau hin und finde mich total in Ordnung so. Weich. Mit einem Bauch, dem man ansieht, was er geschafft hat und was er mitgemacht hat. Vielleicht ist auch mein Blick auf meinen Körper weicher geworden, wer weiß das schon so genau. Ich bin jedenfalls froh, dass ich nicht mehr dauernd denke „Oha, so nicht sitzen, der Bauch!“. Objektiv gesehen war ich vor 10 Jahren noch viel näher am allgemeinen Bild von Schönheit, dabei mag ich meinen Körper jetzt in der post-Straffheits-Phase viel mehr.

Wie kam es dann zum Shapewear-Vorfall? Nun, der oben gezeigte Rock ist ein biiiisschen durchsichtig. Nicht schlimm, aber so, dass sich meine üblichen weißen Unterhosen abzeichnen. Es sieht dann von oben nach unten so aus: Rockbündchen, haut-durchscheinender Rock, weiß-durchscheinender Rock. Für das Foto hatte ich deshalb auch eine Unterhose bis zum Anschlag hochgezogen, das ist nur nicht praktikabel, wenn man auch gehen möchte. Oder atmen. Also wollte ich mir neue Unterhosen kaufen und dachte mir, ich könnte es ja mal mit so Shapewear probieren, wer weiß, was die noch rausreißt und dann könnte ich ja auch bestimmt ganz toll sitzen ohne dass der Bauch in seiner ganzen Weichheit irgendwelche Sachen macht, die ein Gegenüber vielleicht mit nicht ganz so weichem Blick betrachtet. Und weil ich keine Ahnung habe, habe ich heute bei Lindex (ja eh meinem favorisierten Unterwäsche-Laden) einfach alle verfügbaren Modelle in 36/38 und 40/42 mit in die Umkleide genommen. Beim Anprobieren fing ich bei „festerer Schlüpper“ an und arbeitete mich bis zu „20er-Jahre-Badeanzug in hautfarben“ vor. Die Größe war schon eine Hürde, weil 40/42 zwar bequemer saß, aber rutschte (die wenig formenden Versionen) oder Falten warf (die stärker formenden). 36/38 war bei einigen Unterhosen-Modellen am Beinausschnitt zu eng, sodass es da eine Beule gab und beim Body und beim Badeanzug war einfach die Gesamtlänge viel zu kurz (als wären schlanke Frauen automatisch auch viel kürzer). Und so stand ich in der Umkleide, probierte und probierte, beäugte meinen Körper kritisch von allen Seiten, alle Fältchen und Röllchen und den weichen Bauch und den weichen Bauch in der plattgedrückt-Version und die Kalbsschnitzel Brüste und ich fragte mich, ob man bei so einem Body oder auch dem Badeanzug den BH wohl drüber oder drunter trägt und ob sich da keiner fragt, warum jemand vier BH-Träger hat und ich guckte ganz kritisch meinen Bauch und meine Taille an und die Beinausschnitte und den Po und dann zog ich mich an und hängte den ganzen Kram auf den Nein-Danke-Ständer und holte ganz normale High-Waist Unterhosen in weiß. Und am Ende hätte ich dann fast sechs davon gekauft. Das Durchschein-Problem beheben die nämlich genauso und mein Bauch gefällt mir formlos un-shaped immernoch am Besten. Das hat selbst mich ein bisschen überrascht. Aber positiv.

Keine „gefürchteten Bauch-Weg-Schlüpfer“ wie in Bridget Jones.

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Auto-Lobhudelei: voll zufrieden mit meiner Entscheidung und allem. Außerdem hat noch nie wer so effizient die relevanten Infos (Essen ja/nein? Wann bringen? Wann holen? Wann anfangen?) Bei der Erzieherin von Pippis neuer Kita abgefragt wie ich heute.

Tag 1039 – Die 45-Minuten-Bluse.

Jeah, Klickbait-Titel! In Wirklichkeit hab ich deutlich länger dafür gebraucht, aber mit Übung sind 45 Minuten gut machbar. Im Grunde ist der Schnitt nämlich so easy, dass man ihn kaum Schnitt nennen kann. Aber sehen Sie vielleicht erstmal hier, was meine Inspiration war. Eigentlich war ich nämlich drauf und dran, einfach ne Bluse zu kaufen. Meine bevorzugte Marke für seriösere Kleidung, die trotzdem noch keine Niere kostet, ist seit jeher Esprit und die einzigen paar seriösen Kleidungsstücke, die ich besitze, sind alle von da. (Und ich winke an der Stelle mal in die Schweiz.) Leider sind die paar Sachen, die ich hab, aber alle eher langärmlig und warm, ich hätte halt gern noch was sommerlicheres. Esprit gibt’s hier aber im Laden eh nicht und online-Shopping ist irgendwie nicht so ganz meins, und dann kommt noch erschwerend hinzu, dass ich bei vielen „simplen“ (in Modesprech: clean) Sachen inzwischen sofort denke: das kann ich auch selbst machen. Wenn ich es selbst mache, habe ich noch Spaß dabei und in irgendeinem krassen Niedriglohnland muss niemand für mich Kleidung nähen*. Bisher kam dabei immer heraus, dass ich das Kleidungsstück nicht gekauft, aber auch nicht nachgenäht hab, weil, ach. Weil halt. Diesmal aber schon.

Das Ergebnis sieht so aus:

Der Schnitt ist mega einfach und sieht im Grunde aus wie ein Tetris-L. Die untere Kante habe ich außen noch abgerundet, sodass Vorder-und Rückteil wie ein U geformt und nur bis zur Rundung vernäht sind, sieht man hier nicht, aber dadurch kriege ich halt kein Enge-Problem über den Hüften.

(Weil durch die Falten der Kragen enger ist, muss eine Lösung her, das über den Kopf zu kriegen.)

Das Ganze geht dann ca. so: man nehme einen leichten und ganz weich fallenden Stoff, hier gewebte Viskose. Schneide alles zu, Vorne, hinten, Belege nach Wahl (je nach Halsausschnitt, für den Kragen mit Falten braucht es vorne einen schmaleren Beleg, dafür hinten zwei breitere Teile, für den Fake-Hemdkragen hinten schmaler, vorne zwei breitere Teile), ergibt 5 Teile. Für mich reichen da 65 cm Stoff dicke. Bei Webstoffen alle „offen bleibenden“ Kanten versäubern, also alle, die nicht mit einem anderen Stoffteil vernäht werden. Für Version 2 die Falten am Halsausschnitt vorbügeln und mit Nadeln fixieren, dann Schulternähte schließen**, Schulternähte am Beleg schließen, Belege annähen*** (Obacht bei dem „V“-Ausschnitt an Version 1, auf jeden Fall den Stoff bis zur Naht einschneiden, auch wenn’s die Nerven kitzelt, sonst wird’s ömmelig!). Die Naht unterm Arm schließen**, die Seitennähte schließen, unten säumen, die Ärmel entweder normal säumen oder zweimal umschlagen, bügeln und mit ein paar Stichen unauffällig fixieren. Für Version 2 hinten einen Knopf annähen und eine Garnschlaufe andutzeln. Fertig ist die Laube, äh, Bluse.

Das ist jetzt natürlich kein toll figurnaher Schnitt, soll es aber auch nicht sein. Dadurch dass der Ärmel nicht durch eine Naht abgesetzt ist, ich aber gar nicht aussehe wie ein T, ziehen sich da natürlich Falten an den Schultern, was, wie ich finde, nochmal einen lässigeren Look macht. Ich liebe die Kombination aus feinem Stoff und lockerem Schnitt, ich mag wie es fällt vor allem so in den Rock gestopft. Für mich ist das eine super Möglichkeit, seriös (und modisch! also bis nächste Woche, da ist dann wieder was anderes modisch) auszusehen ohne mich zu verkleiden. So können Sommer-Vorstellungsgespräche kommen. Und hell yeah, ich habe das selbst gemacht. Ganz allein. Auf dieser Welle des Größenwahns reitend werde ich mir noch so eine Bluse machen. Aus Seide. Version weiß ich noch nicht.

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Auto-Lobhudelei: fast nahezu halbwegs cool die einigermaßen eskalierenden Kinder ertra… begleitet.

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*Wobei das recht kurz gedacht ist, das ist mir schon klar. Zum Beispiel werden meine Stoffe sicher nicht in Norwegen gewebt und gefärbt und die Frau in der Fabrik in Bangladesh arbeitet sich sicher den Arsch wund, aber ja auch nicht zum Spaß, sondern die ernährt damit vielleicht fünf Kinder und die klapprige Mutter und wenn jetzt deren Job wegfällt, weil keiner mehr das Zeug kauft, ist das erstmal Käse, so ohne irgendeine Arbeitslosigkeits-Absicherung. Aber ne gute Lösung dafür kann wiederum meiner Meinung nach nicht von mir verlangt werden, da müssen in allererster Linie die Staaten ran, in denen Niedriglohnarbeit ein akzeptiertes Geschäftsmodell ist.

**Für nach außen gekrempelte Ärmel empfehlen sich da französische Nähte, also erst links auf links nähen, umkrempeln und die Nahtzugabe der ersten Naht mit einer zweiten Naht rechts auf rechts sozusagen in einer Tasche einschließen. Umbügeln, fertig.

***Bei Version 2 habe ich die Belege angenäht, bevor ich die Schulternähte geschlossen hab und fand das deutlich einfacher.

Tag 1038 – NORGER 1:0.

Die Blusenfotos müssen warten, dafür habe ich inzwischen zwei Blusen nach meinem selbst ausgedachten Schnitt, mit unterschiedlichen Halsausschnittvarianten und ich muss dieses Erfolgsgefühl noch ein bisschen auskosten.

Zu etwas anderem: Fußball. In Russland rennen zahllose Männer hinter Bällen her und weltweit gucken sich noch viel zahllosere Menschen das an und fühlen da vermutlich was. Ich nicht so. Fußball, generell jedes Sportevent, dass ich nur in 2D erfahre, finde ich langweilig. Sterbenslangweilig sogar. Ich mag manchmal mit Leuten zusammensitzen und sowas gucken, wenn es Bier und Grillwürstchen gibt und (und auch echt nur dann) wenn weiterhin normale Erwachsenenunterhaltungen möglich sind. Von Gegröle und vielen Schiedsrichtern kriege ich ganz schnell derbe Pickel und Galle und muss dann leider gehen. Und was absolut gar nicht geht, ist das dauernde Geschwafel über Fußball, beim Bäcker, bei der Bank, bei der Fußpflege und während die Kosmetikerin die Fußball-bedingten Pickel ausdrückt: „Hammses gestern gesehen? Das war ja was, also!“. Da hilft es dann leider nicht mehr weiter, meinen innerlichen Happy Place aufzusuchen. Man kommt ja auch fix in Erklärungsnot. „WAAAAS DU GUCKST KEIN FUSSBALL? NICHT MAL ZUR WM???“ Öhömm, möchte ich da antworten, erst recht nicht zur WM! Dieses ganze Schland-Gehabe ist mir zutiefst zuwider. Jeder Hinz und Kunz freut sich insgeheim, dass man endlich mal wieder ein bisschen stolz auf sein Land sein darf, und jede*r rechtsangehauchte Politiker*in freut sich ein bisschen, dass es wieder ein bisschen normaler geworden ist, dieser Nationalstolz, Flaggen überall und naja, dass nicht alle die Nationalhymne mitsingen wird man ja wohl noch thematisieren dürfen. Das alles finde ich zum Kotzen. In den Ligen kommen noch die absurden Fußballergehälter und Transaktions-Summen dazu, da könnte ich mich ewig drüber aufregen, genauso darüber, dass Männerfußball in Schland der Inbegriff der Männlichkeit ist und Frauen, die sich anmaßen, Profi-Fußballerinnen werden zu wollen werden verlacht und müssen nebenher noch irgendeinen Brotjob machen, weil Damenfußball eben nicht wie die hässliche kleine Schwester vom „richtigen“ Fußball gesehen wird, sondern eher wie das hässliche Hühnerauge am kleinen Zeh der Oma des „richtigen“ Fußballs.

Glücklicherweise leben wir jetzt in Norwegen. Die Norweger sind nicht soooo toll im Fußball. Man kann auch die norwegische Flagge voll schlecht mit Schminkstiften abbilden, höchstens stempeln und, ach, so wichtig ist es ja nicht, dass jetzt jede Versicherung ein eigenes Set an Norwegen-Fandingsis verteilt. Ich sage ihnen: das ist echt schön so. So kann ich sogar Fußball-WM einigermaßen ertragen, Bier und Grillwürstchen in angenehmer, nicht-grölender Gesellschaft tun ihr übriges. Da ich ja auch nicht arbeite, entfällt das „Hei, Gratulerer!“ an Tagen, nachdem die Deutsche Mannschaft (offensichtlich) wieder gegen irgendwen gewonnen hat, es werfen sich nicht mal meine brasilianischen Ex-Kollegen vor mir (in meiner Funktion als Die Deutsche) in den Staub. So ist halt auch ganz schön, doch.

Bis dann wieder Winter ist und norwegische Langläufer im Kreis durch irgendwelche mehr oder weniger künstlich beschneiten Landschaften gleiten, alle Norweger in den Mittagspausen vorm Fernseher kleben und keinerlei Gespräche über nicht-Wintersport mehr möglich sind. Dann ist es nicht mehr ganz so schön, denn Langlauf im Fernsehen übertrifft den Langeweilefaktor von Fußball noch mal um Längen.

Irgendwas ist halt überall.

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Auto-Lobhudelei: trotz Unlust und Kopfschmerzen Sport gemacht und, also, die Blusen. Hach.

Tag 1037 – Zu müde zum Erzählen.

Morgen ausführlich und mit Bildern, heute nur ganz kurz bevor mir die Augen zufallen: ich hab zum ersten Mal was richtig from scratch genäht, nur nach nem Bild und meinen Maßen. Und es hat geklappt. Hurra!

Pippi war heute das erste Mal ohne uns irgendwo anders. Nämlich beim 3.Geburtstag ihres Freundes M., dem Sohn der Leiterin des Kindergartens. Wären die fremder gewesen, hätte es vermutlich lange nicht so reibungslos geklappt. So bekam ich sie nur unter Protest überhaupt da weg. Und trug dann ein „Trampolin!“-murmelndes, schlafendes Bündel die Treppe hoch. Für Pippi war es aber wohl doch sehr sehr aufregend, sie schläft unruhig und redet, weint und motzt im Schlaf. Hachja. Auch dieses Baby wird langsam groß.

Tag 1036 – Endlich mal wieder!

Mein Kind zurück! Es war ganz toll und jetzt ist er ganz platt. Und weil er nämlich jetzt ein großer Junge ist, wollte er auch direkt zum ersten Mal allein zu Hause bleiben, als ich Pippi vom Kindergarten abholte. Und weil ich eine starke Mutter bin (und er unten nicht an die Türklinke kommt, also in keinem Fall das Haus verlassen kann) durfte er das dann auch. Mit viereckiger Tante an und Apfelschorle auf dem Tisch. Hat super geklappt. Mein Großer! Hachz.

Aber eigentlich wollte ich sagen: Was genäht. Wieso vergesse ich immer, wie gut mir das tut? Wie entspannend das ist. Genau wie Sport, irgendwie ist der innere Schweinehund da echt stark. Aber wenn man nicht immer im Netz rumhängen will und keine Nerven mehr für Bewerbungen hat, respektive wenn man die Oberarme kritisch beäugt ob die Muskeln schon schrumpfen, dann kann man ja beides wieder aufnehmen, man kriegt zwar Muskelkater (wie Sau, tatsächlich, Hupsi…) und braucht zum Zuschneiden plötzlich ewig, aber es klappt dann ja doch alles und am Ende hat man nen neuen Rock.

Den müsste man mal bügeln, aber da man den erstmal waschen muss, ist das witzlos. Ich wollte ihn aber unbedingt heute schon zeigen.

Das ist übrigens ein Ella-Hack. Also das Ella-Kleid von Pattydoo aber nur der Rock. Den Streifen, den man zwischen Oberteil und Rock machen kann, habe ich deutlich verbreitert und als Bündchen genommen. Weil ich das Bündchen außerdem mit Vlieseline verstärkt hab und auch gern möchte, dass der Rock *genau da* sitzen bleibt und nicht beim Tragen runter wandert (mein Ella-Kleid tut das, der Viskosejersey ist halt schwer und zieht runter, da bräuchte es eigentlich was stabilisierendes in der Taille), hat er auch einen nahtverdeckten Reißverschluss und weil ich ein Trottel bin ist der nun an der rechten Seite statt an der linken oder hinten, wo ich ihn eigentlich haben wollte. Aber egal. Der Rock schwingt ganz wunderbar und ich find ihn super so. Beim nächsten mal mache ich noch Taschen dran.

Ach ja: ein Hoch auf den Stoffklebestift! Super Teil, grade an so etwas friemeligen Stellen echt eine Erleichterung, verglichen mit Nadeln. Ich mag ja die Wonderclips auch sehr, aber dafür braucht man halt immer ne Kante. Und ich brauche auch mehr Wonderclips.

(Das Foto hat Herr Rabe gemacht und der hat gesagt, ich soll „so die Hüfte rausmachen“, vorher sah es nämlich irgendwie sehr… breit aus alles, dabei ist der wirklich gar nicht breit oder massiv. Hmm.)

Auf jeden Fall werde ich mindestens noch eine Ella nähen, wieder als Kleid, aber mit kurzen Ärmeln und einem… hmm, vermutlich runden Ausschnitt. Ich mag das Schnittmuster. Und ich hab im Winter so einen tollen Jersey gekauft, ich freu mich schon!

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Auto-Lobhudelei: Herrn Rabe nicht umgebracht, als er 40 Minuten vor Ladenschluss des Stoffladens am anderen Ende der Stadt dann endlich von der Arbeit kam. Und ich noch keinen Reißverschluss hatte.

Tag 1033 – Viel Gebacken und ein bisschen Kindergedöns.

Wenn der Sommer halt wieder sehr Trøndermäßig ist (also: um die 12 plus minus 5 Grad, plus minus Regen), macht man halt den Backofen an und backt gegen die mäßige Laune an. Heutige Ausbeute: zwei Brote und ein Rhabarberkuchen. Und zwei Flaschen Rhabarbersirup*. Herr Rabe hat jetzt gelernt, dass man Rezepte immer ganz lesen sollte, denn im letzten Satz könnte sowas stehen wie „Kuchen in der Form auskühlen lassen“. Lecker war’s trotzdem, auch wenn es eine leichte zerflossene Matsche war, die sich halt besser mit dem Löffel als einer Gabel essen ließ. (Kein Foto. War echt optisch nicht so ganz schön.)

Michel hat heute gelernt, dass er keinen Rhabarber mag (wie hätte es auch anders sein sollen, dieses Kind ernährt sich ja konsequent vitaminarm). Pippi hat gelernt, dass sie „Rababa“** schon mag, aber nicht, wenn Michel das verweigert. Und nicht roh, aber dann mag ich den ja auch nicht.

Generell ist das mit Michel grad wieder einigermaßen anstrengend. Weil einfach alles zu einem Wutanfall führt. Egal was, es ist ein Drama. Zum Beispiel: da war ja Rhabarber auf dem Kuchen. Ekelhafter, alles verseuchender Rhabarber. Streusel, Vanillecreme und Boden mochte er zwar, aber bekam schon mal vorsorglich einen Heul- und Wütanfall, weil das ja sicher quasi unmöglich sein würde, den Rhabarber zu entfernen. Anderes Beispiel: er möchte dauernd Sachen haben. Teure Sachen, zum Beispiel einen Lego-Zug oder das Lego-Batmobil. Wir erklären dann, dass wir das nicht einfach so kaufen (Schreul!!!), er sich das aber ja zum Geburtstag wünschen kann (Schreuuuuuldasistaberjanochsoooooolange!). Wir erklären „Geld“ und „Wert“ und auch, dass wer alles immer sofort bekommt, Sachen vermutlich nicht wertschätzen lernt (Schreulwüttob!!!). Solche Situationen, und davon gibt’s ja im Leben mit Kindern ständig welche, führen halt momentan direkt zum Tobsuchtsanfall. Ich würde ja gerne behaupten, dass ich gar nicht weiß, woher er das hat, aber sagen wir’s mal so: der ist ich mit der Impuls- und emotionalen Kontrolle eines Fünfjährigen. Juchhe. Hoffentlich finden wir alle noch einen Weg, damit mit weniger Schreien umzugehen. Erstmal haben wir heute abgemacht, dass er ab den Sommerferien ein wöchentliches Taschengeld bekommt, damit er ein besseres Gefühl für den Wert von Geld bekommt. Vielleicht hilft’s ja. Wegen der Höhe haben wir ja null Ahnung, da kann man’s ja auch wieder nur falsch machen, aber wir fanden, dass der Gegenwert von einem im normalen Laden gekauften, normal großen Eises ganz gut ist. Das sind dann ca. 25 Kronen (etwa 2,70€) das kommt mir irre viel vor (ich bekam 1 DM damals!) aber Norwegen heute ist halt nicht Deutschland vor 27 Jahren und für 10 Kronen kriegt man hier nicht mal eine Packung Hubba Bubba (das kaufte ich damals dann für meine Mark, oder eben zwei (!) Kugeln Eis beim Bäcker oben an der Straße), das kann’s ja auch nicht sein irgendwie. Die Zuckerwatte beim Juba Juba Festival neulich kostete 50 (!!!) Kronen. So zum Vergleich.

Pippi versucht hingegen immer, ihren Willen zu kriegen, IMMER, jetzt hat sie zum gewöhnlichen Repertoire einer knapp Dreijährigen*** noch die Drohung „… eller så sier jeg ifra!“ (frei übersetzt: „… sonst petz‘ ich!“) hinzugefügt, sicher ein Kindergarten-Ding. Ist halt nur lustig, wenn sie das bei uns versucht, wem will sie da denn petzen? Ihrem Teddybär?

Insgesamt also alles vermutlich ziemlich normal hier, nur mit Rabarbra.

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Auto-Lobhudelei: Recht gelassen die meiste Wut hingenommen. „Begleitet“, sagt man in Erzieher*Innen-Sprache.

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*gestern habe ich Rhabarber gekauft, weil ich eigentlich 1 kg einfrieren wollte, bis die norwegischen Erdbeeren kein Vermögen mehr kosten. Morgen muss ich dann also noch ein Kilo Rhabarber kaufen um es einzufrieren.

**Wir sind Westfalen, Rabaabaa. So.

***Also auch Schreulen und Hauen und sich auf den Boden werfen.

Tag 1031 – Nervositäts-Ablenkungs-Programm.

Heute habe ich Bad und Küche geputzt. Dafür gab es drei Gründe:

  1. Die Putzhilfe hat Urlaub und kommt erst am 19. wieder,
  2. Die Putzhilfe hat auch Höhenangst und steigt nicht auf Leitern oder Hocker oder dergleichen (wofür ich gar nicht mal undankbar bin, die ist hier ja meist allein und auch schon etwas älteren Semesters, ich bin nicht so scharf drauf die mit nem Beinbruch hier zu finden),
  3. Ich brauchte Ablenkung davon, dass weder der Mann neben der Chipsfabrik noch der Fahrradladen sich nochmal gemeldet haben (und aus Gründen sollte das weder Social Media noch Bewerbungen schreiben sein).

Jetzt sind Bad und Küche sehr sauber, auch wieder auf den Schränken und auf dem Waschmaschine-Trockner-Turm. Die Schnecken haben einen Satz frischer Erde und ich habe ein Gelege gefunden und eingefroren*. Wir haben für das Wochenende wieder Brötchen, die habe ich auch noch schnell gebacken. Nur angerufen oder sich sonstwie gemeldet hat noch keiner. Naja. Morgen könnte ich noch Saugen, Wischen und auf den tausend kleinen Regalen im Wohnzimmer staubwischen. Die Wäsche verräumen, den Kinderkram endlich ins Netz stellen und dann wollte ich ja auch seit ewig noch was nähen. Oh und Altpapier muss auch weg – unter anderem die zweieinhalb Ordner durchgeackerter ICH-Guidelines. Vielleicht ist mir das auch zu wenig rituell. Mal sehen.

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Auto-Lobhudelei: produktiv umgesetzt, meine Hummeln im Hintern.

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*nein, nicht um die aufzuheben. Um die… zu töten. Ca. 200 Schneckenembryos habe ich also heute auf dem Gewissen.